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Sonntag, 11. Oktober 2015

ru24 History: P.M. Erstausgabe (1978)

Originalfoto

Im Oktober 1978 erschien, herausgegeben von Gruner + Jahr, erstmalig "P.M. - Peter Moosleitners interessantes Magazin" (Wikipedia). Die "Was-ist-Was-Bücher" meiner Kindheit hatten mich entsprechend eingenordet, sodass ich, jetzt 11-jährig, die perfekte Zielgruppe war. Etwas Besseres als ein Magazin, welches "neugierig auf morgen" im Untertitel trug, konnte es für mich gar nicht geben --  denn neugierig auf morgen war ich ja auch. Peter Moosleitner - was für ein feiner Mann!
In der Erstausgabe gab es Artikel über "den Dinosaurier in uns", "Haremsfrauen", "Liebe der Tiere" und das "Super-Flugzeug" Fairchild A10.
"Wie das erste Titelbild schon verheißt, hatte P.M. einfach alles, was ein [11-Jähriger] interessant findet: Dinos, Frauen, Technik, Sex." (Quelle)
Wie ich beim Lesen erfuhr, hatte das Erdkampf-Flugzeug Fairchild A-10 (Wikipedia), "Warzenschwein" genannt, unter der Titan-gepanzerten Pilotenwanne eine mit 30 mm Uran-Hartkern-Geschossen bestückte siebenläufige und rotierende Gatling-Gun, die 4.200 Schuss in der Minute abfeuern konnte. Mit dieser GAU-8A-Avenger-Kanone konnte man Panzer in Konfetti verwandeln! Grundgütiger, wenn das mal nicht heißer Scheiß war! Natürlich ging ich am nächsten Tag in Radevormwald zum Kaufhaus Nickel, fuhr mit der Rolltreppe nach unten in die Spielzeugabteilung und kaufte mir von meinem Taschengeld den zum Artikel passenden Revell-Flugzeugbausatz dazu (Abb.). Wann immer ich in den letzten fast 40 Jahren eine Fairchild am Himmel gesehen habe, dachte ich "Hey!"

Nach dieser Erstausgabe habe ich P.M. sofort abonniert und etwa 10 Jahre lang gelesen, später allerdings nur noch mit dem Gefühl, dass sich die Themen ständig im Kreis drehten.

Heutzutage grenzt sich P.M. gegen seriöse Wissenschafts-Magazine mehr und mehr mit esoterischen und pseudowissenschaftlichen Inhalten ab (Link).


Mehr über die Zukunft von Damals: Blogbeitrag


Samstag, 27. Oktober 2012

ru History 40 - Großvater Scrooge (1982)

goo.gl/oiFmv
Als ich (als Erwachsener) erstmalig Dickens' Weihnachtsgeschichte (A Christmas Carol) las, und Scrooge als "hart und kalt wie ein Kiesel" beschrieben wurde, da kam mir unwillkürlich ein "Och, de Oppa" in den Sinn.
Gemeint ist mein Großvater Heinrich.
Geboren 1900 (Weltausstellung in Paris, Eiffelturm), als die Titanic sank war er 12, für den ersten großen Krieg war er zu jung, für den zweiten großen Krieg fast zu alt.
Zeitlebens wurde er "de Oppa" genannt. Das lag daran, dass er mit "de Omma" verheiratet war, dadurch begegnete man sich notgedrungen.
De Oppa war ein spektakulärer Esser (Blogbeitrag) und seine Nickerchen konnten sich sehen lassen (Blogbeitrag). Falls ihr das noch nicht kennt, bitte unbedingt lesen!

De Oppa war ein Mann von eisenharten Prinzipien. Was man flicken konnte, wurde geflickt. Was man selber bauen konnte, wurde gebastelt. Wie viel Zeit jeweils darauf verwendet wurde, war allzeit zweitrangig, ganz so, als sei Lebenszeit völlig wertlos, nicht in Geld aufzuwiegen. Eine Mark gab er nur aus, wenn er sie so oft herumgedreht hatte, dass seine Finger metallisch schimmerten. Als seine beiden Mädchen noch klein gewesen waren (30er Jahre), hatte er für die Weihnachtsgeschenke der beiden aber auch schon mal 50 Pfennig springen lassen. Da hatte er wohl seine Spendierhosen angehabt an dem Tag.
Ich fand immer, dass "Geiz" ein viel zu schwaches Wort dafür war, es nicht so recht traf, denn de Oppa grüßte ja sogar nur äußerst sparsam.

Gegen zappelnde (= lebende), plappernde (= kommunizierende) Kinder (moi) hatte mein Großvater ein Allheilmittel: Däumchendrehen. Ich wurde als kleines Kind dazu verdammt, schweigend am Tisch zu sitzen und mit gefalteten Händen Däumchen zu drehen. Meine geheime Superkraft "Ruhe ausstrahlen" entwickelte sich also schon ganz früh.
Kartenspiele waren für ihn "des Teufels Gebetbuch" und Dinosaurier negierte er nur als "Sau-Dier", da die "Schöpfungsgeschichte binnen sieben Tagen" solche nicht vorsah.

goo.gl/HHhAK 
Gottlob grofelte de Oppa bis zu seinem Ableben 1982 die meiste Zeit in seiner Werkstatt herum. Diese Werkstatt war Teil eines Betriebes, der seine letzten Investitionen in den Kriegsjahren und seine besten Tage während des Wirtschaftswunders gesehen hatte. Seitdem waren Maschinen, Vorrichtungen und Werkzeuge in dieser teerpappegedeckten Butze nur noch behelfsmäßig geflickt und zurechtgedengelt worden. Dies war ein lichtarmer Ort, angefüllt mit Geistermaschinen und Maschinengeistern, ein rostiges, spinnenwebiges und staubiges Imperium der Schatten, antik in jedem seiner glanzlosen Details.

Aber irgendwie bin ich als Kind auch oft genug dort gewesen, um das Wesen dieses Ortes in mir aufzunehmen. Vielleicht erklärt das meine heutige Affinität zu Verderb, Niedergang und Zerfall (in "Haunted-Hill-Optik"). Auf vielen meiner Flickr-Fotos kann man die kalte, tote Hand meines Großvaters sehen, erhoben zu einem sparsamen Gruß: flickr