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Montag, 14. November 2022

Mein Gehirn denkt sich Sachen aus (2)

Midjourney

Ich habe geträumt, dass wir aus der abgebrannten Wohnung nur eines retten konnten: den Mond. Er war jetzt würfelförmig, glomm leicht und es fehlen einige Teile, sodass Schlitze fehlten wie beim unfertigen Todesstern. Wir wohnten jetzt in einem Mies-van-der-Rohe-Bungalow in einem Schilf-Garten — Träumchen! Allerdings nahm der Miniatur-Trabant auch viel Platz weg in der neuen Wohnung. In der Nacht glomm er blass vor sich hin.
Später ist der Wohnzimmer-Mond dann ausgebüxt und machte seinen Job — er illuminierte die Landschaft.


Donnerstag, 20. Oktober 2016

ru24 Wissen: 5x (un)nützes Wissen

photo credit: NASA's Marshall Space Flight Center Coronet Cluster is Star-Making Hotspot (NASA, Chandra, 9/13/07) via photopin (license)

1) Safran ist giftig
Das teuerste Gewürz der Welt ist giftig. 5 g Safran (Crocus Sativus) können zu Lachreiz, Übelkeit, Nasenbluten und Koliken führen, die Einnahme von 10 g führt zu blutigen Durchfällen und rauschartigen Zuständen -- das geht dann fröhlich so weiter, bis bei über 20 g der Tod eintritt -- man muss es sich nur leisten können. (Link)

2) Sterne haben keine Zacken oder Strahlen
Sterne oder sehr helle Galaxien haben auf astronomischen Fotos immer vier oder sechs Strahlen. Desillusionierend: Die Darstellung liegt an Beugungseffekten an der Spiegelhalterung von Spiegelteleskopen selbst und nicht daran, dass Sterne per se aussehen wie in einem Märchenbuch. (Link)

3) Die Zwölfteilung der Uhr geht auf Babylon zurück
In Babylon (ca. 3000 v. Chr. bis 500 v. Chr, siehe auch "Boney M.") benutzte man nicht das Dezimal-, sondern das Sexagesimalsystem, die gesamte Mathematik war zur Basis 60 aufgebaut (bei uns zur Basis 10). Deshalb hat noch heute der Tag 24 Stunden zu je 60 Minuten zu je 60 Sekunden, obwohl das, wenn man Nichtbabylonier ist, wirklich schlecht zu rechnen ist (Link). Die Revoultionäre der Französischen Revolution hatten 1792 recht revolutionär die Dezimalzeit eingeführt (Link), aber leider haben sie sich nicht damit durchsetzen können.

4) Tauben platzen nicht, wenn sie trockenen Reis vor Standesämtern aufpicken
Die Falschinformation, dass Tauben platzen, wenn sie rohen Reis vor Standesämtern aufpicken, wurde erstmalig in der Chicago Sun-Times kolportiert und fand seinen Weg über die Massenmedien in die Köpfe. Es "sollte lediglich erreicht werden", dass vor Kirchen und Standesämtern mehr Rosenblätter gestreut werden -- na, das hat ja gut geklappt.
Reis quillt im Taubenmagen durchaus etwas auf, aber der Taubenmagen ist dehnbar (wie ein Reis-Kochbeutel). (Link) (Link)

5) Der Mond dreht sich einmal im Monat um seine Achse
Weil uns der Mond immer die gleiche Seite zudreht (Aufnahmen von der Rückseite gibt es nur von Satelliten), geht man auch automatisch davon aus, dass er sich nicht dreht, obwohl er sich einmal im Monat um seine eigene Achse dreht. Im Laufe der Jahrmillionen ist der Mond mit der Erde in eine sog. "gebundene  Rotation" eingegangen (Link). Nachstellen kann man das, wenn man zwei Gläser einander umkreisen läßt (eines mit Smilie drauf) und das Umkreisende schaut dabei immer auf das Innere.


Mittwoch, 17. Dezember 2014

Die Zukunft

photo credit: Man holding object via photopin (license)
In meiner Kindheit war ich umgeben von 60er-Jahre-Büchern wie "Das neue Universum", deren "Themenwahl und inhaltliche Gestaltung (sich) durch einen starken Zukunfts-, Wissenschafts- und Machbarkeitsoptimismus aus(zeichnete)" (Link). Kaum ein Titelbild, das nicht einem Aspekt der Raumfahrt gehuldigt hätte. Das war die Zukunft! Der Held meiner Jugend war James T. Kirk. Als ich als Schüler, um 1980 befragt, mir die Zukunft des Jahres 2000 vorstellen sollte, gab es in dieser fernen Zukunft natürlich eine Station auf dem Mond und eine auf dem Mars, mindestens. Der Kontakt zu Außerirdischen war zu diesem Zeitpunkt fast schon gezwungenermaßen eingetreten. Ich las dutzende und aberdutzende Romane wie "Der Mond ist eine herbe Geliebte" von Robert A. Heinlein (Link), "Wasser für den Mars" von Isaac Asimov (Link) und Ray Bradburys "Mars-Chroniken" (Link).
So würde die Zukunft werden!

Doch da die NASA aber aus Kostengründen seit 1972 keinen Menschen mehr auf den Mond geschweige denn auf andere Himmelskörper gebracht hatte, wandte sich die SF bald anderen, inneren Themen zu – Cyberpunk & Cyberspace. 1982 erschien die noch heute absolut sensationelle Kurzgeschichte "Chrom brennt" (Link) von William Gibson, ein Meilenstein. Das Cyberspace war geboren, Gehirn und Maschine gehen in absehbarer Zeit eine nicht immer ungefährliche Beziehung ein. Das war die Zukunft! Im gleichen Jahr brachte Intel seinen 286er Prozessor auf den Markt (Link), der bis in die frühen 90er gebaut wurde, Disney brachte "Tron" (Link) in die Kinos. Ich las dutzende und aberdutzende Romane wie die "Neuromancer-Trilogie" von William Gibson (Link), "Snow Crash" & "Diamond Age" von Neil Stephenson (Link) und Walter Jon Williams "Hardware" (Link).
So würde die Zukunft werden!

Dann kam alles anders. Das SF-Genre wanderte weiter. Jetzt, in Zeiten, in denen Kühlschränke eine IP-Adresse haben und Handys einen Vierkernprozessor, soll eines Tages am Horizont der beständigen, sich beschleunigender Entwicklungen die Singularität (Link) aufscheinen. Dies ist der Augenblick zu Bewusstsein kommender künstlicher Intelligenzen, die bei dem ganzen Fortschrittsgedöns quasi zusätzlich noch die Turbo-Taste drücken, sodass ein "Danach" im völligen Vorhersage-Dunkel liegen muss. Das war die Zukunft! Außerdem hatte Mitte 2014 erstmalig die Maschine "Eugene Goostman" den Turing-Test bestanden (Link). Ich verschlang die Bücher des britischen Autors Charles Stross, allen voran den Kick-Ass-Technologieroman "Accelerando" (Link).
So würde die Zukunft werden!

OK, ich geb's zu, ich habe mittlerweile den Verdacht, dass auch das nichts werden wird.

Die Briten haben schon ein neues SF-Genre in der Mache, die "mundane Science Fiction" (Link). Dabei handelt es sich um eine realtiätsnähere SF als die der vergangenen Jahrzehnte. Man gibt sich erschreckend realistisch: Es wird (wegen Einstein) keine interstellare Raumfahrt geben, deshalb wird es auch nicht zu einer Kontaktaufnahme mit Außerirdischen kommen (weil die auch nicht da wegkommen, wo sie gerade sind, wenn es sie überhaupt gibt). Und Parallelwelten sind auch gestrichen. Konsens: Machen wir uns nichts vor, wir sitzen hier fest. Diese SF prognostiziert nur das Mögliche. Oder man geht dabei sogar so weit wie William Gibson, der gereift, nunmehr statt der Zukunft in seiner aktuellen Bigend-Trilogie nur noch "die Gegenwart vorhersagt" (Link). Ironischer- oder konsequenterweise sind die Bände dieser Trilogie (Mustererkennung, Quellcode, System Neustart) Stand 12/2014 nicht einmal als Kindle-E-Book erhältlich, sondern nur als gutes, altes Buch.

Um den großen Karl Valentin zu zitieren: "Die Zukunft war früher auch besser".


Ein Labsal: http://vimeo.com/108650530


Freitag, 20. Januar 2012

Müll trennen und Trivial Pursuit

http://bit.ly/xzjj1c
»Deutschland ist, wenn neben den Containern für Weiß- Grün- und Braunglas drei einsame blaue Flaschen stehen.« @Afelia, Twitter

»Beim Spiel kann man einen Menschen in einer Stunde besser kennenlernen als im Gespräch in einem Jahr.« @Plato, Antike


Ich habe mal von einer WG gehört, in der der Voll-Ök des Hauses jeden gebrauchten Teebeutel mit einem Büroklammer-Entklammerer in seine Einzelteile zerlegte und diese dann fachgerecht entsorgte: Klämmerchen: Altmetall. Papierchen: Altpapier. Faden: Altkleidersammlung. Beutel und aufgequollener Tee: Biotonne.
Wow.
Fantastisch!
Irgendwie irre und trotzdem (deswegen?) spricht es den inneren Monk in mir an. Auch, wenn ich mir nicht diese Mühe machen würde. In meinem Wohnumfeld sind Teebeutel Restmüll - sorry Folks: der Vermieter hat entgegen seiner Ankündigung noch keine Biotonne besorgt.

Damals, in meiner ersten, eigenen Wohnung trennte ich den Müll nach Herzenslust!
Hach!
Mein innerer Monk tobte sich ein wenig aus zu dem Thema. Es entstand als kompaktes Gebinde ein Gelber Sack, dicht gefüllt mit 5 Tragschlaufenbeuteln jeweils wiederum prallvoll mit sehr scharf getrenntem Grünen-Punkt-Müll. Hach! Als dann die Nachbarschaft ihre Säcke an die Straße stellte, brachte ich es einfach nicht übers Herz! Das wäre ja wie das Aussetzen eines Haustiers gewesen!
Erst einen Monat später wilderte ich ihn aus, denn man muss lernen, loslassen zu können...

Ich kann mich noch erinnern, als es nur die "Tonne für alles" gab, so Anfang der 80er. Mein Vater ist damals einmal die Woche in den Keller gegangen und hat Glasflaschen mit dem Hammer zertrümmert, damit mehr Platz war für Papier und Blechdosen etc. Ich durfte nie dabei sein, weil meine Mutter fürchtete, herumfliegende Glas-Schrapnelle könnten mich verletzen.
Diese Zeiten kommen mir heute so finster vor wie die 2. Hälfte des 14. Jahrhunderts.

In diese finsteren Zeiten fühlte ich mich zurückversetzt, als...
Mitte der 90er hatte ich mal ein Date mit F., besuchte die Dame in ihrer Wohnung in Wuppertal. Wir kochten zusammen. In der Küche hatte sie einen hüfthohen, riesigen und natürlich überquellenden Mülleimer stehen. Sie zerrte den 70 l-Beutel heraus und drückte ihn mir "zum Runterbringen" in die Hand, während sie den Salat weiter abschmeckte.
Sehr, sehr klare Rollenverteilung (auch nicht immer schlecht: Man weiß, was man zu tun hat!).
Ich wuchtete das Ungetüm das Treppenhaus hinunter und traute meinen Augen kaum, was da alles hinter der semitransparenten Lage blauen Plastiks herumkollerte: Flaschen, Zeitung, Pappe, Kaffefilter, Joghurtbecher, Weichspülerflasche, Unrat. Ein Radio, ein Katzenkadaver oder Uranbrennstäbe waren nicht dabei, hätten aber ins Bild gepasst.
"Warum trennst du deinen Müll nicht?", fragte ich entsetzt, als ich wieder oben war.
"Die kippen dat eh alles zusammen", antwortete sie.
Soso.
Später spielten wir Wissens-Spektrum, einen Trivial-Pursuit-Clone. Es stellte sich heraus, dass sie tatsächlich dachte, der Mond sei für den Wechsel von Tag und Nacht zuständig.
Das ging ja alles gar nicht!
Tsts!

Also, Leutz, Protipp: Bevor ihr euch bindet, prüft das mit dem Müll und spielt auf jeden Fall Wissens-Spektrum oder Trivial Pursuit, bevor aus der Angedachten die Angebetete wird!