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Samstag, 5. November 2016

Son Hals im Drogeriemarkt

photo credit: Press Clipping Makedonija Интернационалниот дрогериски ланцес DM Drogerie Markt сега и во Македонија via photopin (license)

Sobald ich einen DM oder Rossmann-Drogeriemarkt betrete, habe ich sofort son Hals! WTF muss der Schuppen alles in 70-fach da haben, wozu braucht es 70 bekackte Sorten Nagellackentferner oder Conditioner oder Concealer, Schnullewupp oder Watte-Puschel-Schisselamengs? Durch das groteske Überangebot an allem kann ich nämlich meinen harmlosen Herren-Kram (Aufsteckbürsten für die elektrische Zahnbürste, Schauma Shampoo "Mann", Axe irgendwas mit "Black", Nivea After Shave und dieses Gedöns-Haargel) nicht finden. Einen Männer-DM könnte man in einer Telefonzelle betreiben! Nun renne ich wieder hin und her wie ein geköpftes Huhn und versuche die Artikel oder eine Angestellte zu finden. Der komplette Rossmann in der Rathaus-Galerie in Wuppertal-Elberfeld wird aber leider von einer einzigen Kassierkraft betrieben, die natürlich von Kasse 1 nicht weg kann, weil ja 13 Frauen mit der Gelassenheit von Hindu-Kühen an der Kassenschlange anstehen und ihre 99 Watte-Puschel-Schisselamengs schon aufs Band gelegt haben. Jeden Scheiß gibt's hier in 70-fach, aber nur eine einzige (1) Angestellte! Manchmal verharre ich etwas in der Fotoabteilung, um meinen Puls zu beruhigen. 
In der Regel verschwinde ich wieder unverrichteter Dinge, halsig bis Meppen.
Zur Entspannung gehe ich dann vielleicht noch zum Saturn oder Media Markt.

Meine Kollegin Andrea indes liebt DM oder Rossmann, schon wegen der 70 Sorten Watte-Puschel-Schisselamengs. Aber wenn Andrea in den Saturn oder Media Markt "gehen muss", dann hat sie schon im Eingangsbereich sofort son Hals! Manchmal läuft sie dann rüber zu den Föns und Haarglättern, um ihren Puls etwas zu beruhigen.

Ich erkenne ein Muster.


Mittwoch, 24. Dezember 2014

Wunder der Weihnachtszeit 4

photo credit: Kotah and Santa in the Evening via photopin (license)
Heiligabend bin ich zur Mittagszeit im Geniesel kurz zum EDEKA gelaufen, die Reste besorgen. Am Fuße der Rathaus-Galerie in Wuppertal-Elberfeld begegneten mir zwei alte Frauen mit nikotingegerbten Pekinesengesichtern. Sie husteten beide was das Zeug hielt und würgten dabei offenbar faustgroße Klumpen Sputum aus den Untiefen ihrer Lungen nach oben. Es klang wie "Der Zauberberg", letztes Kapitel
"Raucht euch mal eine!", murmelte ich für sie unhörbar.
Eine der beiden hatte fertig gewürgt.
"Wir müssen noch Zigaretten kaufen!", sagte sie zu ihrer Mithustenden mit John-Wayne-Synchronstimme.
Yay!
War ich nicht gerade in diesem allerprofansten Moment Zeuge des Wunders der Vorweihnachtszeit geworden?
Wunder schafft die Weihnachtszeit.
Vor dem Dorf, darin verschneit
jeder Hof und jedes Haus,
Vogelbeerbaum, Nacht für Nacht
hundert Lichtlein trägt, entfacht,
die da leuchten weit hinaus.
Achtet seiner Herrlichkeit
niemand auch im Wintergraus,
bläst der Wind doch keins ihm aus,
alle strahlen dicht gereiht -
Wunder schafft die Weihnachtszeit.

(Martin Greif, 1839 - 1911)
Meine Güte!


Mehr "Wunder der Vorweihnachtszeit": hier.


Dienstag, 24. Dezember 2013

Wunder der Weihnachtszeit 3


Eigentlich geht ja nichts darüber, sich Heiligabend Mittag noch kurz vor Ladenschluss in den Einzelhandel zu stürzen. Ich mache das seit Jahren und habe es noch nie bereut. Gerade der Satiriker kann hier als teilnehmender Beobachter ganz dufte das Verhalten seiner Mitmenschen an den Definitionsrändern untersuchen.
Doch ach!
Alles ging recht zivilisiert zu, keine Spatengesichter, Hackfressen und auch keine Oberarmkonflikte um den letzten Kanister Glühwein an Rudis Reste-Rampe.
Verdammt...
Ich betrat den EDEKA in der Rathaus-Galerie. Hier waren die einzige Herausforderung drei Omas mit Rollatoren, die 1) nur ein Drittel so schnell gingen, wie man selbst, 2) Gänge verstopften und 3) entweder überraschend stehenblieben oder erratisch abbogen. Das war so eine Art Pac-Man mit langsamen Geistern, aber als Videospielidee auch nicht zu verachten. *vormerk*
Ich bekam alles, was ich kaufen wollte, stand eine Viertelstunde an und war wieder draußen...
Verdammt...
Als ich am Karlsplatz auf den Bus wartete, stand da eine Frau, leicht abgerissen. Sie lachte lauthals, wieder und wieder. Zuerst dachte ich, sie telefoniere mit Woody Allen, aber da war kein Hörer oder Headset. Nein, sie war mal sowas von grandios gut drauf, dass sie unausgesetzt Tränen lachte!
Ich ging die mir bekannten Drogen durch, kam aber am Ende darauf, dass sie wohl einen Weihnachts-Elf geraucht haben müsse, um dermaßen abnorm gut drauf zu kommen.
Wow!
War ich nicht gerade in diesem allerprofansten Moment Zeuge des Wunders der Vorweihnachtszeit geworden?
Wunder schafft die Weihnachtszeit.
Vor dem Dorf, darin verschneit
jeder Hof und jedes Haus,
Vogelbeerbaum, Nacht für Nacht
hundert Lichtlein trägt, entfacht,
die da leuchten weit hinaus.
Achtet seiner Herrlichkeit
niemand auch im Wintergraus,
bläst der Wind doch keins ihm aus,
alle strahlen dicht gereiht -
Wunder schafft die Weihnachtszeit.

(Martin Greif, 1839 - 1911)
Meine Güte!


Mehr "Wunder der Weihnachtszeit": hier.


Freitag, 7. Dezember 2012

Fremdschämautomation

http://goo.gl/btiyb 
Erster richtiger Wintertag des neuen Winters 2012/2013! Eingemummelt wie der Michelin-Mann wanke ich in die Wuppertaler Rathaus-Galerie, grofele unter anderem durch die Auslagen eines Ladens namens XENOS. Hier gibts alles außer vernünftig, wie ich feststelle. Grandioser Plunder und fragwürdigster Schnulli reihen sich so dicht an dicht, dass einem die Augen bluten. Direkt am Ladeneingang steht ein Regal mit etwa zehn Regalmetern batteriebetriebenen Weihnachts- und Schneemännern, Pinguinen, Robben, Rentieren und Erdhörnchen (Beispiel).
Bizarr - aber wenigstens ist Ruhe im Karton!
Ich gehe weiter, als hinter mir ein Herr um die 60 den Laden betritt. Der Herr interessiert sich augenscheinlich sehr für potentiell singende, tanzende, lärmende, plärrende Fremdschämautomation zu je 15,99 EUR das Stück und drückt den ersten "TRY ME"-Button an einem Weihnachts-Erdhörnchen. Sofort erfüllt nichtswürdiges Geplärr den Laden, dazu singt das spastisch zuckende Erdhörnchen mit hyperaktiver Heliumstimme.
Während mein Gehirn krampfhaft versucht, diesem brachialen Angriff Herr zu werden, schüttelt der Herr etwas unmutig den Kopf und drückt einer Weihnachtsrobbe im X-Mas-Jogger die Flosse, Robbe legt sofort zusätzlich zum Erdhörnchen los, spielt zum scheppernden Gesang Balalaika. Der Herr braucht nur wenige Sekunden, um festzustellen, dass es das keinesfalls sein konnte, da drückt er bereits den nächsten Knopf. Und den Nächsten. Und noch einen. Santa brüllt ein fröhliches "Jingle Bell Rock", zusätzlich zu Erdhörnchen ("Have Yourself A Merry Little Christmas"), Robbe ("Robbing around the Christmas Tree"), dem rappenden Rentier ("Rudolph, the Red-Nosed Reindeer"), Schneemann ("Frosty The Snowman") und Pinguin mit Riesenwollmütze ("Winter Wonderland").
Das durch die Luft wabernde Geplärr ist vollends waffentauglich! Was die Mini-Lautsprecher an Tonqualität missen lassen, holen sie locker durch Lautstärke wieder herein! Die ultra-aggressive Sound-Kakophonie beginnt, mir das Gehirn aus den Ohren zu schmelzen!
Aaaaaah! Allen denkenden Wesen im Umkreis von zwölf Metern winden sich in Krämpfen am Boden. Der Herr, offenbar nicht Mitglied der vorgenannten Spezies, schüttelt leicht angewidert den Kopf, steigt über mich und ein paar weitere Kunden hinweg und verschwindet in den Regalreihen.
Die digitalen Gräuel verstummen eins nach dem Anderen.
Ich rappele mich auf und fliehe diesen Laden, Land zu gewinnen.

Wieder zu Hause begreife ich, dass diese brüll-lauten Grotesk-Monstrositäten zum Verkauf stehen.
Zum Verkauf! Wer the fuck kauft denn nur sowas?
Unbegreifliches Winter Wonderland.


Dienstag, 17. April 2012

Neulich, in der Nähe eines Nagelstudios

http://bit.ly/J3M4OR
Ich hatte etwas Wartezeit in der Wuppertaler Rathaus-Galerie totzuschlagen. Meine Freundin wollte mal eben zum Fotofix- oder dem EC-Automaten im ersten Stock, so genau hatte ich das nicht mitbekommen.
Ich saß auf einer Bank und wartete. Da gab es ein Nagelstudio. Aber nicht irgendein Nagelstudio! Nein, es war das "professionelle Nagelstudio New York Nails"! Unterzeile: "American Style". In dem verschlagartigen Kabuff saßen ganz reizende asiatische Mädchen mit Kittel und Mundschutz und machen so Frauen die Nägel. Die Kundinnen hatten in der Regel massiv rausgewachsene Haar-Ansätze und offensichtlich ganz andere Probleme als was-auch-immer mit ihren Nägeln. Dabei quatschten sie die Asia-Mädels voll mit dem Zeugs, dass sie bei ihren letzten zwei verpassten Friseur-Terminen nicht losgeworden waren.
Das Ganze war sehr offen angelegt, sonst wären alle in dem Laden sofort ohnmächtig geworden. Dadurch war aber die Luft im Umfeld dieses Beauty-Tempels so dermaßen mit Nagellack- und Nagellack-Entferner-Dämpfen gesättigt, dass ein winziger Funke genügt hätte, und das gesamte Center wäre in die Luft geflogen.
Meine Stirn umwölkte sich sorgenvoll, vor meinem geistigen Auge sah ich einen olympischen Fackelträger an mir vorbeijoggen, eine katholische Prozession mit Kerzen vorbeidefilieren und in nächster Nähe einen Rastamann seine Blubber mit einem Taschenbrenner befeuern.
Meine Freundin kam vom Fotofix- oder dem EC-Automaten zurück. Wir vermieden es, uns noch länger aufzuhalten und verließen das Center durch einen Nebenausgang.
Puh!
Rückblickend, wieder an der frischen Luft, würde wohl schon ein Glühwürmchen mit einer Fehlzündung genügen...