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Dienstag, 20. März 2018

ru24 History: Mit dem Auto in den Urlaub fahren (1981)

photo credit: tonylanciabeta Retro Cars  Retro Ford Magazine Track Day Brands Hatch 22nd July 2009  IMG_9411 via photopin (license)

Es begann bereits eine Woche vor Urlaubsbeginn. De Mutter ließ den Vatter die Koffer von ganz oben aus der Abstellkammer holen. „Die Koffer“ waren aus etwas rissigem Kunstleder und in den Farben Schlammbraun und Schwarz, zwei waren weinrot. Aufgrund ihres nur mäßigen Wiedererkennungswertes im Falle einer Flugreise waren sie an einigen Stellen mit roten, kreisrunden Fahrradreflektoren beklebt. Nun standen sie also geöffnet auf dem Boden als Schikanen im Wohnungsflur und Elternschlafzimmer herum und wurden von QM peu à peu und vor allem mit viel Seelenruhe befüllt: Hier mal ein paar T-Shirts, da ein paar Shorts, Rei in der Tube, Schlüpper, Nagelnecessaire, Pflaster usw. Die Katze namens „Katz“ inspizierte die Gepäckstücke ab jetzt regelmäßig und machte von Zeit zu Zeit ihre Nickerchen in ihnen. De Vatter wurde von QM abends turnusmäßig befragt, was er denn an Kledage in den Urlaub mitzunehmen gedenke. Doch diesem Thema stand er grundsätzlich unverständlich ablehnend gegenüber, so brach er jede Befragung ab, als reiche ihm allzeit die Kleidung, die er am Leib trug. Also packte QM für ihn seufzend lediglich ein wenig mit ein. Theoretisch hatte natürlich jeder von uns vier einen eigenen Koffer, aber praktisch hatten wir jeder nur knapp über einen halben Koffer und QM hatte derer zwei. Zusätzlich zu den Koffern sammelten sich noch eine mächtige Reisetasche aus vage ockerfarbenen Kunstleder, Mutters beige Handtasche, diverse Stoffbeutel mit Schuhen, Jacken und Kleinkram wie Kinder-Flugdrachen, der den Wohnungsflur mehr und mehr zusetzte wie eine von Plaque immer enger werdende Herzarterie.

Am Abreisetag holte der Vatter nach dem Frühstück den Wagen aus der Garage. Er wird bereits ein mulmiges Gefühl in der Magengrube gehabt haben, denn diese Hekatomben an Plunder würden nie und nimmer in den Wagen passen! Der frisch gewaschene, inspizierte, kreidegelbe Granada stand nun in der Einfahrt, alle vier Türen, Schiebedach und die Kofferraumklappe geöffnet und Vatter hastete schweigend und mit zusammengebissenen Zähnen von Wohnungstür zu Kofferraum, um ächzend die Polinten zu verstauen. Manchmal stand er sinnierend vor dem Ford, die Arme an den Handrücken in die Seiten gestemmt, dann wieder wischte er sich den Schweiß von der Stirn, nestelte nach der Packung Camel in seiner Hemdtasche und rauchte, oder begann, bereits Gepacktes kopfschüttelnd wieder auszuräumen. Währenddessen zauberte QM noch weiteres Reisegepäck aus Wohnzimmer, Abstellkammer oder Bad hervor, welches Vatters ohnehin hochfragile Kalkulationen am offenen Kofferraum grausam zunichtemachte. Die Stimmung war bis zuletzt immer sehr angespannt, bis letztendlich aller Plunder und die Fahrgäste verstaut waren.

Irgendwann war es so weit: Die Operation galt als gelungen, wenn der Kofferraumdeckel beim fünften Versuch tatsächlich zu ging. Wir Kinder saßen hinten auf der Rückbank, meist noch mit reichlich Gepäck und Kühltasche zwischen uns, den Fußraum vollgestellt, die Hutablage dermaßen vollgestopft, dass der Rückspiegel für die Dauer der Fahrt nur Deko sein würde. Endlich war es soweit: Von Radevormwald aus ging es häufig über Halver, Kierspe, Meinerzhagen auf die sogenannte „Sauerlandlinie“ (A45).
a) Bereits bis Meinerzhagen dauerte die Fahrt eine verdammte Ewigkeit!
b) Ich habe übrigens diese „Linie“, die ich mir immer wie eine auf die Landschaft aufgepinselte Äquatorlinie vorgestellt habe, nie zu Gesicht bekommen. Stattdessen gab es ausschließlich öde, endlos-selbstähnliche Autobahnkilometer. Was für ein erbärmlicher Etikettenschwindel. Kein Wunder, dass diese sogenannten Sauerländer so hießen!

„Sind wir bald da-haa?“, schrien die Kinder im Chor.
„Es ist schon da hinten!“, wies de Mutter auf einen imaginären Punkt irgendwo am Horizont.
De Vatter steckte sich erst mal eine an.
Ob QM eine Karte lesen konnte, habe ich nie erfahren. De Vater hatte wie ein Kranich ein eingebautes Navigationssystem, ich kann mich nicht erinnern, dass wir uns je verfahren hätten. Aber vielleicht ist genau das der Trick: Wenn man sich verfährt, einfach mal die Schnute halten.

Im Auto selbst gab es mehrere, sehr mächtige Faktoren: 1) Die Stimmung war schon per se angespannt, also nicht so dolle. 2) Mein kleiner Bruder Frank und ich waren fünf Jahre auseinander und keine Fans voneinander. Das gab ständig Streit um nichts aus dem Nichts. 3) Eine Anschnallpflicht auch „hinten“ gab es erst ab 1984, aber Muttern setzte diese bereits mit dem Auftauchen des ersten Gurtes an der Rückbank in den Jahren vorher rigoros durch — ade paradiesische Zustände! Die Gurte schnitten uns in den Hals, wären im Falle eines Unfalls Todesfallen gewesen und fixierten uns gleichzeitig in unseren Ecken wie Fliegen an einem Fliegenfänger. Sitzerhöhung, Kindersitze oder Gurtpolster waren damals noch Science Fiction. 4) De Vatter, ein passionierter Raucher, quarzte sich während einer Tagesfahrt gut & gerne mal seine 50 bis 60 Kippen „Camel ohne Filter“ weg. QM verinhalierte in der gleichen Zeit vier „Lord Extra“. 5) Queen Mom, die obwohl sie ein Halstuch trug, ständig Zug im Nacken bekam, verbot aufgrund dessen das Öffnen von Seitenfenstern, Ausstellfenstern und Schiebedach — auch nur einen Spalt breit — vollständig für die Dauer der gesamten Fahrt.

„Sind wir bald da-haa?“, schrien die Kinder im Chor.
„Es ist schon da hinten!“, wies de Mutter auf einen imaginären Punkt irgendwo am Horizont.
De Vatter steckte sich erst mal eine an.

Wenn wir Kinder also nicht gerade wegen nichts oder irgendeinem Scheiß stritten, gerieten wir aufgrund des Zigarettenrauchs mangels Lüftung regelmäßig in toxische Todeszonen, die unsere Körper mit reichlich Übelkeit konterten. Was hatte ich als kleines Kind gekotzt wie ein Reiher! Aber jetzt wurde uns wenigstens nur noch übel. Meine Mutter, die lebenslang keinerlei Zusammenhang sah zwischen Rauch und Kinder-Übelkeit, empfahl uns allzeit sehr eindringlich, während der Autofahrt „immer schön nach vorne auf die Straße zu schauen“. Es gibt, glaube ich, bis heute, kaum etwas Langweiligeres als diese endlosen Autobahnkilometer! Aber trotzdem blinzelten wir, der Empfehlung folgend, stundenlang mit tränenden, zusammengekniffenen Augen durch den Smog nach vorne, wo seinerzeit noch große Mengen Insekten auf der Windschutzscheibe zerplatzten und ihren semitransparenten Schleier des Todes hinterließen.

Dann endlich Mittagszeit, ein Rastplatz! Der Wagen wurde randvoll mit dem guten Super verbleit betankt, dann ein Tisch mit Bänken gesucht und die Kühltasche aus dem Auto gewuchtet. Von orangefarbenen Papptellern spachtelten wir neben dem knackend auskühlenden Wagen Mutters Kartoffelsalat mit am Abend zuvor gebratenen Frikadellen! Meine Güte, das entschädigte für Vieles!

Die Fahrt in den Urlaub in Richtung war für uns Kinder endlos, lähmend, toxisch! Aber Meer, Sand und Sonne (alternativ: Berge, Almen & Bauernhof — „Ich will Kühe!“) entschädigten dann auf der Stelle für alles.

In der Regel hatten wir einen Bungalow mit Küche und Muttern bekochte uns jeden Tag mit aus der Heimat mitgebrachten Lebensmitteln, die dann immer aus lokalen Supermärkten wieder aufgefüllt wurden. Umso aufregender, wenn wir mal ein Restaurant aufsuchten! Essen zu gehen war so exotisch für uns Kinder, dass ich bei jeder sich bietenden Gelegenheit reflexartig Wiener Schnitzel mit Pommes frites bestellte.

Klassischen Sonnen- bzw. Strandurlaub gab es bei uns so gut wie nicht. Selbst bei hochsommerlichen Temperaturen machten wir sehr häufig Touren, besuchten Sehenswürdigkeiten, de Vatter machte die Fotos dazu. Schon aus Frack trug er den ganzen Urlaub lang mehr oder weniger ein und dieselbe verblichene Jeans-Shorts mit selbst abgeschnittenen Beinen — er hatte ja auch nicht viel. De Mutter wechselte ihre Kleidung ständig, denn hier konnte jemand aus den Vollen schöpfen.

An Strandtagen bekamen wir ein- bis zweimal täglich eine Ganzkörpereinreibung mit einer Sonnenmilch mit damals als „hoch“ geltenden Lichtschutzfaktor 16 und gut war. De Vatter, der dem Thema „Sonnenschutz“ grundsätzlich eigenartig ablehnend gegenüberstand, verweigere sich trotz Halbglatze völlig und sah dafür wochenlang aus wie ein Spanferkel auf dem Grill — inklusive Kruste.

Aber auch der schönste Urlaub geht einmal zu Ende. Nun stand uns Kindern wieder die endlose, lähmende, toxische Rückfahrt ins Haus. Ausufernde deutsche Autobahnbaustellen mit rhythmisch blinkenden, gelben Lichtern machten aus der späten Heimkehr oft eine Stau-Nacht mit hypnotischer Lichtshow, als deren Zentrum man sich selbst wähnte.

„Siegen!“ (alternativ: „Gießen!“), knurrte de Vatter, der seit 18 Stunden hinter dem Steuer saß.
„Sind wir bald da-haa?“, schrien die Kinder im Chor.
„Es ist schon da hinten!“, wies de Mutter auf einen imaginären Punkt irgendwo am Horizont.
De Vatter steckte sich erst mal eine an.
Wir Kinder schliefen irgendwann ein.


Gottlob flogen wir auch häufig in Urlaub. Aber selbstverständlich saßen wir da im Raucherabteil des Fliegers — wir kleinen Vögel wären sonst noch völlig entwöhnt worden oder hätten Hubba-Bubba-Nikotinkaugummis kauen müssen.


Freitag, 19. August 2016

ru24 History: COLMADO STOP (1972)

photo credit: Violet in the Supermarket I via photopin (license)
In den frühen 70ern sind meine Eltern mit mir/uns einige Male nach Alicante, Costa Blanca, Spanien in Urlaub gefahren. Wir waren eingemietet in einem dreistöckigen Haus direkt am Strand. Als Kleinkind habe ich hier am Wasser laufen gelernt, später auch mein 1972 eintreffender Bruder. Schräg rechts gegenüber an der baumgesäumten Straße gab es einen winzigen Supermarkt namens "COLMADO STOP" (Colmado bedeutet Lebensmittelgeschäft). Im Eingangsbereich hingen handgefertigte Besen und allerlei buntes Badezubehör wie Flip-Flops, Luftmatratzen und Strandmatten. Im Inneren türmten sich die Waren bis an die Decke, die Salami in der Fleischtheke hatte rot-neonfarbene Fettaugen und die Milchbrötchen ("pan de leche") schmeckten nach nichts Vergleichbarem auf der Welt, aber keinesfalls "sanft nach Hefe". Das wirklich Besondere an dem Supermarkt war der Geruch. Es war eine betäubend starke, schroffe Mischung aus Mottenkugeln und Reinigungsmitteln, den Ausdünstungen von Sonnenmilch, Pflegeprodukten und Zimt. Der Geruch des COLMADO STOP hat mich als Kind echt geflasht!

Gestern morgen habe ich diesen Geruch nach über 40 Jahren zum ersten Mal wieder gerochen. Die uns im Büro unterstützende Studentin trug als Parfum das rote "Insolence" von Guerlain -- Respekt!
Ich bin völlig begeistert, dass es diese Geruchskonserve aus meiner frühen Kindheit noch gibt!


Schöner SPON-Artikel zu "Frühstück in Spanien": Link 


Donnerstag, 28. April 2016

Unglaublich leise

photo credit: Apple harvest via photopin (license)
Im Kalifornien-Urlaub wohnten wir alle paar Tage verschiedenenorts in ganz unterschiedlichen AirBnB-Unterkünften, einmal auch für zwei Nächte im "Hummingbird Cottage" (Link) auf einem Bio-Bauernhof.
Mit dem Honda-Mietwagen kehrten wir am zweiten Abend erst nach Einbruch der Dunkelheit wieder heim und hatten auf der kurvigen, waldbestandenen Straße etwas Mühe, die richtige Toreinfahrt zu finden.
"Pass auf, dass dir kein Reh vors Auto läuft", sagte meine Frau.
Exakt in diesem Augenblick lief von rechts ein Stück lokales Damwild (Paarhufer) über die Straße, welches sich nur knapp unbeschadet ins Unterholz trollte.
Brems!
Puls!
Endlich an der Toreinfahrt angekommen, mussten wir mit heruntergedrehter Scheibe einen Code in ein Tastenfeld eingeben. Das Tor öffnete sich lautlos.
"Das ist hier ein Bio-Bauernhof, die sind schon alle im Bett, du musst sehr leise sein", flüsterte meine Frau. Ich berührte das Gas kaum. Der Automatikwagen rollte lautlos wie ein Geist über das weitläufige Gelände.
Wir parkten, stiegen aus, drückten die Türen zu, wir waren so!! unglaublich!! leise!!
"...", wisperte meine Frau unhörbar.
"??", signalisierte ich.
Sie deutete in der Finsternis auf den Kofferraum, da hatten wir noch die Einkäufe vom Tage.
Es gab für den Kofferraum eine Taste auf dem Funkschlüssel des Wagens, wenn es nur nicht so dunkel gewesen wäre wie im Gesäß eines BIO-Huhns!
Ich probierte mal eine der unteren Tasten.
MÖÖÖP!!! MÖÖÖP!!! MÖÖÖP!!! MÖÖÖP!!!
Great!
Ich hatte den "Panic-Button" erwischt (völlig normal auf einem amerikanischen Funkschlüssel).

Tags drauf gabs im gesamten Umkreis nur saure BIO-Milch.


Sonntag, 24. April 2016

ru24 Special: KALIFORNIEN, USA (von a bis z)

San Diego Sunset

Auto: Als Auto gilt in Kalifornien etwas, in das man über einen Trittstufe einsteigen muss. Ein Pickup oder Riesen-SUV sollte es schon sein. Als Kleinstwagen und Einsteigermodell gilt z.B. der in die Jahre gekommene "Isuzu Trooper" (Bild), gefolgt vom Ford F-150 (Bild), die unbestrittenen Herren der Straße sind die Dodge RAM 3500 V8 Heavy Duty Pickup Trucks mit Doppelreifen hinten (Bild). Am besten, eine Familie hat einen Riesen-SUV und einen oder mehrere Riesen-Pickups, man weiß ja nie. Ja, es gibt auch "normale" Autos in Kalifornien (meist japanische Mittelklasse), ein (1) Enthusiast aus Long Beach fährt sogar Golf und es wurden insgesamt gar drei (3) Smarts gesichtet, aber das ist nur mikrobisches Plankton auf Straßen, die von Walen dominiert werden.
Hammer: Was man in sunny California so gut wie nie sieht -- und das hat mich echt geflasht --, das sind Cabrios. Aber vielleicht sind 25° C (77° F) dem Kalifornier an sich einfach noch nicht warm genug, sodass er noch mit seinem Winter-SUV herumgurkt.

COSTCO: Vergleichbar mit unserer METRO findet man hier die Lebensmittel, mit denen man die riesigen amerikanischen Kühl-Gefrierkombinationen endlich einmal voll bekommt! Die 3-Pfund-Packung (1,36 kg) Philadelphia Frischkäse, Skippy Erdnussbutter gibt es gleich nur im Doppelpack zu 2,72 kg, Chipstüten groß wie Rotband-Säcke. Hier bersten die (Kühl-)Regale voller bizarrer Convenience-Produkte wie etwa backfrische Lasagne zu 3 kg und megalomanische verzehrfertige Eiscremetorten. Wozu zu Hause noch den Kochlöffel schwingen? Auch kann man hier kiloweise fertige Schnittchen kaufen. Natürlich soll die Gesundheit nicht zu kurz kommen, dafür gibt es hier auch einzelne, in Scheiben vorgeschnittene, ungeschälte Äpfel, die des Erwerbs harren -- you know: An apple a day keeps the doctor away.
In Anbetracht all dieser Pracht ist das hier gehandelte Toilettenpapier etwa 3 cm breiter als normal, ich finde, es steckt irgendwie System dahinter.

Coupons: Der Kassenbon an der Supermarktkasse ist locker ein Yard zwei Fuß lang (ca. 1,5 m, siehe Einheiten). Das liegt nicht am Megaeinkauf, sondern an den Coupons, die man noch aufgedruckt bekommt: 15% auf einen Artikel der Wahl bis zu dem und dem Datum, 30% auf KELLOGS Mumble Crumble oder 10% auf den gesamten Einkauf, wenn der über einem gewissen Betrag liegt oder man bekommt zwei Packungen COLGATE Ultra umsonst dazu etc. Diese Coupons kommen auch per Postwurfsendung ins Haus und sind auch im Internet zu finden, selbstredend auch über Handyapp. Wer jetzt ein Fuchs ist, sammelt die Coupons in dicken Ordnern und tüftelt darüber, wie man die wohl am heilsbringendsten zusammen mit einer PAYBACK-Karte und Lufthansa Miles & More kombiniert bekommt. Die Schlauberger sparen signifikant, indem sie Zeit & Hirnschmalz investieren, die, die einfach nur einkaufen wollen, zahlen eben drauf.

Deutscher sein in Kalifornien: Die Leute sprechen einen an, weil sie hören, dass man Deutsch spricht, dann erzählen sie, dass sie mal in Deutschland (Rammstein) stationiert waren oder zu Besuch waren (Hamburg, München) oder immer schon mal nach Deutschland fahren wollten (Oktoberfest). Dabei geben Sie auch sofort ihren kompletten Wortschatz preis: "Ghouten dak -- ahouf videasayn!" Wenn das geklärt ist, erklären sie einem, wo wir als Deutsche nun unbedingt hingehen müssen, um hoch authentische german "Bratz & Kraut" (Bratwurst & Sauerkraut) sowie "Heffe-why-cyn" (Hefeweizen) zu beziehen. Als seien wir ohne unsere German Products in California auf der Stelle auf cold turkey.

Einheiten: Sämtliche Einheiten sind hier über den Daumen eher "Harry Potter" als logisch-metrisch.
Länge: Eine Meile (entspricht 1,6 km, sie) unterteilt sich in 1.760 Yards (WTF?)  zu je 3 Fuß (uh?) zu je 12 Zoll (OMG!) -- ernstlich.
Temperatur wird in Fahrenheit gemessen, wobei Wasser bei 32° F gefriert und bei 212° F kocht -- ernstlich.
Flüssigkeiten: 1 gallon (= 3,79 l) entspricht 8 Pints (pt., 0,55 l) zu je 4 gill. o_O
Reifenluftdruck erfreut sich der Maßeinheit "Pound-force per square inch", das Drehmoment bei Autos wird übrigens in Foot-pound (Pfundfuß) angegeben *kicher*. "Pfundfuß" ist zurzeit mein neues Lieblingswort!

Erdbeben sind in Kalifornien so häufig, wie sich im Bergischen Land jemand über das Wetter beschwert. Allerdings haben die meisten Beben einen Stärke um die 2,0, sodass man gar nichts merkt. Dass eines Tages "The Big One" kommen wird, ist hier jedem klar. Das kann morgen sein oder erst in 100 Jahren. Also macht man weiter wie gewohnt.

Freundlichkeit: Ernstlich nahezu alle Kalifornier, denen ich begegnet bin, hatten ein sehr sonniges Gemüt, fast jeder freute sich über "die Deutschen". Die einzigen Ausnahmen waren ein arg mürrischer avocadohandelnder Mexikaner am Straßenrand, der in seinem Fernseher im Verkaufsstand lieber die neueste Folge von "Sturm der Leidenschaft" sehen wollte, als Früchte zu verkaufen und ein Gift & Galle spuckender Obdachloser in San Francisco, dessen Polinten ständig von seinem Karren fielen, wofür er uns Passanten die Schuld gab, sicher, sicher. Später saß Freund Sonne zu unserer großen Begeisterung mit uns im Bus nach Haight-Ashbury und monologisierte ein endloses aber nicht unrythmisches "SHITFUCKSHITSHITSHITFUCK".

Gastronomie: McDonald's, Burger King oder KFC sind hier eher die Ausnahme, ich habe kaum einen der drei Vorgenannten zu Gesicht bekommen. Dafür gibt es IHOP (International House of Pancakes), In and Out-Burger, die Bubba Gump Shrimp Company und viele Dutzend weitere spannende Läden mehr. Die Portionen sind riesig, die Preise moderat und Service wird überall RIESENGROSS geschrieben. Zum Essen bekommt man fast immer noch Tütchen mit Chips oder Cracker dazu (z.B. zur Clam-Chowder = Muschelsuppe noch bizarre Oyster-Cracker) -- warum auch immer. Kaffee und Softdrinks bekommt man bis zum Abwinken kostenlos nachgeschenkt und was man von seinem Essen nicht schafft, kann man in einen Doggy Bag mit nach Hause nehmen.
Das Bestellen des Essens ist allerdings wie bei Subway (Blogbeiträge) eine Herausforderung: Man bekommt grundsätzlich zu seiner Wahl noch ein halbes Dutzend bizarrer Wahlmöglichkeiten unterbreitet (immer genuschelt), die kleinen Nuschelmuscheln.

Geld: Münzen: 1 Cent „Penny“ (Durchmesser 19,05 mm), 5 Cents „Nickel“ (21,21 mm), 10 Cents „Dime“ (17,91 mm), 25 Cents „Quarter“ (24,26 mm), 50 Cents „Half dollar“ (30,61 mm), 1 Dollar „Buck“ (26,50 mm) -- die Größen gehen also bei aufsteigendem Wert auf-ab-auf-auf-ab -- am besten man legt der Kassiererin einfach sein gesamtes Kleingeld hin und lässt die Profis ran.
Scheine: 1, 2, 5, 10, 20, 50, 100 -- sie sind alle gleich groß und haben in etwa die gleiche Farbe. Also muss man sie ständig sortieren, idealerweise nicht in aller Öffentlichkeit, sonst finden sich schnell "interessierte Individuen".
Am besten, man zahlt einfach alles mit Karte, wie die Einheimischen.

Highway: Alle Spuren sind gleichberechtigt. Da das Tempolimit von 55 mph für alle gilt und Temposünder sogar vom Hubschrauber aus erfasst werden, halten sich alle recht schön brav daran. Wenn man sich daran gewöhnt hat, dass man bei Spurwechseln nach rechts auch immer einen Schulterblick machen muss, läuft es sehr gut. Dann kann man fahren und fahren, eine Tankstelle direkt am Highway gibt es nicht, man muss abfahren zum Tanken. Die Ausfahrten zeigen an "no service", wenn keine Tanke in der Nähe ist. Manchmal kommt länger nichts. Dann fährt man mit fast leerem Tank ab und dann sind da plötzlich vier Tanken -- eine an jeder Ecke der Kreuzung. o_O

Homeless: Man sieht viele Obdachlose in Kalifornien, je nachdem, wie stark die lokale Polizei sie aus dem Stadtgebiet vertreibt -- zuweilen bis an die Ränder der Highway-Auffahrten, für die dann wohl der Staat verantwortlich ist. In San Francisco scheint das SFPD generell Besseres zu tun zu haben, als Penner herumzuschubsen. Hier gehören sie einfach zum Stadtbild, ebenso wie die mit Passbild-Lanyards versehenen Businesskasper. In San Diego, der an Mexiko grenzenden Küstenstadt, kann man sich überhaupt nicht entscheiden, ob es sich dem einen oder anderen Gammelvogel um einen skatenden Hippie, runtergerockten Surf-Hobo oder doch um einen arg derangierten Hipster mit Pappunterkunft handelt. Egal, tiefenentspannt sind die San Diego-Dudes allesamt.

kcal: Während Lebensmittelpackungen immer und ausschließlich nur Kalorienangaben "pro Portion" z.B. "277 kcal à 44 g" aufgedruckt bekommen (was die Schergen der Lebensmittelindistrie freuen wird), hat man die Restaurants & Fastfoodketten dazu verdonnert, Kalorienangaben zu ihren Getränken und Gerichten dazuzuschreiben. Das war für McDonald's, Starbucks & Co. sicherlich genau so ein Schock wie für die Kunden, die sich arglos am Morgen ihren "Iced Caramel Macchiato" in Größe "Venti" mit Vollmilch abholten, der plötzlich auf stolze 1.017 kcal kommt. Es ist ernüchternd, wenn man begreift, dass man soeben weit über 1/3 der empfohlen Tageskalorienmenge als Morgenkaffee hatte.

Los Angeles: Die Sehenswürdigkeit überhaupt ist das Getty Museum. Das Hollywood-Schild wird von der Polizei 24/7 bewacht und das Gelände rund ums Schild darf nirgends betreten werden, es ist überhaupt nur von bestimmten Stellen aus zu sehen. Doch das Beste an LA ist: Wenn man mal da war, kann man später bei TV-Serien wie Bosch, Flaked & Co. (Liste) und bei Filmen ununterbrochen wie ein Wackeldackel weise nicken und sagen: Da drüben habe ich mir die Schuhe zugebunden und da drüben hatten wir diese riesigen, ekligen Zwiebelringe!

Natur: Ich bin niemals zuvor in meinem Leben an einem Fleck der Welt gewesen, der von Sonne & Natur dermaßen gesegnet war wie dieser. Hier wachsen Dukatenbäumchen als Hecke und die Vorgärten explodieren geradezu vor Grün. Kolibris schwirren umher (insgesamt 600 Vogelarten), geradezu über-exotisch wurde es, als ein Truthahngeier versuchte, vor unserem Auto einen Roadkill von der Straße zu befördern. Seehunde und Seelöwen liegen an den Piers und auf Bojen herum, ganze Schulen Delphine (ja, die Sorte mit 'ph') schwimmen mit dem Schiff mit, überall gibt es Eichhörnchen, Eidechsen, Damwild, Monarch-Schmetterlinge. Wow!!
Der 17-mile-drive ist die vielleicht schönste Küstenstrecke der Welt, sobald man aussteigt riecht es nach Zypressen, Kiefern, Blumen und Meer, es ist unbeschreiblich.

Balboa Park, San Diego

San Diego: ist ein Surfer-Paradies. Das "Gaslamp Quarter" von SD ist völlig uninteressant, sagenhaft sind die kleinen Häuschen, schrammeligen Läden und wackeligen Bars in Ocean Beach. Die Straße bis runter zum langen Pier ist palmengesäumt (Bild oben). Ein Sonnenuntergang hier ist die Wucht in Tüten für alle Grasraucher, von denen es in SD nicht zu wenig gibt. Der Balboa Park ist einer der schönsten und aufwendigsten Parks, die ich je gesehen habe. Der Kaktusgarten rockt. Die gepflegten Rasenflächen darf man betreten und laden zum Dösen & Picknick ein. Der Park hat duchgehend kostenloses WLAN und eine eigene App, mittels der man nach allen Angeboten suchen kann, auch nach Toiletten.
Der beste Mexikaner bei dem wir je gegessen haben, ist Ortegas Cochina (Webseite).
Durch die hohe Dude-Dichte der Stadt sind die Supermärkte dazu übergegangen, elektronische Wegfahrsperren in ihre Einkaufswagen einzubauen, damit diese das Grundstück nicht verlassen und als Pennermobil enden.

San Francisco: Wenn man nicht dort war, glaubt man kaum, wie steil die Straßen einer Stadt sein können. Ich habe mich vor Ort gefragt, wer ernstlich auf die Idee kam, hier zu siedeln: Das war völlig verrückt, vor allem mit Kutschen und Pferden! Mit dem Cable Car, welches ausschließlich nur noch Touristen nutzen, sollte man wirklich ganz unbedingt fahren! An der ersten Station wimmelt es von Touris, man sollte ab der zweiten Station einsteigen und sich so etwa eine halbe Stunde Anstehen sparen. Die Fahrt (7,00 $) sollte man außen am Cable Car stehend bis Fishermans Wharf genießen. Dann schnell ein paar Fotos vom Fishermans Wharf-Logo mit Krebs und dann sollte man die Beine in die Hand nehmen, denn das Areal ist touristisch völlig übererschlossen, um es vorsichtig auszudrücken. Es lohnt, beim Rückweg mit dem Cable Car in China Town auszusteigen und man sollte mit dem Bus nach Haight-Ashbury fahren.
Tipp: In Berkeley wohnen und mit der BART-Bahn nach SF fahren, denn dort werden Parkplätze mit Gold aufgewogen. Außerdem kenne ich persönlich eine Person in meiner alten Heimatstadt, die seit dem Autofahren in SF eine Angststörung betreffs steiler Straßen hat.

Starbucks: Wer mal schnell Pipi muss und auch ins WLAN möchte, der ist bei Starbucks USA an der richtigen Adresse, denn hier gibt es immer Beides -- und auf 500 Metern gibt es manchmal drei Filialen, kein Witz (es gibt 13.000 Filialen insgesamt in den USA). Bestellen sollte man sich dann dort ganz unbedingt einen ganz normalen Filterkaffee. Erst einmal bekommt man den ohne großes Gemansche & Gepansche sofort ausgehändigt, spart hunderte kcal und das Teil ist im Gegensatz zu den anderen "Kaffe-Kreationen" bezahlbar dazu (hier die ganze kcal-Liste: Link).
Wieder zu Hause in good old Germany gilt dann wieder: "Freunde lassen Freunde nicht zu Starbucks gehen".

Tanken: Eine amerikanische Zapfsäule hat optisch eher etwas von einem Geldspielautomaten. Tanken geht nur auf Vorkasse. Die Zapfsäulen akzeptieren zwar Kreditkarten, aber sie wollen einen ZIP-Code dazu, der einer amerikanischen Postleitzahl entspricht. Man geht also zum Kassenhäuschen, zahlt vorab 40,00 $ auf die Säule Nummer 6, geht zum Auto zurück, drückt die Taste für den Sprit, den man möchte (hier gibt es alles aus einem Rüssel), tankt. Passen nur 37,22 $ in den Tank, geht man wieder zum Häuschen zurück und bekommt die restlichen 2,78 $ wieder auf die Karte gutgeschrieben. Das klingt umständlich und das ist es auch.

Toiletten: In Deutschland ist man gewohnt, dass, wenn der Laden Sitzplätze hat, dann gibt es dort in der Regel auch eine Kundentoilette. Das ist hier nicht so. Kleinere Donut-Schuppen usw. haben oft ein "No Restrooms"-Schild. Die übrigen Läden (siehe "Starbucks"), egal wie groß, begnügen sich sehr häufig mit einer (1) einzigen Unisex-Toilette, sodass es durchaus länger dauern kann, bis man die mal unbesetzt erwischt. Im IHOP in Bakersfield hatte ich 6x hintereinander kein Glück, dann wollte ich nicht mehr müssen. Dafür, dass die Meisten nur eine einzige Toilette haben, ist diese überraschend sauber.

Touristen: Wähle eine zufällige Küstenstadt Nordamerikas, wähle einen zufälligen Tisch in einem zufälligen Restaurant in einer beliebigen Seitenstraße -- und es werden Deutsche am Nebentisch sitzen. Wir haben das geschafft. Mehrfach. Während sich Serben und Brasilianer in dieser Situation gegebenenfalls weinend in die Arme fallen, wenn sie sich zufällig z.B. am Südpol begegnen, so "soll [es] ja als typisch deutsch gelten, es als unangenehm zu empfinden, beim Individualtourismus auf Landsleute zu treffen." (Tina Kupke, Facebook)
Ja. Isso.

Uggs: Bei 25° C geht dem Deutschen an sich das Herz endgültig auf. Sommer, Sonne, Sonnenschein, Palmen galore!! Vor Ort stapfen die vielbesungenen california Girls dann aber immer noch gerne mit Uggs herum, weil die lokalen Damen anscheinend echt andere Temperaturen gewöhnt sind, als läppische 77° Fahrenheit. Gut, dass wir vor diesen Temperaturen wieder weg waren.

Verkehrsregeln: An der roten Ampel darf man rechts abbiegen, wenn man schön aufpasst und es nicht ausdrücklich untersagt ist. Doppelt durchgezogene Linien gelten nicht, wenn man über sie in eine Einfahrt abbiegt oder aus einer kommt. Am Stoppschild hält man nur mal gerade eben so an. Wer an einer 4er-Stopp-Kreuzung als erstes ankommt, darf als Erstes weiterfahren. Auf der Autobahn ist rechts überholen genau so normal wie links überholen. Tempolimits liegen immer bei 25/35/45/55 Meilen die Stunde. Und so. Ist man selbst entspannt, sind die Anderen es auch.
Hat man sich endlich daran gewöhnt, reist man wieder ab.

Weber-Grill: Wer in der neuen Welt etwas auf sich hält, hat einen Weber-Grill und einen Weber Barbecue-Smoker im Backyard stehen und besucht thematisch passende Abendschulkurse dazu, z.B., wie man so allerlei, z.B. Quarkbällchen, auf den Punkt grillt.
"Im Jahr 1952 erfand George Stephen den ersten Kugelgrill, indem er die Unterseiten zweier Bojen zu einem Grill mit Deckel umfunktionierte. ... Bis zur Erfindung und Etablierung des Kugelgrills waren in Nordamerika hauptsächlich Grills aus Ziegelstein üblich, die fest installiert waren." (Wikipedia) Der Firmensitz von Weber-Stephen Products LLC ist in Palatine, Illinois, USA.

Weinproben: Das "Wine Country ist eine Weinbauregion in Nordkalifornien. Sie liegt nördlich von San Francisco und besteht aus über 400, überwiegend in Sonoma County und Napa County angesiedelten Weingütern. Zu den bekanntesten Weinbaugebieten der Region gehören Napa Valley, Sonoma Valley (...) und Russian River Valley." (Wikipedia) Wer in der malerischen Ecke allerdings gerne an einer Weinprobe teilnehmen möchte, sollte viel Sonne im Herzen tragen, da die "wine tastings" zwischen 10.00 Uhr morgens und 17.00 Uhr am Nachmittag stattfinden -- vielleicht, um lange ausschlafende Alkoholiker auszusperren. Leider waren wir zu diesen Zeiten anderweitig beschäftigt.

Zwiebelringe: In Kalifornien sind die Zwiebelringe so groß, dass ein Baby sie als Stirnreif tragen könnte. Wo auf diesem Planeten gibt es solche Zwiebeln? Und nimmt man nur den Äquator dieser Riesenzwiebeln dafür? Rätselhaft!

Riesenzwiebelringe und Crackertütchen

Dienstag, 5. Mai 2015

ru History 55: Stayin' alive bei Musik-Pluralismus (1989)

photo credit: Sony Walkman: It's Alive! via photopin (license)

1989 sind wir mit dem erweiterten Freundeskreis zur Insel Texel gefahren. In dem Bungalow gab es einen zuerst überfüllten, aber immer bereits nach wenigen Minuten leergefegten Kühlschrank (Bemerkung: "Wir sind ja auch zu neunt!"), eine Anrichte, auf der sich eine Tsunami-Welle benutzten Geschirrs stapelte und einen (1) Stereo-Kassettenrecorder.
Jeder von uns hatte seine Musik-Kassetten dabei:
Frank hörte Soft-Soul und "Grand Prix"-Chansons.
Michael hörte Indie Rock.
Claudia hörte tendenziell Rock.
Sandra hörte Stevie Wonder.
Ich hörte Jean Michel Jarre.
Lutz hörte Pink Floyd.
Diana hörte Charts (Roxette & Co.).
Marc und Uli hörten Spandau Ballet.
Sobald Frank seine Kassette mit den grausamen Schnulzen des vergangenen "Grand Prix de l'eurovision de la chanson" einlegte, rollten alle-minus-einer mit den Ausgen, mindestens fünf der Anwesenden steckten sich symbolisch einen Finger in den Hals, nach 1,73 Liedern wurde der Versuch abgebrochen. Sandra schlich heran und von da an verseuchte Stevie Wonder mit "Isn't she lovely" den Raum. Die Anzahl der Finger stieg auf sieben, einer machte Ritz-Zeichen am Handgelenk. Das Lied gehört für mich noch heute zu den großen Folter-Klassikern. Meine Kassette "Equinoxe" lief leider auch nur wenige Minuten, unter lautem Muhen und Mähen wurde sie gegen Pink Floyd ausgetauscht, was von 80% der Anwesenden leider nur für eine Weile zu ertragen war, usw. ...
Plötzlich und unerwartet war es still auf der Bude.
Alle staunten und starrten.
Frank hatte den Stecker gezogen.
Er bekam 16 Augenbrauen.
Dann sagte er den bedeutendsten, später noch oft zitierten Satz des gesamten Urlaubs:
"Ich glaube kaum, dass 'keine Musik' auf mehr Widerstand stoßen wird, als irgendeine!"
Das haben wir alle spontan eingesehen.
Die Musik blieb aus oder wurde via Walkmen konsumiert.


Sonntag, 26. April 2015

ru History 54: Aufzucht und Pflege von Kindern im Bergischen Land (70er / 80er)

Originalfoto


Essen & Trinken

Kaum konnte ich zum Ende der Sechzigerjahre feste Nahrung zu mir nehmen, bekam ich Gemüse und Kartoffeln zu essen. Manchmal auch Kartoffeln mit Gemüse. Bereits mit drei brüllte ich wie aus der Spielzeugpistole geschossen: "SPINAT UND MÖHREN!!!", wenn mich jemand fragte, was ich zu Hause zu essen bekommen hatte. Die Antwort stimmte aber hoch wahrscheinlich nur zu 50%.
Großgezogen wurde ich mit Schnippelbohnen, Kohl, Möhren, Grünkohl, Wirsing, Rübstiel, Rüben, Sauerkraut und Zucchini -- allesamt mit Kartoffeln gestampft. Ausnahmsweise (aber auch nicht immer) ungestampft gab es Blumenkohl, Rosenkohl, Kohlrabi und Spinat. Zum Essen dazu gab es geräucherte Bratwurst, DAS Grundnahrungsmittel des Bergischen Landes.
Noch heute stehe ich Mahlzeiten, die ungleich "Eintopf" sind, eher skeptisch gegenüber.
Mein Bruder, der Anfang der Siebzigerjahre das Licht der Welt erblickte, war eher ein "Nudelkind". Er hat sehr gelitten.

Freizeit (indoor)
LEGO ging immer. Und LEGO.
Anders als heute war ausufernder Fernsehkonsum in den 70ern und 80ern noch nicht schädlich für Kinder: es zählte tatsächlich nur, dass die Erwachsenen die Kinder "vonne Füße" hatten. Weil es nur drei Programme ARD, ZDF, WDR gab, habe ich vorsichtshalber einfach ALLES geschaut: Augsburger Puppenkiste, Barbapapa, Black Beauty, Bonanza, Captain Future, Catweazle, Das Haus am Eaton Place, Die dreibeinigen Herrscher, Enterprise, Fünf Freunde, Hart aber herzlich, Lemmy und die Schmöker, Pan Tau, Rappelkiste, Rauchende Colts, Raumschiff Enterprise, Thimm Thaler, Trickfilmzeit mit Adelheid, Trio mit vier Fäusten, Die Strandpiraten, Wickie, die Wombels.
Die später angeschaffte Atari-Konsole 2600 (Bild) war eine harte Konkurrenz für das TV, allen voran Pac-Man, Space Invaders und Dig Dug -- hell yeah!

Freizeit (outdoor)
Anders als heute war es in den 70ern und 80ern keinesfalls lebensgefährlich für Kinder, in Wald, Feld & Stadt herumzustromern, es zählte tatsächlich nur, dass die Erwachsenen die Kinder "vonne Füße" hatten. Ausgestattet lediglich mit einer Tetanus-Schutzimpfung und einem Immunsystem zogen wir um die Häuser. Bandenbildung war möglich, ebenso Fußballturniere, Kreidespiele auf sporadisch befahrenen Straßen und das Herumwühlen in Altmetallcontainern. Auch Sandkasten und Garten boten sich an. Abends mit Einbruch der Dämmerung kehrte man dann heim, manchmal so dreckig, dass die Eltern in schallendes Gelächter ausbrachen, wenn sie unserer ansichtig wurden. Wir sahen wohl oft aus aus wie der von einer Staubwolke umgebene Pig Pen von den Peanuts.

Schule
Anders als heute war in den 70ern und 80ern ein Schulweg für Kinder keinesfalls schädlich.
Die Grundschule Stadt lag zuerst "umme Ecke", die Lindenbaumschule einen Kilometer entfernt, Realschule und Gymnasium waren zwei Kilometer weit weg. Die meisten Kinder, wie auch wir, gingen zu Fuß zur Schule, erst einmal, weil die Familien seinerzeit i.d.R. nur ein Auto hatten und de Vatter damit bei de Arbeit war -- und weil "gesunder Menschenverstand" damals noch keine Superkraft darstellte. (Blogbeitrag)
Wer in einer Kleinstadt wie Radevormwald zur Schule geht, realisiert vielleicht erst mit Erreichen der Volljährigkeit, dass ungefähr 60% aller Lehrer in die Provinz strafversetzte Vögel waren. Entsprechend farbig waren ihre Charaktere, Marotten und vor allem die Lehrmeinungen. (Blogbeiträge Grundschule: Link, Blogbeiträge Realschule: Link,)
Die Schule war spätestens um eins aus, dann trollten sich hunderte Schüler zu Fuß und mit dem Rad gen zu Hause, wo ebenso viele Eintöpfe bereits dampften. Nur wenige, dem industriellen Hochadel zugehörige, wurden mit dem Auto abgeholt.

Hausaufgaben
Anders als heute mussten Kinder in den 70ern und 80ern ihre Hausaufgaben zu Hause machen.
Eigentlich hatten wir immer welche auf. "Zu Hause" indes war nicht der ideale Ort, diese zu erledigen. Queen Mom, die ständig überlegte, welche Arbeiten und Aufgaben sie an Familienmitglieder outsourcen könnte, störte es auch nicht sonderlich, dass das Kind mit Schularbeiten beschäftigt war. Schließlich gab es immer etwas zu tun: Abwasch, Abtrocknen, Spülmaschine ausräumen, etwas zu Tante bringen oder von da abholen, Hof fegen usw. usf. Setzte man sich nach getaner Arbeit wieder an seine Arbeit, dann hatte man mit Glück eine halbe Stunde Zeit bis zur nächsten Aufgabe.
Wenn es gar zu viel wurde, packte ich meinen Kram und verzog mich mit meinen Schulsachen in die Stadtbücherei. Dort saß ich dann mit dem intensiven Gefühl, dass etwas arg schief lief.

Urlaub
Anders als heute war das Passivrauchen im Auto in den 70ern und 80ern für Kinder völlig unschädlich. Wenn wir also während sehr langer Autofahrten kotzen wie die Reiher, lag das gemäß unserer Mutter ausschließlich daran, dass wir während der Fahrt nicht nach vorne auf die Straße schauten. Derweil unser Vater also fuhr und dabei tapfer 60 Camel Filters in toxischen Qualm verwandelte, wachte Queen Mom, die selbst im Vakuum noch "Zug bekommen" hätte, währenddessen eifersüchtig darüber, dass nirgends ein Fenster auch nur einen Spalt weit geöffnet war. Manchmal hätten wir Kinder ja sogar gerne nach vorne gesehen, aber der Qualm im Wagen ließ das nicht immer zu.
Wenigstens mussten wir uns hinten bis in die 80er hinein nicht anschnallen.
Am Urlaubsort angekommen war all das schnell vergessen, wir wurden einmalig mit der sehr starken Sonnencreme (Lichtschutzfaktor 6) eingerieben, dann ging's mit dem Schüppchen zum Strand. Dort stauten wir dann tagelang Rinnsale auf, die Richtung Meer flossen, nichtsahnend, dass es sich hier um ungeklärte Hotelabwässer handelte, was auch schon mal zu Ganzkörperausschlag führen konnte.


Dienstag, 21. April 2015

ru24 history 54: Bella Italia (1992)

photo credit: via photopin (license)

1992 war ich mit Freunden am Gardasee, von da aus haben wir einen Zwei-Tage-Ausflug nach Florenz gemacht.
Florenz beeindruckt mit Autofahrern, die dermaßen viel mediterranes Flair versprühen, dass ich den Wagen abstellte und mich weigerte, auch nur einen Meter weiter zu fahren. Als Fußgänger lernt man in Florenz auf die harte Tour, dass ein Zebrastreifen nichts weiter ist, als eine Abfolge weißer Rechtecke auf der Straße. Am Rand des Zebrastreifens stehend, ist Augenkontakt zu nahenden Fahrern in Deutschland immer ein Mittel der nonverbalen Kommunikation, ein Signal. Dem florentiner Automobilisten signalisiert es lediglich, dass du, der Fußgänger, ihn gesehen hast -- er kann somit beruhigt Gas geben. Wir stehen eine Weile ratlos herum, bis wir es begreifen: Wirst du auf dem Zebrastreifen überfahren, bist du im Recht. Die logische Konsequenz ist: Man überquert die Teile einfach ohne rechts und links zu schauen in einer Art Suicide-Style, alle Fahrer hupen sowieso ununterbrochen -- und schon ist man drüben.

So viel Aufregung macht hungrig: Bella Italia, das Mutterland der Pizza! Im Biergarten einer kleinen Kaschemme finden wir uns unter Bäumen ein, um original! italienische! Pizza! zu essen, die Krönung des Tages! Hurra! Zikaden zirpen, leichter Wind geht, Lichterketten illuminieren die Nacht -- es ist wie im scheiß Märchen! Wir bestellen Pizza und bekommen, nun ja, ... hmmm ... "etwas". Es sind vage nieren- oder auch Bodenseeförmige Teigstücke mit verbranntem Rand. Auf einige Stellen ist freundlicherweise auch Tomatensauce aufgekleckert, hie und da hat sich etwas Gemüse oder auch mal ein Fleck Schinken verirrt. Die Dicke des Teiges variiert von hauchdünn und verbrannt blasig bis wulstig teigig. Das arme Ding splittert in alle Richtungen auseinander, als man mit der Gabel hineinsticht. Aber wir waren jung und hungrig und haben ganz dolle tapfer aufgegessen.
Um meinen Kollegen Raimund völlig aus dem Zusammenhang zu zitieren: "Das können sie also auch nicht."

Wer eine vernünftige Pizza essen will, sollte gegebenenfalls in Deutschland eine bei Hallo Pizza bestellen.


Sonntag, 12. April 2015

Schottland (2015)

"Haggis with neeps and tatties"

Schottland!
Zuerst denkt man da natürlich an halbnackte, in fadenscheinige, karierte Stoffetzen gehüllte Barbaren, die in zugigen, kargen Hügellandschaften Dudelsack spielen, wenn sie sich nicht gerade an die Gurgel gehen und/oder sich Whiskey in selbige kippen, der u.U. älter ist als sie selbst. Sowieso: Spricht der Schotte, versteht das auf Oxford- und BBC-English trainierte Ohr nur knapp jedes dritte Wort. Gegen den kleinen Hunger kommen bei den Kaledonen quasi-klingonische Nahrungsmittel wie Haggis auf den Tisch, die Mitteleuropäer nicht einmal an ihre Hunde verfüttern würden.

Das alles stimmt so nicht ganz.
Nach meinem Kurztrip nach Edinburgh möchte ich korrigierend folgendes hinzufügen:

  • "Halbnackt" war gestern: Zu 2°C und sporadischem Schneeregen trägt der moderne Scotsman zumindest T-Shirt und Jeans, die moderne Scotswoman gewandet sich in kurzärmelige, semitransparente Blusen, denn hey: Auch wenn es graupelt -- ES! IST! FRÜHLING!
  • Dudelsack spielt der Schotte an sich i.d.R. nur noch an touristischen Brennpunkten (ein Berufskollege ist der dread-gelockte Didgeridoo-Spieler auf der Kölner Domplatte). Abgesehen vom Touri-Gedöns quetscht der Schotte den wüst trötenden Ziegenbeutel sonst nur noch in seine Achselhöhle, um böse Geister zu vertreiben -- also wenn die Queen während der Holyrood Week (Link) zu Besuch ist.
  • Die Schlacht von Culodden ist lange vorbei (Link). Barbarisches Schlachtengetümmel à la "Schottland vs. den Rest der Welt" findet heute nur noch beim Rugby statt, dann aber fett. Die Spiele werden selbst in den schangeligsten Fish & Chips-Shops übertragen und füllen die Straßen mit Schlachtenbummlern. Also: Was macht die Schotten dicht? Man begießt das Event brachial mit heimischem Gebräu (Link) und natürlich mit größeren Mengen durch Destillation von Getreidemaische gewonnenen und mindestens drei Jahre im Holzfass gereiften Spirituosen (vgl. Wikipedia). Anschließend versucht der Schotte, Karomuster an Häuserwände zu kotzen, was mitunter beeindruckend gut gelingt.
  • Das in Schottland gesprochene 'so genannte Englisch' ist stark durch Scots (Link) und Gälisch gefärbt und verhält sich zum Englischen wie das Bayrische zum Deutschen. Auch wenn der Schotte sich sehr bemüht: Versteht der deutsche Touri auch nur jedes fünfte Wort, dann ist er bereits "Fortgeschrittener". Das hört sich nämlich so an: "Snug ohtn awl smehk QUEEN, slog ohptn awhn meoch SCOTS, alock armeahg smohk shoae MURDERED". Ein Riesenspaß! Bustouren und Führungen sollten deshalb immer, immer, immer auf deutsch gebucht werden, sonst kann man sich auch gleich zu der finnischen Gruppe gesellen. Auf einer 12-stündigen Bustour durch die Highlands habe ich nur ganze 650 Wörter verstanden, verteilt auf den Tag -- und das auch nur, weil der Busfahrer im Kilt sich bemüht hat.
  • Eine Spezialität der schottischen Küche ist Haggis. Das gibt's da in jedem Supermarkt, in der Schangel-Frittenschmiede und im Restaurant gleichermaßen. "[Es] besteht aus dem Magen eines Schafes, paunch genannt, der mit Herz, Leber, Lunge, Nierenfett vom Schaf, Zwiebeln und Hafermehl gefüllt wird. Haggis wird mit Pfeffer scharf gewürzt, und das Hafermehl verleiht ihm eine etwas schwerere Konsistenz als Wurst. (...) Traditionell werden zum Haggis Kohlrübe (Swede) und Kartoffeln („neeps and tatties“) gegessen." (Quelle, siehe Bild oben) Eat this, ihr Lappen! Seid ihr Frauen und Männer des Bergischen Landes oder Memmen? Ich habe Haggis an DREI aufeinanderfolgenden Tagen zu mir genommen, und hey: Das gibt richtig Glanz auf'm Köttel! (Liegt wohl am Nierenfett.)


Sonntag, 17. August 2014

Mein schönstes Urlaubserlebnis (1996)

photo credit: IMGP6462.jpg via photopin (license)

1996 sind wir mit einer Handvoll Freunden in ein Ferienhaus nach Mandø gefahren. Mandø ist eine dänische Gezeiteninsel an der Westküste Jütlands, Dänemark. Die Insel war nur bei Ebbe mit dem Auto über einen "Ebbeweg" aus Kies zu erreichen.
Thorsten, unser Fahrer, hatte seinen sehr jungen Golden Retriever dabei. Wir fuhren mit dem Wagen über den Ebbeweg nach Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks, eher ein Kaff. Wir rannten eine Weile herum und staunten auch darüber, wie unglaublich sauber es die Dänen doch überall hatten. Nichtmal Kippen auf dem Gehweg! Dieses Manko muss auch dem Hund aufgefallen sein, denn er kackte spontan mitten in die antiseptische Einkaufszone. Thorsten, für den "Cholerik" kein Fremdwort war, schwollen diverse Adern, er hatte keine Hundebeutel dabei und die Einheimischen kuckten schon. Weil er jetzt nen Hals hatte und er der Fahrer war, mussten wir alle wieder fahren. Zarte Hinweise darauf, dass es mit dem Ebbeweg nun während der Flut gerade Essig sei, gingen im Zornesrauschen unter. Also standen wir kurz drauf alle geschlossen am tristen Meeresrand und schauten auf die in der Ferne liegende Insel. Thorsten lehnte am Auto, rauchte Kette und starrte verschlossen wie eine Auster aufs Meer. Wir restlichen vier langweilten uns an diesem denkbar uninteressanten Abschnitt der dänischen Küste. Nur der von der Leine gelassene Hund schien sich prächtig zu amüsieren: Er schlang ein interessantes Aas herunter, spülte mit etwas Meerwasser hinterher. Dann fraß er ein Kilo Blasentang. Im Anschluss fand er einen wirklich nicht mehr frischen halben Krebs und knabberte ihn als Snack. Später gab es von dem grünen Seetang und wieder Meerwasser zum Hinterherspülen.
Irgendwann während dieser Stunden, zeigte sich der Ebbeweg wieder, noch bevor er richtig zu sehen war, führen wir Heim. Die Stimmung war nicht so besonders, Spaghettis würden helfen! Kurzum aßen alle mit gutem Appetit ihre Bolognese. Die übrig gebliebenen Nudeln bekam der Hund, der ein gefühltes Pfund davon einfach weg-inhalierte. Danach lag er, alle Viere von sich getreckt, mit Schluckauf und hervortretenden Augen auf dem Boden. Alle zwei Minuten rülpste er verhalten. Nach einer Weile stemmte er sich hoch, trottete zum einzigen Teppich in der Wohnung und bekotzte ihn chefmäßig wie ein T-Rex. Es zeigte sich dem staunenden Publikum die komplette, beeindruckende Historie der Nahrungsaufnahme -- nur in umgekehrter Reihung.
Thorsten schwoll der Kamm. Kurz schien er "hulken" zu wollen, ließ das dann aber bleiben und machte sich stattdessen an die Beseitigung der Bescherung. Wir gaben ihm aus der Ferne Tipps, was die Situation nicht signifikant verbesserte, aber extrem viel Spaß machte.
Wenn ich heute daran zurückdenke war das mein schönstes Mandø-Urlaubserlebnis.


Freitag, 18. Juli 2014

Üdvözöljük a Balaton (1993)

photo credit: cannedmoods.com via photopin cc

1993 sind wir zu viert (zwei Pärchen) in einem Fiat Uno von Wuppertal aus nach Ungarn an den Plattensee gefahren. Wie wir das Gepäck ins Auto bekommen haben, ist mir bis heute ein Rätsel.

(1) Sprache. Die Ungarische Sprache "gehört zum finno-ugrischen Zweig der uralischen Sprachfamilie". Damit ist im Grunde schon alles gesagt. Entweder man spricht ungarisch (alle Ungarn), oder man spricht es nicht (alle Anderen). Hier der völlig unmerkbare Grundwortschatz: Link. Alternativ kann man in Ungarn das absolut universelle Wort "höz" verwenden. Es ist kurz, leicht zu merken, bedeutet eigentlich nichts, geht aber quasi immer: "Höz?" - "Höz!"

(2) Geographie. Der Plattensee wird von den dort Ansässigen "Balaton" genannt und ist 79 km lang. Er ist der größte Binnensee Mitteleuropas und einmal komplett von Straße umgeben. Das ist sehr wichtig, denn auf welchem anderen großen Rundkurs hätten die ständigen Hochgeschwindigkeits-Verfolgungsjagden zwischen Fiat-500 Polizeifahrzeugen und den vorneweg rasenden rostigen Škodas sonst auch stattfinden sollen? Meistens schaffen sie 3 Runden in knapp über sechs Stunden, bis einem von beiden unterwegs der Sprit ausgeht.
Lohnenswert ist ein Besuch der im Nordosten des Sees gelegenen Stadt Székesfehérvár wegen ihres barocken Stadtkerns. Und, weil es so ein tolles Wort ist.

(3) Natur. Der Plattensee ist an vielen Stellen noch ein Stück unberührter Natur. Er ist schilfumstanden und die Heimat zahlreicher Tier- und Pflanzenarten. Wir standen schon bis zu den Waden im Wasser, als wir die Wasserschlange auf uns zu schlängeln sahen. Um das Biotop dieses possierlichen Reptils (und aller seiner vielleicht auch größeren Freunde) nachhaltig zu schützen, zogen wir uns blitzartig, fast schon hektisch aus selbigem zurück und machten keinen zweiten Versuch, baden zu gehen.

(4) Wetter. Das Wetter innerhalb der Saison ist fantastisch! Sobald allerdings die Saison beendet ist, regnet es Bindfäden und die Temperatur sinkt auf 11°C (Tag) und 9°C (Nacht). Da bei uns der dritte Tag des Urlaubs bereits in die Nachsaison fiel, war es schlagartig vorbei mit dem 30°C-und-blauer-Himmel-Bombenwetter. Allerorten wurden die den Touristen willkommen heißenden "ÜDVÖZÖLJÜK"-Schilder abmontiert, etliche Läden und viele "Paprika Csárdas" geschlossen und verrammelt.
Wir verbrachten viel Zeit in der Wohnung mit lesen und Scrabble spielen. Einer meiner Höhepunkte des Urlaubs war es, auf einen 3-fachen Wortwert das Wort B3E1Q10U1E1M3 gelegt zu haben.

(5) Unterkunft. Anfangs waren wir begeistert von der Ferienwohnung. Bald aber begriffen wir, dass unsere Vermieter, um uns diesen Luxus möglich zu machen, mit einer vierköpfigen Familie plus Riesenschnauzer "Rocco" nun in der schmalen Garage hausten. Später entdeckten wir, dass jeder Bilderrahmen in der Wohnung ein Dummy-Bild enthielt. Darunter kamen die Wohnungsinhaber als Brautpaar und Familienbilder zum Vorschein. Immer wenn sich einer der ihren umständlich unter dem Garagentor hervorschlängelte, dann packte uns das schlechte Gewissen. Wir waren deutsche Besatzer!

(6) Essen und Trinken. Jedes Lokal am Plattensee ist eine "Paprika Csárda". Heißt das Lokal abweichend davon, dann ist es lediglich eine getarnte "Paprika Csárda". Freundlich heißt man Hungrige dort mit "Üdvözöljük!" willkommen. Zu essen gibt es Gulasch, Spießchen, Schnitzel, dazu als ausschließliche Beilage Pommes Frites. Auch wenn sie es auf der deutschen Karte "Bratkartoffeln" nennen, sind es trotzdem immer Pommes Frites. Es gibt im Umkreis von 50 km um den Plattensee keine andere Beilage als Pommes Frites, so will es die ungarische Verfassung. Als Getränk trinkt man hier ein hervorragendes Bier namens "Soproni", welches in der ungarischen Stadt Sopron gebraut wird. Der Soproni-Slogan lautet "Hozzánk tartozik!", darauf schreien alle gleichzeitig laut "Höz!" und erheben ihr Glas.

(6b) Gastronomie abseits des Tourismus. Bei unserem Abstecher nach Székesfehérvár kehrten wir in ein Lokal ein. Wir bestellten mit Händen und Füßen eine Grill-Platte für vier Personen und bekamen ein absurdes Gebirge aus Grillfleisch und natürlich Pommes, über das man sitzend nicht hinwegsehen konnte. Acht Eisenbieger hätten das nicht verdrücken können. Dazu floss das Soproni in Strömen. Die Rechnung war nicht der Rede wert.

(7) Teufelsgeiger. Jede "Paprika Csárda", die etwas auf sich hält, hat einen eigenen Teufelsgeiger. Es handelt sich hier um einen traditionell gewandeten Herrn, ein Meister der Violine. Anfangs, vor allem von den Damen geschätzt, spielt er traditionelle ungarische Weisen, weist aber schon hier während des Spiels mit phantastisch gelenkigen Augenbrauen darauf hin, dass er für seine Virtuosität gerne den einen oder anderen Geldschein (Währung: Forint) zugesteckt bekommen möchte. Ignorieren die Gäste das leichtsinnigerweise, beginnt der Maestro, den Spendenunwilligen exklusiv ins Ohr zu spielen. Dabei simuliert er in rasender Abfolge "quietschende Zugbremsen", "Rückkopplung eines Mikrofons", "Fingernägel auf Schiefertafel" und "Styopor an Styropor", wieder und wieder, das alles bei über 65 Dezibel. Der Virtuose unseres Stammlokals kam zu einigem Wohlstand in jenen Tagen.
Schon nach kurzer Zeit suchten wir gezielt nach Etablissements ohne erpresserisches Element.

Fazit. Wer einen an Anekdoten reichen Urlaub erleben möchte, der sollte in der Nachsaison an den Balaton fahren, es lohnt sich!


Mittwoch, 29. Januar 2014

Queen Mom 27 - Seenotrettungsübung

Unterwegs in der Karibik by Lars Tinner
Unterwegs in der Karibik, a photo by Lars Tinner on Flickr.

In 2005 bin ich mit Queen Mom das erste Mal in Urlaub gefahren. Wir zwei waren auf der AIDA in der Karibik -- not too bad! (In 2009 sind wir nochmal gefahren)
Am zweiten Tag auf der AIDA wurde mit großem Gewese und Gedöns via Durchsage eine Seenotrettungsübung angekündigt, die zur allgemeinen Sicherheit stattfinden sollte. Beim Erklingen des Alarms sollten sich alle Passagiere ZÜGIG an bestimmten Sammelpunkten einfinden.
Das Wort "zügig" soll im Weiteren noch eine größere Bedeutung bekommen.
Queen Mom legte ihr abschätziges Gesicht auf.
"Mein Gott! Weißt du eigentlich, bei wie viel Seenotrettungsübungen ich schon mitgemacht habe?", fragte sie.
Ich konntet mit jetz nicht so vorstellen, schüttelte mitm Kopf.
"Na, das hier ist meine 25. Kreuzfahrt!"
Ich war etwas schockiert, aber so war se, de Mutter. Auf jeden Fall: Respekt!!!
Nach einer Weile ging der Alarm los, eine Durchsage erklärte noch mal für Doofe, was jetzt zu tun sei.
Ich zog mir die Schwimmweste aus dem Kleiderschrank an.
"So, komm, lass uns gehen!", sagte ich zu Queen Mom, reichte ihr ihre Schwimmweste, die sie aber huldvoll ignorierte, erwiderte so etwas wie "Pöh!"
Ich verstand nicht so recht.
QM verschwand im Bad und schloss hinter sich ab.
"Hallo?"
Ich wartete fünf Minuten, bollerte auch schon mal vor die Badezimmertür, von innen kam nur "Pöh!"
Die Schwimmweste war nicht zu bequem. Der Alarm schrillte weiter. Mittlerweile kamen Durchsagen im Stil von "An den Sammelpunkten fehlen noch die Passagiere Mühlinghaus und Wenzel!" Zwei Minuten später fehlten nur noch "die Passagiere Mühlinghaus". Nach weiteren fünf Minuten Alarm kam Mom frisch aufgerüscht, gebürstet und nach 4711 duftend aus dem Bad. Ich war bereits im erweiterten Krisenmodus.
"Nu komm!", schnappte ich.
"Immer mit der Ruhe - die müssen auf uns warten", kam es von der erfahrenen Seereisenden.
Na dann ist ja gut! Ja klar, sollte die Gesamtheit aller Touristen und alle Mannschaftsgrade auf dem Schiff ruhig auf uns warten - auf so etwas stehe ich ja besonders.
Ich legte auch ihr die Schwimmweste an.
Unsere Kabinentür flog auf und besorgte Seenotrettungshelfer quollen herein, erwarteten vielleicht Augenzeuge eines Doppel-Suizids zu werden.
"Wir kommen!", kreischte ich mit überschlagender Stimme.
Doch das war leichter gesagt, als getan, da QM - huldvoll wie sie war - sich keinesfalls hetzen ließ: Mit der Gelassenheit einer Hindu-Kuh schritt sie bei mir untergehakt, wie bei einer Prozession den langen Gang entlang. Derweil tickte die Uhr, schrillte der Alarm. Mit dem Aufzug fuhren wir ein paar Stockwerke, kamen am Sammelpunkt an. Die Gesamtheit aller Touristen dieses Abschnitts und alle Mannschaftsgrade standen sortiert nach Kabinen-Nummer an der Reling und starrten uns entweder wut-, hasserfüllt oder wenigstens fassungslos an. Man hatte sie in ihrer Gesamtheit schließlich für eine geschlagene Viertelstunde als Geisel genommen, da man niemanden wegließ, bis alle vollzählig waren. Ein Jüngling mit Klemmbrett machte die letzten beiden ausstehenden Haken aufs Formblatt und verkündete für alle hörbar: "So, Familie Mühlinghaus ist nun auch endlich eingetroffen."
Nach ein paar abschließenden Worten durften sich alle zerstreuen.
Etliche Menschen kamen an uns vorbei, straften uns mit Blicken, murmelten etwas wie "Unglaublich!"
Queen Mom hatte ihr stoisches Gesicht aufgelegt - solches Gebaren ihrer Mitmenschen wurde von ihr nicht einmal ignoriert.

Als wir wieder im Gang zu unserer Kabine unterwegs waren, sagte sie: "Siehst du, ist gar nix passiert, die mussten ja auf uns warten!"
Sicher, sicher.


Mehr "AIDA mit QM": Blogbeiträge


Sonntag, 27. Oktober 2013

Der radfahrende Holländer als Massenphänomen

photo credit: via photopin (license)

Man nehme ein paar wie erratisch geführte Straßenzüge, formiere eine pittoreske Kleinstadt darum. Als Zentrum nehme man die VVV-Touristinfo, einen Albert-Heijn-Supermarkt, einen HEMA und einen Schnellimbiss, der Fritten mit Erdnuss-Sauce im Programm hat: Herz, was begehrst du mehr? (Info: Diese Infrastruktur ist bereits vollständig optimiert)
Dann addiert der Niederländer an sich allerdings aber noch Drempels (= »Bremsschwellen«), Kreisverkehre, Verkehrsinseln, abgesenkte Bordsteine, Schilder, Radspuren, Ampeln, eine absurde Anzahl an Zebrastreifen und vielfältigste, unnachvollziehbare Fahrbahnmarkierungen hinzu. Schon vom bloßen Anblick tränen einem die Augen. Dies alles ist jedoch nur die Leinwand: In dieses Szenario stürzt sich der Niederländer in großer Zahl mit dem *trommelwirbel* Holland-Rad (das mit Korb und bis zu zwei Kindern beladen ist). Nun addiere man noch die Autos, die in die bereits proppenvollen Kreisel drängen. Räder, Menschen, Abenteuer: Aus allen Himmelsrichtungen schieben sich die Radler auf die Kreuzungen, schwärmen aus, biegen ab, drehen ein paar Runden im Kreisverkehr. Der radfahrende Holländer als Massenphänomen (niemand trägt Helm) wimmelt nicht nur wie ein Makrelenschwarm, nein, wie zwei oder mehr Makrelenschwärme! Die Schwärme vereinigen sich oder durchdringen einander. Und noch immer funktioniert alles! Ich komme mit meinem Smart angefahren, versuche auf Radfahrer, Fußgänger an Zebrastreifen, erratische Fahrbahnmarkierungen, auf das Navi und die Kommentare der Beifahrerin zu achten. Doch obwohl meine Aktionen sich nach holländischen Maßstäben sicherlich im Spannungsfeld zwischen unbedacht und beherzt bewegen, hört man keine Fahrradglocke oder jemanden Grobes rufen. Nein, alle Holländer passen auf dich, auf sich und auch aufeinander auf, so dass man durch dieses sagenhafte Tohuwabohu hindurchgeleitet wird, quasi hindurchflutscht wie ein Neutrino durch Blei. Etwas, was in Deutschland zu Testosteron-Konflikten, Beschimpfungen, Stress und größeren Kontingenten schlechter Laune führen würde, das fällt in Holland nicht einmal auf!
Erwähnte ich schon, dass ich dieses Land und diese Leute/Mentalität liebe?

Nur manchmal, da kann man im Rückspiegel den gefürchteten Hollandrad-Tornado erblicken. Der entsteht unter ganz spezifischen physikalischen Bedingungen dann, wenn bei trockener Luft Hollandrad-Schwärme aus mindestens fünf Richtungen eine Art Sog oder Kreisel erzeugen. Das Ganze türmt sich dann wirbelnd und voll der statischen Elektrizität zu einem hunderte Meter hohen Hollandrad-Rüssel auf, schwarz, blitzzuckend und beängstigend. Da kann man dann froh sein, bereits in das nächste Kreisverkehrgewimmel eingetaucht zu sein.


Samstag, 25. Mai 2013

ru24 History 47: Hochfrequentes Gekreische (1986)

http://goo.gl/Wd5wA
1986 war ich mit Kumpel M. auf Teneriffa (Kanaren) in einer Hotelanalge namens Bahia Parque. Den Urlaub hatten meine Eltern bezahlt, ich sag mal, es war jetzt alles nicht ganz so übel. Das Hotel lag etwas entlegen inmitten von Bananenplantagen, im Meer konnte man zwar wegen einer hammermäßig starken Strömung nicht schwimmen, aber sonst, hey! Deutsche waren nicht zu viele dort, die meisten anderen hier absteigenden Touristen waren zu diesem Zeitpunkt reichlich unverständlich sprechende Walliser (möglicherweise aus Caerdydd) und minimal  verständlicher sprechende Briten aus anderen Teilen des Vereinigten Königreichs.

An unserem ersten Abend vor Ort beschlossen Kumpel M. und ich nach dem Abendessen, mal die hoteleigene Disco zu besuchen. Wir waren jung und bretzelten uns etwas auf. Bei mir bedeutete das, dass ich mir die Haare bürstete, was unterm Strich bedeutete, dass ich keinen Deut anders aussah als vorher. Ich hatte ein nicht zu bändigendes Medusenhaupt, seinerzeit. Kumpel M. war da etwas ausgebuffter: Er schlüpfte in eine schwarzweiße Leoparden-Röhrenjeans, was bei [deutschen] Metals in den 80ern durchaus im Rahmen der Möglichkeiten lag. Dazu kamen passendes Shirt mit japanischen Schriftzeichen, Kangaroos-Turnschuhe, die Haare wurden möglichst stachelig hochgestylt und los gings.
Wir betraten die Disco. Anwesend waren vielleicht gerade mal 50 Jugendliche. Dann brach plötzlich das ohrenbetäubende, hochfrequente Gekreische einer Massenpanik aus! Menschen strömten quiekend wie Schweine aber mit maximalem Abstand zu uns an uns vorbei in Richtung Ausgang, es war eine Stampede aus dem Nichts!!! Sekunden später standen wir zwei alleine in der Hoteldisco. Die Discokugel drehte sich etwas verhalten, es spielte "Frankie Goes to Hollywood - Rage Hard".
"Hä?", fragten wir uns gleichzeitig.
Blut rauschte in unseren Ohren.
Hinter dem DJ-Tresen kauerte der Plattenaufleger und deutete mit zitterndem Finger auf Kumpel M.s Hose.
"The trousers! Gay! Gay! ... Not good! ... AIDS!!!", winselte er.
Uns ging auf, dass das  hochfrequente Gekreische der Massenpanik nichts anderes gewesen war als ein einziger, durchgehender Schrei: "A-A-A--I-I-I--D-D-D--S-S-S!!!"
OK, Kumpel M. hatte mit seiner Leoparden-Hose also eine AIDS-Massenhysterie ausgelöst...
Worauf man nicht sofort kam: Die vorwiegend britischen Jugendlichen hielten ihn nur aufgrund seines Beinkleids für 1) schwul, 2) selbstverständlich HIV-infiziert und 3) etwa so hochgradig infektiös wie einen Ebola-Fall.
Jetzt spielte es "Genesis – Invisible Touch".
M. verschwand in Windeseile im Hotelzimmer und zog sich sehr schnell um.
Mit anderen Hosen konnte er den Fall dann noch aufklären.


Dienstag, 7. Mai 2013

Queen Mom 25 - Milch

http://goo.gl/f8daS
In 2009 bin ich mit Queen Mom in Urlaub gefahren. Abflug (Blogbeitrag) und Ankunft (Blogbeitrag) waren am Frankfurter Flughafen. Dazwischen waren wir zwei auf der AIDA in der Karibik -- not so bad!
Für de Mutter war et vor allem wichtig, dat se ihr Kaffeetrinken bekam - die wichtigste Mahlzeit des Tages so wollt et scheinen! Dat hängt irgendwie mitm Alter zusammen...
Eines Nachmittags waren wir im Restaurantbereich des Schiffs, hatten schon Kaffee & Kuchen - zum Glück fehlte uns beiden nur noch die Kaffeemilch dazu. Und manchmal ist der Wurm drin, selbst in einem so feudalen Umfeld wie der AIDA, denn ich fand weder welche am Nachbartisch noch an denen daneben. Die vier Kännchen an der Kaffeebar waren komplett leer, so begann ich, weitere Kreise zu ziehen. So langsam weitete sich das Problem zu einer Krise aus, keine Ahnung warum! Zuletzt fand ich ein zu einem Viertel gefülltes Kännchen irgendwo j. w. d. - stolz eilte ich mit der Trophäe zum Tisch zurück.
Queen Mom, die ja ohnehin nie, nie, nie 'danke' sagt (auch nicht, wenn sie Geburtstag/Weihnachten etwas geschenkt bekommt, et is ja alles immer sowas von selbstverständlich), krallte sich das Kännchen und leerte es mit einer beherzten Handbewegung komplett in ihre Bechertasse.
"Äh...", sagte ich, der ich wartend vor meinem tiefschwarzen Gebräu saß.
De Mutter nippte unbeteiligt wenngleich zufrieden an ihrem Kaffee, sie sah mich nicht einmal an.
"Tja. Dann hole ich mir jetzt auch mal Milch!", sagte ich etwas beißend und stand wieder auf.
"Ja. Ist gut!", sagte de Mutter ironie-resistent.
Herrlich, de Königin Mutter!
So ist das eben, wenn man mit gekrönten Häuptern unterwegs ist.


Mehr "AIDA mit QM": Blogbeiträge


Samstag, 10. November 2012

ru History 40 - Der böse Schatten (1973)

goo.gl/IXJcc
Im Sommer 1973 war ich sechs und mit meinen Eltern und Bruder im "Schurkenstaat" Spanien in Urlaub.
Ein aufpeitschender erster Satz!
"Generalissimo" Francisco Franco führte 1936 den Staatsstreich gegen die demokratisch gewählte Regierung Spaniens an. Nach dem blutigen Bürgerkrieg regierte er Spanien  von 1939 an zusammen mit rechten Militärs als Diktator "El Caudillo" - "der Führer" - bis zu seinem Tod im November 1975. Dann erst begann eine Phase friedlicher Demokratisierung.
Im Sommer 1973 war die paramilitärische Guardia Civil sicherlich noch drastisch badassmäßiger drauf als heute...
"Unter Franco wurde die Guardia Civil als Repressionsinstrument gegen politisch Andersdenkende genutzt. Im Allgemeinen war sie für das Regime das Instrument, um der Landbevölkerung Präsenz und Stärke zu demonstrieren." (Quelle)
Eine meiner eindringlichsten Erinnerungen an diesen Urlaub sind weder Sonne, Strand noch Meer, sondern ein an einer Straßenecke stehender Guardia Civil-Mann. Während wir mit dem Auto an ihm vorbei fuhren, drückte ich mir (natürlich unangeschnallt auf der Rückbank) die Nase an der Scheibe platt.
Dunkle Uniform, sehr gerader Rücken, dieser merkwürdige, glänzende Hut von undeutbarer Form und ein riesiges Pistolenhalfter incl. Riesenknarre. Die gesamte statuengleiche Ausstahlung war streng, herrisch, stolz und vor allem - gefährlich. Alles an diesem Ordnungshüter/Repressionsinstrument schrie laut und überdeutlich: "Don't fuck with me, buddy".
Insgesamt ergab sich eine außergewöhnliche, unverwechselbare Silhouette, im spanischen auch "la mala sombra" - "der böse Schatten" genannt.


Freitag, 28. September 2012

ru History 39 - Kennen Sie Jacques Nose?

bit.ly/VTpTP6
Sommer 2009 war ich mit Freunden und dazugehörigen Kindern (9 und 13) campen.
Die Kinder, Robin und Tom unterzogen den Kiosk des Campingplatzes täglich mehrfach eines Feinscans, ein nicht wenig zeitaufwendiges Vergnügen. Weiterhin radelten sie herum und entwickelten perfide Systeme, wie sie das Trampolin des Spielplatzes für sich alleine haben konnten. Wenn mal gar nichts los war, erzählten sie sich Witze, die sie zwar schon kannten, was aber der explosiven, manischen Lustigkeit der beiden nach jeder der 'Pointen' keinen Abbruch tat.
Interessiert ging ich herüber zu ihnen.
"Kennst du Jacques Nose?", fragte Tom begeistert.
"Nee!"
"Jacques Nose trägt keine Uhr - ER entscheidet wie spät es ist", schrattelte er und beide Jungen krümmten sich vor Lachen.
"Jacques Nose Tränen könnten Krebs heilen, doch Jacques Nose weint nie!", erzählte Robin.
Beide: "Muahahaha!"
Soso.
"Leute: Ihr meint 'Chuck Norris'!", sagte ich.
"Nee-hee! Der heißt Jacques Nose!!!", brüllten sie im Chor.
"Aber mal ganz sicher NICHT. Der heißt wirklich 'Chuck Norris'!"
Ein Paar sehr grüner und ein Paar sehr blauer Augen blickten mich erstaunt an.
Woher sollen 1997 und 2000 geborenen Kinder auch Chuck Norris kennen?
"Chuck Norris ist ein amerikanischer Schauspieler. Und der hat den Schwarzen Gürtel in 'Alles'. Roundhouse-Kick, 'Missing in Action' und so."
So richtig hatte ich die Kinder nicht überzeugen können, dass der mythische Mr Nose eine reale Person war, ich hatte aber auch kein Internet dabei wie heutzutage Hans & Franz.
Ich ließ mich wieder in den Liegestuhl plumpsen.
"Chuck Norris bekommt bei Praktiker 20 % auf alles. Auch auf Tiernahrung", rief ich den Kindern zu. Fanden sie aber nicht so dolle.

Die Witze waren vermutlich auf dem Schulhof von Schülergeneration zu Generation mündlich tradiert worden, bis niemand mehr wusste, dass es um einen Schauspieler ging. Irgendwann in 2.000 Jahren oder so hat ein Jacques Nose das Zeug zum nächsten Heiland - "Jacques Nose kann über Wasser gehen" etc. pp.


Verwandte Themen: Blogbeitrag, Blogbeitrag.
Mehr ru24-Chuck Norris: Blogbeiträge.
Fast alle Chuck-Norris-Witze: Link


Mittwoch, 25. April 2012

Workshop: Wie man einen Kolibri fotografiert

http://bit.ly/Jp1ABt
2009 war ich für einen Tag auf der Karibik-Insel Bonaire. An einem spillerigen Schlangen-Kaktus schwirrte ein Kolibri herum, flog von Winz-Blüte zu Winz-Blüte und lutschte den Nektar heraus.
Im Grunde "bin ich ja gegen alles" (ich zitiere eine Kollegin), aber Kolibris finde ich ja supertoll!
Das Vögelchen konnte man nur sehen, wenn es direkt an einer Blüte in der Luft stand. Sobald es seine Position wechselte, verschwand es für das menschliche Auge kurz spurlos. Der Flügelschlag war ein Flirren.
Was für eine Hektik!
In meiner Eigenschaft als Tourist brachte ich meine Spiegelreflexkamera in Position und schoss eine kleine Salve Bilder. Nur doof, dass der Kolibri auf keinem der Bilder zu sehen war...
OK...
Ich stellte die Kamera auf Sportmodus, Bildmodus = Dauerfeuer. Ich schoss ein Dutzend Bilder, auf manchen war immerhin schon ein Stück Vogel zu sehen.
Waaa! Scheiß auf "kurze, kontrollierte Feuerstöße"!!!
Ich legte auf das Vögelchen an wie ein amoklaufender GI auf Victor Charlie: RAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT-TAT!!!
Dann war der Kolibri plötzlich verschwunden.
Die Kamera kühlte knackend aus.
Unterm Strich hatte ich 44 Bilder, auf denen irgendwie nur ein Kaktus mit Blüten abgebildet war, elf Teilabbildungen (K. hinter Kaktus etc.), vier unscharfe Bilder und zwei halbwegs passable Aufnahmen (s. eingebettetes Bild).
Na, geht doch! :)


Mehr "AIDA mit QM": Blogbeiträge


Dienstag, 3. April 2012

kleiner ru24 Sprachführer Niederländisch

http://bit.ly/HJx9ZE
Am letzten Wochenende mit Freunden in Holland fiel mal wieder auf, wie wenig wir über die Niederländische Sprache wissen.
Ich möchte dem geneigten Leser einen kleinen Sprachführer Niederländisch an die Hand geben, der nächste Urlaub kommt bestimmt!

Beim Arzt:
Durchfall: flotjes
starker Durchfall: sterk flot
Brechdurchfall: uitwerpselen-flotjes
verdorbener Magen: frituur-maag
Sonnenbrand: rood vel
Sommersprossen: poeppuntjes
Kater: grolschje
Hoden: klontjes

In der Stadt:
Tourist-Info: Duitsen-huis
Touristenattraktion: Duitsen-attractie
Boutique: uitverkoop
Apotheke: koffieshop
Blaumeise: dronken meisje

Kulinaria:
Spezialitätenrestaurant: snackbar
Nahrung (allg.): frituur
Currywurst: frikandel
Poffertjes: poffertjes

Straßenverkehr:
Radarkontrolle: Duitsen-valstrik
Park-Knöllchen: Duitsen-valstrik

In der Pension:
Kondome: slagroomzakjes

Konversation:
Hau mee niet de klotzjes in de klontjes!
(beim Kubb-Spiel am Strand oder auf dem Campingplatz)
Ik het sterk flot van de verdomme frituur!
(nach dem Essen)
De dronken meisjes uitwerpselen achter de snackbar!
(zwischen 0.00 Uhr und 24.00 Uhr)
De roode afghaan is eerlijk knallig!
(In der Apotheke)


Tipp: (Link)


Sonntag, 12. Februar 2012

Queen Mom 16 - klappt doch

http://bit.ly/wfXXnB
2009 bin ich mit Queen Mom in Urlaub gefahren.
Abflug (Blogbeitrag) und Ankunft waren am Frankfurter Flughafen.
Schon bei Antritt vonner Rückreise sagte se: "Ich kannet nicht! Nich den ganzen Weg übern Flughafen bis zur Bahn. Ich schaff et einfach nich!"
Verstehe ich ja. Die gefühlten 2,7 Gebäudekilometer des Flughafens FFM sind für ne 80-jährige kein Pappenstiel.
"Setzte dich einfach aufn Koffer-Trolley, ich roll dich", sach ich.
De Mutter kuckt zweifelnd.
Ich fand de Idee ja nich so übel.
Wir steigen ausm Flieger, gehen durche Passkontrolle, ich hol de Koffer am Band, bepack den Trolley, de Mutter ziert sich.
"Näää!"
Wir gehen langsam nen Stück, stehen da zwei Flughafen-Hostessen mit Rollstühlen un warten.
Die Mutter wird hektisch, zeigt mitm Finger.
"DA!!!"
"Mutter, die stehen da doch nich aus Jux! Die sind doch bestellt!"
Queen Mom geht hin, lässt sich in nen Rollstuhl plumpsen.
De Hostessen rascheln hektisch mitn Papieren.
"Hatten Sie reserviert?", fragt eine.
"Ja! Natürlich!", sagt de Mutter würdevoll.
De Flughafenboden tut sich auf und verschlingt mich mitsamt dem Koffer-Dingen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Leute ohne Beine durch den Flughafen robben, weil ihr bestellter Rollstuhl nicht da war.
De Damen rascheln wieder mitn Papieren, et stellt sich schnell, raus, dat de Mutter mal gar nich reserviert hatte. Dann sprechen se int Walkie-Talkie un fünf Minuten später taucht ne flammeneue Hostess mit Rolli auf, diesmal mit Reserviert-Schild, auf dem mit Edding "Queen Mom" geschrieben steht. Dann geht alles ganz schnell. Se führt uns nämlich über Sicherheitskarten-Schleichwege durch et Gebäude und zehn Minuten später stehen wir am Bahnsteig.
Ich bedanke mich wortreich für diese sicher nich selbstverständliche Serviceleistung.
Als de Hostess mitm Rollstuhl wieder weg is, sacht de Mutter: "Na, dat hat doch ganz prima geklappt!"


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Mittwoch, 29. Juni 2011

ru24 History 24: Hömma Ömmer! (2003)

Im Frühjahr 2003 sind meine Freundin und ich mit einem befreundeten Pärchen in die Türkei geflogen. Dieser Urlaub war eine dieser Billig-Bus-Touren kreuz und quer durchs Land, wo man von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürigkeit kutschiert wird und dem Urlauber zwischendurch Verkaufsveranstaltungen aufgedrängt wurden. Teppiche, Leder, Gold und aller erdenklicher Schnulli hastete wohlfeil an uns vorbei, ebenso wie die mal mehr oder weniger kargen Landschaften. Der Reiseleiter redete wie ein Wasserfall. Sein Hauptanliegen indes schien es zu sein, Mittagessensgutscheine an den Mann zu bringen und er brabbelte so lange, bis er sein Plansoll erfüllt hatte. "Herrgott!", entfuhr es uns mehr als nur einmal. Zum Thema "Europa" sagte er: "Leut immer sagen 'Türkei: viel mit Folter!' Aber stelle vor, Terrorist - große Bombe! Polizei nimmt Bruder gefangen von Terrorist. Könne nicht sage dann: 'Setz hin, willst du Gebäck?' Muss Folter!"
Einleuchtend.
Europa kann kommen.
Unser Busfahrer hieß übrigens Ömmer (Running Gag: "Hömma Ömmer!").
Da das Ganze außerhalb der Saison stattfand, übernachteten wir mal zwei, drei oder vier Tag lang in nur spärlich besuchten Hotels voller Energiesparbirnen. Am kalten Buffett aßen wir quietschbunte Nachtische.
Dieser Urlaub bot - neben neonfarbenen Desserts - ein (1) wirkliches Highlight: Eines Tages pfiffen wir auf das fremdbestimmte Herumgekutsche via Reisebus und mieteten stattdessen einen Leihwagen. Wir fuhren ins Blaue hinein in Richtung Meer...

Es war ein wunderbarer Tag kurz vor dem "Opferfest" (Link), einer Zeit, in der sich die Haushalte mit Ziegen und Schafen eindeckten, um sie am bevorstehenden Festtag zu schächten. Die Tiere hatten alle einen rote Markierung aus der Sprühflasche. Sie wurden auf jede erdenkliche Art und Weise transportiert, auf Pickups, in Kofferräumen von PKW, auf Mofas, sogar auf Fahrrädern oder auf den Schultern. Auf den zweirädrigen Transportmitteln wirkten die Paarhufer skurril bis deplatziert, es sah auch nicht sonderlich bequem für sie aus.
Määäh! :(

Bald erreichten wir eine wie ausgestorben wirkenden Kleinstadt. Der Grund dafür war, dass so gut wie die gesamte Population in einem steinernen Amphitheater zusammengefunden hatte - schön getrennt nach Männlein und Weiblein: Auf der einen Seite die Kopftücher, auf der anderen Seite die Schnurrbärte. Es fand ein Kamelringkampf statt (engl.: camel wrestling - Muahaha!).
Wem auch immer ich seitdem von diesem Event erzählt habe - man hat mir nicht geglaubt.
Außer Metin und Tülay.
Bei einem Kamelringkampf "ringen" zwei wie die Pfingstochsen geschmückte Kamelbullen miteinander. Bei etwas, das aussieht wie Armdrücken, pressen sie ihre Hälse aneinander und ein Bulle versucht den anderen zu dominieren. Das Ganze ist unblutig und wird vom Speichelsprühen der beiden Kontrahenten begleitet. Ein Kampf dauert bis zu einer Viertelstunde. Gewonnen hat das Kamel, das den Gegner zum Flüchten, zum Schreien oder zu Fall bringt.
Weitere Infos hier: (Link).

Wir fuhren weiter die Küste entlang und kamen zur Mittagszeit an eine Stelle, an der sich zwei Lokale gegenüber lagen. Beide Gastronomen standen an der Straße und winkten uns heran. Wir waren noch unschlüssig, welches Lokal wir nehmen sollten, da bewarfen sich die beiden Lokalbesitzer schon neidisch mit Steinen. Wir wählten keines der beiden, sondern gaben Gas.
Einige Kilometer weiter gab es nur ein Gasthaus und dort kehrten wir ein. Wir aßen wie die Könige Fisch (komplette Tiere) mit Salat, tranken Efes dazu und zahlten unglaublich wenig.

Auf dem Rückweg zurück zum Hotel begegneten wir auf schnurgrader Landstraße bei etwa 100 km/h dem Schlagloch der Götter, was in etwa den Effekt hatte, als wären wir von einer Luft-Boden-Rakete getroffen worden. Der Mietwagen schien unbeeindruckt. Wir waren es umso mehr.

Der Basar in Antalya war nichts für schwache Nerven:
Quasi jeder Händler sprach und/oder grabbelte einen an, einer fasste mir an die Plauze und sprach prophetisch: "Ey, wir haben auch was in deiner Größe!"
Hier gab es fast nur "Original"-Produkte. Die hiesigen Sweat-Shops für Kleidung aller Art hatten sich anscheinend auf Kledage mit übergroßen Markenlogos von ADIDAS, PUMA, NIKE, KARL KANI etc. spezialisiert, und natürlich war ALLES, RESTLOS ALLES "original", sogar die Wendejacke außen PUMA innen ADIDAS...
Muahaha!

Bevor ich in Urlaub fuhr, hatte mich eine Freundin beauftragt, ihr Safran aus der Türkei mitzubringen. "Aber pass auf!", hatte sie mich vor Betrug gewarnt. Ich hatte bei ihr pflichtschuldig an dem mir dargebotenen Gewürz gerochen und den recht speziellen Geruch als "Zahnarzt-Behandlungszimmer" abgespeichert. Im Getümmel der grapschenden und brabbelnden Händler Antalyas entdeckte ich einen Gewürzstand. Ich fragte nach Safran. Der Händler nickte eilfertig, öffnete ein Fach. Ich roch an dem getrockneten Pflanzengefrissel, es roch nach Kamille aber nicht nach Zahnarzt.
"Das ist kein Safran!", sagte ich und kam mir vor wie in einer Jim-Beam-Werbung.
Der Händler stammelte etwas, rang die Hände, ließ das Un-Kraut wieder verschwinden, öffnete ein entlegenes, viel geheimnisvolleres Fach, entnahm - diesmal vorsichtig - eine Blechdose und entriegelte sie. Seine Pose war die Allegorie des schlechten Gewissens! Ich roch dran. Eindeutig "Zahnarzt"!
"Na also!", sagte ich. Ich kaufte eine üppige Menge für einen feudalen Preis.
Zu hause sagte mir die Bekannte, die mich beauftragt hatte, dies sei ganz gewiss kein Safran.
Not bad...