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Donnerstag, 2. Juni 2016

Es war ein langer Weg

Originalfoto
Wenn meine Omma, Jahrgang 1902, für ihren Enkel (moi) Schokopudding machen wollte, dann verrührte sie noch 1980 Speisestärke ("Mondamin", Betonung auf der ersten Silbe) und entfettetes van Houten-Kakaopulver und Vanille-Zucker (= Zucker, in dem seit Monaten zwei echte Vanillestangen stecken), gab das ganze in kochende Vollmilch und rührte noch eine Weile weiter, das Ganze aufkochend (Rezept). Der Pudding wurde köstlich und aus heutiger Sicht vielleicht völlig überraschend kam de Omma ohne die Farbstoffe E102, E104 und E110 aus.

Dr. Oetker, der schon seit 1891 sehr erfolgreich Backpulver zu 10 Pfennig je Tütchen verkaufte, übernahm auch die Pudding-Sparte und bereits zwei Generationen später wusste kaum noch ein Mensch, dass man Pudding auch ohne Dr. Oetker-Tütchen herstellen kann. Flankiert wurden Dr. August Oetkers Bemühungen von Julius Maggi und Carl Heinrich Theodor Knorr. Ihnen gemeinsam gelang es, die deutsche Küche von Grund auf zu revolutionieren: Zu Beginn des dritten Jahrtausends ist kaum noch jemand in der Lage, Rührei, Bratkartoffeln, Spaghetti Bolognese und Gulasch zu kochen bzw. Brot, Pfannekuchen und Marmorkuchen zu backen, ohne die Additive der Lebensmittelindustrie dazuzukippen.
Verhaltenen Applaus dafür!

400 Artikel (Link) bietet mittlerweile allein der Doktor an. Und es ist für alle was dabei: Das Backpulver für die Omi gibt es immer noch, und für die mental völlig Verrotteten der fünften Dr.-Oe-Generation gibt es im TK "Our Original Pizzaburger", Geschmacksrichtung "Hot Dog" (Bild oben).

178 Jahre Knorr, 126 Jahre Maggi, 125 Jahre Dr. Oetker: Es war ein langer Weg, aber ihr seid ihn gegangen.

Ausblick auf kommende Sensationen: Dr. Oetkers "Our Original Wan-Tan-Burger", Geschmacksrichtung Crème brûlée, "Maggi Fix für Schinkenbrote mit Gürkchen", "Knorr Fix für Spiegelei" und im praktischen Tetrapak "Knorr Fix für 1l kochendes Wasser".
Da geht noch was.


Sonntag, 14. Dezember 2014

ru 25 history 51: Telefonieren

photo credit: Nostalgia ! via photopin (license)
Von 1974 an gab es für "günstiges Telefonieren" den sog. "Mondscheintarif" (Wikipedia). Der führte ab 18.00 Uhr zu Schlangen an den Telefonzellen und allgemein zu so hohem Gesprächsaufkommen, dass ganze Ortsnetze nicht mehr erreichbar waren. Deshalb schaffte ihn die Post 1980 wieder ab -- wegen des großen Erfolges. Is klar. Später gab es ihn dann unter der Bezeichnung Moonshine-Tarif wieder. Die Spinner.
Das Telefonieren kostete zwischen dem 3. Januar 1980 und Heiligabend 1988 werktags von 8–18 Uhr 0,23 DM je 8 Min und die übrige Zeit 23 Pf je 16 Min.
Liebe Post: Das waren ja je nach Uhrzeit 7,5 oder 3,75 Takte die Stunde zu je 0,23 DM, was 1,73 DM oder 0,86 DM entsprach -- das habt ihr Penner doch mit Absicht gemacht, dass sich das kein Schwein merken oder nachvollziehen konnte, oder?
In den 80ern haben wir auf jeden Fall immer Hektik am Telefon gemacht. Denn keinesfalls durfte nämlich die Telefonrechnung zu Hause die magische Grenze von 50,00 DM pro Monat überschreiten, sonst wäre Tango gewesen. Dann wäre ein Wählscheibenschloss ans Telefon gekommen, wie immer gedroht wurde.
Die Telefonnummern meiner Freunde, die von Tante und Oma und die von zu Hause hatte ich alle im Kopf -- Kunststück, die Telefonnummern meiner Kindheit waren allesamt vierstellig. Wir hatten zu Hause 5411. Am grünen Wählscheibentelefon im Wohnzimmer meiner Eltern wählte ich die 4 ratratratrat, 3 ratratrat, 0 ratratratratratratratrat, 3 ratratrat. Und nach dreimal schellen (und es war eine "Schelle") hatte ich im Idealfall meinen Kumpel Michael am Telefon, oder seine Mutter, die mich dann weitergab. Wir verabredeten uns in der Stadt und wenn einer von uns beiden mal nicht pünktlich am Treffpunkt war, dann wartetet man eben so lange, bis der andere aufschien. Niemand wäre auf die Idee gekommen, jetzt in schneller Folge vier oder fünf Postkarten rauszuhauen, Inhalt: "Wo bleibst du?" und 17 Sekunden später: "Ich warte seit 5 Minuten!"
Die Wartezeit verbrachte man stattdessen damit, Ortsfremden, die mit ihrem 5 kg schweren Autoatlas von 1972 nicht weiterkamen und mit ihrem 1969er Opel Rekord am Rand hielten, den Weg zur Landessportschule zu erklären.
Irgendwann kam der Kumpel dann auch mal angeschlappt auf seinen Adidas Allround.
Und wenn nicht, dann ging man eben wieder nach Hause.