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Sonntag, 3. Januar 2010

Familie 9 - Nachwuchs an Bord


A bord
Originally uploaded by pm.raymon
Neulich fuhr ich mit dem Auto irgendwo hin, was nicht zu selten vorkommt. Und manchmal lese ich mir an der Ampel die Autoaufkleber meiner Vorderleute durch. "Bitte ein Bit", "1. FC Köln", oder "Baby an Bord" steht da so öde und unspektakulär wie möglich. Manchmal klebt da auch "Ich bremse auch für Tiere", was ziemlich dämlich ist, da man natürlich schon reflexartig verzögert, wenn einem eine Rotte Wildschweine oder Königspinguine in die Quere kommt.
Aber manchmal stehen da auch die Namen der Kinder, die "an Bord" sind. Statistisch gesehen sind das vermutlich w: Mia, Hanna(h), Leonie, Lena und m: Leon, Lucas oder Lukas, Jonas, Luca oder Luka. *gähn!*
Aber manchmal ziehts einem echt die Schuhe aus!
Wenn da zum Beispiel an einem silbernen Renault Clio aus Remscheid "Guadeloupe und Ipanema an Bord" steht. Ich verfiel in eine Schockstarre, aus der das Hupen meines Hintermanns mich erlösen mußte. Rasch schloß ich wieder zu dem Clio vor mir auf und beschloß, es diesmal nicht dabei bewenden zu lassen. Ich notierte mir das Nummernschild.
Nachmittags rief ich meinen Kumpel bei der Kripo an, es gab ziemlich viel Palaver, was er da so darf und was nicht, aber nach zehn Minuten hatte ich einen Nachnamen.
Abermals verfiel ich in eine Schockstarre.
"Schliepkötter" - Herrgott!
Guadeloupe Schliepkötter und Ipanema Schliepkötter.
Meine Güte...
Die Telefonnummer war über www.dasoertliche.de schnell gefunden, ich rief an.
"Hallo?", meldete sich eine ganz reizende Kinderstimme.
"Falsch verbunden!", sagte ich und legte auf.
Puh!
Ein Mann muss wissen, wann er sich geschlagen geben muß!

Der ru24-Tipp: Es muss ja nicht unbedingt aus der Top 10 der Vornamen sein (Link), aber
1) Vornamen dürfen durchaus ein bissi zum Nachnamen passen.
2) Sollten deutsche Menschen ernstlich "Zoé", "Fynn" oder "Lennox" heißen? *kicher*
3) Die Namen berühmter skandinavischer Sportler wie Åke, Jukka, Keke oder Pertti sind zwar ambitioniert, stoßen aber auf breites Unverständnis.
4) Doppelnamen gehen auch, doch:
  a) Warum the fuck Yves-Laurent oder Jean-Baptiste?
  b) Und Birte-Helene und Peaches-Melba sind klassische Desserts, keine Vornamen.

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Donnerstag, 31. Dezember 2009

Familie 8 - Jagd im dritten Jahrtausend 2


Pfännchen
Originally uploaded by p.v

Zwei Tage vor Silvester. Eine arbeitende Kollegin hatte ihren Gatten, der nicht zur Arbeit gehen musste, geschickt, Raclette-Fleisch zu besorgen.
Was kann schon dabei herumkommen, wenn die Sammlerin den Mammutjäger schickt, Fleisch ZU SAMMELN? Merke: den genauen Vorstellungen der Sammlerin kann der Mammutjäger nie und nimmer gerecht werden, dieses Unterfangen ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt, denn Gatten nehmen es nicht zu genau. Würde die Sammlerin diesen, ihren Job selbst machen, dann würde sie erst einmal zwischen diversen Anbietern und diversen Angeboten von Raclette-Fleisch abwägen, dann noch einmal zurückgehen, vielleicht sogar en passant eine Kostprobe von ausgelegtem Estragon-Wurzelbrot mit Elen-Antilopenschmalz nehmen oder wenigstens daran riechen (wegen der Keime in der Öffentlichkeit). Sie würde sich betreffs der Fleischsorten mit einer Freundin und der Fachverkäuferin mindestens fünf geschlagene Minuten beraten, egal, ob die Schlange hinter ihr bis Meppen geht. Es würden Dinge bedacht und gegeneinander abgewogen, auf die ein Mann niemals käme, deshalb fehlt das hier. Irgendwann würde sie sich drei bis fünf gängige Fleischsorten in flache, minutensteakartige Stücke schneiden lassen, ist ja "für beim Raclette oben drauf".
Der Mammutjäger indes macht es folgendermaßen:
Zum Real.
Speer rein.
Nach Hause.
Fertig!
Die Kollegin bekam dann den erwarteten Anruf.
"Ich habe Fondue-Fleisch besorgt, das war im Angebot!", erklärte der Gatte stolz.
"Wie jetzt?", fragte die Kollegin mit einem eindeutig fassungslosen Timbre in der Stimme.
"Super, oder?", fragte ihr Mann breitspurig, er begriff noch immer nicht, dass er wirklich ganz, ganz grobe Scheiße gebaut hatte.
Es entspann sich ein längerer, unerquicklicher Dialog, an dessen Ende das Fondue-Fleisch eingefroren wurde und die Sammlerin würde höchstselbst nach ihrer Arbeit fahren, Raclette-Fleisch kaufen.
Hätte ich gleich sagen können, dass das in dieser Konstellation von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Aber jetzt mal in echt: Fondue- oder Raclette-Fleisch - total egal!
Gulasch geht auch.
Oder? ;)

Siehe auch "Jagd im dritten Jahrtausend 1" (Blogbeitrag).

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Dienstag, 22. Dezember 2009

ru24: History 5 - Nikolaus Anno 1971

Am 06. Dezember 1971 (ich war 4 3/4 Jahre alt) informierten mich meine Eltern, dass am Abend der Nikolaus zu uns komme. Ich war aufgeregt. Nikoläuse hatte ich schon viele gesehen. Als Figuren. Als Püppchen. Als Schokoweihnachtsmänner. Alle hatten gemein, dass sie mir vom Boden aus etwa bis zum Knie gingen. Die Sache mit dem "Weihnachtsmann am Abend" schien also hinreichend ungefährlich.
Es wurde dunkel. Irgendwann wurden Kerzen angesteckt. Die roten Kerzen knisterten und tropften. Ich bekam etwas Feierliches angezogen. Gleich würde der Weihnachtsmann kommen!
Ich fragte meine Eltern etwas 100x, wann es denn soweit sei.
Dann endlich schellte es an der Haustür!
Ich sprang auf, wie von der Tarantel gestochen.
Rannte zur Haustür.
Riss die Tür auf.
Um den winzigen Weihnachts-Gnom einzulassen.
Ich blickte nach ganz, ganz unten.
Riesige schwarze Stiefel!
Mein Blick wanderte nach oben.
Riesiger Mantel!
Riesiger Bart!
Riesige Nase!
Riesige Mütze!
Aaah!
Geistesgegenwärtig knallte ich dem Penner die Tür vor der Nase zu.

Meine Eltern waren dann verrückt genug, ihn einzulassen.
Das war dann noch ganz schön gruselig.

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Montag, 21. Dezember 2009

Heimat 10 - Winterdienst


Kein Winterdienst
Originally uploaded by Florian Demmer
Natürlich habe ich laut Hauskalender nur Winterdienst, wenn es sich auch lohnt.
Nachdem mich das pingelige, nachbarschaftliche Gekratze ab 6.15 Uhr zermürbt hatte, schwinge ich mich mit rotgeäderten Augen aus dem Bett, dann schwinge auch ich den Schieber.
Im Anschluß daran mache ich mich an die Befreiung meines Autos. Der Wagen steht ca. 100 m weiter die Straße rauf als sonst. Der Gehweg vor dem Haus an dem ich parke, ist penibel auf eine Breite von 59,4 cm (2x Länge A4) geräumt, akkurat!
Rentner, vermutlich.
Ich stakse also durch den von Schneepflügen mutwillig zusammengeschobenen Mist rund um mein Auto und entschneee es (hübsch so mit drei e!). Dabei sind auch wohl im Eifer des Gefechts 2,3 g Flöckchen auf den geräumten Bereich geraten. Während ich also noch an der Frontscheibe herumkratze, öffnet sich hurtig die Tür des zum Bürgersteig gehörigen Domizils. Da hätte ich natürlich schon beim Parken drauf achten müssen: Niemals vor dem Haus deutscher Spießer-Rentner! So Leute hängen ja ständig am Fenster.
"Sie machen den Bürgersteig voll", quakt der rüstige Herr, perfekt rasiert im gebügelten Freizeitanzug (sprich: "Yogga"). Ich stutze, lasse von meiner unerquicklichen Tätigkeit ab, schaue mich um.
Ah, 2,3g, die die mit dem Lineal gezogene Akkuratesse nun grotesk verunstalten!
Hihi!, denke ich noch.
"Ah, ja, Entschuldigung", sage ich stattdessen. 'Ehre das Alter' und so. Das reicht aber nicht. Der Herr beobachtet jetzt mit geschultem Auge jede meiner Bewegungen, wartet wohl drauf, dass ich mit einem Matchbox-Schneeschieber das Micro-Desaster wieder richte, in mir brodelt es, ein genetisches Erbe väterlicherseits.
"Wenn es jetzt zu schneien anfängt, stellen Sie sich dann mit 'nem Schirm auf den Bürgersteig?", frage ich meines Erachtens völlig berechtigterweise.
"Unverschämtheit!", blökt der Koronargefährdete, er mache hier nicht alles so ordentlich, damit jemand alles wieder voll mache.
Alles!
2,3 g!
"Ich ruf' beim Ordnungsamt an!", zetert die hinzugekommene Gattin.
"Ich bitte darum!", belle ich zurück.
"Außerdem können Sie ja demnächst woanders parken", poltert der Gatte.
*brodelbrodel*
"Sie können ja auch umziehen!", schlage ich nur logisch vor.
"Dat is' Eigentum, dat is' nich' zur Miete ... Unverschämtheit, murmelmurmel", kreischt die Gattin. Das Rentnerehepaar entfleucht ins Haus, man glotzt nun aus den Fenstern, und beobachtet mich, als schändeten draußen die Hell's Angels diverses Nutzvieh.

Im Grunde können sie mir dankbar sein, weil ich für mindestens drei Tage Abwechslung in ihr ansonsten ereignisloses Dasein gebracht habe.


Samstag, 19. Dezember 2009

Lifestyle 26 - Weihnachtlich brennet die Netzhaut

Nun gut. Jede Zeit hat ihre schrecklichen Verfehlungen. Früher waren es Popper. Doch jetzt verkaufen irgendwelche Baumärkte schon seit fast einer Dekade an die 80cm bis 1,20m große Weihnachtsmann-Püppchen mit nuttig aussehendem Polyesterhaar, Bart und Acrylmäntelchen. Und was angeboten wird, egal wie grottenhäßlich oder grenzdebil, wird ja bekanntlich auch gekauft, da ist der vielgepriesene Konsument nicht wählerisch. Ich stelle mir nur immer vor, was die Sklavenarbeiter in den Sweat Shops der Dritten Welt von uns denken müssen, die diesen grauenvollen Tand für die Erste Welt herstellen.
Familienväter klettern, dem Unbill der Höhe trotzend, auf Dächer und bringen diese peinlichen, gnomischen Weihnachtsmann-Atrappen an, egal wie scheiße es aussieht! Und wenn man dann schon mal oben ist, kann man gleich auch noch Lichterketten antackern, die wie UFO-Landebahnen aussehen, allerfestlichst die Habitate zu ergrellen. Parallel dazu simulieren mit der Dezenz eines Gehirnschlages hektisch blinkende elektronische Sterne in den Glitter-Flitterfenstern das zartromantische, winterliche Glitzerspiel von Mondlicht, das sich in Eiszapfen bricht. Denn das soll es darstellen, das Blinken und Blitzen - absolut unvorstellbar, nicht wahr?
"Weihnachtlich glänzet der Wald,
Freuet Euch, Christkind kommt bald",
singt es da.
"Wald? Glanz? Ich seh' nix! Aber ich glaub', ich krieg' von dem Geblinke hier einen epileptischen Anfall!"

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Donnerstag, 17. Dezember 2009

ru24 wirbt: DELICIA© SILBERFISCHCHEN-KÖDER


silberfischchen
Originally uploaded by sarsifa
"Liebes Tagebuch,
ich komme also zur Badezimmertür, betätige von außen den Lichtschalter, da ertönt im Inneren des Raumes ein Krachen wie brechende Äste. Hastig werfe ich einen Blick durch den Türspalt. Die Silberfische, mittlerweile fleischig wie Karpfen, hatten wegen der überraschenden Helligkeit panisch versucht, unter die Fußleisten zu kriechen, waren aber natürlich zu feist. Deswegen hatten sie eiligst improvisiert und fußlange Stücke aus der Fußleiste gerissen, die sie sich jetzt unauffällig vor die Visagen halten.
Ich mache mir eine mentale Notiz: ‘Sarin oder Tabun, vielleicht Senfgas besorgen’ und betrete das Bad. Ich bewege mich vorsichtig, damit die kleine Herde nicht in Panik gerät und bei einer wilden Stampede durch meine Wohnung auch noch Schaden anrichtet. Nun gut, erst einmal ignoriere ich den Zustand, dass ich wohl kaum alleine bin im Bad, aber ich muss wirklich pinkeln."


Aber nein, lieber Zeitgenosse, rufe ich aus, es gibt doch Delicia©-Silberfischchen-Köderboxen! Jetzt auch in XXL - überall im Handel!

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Montag, 14. Dezember 2009

ru24: richtig Gas geben

Auf dem Kölner Ringfest ist echt was los. Kölsch fließt in Strömen und alle Kneipen werden für 1,00 EUR zur öffentlichen Toilette. In eine solche schlitterte ich hinein. Es roch schon im Flur wie im Puma-Käfig. Im Herrentoilettenraum herrschte ein Gedränge wie in der Tokioter U-Bahn. Der Boden war schlüpfrig. An den fünf Pissoirs standen je ca. fünf Herren, jeweils einer in Aktion, vier in Wartestellung. Spülen, Hose zu, der nächste. Spülen, Hose zu, der nächste. Ein bereits angetrunkener Zecher stolperte zu dem mittleren Pissoir, schwankend sein Wasser abzuschlagen und ließ dabei überaus performant einen Wind fahren.
Die anwesenden Herren begrüßten das Ereignis mit fröhlichem Hallo.
Durch soviel Zuspruch fühlte sich der Zecher animiert, noch einmal richtig Gas zu geben.
Es folgte ein vielstimmiges, raues Gelächter, einer aufgeregten Hundemeute nicht unähnlich.
"Draußen ist mehr Platz wie drinnen!!!", brüllte der Zecher begeistert mit falscher Komparativbildung, schloss seinen Hosenstall und wankte davon.

Auch nicht mehr ganz nüchtern, beschloss ich, eines Tages von diesen großen, messianischen Worten zu künden.

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Samstag, 12. Dezember 2009

ru24 Mysterium 3/Heimat 9: Voodoo

Als ich in meine Wohnung zog, wohnte unter mir ein Herr. Der Herr war Ende 50, allein stehend, er war Träger einer mächtigen Jaruzelski-Hornbrille und trug, wenn er in den Garten ging um etwas auszuzupfen, einen Cord-Hut mit Delle und einen grauen Kittel. Alles in allem sah er aus wie "der Trainer" (Link), der Kumpel von Herbert Knebel. Sobald er den Garten betrat, stöpselte er einen Kassettenrecorder an den Hausstrom. Dieser spielte dann auf Auto-Reverse urdeutsche Volksmusik. Wenn ich mein Küchenfenster "auf Kipp" hatte, was im Sommer quasi immer der Fall war, dann drang "Im Grunewald ist Holzauktion" zu mir herauf und fraß an meinem Gehirn. Dann kam der "Zillertaler Hochzeitsmarsch", danach die "Bergvagabunden" und "Unter dem Doppeladler". Um mein Gehirn in Sicherheit zu bringen, seine strukturelle Integrität zu wahren, musste ich das Fenster schließen, geradezu ideal um zu schwitzen und ein bisschen zu ersticken.
Die Hochsommer-Wochenenden waren am schlimmsten!
Eines Tages stand ich am mal wieder geschlossenen Fenster und starrte mit blutunterlaufenen Augen in den Garten, der unter einem perfekten, blauen Himmel da lag. Zwei Kohlweißlinge gaukelten durch die Luft. Alle Rasenflächen waren perfekt manikürt. Der Herr Nachbar hatte eine Leiter an sein rustikales Gartenhäuschen gestellt, um es neu zu decken. Die Leiter hinauf wankte er nach oben, an der Kante rang er um Gleichgewicht, schwang ein Bein über die Kante, derweil die Leiter den Kontakt zum Dach kurzzeitig verlor, dann eierte er über das Dach, schlitterte von hier nach da, hämmerte herum, stieg dann die kippelnde Leiter wieder hinab.
Von der Arbeitssicherheit her war das ein Traum! Ich beobachtete das eine Weile.
"Fall doch vom Dach und brich dir den Hals, Trottel!", murmelte ich, meinte es aber nicht wirklich ernst. Dann verließ ich das Haus.
Als ich am nächsten Tag heimkam und die Haustür aufschloss, öffnete sich gleichzeitig die Wohnungstür des Herrn, allerdings stand da ein mir fremder Mann.
"Sie sind der Herr M.?", fragte er.
"Ja. Und Sie?"
"Das ist die Wohnung von meinem Bruder. Der ist gestern vom Gartenhäuschen gefallen und hat sich den Hals gebrochen! Er liegt im Krankenhaus!"
Leise spielte im Hintergrund meines Kopfes die Melodie von "Twiligt Zone" (Link).
"Ah!", sagte ich, während mein Rückgrat vereiste, "Gute Besserung!"

Einen Monat später war er tot. Er hatte sich geweigert, sich operieren zu lassen und war im Krankenhaus an einer Bettlungenentzündung gestorben.

Hüte dich vor deinen Wünschen, denn sie könnten in Erfüllung gehen.

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Freitag, 11. Dezember 2009

ru24: Mysterium 2 - Vollständige Unsichtbarkeit

In der großartigen wie herrlich albernen Superheldenkomödie "Mystery Men" (Link) mit Ben Stiller aus dem Jahre 1999 gibt es einen Superhelden mit der Spezialfähigkeit "Unsichtbarkeit" - aber nur, wenn keiner guckt...
Mächtig mysteriös!
So um diese Zeit herum sprach mein derzeitiger Chef mich an ("Haben Sie mal einen Augenblick?"). Er überreichte mir wortlos eine aufgeschlagene Computerzeitung.
Mittig auf der Seite, im Format 13x18 cm Hochformat vielleicht, prangte eingebettet von irgendeinem kleinteiligen Text das Bild eines ... nur spärlich bekleideten, hinreichend kurvigen Modells.
"Was fällt Ihnen auf?", fragte er.
"Ah. Lecker ...?", versuchte ich es, blickte in Augen von der Farbe bleierner Sargdeckel. Auf ihnen schienen Eisblumen zu entstehen. Trotzdem blinzelte er nicht.
"Eh", ich starrte die Dame an. Winzige Schweißtröpchen entstanden auf meiner Stirn. Bislang hatte der Mann noch immer nicht geblinzelt. Das mit dem Blick hatte der Kerl doch geübt! Verdammt!
"Ja. Überaus geschmeidig! Schöne Haut!", machte ich einen weiteren Anlauf, verbesserte meine Lage indes nicht. Mehr Schweiß bildete sich auf meiner Stirn. Das Binnenklima innerhalb meiner Kleidung wechselte von "arid" zu "semihumid".
Sein Blickstrahl spießte mich auf, ich war der Käfer in der Sammlung eines viktorianischen Gelehrten!
Mein Körperklima ging zu "vollhumid" über.
"Gawwwr?", kam es von mir, ein quakendes Räuspern. Ich löste meine Augen nicht mehr von der Zeitungsseite. Was wollte er nur? Verdammt! Die abgebildete Dame lächelte äußerst verführerisch.
Zeit vertickte wie Melasse.
Endlich blinzelte er und erlöste mich damit. Wortlos zeigte er mit dem Finger auf ein wenig Text links neben dem Bild. Dort materialisierte sich - bislang für mein Auge absolut unsichtbar - eine Annonce des Unternehmens, für das ich zurzeit arbeitete.
"War rausgeschmissenes Geld", murmelte mein Chef.
Ach so!

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Mittwoch, 9. Dezember 2009

ru24: Mysterium 1 - Unsichtbarkeit


H&M brand
Originally uploaded by ntr23
Am Montag war ich mit einer Freundin in Münster auf allen fünf Weihnachtsmärkten. Zwischendurch waren wir auch mal einen Kaffee trinken. Im Anschluß wollte meine Begleitung mal kurz in einen H&M.
"Irgendwo wird schon einer sein, ich frag mal!", sagte ich.
Ich stellte mich dem Strom der uns entgegenkommenden Passanten entgegen, in der Absicht, zwei vierzehnjährige Mädels zu fragen, denn die kennen sich in solchen Dingen erstklassig aus.
"Tschuldigt! Könnt ihr mir sagen, wo ich den nächsten H&M finde?"
Die beiden Mädels ignorierten mich nicht einmal.
"Hallo?", rief ich ihnen hinterher. Keine Reaktion.
Das war ein wenig unheimlich.
Ich pickte mir das nächste junge-Damen-Doppelpack heraus.
"Tschuldigt! Könnt ihr mir sagen, wie ich zum H&M komme?"
Dieses Mal hatte es den Anschein, als schritten die Grazien direkt durch mich hindurch.
*fch-sch-chhhh!* machte es dabei, wie im Film "Ghost - Nachricht von Sam".
Sie ignorierten mich nicht, sie sahen mich nicht, sie hörten mich nicht, ich war überhaupt nicht wahrnehmbar für sie. Sie zuckten nicht einmal mit der fett mascaraverklebten Wimper. Ein eisiger Schauer lief mir über den Rücken, das war wie in einem Gruselfilm, nur dass ich der Protagonist war.
"Kannst du mich sehen und hören?!!", schrie ich meine Begleitung etwas hysterisch an.
Sie zuckte zusammen, Gottseidank.
"Vielleicht bist du zu alt für so Mädchen?", überlegte sie.
Hallo?
Quatsch!
Hey, ich bin gerade mal 2x3x7!
Also im Grunde total blutjung!
Na ja.
Aber wenn mich Johannes Heesters anspräche, ich würde ihn doch auch wahrnehmen können, oder?
In der Münsteraner Fußgängerzone beschloß ich etwas perplex, eine "Altersgenossin" zu fragen, die ich anhand ihrer Lachfältchen als solche identifiziert hatte und bekam auch tatsächlich sofort eine Antwort.
Age does matter, anscheinend.
Ach so.

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