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Montag, 25. Januar 2010

Familie 10 - tickende Zeitbomben 1


Shanna aus Baby
Originally uploaded by Ranger82
Ein Baby kommt. Während im Hintergrund die Band REM in voller Lautstärke: "This is the end of the world as we know it" spielt, werden im Vordergrund die frischgebackenen Altvorderen von ihren Körpern mit Hormonen und Antidepressiva geflutet. Denn auf gar keinen Fall sollen sie merken, wie krass das alles ist, was hier mit ihrem Leben passiert.
Gerade der brachiale Vorgang der Geburt, bei dem Männer wirklich mal gar nichts zu suchen haben (man verzeihe mir die unpopuläre aber hoch realistische Weltsicht), wird ja gerne medial festgehalten. Der werdende Papa kann ja ohnehin nichts anderes machen, als sich von der Gebärenden anbrüllen zu lassen und sich dabei mit verschwitzten Händen an seine Kamera zu krallen, wie an einen Rettungsanker. Wie ferngesteuert hält er drauf, Körperflüssigkeiten, "private parts" (= mehr oder weniger haarige Details) und Geschrei werden für die Nachwelt festgehalten. Dann irgendwann ist es endlich da, das Kind. Es sieht sogar fast ein wenig aus wie ein Mensch, einigermaßen humanoid, das Gesicht ist das eines Preisboxers, der wacker etliche Runden durchgestanden hat. Von der Tortur der Geburt ist der Kopf deformiert. Das Körperchen ist bedeckt mit Käseschmiere *knips* , Blut *knips*, Melm *knips* und Mocke *knips*.
Später bastelt der Papa am PC stolz eine "Kind ist da-Karte", hängt einen Schwung Bilder an und mailt das an seinen kompletten Verteiler.
Ipanema
* 25.01.2010
3.690 g
47 cm
Oftmals eine tickende Zeitbombe: Denn diese an das Mail angehangenen Bilder schlagen dann in der beschaulichen Realität der Mitmenschen auf.
Ich erinnere mich, dass ich - naiv wie ich war - angenommen hatte, die anhängenden jpgs in dem mich erreichenden E-Mail wären Bilder von schnurrenden, sauberen, niedlichen Babys.
Buahahaha!
Tatsächlich waren die Bilder, die ich öffnete, leider sehr oft die von aus dem Gulli gezogenen, vollgeschleimten Kartoffelköpfen (und nicht so vorbildlich wie auf dem eingebetteten Bild).
Manchmal schrecke ich seitdem schreiend aus dem Schlaf.

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Sonntag, 3. Januar 2010

Familie 9 - Nachwuchs an Bord


A bord
Originally uploaded by pm.raymon
Neulich fuhr ich mit dem Auto irgendwo hin, was nicht zu selten vorkommt. Und manchmal lese ich mir an der Ampel die Autoaufkleber meiner Vorderleute durch. "Bitte ein Bit", "1. FC Köln", oder "Baby an Bord" steht da so öde und unspektakulär wie möglich. Manchmal klebt da auch "Ich bremse auch für Tiere", was ziemlich dämlich ist, da man natürlich schon reflexartig verzögert, wenn einem eine Rotte Wildschweine oder Königspinguine in die Quere kommt.
Aber manchmal stehen da auch die Namen der Kinder, die "an Bord" sind. Statistisch gesehen sind das vermutlich w: Mia, Hanna(h), Leonie, Lena und m: Leon, Lucas oder Lukas, Jonas, Luca oder Luka. *gähn!*
Aber manchmal ziehts einem echt die Schuhe aus!
Wenn da zum Beispiel an einem silbernen Renault Clio aus Remscheid "Guadeloupe und Ipanema an Bord" steht. Ich verfiel in eine Schockstarre, aus der das Hupen meines Hintermanns mich erlösen mußte. Rasch schloß ich wieder zu dem Clio vor mir auf und beschloß, es diesmal nicht dabei bewenden zu lassen. Ich notierte mir das Nummernschild.
Nachmittags rief ich meinen Kumpel bei der Kripo an, es gab ziemlich viel Palaver, was er da so darf und was nicht, aber nach zehn Minuten hatte ich einen Nachnamen.
Abermals verfiel ich in eine Schockstarre.
"Schliepkötter" - Herrgott!
Guadeloupe Schliepkötter und Ipanema Schliepkötter.
Meine Güte...
Die Telefonnummer war über www.dasoertliche.de schnell gefunden, ich rief an.
"Hallo?", meldete sich eine ganz reizende Kinderstimme.
"Falsch verbunden!", sagte ich und legte auf.
Puh!
Ein Mann muss wissen, wann er sich geschlagen geben muß!

Der ru24-Tipp: Es muss ja nicht unbedingt aus der Top 10 der Vornamen sein (Link), aber
1) Vornamen dürfen durchaus ein bissi zum Nachnamen passen.
2) Sollten deutsche Menschen ernstlich "Zoé", "Fynn" oder "Lennox" heißen? *kicher*
3) Die Namen berühmter skandinavischer Sportler wie Åke, Jukka, Keke oder Pertti sind zwar ambitioniert, stoßen aber auf breites Unverständnis.
4) Doppelnamen gehen auch, doch:
  a) Warum the fuck Yves-Laurent oder Jean-Baptiste?
  b) Und Birte-Helene und Peaches-Melba sind klassische Desserts, keine Vornamen.

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