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Dienstag, 14. November 2017

Automobiles 25: Blinken und Winken

photo credit: mripp The future of german car industry via photopin (license)

Meinerzeit (1985), als ich in 5608 Radevormwald bei der Fahrschule Nitsch den Führerschein gemacht habe, hieß der Blinker noch "Fahrtrichtungsanzeiger" und die Ampel "Lichtzeichenanlage". Man bremste nicht, man "verzögerte". Auf den theoretischen Bögen tauchte zu allem Überfluss ständig auch noch "der Mann mit dem Handwagen" an der Kreuzung auf und wollte Vorfahrt. Ächz!
In diesen prähistorischen Tagen, als man den Flintstones näher war als den Jetsons, da wurde an der "Lichtzeichenanlage" sogar der "Fahrtrichtungsanzeiger" betätigt, wenn man denn ungleich geradeaus fahren wollte. Manchmal geriet man auch in eine Situation, da man einem entgegenkommenden Fahrzeug in einer engen Straße soviel Entgegenkommen entgegenbrachte, dass man es vorbei ließ -- der Fahrer des anderen Wagens grüßte dann freundlich mit der Hand und er lächelte dabei, manchmal gab es alternativ eine kurze Lichthupe und ein Lächeln.
Seitdem hat sich viel geändert.
Der Mann mit dem Handwagen wurde aus den Führerschein-Lernbüchern verbannt, Dinge bekamen griffigere Namen. Man kann mit Apps für die theoretische Prüfung lernen. Aber vor allem der Gebrauch der Blinker wurde von Jahr zu Jahr mehr eingeschränkt, zuletzt radikal. Die Leute fahren in der Moderne einfach in der Gegend herum, bremsen hier und da, halten an und fahren weiter, all das, ohne auch nur einmal mit dem Blinker gezuckt zu haben. Man muss raten, was die Menschen, die vor einem fahren, planen und was sie um- und antreibt. Sind die zum Genuss der Morgen- oder Abendröte unterwegs, suchen sie einen Parkplatz, wollen sie losfahren oder anhalten? Das ist nicht immer ganz ungefährlich, denn: man weiß et ja nich!
Oft kommt mir in den engen Nebenstraßen Wuppertals einer entgegen, da fahre ich mit dem Smart schnell in eine Parklücke und setze den Blinker links und warte, dass ich weiterfahren kann. Der Entgegenkommende starrt zu 80% angelegentlich geradeaus, während er an mir vorbei fährt. Ich habe gerade eine Serie, was diese Situationen angeht.
Irgendwann ist die Rücksicht, die Kommunikation, das Freundliche beim Autofahren abhanden gekommen.
Alles Aut(o)isten.

Wenn das mit dem Selbstfahren mal passé ist in den nächsten Jahrzehnten, dann muss mit dem autonomen Fahren eines ganz sicher nicht zu Grabe getragen werden: der umsichtige und freundliche Autofahrer, der steht nämlich schon jetzt auf der Roten Liste.


Freitag, 23. Oktober 2015

Automobiles 24: Fußgänger, eine Straße überquerend

photo credit: Kriss Crossing via photopin (license)

Als Kind brachte meine Mutter mir bei, die Straße immer sehr zügig zu überqueren. Das "Überfahren werden" wirke sich nämlich mindestens "arg ungünstig" wenn nicht gar "hoch drastisch" auf das eigene Wohlbefinden aus. Hierbei wurden die "3K" als Schlüsselworte verwendet: "Krankenhaus, Krüppel, Krematorium". Das korrellierte übrigens mit den noch in den 70ern herumfahrenden Autos, die so dermaßen unverformbar waren, dass man damit hätte Häuser einreißen können.

In den folgenden Jahren passierte so Einiges.
Neuwagen punkteten mehr und mehr mit aktiver und passiver Sicherheit. Sog. "Hirschfänger" an Autos wurden verboten. Die Unfallzahlen gingen allgemein zurück. Die nach 1987 geborenen wurden zudem zeitgleich mit der von Manfred Krug beworbenen "Advocard ist Anwalts Liebling"-Werbung groß -- sie wurden immer selbstbewusster. Und: Je mehr der Wohlstand der bundesrepublikanischen Haushalte zunahm, umso mehr Mütter hatten nun ein Auto, mit dem sie ihre Brut in die Schule karren und von dort wieder abholen konnten. Wenn immer man an einer 30er-Zone einer Schule vorbeifährt, sieht man so alles mögliche, vor allem SUVs, aber keinesfalls zu Fuß gehende Schüler. Nach Hause chauffiert, spielten die Blagen dann zur Entspannung im Schneidersitz auf Spielkonsolen Fußball, denn draußen spielen wurde ja dank der Medienhetze der Privatsender immer gefährlicher: "Überall Perverse. Man hört ja so viel." Zu allem Überfluss wurde 2011 die Wehrpflicht abgeschafft.

Letztens schlichen vor mir nach 1997 geborene mit der Behäbigkeit einer Kontinentaldrift über die Straße. Ich stellte den Motor ab. Während ich gemütlich ein Snickers aß, weil es mal wieder "etwas" länger dauerte, und nach meinem Kindle kramte, kam ich drauf: Bei dieser Generation war "Rennen" oder "schnelles Gehen" überhaupt nicht mehr im Repertoire der bipedalen Fortbewegung enthalten. Sie konnten nicht schneller.


Mehr davon: (Blogbeitrag) (Blogbeitrag)

Freitag, 30. Januar 2015

Automobiles 22: BMW

photo credit: BMW F30 335i via photopin (license)

Ich werde nie in meinem Leben einen BMW fahren. So, wie ich auch noch nie Cowboystiefel besessen/getragen habe. Oder CDU wählen würde.

Was für Menschen fahren BMW? Statistisch gesehen sind es: 72% CDU/CSU-Wähler, 13% Jungs mit Migrationshintergrund (zum Bräute beeindrucken), 11% Mietwagenfahrer & Geschäftsleute, 10% weil de Vatter auch schon BMW gefahren is, 3% Zuhälter. (Mehrfachnennungen möglich, Quelle)
Das erklärt auch schon recht elegant, warum ich keinen BMW fahre und auch unter gar keinen Umständen je einen fahren werde. Ich bin ja nicht mal katholisch!

Im Straßenverkehr erkennt man BMWs an den klassischen Verhaltensweisen:
  • Stadtverkehr: Du kommst gleichzeitig mit einem BMW an eine Kreuzung mit bissi unklarer Vorfahrtsregelung. Rate, wer nun Vorfahrt "hat"
  • Stadtverkehr: Na, wer bekommt wohl den Parkplatz?
  • Landstraße: Man fährt schon fast 70, obwohl nur 50 erlaubt ist. Der BMW 12,5 cm hinter dir scharwenzelt nervös herum, als würdest du 40 fahren. Bei erster Gelegenheit überholt er dich brüllend Kraft seiner 350 PS, natürlich fett über die doppelt durchgezogene Linie.
  • Autobahn: Ein BMW fährt auf die Autobahn auf. Wie viele Sekunden dauert es, bis er von der Beschleunigungsspur auf der Überholspur fährt? a) < 1 Sekunde, b) 2 Sekunden, c) 3 Sekunden
    [Antwort 'a' ist richtig]
  • Autobahn: Du bist auf der Überholspur. Im Rückspiegel erkennst du am Horizont hinter dir zwei winzig grelle Pünktchen, binnen drei Sekunden füllt die BMW-Niere die Spiegelfläche komplett aus. Abstand zwischen den Fahrzeugen: gefühlte 8 cm.
BMW, das steht anscheinend für nichts anderes als "Breite macht wichig".
Die, die das Unglück haben, die Raubfisch-Visage eines BMW im Rückspiegel hinter sich zu sehen, sollen sich fühlen wie eine Makrele, die vom Weißen Hai gejagt wird. Hektische Aktionen des Jagdwildes sind leider oft die Folge.
Der untermotorisierte Untermensch soll sich bereitwillig der Herrenrasse unterordnen.

Die einzig korrekte Vorgehensweise ist: Cool bleiben und wiederholt die Wischwaschanlage betätigen, um dem übermotorisieren Penner hinter dir die Dreifachwachsung zu versauen.


Freitag, 23. Januar 2015

ru History 52: SCHULZ, der Schrecken der Straße

photo credit: IMG_0101.jpg via photopin (license)

Ende der 80er bis in die frühen 90er gab es in meiner Heimatstadt Radevormwald einen gefürchteten Knöllchenschreiber namens SCHULZ (Name ähnlich). Von der Statur her tendenziell zu Kleinwuchs neigend, schritt er mit Kassengestell-Brille, Parka und Ordnungsamt-Täschchen auf Gesundheitsschuhen gemessenen Schrittes durch die Bergstadt. Was von außen für das flüchtige Auge arg nach "spacke Memme" aussah, war im Inneren in Wirklichkeit ein schrecklicher, gnadenloser Jäger!
Wer in der Innenstadt "mal eben" direkt vor der Apotheke parkte, heraushetzte, sofort dran kam, sein Geld passend hinlegte und zu seinem Wagen zurückhastete, hatte eine Knolle am Scheibenwischer, von SCHULZ indes keine Spur! Wer seinen Wagen aus der Einfahrt fuhr, ihn für Sekunden nur zurückließ, um noch etwas aus der Wohnung zu holen, fand eine Knolle unter dem Wischer, kein SCHULZ weit und breit. Fehlende/abgelaufene Parkscheibe -- Knolle. Das Phänomen bekam mit den Jahren etwas fast schon Übernatürliches, dermaßen effizient und vor allem schnell gelang es SCHULZ, Knollen unter Wischerblätter zu zaubern, ohne jemals dabei gesehen zu werden und danach zu verschwinden wie ein Phantom.
Ich habe in den Jahren etliche Dutzend DM an die Stadt verloren, u.a. auch wegen einer seit zwei (2) Minuten abgelaufenen Parkscheibe, aber manche Zeitgenossen muss es weitaus schlimmer erwischt haben als mich ...

In einer Nacht- und Nebelaktion lauerten einige Gesellen dem Meister der Knolle auf. Es war wohl dem Biergenuss geschuldet, dass sie sich zu einer Art provisorischer ad hoc-Bürgerwehr zusammengeschlossen hatten, um das drängende Problem einmal anzugehen. In einer der finsteren Nebenstraßen stülpten sie SCHULZ von hinten einen Sack über den Kopf und verprügelten ihn recht zünftig.
Und siehe: Der Spuk war vorbei! SCHULZ, die "spacke Memme" zog es fortan vor, seine Brötchen mit ungefährlicheren Beschäftigungen zu verdienen. Seitdem kann man in Radevormwald, "der Stadt auf der Höhe", in der Innenstadt auch mal eine halbe Stunde ohne Parkscheibe parken, ohne dass irgend etwas passiert.
Mein Dank geht an die provisorische Bürgerwehr!

Merke: Gewalt ist keine Lösung, wenn man nur drüber redet.


Montag, 20. Januar 2014

Automobiles 21: Der Wille zur Fortbewegung

London traffic lights - t2i by @Doug88888
London traffic lights - t2i, a photo by @Doug88888 on Flickr.

Als Smart-fortwo-Fahrer bin ich nicht gerade das, was man als "Raser" bezeichnet. Und doch begenet mir jeden Tag mindestens eine Krücke, die den ganzen Verkehr aufhält. Hier fehlt einigen Menschen ganz ernstlich der Wille zur Fortbewegung. Ich habe keinen Schimmer, warum die mit ihren Ford Fusion oder sonstigen Kack-Karren eigentlich unterwegs sind -- ums irgendwo Ankommen scheint es nicht zu gehen. Und wenn die Lenker diese Verkehrshindernisse zum Genuß der Morgen- oder Abendröte unterwegs sind -- ich für meinen Teil bin nicht zum scheiß Spaß on the road.
Es lassen sich folgende Kategorien ermitteln:

Muddi: "Unfallfrei bis ins Grab", so lautet die Devise seit dem ersten Wagen zum Einser-Abi. Das wird durch das Unterschreiten der Höchstgeschwindigkeit von mindestens 20%, an Blitzern um 30% erreicht. Ampeln werden bereits aus langen Distanzen so lange ausgebremst, bis sie ein zufriedenstellendes Rot zeigen.

Vaddi: "Lieber langsam unterwegs als im Büro/zu Hause/etc.", so lautet die Devise. Mit mediterraner Gelassenheit demonstriert dieser Fahrer, dass zumindest er nirgendwo zeitnah eintreffen muss. Versucht jemand zu überholen, erwacht der Machismo des Fahrers wenigstens so lange, dass er das Manöver durch kurzes Beschleunigen verunmöglicht, danach verfällt er wieder in den Dreizehenfaultier-Modus.

Greis: "Ich seh nix". Wer nichts sieht, keinen Schulterblick mehr machen kann und Reaktionszeiten von bis zu 3 Sekunden hat, fährt zur Sicherheit mal was langsamer. Adolf Hartmann hat bei seinem Seh- und Reaktionstest 1944 hervorragend abgeschnitten, deswegen ist er auch in 2014 noch unterwegs. So lange er niemanden totfährt, sondern nur verstümmelt, darf er seinen Führerschein behalten. Sicher, sicher.

Ortsunkundiger: "Wenn ich nicht weiß, wo ich gerade bin, fahre ich eben Schrittgeschwindigkeit": "Unhiesige" haben naturgemäß sehr oft keinen Schimmer, wo sie gerade sind. Navis sind ja auch nur für Lappen. Und fragen kann man ja auch keinen. Besser, sie fahren so langsam, dass sie während der Fahrt durchs Fenster Blumen pflücken können. So kommen sie zwar nirgends an, verschlimmern ihre Situation aber auch nicht signifikant.

Stadtwerke: "Wir fahren zum Grillen, es ist aber erst 10.30 Uhr". Die Mitarbeiter der Stadtwerke müssen ihren Arbeitstag ja irgendwie rumbringen. Mit 25 km/h von A nach B zu gondeln kann dabei helfen.
Als einziger legitimer Nachfolger des kontemplativen Lebens mittelalterlicher Klöster sind die Stadtwerke die letzte Bastion dieser Arbeitsweise.


Dienstag, 11. Juni 2013

Automobiles 20: Einfach tanken

http://goo.gl/vS7PE
Zwischen 1977 bis 1985 moderierte ein permanent wie ein Schwein schwitzender Michael Schanze die Sendung "1, 2 oder 3". Spannenderweise gabs da auch immer ein "Kamerakind". Und einmal Kamerakind zu sein, das war der Traum der schlaflosen Nächte meiner Kindheit! Heute fände ich das nur so "mittel", aber damals...
Die Sendung läuft übrigens heute noch immer (Wikipedia).
Ich wage mal zu bezweifeln, dass die Sendung DER Erfolg geworden wäre, wenn sie "1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 14, 15, 16, 17 oder 18" geheißen hätte...

Ich komme die Tage zur Shell-Tankstelle und stelle mich an die einzige, freie Zapfsäule, Nummer 1. An den Zapfhähnen nestelt meine Hand verwirrt an der Vielzahl der Spritsorten herum. (Zur Info: "Damals", da gab es Normal, Super und Diesel - das war so einfach wie "30, 60 und 95°C" beim Wäsche waschen oder eben "1, 2 oder 3" mit Michael Schanze.) Bei Shell ist die Sache indes weitaus komplizierter, denn "einfach tanken" war gestern. Dort gibt es gefühlte 18 Spritsorten, die sich aus den Sorten "Super" und "Diesel" mal den Marketing-Worthülsen "FuelSave", "V-Power" und "Racing" mal diversen Oktanzahlen [95 ... 100] zusammensetzen. Und "Super E10" an jeder Säule - das ist doch nur was für Lappen! Denn: Racing rult!
Ich tankte einfach irgendwas mit "95", zahlte absurd zu viel und verschwand mit einem mauen Gefühl in der Magengegend.

Selbst wenn man ganz in Ruhe zu Hause auf der Internetpräsenz von Shell schaut (hier), bleibt es ein Rätsel, welche Spritsorten bei Shell genau gehandelt werden - und wieso eigentlich. Selbst, wenn man sich richtig Mühe gibt, bleibt alles nur Wischiwaschi - bloß nix Konkretes. Hauptsache Formel 1, Ferrari & Co. Gar so genau soll der Golf-Escort-Smart-fahrende Konsument wohl nicht darüber nachdenken, wenn er beim Tanken vor der Entscheidung steht, ob er einfach mal 20 Cent pro Liter Sprit mehr zahlen soll oder nicht.
Aber hey! Fahren wir nicht im Grunde alle eine Rennsemmel?

In mir keimte der Beschluss, in Zukunft nur noch zu einer Wald- und Wiesen-Tankstelle zu fahren (die MAXIMAL bis zu vier Sorten Sprit im Programm hat, die ziemlich genau Super E10, Super und Diesel heißen) und dort normal "Super E10" zu tanken.


Mehr Tankstelle: (Blogbeiträge)


Mittwoch, 29. Mai 2013

Automobiles 19: Abblendlicht

Originalfoto, Smart, rechter Scheinwerfer (von innen)
Mein Freund und Helfer machte mich auf mein ausgefallenes, rechtes Abblendlicht am Smart aufmerksam.
OK, dann fahre ich in der Mittagspause halt zum Bosch-Dienst, statt mich zu amüsieren.
Der Spaß fing an, nachdem ich die Mini-Fronthaube des Smart geöffnet hatte. Der Raum, der sich mir bot, um das defekte Birnchen zu entnehmen, war in etwas so bequem zu erreichen wie das dem Flaschenhals abgewandte Ende eines Buddelschiffs. Nur, dass hier nichts durchsichtig war. Und, dass selbst Barbie sich die Flossen hier angeschrammt hätte. Das große Gummi-Nupsi ging noch ganz gut ab. Nun fummelte ich an der Drahtklammer herum, die so fest saß wie die Spange an einem Teenagergebiss. Mir kam die Idee, mein iPhone in diese Lücke zu wursteln und mit nach vorne gerichteter Kamera das Handy quasi als Spiegel zu benutzen, um überhaupt mal zu sehen, was gerade Sache war. Die Idee war so "Mittel". Da hätte ich auch versuchen können, mir mit dem Handy selbst eine Darmspiegelung zu machen. Nach einer Weile hatte ich die Drecks-Klammer ab. Nun ging mir auf, dass es extrem hilfreich gewesen wäre, vor Entfernen der Klammer den Stecker vom Birnchen abgezogen zu haben - leider zu spät. Frickel, frickel. Irgendwann hatte ich auch das Problem gelöst und hielt das defekte Birnchen in der Hand.
Die Bosch-Frau knöpfte mir für das Ersatz-Leuchtmittel zwei Tageslöhne ab, mit der kleinen Papp-Box (auf der Papp-Lasche aufgedruckt die Logos "Schutzbrille tragen" und "Schutzhandschuhe tragen", sicher, sicher) kam ich zum Wagen zurück.
Es war das gleiche Geraffel, nur rückwärts. Mit Schutzhandschuhen würde das Nie-nie-niemand schaffen, nichtmal McGyver, ich schwöre! Zum Einsetzen des Teils musste ich die Handy-Kamera nochmal einschieben, um ein Foto der Gegebenheiten vor Ort zu machen (eingebettetes Bild), denn es gab nur eine richtige Position für das Winz-Birnchen. Dann kam wieder die Teenie-Spange, der Stecker, das Gummi-Nupsi.
Kaum 17 Minuten später hatte alles wieder seine Ordnung.

Ich habe nun eine vage Vorstellung, warum auf Reparaturrechnungen die Posten z.B. für das turnusmäßige Abfetten der Schlupfmuffen oder das Aufrauhen der Hutablage so schweineteuer sind.


Montag, 27. Mai 2013

Automobiles 18: Umriss-Autoaufkleber

http://goo.gl/tTSWq
Im Spätherbst 1970 hatte in Hamburg-Poppenbüttel eine Krähe auf den Kofferraum von Gunther Sachs' goldenem Mercedes-Benz 300SEL 6.3 gekackt, dem Umriss nach konnte man "Sylt" erahnen.
Hier nahm ein Missverständnis seinen Lauf, welches der Lebemann in diesem Augenblick hätte leicht aufklären können, etwa: "Hä, bist du irre, das ist doch nicht Sylt! Mir hat doch nur eine alte Krähe auf die Protz-Karre gekotet!"
Aber nein.
Vielleicht berichtete auch BILD in einer mehrtägigen Serie darüber, dass Sachs mit dem Kackumriss der Schickimicki-Insel auf dem SEL herumfuhr: "PLAYBOY LIEBT DIE SYLTER MÄDCHEN". Wie dem auch sei, der Pöbel, der schnell Wind von solchem bekommt, war wie elektrisiert! Bald wollte sich jeder deutsche Kleinwagenbesitzer Inselumrisse auf den Golf I pappen, ohne auch nur zu ahnen, wo "dieses Sült" eigentlich liegt.
Heute knubbeln sich auf den Heckklappen der Republik jede Menge Silhouetten: Westdeutschland ohne DDR ("Gute, alte Zeit"), DDR ohne Westdeutschland ("Gute, alte Zeit"), Deutschland in den Grenzen von 1237 ("Gute, alte Zeit"); Sylt, Bornholm, Rügen und Korsika - immer wieder Korsika; Boden-, Chiem- und Gardasee; Nürnburgring, Monza und Le Mans.
Es wird immer unübersichtlicher, manchmal weiß man ja nicht einmal, ob es sich um einen (geschichtlichen) geographischen Innen- oder Außenumriss oder um eine Rennstrecke handelt, siehe: hier.

Aber manchmal hat einem eben nur eine alte Krähe - oder ganz feudal ein Kormoran - auf die Heckklappe gekackt.


Und hier könnt ihr den richtigen Mist bestellen: Link.


Samstag, 16. Juni 2012

Automobiles 17: E-Nummern -- Und ist es nicht Wahnsinn...

bit.ly/LsKAfL
E10-Sprit (Link) will in Deutschland fast keiner tanken. Wenn es nach dem deutschen Autofahrer ginge, sollte man lieber wieder das gute, alte "Super verbleit" einführen - da wusste seinerzeit der Ford Capri-Fahrer, was er davon zu halten hatte. Aber E10 tanken? Tsts, das klingt ja wie ein buckliger Nahrungszusatz! Sowas kommt dem Deutschen nicht in den Tank seiner zum Fetisch aufgeladenen Fortbewegungsprothese - da könnte ja allerlei passieren.
Was genau da passieren könnte, wenn man Sprit mit läppischen 10% Bio-Ethanol tankt, dafür hat man zwar nicht genug Fantasie, aber man hört ja so vieles...

Bei Nahrungsmitteln indes ist der Deutsche an sich verrückterweise weitaus weniger wählerisch.
In unserer industriell gefertigten Nahrung tummeln sich die E-Nummern (Link) wie Kaulquappen in einem trüben Tümpel und feiern fröhliche Urstände. Und das, was die Schergen der Chemischen Industrie auf den Tisch bringen, wird auch gegessen. Der Deutsche ist also im Prinzip schon durchaus bereit, sich selbst und seine Familie Riesenmengen an Rieselhilfen (E 538, Link), chemischen Farbstoffen (E 110, Link), Emulgatoren (E 491, Link) und Konservierungsmitteln (E 201, Link) auszusetzen.
Nur E10 tanken will er nicht.

Muahahaha!!!
Und ist es nicht Wahnsinn, so hat es doch Methode.

Vielleicht machen E-Nummern im Essen blöd.


Mehr zu E10: Link


Donnerstag, 15. März 2012

Automobiles 16: Affen-Männchen meets Messerschmitt ME-262

http://bit.ly/Agzt3n
Auf meinem Weg zur Arbeit von Wuppertal nach Wermelskirchen lege ich ca. 10 km auf der A1 zurück.
Ich tuckerte mit meinem weißen Smart mit 110 km/h über die Bahn, überholte einen schwarzen, etwas abgewetzten Opel Corsa, der mit 98 km/h unterwegs war. Der Corsa-Fahrer blickte bei meinem Überholvorgang zu mir herüber. Plötzlich das Erkennen in seinen Augen: Verdammt, da überholt mich ein Smart!!!
Schlagartig wurde aus dem schläfrigen, unterkoffeinierten Corsa-Fahrer Kevin Romanowski der WK-II-Pilot Karl Römer mit seiner pechschwarzen Messerschmitt ME-262. Er trat reflexartig auf den Pinn.
Mein Überholvorgang zog sich demnach hin.
Bei 130 km/h kuckte ich auf das Tacho.
Meine Güte, soo eilig hatte ich es nun auch nicht! Aber jetzt konnte ich natürlich keinen Rückzieher machen. Ich gab Vollgas, katapultierte mein Winz-Gefährt auf sa-gen-haf-te 145 km/h (ab da wird der Smart elektronisch heruntergeregelt) und tauchte hinter einem LKW ab. Die schwarze Messerschmitt klebte an mir, Pilot Karl Römer sah maximal unentspannt aus, seine vier Maschinenkanonen MK 108 feuerten ununterbrochen ihre 30 mm-Geschosse auf mich ab.
Irgendwie war ich froh, dass der unerfreuliche Vogel Ausfahrt Remscheid die Biege machte und die Bahn verließ.
Vier von fünf Fingern meiner Hand wollten ihm nicht zuwinken.

Reichlich früh kam ich bei der Arbeit an.
Es ist manchmal verdammt anstrengend, Smart zu fahren.
Und ein Affen-Männchen zu sein.


Mehr vom Affen-Männchen: (Blogbeitrag) (Blogbeitrag).


Mittwoch, 2. November 2011

ru24 History 27/Automobiles 15: Eine wichtige Lektion (1986)

http://bit.ly/uGS65N
Anno 1986 schrieb ich etwa acht Bewerbungen, um eine Lehrstelle zu bekommen.
Ich bekam eine.
Heute werden alle sagen: "BOAH!!! NUR ACHT???"
Leute, Leute, Leute!
Ich sag nur "2-8-0": Schreibt mal im Zweifingersuchsystem acht Bewerbungen auf einer mechanischen Schreibmaschine mit Zero Tolerance. Wenn ihr einen Tippfehler in Zeile 30, 20 oder zehn macht, heißt es: Neu machen, Trottel! Also, um es mal so auszudrücken: Wenn man den Aufwand hochrechnet, dann waren das so ganz circa 113,4 heutiger PC-Bewerbungen.
OK, also, ich bekam eine kaufmännische Lehrstelle bei einem Ford-Händler.
Cool war: Schon ein halbes Jahr später fuhr ich einen gebrauchten, haselbraunmetallicfarbenen Opel Kadett D.
Nicht so cool war: die Lehrstelle.
Meine Pausen verbrachte ich im Pausenraum zusammen mit den rustikalen Gesellen aus der Schrauberwerkstatt.
Das macht hart, glaubt mir.
Eines Tages teilte ich ihnen eine Beobachtung mit: "Jungs. Keiner von euch fährt Ford. Alles Opel und Japaner. Wie kommt das eigentlich?"
"Komm mit!!!", brüllte einer.
Die verölten Gestalten und ich sprangen auf wie ein Mann, Butterbrotdosen voller Graubrot-mit-Bierwurst-Stullen schlitterten zur Seite, Kaffee mit Fettaugen schwappte, wir hasteten die Treppe hinauf in die Halle.
Auf einer noch nicht hochgefahrenen Hebebühne stand ein recht neuer Ford Escort Baujahr 1985.
"Mach ma de Fahrertür auf un zu!", befahl einer der Schrauber.
Ich tat wie mir geheißen.
Tür auf.
Tür zu.
Die Gesellen blickten mich triumphierend an.
Einer drückte einen Knopf, der Wagen fuhr auf der Hebebühne genau so weit in die Höhe, dass die Räder so gerade den Boden nicht mehr berührten.
"So. Getz nochma!", sagte er.
Die Tür war wie verschlossen.
Der Schrauber nickte im Triumph.
"Pass ma auf! Ne Karre, die sich so verzieht, die fahren wir nich, klar?"
Thema durch.
Tage danach fuhr ich zu Opel und schaute dort auf den Angestellten-Parkplatz.
Bei Opel fuhren sie Ford, Japaner und BMW.
Aha!

Wenn man sich mit etwas sehr gut auskennt, dann kennt man damit auch all seine Fehler. Allerlei konkurrierende Produkte, über die man weniger weiß, müssen demzufolge besser sein, als dieser Schrott.
Ein Trugschluß.
Elegant zusammengeschnurrt lautet das: Woanders ist auch scheiße*.

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*) Das ist universell anwendbar auf nahezu ALLES: Hardware, Software, soziale Netzwerke, Jobs, Baumärkte, Krankenkassen etc., etc. - und manche sagen, sogar auf Beziehungen.

Dienstag, 4. Oktober 2011

Autowaschanlage

http://bit.ly/nC20cs
Auch wenn man ein kleines Auto fährt, wird es mal arg schmutzig. In meiner Mittagspause bin ich dann zur Tanke gefahren und habe mir die Autowaschangebote mal angesehen. Sieben Waschprogramme rangen um meine Gunst. Bürstenwäsche, Unterbodenwäsche mit Unterbodenkonservierung, Felgenreinigung, Wachsauftrag mit Sonderwachs, Schaumpolitur, Trocknung mit Glanztrockner. Ich wählte das Programm, das ich mir leisten konnte und bekam ein Zettelchen mit einer sechsstelligen Codenummer. Ich trollte mich.

Mit dem Wagen an der Waschstraße stellte ich fest, dass ich nicht der einzige war, der auf die grandiose Idee gekommen war, sein Auto in der Mittagspause waschen zu lassen, ich stellte mich an. Mit dem Codezettelchen in der Linken stiegt ich aus. Die Gelegenheit war günstig: Ich durchstöberte das Wageninnere nach Abfall und warf zwei Hände voll in den nahen Mülleimer.
Den Rest der Wartezeit versuchte ich das Wetter zu genießen (angesagt: Sonne, 27°C, tatsächlich: bedeckt, 12°C).
Als ich an der Reihe war, stellte ich meinen Smart in Position, ging zu dem Bedienpanel mit den Zifferntasten herüber und starrte auf meine Linke mit dem Zettelchen. Die Hand war leer. Blitzartig entschlüsselte der großartige Verstand, der nicht einmal in der Lage war, fünf Minuten auf ein kleines Zettelchen aufzupassen, die Vorgänge. Mein Blick wanderte zu der Mülltonne.
Jubilate!
Angelegentlich scharwenzelte ich zu der Mülltonne und warf einen unauffälligen Blick hinein. Nun, nur hineinzulinsen würde definitiv nicht reichen! Und die Augenzeugen dieses Vorgangs zu eliminieren würde auch kein leichtes Unterfangen werden!
Ich wühlte also in einer Mülltonne. Dabei hatte ich in den 80ern nicht einmal eine Clochard-Hose besessen! Ich fischte sechs unterschiedlich zerknüllte Codezettelchen heraus und ging wieder zum Panel.
381 654 war eine Niete. 729 062 auch. 667 382 übrigens ebenso. Ach ja: 110 299 auch. Und 447 381 überraschenderweise auch.
Ich ging wieder zur Tonne. Die zahlreichen Augenzeugen starrten auffällig unauffällig, als ich mich wieder in den Unrat hinabbeugte und unter Kippen, Asche, runtergerockten Kokos-Duftbäumchen und Getränkeverpackungen weitere Zettelchen hervorkramte.
Die Glückszahl lautete übrigens 772 861.
Danke Gehirn!

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Freitag, 28. Mai 2010

ru24 History 16/Automobiles 14 - Abgeschleppt


Nico The Nova in Fen Ditton
Originally uploaded by elstro_88
Zwischen Januar 1992 und März 1996 habe ich als studentische Hilfskraft bei der Barmag AG gearbeitet. Eines Tages im Spätherbst 1995, kam ich an meinen Opel Corsa (der ein merkwürdiges Rotweinrot hatte) und stellte fest, dass die Batterie leer war, weil ich das Licht angelassen hatte.
Ich quatschte eine Reihe von Leuten an, ob sie ein Starthilfekabel hätten, hatte aber keiner. Der Typ, der mit einem irgendwie sandbraunen Sierra 2.9 4x4 Turnier neben mir parkte, kam vorbei, schaute sich mein kleines Auto an und grinste.
"Ich schlepp Sie ab!", sagte er und holte eine Abschleppstange aus dem Kofferraum.
Super! Ich machte mit ihm aus, dass ich beim Abschleppen den Wagen anrollen lasse und dass wir an der nächsten Bushaltestelle "Tocksiepen" anhalten.
"Allsklar!", der Sierra-Fahrer sprang in sein Auto und gab Gas.
Es war wie ein Kickstart, ich wurde in den Sitz gepresst wie auf einer Jahrmarktsattraktion, er preschte mit mir quer über den Parkplatz zur Ausfahrt in Richtung Straße.
An der Straße angekommen, näherte sich von links und mit Vorfahrt ein PKW mit einem aus Afrika stammenden Fahrer. Der Sierra gab richtig Gas, um da flott noch dran vorbei zu kommen.
Panik!
Ich trat entschieden die Bremse. Doch der Sierra zerrte mich einfach weiter, meine Reifen standen, aber sie noppelten über den Asphalt. Dem Fahrer des von links kommenden Wagens traten die Augen aus dem Kopf bei seiner lautstarken Notbremsung. Mein Corsa wurde von elementaren Kräften weitergezerrt. Auf der Bundesstraße B229 gab mein Zugwagen richtig Gas. Die Bushaltestelle "Tocksiepen" hatten wir längst hinter uns gelassen, ich machte Lichthupe, was ignoriert wurde. Wir beschleunigten linear bis auf etwa 150 km/h, eine Geschwindigkeit, die mein altersschwacher Corsa noch niemals zuvor erreicht hatte. Er schlingerte.
Natürlich lief der Motor längst wieder.
Ich blickte dem Tod ins Auge.
Mein ach so junges Leben rauschte mit 150 an mir vorbei.
Mein Herz schlug mir bis zum Hals.
Meine Brille war beschlagen.
In Rekordzeit erreichten wir Radevormwald.
An einer Bushaltestelle hielten wir an.
Der Sierra-Fahrer sprang aus seinem Wagen und riss meine Fahrertür auf.
"Da hätte uns der dumme Neger fast platt gefahren, was?", tönte er.

Merke: Manchmal ist es die sicherere Alternative, den ADAC zu rufen.

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Montag, 26. April 2010

ru24: Automobiles 13 - Wertigkeit

Ein befreundeter Polizeibeamter erzählte mir einmal im Vertrauen, dass das Land NRW bei Polizei-Fahrzeug-Neubestellungen bei VW die "guten, serienmäßigen" Sitze in den Dienstfahrzeugen aus Kostengründen gegen Billigsitze tauschen ließe.
In diesem Gebaren des Landes zeigt sich die Wertigkeit des Staatsbeamten: 250,00 EUR einsparen bei einem Dienstfahrzeug scheint für ein Bundesland reizvoller zu sein, als die langfristige körperliche Unversehrtheit der Fahrzeuginsassen.
Da passte DAS hier wie die Faust aufs Auge:
Unions-Innenexperte Wolfgang Bosbach sagte auf www.spiegel.de folgendes:
“Wer ein Polizeiauto beschädigt, dem drohen fünf Jahre Haft. Wer einen Polizisten verletzt, zwei Jahre. Das ist absolut nicht nachvollziehbar.”
Wer also einmal in die missliche Lage kommen sollte, sich Vollzugsbeamten wiedersetzen zu müssen - wovon ich dringend abraten möchte - dann bitte nur die preiswerten Beamten schrotten, nicht aber das wertvolle Dienstfahrzeug, es handelt sich schließlich um Staatseigentum...
Nun ja.
Realsatire eben.

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Montag, 22. Februar 2010

ru24: Automobiles 12 - EWIGES LEBEN


Peace in Christ Jesus
Originally uploaded by Loci Lenar
Gerade auf dem Weg zur Arbeit: Noch 250 m bis zur grünen Ampel, noch 200 m. Zwischen der Ampel und mir, ein silberner Golf mit Heckscheibenaufkleber: "JESUS CHRISTUS: JA ZUM EWIGEN LEBEN", der mit gemütlichen 42 km/h auf die Ampel zutuckerte. 150 m. Herrgott! Langsam wurde ich unruhig, ich war ja auf dem Weg zur Arbeit und nicht zum Genuß der Morgenröte unterwegs!
Stabile 42 km/h.
Noch 100 m.
50 m.
Der Golf verzögerte schon mal prophylaktisch, die Ampel ließ sich die Chance nicht nehmen und sprang um. Sekunden später stand ich hinter dem Christen vor der roten Ampel und haderte mit meinem Schicksal, ich Atheist, Gottloser, Heide, Häretiker, Ketzer!
Hey! Klar haben die Christenvögel alle Zeit der Welt - die sind ja unsterblich!
Im Grunde kann ich schon heidenfroh sein, wenn er heute noch weiterfährt und nicht stattdessen irgendeinen Hokuspokus abzieht mit Blutregen, den Himmel verdunkelnden Heuschreckenschwärmen oder brennenden Büschen.
Gottogott!
Und ich Sterblicher habe nicht mal eine Seele!
Kein Wunder, dass ich mich auf dem Weg zur Arbeit so abhetze.

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Donnerstag, 14. Januar 2010

ru24: Automobiles 11 - xtreme ticketing


mischief
Originally uploaded by Cult Gigolo

Manchmal scheint das Glück einem Hold, wenn da, wo man hin will, einen auf Anhieb direkt sechs feudale Parkplätze anlachen.

Womöglich eine schreckliche Falle!
Dies ist mein Schreiben an die Stadt Wuppertal:

Sehr geehrte Frau Malewski,

nie im Leben würde ich mich wissentlich oder willentlich auf einen Behindertenparkplatz stellen. Nie, nie niemals.
Nicht, dass da jemals jemand stünde, aber darum geht es hier ja nicht.
Sie und ich gehen für unser Geld arbeiten, und was dabei herauskommt sehen Sie und ich am Monatsende. Da schaut man sparsam!
Deshalb würde ich mich nie, nie, niemals wissentlich auf einen Behindertenparkplatz stellen, weil: es ist ja so was von überzogen schweineteuer!

Also, warum nur stand ich am Sonntag auf einem Ihrer Behindertenparkplätze?
Weil die speziell in Wuppertal so arg filigran ausgeschildert sind.
In anderen Städten wird dick auf dem Boden des Parkplatzes ein Rollstuhlsymbol aufgemalt, oder die Beschilderung ist adäquat. In Wuppertal versteckt man für sechs Parkplätze in Folge das nicht allzu große, einzige Schild hinter einem possierlichen Bäumchen.
Geschickt!
Aber mein Pech.
Keiner der ausgewiesenen Parkplätze war an diesem Sonntag besetzt. Weder bei meiner Ankunft, noch, nachdem ich nach spärlichen zwei Stunden brunchen vom Extrablatt (Brunch plus Milchkaffees 12,50 €) zurückkam. Es war ja auch keine Behindertenrallye zu erwarten, die geschwadermäßig alle Parkplätze gleichzeitig besetzten wollte und dann – dicke Krokodilstränen – kriegte einer, der Willi, keinen Parkplatz mehr ab, weil dieser Radevormwalder (ich) die versteckten Schilder hinter den possierlichen Bäumchen nicht studiert hatte.
Also de facto ist wirklich, wirklich mal GAR NICHTS passiert.
Und wäre es auch nicht.
Aber...
Wenn man eine städtische Bedienstete "Frau Mitarbeiter/in Dienst-Nr. 0461" auch sonntags mit dickem Wochenendzuschlag losschickt, wo die doch sicher auch lieber ins Extrablatt zum Brunchen gegangen wäre, dann muss die ja auch für ihr Geld etwas tun.
Da kam ich gerade recht.
Die Frage ist indes: muss das denn sein?
Das macht nämlich echt richtig schlechte Laune!

Eine etwas weniger wuchtige Verwarnung hätte mir doch bereits hinreichend die Augen geöffnet – ganz ehrlich.

Um größeren Unbill von mir abzuwenden – mit Institutionen wie Ihnen ist ja in Bezug auf Geld ja nicht gut Kirschen essen – habe ich die 35,00 € mit knirschenden Zähnen zum letztmöglichen genannten Termin auf das von Ihnen angegebene Konto überwiesen.
Sollte Ihnen meine Argumentation hinreichend schlüssig erscheinen, dann überweisen Sie mir den Betrag (oder beliebig mehr) einfach zurück oder schicken mir zwei Freikarten für den Zoo oder laden mich zum Essen ein.
Ich wünsche einen schönen Wochenanfang.

Ihr Kunde
Henning M.

Was soll ich sagen?
Die Spaßbremsen haben mir nicht einmal geantwortet!
Tsts! Und statt mit meiner ganzen Kohle vernünftig zu wirtschaften, sollen jetzt in Wuppertal bald sogar das Schauspielhaus sowie Bäder und Schulen geschlossen werden.

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Dienstag, 15. Dezember 2009

ru24: Automobiles 9 - Käptn Peilo


AWE 353
Originally uploaded by realname
Zu dem Thema "Käptn Peilo" ist mir gerade folgende Geschichte eingefallen, so passiert einem Freund vor einigen Jahren.
Soviel sei verraten: Er war da noch unter dreißig...
Freund Sonne fährt also Auto. Es beginnt zu regnen - Surprise, Surprise! im Bergischen Land. Er will den Scheibenwischer betätigen, erwischt aber auf der gegenüberliegenden Seite der Lenksäule den Blinker und blinkt links.
Nach einer Weile bemerkt er, dass der 'Fahrtrichtungsanzeiger' eine Fahrtrichtung ungleich der eigenen angibt, denkt so bei sich "Hey, ich biege ja ab"... und biegt links ab.
Respekt!
Das ist Autofahren, wie Piet Klocke redet.

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Dienstag, 8. Dezember 2009

ru24: Automobiles 8 - Free Marcel Kampmann!


Kreuzung
Originally uploaded by Soundmonster
In Europa erzählt man sich einen Witz:
"Es ist tiefste Nacht. Im Umkreis von 10 km ist nur ein einziges Auto unterwegs. Es kommt an eine rote Ampel, hält an und wartet. In welchem europäischen Land befindest du dich?"
Ich fahre sehr oft nachts durch die Menschenleere der Hügel des Bergischen Landes und denke mit gefletschten Zähnen an diesen Witz, mit dem sich Resteuropa über uns Deutsche lustig macht. Dann komme ich an eine rote Ampel. Stehe herum mit laufendem Motor. Der nicht existente Querverkehr hat auch rot, weil nicht existente Fußgänger erst einmal Vorrang haben. Dann springt die Fußgängerampel um auf rot. Einen magischen Moment lang darf niemand nix: rot-rot-rot-rot. Dann bekommt der nicht existente Querverkehr grün. Meine Fingerknöchel am Lenkrad werden weiß. Manchmal brülle ich meinen Frust heraus.
Hört ja keiner.
Irgendwann springt auch meine Ampel wieder um auf grün. Dann fahre ich vor bis zur nächsten Ampel.
In Wermelskrichen sind alle gefühlten 12 Ampeln so geschaltet, dass man an jeder wenigstens mal ganz kurz warten muß. Die Polizei hat mal einen festgenommen, der im Grunde völlig legitim einfach durchgefahren ist. In meinen Augen kein "Verkehrsrowdy", sondern ein verdammter Held! Ich würde ein T-Shirt mit seinem Konterfei tragen, darauf der Text: "Free Marcel Kampmann" oder so.

Vielleicht ist das die Crux, das Wesen des Deutschen: Gezwungen zu sein, sich hündisch an Regeln halten zu müssen, die im Augenblick ihrer Anwendung völlig widersinnig sind.


Montag, 2. November 2009

Automobiles 7 - Ein Stück Deutschland

Päpstlicher als der Papst:
"In Frankreich ist es vorgeschrieben, eine reflektierende Warnweste griffbereit im Handschuhfach zu haben, ansonsten kostet es 90 Euro. Wichtig ist das Lagern der Weste im Auto, denn schon der Weg zum Kofferraum bei einer Panne ohne Weste gilt als Verstoß und würde in Italien 36 Euro oder in Belgien sogar 50 Euro kosten." (Quelle)
Es ist doch schön zu wissen, dass ein Stück Heimat, ein Stück Deutschland in jedem europäischen Land steckt.
Weiter so!


Sonntag, 1. November 2009

Automobiles 6 - The evil King of Off-Road


Nissan Patrol
Originally uploaded by out-o-focus
Vor einigen Wochen ermöglichte mir eine klitzekleine Baustelle in meiner Straße tiefe Einblicke in die menschliche Psyche. Bauarbeiter hatten die Grube in der Fahrbahn mit einer ca. 4 cm dicken Eisenplatte abgedeckt.
Fiat Uno, Baujahr 1995, verbeulte, ungewaschene Rostlaube: ungebremst kawopp-kawopp (hihi! - korrekt!), Ford Mondeo Baujahr 2005, leicht ungewaschen: bremst, überquert das Hindernis mit ca. 15 km/h, fährt dann weiter. Mercedes SEL, Baujahr 2007, Hochglanzpolitur (drei Schichten): der geriatrische Fahrer hält an, reckt seinen Leguanhals in Richtung Fenster, gibt ganz vorsichtig Gas, erst die Vorderhufe, wopp, dann langsam die Hinterhufe, wopp, dann weiter - 15 Sekunden. Bis jetzt galt: um so teurer, desto verkehrsuntauglicher.
Den Vogel schoß der Fahrer eines wirklich, wirklich bulligen Nissan Patrol GR-Jeeps ab (www.nissan.de über das Gefährt: "King of Off-Road"), quasi der zivilen Vorstufe zum Radpanzer: der Wagen hielt an. Rollte ein paar Zentimeter. Hielt wieder an. Das ging so lange, bis die Vorderräder Feindkontakt hatten. Hui. Erstmal pausieren. Das Seitenfenster wurde heruntergekurbelt. Der kleine Mann, der aussah wie Mario von den Mario Bros., Schnauzbartträger, gerade so groß wie ein umgekipptes Schwein, schaute mit dem prüfenden Blicks des Vollprofis aus dem Seitenfenster.
Die riesigen Räder überwanden die böse, böse Kante mit der Rotationsgeschwindigkeit eines Sekundenzeigers. Das Ganze sah aus wie etwas bei "Wetten dass?!", während spannende Herzschlag-Musik die Sekunden eine zweiminütigen Countdowns verpochen ließ. Am Ende war es doch noch geschafft - sogar mit beiden Achsen! Applaus!!! (im Hintergrund düdelt das Geschafft-Jingle)
Salzige Tränen der Freude rannen heiß über meine Wangen, ich stand nämlich dahinter und biß mir die Knöchel blutig, nach dem Motto: dann fahre ich eben ein anderes Mal zur Arbeit!
Warum der kleine Mann einen pervers großen Jeep hat, weiß ich immer noch nicht.
Ich vermute, er transportiert Nitroglyzerin.
So schafft man Paris-Dakar leicht in 12 bis 15 Jahren - aber nur wenn man daran zieht.

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