Dienstag, 20. März 2018

ru24 History: Mit dem Auto in den Urlaub fahren (1981)

photo credit: tonylanciabeta Retro Cars  Retro Ford Magazine Track Day Brands Hatch 22nd July 2009  IMG_9411 via photopin (license)

Es begann bereits eine Woche vor Urlaubsbeginn. De Mutter ließ den Vatter die Koffer von ganz oben aus der Abstellkammer holen. „Die Koffer“ waren aus etwas rissigem Kunstleder und in den Farben Schlammbraun und Schwarz, zwei waren weinrot. Aufgrund ihres nur mäßigen Wiedererkennungswertes im Falle einer Flugreise waren sie an einigen Stellen mit roten, kreisrunden Fahrradreflektoren beklebt. Nun standen sie also geöffnet auf dem Boden als Schikanen im Wohnungsflur und Elternschlafzimmer herum und wurden von QM peu à peu und vor allem mit viel Seelenruhe befüllt: Hier mal ein paar T-Shirts, da ein paar Shorts, Rei in der Tube, Schlüpper, Nagelnecessaire, Pflaster usw. Die Katze namens „Katz“ inspizierte die Gepäckstücke ab jetzt regelmäßig und machte von Zeit zu Zeit ihre Nickerchen in ihnen. De Vatter wurde von QM abends turnusmäßig befragt, was er denn an Kledage in den Urlaub mitzunehmen gedenke. Doch diesem Thema stand er grundsätzlich unverständlich ablehnend gegenüber, so brach er jede Befragung ab, als reiche ihm allzeit die Kleidung, die er am Leib trug. Also packte QM für ihn seufzend lediglich ein wenig mit ein. Theoretisch hatte natürlich jeder von uns vier einen eigenen Koffer, aber praktisch hatten wir jeder nur knapp über einen halben Koffer und QM hatte derer zwei. Zusätzlich zu den Koffern sammelten sich noch eine mächtige Reisetasche aus vage ockerfarbenen Kunstleder, Mutters beige Handtasche, diverse Stoffbeutel mit Schuhen, Jacken und Kleinkram wie Kinder-Flugdrachen, der den Wohnungsflur mehr und mehr zusetzte wie eine von Plaque immer enger werdende Herzarterie.

Am Abreisetag holte der Vatter nach dem Frühstück den Wagen aus der Garage. Er wird bereits ein mulmiges Gefühl in der Magengrube gehabt haben, denn diese Hekatomben an Plunder würden nie und nimmer in den Wagen passen! Der frisch gewaschene, inspizierte, kreidegelbe Granada stand nun in der Einfahrt, alle vier Türen, Schiebedach und die Kofferraumklappe geöffnet und Vatter hastete schweigend und mit zusammengebissenen Zähnen von Wohnungstür zu Kofferraum, um ächzend die Polinten zu verstauen. Manchmal stand er sinnierend vor dem Ford, die Arme an den Handrücken in die Seiten gestemmt, dann wieder wischte er sich den Schweiß von der Stirn, nestelte nach der Packung Camel in seiner Hemdtasche und rauchte, oder begann, bereits Gepacktes kopfschüttelnd wieder auszuräumen. Währenddessen zauberte QM noch weiteres Reisegepäck aus Wohnzimmer, Abstellkammer oder Bad hervor, welches Vatters ohnehin hochfragile Kalkulationen am offenen Kofferraum grausam zunichtemachte. Die Stimmung war bis zuletzt immer sehr angespannt, bis letztendlich aller Plunder und die Fahrgäste verstaut waren.

Irgendwann war es so weit: Die Operation galt als gelungen, wenn der Kofferraumdeckel beim fünften Versuch tatsächlich zu ging. Wir Kinder saßen hinten auf der Rückbank, meist noch mit reichlich Gepäck und Kühltasche zwischen uns, den Fußraum vollgestellt, die Hutablage dermaßen vollgestopft, dass der Rückspiegel für die Dauer der Fahrt nur Deko sein würde. Endlich war es soweit: Von Radevormwald aus ging es häufig über Halver, Kierspe, Meinerzhagen auf die sogenannte „Sauerlandlinie“ (A45).
a) Bereits bis Meinerzhagen dauerte die Fahrt eine verdammte Ewigkeit!
b) Ich habe übrigens diese „Linie“, die ich mir immer wie eine auf die Landschaft aufgepinselte Äquatorlinie vorgestellt habe, nie zu Gesicht bekommen. Stattdessen gab es ausschließlich öde, endlos-selbstähnliche Autobahnkilometer. Was für ein erbärmlicher Etikettenschwindel. Kein Wunder, dass diese sogenannten Sauerländer so hießen!

„Sind wir bald da-haa?“, schrien die Kinder im Chor.
„Es ist schon da hinten!“, wies de Mutter auf einen imaginären Punkt irgendwo am Horizont.
De Vatter steckte sich erst mal eine an.
Ob QM eine Karte lesen konnte, habe ich nie erfahren. De Vater hatte wie ein Kranich ein eingebautes Navigationssystem, ich kann mich nicht erinnern, dass wir uns je verfahren hätten. Aber vielleicht ist genau das der Trick: Wenn man sich verfährt, einfach mal die Schnute halten.

Im Auto selbst gab es mehrere, sehr mächtige Faktoren: 1) Die Stimmung war schon per se angespannt, also nicht so dolle. 2) Mein kleiner Bruder Frank und ich waren fünf Jahre auseinander und keine Fans voneinander. Das gab ständig Streit um nichts aus dem Nichts. 3) Eine Anschnallpflicht auch „hinten“ gab es erst ab 1984, aber Muttern setzte diese bereits mit dem Auftauchen des ersten Gurtes an der Rückbank in den Jahren vorher rigoros durch — ade paradiesische Zustände! Die Gurte schnitten uns in den Hals, wären im Falle eines Unfalls Todesfallen gewesen und fixierten uns gleichzeitig in unseren Ecken wie Fliegen an einem Fliegenfänger. Sitzerhöhung, Kindersitze oder Gurtpolster waren damals noch Science Fiction. 4) De Vatter, ein passionierter Raucher, quarzte sich während einer Tagesfahrt gut & gerne mal seine 50 bis 60 Kippen „Camel ohne Filter“ weg. QM verinhalierte in der gleichen Zeit vier „Lord Extra“. 5) Queen Mom, die obwohl sie ein Halstuch trug, ständig Zug im Nacken bekam, verbot aufgrund dessen das Öffnen von Seitenfenstern, Ausstellfenstern und Schiebedach — auch nur einen Spalt breit — vollständig für die Dauer der gesamten Fahrt.

„Sind wir bald da-haa?“, schrien die Kinder im Chor.
„Es ist schon da hinten!“, wies de Mutter auf einen imaginären Punkt irgendwo am Horizont.
De Vatter steckte sich erst mal eine an.

Wenn wir Kinder also nicht gerade wegen nichts oder irgendeinem Scheiß stritten, gerieten wir aufgrund des Zigarettenrauchs mangels Lüftung regelmäßig in toxische Todeszonen, die unsere Körper mit reichlich Übelkeit konterten. Was hatte ich als kleines Kind gekotzt wie ein Reiher! Aber jetzt wurde uns wenigstens nur noch übel. Meine Mutter, die lebenslang keinerlei Zusammenhang sah zwischen Rauch und Kinder-Übelkeit, empfahl uns allzeit sehr eindringlich, während der Autofahrt „immer schön nach vorne auf die Straße zu schauen“. Es gibt, glaube ich, bis heute, kaum etwas Langweiligeres als diese endlosen Autobahnkilometer! Aber trotzdem blinzelten wir, der Empfehlung folgend, stundenlang mit tränenden, zusammengekniffenen Augen durch den Smog nach vorne, wo seinerzeit noch große Mengen Insekten auf der Windschutzscheibe zerplatzten und ihren semitransparenten Schleier des Todes hinterließen.

Dann endlich Mittagszeit, ein Rastplatz! Der Wagen wurde randvoll mit dem guten Super verbleit betankt, dann ein Tisch mit Bänken gesucht und die Kühltasche aus dem Auto gewuchtet. Von orangefarbenen Papptellern spachtelten wir neben dem knackend auskühlenden Wagen Mutters Kartoffelsalat mit am Abend zuvor gebratenen Frikadellen! Meine Güte, das entschädigte für Vieles!

Die Fahrt in den Urlaub in Richtung war für uns Kinder endlos, lähmend, toxisch! Aber Meer, Sand und Sonne (alternativ: Berge, Almen & Bauernhof — „Ich will Kühe!“) entschädigten dann auf der Stelle für alles.

In der Regel hatten wir einen Bungalow mit Küche und Muttern bekochte uns jeden Tag mit aus der Heimat mitgebrachten Lebensmitteln, die dann immer aus lokalen Supermärkten wieder aufgefüllt wurden. Umso aufregender, wenn wir mal ein Restaurant aufsuchten! Essen zu gehen war so exotisch für uns Kinder, dass ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit reflexartig Wiener Schnitzel mit Pommes frites bestellte.

Klassischen Sonnen- bzw. Strandurlaub gab es bei uns so gut wie nicht. Selbst bei hochsommerlichen Temperaturen machten wir sehr häufig Touren, besuchten Sehenswürdigkeiten, de Vatter machte die Fotos dazu. Schon aus Frack trug er den ganzen Urlaub lang mehr oder weniger ein und dieselbe verblichene Jeans-Shorts mit selbst abgeschnittenen Beinen — er hatte ja auch nicht viel. De Mutter wechselte ihre Kleidung ständig, denn hier konnte jemand aus den Vollen schöpfen.

An Strandtagen bekamen wir ein- bis zweimal täglich eine Ganzkörpereinreibung mit einer Sonnenmilch mit damals als „hoch“ geltenden Lichtschutzfaktor 16 und gut war. De Vatter, der dem Thema „Sonnenschutz“ grundsätzlich eigenartig ablehnend gegenüberstand, verweigere sich trotz Halbglatze völlig und sah dafür wochenlang aus wie ein Spanferkel auf dem Grill — inklusive Kruste.

Aber auch der schönste Urlaub geht einmal zu Ende. Nun stand uns Kindern wieder die endlose, lähmende, toxische Rückfahrt ins Haus. Ausufernde deutsche Autobahnbaustellen mit rhythmisch blinkenden, gelben Lichtern machten aus der späten Heimkehr oft eine Stau-Nacht mit hypnotischer Lichtshow, als deren Zentrum man sich selbst wähnte.

„Siegen!“ (alternativ: „Gießen!“), knurrte de Vatter, der seit 18 Stunden hinter dem Steuer saß.
„Sind wir bald da-haa?“, schrien die Kinder im Chor.
„Es ist schon da hinten!“, wies de Mutter auf einen imaginären Punkt irgendwo am Horizont.
De Vatter steckte sich erst mal eine an.
Wir Kinder schliefen irgendwann ein.


Gottlob flogen wir auch häufig in Urlaub. Aber selbstverständlich saßen wir da im Raucherabteil des Fliegers — wir kleinen Vögel wären sonst noch völlig entwöhnt worden oder hätten Hubba-Bubba-Nikotinkaugummis kauen müssen.


Sonntag, 4. März 2018

Rauchen

photo credit: VAPES.COM Guy Vaping on E-Cig Vape Mod (b&w) via photopin (license)

Mein Opa Karl war vom Sternzeichen her eine Dampfmaschine. Im Krieg hatte er, als es gar nichts Rauchbares mehr gab, Blutreinigungstee geraucht. Nach dem Krieg glomm eigentlich bis zu seinem seligen Ende 1969 ständig etwas an ihm: Pfeife, Zigarette, Zigarre. Als meine Eltern ihm in den 50ern stolz ihr erstes Auto, einen Borgward Lloyd präsentierten, hatte es nach der Aktion ein Brandloch mitten in der Rückbank. Auch lebten sie in ständiger Sorge, er würde ein Brandloch in seinen Enkel (moi) machen.

De Vater paffte sich auch ordentlich was weg, zu seinen besten Zeiten an die 60 Camel "ohne" oder alternativ im Spanienurlaub auch lokales Kraut wie "Celtas" oder "UN-X-2"(sprich "U-En-Ekis-Dos"), Hauptsache, es qualmte. Wenn ich Anfang der 70er als Kind auf Vatters Schoß saß, umgab ihn eine sehr würzige Melange aus Tabac Original-Rasierwasser (sic!) und dem Geruch nach gerauchten Zigaretten.

"Ey, haste mal 'ne Aktive?", fragte Tini manchmal in der Raucherecke vom "Gymmi" in die Runde, wenn sie keinen Bock oder zu kalte Finger hatte, sich eine zu drehen. 21 Kippen (von mir bevorzugt rote West) kosteten damals 4,00 DM, da war das also kein Thema. Die einen rauchten Marlboro, die anderen Camel, als GroKo hätten diese beiden Marken bereits 70% im Sack gehabt. Die Leute mit den Wildlederjacken drehten DRUM oder Samson, wenige krasse Leute verinhalierten Schwarzer Krauser, ob die noch am Leben sind, ist anzuzweifeln.

1998 habe ich aufgehört zu rauchen, habe mal wieder angefangen und auch wieder aufgehört. Mittlerweile haben es die meisten Menschen, die früher geraucht haben, aufgegeben -- außer meine Frau und alle meine Freunde, was für ein überaus hartleibiges Völkchen! Dabei kommt mir Zigaretten rauchen mittlerweile so unsagbar 80er Jahre vor. Und was bin ich froh, dass in Kneipen und Restaurants nicht mehr geraucht werden darf!

Neues Jahrtausend, neues Glück, moderne Inhalierende rauchen nun Vaporizer.
Doch "Vapen" (ja, so nennen sie es) ist nichts, was die Herren (und wenigen Damen) aus'm Lameng machen. Neben Software-Updates läßt sich auch die Hardware der Geräte pimpen und die Liquids kann man selbst mischen. Aus diesem Grund flutet ein ständiger Strom von Zubehör via DHL, UPS, DPD unsere Firma: literweise Propylenglykol als Trägerflüssigkeit, neue Liquids (in bizarren Geschmacksrichtungen), bessere Akkus, Profi-Ladegeräte, Heizwendeln und allerlei Gedöns. So basteln die Herren ständig an ihren Geräten herum wie Revolverhelden des Wilden Westens an ihren Colts -- und jeder hat nach Herrenart seine eigene Philosophie dazu.
Im Raucherzimmer sieht es jetzt hinter der Glasscheibe aus wie bei "The Fog -- Nebel des Grauens" (1978), da alle Wolken ausstoßen wie Paff der Zauberdrache. Die Gerüche, die dort herausdringen sind vielfältig, werden aber aber von mir überhaupt nicht mit Rauchen assoziiert: Gummibärchen, Käsekuchen und Erdbeer-Vanille. Wenn mein Kollege Jakob vom Rauchen zurückkommt, umgibt ihn eine krasse Yogurette-Wolke. Dabei habe ich mir immer vorgestellt, dass Ulricke Jokiel aus Mainz, das Endneunziger Werbemaskottchen der Yogurette-Schokolade, so am Schlüpper riecht, wie jetzt der komplette Kollege.
Würde ich heute "Karamell-Brownie" oder "Snickers" rauchen? O_o


Mittwoch, 21. Februar 2018

Winterspiele in Pnöngeldöngeljang 2018

photo credit: France Olympique Ski de fond - Relais hommes via photopin (license)

In Pnöngeldöngeljang (dt. „Plumpsklo“) ist Winterolympiade.
Skeleton, 1er-Bob, 2er-Bob, 3er-Bob, 4er-Bob, 5er-Bob, 6er-Bob, 7er-Bob, Jim-Bob usw., Abfahrt, Slalom, Verfolgung(!?), Eiskunstlauf und Biathlon, Triatholon, Tetrapak -- jeder Schmarrn ist eine Erwähnung wert. Der Heitermoser Alois, die Hutterer Inga, der Dimpflmoser Sepp, die Birklbichler Annika -- viele weinen ja sogar vor Glück! Hach, alle diese jungen Menschen mit den roten Bäckchen! Zu all diesem Glück prasselt ein Medaillenregen auf Deutschland hernieder, als schüttele jemand Onkel Dagoberts Geldspeicher mitten in den Wolken aus!! (Link)
Nur doof, das mich Sportereignisse seit 1967 in etwa so brennend interessieren wie Vogonische Dichtung. Nur doof, das für jede Drecks-Medaille auf meinem Handy gleich zwei Nachrichten aufpoppen (SPON und Deutsche Welle), und ich denke jedesmal, es passiert was Wichtiges.
Gott du Gerechter!


Sonntag, 4. Februar 2018

Zum Tod von Ingvar Kamprad: Alter Schwede & der Tempel der zerlegten Glückseligkeit

photo credit: 2 dogs 06/11/04 14:51:35 SHANGHAI via photopin (license)

Ingvar Feodor Kamprad wurde 1926 im schwedischen Älmhult geboren, und ist dieser Tage mit 91 Jahren in Småland verstorben. Er war einer der reichsten Männer der Welt, trockener Alkoholiker und ein Meister der Steuervermeidung. Aber vielleicht wird man auch nicht Milliardär, wenn man ganz artig seine Steuern bezahlt wie jeder andere Depp.

1943 gründete Kamprad mit zarten 17 Jahren das Unternehmen IKEA. Die folgenden Jahre tüftelte der Jungunternehmer daran herum, auf wen man die schlimmste Arbeit der Möbelindustrie, nämlich das Zusammenkloppen der Einzelteile zu fertigen Möbeln, auslagern könnte. Niemand wollte diese undankbare und schweißtreibende Aufgabe übernehmen – es war ein Dilemma! Vier Jahre Hirnschmalz später gelang es Kamprad 1947 erstmalig, einen Endkunden, Herrn Erik Brantgaard (52), dazu zu bringen, sein neues Sideboard fluchend und wie ein Schwein schwitzend selbst zusammenzuschustern. Hey! Man hatte den Dummen fürs Zusammenbauen gefunden! Zuerst einmal duzte Ingvar Kamprad den Herrn Brantgaard ab sofort, was den nicht wenig irritierte, doch der Stolz über das selbst zusammengebaute Möbel überwog. Das Winz-Unternehmen IKEA begann nach diesem erfolgreichen Test auf der Stelle seinen kometenhaften Aufstieg.
Später kamen Designer wie Tord Björklund mit ins Boot, die auf die Idee kamen, sehr dicke Bretter an die Wand zu dübelten, damit man Firlefanz, Schnickschnack und – dem Trend folgend – das Zweitbuch darauf abstellen konnte. Kamprad, nicht doof, verkaufte den Kunden zum sehr dicken Brett ab sofort auch gleich noch den Schnickschnack und den Firlefanz dazu.

Doch weder Ingvar Kamprad, Tord Björklund und schon gar nicht Erik Brantgaard hätten sich das Gewimmel vorstellen können, welches sich an vielen Samstagen in und um IKEAs abspielt. Wenn man erst auf dem Parkplatz des Möbelhauses ankommt, wenn die kleinen Parkplatzwächter-Wichtel bereits getrocknete Tränenspuren auf ihren roten Wangen haben, dann kann man mit Gewissheit sagen: Ihr seid zu spät! Vielleicht bekommt man noch nach einigem hektischen Gegurke und zehn Minuten Stop & Go einen Parkplatz ganz hinten. Dann lässt man sich vom Strom der Menschen in den Tempel der zerlegten Glückseligkeit treiben. Alles ist schwarz vor Menschen, Kinder wimmeln, wenn sie nicht winseln. Die labyrinthischen Wege kanalisieren die Shoppenden wie Vieh, das langsam voran strebt. Arme greifen im trägen Getümmel rechts und links mechanisch nach Tand und Schnickes, der in riesigen, gelben Umhängesäcken verschwindet. In Sesseln und auf Liegen der Möbelausstellung lungern allerorts Ermattete herum, die nicht mehr aufstehen wollen oder können.

Am Restaurant angekommen, fällt die Wahl nicht schwer. Köttbullar mit Rahmsoße und Pommes sind jetzt das ideale Pflaster für die waidwunde Seele. Nach dem Schlange stehen an Essensausgabe und Kasse kann man nun seine nicht mehr ganz warmen Schweinebällchen in einer der hinteren Ecken des Restaurants hinunterschlingen. Die Cola ist zwar "Refill", aber wer würde jetzt 100 m Luftlinie durch dieses Getümmel auf sich nehmen, sein Glas neu zu füllen? Und weiter geht’s: Wir sind ja nicht zum scheiß Spaß hier!

In der sogenannten „Markthalle“ bewaffnen sich alle mit Einkaufswagen, weil niemand mehr Lust hat, weiterhin wie Flüchtlinge einen (gelben) Sack mit sich herumzuschleppen und sich die Körperhaltung ein für alle Mal zu versauen. Schon drei Meter weiter kommt es zum ersten Einkaufswagen-Stau, an den man sich schnell gewöhnen sollte, denn die nächsten 1,2 Gebäudekilometer legt man ausschließlich mittels Stop & Go zurück. So hat man indes genug Zeit, sich mehr Firlefanz und Schnickschnack zu greifen, als einem lieb ist.
Kaum eine Stunde später ist man sogar durch die Kasse, zahlt überraschenderweise einen dreistelligen Betrag für brachial parfümierte Kerzen in Gläsern und allerlei Gegenstände, an die man keine Erinnerung mehr hat, dass man sie je in den Einkaufswagen gelegt hat.
„Ist das überhaupt unser Wagen?“, fragt jetzt jemand.
Bevor man zu viel darüber nachdenkt, kann man sich jetzt noch direkt hinter den Kassen nach bester IKEA/Kamprad-Tradition ein Hotdog aus synthetischen Zutaten selbst zusammenbauen und es selbstverständlich lauwarm herunterschlingen.

Achtung: Wenn man die Kofferraumklappe noch geschlossen bekommt, dann hat man es nicht richtig gemacht. Zur Strafe muss man dann am nächsten Samstag wieder hin.

Wer nun denkt, er hätte das Schlimmste hinter sich, darf erstmal auf der A1 im Stau stehen, muss dann zu Hause noch Möbelpakete schleppen, deren Inhalt zusammensetzen und dabei wie ein Schwein schwitzen, wie seinerzeit der Herr Erik Brantgaard vor unglaublichen 70 Jahren.

Es ist wie mit der großen Portion Köttbullar. Man hat Bock drauf, aber wenn man einen Teller davon auf hat, denkt man, man könnte nie wieder einen essen.
Bis zum nächsten Mal.


Irgendwo in einem schwedischen IKEA gab es nun eine Durchsage: „Ein alter Schwede möchte aus dem Småland abgeholt werden“.
Well done, Mr. Kamprad.


Freitag, 19. Januar 2018

Vatter 6 - Familienpfiff

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Früher wurde mehr gepfiffen, das finden zumindest fast 60% aller Befragten einer Studie.
Bei uns zu Hause gab's einen Familienpfiff.
Wann immer de Vatter z.B. von der Arbeit heimkam -- die Klinke noch in der Hand --, dann pfiff er in die Wohnung hinein, als Erkennungszeichen, dass er wieder zurück war. Es war ein dreitönender Pfiff ohne Pause zwischen den Tönen -- Hüü-o-Hitt. Mit der Zeit gewöhnten sich alle vier Familienmitglieder das bei ihrer Heimkehr an, allerdings konnte meine Mom nicht wirklich pfeifen, sie war ja nicht Ilse Werner. Wenn man also nichts hörte, dann war es Mom, die nach Hause kam. Die Vögel, die wir im Laufe der Jahre gehabt haben, lernten als erstes, unseren Familienpfiff nachzupfeifen.
Doch eines Tages in den frühen 2000ern war es damit vorbei: Seit de Vatter nicht mehr unter uns weilte, hatte es sich irgendwie ausgepfiffen.


Sonntag, 14. Januar 2018

ru24 future: Fernsehserien, die zu meinem Alter passen (1976-2053)

photo credit: maxelmann via photopin (license)

1976 lief auf ARD die sechsteilige Minisierie "Das Haus der Krokodile" mit Thommi Ohrner in der Hauptrolle -- nerverzerfetzend spannend!
"Während seine Eltern im Urlaub sind, will der zwölfjährige Victor Laroche (...) das Geheimnis um den Tod eines Mädchens lüften, das 20 Jahre zuvor im gleichen Haus über ein Treppengeländer stürzte." (Link)
Mit 11 war ich sowas von die Zielgruppe -- bibber!

ZDF zeigte 1995 die Miniserie "Um die 30", leider nur 7 Folgen.
"Die einen kurz vor dem Anfang einer Ehe, die anderen kurz vor dem Ende. Beziehungskrisen, Kinderwünsche und unsichere Geschäfte sorgen für ein buntes Durcheinander in dieser (...) Komödie voller (...) Charakterfiguren." (Link)
Mit 28 war ich sowas von in der Zielgruppe!

"Der Lack ist ab" (2015 ff.) ist eine deutsche Serie mit Kai Wiesinger und Bettina Zimmermann und läuft mittlerweile in der vierten Staffel auf Amazon Prime.
Protagonist Tom ist knapp über 50, ständig stehen neue Herausforderungen ins Haus: Lesebrille ja oder nein?, Testament machen pro und contra, wie gehe ich damit um, dass mein pubertierendes Kind ohne mich kifft? (Link)
Mit meinen 50 bin ich ja voll in der Zielgruppe!



Welche Serien sind was für mich in kommenden Lebensjahrzehnten?
Ausblick auf kommende Serien-Sensationen, passend zu meinem Lebensalter:



67: "The Gap" (Serienstart September 2034)
Josh Borrows ist in Rente. Mit einem VR-Headset der vierten Generation streift er nun täglich länger und länger durch die Welten des Internets, findet Freunde, eliminiert Feinde und gelangt so zu Ruhm und Ehre. Währens seine diversen Spielerkörper (in der Virtualität) ständig athletischer werden und Features anhäufen, wird Josh's wirklicher Körper im sog. "Meatspace" auf einer Konturliege liegend, zunehmend zu einem Problem. Und plötzlich greift ein scheinbar übermächtiger Feind auf beiden Fronten gleichzeitig an (S1E8: "Jack in the Box")...
(Die Serie basiert auf den Filmen "eXistenZ" (1999) und "Ready Player One" (2018))

79: "Memento Detectives" (Serienstart: Mai 2046)
Carl M. Hayes war vor seinem Ruhestand vor 15 Jahren hochdekorierter Detective beim NYPD und übernahm seitdem in seiner Freizeit immer wieder Fälle für Freunde, Nachbarn oder sogar für sein altes Department, wenn dort Not am Mann war (S2E12: "Die Epidemie"). Als bei Carl Demenz diagnostiziert wird, hängt er sein Ermittler-Hobby an den Nagel. Doch als Terroristen sein altes Department mit Mann & Maus in die Luft jagen, beschließen Carl und seine ebenso wie er pensionierten und dementen Buddies Kruger und Estevez, den Täter zu ermitteln. Unterstützt werden sie nur von ihren untereinander weitestgehend inkompatiblen, kaum je upgedateten digitalen KI-Assistenten. Manchmal verheddern sich ihre Gehhilfen. Der Clou: Gemeinsam haben sie noch 33 Tabletten des experimentellen, nanitischen Medikaments "5hr|k3" (Shrike) aus Armeebeständen, welches die Folgen der Demenz für bis zu 12 Stunden vollständig aussetzen kann.
(Die Serie basiert auf den Filmen "Memento" (2000) und "Ohne Limit" (2011))

86: "Gone & Arrival" (Serienstart: Mai 2053)
Seit seiner Kindheit in den 70er Jahren des 20 Jahrhunderts wartet der SF-Fan und Buchautor Hiram Mills darauf, dass Außerirdische auf der Erde landen. Doch nichts passiert! Dann endlich, Hiram ist 85, erscheinen die Schiffe der Aliens am Himmel. Er ist wie elektrisiert, er isst nicht, trinkt nicht, findet keinen Schlaf -- er absorbiert förmlich jede Nachricht über das Ereignis. Erst eine Woche später begreift er, dass er längst tot ist und nur seine Seele oder was auch immer in der Realität verblieben ist (S1E6: "Eiswasser"). Während er weiterhin kontinuierlich mehr und mehr Wissen über die Aliens anhäuft, stellt er fest, dass er mit seinem Zustand nicht alleine ist (S1E8: "Mona") -- und dass die Aliens das wissen.
(Die Serie basiert auf den Filmen"The Sixth Sense" (1999) und "Arrival" (2016))


Samstag, 13. Januar 2018

ru24 Tipp: Drei wirklich großartige Filme über die ganz große Kohle

BERNIE MADOFF, photo credit: labguest The Made Off Dollar via photopin (license)

The Wolf of Wall Street
Dieses epische 3-Stunden-Biopic unter der Regie von Scorsese basiert auf der wahren Geschichte des Jordan Belfort, der als einer der reichsten, skrupellosesten und betrügerischten Börsenmakler der Wall Street ein überkrasses Jet-Set-Leben mit Koks und Nutten führte, bis Fahnder in sein Fahrwasser gerieten. Absolut kurzweilig mit einem wirklich grandiosen Leonadro Di Caprio. Allein die Lamborghini-auf-Drogen-Szene ist mit das unfassbar Witzigste, was ich seit geraumer Zeit irgendwo gesehen habe. Bäng!
179 Minuten, 2013, Wiki, Regie Martin Scorsese



The Big Short
Der mit Stars in schrulligen Rollen gespickte, Oskar-prämierte Film ist spannend und unterhaltsam, trotz des vordergründig trockenen Themas "Immobilenblase". Der Film zeigt sehr plastisch, wie die Protagonisten Schritt für Schritt dahinter kommen, dass der Immobilenmarkt kurz vor dem Zusammenbruch steht, obwohl alle Immobilenpapiere von den Großbanken Top-Rankings bekommen. Absolut sehenswert. "Die im Jahr 2007 beginnende Finanzkrise, die Teil der Weltwirtschaftskrise war, wurde im Sommer 2007 durch die US-Immobilienkrise eingeleitet. Sie war die Folge eines spekulativ aufgeblähten Immobilienmarktes in den USA. Sprunghaft ansteigende Zinsen für Interbankfinanzkredite bewirkten das Platzen der Blase am 9. August 2007." (s. a.a.O.)
130 Minuten, 2015, Wiki, Regie Adam McKay



The Wizard of Lies
2008 wurde Bernhard "Bernie" Madoff wegen Anlagebetrugs zu 150 Jahren Haft verurteilt. Bevor sein Schneeballsystem (engl. "Ponzi-scheme") aufflog, war er der Star unter den Wertpapierhändlern und Investoren. Madoff verbrannte mit seinem "System" 50 Milliarden Dollar an Kundengeldern zu Asche, von den 4.800 Geschädigten brachten sich nicht wenige um. Bemerkenswerte Verfilmung eines Höhenflugs -- mit Robert DeNiro und Michelle Pfeiffer -- der wahrhaftig vollständig endet wie eine antike, griechische Tragödie.
132 Minuten, 2017, Wiki, weitere Info, Regie Barry Levinson


Samstag, 23. Dezember 2017

Use the force, Luke!

STAR WARS, (aka STAR WARS: EPISODE IV - A NEW HOPE), Carrie Fisher, Mark Hamill, 1977
photo credit: Vernon Area Public Library MSDSTWA EC008 via photopin (license)

Charakterdarsteller wollte er werden, dann verkörperte Mark Hamill den Luke Skywalker in den Star-Wars-Episoden 4 bis 6.
"Luke war die naive Unschuld vom Lande, eine männliche Dorothy aus "Der Zauberer von Oz", weggeweht von der Farm seines Heimatplaneten Tatooine in die große weite Welt" (Quelle).
Fortan war Mark Hamill für die Welt "Luke", egal, ob er tankte ("Use the force, Luke!"), Obst pflückte ("Use the force, Luke!"), oder es bei ihm auf der Toilette mal wieder etwas länger dauerte ("Use the force, Luke!"). Von nun führte er tausende Interviews, war auf jedem Erdteil bekannt wie Elvis oder Gandhi und erhielt tonnenweise Liebesbriefe. Man kann sich mit so etwas arrangieren ohne in der Psychiatrie zu landen. Man kann nämlich auch Pech haben wie z.B. der Kinderdarsteller Jake Lloyd, der als Zehnjähriger den jungen Anakin Skywalker in “Die dunkle Bedrohung” (1999) spielte (Quelle). Der Knabe hatte nach Power-Schulmobbing und 60 Interviews am Tag nämlich irgendwann mal das Ritalin auf.
Mark Hamill hatte da mehr Glück, er war 1977 schon 26 Jahre alt, als sich seine Welt radikal und für immer änderte. Nach der Star-Wars-Trilogie spielte er u.a. in Off-Broadway-Stücken und gab nach der Show dennoch tapfer weiterhin Autogramme auf Lichtschwerter und sonstige Star Wars-Devotionalien, die man ihm hinhielt. Da mag es helfen, ein paar Jahrzehnte lang einen guten Psychologen zu haben -- und ein tapferer Mann muss man sein obendrein.
Plötzlich, unwahrscheinlicherweise über 30 Jahre nach "Die Rückkehr der Jedi-Ritter" von 1983 soll er wieder "seine Rolle" in "Das Erwachen der Macht" (2015) spielen und er sagt ohne unwürdiges Geschacher mit dem Studio einfach zu -- Bang!
Und dann der Schock: Das Drehbuch musste man bis zur allerletzten Seite, bis zum allerletzten Absatz lesen, um die Rolle von Hamill in dem Film überhaupt zu finden.
WTF? (Where's The Force?)
2017: Neuer Star Wars-Film, neues Glück!

+++ SPOILERWARNUNG, für alle, die "Star Wars: Die letzten Jedi" noch nicht gesehen haben +++

Star Wars: Die letzten Jedi
Jeder vernunftbegabte Kenner der Materie hätte nun angenommen, dass Master Luke jetzt in "Star Wars: Die letzten Jedi" auf seiner Insel mal flott die Ausbildung von Rey in die Hand nimmt, denn sie ist echt eine Gute und hat es wirklich bitter nötig. Vor dem inneren Auge hat man bereits Szenen, die ans Dagobah-System erinnern. Doch das Drehbuch will von Luke, dass er den verbitterten Jedi-Meister gibt, der sich der Ausbildung Reys verweigert. Eigenartigerweise gipfelt die Verleugnung all dessen, was seit 1977 bei Star Wars das Nonplusultra war, darin, dass Luke jahrtausendealte Jedi-Werke verbrennen will und ein übermäßig alberner und sich lächerlich machender Yoda in Form eines Macht-Geists ihm auch noch dabei hilft. WTF? (Where's The Force?) Am Ende des Films löst sich Master Luke zu allem Überfluss auch noch verstörend unmotiviert in einen ebensolchen Macht-Geist auf.

WTF???

Das jener verbitterte Mann nicht Luke Skywalker ist, das weiß nicht nur jeder Zuschauer, der älter ist als 30, das weiß auch der jahrzehntelange Hüter der Rolle, der Schauspieler Mark Hamill selbst.
Armer Kerl.
Was für eine beschissene Rückkehr zu der Rolle seines Lebens.
Das läßt mich an Depeche Mode denken:
"I don’t want to start any blasphemous rumours,
But I think that God’s got a sick sense of humour,
And when I die I expect to find him laughing." (Quelle
Use the force, Luke!


Interview mit Mark Hamill in der FAZ


Dienstag, 19. Dezember 2017

Apokalypse now

photo credit: kimbareimer Engel der Gas-Apokalypse via photopin (license)

Vor einigen Wochen tauchte an unserer Wohnungstür ein Unitymedia-Apokalyptiker auf. Meine Frau öffnete ihm untertags in der Woche die Tür, als sie im Homeoffice arbeitete. Während die Jehovas Zeugen in der Beliebtheitsskala des durchschnittlichen Bundesbürgers etwa bei Fußpilz rangieren, ist der Unitymedia-Apokalyptiker eine ganz neue Klasse von Ärgernis.

„Guten Tag. Unitymedia. Vertragswechsel. Mit dem Vermieter ist alles abgesprochen, alle anderen Mietparteien haben bereits unterschrieben. Unterschreiben Sie jetzt, oder wir drehen Ihnen morgen alles ab, Fernsehen und Internet — und glauben Sie nicht, dass Sie dann noch nachträglich irgendetwas dagegen tun können!“, dröhnte der Drückerkolonnen-Jockel.

[UM 1, 18-25] Und so also sprach er: Und siehe, ich komme im Namen dessen, der euch Obdach gewähret hat und ich sage euch, dass alle, die mit euch hausen hiererorts bereits freudig sich der Sache hingegeben haben. So denn auch Ihr euch blind im Vertrauen in meine Hände begebt und euren Namen setzet auf diese Schriftrolle, so will ich euch fürderhin geben laufende Bilder und schnelle Kunde durch den weisen Draht; So Ihr denn aber zweifelt, Ihr euch verweigert, wehe euch, so seid Ihr verdammt. Denn so spricht der Herr: Den Zweiflern aber soll verdorren der weise Draht; mit Taubheit und Blindheit seien sie geschlagen in ihrer eigenen Wohnstatt. Und ihr Weinen und Flehen und ihre Gebete sollen unerhört bleiben immerdar.

Hey! Geht es vielleicht noch eine Nummer größer?
Meine Frau indes sagte „Nein.“
Sehr cool!
Der Typ zog spuckend und ärmelrauschend mit seinem fahlen Azubi von dannen und ward nicht mehr gesehen. Passiert ist nix, kein Frosch-, Asche-, Schwefel-, Säure- oder Lavaregen.
Bislang.

Wie mein Leben wohl verlaufen wäre, wenn ich seinerzeit meine Ausbildung als stummer, blasser Sidekick eines Unitymedia-Drückerkolonnen-Jockels gemacht hätte?


Freitag, 15. Dezember 2017

Serien-Empfehlungen 4 -- Gutes zum Fest

photo credit: mripp Our Darkness via photopin (license)

Ihr Lieben, zum Fest meine aktuellsten Serienempfehlungen:



Crime

Manhunt: Unabomber (Wiki): Für den Discovery-Channel gedrehte Miniserie über den Profiler Jim „Fitz“ Fitzgerald, der neue Wege ging, um den „Unabomber“ Ted Kaczynski dingfest zu machen, der zwischen 1978 und 1995 16 Briefbomben innerhalb der USA versandte. Während der Profiler neue Wege beschreitet, wirft ihm ein über-bürokratisches FBI nur Knüppel zwischen die Beine und kommt nicht gut weg dabei. Die erste Staffel ist der Auftakt zu einer Anthologie von berühmten Kriminalfällen, die jeweils in einer separaten, abgeschlossenen Staffel behandelt werden sollen. 8 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)

Mindhunter (Wiki): 1977: Die Kriminalpsychologie steckt noch in den Kinderschuhen. Zwei FBI-Agenten beginnen quasi in ihrer Freizeit, zuerst noch im Alleingang und mit viel Enthusiasmus, in den Gefängnissen des Landes Serienmörder zu befragen, um so allgemeine Rückschlüsse auf ihr Verhalten zu ziehen. Das Wissen dieser neuen Wissenschaft soll helfen, aktuelle Serienmorde aufzuklären. Die Serie bekam 96% bei Rotten Tomatoes. 10 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)


Comedy

Patriot (Wiki): Unser melancholischer Held, der lieber klampft statt kämpft, soll undercover mit einer Rohrfirma nach Luxemburg reisen um dort mittels der Übergabe von zwölf Millionen Euro die Geschicke im Iran so umzulenken, dass dort der für Amerika genehme Präsident an die Macht kommt. Leider gelangt das Geld immer wieder in die falschen Hände, während sich das Netz der Luxemburger Polizei enger und enger zieht, Iraner und brasilianische Ringer die Beute umkreisen wie Geier und die Kollegen der Rohrfirma nach und nach -- quasi als Roadkills -- auf der Strecke bleiben. Grandios. 10 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2015)

Haters back off (Wiki): Schriller Quatsch um die hart verblödete und dramatisch unbegabte Sängerin Miranda (verkörpert von youtube-Star Colleen Ballinger), die sich auch dank der aufopfernden Unterstützung ihres mit geistigen Gaben nicht allzu gesegneten Onkels für eine große Nummer hält. Mit dem Youtube-Channel "Miranda sings" soll der große Durchbruch gelingen. Hier geben die ironischen Kommentatoren den Haters die Klinke in die Hand, aber all das wird nur als Zeichen frühen Ruhms angesehen. Zum Totlachen, ist aber nur in kleinen Dosen zu genießen. 16 Folgen in 2+ Staffeln (EA: 2016)


Dramedy

Atypical (Wiki): Der 18-jährige, autistische Sam Gardener möchte die Liebe finden und verkuckt sich erst einmal in seine Therapeutin. Seine Eltern und seine Schwester geben ihr Bestes, doch alle lassen Federn, wachsen aber auch über sich hinaus. Bittersüße coming-of-age Dramedy, nicht zu ernst, nicht zu viel Tiefgang, TV-Dinner-tauglich. 8 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)


Mystery

Dark (Wiki): Erste Netflix-Serie, die komplett in Deutschland entwickelt, produziert und gefilmt wurde. In der (fiktiven) waldumstandenen Kleinstadt Winden steht ein Atomkraftwerk. Seit drei Generationen verschwinden in der Stadt immer wieder Kinder, deren Verschwinden niemals aufgeklärt wurde. Der Hauptprotagonist ist der fast erwachsene Schüler Jonas, der nach einem Aufenthalt in der Psychiatrie aufgrund des Selbstmordes seines Vaters wieder in die Stadt zurückkehrt. Urst finstere Zeitreise-Mystery. IMDb wertet die Serie mit 8,8 von 10 Punkten. 10 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)


SF

Star Trek: Discovery (Wiki): Die Serie spielt 10 Jahre vor Kirks "Raumschiff Enterprise" in der Original-Zeitlinie des Franchise. Die von Vulkaniern erzogene, menschliche Sternenflottenoffizierin Michael Burnham kennt sich bereits mit Klingonen aus, als sie auf der USS Shengzhou eine folgenschwere Entscheidung gegen den ausdrücklichen Befehl ihres Captains fällt -- um einen Krieg Sternenflotte vs. Klingonen zu verhindern. Die aufgrund dieses fast schon antiken Dilemmas in Ungnade Gefallene ist aber dadurch genau die Richtige, um auf der geheimnisvollen USS Discovery ihren Dienst unter dem noch geheimnisvolleren Captain Gabriel Lorca anzutreten. Arg schrundige Klingonen. Not bad, erstmal, allerdings hätte man sich den hyper-unrealistischen Parallelwelt-Quatsch am Ende der Staffel echt schenken können. 10+ Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2017)

Mars (Wiki): Im Jahre 2033 startet in dieser Doku-Drama-Miniserie die Daedalus mit ihrer sechsköpfigen, internationalen Besatzung zum Mars, als Vorhut einer Besiedelung des Roten Planeten. Doch bei der Landung geht einiges schief, die Landezone wird verfehlt und der Captain schwer verletzt. Während die Besiedlung des Mars in kleinen Schritten und Rückschritten voranschreitet, gibt es immer wieder Rückblenden auf die Gegenwart und es kommen Forscher, Idealisten und Pioniere zu Wort. SF-Infotainment. 6 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2016)

Die gute Nachricht: "Black Mirror" (Wiki) Staffel 4 startet ab 29.12. (nun von Netflix produziert), klasse Rezension & Trailer schon jetzt auf Wired.


Superhelden

The Tick (Wiki): In "der Stadt" sind Superhelden und auch Superschurken ganz normal. Arthur, ein nerdiger Bilanzbuchhalter wurde als Kind Augenzeuge, wie sein Vater durch das Auftauchen von "The Terror" ums Leben kam. Doch nun ist der Superschurke angeblich tot. Besessen von dem Gedanken, dass "The Terror" in Wirklichkeit noch lebt, nimmt Arthur seine dilettantischen Untersuchungen auf. Plötzlich findet er sich unfreiwillig als Sidekick an der Seite des schrulligen "The Tick" wieder, einem nahezu unzerstörbaren Superhelden im blauen Insekten-Anzug. Sehr, sehr witzig. Absolut großartig ist Schauspieler Jackie Earle Haley (Watchmen's Rorschach) als Überschurke. 6 Folgen in 1+ Staffeln (EA: 2016)


Tipp zur Weihnachtszeit: kontrapunktivisch zu "Schalalala" und "Last Christmas" empfehle ich zum Hören den Soundtrack von "Mr Robot" (Spotify). (Wiki)