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Dienstag, 19. Mai 2015

ru24-Test: Wie verträglich bist du als Biker? (aus aktuellem Anlass)

photo credit: roll out via photopin (license)
Ist Motorradfahren mehr als nur fossile Brennstoffe in Lärm, Gestank, CO2 und verstopfte Straßen umwandlen?

Mach den ru24-Test:
Wie verträglich bist du als Biker?
Einfach die S und U in den Klammern hinter jeder für dich passenden Kategorie aufaddieren:

Du bist ein Garagenbiker. Du hast ein Motorrad. Das steht angemeldet in der Garage. Die Jahreszeiten fliegen nur so dahin. Dann meldest du es zum Winter wieder ab. Gefahren bist du nicht.
(+25 S, +25 U)

Du bist ein Motorradfahrer. Einfach so. Du hast kein Auto. Mit dem Motorrad fährst zur Arbeit, einkaufen und in Urlaub. Einfach so. Nichts an der Tatsache, dass du Motorradfahrer bist, ist Pose. Du fährst von A nach B weil du dort hin musst und wieder zurück. Einfach so. Korrekt.
(+20 S, +20 U)

Du bist ein Wochenendbiker. Wetter toll, SMS- oder Telefonkette, schon geht's los. Es gibt euch nur in der Mehrzahl. Eure Bikes sind gewienert und nur Bettnässer haben keinen Sportauspuff z.B. von Sebring - Lärm gehört einfach dazu - es ist soo wichtig, dass der Sound richtig geil ist. Wenn ihr dann in 25er-Gruppen beim ersten Sonnenstrahl des Jahres tosend die Straßen verstopft, ist es dann nicht putzig mit anzusehen, wie die Autofahrer mit den offenen Fenstern sich schmerzverzerrt die Finger ins Ohr stecken oder hastig die Scheibe heraufkurbeln? Das Leben ist schön, ihr seid lässig. Bei Regen - pfui! - wartet ihr unter Brücken. Später im Biker-Café lasst ihr voll lustig die Sau raus.
(-10 S, -20 U)

Du bist ein Café-Biker. In sechsfarbiges Leder gehüllt, lässt du am Wochenende mit Freunden deine vollverkleidete Eierbecher-Reisschüssel (in den gleichen Farben wie deine Montur) an einem einschlägigen Biker-Café sehen, nachdem du fast 12 Kilometer zurückgelegt hast, um dorthin zu gelangen. Breitbeinig in Pose schlürfst du deinen neunten Cappuchino und glotzt der Bedienung auf den Arsch. Mit deinen Kumpels führst du nur knallharte "Benzingespräche", egal, ob ihr Mädels dabei habt oder nicht. Beim ersten Anzeichen von Schlechtwetter geht’s ohne Umweg wieder heimwärts, die Karre putzen und den Luftfilter reinigen. Abends gibt's noch aus der Frittenschmiede.
(+5 S, -5 U)

Du bist ein Urlaubstourenbiker (I). Wochenlang planst du mit Freunden für deinen Urlaub die diversen Alpenpässe und Routen mit ADAC-Kartenmaterial von 1964. Dein Motorrad klappert, so hast du mehr Werkzeug, Öl und Panzer-Tape dabei als alles andere. Auf deiner Tour hast du Zeit und Muße, auch mal was von Land und Leuten zu genießen, zumal die Krampe, die vorneweg fährt, jeden Abzweig verpasst. Du lebst auf fragwürdigen Campingplätzen von billigem Tüten-Rotwein.
(+10 S, +5 U)

Du bist ein Urlaubstourenbiker (II). Wochenlang planst du mit Freunden für deinen Urlaub die diversen Alpenpässe und Routen. Das Internet hat als Informationsmedium längst vergilbendes Kartenmaterial abgelöst. Dein Motorrad ist das Beste, das es für Geld zu kaufen gibt, deine Montur ist eine Ritterrüstung der Sicherheit. Helmfunk und Sateliten-Navigation runden das Erlebnis ab. Auf deiner Tour hast du Zeit und Muße, auch mal was von Land und Leuten zu genießen, inklusive Hotelübernachtungen, Kulturprogramm und diversen Kulinaria aus dem Online Guide Michelin.
(+10 S, +10 U)

Du bist ein Rocker. Autos sind nur was für Lappen, du hast nie eins besessen. Dein Bart weht im Fahrtwind. Auf deiner Kluft prangt ein Aufnäher wie "Hell's Angels", "The Living Dead" oder "Ghostrider", das Leder ist ein jahrzehntealtes Biotop. Zusammen mit dem WK II-Stahlhelm, der knatternden Harley mit dem Chopper-Lenker und den ganzen versteckten Waffen bist du eine One-Man-Army. Dich macht keiner an. Deine Reisegeschwindigkeit ist etwa 10 km/h schneller als ein Trecker. Auf dem Weg von Herne-Wanne nach Wanne-Eickel verdrückst du fünf Dosen Bier.
(+10 S, +10 U)

Du bist ein Flachschädler. Dein „Helm“ ist ein sogenanntes „Braincap“, eine winzige Schüssel, die nur den oberen Teil deines Kopfes schützt. Damit zeigst du allen, was dir dein Gehirn im Falle eines Unfalls Wert ist. Deine auf Hochglanz polierte Harley scheint fast vollständig aus Chrom zu bestehen. Jeder, der dich breitbeinig auf deiner Karre sitzen sieht, denkt sofort unwillkürlich „Affe auf Schleifstein“. Dein Auspuffrohr hast du weitestgehend ausgeräumt, nun ist der Sound der Maschine deinem Ego angemessen. Und was du von deinen Mitmenschen hältst, dröhnst du auf deinem gesamten Weg mit der Lautstärke eines scheiss Presslufthammers heraus, denn du bist ja DER VERDAMMTE DONNERGOTT!!!
(-35 S, -35 U)


Du bist ein sog. "Streetfighter". Wenn dein barbarisches "YAWP!" über den Hügeln erschallt, während die Drehzahlnadel rechts aus dem roten Bereich wieder herausdreht, zeichnet eine am Motorrad installierte Videokamera alles auf, damit du ins Netz stellen kannst, was du doch für ein knallharter und ultracooler Triple-X-Typ bist. Verzerrt rauschen 30, 50 und 70 Schilder am Bildrand vorbei. Andere Verkehrsteilnehmer oder gar Passanten lässt du in Schreckstarre einfach stehen. Wenn du dich dann bretzelst, Gliedmaßen an Leitplanken zurücklassend wie abgebrochene Blinker, wirst du nicht ohnmächtig, sondern du lächelst, weil dein Zusammenflicken die Solidargemeinschaft der Krankenkassen übernimmt, ebenso wie die komplette Prothetik. Außerdem hast du im Krankenhaus und in der Reha endlich mal Zeit, ein paar neue, aufregendere Stunts zu planen. Du bist also der Typ von Sozialschmarotzer, der in keiner Statistik auftaucht. Und solltest du dein unfasslich aufregendes Leben doch einmal aushauchen, gehe nicht alleine, nimm einfach ein paar Unbekannte mit!
Sicherlich wird ein um dich trauernder Mensch am Straßenrand ein Kreuz aufstellen, auf dem völlig verrückterweise auch noch "Warum?" steht.
(-50 S, -50U)


Ergebnis der Verträglichkeitsstudie (Dalai bis Dschinghis):

S = Sozialverträglichkeit
bis 20 oder mehr: Du bist der Dalai Lama des Bikens!
bis 10 oder mehr: Du bist echt sozialverträglich
Null: Naja, denk' nochmal drüber nach
-10 oder weniger: uuh... !
viel weniger: Würg! Hauptsache du hast deinen Spaß, Dschinghis!

U = Umweltverträglichkeit
bis 20 oder mehr: Umweltengel des Bikens!
bis 10: echt umweltverträglich
Null: denk' nochmal drüber nach
-5 oder weniger: uuh... !
viel weniger: Würg! Na denn, nach dir die Sintflut, Dschinghis!


Freitag, 28. Mai 2010

ru24 History 16/Automobiles 14 - Abgeschleppt


Nico The Nova in Fen Ditton
Originally uploaded by elstro_88
Zwischen Januar 1992 und März 1996 habe ich als studentische Hilfskraft bei der Barmag AG gearbeitet. Eines Tages im Spätherbst 1995, kam ich an meinen Opel Corsa (der ein merkwürdiges Rotweinrot hatte) und stellte fest, dass die Batterie leer war, weil ich das Licht angelassen hatte.
Ich quatschte eine Reihe von Leuten an, ob sie ein Starthilfekabel hätten, hatte aber keiner. Der Typ, der mit einem irgendwie sandbraunen Sierra 2.9 4x4 Turnier neben mir parkte, kam vorbei, schaute sich mein kleines Auto an und grinste.
"Ich schlepp Sie ab!", sagte er und holte eine Abschleppstange aus dem Kofferraum.
Super! Ich machte mit ihm aus, dass ich beim Abschleppen den Wagen anrollen lasse und dass wir an der nächsten Bushaltestelle "Tocksiepen" anhalten.
"Allsklar!", der Sierra-Fahrer sprang in sein Auto und gab Gas.
Es war wie ein Kickstart, ich wurde in den Sitz gepresst wie auf einer Jahrmarktsattraktion, er preschte mit mir quer über den Parkplatz zur Ausfahrt in Richtung Straße.
An der Straße angekommen, näherte sich von links und mit Vorfahrt ein PKW mit einem aus Afrika stammenden Fahrer. Der Sierra gab richtig Gas, um da flott noch dran vorbei zu kommen.
Panik!
Ich trat entschieden die Bremse. Doch der Sierra zerrte mich einfach weiter, meine Reifen standen, aber sie noppelten über den Asphalt. Dem Fahrer des von links kommenden Wagens traten die Augen aus dem Kopf bei seiner lautstarken Notbremsung. Mein Corsa wurde von elementaren Kräften weitergezerrt. Auf der Bundesstraße B229 gab mein Zugwagen richtig Gas. Die Bushaltestelle "Tocksiepen" hatten wir längst hinter uns gelassen, ich machte Lichthupe, was ignoriert wurde. Wir beschleunigten linear bis auf etwa 150 km/h, eine Geschwindigkeit, die mein altersschwacher Corsa noch niemals zuvor erreicht hatte. Er schlingerte.
Natürlich lief der Motor längst wieder.
Ich blickte dem Tod ins Auge.
Mein ach so junges Leben rauschte mit 150 an mir vorbei.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals.
Meine Brille war beschlagen.
In Rekordzeit erreichten wir Radevormwald.
An einer Bushaltestelle hielten wir an.
Der Sierra-Fahrer sprang aus seinem Wagen und riss meine Fahrertür auf.
"Da hätte uns der dumme Neger fast platt gefahren, was?", tönte er.

Merke: Manchmal ist es die sicherere Alternative, den ADAC zu rufen.

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