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Samstag, 3. August 2013

ru24 Wissen: Amsel


Fleeing Blackbird
Originally uploaded by bogenfreund
In Australien gilt die 1890 ausgewilderte Amsel als Schädling.
Für einen ersten Satz finde ich das schon einmal aufpeitschend genug.
In Europa hatte sich die Amsel – der Nationalvogel Schwedens übrigens – noch um das Jahr 1800 herum ausschließlich im Fichtendickicht verschanzt. Das war nicht so dumm, denn sie stand damals noch auf dem Speisezettel, vornehmlich gebraten. Nun ist die Amsel von der Bauweise her eher ein schneller Snack, wenn's beim Dorfschulzen mal wieder länger dauerte. Mit der Zeit geriet das Amselbraten wieder aus der Mode, es fand sich Nahrhafteres, wie z.B. "gefüllte Perlhuhnbrust mit Waldpilzfarce". Das war quasi der Startpfiff für die sich im Geäst verbergende Amsel, testweise vorsichtig hervorzulugen. Sie steckte den Schnabel aus dem Fichtenwald und begann, den Stadtrand zu inspizieren. Die Städte waren ohnehin gerade dabei, sich ein Mikroklima zuzulegen, dito Parkanlagen, Armen- bzw. Schrebergärten und künstliche Beleuchtung, das traf sich also gut. 1820 kam es zu einer ornithologischen Sensation: Das erste Amselpärchen brütete in Bamberg quasi urban. 1830 zog Augsburg nach, 1850 Stuttgart, 1875 Chemnitz, 1880 Berlin (im Tiergarten). Um 1900 wimmelte es überall in den Stadtgebieten von ihnen, die Städte waren plötzlich sprichwörtlich "schwarz vor Amseln". Seitdem trällern sie von Dachfirsten, grofeln auf 0,80 m breiten Grünstreifen nach Gewürm und moppern, wenn ihnen etwas nicht passt.

Wenn ich morgens zur Arbeit fahre, passiert es mindestens zweimal, dass eine Amsel haarscharf vor meinem Wagen die Straße überquert. Das sieht ungefähr so aus: eine Landstraße inmitten der grünen Hügel des Bergischen Landes. Mal ist rechts Wald und links eine Talsperre, mal ist es andersherum. Oder etwas anders. Schwarzweißgefleckte Milchkühe, ein paar Strommasten, Gras. Die Straße ist frei von Fahrzeugen. Blätter rascheln, Gras wiegt sich im Wind. Ein Blatt fällt auf die Straße. Nach wie vor passiert nichts. Man hört ein Auto näherkommen. Es kommt näher. Noch näher. Sehr nah. Da ist es! Eine Amsel kreuzt die Fahrbahn, das Auto braust knapp an ihr vorbei. Der Fahrer flucht, weil ihn fast eine Amsel gerammt hätte. Dann passiert wieder zwei Minuten lang gar nichts, außer, dass wieder ein Blatt auf die Straße fällt. Bis zum nächsten Wagen. Die dazu passende Amsel macht sich im Gesträuch schon einmal warm.


Dienstag, 6. Oktober 2009

ru24 Wissen IV: Dinkel vs. Reis 1:0

Gestern stand ich beim real,- vor einem 6,00 x 2,50 m großen Regal voller Reis. Reis, Reis, Reis, lose und im Kochbeutel. Normal, schnellkochend und quick&dirty. Bio-, Duft-, Patna-, Jasmin-, Wild-, Langkorn-, Parboiled-, Basmati-, Kleb-, Rundkorn- und Milch-Reis, sowie Packungen mit wüsten Mixturen der Vorgenannten. Es gab Preisspannen von 0,69 EUR bis 3,69 EUR für die gleiche Menge. Ich las mir das Kleingedruckte auf den Packungen durch, wozu ich 5 Minuten brauchte, schlauer wurde ich nicht.
Die Qual der Wahl zog sich etwas in die Länge.
Später, wieder zu hause, habe ich im Internet recherchiert. Ich fasse meine Erkenntnisse bezüglich "Reis" mal zusammen:
1) Weißer Reis: ist poliert, die vitaminhaltige Schicht wurde abgeschliffen, damit er fein aussieht. Vitamine & Mineralien: alle zum Teufel!
2) Parboiled-Reis: Weiß und trotzdem vitamin- und mineralienhaltig. Mit Druck und Wärme werden die guten Dinge ins Innere des Korns verpresst. "Durch Trocknung (...) werden die Nährstoffe eingeschlossen, erst danach wird der Reis poliert."
3) Naturreis: "(...) enthält außer dem Nährkorn und dem Keimling, auch noch das Silberhäutchen und die direkt darunter liegende Aleuronschicht. Wertvolle Nährstoffe (...) bleiben dadurch erhalten."
4) Wildreis: "(...) das schwarze Korn der Indianer, ist aus botanischer Sicht kein Reis, sondern eine Wasserpflanze und wird vom Kanu aus geerntet." (Quelle)
Haha! Vom Kanu aus, na klar...
Doch zurück in die REALität des riesigen Reisregals beim real,-. Die Falten in meiner Stirn vertieften sich. Ich dachte schon an Knödel als Alternative zur angedachten Sättigungsbeilage. Zuletzt fiel mein Blick auf eine Packung Dinkelkörner. Aufschrift: "DINKEL - Die heimische Alternative zu Reis". Ich griff mir das dadurch etwas völkisch daherkommende Paket, vor allem aber, weil es nicht 60 verschiedene Sorten Dinkel gab, sondern nur diese eine. Kurz nur mußte ich an eine schmerzhafte Episode in meinem Leben denken (Link).
Dinkel kocht sich wie Reis im Kochbeutel und war als Beilage übrigens mehr als nur OK.
Als ich am frisch gekochten Dinkel roch, war es erst einmal merkwürdig: "Riecht wie Kopfkissen", dachte ich, bis mir einfiel, dass ich seit Jahr & Tag auf einem Dinkelspelzenkopfkissen schlafe.
Ach so.

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Freitag, 28. August 2009

Wissen 3 - Hyposensibilisierung


sweet
Originally uploaded by oisch
Mein guter Freund E. klagt seit Jahren über Heuschnupfen. Da er zu den Menschen gehört, die Medikamente nur nehmen, wenn man sie ihnen mit einem Betäubungsgewehr über große Distanz in die Venen jagt, leidet er allzeit schnaubend und roten Auges vor sich hin. Dieser, unser Nächster aus der Bibel, dauerte uns. Als ich und meine damalige Freundin C. von der möglicherweise heilenden Wirkung von lokalem Honig erfuhren (Link), also Honig, der aus der unmittelbaren Nähe des Pollenflugopfers gewonnen wird, wurden wir aktiv. In der Nachbarschaft des Freundes gab es an einem der verschieferten Fachwerkhäuser ein honiggelbes Schild: "Hier haust ein Imker", darauf abgebildet war ein aus Strohringen gefertigter Bienenkorb - oldschool, baby.
Der Besuch bei einem echten Imker, war eine skurrile Erfahrung: der Mann trug so etwas wie einen Strahlenschutzanzug, Gummistiefel und Handschuhe, das Gesicht bedeckte eine Imkermaske, aus der dichte Rauchschwaden seiner Imkerpfeife drangen. Es roch verdächtig nach THC (ein beliebtes, psychoaktives Cannabinoid, Link). Möglicherweise verstellte der Mann (?) zusätzlich noch seine Stimme.
Wir erwarben ein Glas Honig zu 4,50 EUR und verschwanden mit wehendem Haar. Bei einer Zeugenaussage hätte ich sagen können, dass der Imker vermutlich männlich und ca. 1,80 m groß war. Eine Biene haben wir nicht gesehen.
Das Honigglas war ein schrundiges Schraubglas mit einem Deckel aus Goldplaste. Das grün-weiße Etikett war überreich beschriftet. Es handelte sich bei diesem Produkt unübersehbar um ECHTEN DEUTSCHEN BIENEN-IMKER-WABEN-SCHLEUDER-HONIG. Ganz so, als könne man hierzulande Honig auch von albanischen Klempnern bekommen, die ihn Ohrenkneifern entrungen haben. Ohrenkneifer, die alles andere als artgerecht in Abflussknien gehalten werden.
Sei's drum.
Wir beschenkten den Freund, dieser bedankte sich mit dem ihm eigenen skeptischen Überschwang.
Einen Monat später fragte ich nach.
Er aß den Honig nicht.
Der vom Aldi (Link) schmeckte ihm besser.

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