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Donnerstag, 27. Oktober 2016

Altbier

Von oopsala - Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25060618

Gestern fuhr ich hinter einem Auto mit GM-Kennzeichen her, welches einen "Altbier statt Kölsch"-Aufkleber trug. Es ist schon merkwürdig, was sich manche Menschen aufs Auto pappen!
Also: Ich habe schon Bier aus vielen Teilen Europas und der Welt getrunken, besonders schroffes belgisches Bier, irisches Bier (das schmeckte, als habe man es durch Torf gefiltert), türkisches Bier, ungarisches Bier, chinesisches Bier im China-Restaurant usw. Aber alle diese Biere hatten zumindest eines gemeinsam: Sie waren eindeutig als Biere zu erkennen. Bei Alt ist das leider anders, hier handelt es sich ja nicht einmal um ein "Kaltgetränk nach Art Bier", sondern -- und jetzt bricht es hart aus mir heraus -- um eine nichtswürdige Plempe!
Schon das Wort "Altbier" ist irreführend, ein Widerspruch in sich: Entweder Alt oder Bier, aber nicht beides. Werden zwei einander widersprechende Wörter miteinander verknüpft, so spricht man von einem "Oxymoron" (Link). Weitere Beispiele für Oxymora sind bittersüß, Hassliebe, Minuswachstum und Hallenfreibad (siehe Bild).


Sonntag, 12. April 2015

Schottland (2015)

"Haggis with neeps and tatties"

Schottland!
Zuerst denkt man da natürlich an halbnackte, in fadenscheinige, karierte Stoffetzen gehüllte Barbaren, die in zugigen, kargen Hügellandschaften Dudelsack spielen, wenn sie sich nicht gerade an die Gurgel gehen und/oder sich Whiskey in selbige kippen, der u.U. älter ist als sie selbst. Sowieso: Spricht der Schotte, versteht das auf Oxford- und BBC-English trainierte Ohr nur knapp jedes dritte Wort. Gegen den kleinen Hunger kommen bei den Kaledonen quasi-klingonische Nahrungsmittel wie Haggis auf den Tisch, die Mitteleuropäer nicht einmal an ihre Hunde verfüttern würden.

Das alles stimmt so nicht ganz.
Nach meinem Kurztrip nach Edinburgh möchte ich korrigierend folgendes hinzufügen:

  • "Halbnackt" war gestern: Zu 2°C und sporadischem Schneeregen trägt der moderne Scotsman zumindest T-Shirt und Jeans, die moderne Scotswoman gewandet sich in kurzärmelige, semitransparente Blusen, denn hey: Auch wenn es graupelt -- ES! IST! FRÜHLING!
  • Dudelsack spielt der Schotte an sich i.d.R. nur noch an touristischen Brennpunkten (ein Berufskollege ist der dread-gelockte Didgeridoo-Spieler auf der Kölner Domplatte). Abgesehen vom Touri-Gedöns quetscht der Schotte den wüst trötenden Ziegenbeutel sonst nur noch in seine Achselhöhle, um böse Geister zu vertreiben -- also wenn die Queen während der Holyrood Week (Link) zu Besuch ist.
  • Die Schlacht von Culodden ist lange vorbei (Link). Barbarisches Schlachtengetümmel à la "Schottland vs. den Rest der Welt" findet heute nur noch beim Rugby statt, dann aber fett. Die Spiele werden selbst in den schangeligsten Fish & Chips-Shops übertragen und füllen die Straßen mit Schlachtenbummlern. Also: Was macht die Schotten dicht? Man begießt das Event brachial mit heimischem Gebräu (Link) und natürlich mit größeren Mengen durch Destillation von Getreidemaische gewonnenen und mindestens drei Jahre im Holzfass gereiften Spirituosen (vgl. Wikipedia). Anschließend versucht der Schotte, Karomuster an Häuserwände zu kotzen, was mitunter beeindruckend gut gelingt.
  • Das in Schottland gesprochene 'so genannte Englisch' ist stark durch Scots (Link) und Gälisch gefärbt und verhält sich zum Englischen wie das Bayrische zum Deutschen. Auch wenn der Schotte sich sehr bemüht: Versteht der deutsche Touri auch nur jedes fünfte Wort, dann ist er bereits "Fortgeschrittener". Das hört sich nämlich so an: "Snug ohtn awl smehk QUEEN, slog ohptn awhn meoch SCOTS, alock armeahg smohk shoae MURDERED". Ein Riesenspaß! Bustouren und Führungen sollten deshalb immer, immer, immer auf deutsch gebucht werden, sonst kann man sich auch gleich zu der finnischen Gruppe gesellen. Auf einer 12-stündigen Bustour durch die Highlands habe ich nur ganze 650 Wörter verstanden, verteilt auf den Tag -- und das auch nur, weil der Busfahrer im Kilt sich bemüht hat.
  • Eine Spezialität der schottischen Küche ist Haggis. Das gibt's da in jedem Supermarkt, in der Schangel-Frittenschmiede und im Restaurant gleichermaßen. "[Es] besteht aus dem Magen eines Schafes, paunch genannt, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Haggis wird mit Pfeffer scharf gewürzt, und das Hafermehl verleiht ihm eine etwas schwerere Konsistenz als Wurst. (...) Traditionell werden zum Haggis Kohlrübe (Swede) und Kartoffeln („neeps and tatties“) gegessen." (Quelle, siehe Bild oben) Eat this, ihr Lappen! Seid ihr Frauen und Männer des Bergischen Landes oder Memmen? Ich habe Haggis an DREI aufeinanderfolgenden Tagen zu mir genommen, und hey: Das gibt richtig Glanz auf'm Köttel! (Liegt wohl am Nierenfett.)


Dienstag, 5. Februar 2013

ru history 43 - Dorfpunk (1984)

http://goo.gl/KKD7k
In meiner Heimatstadt 5608 Radevormwald gab es eine sehr übersichtliche Anzahl an diversen Jugendkulturen. Den hintersten Platz im Ranking belegte wohl "Punk" mit einem (1) auf 25.000 Einwohner.
Dieser singuläre Punk hieß Rambow.
Rambow war mittelblond und hatte immer ausgeblichene rote und grüne Einfärbungen im Haar, manchmal hatte er es auch halbherzig aufgestachelt. Er trug eine mit Domestos fleckig gebleichte Jeans, Springerstiefel und eine schwarze Motorrad-Lederjacke, auf der er mit einem weißen Edding "DRECKICHISSA", "STINKENTUTA" und "IN JEDER PFANNE STECKT EIN KIND" geschrieben hatte.
Rambow, der keinen Vornamen hatte, lungerte quasi vollzeit mit Bierdose (Hansa-Pils) am Neumarkt herum. Er gehörte damals zum Stadtbild wie die vier Kirchtürme.
Eines Tages erschien er seitengescheitelt mit dunklem Jackett und wohlfeilen Schuhen und hinterließ scharenweise Jugendliche in Schockstarre!!!
"Rambow, wat is???", kam es aus vielen Mündern gleichzeitig.
"Ey, Alta, war bei Gericht, Mann! Hatte im Suff ne Mülltonne umgetreten, oder ne Oma - un darum ginget."
Ach so.


Montag, 16. April 2012

Die lähmendsten Sportarten der Welt

http://bit.ly/J1b84m
Skispringen. Die Fernseh-Übertragung des Neujahrs-Skispringens aus Garmisch-Partenkirchen ist mit Abstand das lähmendste Sportereignis der Welt. Es geht FWUSCHHHHH-Zfit!-Wooooosch ... PADATZ! Und das mit den fünf immer gleichen Kameraeinstellungen gefühlte 500 Mal hintereinander. Alle sehen gleich aus und springen irgendwie gleich weit. Seit 1987 ist man deswegen dazu übergegangen, 500 Mal den gleichen Sprung (Nykänen) vom 01.01.1987 zu zeigen. Der Gewinner wird durch Los bestimmt und ist immer ein Zwerg mit 220 Werbelogos auf dem hautengen, dreifarbigen Leibchen.

Riesenslalom. Ist wie Skispringen ohne richtig abzuheben. Statt FWUSCHHHHH-Zfit!-Wooooosch ... PADATZ! macht es FWUSCH-FWUSCH-FWUSCH-Döng (Fahne)-FWUSCH-FWUSCH-FWUSCH! Ansonsten, siehe Skispringen.

Formel Eins. Wird zu recht auch als "Rennzirkus" bezeichnet. F1 ist die Königin, wenn es darum geht, fossile Brennstoffe in Lärm, Gestank und CO2 umzuwandeln. Hochgerüstete, brüll-laute Gefährte fahren so lange im Kreis, bis alle taub sind oder etwas explodiert. Alle sind in etwa gleich umweltschädlich. Der Gewinner wird deswegen durch Los bestimmt und ist immer ein Clown mit 220 Werbelogos auf dem hautengen, zweifarbigen Leibchen. F1 ist in etwa so zeitgemäß wie die Ausrottung einer Tierart oder das Abholzen der Regenwälder.

Fussball. Ist nur interessant, wenn Papa, als man Kind war, vor der Glotze Bier getrunken und rumgebrüllt hat. Das prägt. Deshalb trägt man noch heute rote, blaue, gelbe oder grüne Schals. Vereins-Simulation: Wenn man aus einem Rommé-Spiel die 110 Karten auf zehn elfer-Häufchen aufteilt, dann aber ständig Karten zwischen den Häufchen austauscht, "für" welches Häufchen bist du jetzt? Antwort: Schaaalke! Facepalm. Mit gesundem Menschenverstand ist das nicht erklärbar. Die Gewinner und der Verlierer dürfen nach dem Spiel atemloses, prägrammatikalisches Gestammel in vorgehaltene Mikros sabbeln und dabei ihre Werbelogos zeigen.

Handball ist Fußball nur mit anderen Mitteln.

Baseball. Inspiriert durch ein Riesenschachspiel mit Menschen statt Figuren, haben die Wissenschaftler des amerikanischen Kernforschungszentrums "Los Alamos" 1942 eine "Protonen-Kollision bei sieben Tera-Elektronenvolt in einem Teilring-System" nachgestellt. Das Regelwerk orientiert sich an den Zuständen in einem Quark-Gluon-Plasma. Eine der wichtigsten Regeln lautet: "Nicht auf das Proton spucken!" (Link)
Außer Kernforschern versteht niemand dieses "Spiel". Dem Publikum gefällt es, denn schließlich gibt es Hot-Dogs, Bier, lecker Cheerleader und man ist an der frischen Luft.


Montag, 3. Mai 2010

Unterwegs für den National Geographic, Teil 1


Chicha de Punucapa
Originally uploaded by Lin linao
Eine ehemalige Kollegin, Petra, war in den späten 80ern mit einem National Geographic-Fotografen unterwegs in den Anden, um im Rahmen einer Reportage über von der Außenwelt völlig abgeschiedene Dörfer zu berichten.
Sie fuhren mit dem Jeep, bis es nicht mehr weiterging. Dann schulterten sie ihre nicht unerhebliche Ausrüstung und stiegen in der dünnen Luft bergan, einem Ziegen- oder Lamapfad entlang.
Die Sonne schien, es war warm, bald waren die Trinkflaschen leer. Der Pfad wand sich steil heran. Neben dem Pfand floss ein munteres Bächlein den Berg hinab, aber die beiden waren zu sehr Profi, als dass sie ihre Trinkflaschen an der Abwasserleitung ihres Zielortes aufgefüllt hätten.
Als die Sonne fast unterging, stolperten die beiden in das Dorf. Ein paar Ziegen liefen umher, die Hauptstraße war schmal und wurde von etwas windschiefen, bröckelnden, ehemals weiß gestrichenen Häusern flankiert, die entweder mit morschen Dachziegeln oder so etwas wie Reet gedeckt waren, den die Sonne silbergrau ausgeblichen hatte.
Petra wurde von elementaren Kräften nach vorne gezogen - Trinken! Sie stolperte voran, ließ den Fotografen hinter sich. Nach einigen hundert Metern gelangte sie an so etwas wie einen Laden, einen Ausschank vielleicht sogar! Hinter einem primitiven Tresen stand eine traditionell gekleidete Frau mit Hut und starrte sie an.
"Agua, porfavor", krächzte die Durstige.
Die Tresenfrau zauberte mit der Gewandheit eines Hütchenspielers ein Glas mit einer altbierbraunen Flüssigkeit hervor. Das Glas war sogar beschlagen! Petra kippte es auf ex! Köstliches Nass!
Sie bekam noch eins, die Tresenfrau strahlte zahnlückig und murmelte etwas Begeistertes.
Während Petra auch dieses Glas auf ex trank, tauchte keuchend der Fotograf auf.
"Wow! Du trinkst Chicha (Link)?", fragte er mit einem gewissen Gesichtsausdruck.
"Äh, ja, wieso...?"
"Das ist Spuckebier. Das wird aus gekauten Maisfladen hergestellt!"

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[zu Teil 2]

Sonntag, 2. Mai 2010

Lifestyle 34 - du Yuppie, ich nix!


Porsche Panamera
Originally uploaded by Alexander Vollmer
Mitte der 90er war ich hochsommers in einer Kneipe in Wuppertal auf der Hochstraße. Es war eine jener Sommernächte, an denen es auch Mitternacht noch 22°C hatte. Ich stand mit einer Menge Leute auf dem Bürgersteig in der Nähe der offen stehenden Kneipentür und trank ein Pils, denn drinnen war es unerträglich heiß. Auf der wenig befahrenen Straße näherte sich rasch ein schreckliches Geräusch, das einem Ju 87 Sturzkampfbomber zum Verwechseln ähnelte. Wie sich herausstellte war es aber ein schwarzer Porsche mit Düsseldorfer Kennzeichen, der schlingernd und bremsenquietschend am rechten Bordstein vor der Kneipe zum Stehen kam. Heraus sprang ein Yuppie mit Blazer. Der hechtete ohne auch nur einen Augenblick inne zu halten in die Kneipe, drängte sich an den Tresen und verlangte ein Alt. Lässig warf er aus dem Handgelenk einen Fünfmarkschein hin, grunzte ein "Stimmt so" und hastete mit seinen 0,2 l Alt ("Kaltgetränk nach Art Bier") wieder nach draußen.
Alle dort starrten ihn an.
Der Yuppie leerte das Glas in einem Zug, warf das Glas, ohne vorher nachzusehen, hinter sich an die Hauswand, wo es zerschellte. Währenddessen sprang er schon in seinen Porsche und verschwand mit einem ultimativ lautstarken RÖÖÖÖHRRR!!!
Ich wusste in diesem Augenblick ganz intensiv: Wenn das Yuppie war, dann ich nix!!!
Heute hat der Vogel in meiner Erinnerung die Visage von Dieter Bohlen, was es noch ein wenig ekliger macht, das Ganze.

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