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Donnerstag, 16. Juni 2011

Entschleunigungs-Strahlung

In der Vergangenheit belästigten mich Aliens ständig mit Minutenentführungen (auch "Mikroentführung" genannt). Ständig fehlten mir Zeiträume kleiner gleich fünf Minuten, vor allem in der Zeit zwischen Weckerklingeln und Losfahren zur Arbeit (Blogbeitrag).
Jetzt haben die Säcke was Neues: Sie traktieren mich mit Entschleunigungs-Strahlung...

Heute morgen wachte ich auf und statt sofort aus dem Bett zu springen und die Rollladen hochzureißen, blieb ich erst einmal liegen, ließ alle 116 Gelenke knacken und grunzte wohlig vor mich hin. Ich schlenderte zur Dusche. Dort ließ ich die Seele baumeln. Danach suchte ich mir sorgfältig Kleidung heraus, zog mich an, kramte wählerisch meine Nahrung fürs Büro zusammen.
Meine Haare formte ich zu einem Kunstwerk der Postmoderne - haha!
Hach!
Oh perfect day!
Gleich würde ich noch beim Bäcker Brötchen holen und...
Ich setzte meine Brille auf. Die Flauschigkeit meiner -8 Dioptrien-Welt wich schlagartig der scharfkantigen Realität!
Es war sieben Minuten nach acht - statt zehn Minuten vor acht.

Dieser Alien-Scheiß macht mich noch ganz fertig.

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Freitag, 20. November 2009

Homo sapiens novemberensis


Regenwetter II
Originally uploaded by van-der-Waal
Ein schrilles Tönen, das mein umnebelter Verstand kaum als mir geltendes Signal identifiziert, dringt mir ins Ohr. Auf meinen darniedergeworfenen Körper wirken mich zermalmen wollende Drücke ein, wie sie in der Tiefsee herrschen mögen. Ich versuche mich zu regen, doch die unbarmherzige Gravitation eines Jupiters quetscht mich in den Untergrund, fixiert mich wie ein Insekt auf einem Objektträger.
Ein schütteres Winseln entringt sich meiner Kehle.
Schier übermenschliche Anstrengung versetzt mich in die Lage, einen Arm unter der mich vor der Eiseskälte der Außenwelt schützenden Umhüllung vorzustrecken. Zitternd tastet diese meine Hand durch die sie umgebende, stygische Finsternis.
Mit letzter Kraft gelingt es, die Nachweck-Taste an meinem Wecker zu betätigen ...
Bewusstlosigkeit umfängt mich gnädig, wie Melasse.
Abermals das Tönen, einmal, zweimal.
Ein kraftraubendes Aufbäumen später stehe ich übergangslos vor dem Fenster und zerre wie ferngesteuert den Rollladen nach oben.
Der Himmel ist wie ein Hämatom.
Das fahle Funzeln des Tages versucht, meine Netzhäute zu schädigen. Mit auf die Augen gepressten Fäusten stolpere ich an Türrahmen aneckend ins Bad.
Die Menschwerdung unter der Dusche ist ein Fehlschlag, ein Konkurs.
Auf eine niedrigere Stufe der Evolution gezwungen, wanke ich gebeugt zurück in Schlafzimmer. Wahllos greife ich Kleidung aus einem Haufen Getragenem, kleide mich an, so gut es geht.
Beim Verlassen der Wohnung fällt mein blutunterlaufener Blick auf die Uhr, ich bin mal wieder 10 Minuten zu spät!
...
Dabei lief doch alles so gut - für einen Novembermorgen.

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