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Dienstag, 5. Juni 2018

ru24 Special: Portugal von A-Z (Teil 3 von 3)

Porto
Nepp
1) Nochmal: niemals ein Restaurant betreten, vor dem Hanseln stehen, die dazu auffordern.
2) In Lissabon und auch Porto gibt es Läden für Touristen, die ausschließlich eingedoste Sardinen mit poppigem Design zu je 7,50 € verkaufen. Da muss man schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um hier seine Mitbringsel zu kaufen.
Und nein: Es gibt gar keine „Piermont-Sardinen“.

Ich nehm' den Nachtbus, Nachtbus, Nachtbus.
ÖPNV
Busse und Straßenbahnen sind das Mittel der Wahl zur Fortbewegung in der Stadt. 10 Minuten Verspätung sind nichts, worüber man sich hier aufregt. Auch bei einer Viertelstunde schauen die am Bushäuschen wartenden Einheimischen nicht einmal auf ihre Armbanduhr. Auf die ikonische Straßenbahn 28, die an einer bestimmten Haltestelle alle 8 Minuten halten sollte, kam mal in einer Dreiviertelstunde nur einmal und war so voll wie die Tokioter U-Bahn zur Rush Hour.
Busse und historische Straßenbahnen kacheln zentimetergenau durch enge Gassen und wenn irgendwo mal wieder einer lässig die Straße überquert oder ein Auto mit dem Warnblinker herumsteht, dann wird halt unaufgeregt gehupt bis der Vogel sein Gefährt wegsetzt. Businsassen haben einen dicken Nerv, regen sich wenn aber spektakulär im Kollektiv auf — wie Truthähne. Es klingt dann auch so. Pro: Der Nachtbus ist so voll, dass man gar nicht umkippen kann.
In Porto sollte man die Straßenbahn unbedingt bis zur Endstation fahren. Die Bahn wendet nicht, sondern fährt rückwärts wieder zurück. Zuvor wandert der Fahrer mit einem Einhängesitz und einer Kurbel in der Hand von ehemals vorne (jetzt hinten) zum neuen Vorne. Alle Sitzlehnen im Waggon werden zur Freude aller mit großem Hallo herumgeklappt, dann geht es wieder los in die Gegenrichtung.
Dickes Plus: Keine Musikanten in öffentlichen Verkehrsmitteln, das ist den Vögeln vermutlich nicht verlässlich genug.

Parks
In den Parks leben rabiate Tauben, rabiate Enten und zuweilen extrem rabiate Gänse. Der mit Abstand beste Park Lissabons ist der Jardim da Estrela direkt gegenüber der Basílica da Estrela. Im Teich gibts neben dem vorgenannten Federvieh sogar Wasserschildkröten! Yay! Im günstigen Café gibt‘s schattige Plätzchen am Teich, wechselnde Tagesgerichte und WLAN. Gegebenenfalls  klappt beim nächsten Besuch sogar die Toilette wieder. Gegebenenfalls.

Pastéis de Belem/Nata
Pastéis de Nata
Mönche, die ihre Schlüpper ausschließlich mit Eiweiß stärkten, hatten deswegen große Mengen Eigelb übrig und erfanden somit als Abfallprodukt eine süße Eiersahnecreme auf knusprigem Blätterteig, die berühmten Pastéis de Belém. Sie werden in der ganzen Stadt von Pastelarias (Bäckereien) als „Pastéis de Nata“ vertrieben und sind der Himmel auf Erden. Das Original-Rezept ist natürlich geheim... Da man mindestens ein Pastéis de Nata pro Tag essen sollte, bietet man in Portugal unglaublich günstige Kombis „Nata plus Espresso“ zu 1,00 € an. Yay!

Porto
„Pittoresk“ ist ja in der Regel nur ein Euphemismus für „verelendet“ und „heruntergekommen“. Porto aber ist so dermaßen schön und würdevoll gealtert, wie es Filmstars oft nicht tun. Bevor der ganze Laden rundumsaniert und durchgentrifiziert wird und die Häuser Plastikhaustüren und Kiesgärten bekommen, sollte man sich dieses Juwel in seiner gebrochenen, romantisch verwahrlosten Pracht dringend einmal ansehen, bevor es zu spät ist.

Sintra (Weltkulturerbe)
Eine einst sicher schöne Stadt, dermaßen vom Tourismus gezeichnet, als hätte eines Tages ein Wanderzirkus beschlossen, vor Ort zu bleiben, um dann auf Teufel komm‘ raus zu metastasieren. Hier haben wir die teuersten Kaffeeheißgetränke unserer Reise zu uns genommen: Einen etwas muffig schmeckenden Milchkaffe und einen wirklich grottenüblen Cappuccino. Ggf. war das der Denkzettel des Etablissements dafür, dass wir nicht feudal haben auffahren lassen.
Etwas fahl flohen wir diesen Ort.

Tauben
Tauben
Lissabon, deine Tauben scheissen nicht gerne im Dunkeln.

Telefon
Handy-Telefonate (oder das hier beliebte FaceTime) sind in Portugal buchstäblich endlos. Einmal begonnen, dauern sie IMMER bis zum Ende der Akkulaufzeit. Nur portugiesische Omas fassen sich kurz. Dabei brüllen sie mit der Stimme von Sophia Petrillo von den „Golden Girls“ ins Telefon und lachen wie Dämonen.

TV
Sobald der portugiesische Mann einen Fernseher mit Fußballspiel erblickt, erstarrt er wie ein Reh im Scheinwerferlicht und ist auch, wenn er mitten im Weg steht, nicht mehr ansprechbar.
True Story.



FAZIT
Selten war mir ein Urlaubsland auf Anhieb so sympathisch wie Portugal.
Wenn man am ersten Urlaubstag ein Lokal mit defekter Toilette besucht, kann man sicher sein, dass die Toilette auch am letzten Urlaubstag noch nicht funktioniert. Vieles wirkt unorganisiert, chaotisch und als Deutscher möchte man ständig etwas verbessern, und seien es die Abläufe aus Bestellen und Ausgabe ein einem Café -- was einem gleichzeitig die Augen öffnet, wie deutsch man eigentlich ist.
Wir werden wiederkommen, denn Portugal ist auf seine charmante Art wunderbar unperfekt.
Wer mehr darauf steht, dass jemand jeden Morgen mit einem Poliertuch das Dallmayer Prodomo-Schild am Café poliert, sollte nach Bayern fahren.

Dienstag, 29. Mai 2018

ru24 Special: Portugal von A-Z (Teil 2 von 3)

Anrückende Pflanzen
Fisch
Stockfisch („bacalao“ oder „bacalhau“) ist eine große Sache in Portugal. Der zuvor an Stöcken getrocknete (deshalb der Name) Trockenfisch (Kabeljau oder eine Barschart) wird in aktenkoffergroßen, hellgrauen Stücken gehandelt, die in Schaufenstern herumliegen wie Hohlblocksteine in einem Baumarkt. Um ihn wieder zu einem Lebensmittel zu machen, muss bis zu 36 Stunden lang gewässert werden. Die eigentliche Heimat des Stockfischs „ist aber Skandinavien, besonders Norwegen. Von dort sowie aus Island und den Faröer-Inseln stammen die größten Importe an Stockfisch bis heute.“ (Quelle)
In Portugal wird Fisch generell immer und überall mit Gräten serviert, bei von Geburt an grätenlosen Fischen werden aus Frack noch welche reingeschossen – hier zeigt eine alte Seefahrernation allen Landdeppen stolz den Mittelfinger.

Frühstück
Das Zauberwort lautet „Pastelaria“. Die hiesigen Bäckereien haben ein riesiges Angebot von süß bis herzhaft, zu dem Plunderteilchen einen Milchkaffee = Galão (sprich Galaoh[ng], siehe „Diphthong“) und ein frisch gepresster O-Saft — zu zweit ist man mit unter 10,00 € dabei.

Calçada Portuguesa
Gehsteige
Die kompletten Bürgersteige in den Städten Portugals sind das berühmte "Calçada Portuguesa" (Link), ein Mosaikpflaster aus zweifarbigem Kalkstein. Das ist etwas uneben, hat Löcher, aber es sieht schön aus. So lange es trocken ist, kommt man bei flachem Schuhwerk ganz gut voran. Wenn es regnet, dann ist die ganze Angelegenheit so fitschig wie, nun ja, nur nasses Kalksteinpflaster sein kann.

Geschichte
Die Geschichte Portugals kann man stark zusammengedampft so schildern: In einer Winz-Nation wird ein neuer, wendigerer Schiffstyp erfunden, damit entdeckt man die halbe Welt, wird zum Giganten, verliert alles, gewinnt alles, verliert alles. Wann immer Gold und Geld da waren, wurde geradezu grotesk verschwenderisch damit umgegangen, die Gebäude ganzer Prachtstraßen vergoldet. Dann war wieder Schmalhans Küchenmeister angesagt. Rücklagen sind doch nur für Lappen!
Seit 1976 ist Portugal eine Demokratie.
Schöner Artikel: Quelle.

Ginjinha
Der berühmte Kirschlikör „Ginjinha“ wird überall in der Stadt feilgeboten, gerne auch von alten Frauen mit Kopftuch an Tischen. Nach einer halben Flasche kann man ihn sogar korrekt aussprechen. Er schmeckt wie Mon Cherie von innen und die dekorative Flasche eignet sich als Mitbringsel.

Inkognito
Spätestens, wenn man in Portugal eine Adresse sucht, z.B. die des Airbnb-Gastgebers, dann stellt man fest: Menno, es gibt gar keine Namen auf den Klingelschildern! Die Häuser haben zwar Klingeln, aber die sind beschriftet mit Erdgeschoss rechts/links, Erster Stock rechts/links usw. Steht man dann unten im Treppenhausflur, dann wiederholt sich das Ganze auf den Briefkästen – kein Name, nirgendwo. Dito an allen Wohnungstüren im ganzen Haus. Wenn man also nicht weiß, wo genau im Haus Berta Maria Correia de Almeida de Melo Cabral wohnt, kann man ihr einen Brief nur im Treppenhausflur auf die Inkognito-Briefkästen stellen und das Beste hoffen.
Und das kommt so: Bis 1974 hatte Portugal unter Regierungschef Salazar eine faschistoide Diktatur. Diese hatte eine sehr „umtriebige“ Geheimpolizei namens PIDE (Polícia Internacional e de Defesa do Estado). Um dieser das Leben so schwer wie möglich zu machen, entfernten die Portugiesen ihre Namensschilder von den Häusern und Türen – bis heute.
Das ist auch der Grund, warum sich Portugiesen am Handy oder Telefon niemals mit Namen, sondern mit einer landesspezifischen Entsprechung von „Pronto?“ melden. Seinen Namen wird der Angerufene schon aus Frack nicht nennen, da sind sie verschlossen wie die Austern.

Kinder
Für portugiesische Kinder gilt: Nachts ist genauso wie Tag nur ohne Licht. Deshalb wuseln um Mitternacht auf dem stockdunklen Kinderspielplatz noch ein Dutzend Blagen herum und hängen von den Gerüsten wie die Fledermäuse.
True Story.

Mehr ist mehr
Kirchen
Die Kirchen Lissabons sind im Inneren in der Regel hart vergoldete, überverzierte, mit Putten brutal überdekorierte Pracht-Grotten, ein Zuviel des Guten in jeder denkbaren Hinsicht, immer nach dem Motto: MEHR IST MEHR. Kann man, muss man nicht. Einzig positiv hervor stach die Basílica da Estrela, die im Inneren für portugiesische Verhältnisse geradezu geschmackvoll daherkommt. Gegenüber dann im Jardim da Estrela einen Galão trinken gehen – Tipp!

Lissabon
„In den letzten 30 Jahren hat Lissabon alle zehn Jahre rund 100.000 Einwohner verloren, von 800.000 damals auf rund 500.000 heute.“ (Quelle)
Die Infrastruktur ist wohl sehr schlecht bezügl. Kinderbetreuung, Schulen und Krankenhäusern.
Die Armen können sich zudem die hohen Quadratmeterpreise in der Stadt nicht leisten, die Reichen wohnen schick auswärts in Cascais und Estoril. Das erzeugt Leerstand, ganze Straßenzüge sind vermauert, die Türen mit Ketten verhangen. 400.000 pendeln täglich in die Stadt und wieder heraus.
Wie es kommt, dass sich trotz der gravierenden Leerstände sich das Mietniveau so hoch hält, ist mir leider nicht bekannt.

Moppen
Moppen
Lernen von Portugal: Hier wird ein Bahnsteig gemoppt. Da könnte sich die DB mal eine dicke Scheibe von abschneiden.

Namen
Nachnamen haben die Portugiesen bis zu vier, in der Regel aber nur zwei: Einen Nachnamen vom Vater und einen von der Mutter, wobei der erste Nachname des Vaters an erster Stelle steht. (Quelle)
Bei den maximal zwei Vornamen sind Portugiesen sehr konservativ, in Portugal gibt es keine Kanyes, Leroys, Skyes und Zoes. Hier ist alles ganz oldschool Manuel, Pablo, Maria und Fatima. Spanische Vornamen sind schon mal von Gesetzeswegen überhaupt nicht erlaubt. True story. (Quelle)
Aufgrund der überwiegenden Unfähigkeit der deutschen Bevölkerung, ihrer Brut menschliche Vornamen zu geben, hätte sich der Gesetzgeber von Portugal beizeiten mal eine Scheibe abschneiden können, nu isses zu spät, Chantal.

Weiter zu Teil 3

Sonntag, 27. Mai 2018

ru24 Special: Portugal von A-Z (Teil 1 von 3)

Cascais

Auto

Der Portugiese fährt Auto wie Jason Statham. In einer kleinen Gasse im Gegenverkehr in sechs Zügen wenden wird von den betroffenen 33 Verkehrsteilnehmern nicht einmal mit einem Hupen kommentiert. Alle haben einen dicken Nerv und trauen sich was. Den Portugiesen beim Fahren zusehen, da kann man schonmal ne unterhaltsame halbe Stunde mit herumbringen. Mit dem Warnblinker kann man überall herumstehen, gerne warten auch Busse und Straßenbahnen auf unsere Freunde, die Wildparker in zweiter Reihe. Ansonsten: Hupen geht immer.
Auf Autobahnen geht es entspannt zu, alle halten sich an das Tempolimit von 120 km/h, auch Audi, BMW, Mercedes, da könnte Deutschland noch etwas von lernen.
In Portugal gibt es so viele Kreisverkehre, dass das Navi schon vom nächsten fabuliert, während man noch im Aktuellen steckt. Doch ach! Die meisten Kreisverkehre sind für Rest-Europäer zweispurige Todesfallen. Es gelten besondere Regeln in Portugal. Man blinkt links beim Einfahren und rechts beim Ausfahren und nur, wenn man die erste Ausfahrt nimmt, muss man nicht in den inneren Kreis fahren. Deshalb muss man beim Einfahren immer auf beide Spuren achten, auch wenn man die erste Ausfahrt nehmen will. Ich habe mir vorher Skizzen angesehen. Es gibt auch dreispurige Kreisverkehre, aber die sollte man als Nichtportugiese weiträumig umfahren.
Sonst geht’s aber.

Cascais
Reizender, kleiner Küstenort in der Nähe von Lissabon mit der besten Eisdiele ever (Santini). Auf der Terrasse des Restaurants, wo wir zu Mittag aßen, konnte man nicht überall sitzen, da die Holzdielen sich aus dem Lattenwerk lösten. Für einen geübten Handwerker á la Hornbach-Werbung wäre das eine Sache von zwei bis ein paar Stunden gewesen, aber hier ließ man das vorsichtshalber "so". Wenn die Gäste nicht so dolle mit den Stühlen kippeln, geht's ja! Der prekäre Charme, der einem hier entgegenschlägt, hat seinen Reiz.

diphthongisiertes Kaffeheißgetränk

Danke
Damen bedanken sich in Portugal mit „obrigada“, Herren mit „obrigado“.
Man kann auch „gracias“ sagen, aber dann bekommt man eine Eselsmütze aufgesetzt und wird zu Fuß nach Spanien deportiert, während hinter dir eine komische Nonne herläuft, die alle 12 Schritte „Vergonha!“ (Scham!) ruft.
Was das Spanische angeht, da sind die Portugiesen kleinlich.

Diphthong
Schon die Bezeichnung ist der Endgegner beim Buchstabierwettbewerb. Es handelt sich dabei um den Fachausdruck für „Doppelvokal“. „Ei“, „au“ und „eu“ sind Diphthonge. In Portugal gibt es eine etwas unübersichtliche Anzahl davon, was dazu führt, dass man den lokalen Milchkaffee „Galão“ = Galaoh[Ng] ausspricht.
Mehr dazu hier: Link.

Entsorgung
Auf Flaschen gibt’s kein Pfand, deswegen fliegen die in der ganzen Stadt herum. Es gibt ein paar Altglascontainer, aber die Leute stellen die Flaschen einfach daneben, auch wenn die Container leer sind – warum auch immer. Der Müll wird von den Anwohnern täglich in Säcken an die Straße gekippt und jede Nacht mit ziemlich viel Rumpeldipumpel abgeholt. Dabei bleibt der lose Müll liegen.

nur bedingt zum Verzehr geeignet

Essen gehen
Stehen Hanseln mit 6-sprachigen Speisekarten vor den Lokalen und quatschen dich voll: Never ever! Denn das geht niemals gut aus:
Contra: Man bekommt ein Stück Fleisch von etwas vager Provenienz. Fleisch generell hat oft eine angebrannte Note, wenn es auf offener Flamme geröstet wird. Verbrannt-flambierte Chorizo enthält sehnige Fettklumpen so groß wie Kichererbsen und ist dadurch nur bedingt zum Verzehr geeignet. Pro: Keine Angst vor Acrylamid – Pommes werden so fahl wie Fischbäuche serviert und sind so knusprig wie Puddinghaut. Contra: Gemüse wird völlig zerkocht. Wenn „Spinat“ auf der Karte steht, landet ein moosgrüner und ungewürzter Klumpen Kitt von der Größe eines Pingpongballs auf dem Teller, der überhaupt nicht zum Verzehr geeignet ist.
Der überwiegende Teil der portugiesischen Küche sind für den Tourismus entwickelte Rezepte aus den 50ern, die mit der Liebe und Sorgfalt eines Grills-Imbisses der frühen 80er zubereitet und im dazu passenden Ambiente serviert werden. Und im Zweifelsfall zahlt man für diese Art Küche 50-100% mehr, als dort, wo es leider lecker gewesen wäre.
Tipp: Am besten sucht man sich einen Hipster-Laden mit properem Corporate Design und isst Crêpes, einen Burger, was mit Pulled Pork oder moderne portugiesische Küche – zwei Personen mit allen Getränken zu knapp über 20,00 €.
Oder ja, wenn es unbedingt sein muss, Fisch.
Ja, Fisch geht, wenn man Fisch mag.
Meh.

Expresso
Merke: Nur in Portugal heißt der Espresso „Expresso“. Nur hier mit x.
Isso.

Fado
Fado (portugiesisch Schicksal; v. lat. fatum = Schicksal, göttlicher Wille) ist ein portugiesischer Musikstil. (Wiki).
Fado gibt’s in 3 Varianten: Fado Cozinha, Fado Deprimido und Fado Suicídio.
Beim F. Cozinha kommen Köchin oder Küchenhilfe spontan aus dem Kabäuschen und klagen operngleich den im Restaurant speisenden Gästen etwas vor, z.B. über den Stress beim Anlernen der doofen Küchenhilfe, die die Pommes so lange frittiert, bis sie cross sind.
Der F. Deprimido ist vergleichbar mit dem Blues. Es geht um Diskriminierung, Verrat, Verbrechen, Resignation, unerwiderte Liebe, Arbeitslosigkeit, Hunger, finanzielle Not, Heimweh, Einsamkeit und Untreue – Mehrfachnennungen möglich, man kennt das.
Beim heimtückischen Fado Suizidal versuchen Sängerin oder Sänger, emotional instabile Elemente unter den Zuhörern zu einem Selbstmord im Affekt zu motivieren. Nicht selten verletzen sich dabei Gäste spontan mit Steakmessern oder rammen sich einen Löffel ins Auge, viele nehmen später zu Hause Medikamente durcheinander.
Die berühmteste F.-Sängerin war Amália Rodrigues. Sie hatte bereits als Kind an allem etwas auszusetzen.

Weiter zu Teil 2

Freitag, 21. Juli 2017

NSU-Prozess

photo credit: Dave_B_ courtroom 600 via photopin (license)

NSU, das war mal -- als Kurzform für den Namen des Firmensitzes "Neckarsulm" -- ein Auto- und Motorenbauer, der 1975 mit der Auto Union GmbH zu "Audi NSU Auto Union AG" (später: "Audi AG") fusionierte.

Heute steht NSU erst einmal für Nabelschnurumschlingung (Link) und dann, auch scheiße, für "Nationalsozialistischer Untergrund", dem rechtsextremen Netzwerk.

Nach vier Jahren akribischem Herumprozessieren an Beate Zschäpe neigt sich der Mammutprozess so langsam dem Ende zu, auch wenn es ihre Anwälte noch nicht so ganz wahr haben wollen.
Unterm Strich war das Ganze absolut kein Ruhmesblatt für den deutschen Staat und seine Verfassungsorgane. Geshredderte Akten, Fahndungspannen, politisches Herumlavieren, Untersuchungsausschüsse, Verfassungsschutz-Bullshit-Bingo in groben Dosen mit aberdutzenden, wenn nicht hunderten V-Leuten an jeder Ecke, die ihre Wurstfinger tief im Braunen hatten und noch haben, ggf. sogar maßgeblich beteiligt waren. Und immer wieder Vertuschung: Ein Bericht des Verfassungsschutzes über hessische NSU-Kontakte wird sogar ganze 120 Jahre als "geheim" eingestuft (Link) -- bis ins Jahr 2134! Kein Spaß! Selbst die Kennedy-Akten sind nur 75 Jahre unter Verschluss! Lückenlose Aufklärung hatte Bundeskanzlerin Angela Merkel den Betroffenen versprochen. Keine Bange: Unsere Mutti hält doch immer ihr Wort! Es war nur nie die Rede davon, wann aufgeklärt wird... .

Auch kein Ruhmesblatt ist es für das rechtextreme Netzwerk NSU, dass Zschäpe jetzt vor Gericht so tut, als habe sie dem NS-Rollenklischee entsprechend immerfort Kissen aufgeschüttelt, Klöße mit brauner Soße gekocht und den Herren die Stiefel gewichst, während Mundlos und Böhnhardt Straftaten begingen. Herrgott! Bei den Nürnberger Prozessen waren die meisten Angeklagten nach eigenen Aussagen "verängstigte Mitläufer" oder "verhinderte Widerständler", na sigi. Gibt es hierzulande eigentlich nie Nazis, die genug Eier/Rückgrat haben, mit lauter und fester Stimme zu verkünden: Ich stand dazu und stehe noch immer dazu?
Alles braune Memmen.
So traurig!

Das muss man dem Vollirren und reulosen Massenmörder Anders Breivig (Link) lassen: über 70 Menschen getötet, mit der norwegischen Polizei kooperiert, vor Gericht vollumfänglich gestanden, in den Knast eingefahren.
So geht das, ihr Flitzpiepen!
Gegen den ganzen unwürdigen Scheiss, der da gerade abgezogen wird, hat das schon etwas von "DAS IST SPARTA".



P.S.: Gut für den Verfassungsschutz: Im fernen 2134 wird sich in der chinesischen Provinz-Hauptstadt Klein-Bejing (bis 2119 "Berlin") kein Mensch mehr für "Alte Geschichte der ehemaligen indigenen Bevölkerung Europas" interessieren -- ein Hoch auf den Großen Vorsitzenden Wang!


Freitag, 29. Juli 2016

ru24 Wissen: Expresso und Caffè

photo credit: Connected via photopin (license)

Zeitgenossen, die ein "Internet Kaffee" betreiben, bieten ihren Kunden vielleicht auch zusätzlich zur "Connektivität" auch noch einen "Expresso" an. Das ist alles summa summarum sehr traurig, aber der Ladenbetreiber und sein Kunde merken vermutlich nichts davon.
Andererseits ist es auch nicht immer alles so einfach.

Das Café und der Kaffee heißen in Italien beides "caffè", der Espresso heißt in Frankreich und Portugal tückischerweise wirklich "expresso" mit x, kein Wunder, dass es überall drunter & drüber geht.

Für mehr Ordnung in der Welt:


Deutsch   Italien   Spanien Portugal Frankreich
Internetcafé internet café cibercafé Internet-Café cybercafé
Das Café (Ort) caffè café café café
Der Kaffee caffè café café café
Der Milchkaffee caffellatte café con leche café com leite café au lait
Der Espresso café café café expresso expresso
Erstellt mit dem HTML Tabellen Generator von netgrade


Wenn also ein Zeitgenosse beliebiger Abstammung an einem Ort in Europa ein Internetcafé eröffnen und/oder Kaffeeheißgetränke ausschenken möchte, dann sollte er vorher in den Duden oder befreundete Werke schauen, denn es ist kompliziert.

Dieser Beitrag ist powered by dict.cc.


Mittwoch, 29. Juni 2016

BREXIT (2016)

photo credit: European Council Meeting, 28 June 2016 via photopin (license)
Da redet der britische Premier David Cameron sich sechs Jahre lang den Mund fusselig, was die EU doch für ein Scheißverein ist, wiederholt sich zur Sicherheit auch bei jeder sich bietenden Gelegenheit gebetsmühlenartig. Porridge versalzen? Scheiss EU! Ale kälter als Zimmertemperatur? Sodbrennen vom After Eight? Drecks EU! Nach sechs langen Jahren Dauerbombardement mit Camerons Anti-Europa-Politik hatten die Bürger Englands eine recht klare Vorstellung von der Sache. TROMMELWIRBEL!! Jetzt versucht Cameron den ganz großen Coup: Europa mit dem Schreckgespenst eines EU-Ausstiegs noch mehr Extrawürste aus der Lende orgeln und schicko einfach mal die Bevölkerung über BREMAIN oder BREXIT abstimmen lassen. Und was machen die schwachsinnigen Bürger? Oh my gosh! Stimmen die Idis für den Ausstieg! Cameron soll geweint haben, als er das erfuhr.
Wer konnte mit so etwas rechnen?


Mittwoch, 22. Juni 2016

Hyperloop vs. Cargo Sous Terrain


photo credit: Whhhhhiiiiiieeeeeeehhh... via photopin (license)
Eines der nächsten großen Dinger ist der Hyperloop, eine Rohrpostanlage, durch die man Leute mit 1.000 km/h schießt, um sie binnen 30 Minuten von San Francisco nach Los Angeles zu katapultieren, oder von Moskau nach St. Petersburg. Beschleunigung von 0 auf 100: 1,1 Sekunden. Das US-Startup Hyperloop Transportation Technologies will Ende des Jahres in der Wüste von Nevada einen ersten Test unter Höchstgeschwindigkeit laufen lassen (Artikel).
So sindse, die Amis: Immer hart an den Olympischen Idealen "schneller, höher, weiter".

In der Schweiz hingegen gibt es Pläne, zumindest schon mal Waren durch eine unterirdische Röhre zu schicken, den "Cargo Sous Terrain", kurz CST (Video). Im gemächlichen Alpenland setzt man nicht wie in Übersee auf Überschallknall und Schleudertrauma, sondern ganz traditionell auf Beständigkeit: Die Waren sollen mit 30 km/h hochpräzise & automatisiert durch die Röhren tuckern, aber dafür Tag und Nacht.
So sindse, die Eidgenossen, hier muss die Langsamkeit nicht erst entdeckt werden, sie ist Programm.


Freitag, 3. Juni 2016

ru24 future: Schweizer müsste man sein (2027)

photo credit: Ready to go via photopin (license)
Berlin im Juni 2027: Was gab es noch vor elf Jahren in 2016 für einen Jubel! Die Schweiz hatte ein Jahr früher als geplant und für exakt die veranschlagte Bausumme von 11,83 Milliarden den Gotthard-Basistunnel -- den längsten Eisenbahntunnel der Welt -- fertiggestellt! Das Ding war wahrhaftig 20 km länger als die Linie 10 der Pekinger U-Bahn! Reden wurden gehalten, Kapellen spielten und Angela Merkel -- damals in ihrem 11. Amtsjahr -- fuhr mit diversen zu Tode gelangweilten Funktionären die Strecke ab. Es gab nur eine Frage, die alle umtrieb: Wann würde Deutschland seinen Eisenbahn-Zubringer dazu fertigstellen? Schon damals war die Reaktion der Kanzlerin höflich verhalten. Natürlich hatten die Schweizer gut lachen, sie hatten es bei ihrem Großbauprojekt mehr als einfach gehabt: Es gab ein schweizer Architektenbüro, eine schweizer Tiefbaufirma, schweizer Elektriker, eine schweizer Bauaufsicht. Die Finanzierung: Schweizer. Man könnte sagen: Heimspiel. Und vor allem hatte man es bei diesem Projekt nicht mit der Geissel der Menschheit zu tun bekommen: mit Anwohnern.
Der Nachteil der Deutschen: Das Projekt wurde europaweit ausgeschrieben -- Turmbau zu Babel à la BER & Elbphilharmonie läßt grüßen. Zudem gab es "rund 170.000 Einwendungen von Anwohnern, Gemeinden und Landkreisen zu den Planungen für den Ausbau der Zubringerstrecke Karlsruhe - Basel für den Gotthard-Basistunnel [, diese] verzögern den Bau." (Quelle)
Heute, im Juni 2027 weiß man, dass der läppische ZUBRINGER zum Tunnel teurer werden wird als der ganze Tunnel, denn bereits im März 2027 wurde (inflationsbereinigt) die 12 Milliarden-Latte gerissen. Auch weiß man heute, dass die Fertigstellung vor 2032 kaum zu realisieren sein wird, da noch 28.000 Anwohnerbeschwerden Baumaßnahmen auf dem letzten Teilstück verhindern.

Heute, in ihrem 22. Amtsjahr, schaut die Eiserne Kanzlerin, wie sie vom Volk gerne genannt wird, sicherlich wehmütig zurück auf die Eröffnung des Gotthard-Basistunnels vor elf Jahren, als Jubel aufbrandete und Kapellen spielten und ihr damaliger Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt versprach, dass Deutschland alles geben werde.
Schweizer müsste man sein.


Samstag, 14. Mai 2016

ru24 History: Mein schönster ESC

photo credit: Imagination via photopin (license)
Mit im Fernsehen gezeigtem Sport kann man mich quälen. Es gibt kaum etwas Lähmenderes als eine Sportübertragung: Fußball, Formel 1, Wintersport. Einzig Golf und Curling finde ich sehr entspannend, aber das möchte wie immer niemand mit mir schauen.

Auch extrem quälend ist der jährlich stattfindende European [JUH-rOH--PI-ÖNN] Song Contest (ESC), der früher mal Grand Prix d'Eurovision de la chanson hieß -- die alte Nuschelmuschel läßt grüßen. Wird man im Freundeskreis zu solch einer Veranstaltung eingeladen, man möchte (und sollte) reflexartig den Abend anderweitig verplanen. Fremdschämen war mir noch nie ein Vergnügen, vielmehr leide ich ununterbrochen mit, wenn bizarre Pailetten-Olgas die singende Säge geben, derweil eine jedes Maß vermissen lassende Lightshow versucht, optisch über das Schlimmste hinwegzutäuschen.
Irgendwann nach gefühlten 67 Beiträgen (in den 80ern waren das mal 15, oder?) ist fast alles überstanden, das Gejaule ist erst einmal verstummt, der Rauch hat sich verzogen, das Blitzen und Blinken konnte auf ein Minimum heruntergedreht werden. Aber dann kommen die Jury-Ergebnisse auf die gepeinigten Ohren: Benelux mauschelt untereinander, die ehemaligen Ostblockstaaten mauscheln untereinander, Türkei gibt Griechenland Null Punkte, Griechenland gibt der Türkei Null Punkte, während uns Griechenland und der halbe Ostblock dizzt usw. (interaktive Grafik). Das das mit Musik nichts zu tun hat, das hatte ich schon mitbekommen, ich bin ja nicht taub. Aber dann noch so ein prä-pubertäres Herumgepunkte im Putin- und Erdogan-Style, das ist ein nicht zu unterschätzendes Zusatz-Ärgernis!
Deutschland bekommt entweder ungerechterweise kaum Punkte, ungerechtfertigterweise gar keine Punkte oder gewinnt total überraschend, dazwischen gibt es nichts. Zum Schluß wird die übermenschliche Geduld des Zuschauers damit bestraft, dass man den sog. Siegersong (u.U. Finnland mit "Lötköpötkö") noch einmal hören muss -- brrr!

Meinen schönsten Grand Prix habe ich um die Jahrtausendwende bei einem damaligen schwulen Freund verbracht. Der hatte um die 20 Leute geladen und denen Wochen zuvor Länderfähnchen zugelost. Zu diesem Land musste man dann etwas fürs Büffet beisteuern. Das sich dort aufbäumende internationale Büffet war echt die Wucht in Tüten und tröstete über vieles hinweg -- mein Tipp für den ESC 2017.


Mittwoch, 11. Mai 2016

Wählt PIA!

photo credit: Hyderabad Blues 3 via photopin (license)

Liebe Leute, heute mal kein Beitrag von mir, sondern von meinem alten Kumpel Professor Yussuf Isidor Morgenthau von der Universität von Miscatonic:


"Liebe Rezipienten!
Viel ist in der letzten Zeit von der sogenannten "Islamisierung des Abendlandes" die Rede gewesen. Machen wir uns doch nichts vor! Die Christianisierung des Abendlandes ist mit dem Ende des letzten großen Krieges knirschend zum Stillstand gekommen und seitdem so massiv auf dem Rückzug wie die Pest oder die Kinderlähmung. Warum? Weil alle Probleme der Moderne von Christen verursacht worden sind. Ich wiederhole: Alle Probleme der Moderne sind von Christen verursacht worden!
Mittlerweile aber sind nahezu alle Bewohner Europas Ungläubige und Heidenkinder, mit Ausnahme der Polen und unserer greisen Anverwandten vielleicht. Die Christianisierung des Abendlandes ist also unbestritten Schnee von gestern. Was also wäre stattdessen so schlecht an einer Islamisierung des Abendlandes?
Hier kommt PIA -- die Partei zur Islamisierung des Abendlandes ins Spiel.

Bevor alle refexartig zu blöken beginnen, vor allem greise Kirchenfürsten und die sog. "Patrioten", hier einige wohldurchdachte schlagkräftige Argumente, was die Einführung der Scharia in Europa für die Europäer alle einen ungeheuren Mehrgewinn bringen würde:


Arbeitslosigkeit
Nimmt man schlagartig alle Frauen aus dem Erwerbsleben heraus, wird in Europa ein zweistelliger Millionenbetrag an Arbeitsplätzen frei, in Deutschland allein sage und schreibe 17,7 Millionen! Adé Arbeitslosigkeit, adé Jugendarbeitslosigkeit! Jetzt muss selbst der letzte Heckenpenner ran, um das riesige Loch im Arbeitsmarkt zu stopfen!
Der Hauptvorteil ist: Niemand hat mehr zickige Arbeitskolleginnen!
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Vollbeschäftigung dank PIA!!!

Frau zu Hause
Was die CSU mit ihrer Herdprämie zwar gewünscht, aber nicht hinbekommen hat, wird PIA im Handstreich gelingen: Endlich ist da wieder jemand in unseren Heimen, der Behaglichkeit und Häuslichkeit in Krankenhausmengen generiert. Erscheint der Ernährer des Abends mattgepaukt von des Tages Knechtungen in seinem trauten, nunmehr permanent autosterilen Heim, erwartet ihn bereits die Gattin mit seinen Hausschuhen, Feierabendbier und exotischen Speisen. Noch während der Gatte in die Kissen sinkt und sich seine diversen handgefertigten Kulinaria zu Munde führt, tanzt seine Suleika ihm den Tanz der sieben Schleier.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Begeisterung dank PIA!!!

Straßenverkehr
Im Jahr 2015 besaßen rund 73,5 Prozent der Frauen einen Führerschein. Wo Frauen nicht mehr Auto fahren, ist man ganz automatisch wieder Herr der Lage! Staus gehören der Vergangenheit an, es gibt Parkplätze ohne Ende, niemand muss jemals mehr hinter einen roten Kleinwagen mit 25 durch eine 30er-Zone juckeln! Hurra! 17,7 Millionen Kleinwagen, die Haushalte angeschafft hatten, damit Frauen damit zur ihrerm Halbtagsjob fahren können, um damit ausschließlich das Geld für den Unterhalt eben dieses Kleinwagens zu verdienen, können eingestampft werden.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Straßenverkehr at it's best dank PIA!!!

Diät
Burkha statt Low Carb, mehr muss nicht gesagt werden. 
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: pralle Lebensfreude dank PIA!!!

Mode
Burkha statt Manolo Blahnik. Das von der Damenwelt bisher emittierte ständige Geseihere über Farben, Riemchen, Schuhe verstummt, schafft Raum für eine erholsame, fast schon meditative Ruhe.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Die Rückkehr zur Vernunft dank PIA!!!

Pflegemittel
Der durchschnittliche Deutsche gibt jährlich ca. 160,00 € für Körperpflege- und Kosmetikartikel aus. Dabei entfallen statistisch 13,50 € auf den Herren und 306,50 € auf die Dame. Dank Burkha feiern nun wieder Kernseife & Wurzelbürste ihr Comeback! Sinnlos-unübersichtliche Drogerien wie z.B. DM können ihr Angebot nun auf ca. 50 Artikel des täglichen Lebens eindampfen.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: hart entrümpelte Drogerien dank PIA!!!

körperliche Ertüchtigung
Sich fünf mal täglich im Gebet gen Mekka zu neigen ist die neue Rückenschule der Nation. Kieser Training geht pleite, die ohnehin arg kargen Fitnessbuden werden in Begegnungsstätten umgewandelt.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: gerade Rücken dank PIA!!!

Rechtssystem
Während Bankenzocker bei uns einfach weitermachten, als sei nichts geschehen, sieht die Scharia für die Koksnasen in Zockerbanken interessante Körperstrafen vor wie 10.000 Stockhiebe oder das hochgradig unfachgemäße Entfernen von Gliedmaßen ("IS-Style") zur besten Sendezeit.
Brandstifter werden verbrannt, Steineschmeißer gesteinigt, Gammelfleischanbieter mit ihren Produkten gefüttert wie Stopfgänse -- alles ist in Balance!
Ehebruch: Um mal ein Geheimnis des Orients zu offenbaren: Ehebruch ist es nur, wenn die Beiden nicht miteinander verheiratet waren. Solches läßt sich aber im wahrsten Sinne des Wortes im Handumdrehen arrangieren und noch schneller wieder lösen. Eine Steinigung ist also in den wenigsten Fällen notwendig.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: eine Rückkehr des Rechts dank PIA!!!"


Donnerstag, 17. September 2015

ru24 Special: PARIS (von â bis z)

photo credit: Tour de Eiffel via photopin (license)

Ampel, Fußgänger-: Erscheint an der Fußgängerampel das grüne Männchen, dann laufen alle Einheimischen in hellen Scharen über die Straße. Beim roten Männchen ebenso.

Bäckereien: Der Boulanger ist auch im dritten Jahrtausend immer noch der Ort, an dem der Franzose seine Knüppelbrote ersteht. Die schleppt er dann bündelweise unterm Arm mit nach Hause, nicht aber, ohne schon an einem herumzunagen. Doch ach! Viele Boulanger sind schon lange eine „Boulangerie et patisserie artisanale“ (Beispiel), ein lichtdurchfluteter Back-Olymp der Herrlichkeiten!!! Hier geben sich Quiche, Eclairs, Macarons und unfassbare andere Leckereien ihr Stelldichein.
Dagegen sind „Butzenbacher Landbrot“ und „Nussecke“ echt finsterstes Mittelalter.

Französische Sprache: Data, der zweite Offizier des Raumschiffs Enterprise (Star Trek TNG), nennt sie „die obskure Sprache Französisch“ und wer wollte diesem messerscharfen Verstand widersprechen (außer Picard)? Wenn man in Paris Métro (U-Bahn) fährt und die geschrieben Stationen auf dem Stationsanzeiger mit dem vergleicht, was da als Station in den Lautsprecherdurchsagen genuschelt wird, dem fällt auf: Man multipliziere einfach die Anzahl der geschriebenen Silben mal „musche“ (sprich: wie in „Garage“). Also aus der Station „Denfert-Rochereau“ der Linie M6 wird die Ansage „musche-musche-musche“. Das verstehen dann wirklich nur Franzosen. Das Ohr des Franzmannes ist also per se aufs Obskure getrimmt. Was nimmt es Wunder, dass der wiederum Touristen nicht versteht, auch, wenn sie sich redlich bemühen mit dem Radebrechen? Der Grund ist, weil sie sich redlich bemühen! Wer also meint, vor seinem Frankreich-Urlaub unbedingt noch einen Sprachkurs belegen zu müssen, kann ruhig auch die VHS-Kurse „Niederländisch“ oder „Portugiesisch“ besuchen, gerne auch „Makramee“, ist eh Latte.

Gastronomie = Unmengen winziger Bistro-Tische dicht an dicht und doppelt so viele schmale Stühlchen. Hier kommt man schon kaum zu seinem Platz, wenn alles noch unbesetzt ist. Die Läden selbst sind zwischen März und Oktober oft leer, da die Kundschaft sich draußen auf den winzigen Sitzgelegenheiten entlang des Bürgersteiges herumdrückt. Hier lässt man sich gerne nieder, denn man wird gesehen und es ist ja auch immer was los: Es hupt und bremst und qualmt und quietscht und flucht. Preislich liegt quasi alles bis 0,25 Liter bei 4,80 €, außer heißer Milch, die kostet 4,20 €. Ist der Laden urst verkehrsgünstig gelegen, d.h., man kann von der Front des Bistros gleich auch noch eine Seitenstraße einsehen und/oder es kommt mit Pauken & Trompeten die Müllabfuhr, dann kostet der Milchkaffee in der ersten Reihe "premier smog" auch mal 5,20 €. In manchen Läden sind diese Plätze zudem ausschließlich für handverlesene Stammkundschaft reserviert.
Nachdem man dir dein einziges Getränk gebracht hat, lässt die Bedienung dich den Rest des Abends links liegen. Vorteil: Man kann einen billigen Abend Wange an Wange mit dem tosenden Straßenverkehr verbringen. Nachteil: Man verbringt einem billigen Abend Wange an Wange mit dem tosenden Straßenverkehr.
Wenn Raum gleichbedeutend ist mit Luxus, dann sind nach Geschlechtern getrennte Toiletten alberner Zierrat. Also gibt's für die Gäste und das Personal nur ein einziges Scheißhaus, eine Klobrille existiert nicht und Hygiene ist Kür, nicht Pflicht.

Hustler: Touristenmagneten ziehen Touris an und diese wiederum Hustler [eng.: Gauner, Abzocker, Falschspieler]. Von dem einen und von dem anderen gibt es in Paris eine ganze Menge. Wovor man sich in Acht nehmen sollte: Scharen von Romas, die versuchen, Gutgläubige zu einer Unterschrift zu bewegen (im Nachhinein hat man alles doppelt). Besonders am Montmartre bedrängen Gruppen von farbigen Herren Touristen, indem sie ihnen ungefragt Bändchen an den Zeigefinger flechten und dann dafür abkassieren. Das ist unangenehm und macht schlechte Laune. Entlang der Seine verfolgen einen Clowns, die einem ununterbrochen unangenehm ins Ohr pfeifen – WTF? Und auf dem Weg zwischen den Trödelmärkten von Saint Ouen treiben fliegende Händler (Stichwort "acht Uhren am Unterarm") und Hütchenspieler (ernstlich!) ihr Unwesen.
Ansonsten sollte man seine Wertsachen immer fein im Auge behalten.

Kaffee: Bestellt man „un café“, bekommt man einen Espresso. Wer einen „café crème“ bestellt, bekommt einen Milchkaffee. Den gibt’s in klein (hat Espressogröße) und groß (kleine Tasse). Einmal habe ich versucht, einen Filterkaffee mit Milch zu bestellen und bekam eine knallvolle Tasse schwarzen Kaffee und ein Kännchen kalte Milch dazu. Haha, ihr lustigen Franzosen! (weiterführender Link)

ÖPNV: Am besten holt man sich einen Wochenpass für die Öffentlichen, dazu benötigt man ein Passbild. Das bringt man am besten von zu Hause mit. Ansonsten gibt es ein bissi nach Pipi riechende Passbildautomaten, die einem in genuscheltem Französisch verklickern, was jetzt gerade mal nicht allzu biometrisch war am aktellen Versuch. Wenns mal wieder länger dauert: Snickers. Zur Anfertigung des Passes z.B. unten im Gare du Nord muss man eine halbe Stunde Schlange stehen, die Frau hinter dem Schalter ist eine Hardcorebürokratin -- aber dann lüppt es immer & überall mit dem Ticket.
Während deutsche Busfahrer warten, bis alle sitzen, drückt sein französisches Pendant sofort noch während des Einsteigens der Fahrgäste beherzt aufs Gas, sodass alle herumpurzeln, vor allem Deutsche, die gerade versuchen, ihr Portemonnaie zu verstauen.

Pariser: Den männlichen Bewohner von Paris erkennt man an der Baskenmütze, der Gitanes im Mundwinkel, dem Glas Pastis und am Akkordeon. Zumindest bis etwa 1950. Pariserinnen von heute sehen alle aus wie Sophie Marceau ("La Boum - die Fête"), die Haarlänge variiert. Leider sind die Bewohner der Hauptstadt nicht synchronisiert, sodass Kommunikation unmöglich ist.

Parks: Dem Franzmann ist es anscheinend erst Park, wenn es mindestens zwei Symmetrieachsen hat, Schnirkel-Schnörkel-Hecken, Golfrasen und diverse Springbrunnen, krustig von barockem Zierrat. Aus der Luft sieht das Ganze aus wie ein (idealerweise quadratisches) Ornament (hier). Müll, Vandalismus, Rasen-betreten-verboten-Betreter und grillende Ghule wie z.B. in Berlin sucht man auf diesen ondulierten & geföhnten Golfrasen-Naherholungs-Kacheln vergebens, dafür sorgt die konsequent durchgreifende Parkaufsicht.
Im Jardin du Luxembourg hat man all diese Pracht und Fülle indes auf die Spitze getrieben – hier gibt es zusätzlich zu allem Überfluss auch noch kostenlose (Liege)stühle, Teiche mit Enten, Boule- und Schachspieler, Mini-Segelboot-Verleih und Büdchen, die warme Quiche veräußern – c'est  bon!

Sehenswürdigkeiten:
Arc de Triomphe: Grundgütiger, das Teil ist so groß wie ein kleiner Mond! Was ich nicht wusste, ist, dass man da oben drauf herumlaufen kann, hier heißt es die 284 Stufen gegen eine grandiose Aussicht abzuwägen. Champs Elysées: Trotz des weithin bekannten Liedes gleichen Namens: Bitte weitergehen, hier gibt’s nichts zu sehen (außer Touris und mördermäßig überteuerte Läden). Disney Land Paris: Für alle, die im Ausland hauptsächlich zu McDonald’s gehen. Hier gibt’s sauberen, turbokapitalistischen Spaß für die ganze RTL-Familie. Eiffelturm: Mon dieu, rockt der! Das gute, alte Stück kann völlig kostenlos besucht werden, wenn man nicht hoch hinaus will. Und die Aussicht wäre ohnehin doof, Paris, so ganz ohne Eiffelturm… Zum Beginn der Dämmerung an den Champs du Mars (Marsfelder) mit diversen artisanalen Patisserieprodukten auf einer Parkbank zuerst der Beleuchtung und dann dem Funkeln des Riesen zu harren, das ist hoch-romantisch. „Stadt der Liebe“ at ist’s best! (Tipp vom frisch Verheirateten.) Louvre: Meine Herren! Schon von außen einschüchternd groß. Die Ausstellungsfläche beträgt 60.000 qm, das sind 15 Fußballfelder. Im Inneren kann man hartnäckige Verklumpungen von Menschen dabei beobachten, Selfies mit der Mona Lisa (einer überschätzten Renaissance-Dame) zu schießen. Marché aux puces in Saint Ouen (puce = Floh): Hierbei handelt es sich um einen, nur von Sa-Mo geöffneten, x Hektar großen (Hallen-)Trödelmarkt, hauptsächlich für Altes & Antikes. Wenn man es an den Hustlern, Hütchenspielern, fliegenden Händlern und arg ambulanten Maiskolbengrillern vorbei geschafft hat, eröffnen sich ungeahnte Wunderwelten. Hier gibt es alles: Von der original Elvis-LP bis hin zu ausgestopften Giraffen in diversen Größen. Auch wenn man nichts kauft: Sagenhaft! Notre Dame: Der Eintritt ist frei, wer allerdings schon einige größere sakrale Gemäuer von innen gesehen hat, findet hier wenig Überraschendes. Spaß macht die ziemlich laute Bandansage in zwölf Sprachen, man solle leise sein. Für 5,00 € kann man die Schatzkammer besichtigen: schon besser! Links am Gebäude endet die Ansteh-Schlange für die 402 (keuch!) Stufen zum Turm – leider ein Muss, schon wegen der berühmten Wasserspeier und des Ausblicks wegen. Père Lachaise: Dieser Friedhof ist „eine Oase der Ruhe, nicht nur der Letzten“ (lesenswerter Artikel) und er sprengt jede Dimension! Man sollte mindestens einen halben Tag dafür einplanen – wenn einem der Sinn nach solchem steht. Hier ruhen Chopin, Edith Piaf, Jim Morrison, Oscar Wilde, Sarah Bernhardt usw., aber: Ohne arg detaillierten Plan ist das die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Place de la Concorde: riesiges Brachland mit einem (1) ägyptischen Obelisken und zwei (2) Springbrunnen eingeklemmt zwischen den Tuilerien (dem Pariser Central Park) und den Champs Elysées. Sacré-Cœur de Montmartre: Sollte man schon wegen des „œ“ besuchen. Am Fuße des Bauwerks gibt es ein altes Karussell (sehr pittoresk), auf dem Weg den Berg hinan wird man hart von (siehe ->) Hustlern angegangen, Montmartre selbst ist sehr schön, leider touristisch völlig über-erschlossen. Versailles: Der Sonnenkönig wohnte urst pompös aber auch außerhalb: Das ist ein Tagesausflug.

Stoppschild: In Paris gibt es genau so viele Stoppschilder wie Eiffeltürme, nämlich eins (1). Wer es schafft, das zu überfahren, der darf es behalten. (Link)

Straßen-Verkehr: In Paris ist kein Ort weiter als 500 m von einer U-Bahn-Station entfernt. Dennoch fahren die Pariser mit beachtlichen Mengen Motorrollern und verbeulten Autos mit mit Gaffer-Tape angeklebten Außenspiegeln in der Gegend herum. Sobald ein Fahrer einen Parkplatz findet, dann parkt er beherzt auf Gehör ein, auch, wenn das gar nicht nötig wäre, weil genügend Platz ist: der berüchtigte automobile "french kiss". Französische Autos sehen oft aus wie alte Golfbälle – nicht nur vorne und hinten.
Ein Faszinosum sind die riesigen Kreisverkehre der Städte: Sie sind gefühlt achtspurig, haben bis zu acht Zu- und Ausfahrten, dafür kommen sie ohne eine einzige Linie auf dem Asphalt aus. Das sich dem deutschen Touristen bietende Ballett aus tollkühnen Radfahrern, beherzten Moped-Piloten, wagemutigen Autofahrern und LKW-Schwerlast-Akrobaten ist Schwanensee in der praktischen Anwendung.
Passiert doch einmal ein Auffahrunfall, dann beschauen sich die beiden Monsieurs direkt vor Ort hoch entspannt das Malheur. Hat ihr verschrammtes Gefährt signifikant gelitten oder macht eine Beule mehr den Braten nun auch nicht mehr fett? Meist trennt man sich einvernehmlich.

Touristen: 30 Millionen von ihnen wimmeln jährlich durch Paris. Manchmal verfangen sich ihre Selfie-Sticks oder sie erzeugen aus der Ferne gesehen stachelschweinartige Strukturen mit ihren Selbstbildnis-Stangen (Abbildung). Zu einem großen Teil sind es hoch enthusiastische Asiaten, die versuchen, Selfies mit sich selbst vor [ALLEM] aufzunehmen (auch wenn ihr(e) Partner(in) daneben steht). Der Rest ist eine bunte Mischung aus südländischen Paaren ("sie" wabert mit Mörder-High-Heels über das Katzenkopfpflaster von Montmartre), erwachsene Disney-Enthusiasten mit Mickey-Ohrenmütze, die sich damit zum Vollhorst machen, Leute mit angeleinten Kindern und sonstige Vögel (moi).

Währung: Frühstück für zwei: 32,00 €, ein kleines Bier 4,80 €. Aufgemerkt: In Paris zahlt man mit dem französischen Euro. Dadurch wirkt vieles sehr teuer – eine Illusion.

Wohnen: Wer denkt, dass Wohnen in Köln teuer ist ("suche 4-Zimmer-Wohnung für bis zu 1.500,00 €"), der würde für die paar Piepen in der Stadt der Liebe vielleicht ein unrenoviertes Dachgeschosszimmer im 6. Stock (ohne Aufzug) eines Altbaus bekommen. Kalt.
Wen wundert's also: Wenn es sich nicht gerade um Gebäude mit Säulenportikus oder Boulevards handelt, ist Paris eng. Die Bürgersteige der Seitenstraßen sind schmal. Dort finden dennoch die Tische der beengten Bistros, schmalen Bars und winzigen Restaurants Platz, zudem Mülltonnen und Passanten in beide Richtungen. Der Pariser, der es gewohnt ist, schmal zu leben, tigert hier lässig übers Trottoir.

Zebrastreifen: Mehr Zebrastreifen als in Paris geht nicht. Leider sind sie ausschließlich Dekoration. Wenn du als Passant beim Überqueren der Straße (egal ob mit oder ohne Zebra-Deko) keinen Augenkontakt zum Heranrasenden hast: Lauf! Forrest! Lauf!


20 Dinge, die man als Tourist in Paris auf keinen Fall machen sollte (ext. Link)

Donnerstag, 21. Mai 2015

ru24: Europa

photo credit: Frankfurt Skyline II - HDR via photopin (license)

Es gibt eine neue ru24-Serie: Europa.
Klickt den Link und genießt die Vielfalt dieses wunderbaren Kontinents.
Weiße Flecken auf der Landkarte werden peu à peu gefüllt.


Dienstag, 21. April 2015

ru24 history 54: Bella Italia (1992)

photo credit: via photopin (license)

1992 war ich mit Freunden am Gardasee, von da aus haben wir einen Zwei-Tage-Ausflug nach Florenz gemacht.
Florenz beeindruckt mit Autofahrern, die dermaßen viel mediterranes Flair versprühen, dass ich den Wagen abstellte und mich weigerte, auch nur einen Meter weiter zu fahren. Als Fußgänger lernt man in Florenz auf die harte Tour, dass ein Zebrastreifen nichts weiter ist, als eine Abfolge weißer Rechtecke auf der Straße. Am Rand des Zebrastreifens stehend, ist Augenkontakt zu nahenden Fahrern in Deutschland immer ein Mittel der nonverbalen Kommunikation, ein Signal. Dem florentiner Automobilisten signalisiert es lediglich, dass du, der Fußgänger, ihn gesehen hast -- er kann somit beruhigt Gas geben. Wir stehen eine Weile ratlos herum, bis wir es begreifen: Wirst du auf dem Zebrastreifen überfahren, bist du im Recht. Die logische Konsequenz ist: Man überquert die Teile einfach ohne rechts und links zu schauen in einer Art Suicide-Style, alle Fahrer hupen sowieso ununterbrochen -- und schon ist man drüben.

So viel Aufregung macht hungrig: Bella Italia, das Mutterland der Pizza! Im Biergarten einer kleinen Kaschemme finden wir uns unter Bäumen ein, um original! italienische! Pizza! zu essen, die Krönung des Tages! Hurra! Zikaden zirpen, leichter Wind geht, Lichterketten illuminieren die Nacht -- es ist wie im scheiß Märchen! Wir bestellen Pizza und bekommen, nun ja, ... hmmm ... "etwas". Es sind vage nieren- oder auch Bodenseeförmige Teigstücke mit verbranntem Rand. Auf einige Stellen ist freundlicherweise auch Tomatensauce aufgekleckert, hie und da hat sich etwas Gemüse oder auch mal ein Fleck Schinken verirrt. Die Dicke des Teiges variiert von hauchdünn und verbrannt blasig bis wulstig teigig. Das arme Ding splittert in alle Richtungen auseinander, als man mit der Gabel hineinsticht. Aber wir waren jung und hungrig und haben ganz dolle tapfer aufgegessen.
Um meinen Kollegen Raimund völlig aus dem Zusammenhang zu zitieren: "Das können sie also auch nicht."

Wer eine vernünftige Pizza essen will, sollte gegebenenfalls in Deutschland eine bei Hallo Pizza bestellen.


Sonntag, 12. April 2015

Schottland (2015)

"Haggis with neeps and tatties"

Schottland!
Zuerst denkt man da natürlich an halbnackte, in fadenscheinige, karierte Stoffetzen gehüllte Barbaren, die in zugigen, kargen Hügellandschaften Dudelsack spielen, wenn sie sich nicht gerade an die Gurgel gehen und/oder sich Whiskey in selbige kippen, der u.U. älter ist als sie selbst. Sowieso: Spricht der Schotte, versteht das auf Oxford- und BBC-English trainierte Ohr nur knapp jedes dritte Wort. Gegen den kleinen Hunger kommen bei den Kaledonen quasi-klingonische Nahrungsmittel wie Haggis auf den Tisch, die Mitteleuropäer nicht einmal an ihre Hunde verfüttern würden.

Das alles stimmt so nicht ganz.
Nach meinem Kurztrip nach Edinburgh möchte ich korrigierend folgendes hinzufügen:

  • "Halbnackt" war gestern: Zu 2°C und sporadischem Schneeregen trägt der moderne Scotsman zumindest T-Shirt und Jeans, die moderne Scotswoman gewandet sich in kurzärmelige, semitransparente Blusen, denn hey: Auch wenn es graupelt -- ES! IST! FRÜHLING!
  • Dudelsack spielt der Schotte an sich i.d.R. nur noch an touristischen Brennpunkten (ein Berufskollege ist der dread-gelockte Didgeridoo-Spieler auf der Kölner Domplatte). Abgesehen vom Touri-Gedöns quetscht der Schotte den wüst trötenden Ziegenbeutel sonst nur noch in seine Achselhöhle, um böse Geister zu vertreiben -- also wenn die Queen während der Holyrood Week (Link) zu Besuch ist.
  • Die Schlacht von Culodden ist lange vorbei (Link). Barbarisches Schlachtengetümmel à la "Schottland vs. den Rest der Welt" findet heute nur noch beim Rugby statt, dann aber fett. Die Spiele werden selbst in den schangeligsten Fish & Chips-Shops übertragen und füllen die Straßen mit Schlachtenbummlern. Also: Was macht die Schotten dicht? Man begießt das Event brachial mit heimischem Gebräu (Link) und natürlich mit größeren Mengen durch Destillation von Getreidemaische gewonnenen und mindestens drei Jahre im Holzfass gereiften Spirituosen (vgl. Wikipedia). Anschließend versucht der Schotte, Karomuster an Häuserwände zu kotzen, was mitunter beeindruckend gut gelingt.
  • Das in Schottland gesprochene 'so genannte Englisch' ist stark durch Scots (Link) und Gälisch gefärbt und verhält sich zum Englischen wie das Bayrische zum Deutschen. Auch wenn der Schotte sich sehr bemüht: Versteht der deutsche Touri auch nur jedes fünfte Wort, dann ist er bereits "Fortgeschrittener". Das hört sich nämlich so an: "Snug ohtn awl smehk QUEEN, slog ohptn awhn meoch SCOTS, alock armeahg smohk shoae MURDERED". Ein Riesenspaß! Bustouren und Führungen sollten deshalb immer, immer, immer auf deutsch gebucht werden, sonst kann man sich auch gleich zu der finnischen Gruppe gesellen. Auf einer 12-stündigen Bustour durch die Highlands habe ich nur ganze 650 Wörter verstanden, verteilt auf den Tag -- und das auch nur, weil der Busfahrer im Kilt sich bemüht hat.
  • Eine Spezialität der schottischen Küche ist Haggis. Das gibt's da in jedem Supermarkt, in der Schangel-Frittenschmiede und im Restaurant gleichermaßen. "[Es] besteht aus dem Magen eines Schafes, paunch genannt, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Haggis wird mit Pfeffer scharf gewürzt, und das Hafermehl verleiht ihm eine etwas schwerere Konsistenz als Wurst. (...) Traditionell werden zum Haggis Kohlrübe (Swede) und Kartoffeln („neeps and tatties“) gegessen." (Quelle, siehe Bild oben) Eat this, ihr Lappen! Seid ihr Frauen und Männer des Bergischen Landes oder Memmen? Ich habe Haggis an DREI aufeinanderfolgenden Tagen zu mir genommen, und hey: Das gibt richtig Glanz auf'm Köttel! (Liegt wohl am Nierenfett.)


Sonntag, 17. August 2014

Mein schönstes Urlaubserlebnis (1996)

photo credit: IMGP6462.jpg via photopin (license)

1996 sind wir mit einer Handvoll Freunden in ein Ferienhaus nach Mandø gefahren. Mandø ist eine dänische Gezeiteninsel an der Westküste Jütlands, Dänemark. Die Insel war nur bei Ebbe mit dem Auto über einen "Ebbeweg" aus Kies zu erreichen.
Thorsten, unser Fahrer, hatte seinen sehr jungen Golden Retriever dabei. Wir fuhren mit dem Wagen über den Ebbeweg nach Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, eher ein Kaff. Wir rannten eine Weile herum und staunten auch darüber, wie unglaublich sauber es die Dänen doch überall hatten. Nichtmal Kippen auf dem Gehweg! Dieses Manko muss auch dem Hund aufgefallen sein, denn er kackte spontan mitten in die antiseptische Einkaufszone. Thorsten, für den "Cholerik" kein Fremdwort war, schwollen diverse Adern, er hatte keine Hundebeutel dabei und die Einheimischen kuckten schon. Weil er jetzt nen Hals hatte und er der Fahrer war, mussten wir alle wieder fahren. Zarte Hinweise darauf, dass es mit dem Ebbeweg nun während der Flut gerade Essig sei, gingen im Zornesrauschen unter. Also standen wir kurz drauf alle geschlossen am tristen Meeresrand und schauten auf die in der Ferne liegende Insel. Thorsten lehnte am Auto, rauchte Kette und starrte verschlossen wie eine Auster aufs Meer. Wir restlichen vier langweilten uns an diesem denkbar uninteressanten Abschnitt der dänischen Küste. Nur der von der Leine gelassene Hund schien sich prächtig zu amüsieren: Er schlang ein interessantes Aas herunter, spülte mit etwas Meerwasser hinterher. Dann fraß er ein Kilo Blasentang. Im Anschluss fand er einen wirklich nicht mehr frischen halben Krebs und knabberte ihn als Snack. Später gab es von dem grünen Seetang und wieder Meerwasser zum Hinterherspülen.
Irgendwann während dieser Stunden, zeigte sich der Ebbeweg wieder, noch bevor er richtig zu sehen war, führen wir Heim. Die Stimmung war nicht so besonders, Spaghettis würden helfen! Kurzum aßen alle mit gutem Appetit ihre Bolognese. Die übrig gebliebenen Nudeln bekam der Hund, der ein gefühltes Pfund davon einfach weg-inhalierte. Danach lag er, alle Viere von sich getreckt, mit Schluckauf und hervortretenden Augen auf dem Boden. Alle zwei Minuten rülpste er verhalten. Nach einer Weile stemmte er sich hoch, trottete zum einzigen Teppich in der Wohnung und bekotzte ihn chefmäßig wie ein T-Rex. Es zeigte sich dem staunenden Publikum die komplette, beeindruckende Historie der Nahrungsaufnahme -- nur in umgekehrter Reihung.
Thorsten schwoll der Kamm. Kurz schien er "hulken" zu wollen, ließ das dann aber bleiben und machte sich stattdessen an die Beseitigung der Bescherung. Wir gaben ihm aus der Ferne Tipps, was die Situation nicht signifikant verbesserte, aber extrem viel Spaß machte.
Wenn ich heute daran zurückdenke war das mein schönstes Mandø-Urlaubserlebnis.


Freitag, 18. Juli 2014

Üdvözöljük a Balaton (1993)

photo credit: cannedmoods.com via photopin cc

1993 sind wir zu viert (zwei Pärchen) in einem Fiat Uno von Wuppertal aus nach Ungarn an den Plattensee gefahren. Wie wir das Gepäck ins Auto bekommen haben, ist mir bis heute ein Rätsel.

(1) Sprache. Die Ungarische Sprache "gehört zum finno-ugrischen Zweig der uralischen Sprachfamilie". Damit ist im Grunde schon alles gesagt. Entweder man spricht ungarisch (alle Ungarn), oder man spricht es nicht (alle Anderen). Hier der völlig unmerkbare Grundwortschatz: Link. Alternativ kann man in Ungarn das absolut universelle Wort "höz" verwenden. Es ist kurz, leicht zu merken, bedeutet eigentlich nichts, geht aber quasi immer: "Höz?" - "Höz!"

(2) Geographie. Der Plattensee wird von den dort Ansässigen "Balaton" genannt und ist 79 km lang. Er ist der größte Binnensee Mitteleuropas und einmal komplett von Straße umgeben. Das ist sehr wichtig, denn auf welchem anderen großen Rundkurs hätten die ständigen Hochgeschwindigkeits-Verfolgungsjagden zwischen Fiat-500 Polizeifahrzeugen und den vorneweg rasenden rostigen Škodas sonst auch stattfinden sollen? Meistens schaffen sie 3 Runden in knapp über sechs Stunden, bis einem von beiden unterwegs der Sprit ausgeht.
Lohnenswert ist ein Besuch der im Nordosten des Sees gelegenen Stadt Székesfehérvár wegen ihres barocken Stadtkerns. Und, weil es so ein tolles Wort ist.

(3) Natur. Der Plattensee ist an vielen Stellen noch ein Stück unberührter Natur. Er ist schilfumstanden und die Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Wir standen schon bis zu den Waden im Wasser, als wir die Wasserschlange auf uns zu schlängeln sahen. Um das Biotop dieses possierlichen Reptils (und aller seiner vielleicht auch größeren Freunde) nachhaltig zu schützen, zogen wir uns blitzartig, fast schon hektisch aus selbigem zurück und machten keinen zweiten Versuch, baden zu gehen.

(4) Wetter. Das Wetter innerhalb der Saison ist fantastisch! Sobald allerdings die Saison beendet ist, regnet es Bindfäden und die Temperatur sinkt auf 11°C (Tag) und 9°C (Nacht). Da bei uns der dritte Tag des Urlaubs bereits in die Nachsaison fiel, war es schlagartig vorbei mit dem 30°C-und-blauer-Himmel-Bombenwetter. Allerorten wurden die den Touristen willkommen heißenden "ÜDVÖZÖLJÜK"-Schilder abmontiert, etliche Läden und viele "Paprika Csárdas" geschlossen und verrammelt.
Wir verbrachten viel Zeit in der Wohnung mit lesen und Scrabble spielen. Einer meiner Höhepunkte des Urlaubs war es, auf einen 3-fachen Wortwert das Wort B3E1Q10U1E1M3 gelegt zu haben.

(5) Unterkunft. Anfangs waren wir begeistert von der Ferienwohnung. Bald aber begriffen wir, dass unsere Vermieter, um uns diesen Luxus möglich zu machen, mit einer vierköpfigen Familie plus Riesenschnauzer "Rocco" nun in der schmalen Garage hausten. Später entdeckten wir, dass jeder Bilderrahmen in der Wohnung ein Dummy-Bild enthielt. Darunter kamen die Wohnungsinhaber als Brautpaar und Familienbilder zum Vorschein. Immer wenn sich einer der ihren umständlich unter dem Garagentor hervorschlängelte, dann packte uns das schlechte Gewissen. Wir waren deutsche Besatzer!

(6) Essen und Trinken. Jedes Lokal am Plattensee ist eine "Paprika Csárda". Heißt das Lokal abweichend davon, dann ist es lediglich eine getarnte "Paprika Csárda". Freundlich heißt man Hungrige dort mit "Üdvözöljük!" willkommen. Zu essen gibt es Gulasch, Spießchen, Schnitzel, dazu als ausschließliche Beilage Pommes Frites. Auch wenn sie es auf der deutschen Karte "Bratkartoffeln" nennen, sind es trotzdem immer Pommes Frites. Es gibt im Umkreis von 50 km um den Plattensee keine andere Beilage als Pommes Frites, so will es die ungarische Verfassung. Als Getränk trinkt man hier ein hervorragendes Bier namens "Soproni", welches in der ungarischen Stadt Sopron gebraut wird. Der Soproni-Slogan lautet "Hozzánk tartozik!", darauf schreien alle gleichzeitig laut "Höz!" und erheben ihr Glas.

(6b) Gastronomie abseits des Tourismus. Bei unserem Abstecher nach Székesfehérvár kehrten wir in ein Lokal ein. Wir bestellten mit Händen und Füßen eine Grill-Platte für vier Personen und bekamen ein absurdes Gebirge aus Grillfleisch und natürlich Pommes, über das man sitzend nicht hinwegsehen konnte. Acht Eisenbieger hätten das nicht verdrücken können. Dazu floss das Soproni in Strömen. Die Rechnung war nicht der Rede wert.

(7) Teufelsgeiger. Jede "Paprika Csárda", die etwas auf sich hält, hat einen eigenen Teufelsgeiger. Es handelt sich hier um einen traditionell gewandeten Herrn, ein Meister der Violine. Anfangs, vor allem von den Damen geschätzt, spielt er traditionelle ungarische Weisen, weist aber schon hier während des Spiels mit phantastisch gelenkigen Augenbrauen darauf hin, dass er für seine Virtuosität gerne den einen oder anderen Geldschein (Währung: Forint) zugesteckt bekommen möchte. Ignorieren die Gäste das leichtsinnigerweise, beginnt der Maestro, den Spendenunwilligen exklusiv ins Ohr zu spielen. Dabei simuliert er in rasender Abfolge "quietschende Zugbremsen", "Rückkopplung eines Mikrofons", "Fingernägel auf Schiefertafel" und "Styopor an Styropor", wieder und wieder, das alles bei über 65 Dezibel. Der Virtuose unseres Stammlokals kam zu einigem Wohlstand in jenen Tagen.
Schon nach kurzer Zeit suchten wir gezielt nach Etablissements ohne erpresserisches Element.

Fazit. Wer einen an Anekdoten reichen Urlaub erleben möchte, der sollte in der Nachsaison an den Balaton fahren, es lohnt sich!


Dienstag, 10. Dezember 2013

Aachener Weihnachtsmarkt

Aachener Weihnachtsmarkt by Max Mayorov
Aachener Weihnachtsmarkt, a photo by Max Mayorov on Flickr.

Wer seiner Liebsten oder seinen Lieben zur allerbesinnlichsten Vor-Weihnachtszeit etwa ganz Besonderes bieten möchte, kommt um den Aachener Weihnachtsmarkt fast nicht herum.
Schalalalala--la--la-lala!!!
Hach!
Schon beim Eintreffen in Aachen fällt auf - Mannomann, die Parkhäuser sind ja ganz schön voll! Aber kaum hat man ein paar Runden gedreht, hat man einen Parkplatz. Beim Heraustreten aus dem Parkhaus steht man kurz etwas fassungslos vor dem Straßenschild "Henger Herrjotts Fott" (vornehm: Hinter dem Hinterteil des Heilands, Info), aber nicht rumgestanden, los geht's, wir sind ja nicht zum scheiß Spaß hier!
Am Rande des Weihnachtsmarktes kam uns ein Ehepaar entgegen, sie sahen etwas knittrig und aufgerieben aus, die Knitter-Madame lamentierte mit leiernder Stimme: "Isch hab de Stände gar nisch gesehen!"
Wir kicherten haltlos - was für Vollpfosten! - und stürzten uns ins Getümmel.

Das besagte Getümmel: alles ist schwarz von Menschen. Es wimmelt, schiebt, drängt. Jeder Schritt ist ein Schritt im frontalen Gegenverkehr einer Prozession, eines Martinszuges, man kann es nicht besser beschreiben. Man wird umwimmelt, geschoben, gedrängt. An Glühwein, Reibeplätzchen und gebrannte Mandeln stelle man sich in erkleckliche Schlangen, dann geht es weiter mit dem Wimmeln, Schieben, Drängen. Da man sich ständig entweder aufwändig gegen den Strom vorankämpft oder auch mal energiesparend mit dem Strom schwimmt, kommt man den Buden und Ständen des Weihnachtsmarktes nicht einmal nahe, weil sie sind Inseln im Strom, in dessen Mitte man strampelt oder dahintreibt. Keinen Schimmer, was die da feilbieten in den zusammengezimmerten Hütten außer Glühwein, Reibeplätzchen und gebrannten Mandeln!
Am Ende, nach Stunden, ist man erschöpft im Geiste und die Kledage ist irgendwie knittrig und aufgerieben.
Wir machen uns auf in Richtung Parkhaus.
"Ich habe die Stände gar nicht gesehen!", sagt jemand.
Wir kichern haltlos.
Wir ja auch nicht!

Aber irgendwie sind wir ganz beseelt, sind geradezu aufgeladen von fast schon ekstatischer, allerchristlichster Besinnlichkeit, dass uns der Moloch nicht verschlungen hat wie ein Stück Fettgebackenes.
Schalalalala--la--la-lala!!!
Hach!


Oder elegant auf den Punkt gebracht (Zitat): "Weihnachtsmärkte dienen dazu, unsere Vorstellungen vom Ablauf einer möglichen Zombie-Apokalypse zu konkretisieren", "@MannvomBalkon, Twitter


Mehr Weihnachtsmarkt: Blogbeitrag


Sonntag, 27. Oktober 2013

Der radfahrende Holländer als Massenphänomen

photo credit: via photopin (license)

Man nehme ein paar wie erratisch geführte Straßenzüge, formiere eine pittoreske Kleinstadt darum. Als Zentrum nehme man die VVV-Touristinfo, einen Albert-Heijn-Supermarkt, einen HEMA und einen Schnellimbiss, der Fritten mit Erdnuss-Sauce im Programm hat: Herz, was begehrst du mehr? (Info: Diese Infrastruktur ist bereits vollständig optimiert)
Dann addiert der Niederländer an sich allerdings aber noch Drempels (= »Bremsschwellen«), Kreisverkehre, Verkehrsinseln, abgesenkte Bordsteine, Schilder, Radspuren, Ampeln, eine absurde Anzahl an Zebrastreifen und vielfältigste, unnachvollziehbare Fahrbahnmarkierungen hinzu. Schon vom bloßen Anblick tränen einem die Augen. Dies alles ist jedoch nur die Leinwand: In dieses Szenario stürzt sich der Niederländer in großer Zahl mit dem *trommelwirbel* Holland-Rad (das mit Korb und bis zu zwei Kindern beladen ist). Nun addiere man noch die Autos, die in die bereits proppenvollen Kreisel drängen. Räder, Menschen, Abenteuer: Aus allen Himmelsrichtungen schieben sich die Radler auf die Kreuzungen, schwärmen aus, biegen ab, drehen ein paar Runden im Kreisverkehr. Der radfahrende Holländer als Massenphänomen (niemand trägt Helm) wimmelt nicht nur wie ein Makrelenschwarm, nein, wie zwei oder mehr Makrelenschwärme! Die Schwärme vereinigen sich oder durchdringen einander. Und noch immer funktioniert alles! Ich komme mit meinem Smart angefahren, versuche auf Radfahrer, Fußgänger an Zebrastreifen, erratische Fahrbahnmarkierungen, auf das Navi und die Kommentare der Beifahrerin zu achten. Doch obwohl meine Aktionen sich nach holländischen Maßstäben sicherlich im Spannungsfeld zwischen unbedacht und beherzt bewegen, hört man keine Fahrradglocke oder jemanden Grobes rufen. Nein, alle Holländer passen auf dich, auf sich und auch aufeinander auf, so dass man durch dieses sagenhafte Tohuwabohu hindurchgeleitet wird, quasi hindurchflutscht wie ein Neutrino durch Blei. Etwas, was in Deutschland zu Testosteron-Konflikten, Beschimpfungen, Stress und größeren Kontingenten schlechter Laune führen würde, das fällt in Holland nicht einmal auf!
Erwähnte ich schon, dass ich dieses Land und diese Leute/Mentalität liebe?

Nur manchmal, da kann man im Rückspiegel den gefürchteten Hollandrad-Tornado erblicken. Der entsteht unter ganz spezifischen physikalischen Bedingungen dann, wenn bei trockener Luft Hollandrad-Schwärme aus mindestens fünf Richtungen eine Art Sog oder Kreisel erzeugen. Das Ganze türmt sich dann wirbelnd und voll der statischen Elektrizität zu einem hunderte Meter hohen Hollandrad-Rüssel auf, schwarz, blitzzuckend und beängstigend. Da kann man dann froh sein, bereits in das nächste Kreisverkehrgewimmel eingetaucht zu sein.


Donnerstag, 25. Juli 2013

George [500. Blogbeitrag - Jubilate!!!]

http://goo.gl/SYYZDo
Das so called "Royal Baby" ist ja die Sensation des Sommer-Lochs. Wen interessiert schon ernstlich die systematische Ausspähung der Weltbürger durch NSA & Co.?
Sascha Lobo fasst diesen Umstand auf Twitter treffend zusammen:
"Google fotografiert bald Fassaden."
Volk: Apokalypse! Mindestens! –
"Ihr steht alle unter Totalüberwachung."
Volk: Oooh, ein Königsbaby.
Leute sind Idioten.
Und tatsächlich gibt es leider nichts lähmend Langweiligeres als anderer Leute Babys: Spucke, Kaka, scheeler Blick, zermürbendes Geschrei, wenn man Glück hat viel Schlaf. Wäre ein richtiger Mensch ein Buch, dann wäre ein Neugeborenes bestenfalls ein an drei Stellen unleserlich bekritzelter DIN-A6-Einkaufszettel.
Dieser schlichten Tatsache zum Trotz haben wochenlang Hilfs-Schergen der britischen Skandalpresse ebenso wie auch bucklige Untertanen vor dem St Mary's Hospital in Paddington ausgeharrt, in dem et Kate ihr Kindelein gebären sollte.
Dann war es endlich so weit: "Hochschwangere" (Gottogott) Kate rein ins Hospital, warten, warten, Stern von Bethlehem etc., etc., geschlechtsloses Kind da, ganz große Sache! Dann wurde das Geschlecht des Kindes bestimmt. La-la-la. Die Ausharrenden aßen drei bis vier Snickers - falls es mal wieder etwas länger dauert. Im Hospital wurde ein Geschlechtsbestimmungs-Dokument aufgesetzt, ratifiziert, gerollt, versiegelt, ein reitender Bote zum Buckingham-Palast geschickt, Füße abtreten, durch 450 Gangmeter laufen, wieder Füße abtreten, vor der Queen auf den Boden werfen, Dokument überreichen, warten. Die Queen legt urst huldvoll Zepter und Reichsapfel beiseite, nimmt das Pergament entgegen, bricht das Siegel, entrollt das Schreiben, liest, verharrt, begreift, zuletzt nickt sie. Der Bote verläßt mit 32 Kratzfüßen rückwärts den Audienzsaal, rennt durch 450 Gangmeter, springt auf seinen Nobelgaul, reitet zurück zum St Marys. Stau. Diverse rote Ampeln. Angekommen, abgespungen. Der Pöbel läuft zusammen, auf dem Boden rascheln Snickers-Papierchen wie Herbstlaub, die Menge umdrängt den Atemlosen.
"Es ist ein Junge!", haucht der Berittene.
Aufbrandender Jubel!
Später: "Tiefschwangere" Kate verläßt im Regen mit dem Winz-Tronfolger das Hospital.
Ganz, ganz, ganz großes Kino!!!
Nun leakte das Königshaus Tage später auch noch zu allem Überfluss den Namen des royalen Zwergen: George.
Herrgott!
Puh.
Genug des Wirbels um Prinz George. Von mir aus ist jetzt erst mal 16 bis 17 Jahre Sendepause. Und dann kann die "Sun" oder ein anderes Drecksblatt die britische Nation und die Welt darüber informieren, dass George, Gina & Lucy gleichzeitig miteinander im Bett waren.
Aber bitte erst dann.


P.S.: Ich möchte ernstlich die Wörter "Thron" und "Szepter" wieder so schreiben, wie ich es gelernt habe und nicht "Tron" (ist ein Disney-Film) und "Zepter" - bäh!