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Samstag, 13. Februar 2016

St. Florian in Wuppertal

photo credit: razorwire via photopin (license)
Wuppertal bekommt eine Forensik, sagt das Land NRW. Eine Forensik ist eine Mischform aus Gefängnis und Therapieeinrichtung für kriminelle Straftäter und hier mangelt es bundesweit an Plätzen. Entweder weden also die Kriminellen in Deutschland immer bekloppter oder die Bekloppten immer krimineller -- "man weiß et nich", hätte de Mutter gesagt.
Somit kommt eine solche Einrichtung also definitiv nach Wuppertal, nur wohin?
Anwohner, die in der Umgebung infragekommender Grundstücke leben, sind not amused, sie speien ganz nach Anwohnerart reflexartig Gift & Galle. Egal, was kommt, seien es Windkraftanlagen, ein Golfplatz, ein Jungendknast, ein IKEA Homepark oder die für Wuppertal geplante Seilbahn -- der Anwohner kriegt es einfach nicht verpackt!
Und jetzt auch noch eine Forensik!

Natürlich sagt keiner der Protestierenden die Wahrheit, nämlich dass sich alle um den Wertverfall ihrere Eigenheime sorgen, wenn als Nachbarn plötzlich schizoide Kannibalen & Kollegen einziehen. Stattdessen behauptet man, es ginge um Kinder und Umwelt. Am meisten leiden immer die Kinder! Es werden also verlogene Elterninitiativen gegründet, die Gören bekommen Pappschilder in die Patschehände gedrückt und es werden die Umweltverbände bemüht. Eigentlich wird alles und jeder instrumentalisiert, wenn es nur zielführend erscheint. Das Motto ist immer das beliebte St.-Florians-Prinzip: "Heiliger Sankt Florian / Verschon' mein Haus / Zünd' and're an!" So wollen die Anwohner Wuppertal-Lichtscheids die Forensik lieber auf der "Kleinen Höhe" bei Velbert angesiedelt sehen, die Anwohner der "Kleinen Höhe" und die Velberter haben natürlich total ganz dolle andere Pläne.

Wuppertal versucht seine aus dem Ruder laufenden Bürger mit einer schon grotesk anmutenden Überfülle an Informationen zu umarmen. "Die Welt" schreibt:
"Es ist nur der Auftakt", sagt Alexandra Szlagowski, Sprecherin der Stadt. Die bergische Kommune plant eine regelrechte Informationsoffensive über das Vorhaben, das eigentlich keiner in der Nachbarschaft haben möchte. "Wir werden auch Fahrten anbieten, damit Bürger sich einen Maßregelvollzug ansehen können", kündigt die Sprecherin an. Auf der Internetseite der Stadt stehen seit einigen Tagen Bebauungspläne und Telefonnummern der Ansprechpartner in der Verwaltung. (Quelle)
Hallo?
Informationsoffensive? Busfahrten? Besichtigungen? Vielleicht auch noch Geschenkkörbe für alle und eine Konfettiparade? Ja gehts denn noch?
Da können alle mal sowas von total froh sein, dass ich kein Politiker bin, denn ich würde das wie Anno 1960 (oder wie Putin) regeln: Planen, bauen, fertig. Wem der Shit nicht passt, der kann gerne woanders heulen, das Land ist groß. Wie wär's mit einem Umzug nach Dresden, dem Sammelbecken aller Enttäuschten? Auf einer PEGIDA-Demo würde ein weiteres wirres Plakat (à la "Ich möchte ohne Angst hier leben", Quelle) auch nicht weiter ins Gewicht fallen.
Allerdings: wiedergewählt würde ich wohl nicht.
Ach so.


Mehr dazu: Blogbeiträge

Freitag, 6. September 2013

Wutbürger

http://goo.gl/r9hTbI
In der Regel kann man die Bürgerschaft aufteilen in Bitbuerger (15 %), Mitbürger (70 %) und Wutbürger (15 %).

Der Bitbuerger (Kunstwort aus Mitbürger und einer Biermarke) ist Getränkemarkt-Kunde, müllt Altglas-Container voll, schaut im Bieranzug RTL II und sediert sich mit reichlichen Gaben Alkohol, bis er vor der Glotze einschläft, Motto: "Heute ein König!" Eine Bundesregierung weiß: Hält man die Steuern auf Alkohol niedrig, hat man von dieser Bevölkerungsgruppe keinen Stress zu erwarten (das bisschen Häusliche Gewalt geht locker im Hintergrundrauschen unter, da gibts Veilchen eben mal nicht nur am Valentinstag). Deshalb schraubt die jeweils aktuelle Regierung immer wie verrückt an der Tabaksteuer, niemals aber an den Steuern für Alkohol, diese gelten seit der Weimarer Republik als unantastbar.

Der Mitbürger an sich geht arbeiten, einkaufen, trennt Müll, zieht Kinder auf und geht immer wählen, ändert damit aber wie gewohnt einen Scheiß.

Der Wutbürger sieht sich selbst als aufgeklärt im Sinne Kants: "Aufklärung ist der Ausbruch des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit." Also, statt sich "alles gefallen zu lassen" (O-Ton), beginnt der Wutbürger mit allen Mitteln, sein Umfeld und seine Umwelt an sich anzupassen, statt umgekehrt. Er fängt an, sich als "Anwohner" zu gerieren. Im Grunde kann man ja gegen jede Veränderung protestieren, sobald man den Dreh heraus hat. Atomkraft, Windkraftanlage (Blogbeitrag), Neubau einer JVA (Blogbeitrag), einer Forensik (Blogbeitrag), oder eines IKEA - oder was gerade so ansteht - die Moderne ist ja durchaus reich an Wandel. Wutbürger wollen längst weitaus mehr "als nur die Farbe der Brücke" mitbestimmen (Artikel), so zum Beispiel die Leverkusener, die sogar bei der "Form der Autobahnauffahrt" ein Wörtchen mitreden wollen (Muahaha!!!), auch wenn sie nicht den blassesten Schimmer haben.
Mittlerweile sind wir so weit, dass wichtige Bauvorhaben verunmöglicht oder wenigstens durch die Mitmachbürger-Blitzbirnen blockiert werden, wie z.B. Hochwasserschutzmauern (siehe bitte diesen Artikel - Gottogott!!!) - weil die Wutbürger es können.

Heute wäre es schlicht nicht mehr möglich, einen Eiffelturm zu errichten (verschandelt die Aussicht, macht Geräusche im Wind, wirft Schatten, zieht Blitze an etc.), desgleichen den Kölner Dom (verschandelt die Aussicht, Gefahr durch Steinschlag, wirft Schatten, zieht Blitze an etc.), die Wuppertaler Schwebebahn (verschandelt die Aussicht, rattert wie Sau, quietscht wie Hulle, geht viel zu nah an Wohnungen vorbei, bedroht den lokalen Einzelhandel etc.) usw. usf.
Das ist unser aller leuchtende Zukunft: Nichts geht mehr - rien ne vas plus.
Was bleibt ist Mittelmaß, zu läppisch, um dagegen zu protestieren.


Jetzt mal in echt: Meiner Meinung nach sollte man Eltern, die mit ihrer schwindligen Brut zu Anti-Windkraft-Demos gehen, zwangssterilisieren, die Bälger dem Jugendamt zuführen.
Und der Rest soll sich um seinen eigenen Scheiß kümmern, Gott du Gerechter!