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Sonntag, 4. Februar 2018

Zum Tod von Ingvar Kamprad: Alter Schwede & der Tempel der zerlegten Glückseligkeit

photo credit: 2 dogs 06/11/04 14:51:35 SHANGHAI via photopin (license)

Ingvar Feodor Kamprad wurde 1926 im schwedischen Älmhult geboren, und ist dieser Tage mit 91 Jahren in Småland verstorben. Er war einer der reichsten Männer der Welt, trockener Alkoholiker und ein Meister der Steuervermeidung. Aber vielleicht wird man auch nicht Milliardär, wenn man ganz artig seine Steuern bezahlt wie jeder andere Depp.

1943 gründete Kamprad mit zarten 17 Jahren das Unternehmen IKEA. Die folgenden Jahre tüftelte der Jungunternehmer daran herum, auf wen man die schlimmste Arbeit der Möbelindustrie, nämlich das Zusammenkloppen der Einzelteile zu fertigen Möbeln, auslagern könnte. Niemand wollte diese undankbare und schweißtreibende Aufgabe übernehmen – es war ein Dilemma! Vier Jahre Hirnschmalz später gelang es Kamprad 1947 erstmalig, einen Endkunden, Herrn Erik Brantgaard (52), dazu zu bringen, sein neues Sideboard fluchend und wie ein Schwein schwitzend selbst zusammenzuschustern. Hey! Man hatte den Dummen fürs Zusammenbauen gefunden! Zuerst einmal duzte Ingvar Kamprad den Herrn Brantgaard ab sofort, was den nicht wenig irritierte, doch der Stolz über das selbst zusammengebaute Möbel überwog. Das Winz-Unternehmen IKEA begann nach diesem erfolgreichen Test auf der Stelle seinen kometenhaften Aufstieg.
Später kamen Designer wie Tord Björklund mit ins Boot, die auf die Idee kamen, sehr dicke Bretter an die Wand zu dübeln, damit man Firlefanz, Schnickschnack und – dem Trend folgend – das Zweitbuch darauf abstellen konnte. Kamprad, nicht doof, verkaufte den Kunden zum sehr dicken Brett ab sofort auch gleich noch den Schnickschnack und den Firlefanz dazu.

Doch weder Ingvar Kamprad, Tord Björklund und schon gar nicht Erik Brantgaard hätten sich das Gewimmel vorstellen können, welches sich an vielen Samstagen in und um IKEAs abspielt. Wenn man erst auf dem Parkplatz des Möbelhauses ankommt, wenn die kleinen Parkplatzwächter-Wichtel bereits getrocknete Tränenspuren auf ihren roten Wangen haben, dann kann man mit Gewissheit sagen: Ihr seid zu spät! Vielleicht bekommt man noch nach einigem hektischen Gegurke und zehn Minuten Stop & Go einen Parkplatz ganz hinten. Dann lässt man sich vom Strom der Menschen in den Tempel der zerlegten Glückseligkeit treiben. Alles ist schwarz vor Menschen, Kinder wimmeln, wenn sie nicht winseln. Die labyrinthischen Wege kanalisieren die Shoppenden wie Vieh, das langsam voran strebt. Arme greifen im trägen Getümmel rechts und links mechanisch nach Tand und Schnickes, der in riesigen, gelben Umhängesäcken verschwindet. In Sesseln und auf Liegen der Möbelausstellung lungern allerorts Ermattete herum, die nicht mehr aufstehen wollen oder können.

Am Restaurant angekommen, fällt die Wahl nicht schwer. Köttbullar mit Rahmsoße und Pommes sind jetzt das ideale Pflaster für die waidwunde Seele. Nach dem Schlange stehen an Essensausgabe und Kasse kann man nun seine nicht mehr ganz warmen Schweinebällchen in einer der hinteren Ecken des Restaurants hinunterschlingen. Die Cola ist zwar "Refill", aber wer würde jetzt 100 m Luftlinie durch dieses Getümmel auf sich nehmen, sein Glas neu zu füllen? Und weiter geht’s: Wir sind ja nicht zum scheiß Spaß hier!

In der sogenannten „Markthalle“ bewaffnen sich alle mit Einkaufswagen, weil niemand mehr Lust hat, weiterhin wie Flüchtlinge einen (gelben) Sack mit sich herumzuschleppen und sich die Körperhaltung ein für alle Mal zu versauen. Schon drei Meter weiter kommt es zum ersten Einkaufswagen-Stau, an den man sich schnell gewöhnen sollte, denn die nächsten 1,2 Gebäudekilometer legt man ausschließlich mittels Stop & Go zurück. So hat man indes genug Zeit, sich mehr Firlefanz und Schnickschnack zu greifen, als einem lieb ist.
Kaum eine Stunde später ist man sogar durch die Kasse, zahlt überraschenderweise einen dreistelligen Betrag für brachial parfümierte Kerzen in Gläsern und allerlei Gegenstände, an die man keine Erinnerung mehr hat, dass man sie je in den Einkaufswagen gelegt hat.
„Ist das überhaupt unser Wagen?“, fragt jetzt jemand.
Bevor man zu viel darüber nachdenkt, kann man sich jetzt noch direkt hinter den Kassen nach bester IKEA/Kamprad-Tradition ein Hotdog aus synthetischen Zutaten selbst zusammenbauen und es selbstverständlich lauwarm herunterschlingen.

Achtung: Wenn man die Kofferraumklappe noch geschlossen bekommt, dann hat man es nicht richtig gemacht. Zur Strafe muss man dann am nächsten Samstag wieder hin.

Wer nun denkt, er hätte das Schlimmste hinter sich, darf erstmal auf der A1 im Stau stehen, muss dann zu Hause noch Möbelpakete schleppen, deren Inhalt zusammensetzen und dabei wie ein Schwein schwitzen, wie seinerzeit der Herr Erik Brantgaard vor unglaublichen 70 Jahren.

Es ist wie mit der großen Portion Köttbullar. Man hat Bock drauf, aber wenn man einen Teller davon auf hat, denkt man, man könnte nie wieder einen essen.
Bis zum nächsten Mal.


Irgendwo in einem schwedischen IKEA gab es nun eine Durchsage: „Ein alter Schwede möchte aus dem Småland abgeholt werden“.
Well done, Mr. Kamprad.


Samstag, 29. November 2014

Zum Advent: Der Tempel der zerlegten Glückseligkeit

photo credit: IKEA Spandau via photopin (license)

1943 gründete Ingvar Feodor Kamprad mit zarten 17 Jahren das Unternehmen IKEA. Die folgenden Jahre tüftelte der Jungunternehmer daran herum, auf wen man die schlimmste Arbeit der Möbelindustrie, nämlich das Zusammenkloppen der Einzelteile zu fertigen Möbeln, auslagern könnte. Niemand wollte diese undankbare und schweißtreibende Aufgabe übernehmen - es war ein Dilemma! Vier Jahre Hirnschmalz später gelang es Kamprad 1947 erstmalig, einen Endkunden, Herrn Erik Brantgaard (52), dazu zu bringen, sein neues Sideboard fluchend und wie ein Schwein schwitzend selbst zusammenzubauen. Man hatte den Dummen fürs Zusammenbauen gefunden! Das Unternehmen IKEA begann nach diesem erfolgreichen Test sofort seinen kometenhaften Aufstieg. Später kamen noch Designer wie Tord Björklund mit ins Boot, die sehr dicke Bretter an die Wand dübelten, um Tand, Schnickes und - dem Trend folgend - das Zweitbuch darauf abzustellen. Kamprad, nicht doof, verkaufte den Kunden zum sehr dicken Brett ab sofort auch gleich noch den Schnickes und den Tand dazu. Heute gehört er zu den reichsten Menschen der Welt.

Doch weder Ingvar Kamprad, Tord Björklund und schon gar nicht Erik Brantgaard hätten sich das Gewimmel vorstellen können, welches sich an den vier Adventssamstagen in Deutschland in und um IKEAs abspielt.

Wenn man erst auf dem Parkplatz des Möbelhauses ankommt, wenn die kleinen Parkplatzwächter-Wichtel bereits getrocknete Tränenspuren auf ihren roten Wangen haben, dann kann man mit Gewissheit sagen: Ihr seid zu spät! Vielleicht bekommt man noch nach einigem hektischen Gegurke und zehn Minuten Stop & Go einen Parkplatz ganz hinten. Dann lässt man sich vom Strom hochwinterlich gekleideter Menschen in den Tempel der zerlegten Glückseligkeit treiben. Alles ist schwarz vor Menschen, Kinder wimmeln, wenn sie nicht winseln. Die labyrinthischen Wege kanalisieren die Shoppenden wie Vieh, das langsam voranstrebt. Arme greifen im trägen Getümmel rechts und links mechanisch nach Tand und Schnickes, der in riesigen, gelben Umhängesäcken verschwindet. Die Anspannung steigt.

Am Restaurant angekommen, fällt die Wahl nicht schwer. Köttbullar mit Rahmsoße und Pommes sind jetzt das ideale Pflaster für die waidwunde Seele. Nach dem Schlangestehen an Essensausgabe und Kasse kann man nun seine nicht mehr ganz warmen Schweinebällchen in einer der hinteren Ecken des Restaurants hinunterschlingen. Und weiter geht’s: Wir sind ja nicht zum scheiß Spaß hier!

In der sogenannten "Markthalle" bewaffnen sich alle mit Einkaufswagen, weil niemand mehr Lust hat, weiterhin wie ein Flüchtling den gelben Sack mit sich herumzuschleppen und sich die Körperhaltung ein für alle Mal zu versauen. Schon drei Meter weiter kommt es zum ersten Einkaufswagenstau, an den man sich schnell gewöhnen sollte, denn die nächsten 1,2 Gebäudekilometer legt man ausschließlich mittels Stop & Go zurück. Dabei hat man genug Zeit, sich mehr Tand und Schnickes zu greifen, als einem lieb ist.
Kaum eine Stunde später ist man sogar durch die Kasse, zahlt einen überraschenderweise dreistelligen Betrag für überbrachial parfümierte Kerzen in Gläsern und allerlei Gegenstände, an die man keine Erinnerung mehr hat, dass man sie je in den Einkaufswagen gelegt hat. Bevor man zu viel darüber nachdenkt kann man sich jetzt noch direkt hinter den Kassen nach bester IKEA/Kamprad-Tradition ein Hotdog aus hochsynthetischen Zutaten selbst zusammenbauen und es selbstverständlich lauwarm herunterschlingen.

Achtung: Wenn man die Kofferraumklappe noch geschlossen bekommt, dann hat man es nicht richtig gemacht. Zur Strafe muss man dann am nächsten Adventssamstag wieder hin.

Wer nun denkt, er hätte das Schlimmste hinter sich, darf zu Hause noch Möbel schleppen, zusammensetzen und dabei wie ein Schwein schwitzen, wie es seinerzeit Herr Erik Brantgaard vorgemacht hat.


Mehr IKEA: Blogbeitrag


Donnerstag, 17. Oktober 2013

Tebartz-van Elst, weiter so!

Kein OBI-Kunde (http://goo.gl/6ynmex )
Was haben die Chinesische Mauer, der Petersdom/die Sixtinische Kapelle und das Tadj Mahal gemeinsam?
Bei der Errichtung dieser Bauwerke wurden weder Kosten noch Mühen gescheut.
Hätte man in Zeiten der Ming-Dynastie die Große Chinesische Mauer mit Billo-Zement ausm Hornbach errichtet, es gäbe sie heute einfach nicht mehr. Hätte man den Petersdom seinerzeit dank einer 20%-Aktion bei Praktiker komplett mit Baumarktmitteln errichtet und die Sixtinische Kapelle hätten von Innen nen Dutzend Obdachloser mit Abtönfarben aus der "Creativ-Ecke" bemalt, niemand hätte jemals von diesen Gebäuden gehört. Desgleichen gilt für ein Tadj Mahal aus OBI-Dauerniedrigpreis-Rigips.
In der Moderne wird aus Kostengründen nun einmal billig gebaut und kaum 30-50 Jahre später reißen sie die spillerigen Teile (z.B. Sony Center, Potsdamer Platz) wieder ab.
Wir befinden uns im Jahre 2013 n.Chr. In ganz Europa hält man sich an diese Regel... In ganz Europa? Nein! In einem von unbeugsamen Klerikern bevölkerten Dorf namens Limburg hat man gerade erst angefangen, die fette Kohle rauszuhauen. Der neue Bischofssitz des Limburger Bischofs Franz-Peter Tebartz-van Elst (53) war mit 5,5 Millionen Euro veranschlagt worden, das Ganze könnte aber aufgrund einer völlig überraschenden Kostenexplosion noch die 40 Millionen-Latte reißen (Quelle).
Respekt.
Alle so: *aufreg* (als wäre es ihr Geld).
Hey, Leute, das sind doch keine (Lohn-)Steuergelder, die hier verballert werden, sondern Kirchensteuern! Wer (wieso auch immer???) noch Kirchensteuern zahlt, sollte nicht rumheulen, wenn eine seltsam unzeitgemäße Institution (Kirche) diese Kohle einer verschrobenen Verwendung zuführt. Doch von der Katholischen Kirche erwartet der Gläubige anscheinend, dass sie mit ihren unvorstellbaren Reichtum von 270 Milliarden Euro (Quelle) Gutes tut - wie weltfremd ist das denn? Denn leider wird Reichtum in aller Regel angehäuft und nicht für "Gutes" verwendet - wie naiv seid ihr denn?
Exkurs: In der Zeit von 1981–1985 war der Sektenführer Bhagwan Shree Rajneesh Eigentümer von 93 Rolls Royce. Da ihm diese technisch antiquierten Gefährte anscheinend sehr gefielen, beschloss er, sich insgesamt 365 Stück davon zuzulegen, einen für jeden Tag des Jahres (Quelle). An Schaltjahren wäre er am 29. Februar vermutlich mit nem BMX-Rad die Reihen seiner Jünger abgefahren, aber Schaltjahr ist ja nicht so oft. Die, die nicht Sannyasin = "Jünger des Bhagwan" waren, fanden diese geplante Anschaffung sicherlich ein bissi diskutabel - aber hey! War ja son spinnerter Sektenfuzzi!
In Limburg indes werden wirkliche, bleibende Werte geschaffen, die auch in 30, 50 oder 100 Jahren noch Bestand haben. Es werden Architekten und Bauunternehmen (Hoch- & Tiefbau) beschäftigt, Handwerker aller Couleur wie Parkettleger, Stukkateure, Kunstmaler, Möbelbauer, Kunsttischler, Goldschmiede und Edelsteinschleifer. Der muss sich nicht seinen ganzen Kram bei IKEA zusammenstoppeln! Nein, diese ganze irre Kohle fließt geschlossen ins lokale Handwerk, in lokale Unternehmen und die zahlen davon fette Steuern. DAS ist Entwicklungshilfe, die wirklich etwas bringt! Und eines Tages kann man sogar dafür Eintritt nehmen und staunende Touristen durch die Räumlichkeiten der bischöflichen Prunk-Residenz führen!
Von mir aus hätte Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst 1,5 Milliarden veranschlagen können für einen Bischofssitz, den man vom Mond aus sehen kann, dessen Kosten dann die 4 Milliarden-Latte noch reißen - der Wirtschaft, der Region, dem Bundesland Hessen, dem Steuersäckel hätte es bestimmt nicht geschadet.
Deswegen: Tebartz, weiter so!

Um es rasant elegant auf den Punkt zu bringen:
"Wenn mir Millionen Katholiken monatlich freiwillig Geld fürs Ministrantenbelästigen überweisen, kauf ich die Badewanne auch nicht bei OBI.", @silvereisen, Twitter

Oder, um mal die Kirche im Dorf zu lassen:
"Der Unterhalt des noch nicht eröffneten Berliner Flughafens kostet PRO MONAT 35 Mio. €. Wie viele Bischofssitze man damit umbauen könnte!" @DerWachsame, Twitter


Freitag, 6. September 2013

Wutbürger

http://goo.gl/r9hTbI
In der Regel kann man die Bürgerschaft aufteilen in Bitbuerger (15 %), Mitbürger (70 %) und Wutbürger (15 %).

Der Bitbuerger (Kunstwort aus Mitbürger und einer Biermarke) ist Getränkemarkt-Kunde, müllt Altglas-Container voll, schaut im Bieranzug RTL II und sediert sich mit reichlichen Gaben Alkohol, bis er vor der Glotze einschläft, Motto: "Heute ein König!" Eine Bundesregierung weiß: Hält man die Steuern auf Alkohol niedrig, hat man von dieser Bevölkerungsgruppe keinen Stress zu erwarten (das bisschen Häusliche Gewalt geht locker im Hintergrundrauschen unter, da gibts Veilchen eben mal nicht nur am Valentinstag). Deshalb schraubt die jeweils aktuelle Regierung immer wie verrückt an der Tabaksteuer, niemals aber an den Steuern für Alkohol, diese gelten seit der Weimarer Republik als unantastbar.

Der Mitbürger an sich geht arbeiten, einkaufen, trennt Müll, zieht Kinder auf und geht immer wählen, ändert damit aber wie gewohnt einen Scheiß.

Der Wutbürger sieht sich selbst als aufgeklärt im Sinne Kants: "Aufklärung ist der Ausbruch des Menschen aus seiner selbstverschuldeten Unmündigkeit." Also, statt sich "alles gefallen zu lassen" (O-Ton), beginnt der Wutbürger mit allen Mitteln, sein Umfeld und seine Umwelt an sich anzupassen, statt umgekehrt. Er fängt an, sich als "Anwohner" zu gerieren. Im Grunde kann man ja gegen jede Veränderung protestieren, sobald man den Dreh heraus hat. Atomkraft, Windkraftanlage (Blogbeitrag), Neubau einer JVA (Blogbeitrag), einer Forensik (Blogbeitrag), oder eines IKEA - oder was gerade so ansteht - die Moderne ist ja durchaus reich an Wandel. Wutbürger wollen längst weitaus mehr "als nur die Farbe der Brücke" mitbestimmen (Artikel), so zum Beispiel die Leverkusener, die sogar bei der "Form der Autobahnauffahrt" ein Wörtchen mitreden wollen (Muahaha!!!), auch wenn sie nicht den blassesten Schimmer haben.
Mittlerweile sind wir so weit, dass wichtige Bauvorhaben verunmöglicht oder wenigstens durch die Mitmachbürger-Blitzbirnen blockiert werden, wie z.B. Hochwasserschutzmauern (siehe bitte diesen Artikel - Gottogott!!!) - weil die Wutbürger es können.

Heute wäre es schlicht nicht mehr möglich, einen Eiffelturm zu errichten (verschandelt die Aussicht, macht Geräusche im Wind, wirft Schatten, zieht Blitze an etc.), desgleichen den Kölner Dom (verschandelt die Aussicht, Gefahr durch Steinschlag, wirft Schatten, zieht Blitze an etc.), die Wuppertaler Schwebebahn (verschandelt die Aussicht, rattert wie Sau, quietscht wie Hulle, geht viel zu nah an Wohnungen vorbei, bedroht den lokalen Einzelhandel etc.) usw. usf.
Das ist unser aller leuchtende Zukunft: Nichts geht mehr - rien ne vas plus.
Was bleibt ist Mittelmaß, zu läppisch, um dagegen zu protestieren.


Jetzt mal in echt: Meiner Meinung nach sollte man Eltern, die mit ihrer schwindligen Brut zu Anti-Windkraft-Demos gehen, zwangssterilisieren, die Bälger dem Jugendamt zuführen.
Und der Rest soll sich um seinen eigenen Scheiß kümmern, Gott du Gerechter!


Dienstag, 16. Juli 2013

Ein Leben in vollen Zügen

Kleiner Leitfaden zum Bahnfahren mit der DB, Bahnticket und Sitzplatzreservierung liegen vor

Frage 1:
An welchem Bahnsteig hält mein Zug?
Antwort: Das prüfe man am Bahnhof an dem großen Abfahrts-Poster. An der Stelle, die einen interessiert, hat ein Minderbemittelter mit einem 18 mm breiten Edding „FRZ“ (kurz für „Furz“) oder „DBL“ (für „debil“) draufgekrakelt.

Frage 2: Das Poster fehlt, ist unleserlich oder ich kann es nicht finden. Kann man am Bahnhof jemanden fragen?
Antwort: Besser nicht.

Frage 3: Es liegt an der Aufregung. Kann man am Bahnhof mal müssen?
Antwort: Man kann, sollte aber nicht.

Frage 4: Wo am Bahnsteig hält mein Waggon?
Antwort: Am Bahnsteig gibt’s ein Infoposter, den sogenannten Wagenstandsanzeiger. Man stelle sich mit seinem Koffer am zum Wagen passenden Buchstaben A bis F auf dem Bahnsteig parat und harre der Dinge die da kommen.

Frage 5: Worüber klärt mich die völlig unverständliche, mit Sprachfehler und Dialekt vorgetragene Durchsage auf?
Antwort: Darüber, dass die Lautsprecherboxen mit Taubenscheiße verklebt sind.

Frage 6: Klappt wenigstens das mit dem Wagenstandsanzeiger?
Antwort: Nein. Der Waggon, den man besteigen möchte, hält aber keine 200 m vom Wartenden entfernt. Dann wuchte man sein Gepäck zu den Menschentrauben: Da knubbeln sich bereits die Reisenden, die keine Ahnung von der Existenz solcher Exotika wie Wagenstandsanzeigern hatten und somit natürlich näher an dem betreffenden Wagen stehen, als die, die zu schlau waren.

Frage 7: Steige ich mit Sitzplatz Nummer X auf der rechten oder linken Seite des Waggons ein?
Antwort: Egal. Wie man sich auch entscheidet: Auf der anderen Seite einzusteigen wäre weitaus günstiger gewesen. Man quetsche sich also einmal komplett durch die gesamte Länge eines vollen Wagens, in dem Menschen ihre Koffer, Kinder, Partner und Hunde verstauen oder darauf warten, dass ihr Vordermann seine Koffer, Kinder, Partner und Hunde denn dereinst einmal verstauen möge. Man hat somit viel Zeit, der Blick irrt zur Nummerierung der Sitzplätze: doch ach!

Frage 8: Wo the fuck ist überhaupt mein reservierter Sitzplatz?
Antwort: Keine Ahnung. Die Nummerierung der Sitzplätze im Inneren eines ICE ist so erratisch, dass man es kaum für möglich hält! (Link)

Frage 9: Die machen das doch mit Absicht, oder?
Antwort: Es sieht ein wenig danach aus.

Frage 10: Erwische ich meinen Anschlusszug?
Antwort: Auf keinen Fall.

Frage 11: Wie lange müssen die Leute warten, die mich am Bahnhof abholen wollen?
Antwort: 10 Minuten länger, als sie gute Laune haben.


Fazit: Es ist wie mit der großen Portion Köttbullar bei IKEA. Man hat Bock drauf, aber wenn man einen Teller davon auf hat, denkt man, man könnte nie wieder einen essen.
Bis zum nächsten mal.


Dienstag, 30. Oktober 2012

ru24 Wissen 20: Surströmming

goo.gl/KRpPN
Surströmming ist schwedisch für "saurer Strömling". Man nehme Ostseehering (Strömling), lege ihn wochenlang in Salzlake, wo er gärt, dann dose man ihn einen Monat vor dem großen Tag ein, wobei er in der Konserve fröhlich weitergärt, sodass sie sich kugelförmig aufbläht. Wegen der naheliegenden Detonationsgefahr sind die Dosen auf Flügen der Airt France und British Airways Tabu, völlig unnachvollziehbar für den Schweden an sich...

Am großen Tag:
1) Die Dose ist dringend im Freien zu öffnen, damit die Gase sich verflüchtigen können. Entweichen die bestialisch nach fauligen Fäkalien stinkenden Gase des Surströmmings innerhalb von Räumlichkeiten, werden diese dadurch temporär unbewohnbar.
2) Die Dose ist zusätzlich dringend unter Wasser zu öffnen
Praktisch: Man kann den hoffentlich noch rosigen Fisch direkt abwaschen. Ist er grau, sollte selbst der Alte Schwede die Finger davon lassen, sofern er noch etwas älter werden möchte. Grauen Surströmming kann man vermutlich nur noch trocknen und rauchen.
3) Der Fisch muss drinnen gegessen werden, weil die Faulgase Fliegen anlocken.
Dann flott rein mit der Leckerei in die IKEA-Vorzeigewohnung, es sei denn, man möchte eindringliche Szenen aus "Der Herr der Fliegen" nachstellen.
"Die traditionelle Art, Surströmming zu essen, ist ein sogenanntes Klappbrot. Man streicht Butter auf dünnes Fladenbrot, hartes oder weiches, je nach Geschmack, legt den gesäuberten Surströmming zusammen mit Mandelkartoffeln und gehackten Zwiebeln darauf, klappt das Ganze zusammen und isst es aus der Hand." (Quelle: s.u.)
Übrigens: die "wahren Enthusiasten" lieben nicht nur den "Duft" des Fisches, sie essen als Steigerung die über ein Jahr länger fermentierten Konserven vom vorletzten Fang.

Ich könnte mir vorstellen, dass mein Freund Bernd (Blogbeitrag) sich nach dieser Lektüre schon das Lätzchen umbindet. :)


Lecker, lecker: Youtube-Video.
Mehr zu Surströmming: Link, Link, Link
Für die ganz Harten: Surströmming bei Amazon bestellen
Mehr Schweden: Blogbeitrag, Blogbeitrag


Freitag, 27. Juli 2012

Freunde der Sonne

bit.ly/QlC3vp
Manchmal muss ich bei meinem Bruder die Pflanzen gießen, oder im letzten Berlin-Urlaub bei unseren freundlichen wie auch abwesenden Gastgebern. Gemeinsam hatten die Wohnungen, dass sie eine urst unangenehm hohe Unzahl an Pflanzen in der Bude hatten! Und fängt man erst einmal an zu gießen, findet man immer neue und neue und hier noch und da noch. Selbst auf dem Klo gibt es Dutzende Pflanzen! Unheimlich! Manche Leute wohnen in einem eingetopften Dschungel! Und sie brauchen Hilfs-Tarzan & Hilfs-Jane, die ihnen in absentia die überbordende Flora am Verdursten hindern.
Völlig surreal!
Doch sich wirklich ganz grobe Mengen Pflanzen in und an die Bude zu stellen, selbst, als gäbs kein Morgen, scheint völlig normal und allgemein akzeptiert. Als müsse man sich zu Hause nicht schon genug um allerlei Firlefanz kümmern, wie z.B. das Essen auf den Tisch zu kriegen, Spülmaschinen, Blogs und Schnickes, die Beziehung noch gar nicht eingerechnet!

Als Junggeselle hatte ich (rein aus Konvention) auch Pflanzen. Drei (3): Kaktus Jeronimo, einen knorken Elefantenfuss und irgendwas Bizarres (Aloe?) von IKEA. Fettich. Diese Freunde der Sonne konnte ich selbst im Sommer ruhig mal sechs Wochen ignorieren, da gings denen noch immer Gold (nicht wie dem beknackten Farn, den ich mal versehentlich gekauft habe: Einmal nicht gegossen, schon im [Müll-]Eimer).

Jetzt sorgt sich im gemeinsamen trauten Heim die Liebste für den Pflanzen-Nachwuchs. Sogar Orchideen stehen im Fenster. Der Balkon blüht und gedeiht prachtvoll. Ständig muss etwas umgetopft, gerupft oder gegossen werden. Irgendwas geht gerade immer ein und muss ersetzt werden, da verstehen die Freunde der Sonne ja keinen Spaß.
Wenigstens bin ich da außen vor.
Aber ja: Es sieht jetzt so aus, als wohnte jemand bei uns, ist ja wichtig...

Dabei ist die Welt doch so einfach aufgeteilt: DRAUSSEN - NATUR, DRINNEN - WOHNUNG. Wer meine Camping-Erlebnisse kennt (Blogbeiträge), weiß, dass man diese Bereiche nach Möglichkeit nicht vermischen sollte, sonst heult einer! Ein Draußen-Wohnen ist im Grunde also genau so fragwürdig wie sich die Hütte mit Grünzeug vollzumüllen.
Comprende muchachos?


Montag, 26. September 2011

Umzug

"Ich kann hier niemals ausziehen!", sagte ich damals zu einer Freundin. Gemeint war meine Wohnung in 42477 Radevormwald, 50 m² mit Garten, Parkplatz vorm Haus für 190,00 EUR, die ich schon seit 10 Jahren bewohnte.
Ich meine hey!
Bei der Miete!?
Die Freundin schaute damals etwas sparsam. Nun, sie war meine damalige Freundin.
Aber, wie de Omma schon immer sagte: "Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen". Nun, sie sagte es auf französisch, was sich anhörte wie "Musche-musche-musche-awek-ö". Also, wie sich quasi alles auf französisch anhört, aber ich wusste ja, was sie meinte.
Die Zeiten haben mich dann irgendwann auch mal erwischt und spülten mich an neue Gestade, vulgo: ich zog der Liebe halber nach Wuppertal.

Zwischenspiel: Auf einer Garten-Party in Oberhausen. Meine Freundin und ich erzählen einer uns Unbekannten, dass wir gerade nach Wuppertal gezogen seien. Sie: "Seid ihr geistesgestört?"
So viel dazu.

Ein Umzug könnte ein Riesenspaß sein, wenn das Aussortieren, Kisten besorgen, Einpacken, Renovieren, Herumschleppen, Auspacken, Anschließen, Aufbauen und Kisten sowie Müll entsorgen nicht wäre. Ich hatte schon auf vielen Umzügen geholfen und da das ganze Spektrum der Möglichkeiten erlebt, von einer völlig ungepackten Wohnung, Motto: "Ach, Kistenpacken, das geht doch schnell! Kommt rein!" bis hin zur totalen Organisation nebst Empfangsgirl im Flur mit Klemmbrett, Motto: "Karton 68 gehört laut Liste hinten links ins Schlafzimmer, da weist dich dann jemand ein!"
Doch es ist immer eine ganz eigene Sache, wenn man selber umzieht...

Hier ein paar auf die harte Tour erarbeitete Tipps:

0) Bevor ihr irgendwo hinzieht, fragt VORHER die Nachbarn, wie es da im Winter ist.
[Wir beide sind jetzt SEHR gespannt auf den Winter, nachdem uns diverse Nachbarn über die Zentralheizung im Hause und den nicht stattfindenden Winterdienst in unserer steilen, schmalen Straße aufgeklärt haben]
1) Leute, kommt aus den Puschen und packt euren Kram selbst, bevor es andere für euch tun.
[So fand ich dann im Arbeitszimmer drei Wochen nach dem Umzug eine Kiste, aus der Wolken von Fruchtfliegen aufstiegen. Sie enthielt neben Bürokrimskrams originellerweise eine Obstschale mit in Verflüssigung befindlichen Birnen, eine Art Phantasialand der Drosophila.]
2) Beschriftet eure Kartons auf beiden Schmalseiten UND dem Deckel.
[a) kistenschleppenden Freunden ist es eh scheissegal, was du auf die Kartons geschrieben hast. Und: 2. Stock: (scheissegal)², 3. Stock: (scheissegal)³ etc. b) Beschriftungen von einseitig gekennzeichneten Kisten werden von den rekrutierten Hilfskräften grundsätzlich zur Wandseite gestellt. Mein Besteck ist noch immer Missing in Action. Gewöhne mich langsam ans Fingerfood.]
2b) Schreibt auf die Kisten nicht nur K, D, B, WZ, SZ, AZ.
[Wenn plötzlich und unerwartet die TAN-Liste benötigt wird, sind trotzdem noch 8 Kisten "AZ" zu durchsuchen. Ich hatte Glück im Unglück und musste nur eine komplette Raumecke freiräumen.]
2c) Bitte nehmt einen wasserfesten Stift!
Kaum hatten die Helfer alle Kisten zum Einladen in die Autos an die Straße gestellt, öffnete der Himmel des Bergischen Landes seine Schleusen für einen kurzen aber heftigen Schauer. Aus der Umzugskistenbeschriftung "Akten, Wii, Deko" wurde im Handumdrehen "$% ,,&/ /²²". Wenn etwas schief gehen kann, geht es schief.
3) Demontiert eure Möbel selbst, bevor es andere für euch tun.
[Tütet eure Schrauben und Möbelverbindungsteile ein, nebst Zettel, für was das zum Teufel eigentlich ist. Klebt euch diese Tüten an den Körper wie Sprengstoffgürtel. Bis alles aufgebaut ist. Glaubt mir, es ist sinnvoll, auch wenn es juckt. Alternativ kann man natürlich auch 3x zu IKEA fahren und die lieben Leute am IKEA-Kundenservice-Schalter besser kennenlernen. Klaus und Irene sind übrigens dufte!]
4) Macht euch einen Ordner mit allen wichtigen Papieren.
[Wie hieß nochmal der Auto-Versicherer? Granata? Hungaria? Weiß die Fröhn-Versicherung gegen Arbeitsscheu eigentlich schon die neue Adresse? Und die scheiß TAN-Liste fürs Überweisen der Miete, siehe 2b)... Just do it.]
5) Wo entsorge ich was?
[Ein Umzug enthüllt erbarmungslos, wieviel grausam unnützes Zeugs du eigentlich hast. Und wenn man zusammenzieht, hat man den ganzen Scheiß auch noch mindestens doppelt! Entsorgung tut not. Intime Kenntnisse über Entsorgungskalender, Standorte von Altglas-, Papier- sowie Altkleidercontainern, Diakoniestationen (zur Abgabe von sonstigem Plunder), Sondermüll-Sammelstellen und Müllverbrennungsanlagen sind idealerweise VOR dem Umzug zu erwerben.]
Dann passiert lange nichts.
6) Die Telekom schaltet DSL frei.
[Der Telekom-Fritze erscheint einige lange Wochen nach dem Umzug irgendwann zwischen 8.00 Uhr und 14.00 Uhr, steckt seinen Schraubvenzieher in die Telefondose und geht wieder. Dann stehst du da mit deinen Kabeln und Geräten. Das Geschlöngels ist unbeschreiblich! NTBA, Splitter, Fritz-Box, AB, ISDN-Telefon, Netzteile und Kabelage - Technik kann so viel Spaß machen, wenn sie auf Anhieb funktioniert! Schaut vor dem Umzug ins Internet und druckt euch was aus. Die Seite kommt in den Ordner, siehe 4).]

OK, Leutz, jetzt kann nur noch alles Andere schiefgehen!

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Dienstag, 17. November 2009

Lifestyle 23 - Der Teufel ist ja bekanntlich ein Eichhörnchen


Clock
Originally uploaded by Erik mit k
Wecker. Meist zuckt man schon zusammen, wenn man dieses Geräusch nur hört. Egal, ob es ein Schnarren, Klingeln oder Piepsen ist. Aber mit dem Aufstehen hatte ich nie Probleme, bis...
Meine frühere Freundin B. stellte sich gerne den Wecker auf 5.00 Uhr, drehte ihn dann nach dem Wecken zu dieser erbärmlichen Zeit zwei Stunden weiter, um mit dem seligen Gefühl wieder einzuschlafen, noch nicht aufstehen zu müssen. Und ich arme Wurst lag daneben, starrte mit kreisrunden Augen aus dem Fenster und beobachtete den Morgen beim Grauen.
Zurzeit lebe ich allein. Eines Tages kaufte ich bei IKEA einen neuen Wecker. Der hatte mindestens drei Knöpfe mehr als nötig und eher aus Versehen entdeckte ich, dass er eine Schlummertaste = Nachweckfunktion hatte.
Sind ja nur fünf Minuten!
Der Teufel, der bekanntlich ein Eichhörnchen ist, hatte bereits seinen Fuß in der Tür. So entdeckte ich das vermaledeite Nachwecken für mich.
Einmal ist keinmal, sprach das Mäuschen.
Auf einem Bein kann man nicht stehen.
Und dreimal Null ist Null.

Theoretisch bin ich so weit, dass ich diesen Wecker jetzt eine Viertelstunde früher stellen müsste, als einen Wecker GANZ OHNE NACHWECKFUNKTION.
Bizarr!
Heute morgen dann der Höhepunkt des ganzen unseligen Mists! Arbeitsbeginn 10.15 Uhr. Eigentlich wollte ich noch was vom Morgen haben, also Wecken um 8.00 Uhr, leider begann das Nachwecken.
Erst eins, dann zwei, ..., dann fünf, dann sechs ...
Ich schlief wie ein Baby!
Um ein Haar wäre ich zu spät zum Spätdienst gekommen, weil der Wecker beschlossen hatte, dass nach 6x Schlummern wirklich mal gut sein muss! Er ließ mich einfach schlafen!
Der Penner!

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Dienstag, 3. November 2009

ru24 Wissen 8: Schwedenrätsel


P3201116
Originally uploaded by Kommissar Zufall
Hinter schwedischen Gardinen aus Schwedenstahl hockt der Schwede an sich, löst Schwedenrätsel und heckt sonst noch so einiges aus.
Die Bezeichnungen "schwedische Gardinen" und "Schwedenrätsel" kommen dem Schweden ebenso spanisch vor, wie den Spaniern die "Spanische Fliege", dem Franzmann "französisch" oder "Pariser". Der Franzmann nannte dereinst den Kakerlak "Deutsche Schabe", der Deutsche nannte sie zu Kaisers Zeiten "Französische Schabe". In den letztgenannten Fällen schiebt der eine dem anderen zu, was peinlich oder verrufen ist. Durchgesetzt hat sich für die Küchenschabe dummerweise die lateinische Bezeichnung "Blatella Germanica". Und schwupps hängt's auf ewig am schäbigen Germanen. In einem hysterisch hygienischen Land sicher ein Griff ins blauwässrige, autosterile Klo. Aber mit Unsterilitäten haben die Schweden ohnehin keine Probleme. Midsommar wird ein bißchen gehopst, dann ist's den Rest des Jahres eh wieder kälter als 7°C.
"Der war noch nie in Schweden", werden jetzt die Kenner sagen.
Stimmt. Aber einige mäkeln ja immer.
"Kommt der jetzt mal zum Thema?"
Jaja!
Die Österreicher haben in ihrer Sprache (eine Art deutsch) beispielsweise die "Schwedenbombe". Diese wird hierzulande mittlerweile politisch korrekt als "Schokoschaumkuss" bezeichnet (formerly known as "Mohrenkopf" bzw. "Negerkuss"). Außerdem gibt's bei den Schweizern noch den "schwedischen Kuss". Das indes ist nichts zum Essen. Jemanden einen "schwedischen Kuss geben" meint, wenn einer seinen Kopf gegen das Haupt seines Nächsten drischt.
Wie immer lustig, die Bergbewohner!
Der Schwede wiederum kennt Deutschland in erster Linie für seine tabulosen Brutalo-Hardcore-Pornos (wirklich, ich habe das nicht getürkt). Hierzulande ahnt man nichts davon, kennt - natürlich nur namentlich (ey, ich schwör'!) - die Schwedenpornos.
Aber das ist ja wie bei der Schabe und dem Franzmann!
Zumindest an das schwedische IKEA-Wording hatte man sich hierzulande schon gewöhnt (Blogbeitrag), außer vielleicht an den babypopofarbenen Sessel "Kimme" zu 19,00 € (Bild). Aber den hat man vernünftigerweise schon wieder aus dem Programm genommen, denn das ging ja gar nicht.
Darauf einen Schwedentrunk!
Pardon!
Um ehrlich zu sein, lieber einen Schwedenbitter.


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Montag, 22. Juni 2009

Lifestyle 1 - Grölle biste mållen?

Bei IKEA haben alle Sachen so hübsche Namen! Hier gibt es Klangvolles wie Mertöl, Klosp oder Herpse. Die Namensgebung gibt vielen Rätsel auf, 69,71% der Befragten einer von mir eigens gefälschten Studie vermuteten gar, es handle sich um schwedische Wörter, die verwendet werden, wenn Designer Tord Björklund seine neue Vase Vaniga nennt oder den großen Küchenrollenständer Pensi. Hahaha. Mitnichten. Der Herr Björklund war zwar der Erste, der auf die Idee kam, ein Brett an die Wand zu dübeln und Bücher mit Titeln wie "Grölle biste mållen?" draufzustellen, aber trotzdem soll jetzt sein Geheimnis gelüftet werden!
Man nehme ein beliebiges deutsches Wort, tausche einfach zwei Buchstaben gegeneinander aus und schaffe so einen Begriff umweht vom Flair des Elchs, umsummt von extrem blutrünstigen Mückenschwärmen und umduftet von ganzen neun Köttbullar [sprich: Chött...] mit einem Klecks Preiselbeeren und Petersilienkartoffeln für gerade mal 4,50 EUR. Als Alternative gibt es da sogar Pommes dazu (allerdings ohne Petersilie, wer hätte auch je von Forelle Müllerin mit Petersilienpommes gehört). Beispiele: der Köndel Sockensammler - man nehme einen Knödel und tausche das n mit dem ö. Oh, eisiger Hauch vom Bottnischem Meerbusen! Der beliebte Aken Rattanstuhl - man nehme die schmückende Akne und tausche die Buchstaben (wenn man Wangen und Stirn nur lange genug auf das Geflecht preßt, kann man die Namensgeberin auch dufte simulieren). Ah, da mag man an Selma Lagerlöfs "Nils Holgersson" denken. Körte Toilettenpapierhalter - hier hat der schwedische Köter hergehalten, nun gar im Kampf gegen den Kot. Das ist Design in Vollendung. Welch atmosphärische Dichte, fast schmeckt man es auf der Zunge. Super, der Herr Björklund. Wenn der auch mal nicht weiter weiß, gibt es noch einen Trick: man nimmt ein passendes Fremdwort und ersetze einen hinteren Vokal durch ein ö. Die Exekutör Hundleine, der Leprö Flickenteppich oder der Menstruatör Badezimmer-Treteimer seien hier beredte Zeugen. Doch wie ernst IKEA seine Namen sind, zeigt sich daran, daß es im Katalog keine Möglichkeit gibt, per Inhaltsverzeichnis nach ihnen zu suchen. Kecka bzw. Fäköl ist das.
Ich freue mich auf jeden Fall schon drauf, wenn ich wieder eine Durchsage im Stil höre: "Der Kleine Cosmo möchte ziemlich dringend von seinen Eltern aus dem Småland abgeholt werden!"
Möchte, wohlgemerkt, sehr artig, trotz des mörderischen Gebrülls, das er veranstaltet.

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