Freitag, 15. August 2014

TW 6 - mit TW ins All

photo credit: x-ray delta one 1958 ... Atlas space station! via photopin (license)
De Mutter, bekannt als Queen Mom (QM), hatte zeitlebens nie auch nur ein Sterbenswörtchen darüber verlauten lassen, wie sie sich ihre eigene Beerdigung vorstellt, schon gar nicht nach Rückfrage. Das ist vielleicht etwas mit der Generation der über 80-jährigen, sie scheinen da etwas sperriger zu sein als jüngere Menschen, vielleicht, weil sie näher dran sind am sprichwörtlichen Himmelstor. (Was es bei QM auch nicht gab: keine Patientenverfügung, kein Testament, keine Bankvollmacht - einfach alles ganz oldschool, Baby.)
So oblag es meinem Bruder und mir, uns nach bestem Wissen & Gewissen selbst um die Modalitäten der Beerdigung zu kümmern. Zurück vom B-Institut saßen wir bei Tante Waltraud (TW) und erzählten ihr, was wir zum Thema QMs Beisetzung ausbaldowert hatten: Urnenbestattung auf Vatters Grabstelle.
De Tante kuckte über-sparsam. Um genau zu sein machte sie ein Gesicht wie ein beleidigter Kermit, sagte aber nichts.
"Tante!", sagte ich, "De Mutter hat nie, nie, nie auch nur ein Wort darüber verloren, wie sie es gerne hätte mit der eigenen Bestattung, deshalb müssen wir jetzt alles bestimmen. Aber wenn du zu deiner eigenen Beerdigung Wünsche & Vorschläge hättest, die es zu beherzigen gilt, dann sei doch bitte so gut, und sprich bitte zu Lebzeiten darüber. Und 'zu Lebzeiten' wäre zum Beispiel genau jetzt, aber auch nächste oder übernächste Woche oder gerne auch später!"
De Tante schrumpfte während meiner Worte mehr und mehr zusammen, so unangenehm war ihr das Thema. Die milchkaffeebraune Strickjacke war ihr bereits acht Nummern zu groß, als ich aufhörte zu reden.

Später saß ich mit'm, Bruder im Auto.
"Weisste was?", sagte ich, "Wenn se nix sagt, lassen wir de Tante ins All schießen!"
(War Spaß.)


Mehr Info zu Weltraumbestattung: hier