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Dienstag, 17. April 2012

Neulich, in der Nähe eines Nagelstudios

http://bit.ly/J3M4OR
Ich hatte etwas Wartezeit in der Wuppertaler Rathaus-Galerie totzuschlagen. Meine Freundin wollte mal eben zum Fotofix- oder dem EC-Automaten im ersten Stock, so genau hatte ich das nicht mitbekommen.
Ich saß auf einer Bank und wartete. Da gab es ein Nagelstudio. Aber nicht irgendein Nagelstudio! Nein, es war das "professionelle Nagelstudio New York Nails"! Unterzeile: "American Style". In dem verschlagartigen Kabuff saßen ganz reizende asiatische Mädchen mit Kittel und Mundschutz und machen so Frauen die Nägel. Die Kundinnen hatten in der Regel massiv rausgewachsene Haar-Ansätze und offensichtlich ganz andere Probleme als was-auch-immer mit ihren Nägeln. Dabei quatschten sie die Asia-Mädels voll mit dem Zeugs, dass sie bei ihren letzten zwei verpassten Friseur-Terminen nicht losgeworden waren.
Das Ganze war sehr offen angelegt, sonst wären alle in dem Laden sofort ohnmächtig geworden. Dadurch war aber die Luft im Umfeld dieses Beauty-Tempels so dermaßen mit Nagellack- und Nagellack-Entferner-Dämpfen gesättigt, dass ein winziger Funke genügt hätte, und das gesamte Center wäre in die Luft geflogen.
Meine Stirn umwölkte sich sorgenvoll, vor meinem geistigen Auge sah ich einen olympischen Fackelträger an mir vorbeijoggen, eine katholische Prozession mit Kerzen vorbeidefilieren und in nächster Nähe einen Rastamann seine Blubber mit einem Taschenbrenner befeuern.
Meine Freundin kam vom Fotofix- oder dem EC-Automaten zurück. Wir vermieden es, uns noch länger aufzuhalten und verließen das Center durch einen Nebenausgang.
Puh!
Rückblickend, wieder an der frischen Luft, würde wohl schon ein Glühwürmchen mit einer Fehlzündung genügen...


Sonntag, 17. Januar 2010

Restaurantkritik 3 - Additive zum Wohlfühlen


Coa
Originally uploaded by splorp
Geht man zu McDonald’s, so ist das für jemanden, der sich zum Thema Ernährung schon einmal Gedanken gemacht hat, ein kalkuliertes Risiko. Auch kann man dann mit Freude in einen Donut beißen, auch wenn man weiß, dass man sich gerade eine Riesenmenge gehärteter pflanzlicher Fette reinzieht, die bekanntermaßen das Risiko eines Herzinfarktes um bis zu 70% steigern können. Denn: Wenn man davon Kenntnis hat, und es trotzdem macht, ist es ja in Ordnung. Das ist wie beim Rauchen.
Anders ist es, wenn man davon ausgeht, dass man sich sogar Gutes tut…
In Wuppertal-Elberfeld hatte ein Asiate eröffnet – coa® asian feelgoodfood. Den Laden gibt es auch in Mannheim, 3x in Frankfurt und Berlin.
Schaut man sich die Homepage auf coa.as an (Link), geht einem das Herz auf: ein dufter Laden, gar mit Philosophie:
„Energie entfalten mit gesunden, aromatischen Zutaten – gesundes und leichtes Essen, schnell serviert – in Ruhe genießen. feelgoodfood!“, „Ehrliche asiatische Küche“
und, wenn man mit der Maus auf das rote "Qualität"-Feld geht, steht da sogar wortwörtlich:
"Auf den Zusatz von Geschmacksverstärkern und Zusatzstoffen verzichten wir gänzlich."
Hey: Zu schön um wahr zu sein!
Eines Abends kam ich spazierengehenderweise dort vorbei, traf eine bunte Schar rauchender Köche vor den Laden an und fragte gleich noch mal nach. Strahlend wurde mir berichtet, dass alle Zutaten „grundsätzlich ganz natürlich“ seien.
Fein, fein!
Wochen später trat ich an, um mit der aller-allergischten Person die ich kenne, dort zu speisen. Das Interieur war modern asiatisch, die Karte las sich wundervoll, die Bedienungen waren eine Augenweide.
Auf der Speisekarte fand sich überraschenderweise indes extrem marginal und in Arial 0,8 der Hinweis, dass man sich eine separate „Karte der Zusätze“ geben lassen könne – der Lupe an meinem Schweizer Offiziermesser sei Dank. Wir baten darum. Wir bekamen ein sehr dicht bedrucktes Blatt, einen Beipackzettel der Risiken und Nebenwirkungen. Diese Karte der Additive las sich arg abenteuerlich: Allgegenwärtiges Mononatriumglutamat (= Geschmacksverstärker) war nur die Spitze des Eisberges.
Wir hätten gehen sollen.
Nach langem Hin & Her fand sich exakt ein (1) Gericht und sogar ein (1) Koch, der bereit war, Nahrung versuchsweise ohne Chemiebaukasten zuzubereiten. Allerdings gelang es diesem Pionier nicht, „das positive Lebensgefühl, dass wir mit exotischen Speisen verbinden“ in der zubereiteten Nahrung unterzubringen. Mehr noch: trotz gegenteiliger Zusicherung war Natriumglutamat enthalten - bei meiner Begleitung löste das Essen allergische Reaktionen aus.
„Was bei coa® serviert wird, folgt einer ebenso einfachen wie einleuchtenden Idee: das Beste aus den Küchen Ostasiens in bester Qualität und unverfälschter Zubereitung.“
Ich bin mir mittlerweile sicher, die bekommen nichtmal ein Schälchen weißen Reis hin ohne Bleichungsmittel, Rieselhilfe und Antioxidanzien.
Das ist schon verdammt dreist.

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