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Freitag, 9. Oktober 2015

Macht es Sinn, dass ich das alles erinnere?

photo credit: [mobile] Things That Come Up on the TV via photopin (license)

Mehr und mehr Menschen schauen sich US-Serien im englischen Original an.
Was für tapfere Menschen!
"This doesn't make any sense!" und "I remember our days at Groom Lake" sind durchaus valide englische Sätze, die man so oder ähnlich zu hören bekommt, es sei denn, der Sprecher ist aus Texas und man versteht kein Wort.
Kurioserweise schwappt seit Jahren -- zusätzlich zu den ganzen Anglizismen, die sich in unsere Sprache eingesneakt haben, auf leisen Casual Socks & so ganz ohne Action Cam -- auch noch die englische Grammaktik zu uns herüber, but hello!

Denn anders ist es nicht zu erklären, dass selbst die Kommentatorin auf WDR5 heute morgen davon gesprochen hat, dass dieses und jenes "Sinn mache". Gleich mehrfach!
Aufgemerkt: Im Deutschen kann man Sinn nicht herstellen, ihn nicht machen, fabrizieren. Etwas kann sinnstiftend sein oder sinnvoll, sinnig, auch sinnlos sein, aber "Sinn machen" geht nicht, was im Grunde aber 90% der Bevölkerung natürlich nicht davon abhält, solches zu sagen.

"Ich erinnere meinen Urlaub", schrieb letztens ganz unbefangen eine Freundin auf Facebook. "I remember". Das ist englische Grammatik. Aufgemerkt: Bei uns sagt man zurzeit noch "Ich erinnere mich an meinen Urlaub".

Doch keine Sorge: Wenn mich nicht alles täuscht, wird beides schon bald als Möglichkeit im Duden stehen. Vermutlich macht es dann auch keinen Sinn mehr, das zu erinnern.
Ein Hoch auf den rigiden Franzmann, dessen Sprachpolizei die Härteste der Welt ist.


Samstag, 31. Januar 2015

"ActionCam"


photo credit: Hammer365: 227/138 Run Forest Run via photopin


Ein Kollege aus der Nachbarfirma berichtete mir stolz, dass er sich jetzt eine "ActionCam" gekauft habe. Er verlor sich schwärmerisch in Details, derweil ich darüber nachdachte, wie unglaublich wenig Sinn eine solche Anschaffung für mich und mein Leben machen würde. Ich gehe zu Fuß. Wenn ich motorisiert unterwegs bin, dann innerhalb der Sicherheitsfahrgastzelle eines Kleinwagens mit 999 ccm-Motor. Für längere Strecken nehme ich die Bahn. Um grausame Jahrmarkts-Fahrgeschäfte wie den VOMITOR mache ich traditionell einen Bogen. Meine Hobbys haben überhaupt keine Schnittmenge mit "Beschleunigung" und "Lebensgefahr". Für mich wäre die Anschaffung einer ActionCam in etwa so sinnvoll wie für eine Hindu-Kuh.

Also: raus aus den "Casual Socks" und rein in die "Function Shoes", etwas Perfect Face Care moisturizing cream auf die Backen, die "ActionCam" "GoPro Hero3 White Edition" mit dem "GoPro Helmet Front Mount" an die Hirse getackert und sofort wild drauf los beschleunigt! Lasst die unnötigen Anglizismen richtig krachen!!
Is klar.

Doch für wen lohnt sich die Anschaffung einer "ActionCam"? Wer auf Youtube schaut, findet die Antwort: Sie ist das angesagte Top-Gadget für jeden, der als Hobby total zeitgemäß "was mit CO2" macht, oder seine Freizeit zwanghaft in einem Zustand der Dauerbeschleunigung verbringt.
Wer sieht sich letzten Endes das ganze Filmmaterial an? Da müssen ja Millionen Terabyte in Full-HD und Ultra-HD zusammenkommen! Natürlich kuckt wieder kein Schwein. Es interessiert Mitmenschen einen feuchten Kehricht, wie du mit deinem Mountain-Bike über die Emscherstraße und die Wilhelmstraße von Herne-Wanne nach Wanne-Eickel fährst. 99,9% der Daten verrotten schön im digitalen Nirwana und sind in einigen Jahrzehnten so weit von der Technik überholt worden wie ein animiertes gif von 1992 heute.

Ausnahme: Nur exakt ein einziger Filmclip ist für die Nachwelt interessant: der Letzte. Sowas bringt dann auch auf Youtube richtig Klicks! Yay! Denn eines ist die "ActionCam" gewiss: der Flugschreiber des kleinen Mannes.


Wen's interessiert: Action-Cams im Test