Posts mit dem Label Fruchtfliege werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Fruchtfliege werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Samstag, 9. August 2014

Massentierhaltung in Wuppertal im dritten Stock

photo credit: John Tann via photopin cc

Momentan generiert unser Küchenabfall täglich ca. 40 Drosophilas vulgo "Fruchtfliegen", von mir aus naheliegenden Gründen "Sophies" genannt. Momentan schwärmen sie besonders eifrig in kleinen Wolken herum, denn nicht nur die Obstschale lädt anscheinend zum Herumtollen ein. Auch der Grüne-Punkt-Müll ist zurzeit ein Disneyland en miniature. Gerade treten die Kleinen wirklich als Massentier auf.
Sind wir zu Hause jetzt also Massentier-Halter?
Wahrscheinlich greift spontan irgendeine verschwurbelte EU-Richtlinie. Ich werde auf jeden Fall 218 Millionen Euro an Fördergeldern für meinen Mastbetrieb hier im Dritten Stock in Wuppertal beantragen - way cool!

Damit es den Kleinen bei uns in der Zwischenzeit nicht langweilig wird (während die bürokratischen Mühlen mahlen) und sie sich die Augen rot weinen müssen, habe ich in einem Müslischälchen für ein schickes Badeparadies mit Chill-out-Bereich und Schnorchel-Area gesorgt:
50 ml weißer Balsamico-Essig (oder Obstessig)
50 ml Wasser
1 TL Flüssighonig
1 Tropfen Spüli
alles vorsichtig miteinander verrühren
Schon stürzen sich die Sophies vom Rand in die sauren Fluten, planschen, tollen, schnorcheln, die meisten tauchen überraschend lange unter - wow! Die Winzlinge können ja ewig die Luft anhalten - und es werden immer mehr!
Ich bin beeindruckt.
Wenn jetzt noch die EU-Gelder kommen, dann will ich mich nicht beklagen.


Mehr "Fruchtfliege": Blogbeiträge


Donnerstag, 15. August 2013

wie Leute

goo.gl/uMFIm1
Als ich heute Morgen zur Arbeit kam, habe ich eine Banane auf meinen Schreibtisch gelegt - so weit, so unspektakulär. Nach eine Weile kam "Sophie" dazu. Sophie ist eine rotäugige Drosophila melanogaster vulgo "Fruchtfliege". Die setzte sich in den Dunstkreis der Banane und huldigte still ihrem sie um das 30-fache überragenden, titanischen Obstgott. Nach einer Weile setzt sie sich mal oben drauf (wie Ahab auf den Wal), um bald wieder von der Tischoberfläche aus rotesten Auges auf das schon leicht braunfleckige Objekt ihrer Begierde zu starren. Vielleicht nuckelt sie zwischendurch etwas an einem kleinen, braunen Fleck. Jetzt sind noch ein paar hinzugekommen. Da ich die Banane heute nicht mehr essen werde, werden die Sophies wohl in einen Schlafsack eingerollt im Schatten des fruchtigen Ayers Rock auch die Nacht verbringen - furchtlos und alles andere als fruchtlos!

Ein bisschen erinnert mich das daran, dass Leute (sog. "Luftfahrtfans") ernstlich auf Flughäfen herumhängen, sogar dort übernachten, einzig weil am nächsten Tag erstmalig auf deutschem Boden z.B. eine Boeing 787 "Dreamliner" landen soll (Bericht). Vielleicht ist es ja sogar ein gelber Flieger von „Banana Airlines“... . Sie jubeln und klatschen, schießen 1.700 vollkommen nichtssagende Fotos, wenn das Ding dann endlich mal am Himmel erscheint. Und dann setzen sie alles daran, dem Riesenteil so nahe wie möglich zu kommen, starren rotesten Auges auf das Objekt ihrer Begierde, möchten gerne wenigstens mal am Vorderreifen lecken.

Leute sind wie Fruchtfliegen.


Montag, 24. Oktober 2011

Die Kleinen

http://bit.ly/oFsRgn
Seit ich mit meiner Partnerin zusammenwohne, hat sich gegenüber dem Leben in einem Einpersonenhaushalt durchaus einiges geändert - zum Beispiel die Zusammensetzung der täglich konsumierten Lebensmittel. Bislang wenig beachtetes, so genanntes "Obst" ist nun fester Bestandteil auf dem täglichen Speisenplan.
Ich fremdele noch ein wenig.
Auf dem Küchentisch fest installiert steht nun eine gewaltige, aus Berlin importierte Keramik-Obstschale, satt gefüllt mit Birnen, Bananen, Äpfeln und Diversen.
Und somit hielt auch die Drosophila melanogaster vulgo "Fruchtfliege" oder "Taufliege" Einzug in die neue Wohnung, der die alte Wohnung niemals einen Lebensraum geboten hatte. Wer würde sich aus dem Bio-Grundkurs nicht an diese possierlichen Tierchen erinnern? Ich höre es noch wie heute:
"Propft man nun den Kopf von Drosophila melanogaster auf den Fuß von Acetabularia Wettsteinii, so erhält man eine Schirmalge mit roten Augen - ein beliebter Halloween-Scherz unter Genetikern ... "
Naja, auf jeden Fall wohnen die Kleinen jetzt bei uns. Es sind ungefähr 15 bis 20, man kann sie schlecht zählen oder auseinander halten.
Sie heißen alle Sophie.
Ihr Tummelplatz, Phantasialand, Abenteuerspielplatz ist die Obstschale. Doch ach! Wir, die Großen, essen ja täglich Obst! Mittwochs, am Tag vor dem großen Einkauf, ist die Schale oft leer. Dann sitzen die Kleinen am Aluminiumschirm der Hängelampe über dem Küchentisch und starren mit rotgeweinten Augen in den 40 cm tiefen Abgrund einer leeren Obstschale, ein Bild des Jammers! Vielleicht kauen sie nervös ein wenig an ihren Fingernägelskes, ich kann es nicht genau sagen, ich habe meine Stereolupe noch nicht gefunden. Die Verzweifelten unter ihnen stürzen sich in den Restmüll und nagen an den verderblichen Resten diversen Unrats, ein schreckliches Schicksal!
Sie dauern mich.
Die Kleinen.
Am Donnerstag werde ich bei den Einkäufen für Nachschub sorgen. Ihre Leibspeise sind Nektarinen (oder sind es Aprikosen? Egal: Es sind Pfirsiche ohne Haare), die fangen schon nach zwei Tagen an zu gammeln, quasi ab Werk.