Sonntag, 12. April 2015

Schottland (2015)

"Haggis with neeps and tatties"

Schottland!
Zuerst denkt man da natürlich an halbnackte, in fadenscheinige, karierte Stoffetzen gehüllte Barbaren, die in zugigen, kargen Hügellandschaften Dudelsack spielen, wenn sie sich nicht gerade an die Gurgel gehen und/oder sich Whiskey in selbige kippen, der u.U. älter ist als sie selbst. Sowieso: Spricht der Schotte, versteht das auf Oxford- und BBC-English trainierte Ohr nur knapp jedes dritte Wort. Gegen den kleinen Hunger kommen bei den Kaledonen quasi-klingonische Nahrungsmittel wie Haggis auf den Tisch, die Mitteleuropäer nicht einmal an ihre Hunde verfüttern würden.

Das alles stimmt so nicht ganz.
Nach meinem Kurztrip nach Edinburgh möchte ich korrigierend folgendes hinzufügen:

  • "Halbnackt" war gestern: Zu 2°C und sporadischem Schneeregen trägt der moderne Scotsman zumindest T-Shirt und Jeans, die moderne Scotswoman gewandet sich in kurzärmelige, semitransparente Blusen, denn hey: Auch wenn es graupelt -- ES! IST! FRÜHLING!
  • Dudelsack spielt der Schotte an sich i.d.R. nur noch an touristischen Brennpunkten (ein Berufskollege ist der dread-gelockte Didgeridoo-Spieler auf der Kölner Domplatte). Abgesehen vom Touri-Gedöns quetscht der Schotte den wüst trötenden Ziegenbeutel sonst nur noch in seine Achselhöhle, um böse Geister zu vertreiben -- also wenn die Queen während der Holyrood Week (Link) zu Besuch ist.
  • Die Schlacht von Culodden ist lange vorbei (Link). Barbarisches Schlachtengetümmel à la "Schottland vs. den Rest der Welt" findet heute nur noch beim Rugby statt, dann aber fett. Die Spiele werden selbst in den schangeligsten Fish & Chips-Shops übertragen und füllen die Straßen mit Schlachtenbummlern. Also: Was macht die Schotten dicht? Man begießt das Event brachial mit heimischem Gebräu (Link) und natürlich mit größeren Mengen durch Destillation von Getreidemaische gewonnenen und mindestens drei Jahre im Holzfass gereiften Spirituosen (vgl. Wikipedia). Anschließend versucht der Schotte, Karomuster an Häuserwände zu kotzen, was mitunter beeindruckend gut gelingt.
  • Das in Schottland gesprochene 'so genannte Englisch' ist stark durch Scots (Link) und Gälisch gefärbt und verhält sich zum Englischen wie das Bayrische zum Deutschen. Auch wenn der Schotte sich sehr bemüht: Versteht der deutsche Touri auch nur jedes fünfte Wort, dann ist er bereits "Fortgeschrittener". Das hört sich nämlich so an: "Snug ohtn awl smehk QUEEN, slog ohptn awhn meoch SCOTS, alock armeahg smohk shoae MURDERED". Ein Riesenspaß! Bustouren und Führungen sollten deshalb immer, immer, immer auf deutsch gebucht werden, sonst kann man sich auch gleich zu der finnischen Gruppe gesellen. Auf einer 12-stündigen Bustour durch die Highlands habe ich nur ganze 650 Wörter verstanden, verteilt auf den Tag -- und das auch nur, weil der Busfahrer im Kilt sich bemüht hat.
  • Eine Spezialität der schottischen Küche ist Haggis. Das gibt's da in jedem Supermarkt, in der Schangel-Frittenschmiede und im Restaurant gleichermaßen. "[Es] besteht aus dem Magen eines Schafes, paunch genannt, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Haggis wird mit Pfeffer scharf gewürzt, und das Hafermehl verleiht ihm eine etwas schwerere Konsistenz als Wurst. (...) Traditionell werden zum Haggis Kohlrübe (Swede) und Kartoffeln („neeps and tatties“) gegessen." (Quelle, siehe Bild oben) Eat this, ihr Lappen! Seid ihr Frauen und Männer des Bergischen Landes oder Memmen? Ich habe Haggis an DREI aufeinanderfolgenden Tagen zu mir genommen, und hey: Das gibt richtig Glanz auf'm Köttel! (Liegt wohl am Nierenfett.)


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