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Sonntag, 4. März 2018

Rauchen

photo credit: VAPES.COM Guy Vaping on E-Cig Vape Mod (b&w) via photopin (license)

Mein Opa Karl war vom Sternzeichen her eine Dampfmaschine. Im Krieg hatte er, als es gar nichts Rauchbares mehr gab, Blutreinigungstee geraucht. Nach dem Krieg glomm eigentlich bis zu seinem seligen Ende 1969 ständig etwas an ihm: Pfeife, Zigarette, Zigarre. Als meine Eltern ihm in den 50ern stolz ihr erstes Auto, einen Borgward Lloyd präsentierten, hatte es nach der Aktion ein Brandloch mitten in der Rückbank. Auch lebten sie in ständiger Sorge, er würde ein Brandloch in seinen Enkel (moi) machen.

De Vater paffte sich auch ordentlich was weg, zu seinen besten Zeiten an die 60 Camel "ohne" oder alternativ im Spanienurlaub auch lokales Kraut wie "Celtas" oder "UN-X-2"(sprich "U-En-Ekis-Dos"), Hauptsache, es qualmte. Wenn ich Anfang der 70er als Kind auf Vatters Schoß saß, umgab ihn eine sehr würzige Melange aus Tabac Original-Rasierwasser (sic!) und dem Geruch nach gerauchten Zigaretten.

"Ey, haste mal 'ne Aktive?", fragte Tini manchmal in der Raucherecke vom "Gymmi" in die Runde, wenn sie keinen Bock oder zu kalte Finger hatte, sich eine zu drehen. 21 Kippen (von mir bevorzugt rote West) kosteten damals 4,00 DM, da war das also kein Thema. Die einen rauchten Marlboro, die anderen Camel, als GroKo hätten diese beiden Marken bereits 70% im Sack gehabt. Die Leute mit den Wildlederjacken drehten DRUM oder Samson, wenige krasse Leute verinhalierten Schwarzer Krauser, ob die noch am Leben sind, ist anzuzweifeln.

1998 habe ich aufgehört zu rauchen, habe mal wieder angefangen und auch wieder aufgehört. Mittlerweile haben es die meisten Menschen, die früher geraucht haben, aufgegeben -- außer meine Frau und alle meine Freunde, was für ein überaus hartleibiges Völkchen! Dabei kommt mir Zigaretten rauchen mittlerweile so unsagbar 80er Jahre vor. Und was bin ich froh, dass in Kneipen und Restaurants nicht mehr geraucht werden darf!

Neues Jahrtausend, neues Glück, moderne Inhalierende rauchen nun Vaporizer.
Doch "Vapen" (ja, so nennen sie es) ist nichts, was die Herren (und wenigen Damen) aus'm Lameng machen. Neben Software-Updates läßt sich auch die Hardware der Geräte pimpen und die Liquids kann man selbst mischen. Aus diesem Grund flutet ein ständiger Strom von Zubehör via DHL, UPS, DPD unsere Firma: literweise Propylenglykol als Trägerflüssigkeit, neue Liquids (in bizarren Geschmacksrichtungen), bessere Akkus, Profi-Ladegeräte, Heizwendeln und allerlei Gedöns. So basteln die Herren ständig an ihren Geräten herum wie Revolverhelden des Wilden Westens an ihren Colts -- und jeder hat nach Herrenart seine eigene Philosophie dazu.
Im Raucherzimmer sieht es jetzt hinter der Glasscheibe aus wie bei "The Fog -- Nebel des Grauens" (1978), da alle Wolken ausstoßen wie Paff der Zauberdrache. Die Gerüche, die dort herausdringen sind vielfältig, werden aber aber von mir überhaupt nicht mit Rauchen assoziiert: Gummibärchen, Käsekuchen und Erdbeer-Vanille. Wenn mein Kollege Jakob vom Rauchen zurückkommt, umgibt ihn eine krasse Yogurette-Wolke. Dabei habe ich mir immer vorgestellt, dass Ulricke Jokiel aus Mainz, das Endneunziger Werbemaskottchen der Yogurette-Schokolade, so am Schlüpper riecht, wie jetzt der komplette Kollege.
Würde ich heute "Karamell-Brownie" oder "Snickers" rauchen? O_o


Donnerstag, 7. Dezember 2017

Queen Mom 30 — Tempo-räre Erbmasse

photo credit: Hans-Michael Tappen Archiv C685 "Hell fließen die Tränerl", Karte (front), 1905 via photopin (license)

Meine Mutter Queen Mom lebte von 2013 an bis 2014 im Johanniter-Altenheim.
Wann immer mein Bruder, TW oder ich zu Besuch kamen, fragten wir, was wir ihr beim nächsten Mal mitbringen sollten. Die Antwort fiel nach kurzem Überlegen immer gleich aus: „Och, Tempo-Taschentücher!“
Die Jahreszeiten flogen nur so dahin. Wir Verwandten brachten fein Woche für Woche unsere Großgebinde Tempos mit. Das Johanniter-Altenheim bekam einen Anbau. Das Johanniter-Altenheim bekam einen weiteren Anbau. Meine Mutter verstarb. Mein Bruder und ich saßen mit der Heimleitung Frau Birte Schweineweich-Przybicky in ihrem Büro und besprachen die Auflösung des Zimmers meiner Mutter.
„Wir nehmen dann jetzt alles mit“, sagten wir.
„Haben Sie einen Tieflader dabei?“, fragte Frau Schweineweich-Przybicky humorlos.
Wir verstanden nicht. Frau Schweineweich-Przybicky stand wortlos auf, strich ihren Rock glatt und führte uns zum neuen „Lager-Anbau I“. Der 15 x 12 m umfassende Innenraum war bis zur Decke hoch mit Tempo-Taschentüchern gefüllt.
Wir Geschwister bekamen Augeninnendruck.
„Anbau II ist nur zu einem Drittel voll“, beruhigte sie uns.

Mein Bruder und ich beschlossen, unser Erbe geschwisterlich untereinander aufzuteilen.
In einer Nacht- und Nebelaktion, in der ein arg zweckentfremdeter Ziehharmonika-Linienbus namens „Sonderfahrt“ *zwinkerzwinker* und die Sieben Zwerge eine Rolle spielten, verschaffte ich mein Erbteil nach Wuppertal. Der Dachboden unseres Mietshauses, den ohnehin nie jemand verwendete, war plötzlich zu 100% wärmeisoliert, dito unser kompletter Keller. In unserer Wohnung gab es keine Schublade oder Ritze, die nicht von Tempotaschentüchern übergequollen wäre. Die Tempopackung in meiner Hemdtasche trug etwas auf.
„Wir brauchen nie wieder Taschentücher kaufen!“, freute ich mich.
„Och, Quatsch!“, sagte die beste Ehefrau von allen, „Sowas sagst du doch ständig, und dann hält es nicht mehr lange.“
Ich kicherte etwas irre vor mich hin.

Der Herbst kam. Die Blätter fielen und die Erkältungssaison war eröffnet.
„Hatschu!“, sagte die Gattin, nahm ein Tempo, schneuzte hinein und warf es weg.
„Gesundheit!“, sagte ich.
Es wurde März.
„Bringst du bitte Taschentücher vom Einkaufen mit?“, bat sie.
Mir wurde schwarz vor Augen.
Es war wohl dank meiner besseren Hälfte doch nur eine Tempo-räre Erbmasse gewesen.

Dienstag, 14. November 2017

Automobiles 25: Blinken und Winken

photo credit: mripp The future of german car industry via photopin (license)

Meinerzeit (1985), als ich in 5608 Radevormwald bei der Fahrschule Nitsch den Führerschein gemacht habe, hieß der Blinker noch "Fahrtrichtungsanzeiger" und die Ampel "Lichtzeichenanlage". Man bremste nicht, man "verzögerte". Auf den theoretischen Bögen tauchte zu allem Überfluss ständig auch noch "der Mann mit dem Handwagen" an der Kreuzung auf und wollte Vorfahrt. Ächz!
In diesen prähistorischen Tagen, als man den Flintstones näher war als den Jetsons, da wurde an der "Lichtzeichenanlage" sogar der "Fahrtrichtungsanzeiger" betätigt, wenn man denn ungleich geradeaus fahren wollte. Manchmal geriet man auch in eine Situation, da man einem entgegenkommenden Fahrzeug in einer engen Straße soviel Entgegenkommen entgegenbrachte, dass man es vorbei ließ -- der Fahrer des anderen Wagens grüßte dann freundlich mit der Hand und er lächelte dabei, manchmal gab es alternativ eine kurze Lichthupe und ein Lächeln.
Seitdem hat sich viel geändert.
Der Mann mit dem Handwagen wurde aus den Führerschein-Lernbüchern verbannt, Dinge bekamen griffigere Namen. Man kann mit Apps für die theoretische Prüfung lernen. Aber vor allem der Gebrauch der Blinker wurde von Jahr zu Jahr mehr eingeschränkt, zuletzt radikal. Die Leute fahren in der Moderne einfach in der Gegend herum, bremsen hier und da, halten an und fahren weiter, all das, ohne auch nur einmal mit dem Blinker gezuckt zu haben. Man muss raten, was die Menschen, die vor einem fahren, planen und was sie um- und antreibt. Sind die zum Genuss der Morgen- oder Abendröte unterwegs, suchen sie einen Parkplatz, wollen sie losfahren oder anhalten? Das ist nicht immer ganz ungefährlich, denn: man weiß et ja nich!
Oft kommt mir in den engen Nebenstraßen Wuppertals einer entgegen, da fahre ich mit dem Smart schnell in eine Parklücke und setze den Blinker links und warte, dass ich weiterfahren kann. Der Entgegenkommende starrt zu 80% angelegentlich geradeaus, während er an mir vorbei fährt. Ich habe gerade eine Serie, was diese Situationen angeht.
Irgendwann ist die Rücksicht, die Kommunikation, das Freundliche beim Autofahren abhanden gekommen.
Alles Aut(o)isten.

Wenn das mit dem Selbstfahren mal passé ist in den nächsten Jahrzehnten, dann muss mit dem autonomen Fahren eines ganz sicher nicht zu Grabe getragen werden: der umsichtige und freundliche Autofahrer, der steht nämlich schon jetzt auf der Roten Liste.


Samstag, 4. Juni 2016

Seuchenvögel

photo credit: Winter Viruses and How to Beat Them via photopin (license)
Wie jeden Mittwochabend schob ich mich letzte Woche durch den Radevormwalder Penny-Markt. Ich grofelte gerade vorne durch die Obstauslagen (man muss ja immer reichlich von dem Zeug für die Fruchtfliegen mit nach Hause nehmen), als ich das Gekläffe hörte.
Irritiert blickte ich mich um und sah eine junge Mutter, die in ihrem Einkaufswagen zwei hart verrotzte Gören in den Laden schob. Der etwa Fünfjährige stand im Wagen, der circa Dreijährige saß in dem Kinderklappsitz. Die beiden Virenschleudern husteten bellend wie die Seehunde und niesten wie die Sittiche, das natürlich alles, ohne je eine Hand vor den Mund zu halten. Durch ihre unterschiedliche Anbringungshöhe und das ständige, leuchtturmartige Schwenken ihrer rotzverklebten Köpfe, verteilten sie ihre Gaben fast schon überoptimal. Wenn das der Ausbruch einer tödlichen Seuche war, dann war das Ende der Welt sehr nah! Noch niemals zuvor hatte ich mir so sehnlich einen Chemturion-Anzug (Abb.) oder wenigstens das Outfit eines mittelalterlichen Pestarztes (Abb.) gewünscht!
Ich versuchte etwas linkisch immer mindestens 12 m strategischen Abstand zu halten, dabei schmiss ich etwas abgelenkt wahllos Lebensmittel in meinen Wagen. Mit der anderen Hand googlete ich die Nummer einer deutschen Seuchenschutzbehörde, aber natürlich fand ich in der Aufregung nur das amerikanische CDC & seinen europäischen Ableger ECDC. Das europäische Zentrum für Seuchekontrolle in Solna, Schweden hatte gerade das West-Nil-Fieber im Angebot, wenn ich es richtig interpretierte. Das half jetzt auch nicht weiter!
Zwischendurch sah ich aus der Ferne, wie die Mutter ihren beiden Seuchenvögeln aus einer Wasserflasche zu trinken gab, sie quasi nachlud -- vielen Dank dafür! Das sputumhaltige Kläffen und feuchte Rotzen verfolgte mich durch den ganzen Laden. Wenn die Mutter ihre Seehunde von der Leine gelassen hätte, dann wäre im Penny sicherlich eine Panik ausgebrochen.
Eine Ein-Mann-Panik.

Erst zu Hause, die Patienten Null waren bereits über alle Berge des Bergischen Landes, entdeckte ich das für die kleinen Schleudern in Deutschland zuständige Robert-Koch-Institut (RKI), gut versteckt auf der sechsten oder siebten Google-Trefferseite, aber da war es natürlich schon zu spät.

Mein linkes Auge juckt.
Habe ich heute leicht überhöhte Temperatur?
Von der Inkubationszeit her passt es.

Gottogott.


Donnerstag, 16. Juli 2015

ru24 Wissen: Pluto

Pluto by LORRI and Ralph, 13 July 2015“ von NASA/JHUAPL/SWRI - solarsystem.nasa.gov. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.
Als ich ein Kind war, konnte ich mir mit dem Merksatz "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten" die Reihenfolge der Planeten in unserem Sonnensystem merken: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Mit zehn bis zwölf bestaunte ich die Bilder, die die Voyager-Sonden zur Erde funkten: "Mit Voyager 1 und Voyager 2 (1977–1979) gelangen erstmals Vorbeiflüge am Jupiter und den Jupitermonden – und nach erfolgreichen Swing-by-Manövern die erforderliche Beschleunigung, um zum Saturn, Uranus und Neptun zu gelangen." (Link)

Die vergleichsweise hypermoderne Sonde "New Horizons" (Link) wurde am 19. Januar 2006 exklusiv zum Planeten Pluto gestartet. Doch bei einer "Neudefinition des Begriffs „Planet“ am 24. August 2006 durch die Internationale Astronomische Union (...) wurde Pluto der Planetenstatus aberkannt und den Zwergplaneten zugeordnet." (Link) Das ist ja ein wenig so wie bei dem Film: "Der Engländer, der auf einen Hügel stieg und von einem Berg herunterkam" (Link), nur umgekehrt: Die Sonde, die zu einem Planeten aufbrach, um dann neun Jahre später Fotos von einem Zwergplaneten zu machen.

Die reaktorbetriebene Sonde New Horizons wiegt so viel wie ein Konzertflügel. Auf den langen, ereignislosen Teilen der Reise zwischen 2007 und 2015 war sie in einen Winterschlaf versetzt worden. Damit die Mission wenigstens binnen eines Jahrzehnts abgewickelt werden konnte, hat man sie sehr stark beschleunigt. Am 14. Juli 2015 erreichte die Sonde den Pluto und passierte ihn mit einer Geschwindigkeit von 14,5 km/s. Das ist etwa das 20-fache der Kugel eines Militär-Gewehrs. Während des Vorbeiflugs an Pluto und seinen fünf Monden Charon, Nix, Hydra, Kerberos und Styx hielt sie mit allem drauf, was sie hatte und sammelte so viele Daten, dass es 1,5 Jahre dauern wird, diese komplett an die Erde zu funken.

Als ich 25-jährig im Juni 1992 das erste Mal in Schottland war, war es übrigens sehr ähnlich: Ich war im Überland-Bus eingeschlafen und als ich plötzlich am Arsch der Welt wieder aufwachte und etwas desorientiert aus dem Fenster schaute, kamen wir gerade am Eilean Donan Castle (Link) vorbei, der "Highlander-Burg". Reflexartig riss ich die Kamera hoch und machte ein Bild von dem Gemäuer, damals noch analog. Etwa drei Wochen später konnte ich den entwickelten Film bei Foto Kausemann in Radevormwald abholen -- tatsächlich war es überraschend passabel geworden.

Übrigens: Der neue Merksatz für die -- jetzt nur noch -- acht Planeten lautet : "Mein Vater erklärt mir jeden Sonntag unseren Nachthimmel".


Mittwoch, 25. Februar 2015

Veganer

photo credit: wildebeest via photopin (license)

Wenn wir früher mit den Eltern einen Zoo oder Safaripark besuchten und sich vor uns Besuchern in einem Gehege eine Herde - sagen wir Gnus - ausbreitete, dann ging immer dieses Strahlen von meiner Mutter, Queen Mom, aus. Sie lächelte. Ihre Augen bekamen diesen Glanz. Wild schlagenden Herzens stand sie da, ihr Atem ging schneller. In der Majestät, in der Anmut der grasenden Tiere sah sie viel mehr als das gewöhnliche, unbewaffnete Auge. Im Geiste befüllte sie Dutzende Tiefkühltruhen mit allerköstlichsten Gnu-Steaks, allesamt säuberlich eingetütet und beschriftet.
Während eines solchen Hemingway-Momentes dachte sie vermutlich nie an Veganer.

Manchmal komme ich in meiner alten Heimatstadt Radevormwald nahe dem Markt an der Metzgerei Gottlieb Kalkuhl vorbei. Dort gibt es die besten Metzgereifrikadellen der Welt. Es wäre verrückt, wenn ich keine kaufte! Manchmal sind sie noch warm. Sie sind fantastisch gewürzt, groß und unnachahmlich saftig. Eigentlich will ich sie mit nach Hause nehmen, aber ich verschlinge sie noch vor Ort. Und es ist immer, als hätt' der Himmel die Erde still geküsst!
Während eines solchen Eichendorff-Momentes denke ich eigentlich nie an Veganer.


Freitag, 23. Januar 2015

ru History 52: SCHULZ, der Schrecken der Straße

photo credit: IMG_0101.jpg via photopin (license)

Ende der 80er bis in die frühen 90er gab es in meiner Heimatstadt Radevormwald einen gefürchteten Knöllchenschreiber namens SCHULZ (Name ähnlich). Von der Statur her tendenziell zu Kleinwuchs neigend, schritt er mit Kassengestell-Brille, Parka und Ordnungsamt-Täschchen auf Gesundheitsschuhen gemessenen Schrittes durch die Bergstadt. Was von außen für das flüchtige Auge arg nach "spacke Memme" aussah, war im Inneren in Wirklichkeit ein schrecklicher, gnadenloser Jäger!
Wer in der Innenstadt "mal eben" direkt vor der Apotheke parkte, heraushetzte, sofort dran kam, sein Geld passend hinlegte und zu seinem Wagen zurückhastete, hatte eine Knolle am Scheibenwischer, von SCHULZ indes keine Spur! Wer seinen Wagen aus der Einfahrt fuhr, ihn für Sekunden nur zurückließ, um noch etwas aus der Wohnung zu holen, fand eine Knolle unter dem Wischer, kein SCHULZ weit und breit. Fehlende/abgelaufene Parkscheibe -- Knolle. Das Phänomen bekam mit den Jahren etwas fast schon Übernatürliches, dermaßen effizient und vor allem schnell gelang es SCHULZ, Knollen unter Wischerblätter zu zaubern, ohne jemals dabei gesehen zu werden und danach zu verschwinden wie ein Phantom.
Ich habe in den Jahren etliche Dutzend DM an die Stadt verloren, u.a. auch wegen einer seit zwei (2) Minuten abgelaufenen Parkscheibe, aber manche Zeitgenossen muss es weitaus schlimmer erwischt haben als mich ...

In einer Nacht- und Nebelaktion lauerten einige Gesellen dem Meister der Knolle auf. Es war wohl dem Biergenuss geschuldet, dass sie sich zu einer Art provisorischer ad hoc-Bürgerwehr zusammengeschlossen hatten, um das drängende Problem einmal anzugehen. In einer der finsteren Nebenstraßen stülpten sie SCHULZ von hinten einen Sack über den Kopf und verprügelten ihn recht zünftig.
Und siehe: Der Spuk war vorbei! SCHULZ, die "spacke Memme" zog es fortan vor, seine Brötchen mit ungefährlicheren Beschäftigungen zu verdienen. Seitdem kann man in Radevormwald, "der Stadt auf der Höhe", in der Innenstadt auch mal eine halbe Stunde ohne Parkscheibe parken, ohne dass irgend etwas passiert.
Mein Dank geht an die provisorische Bürgerwehr!

Merke: Gewalt ist keine Lösung, wenn man nur drüber redet.


Sonntag, 27. Juli 2014

DAF: "Der Räuber und der Prinz" (1981)

"Deutsch Amerikanische Freundschaft“ von Tilman Brembs - http://goo.gl/yCkaGg. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons
1981 hat die Band DAF "Deutsch Amerikanische Freundschaft" das LP-Album "Alles ist gut" herausgebracht, es enthielt die Ausnahme-Hits "Der Mussolini" (Seite A, Track 2) und "Der Räuber und der Prinz" (Seite A, Track 5). Das Cover zeigte verschwitzt und mit nacktem Oberkörper die Herren Gabi Delgado-López (Vorderseite) und Robert Görl (Rückseite). "DAF gelten als Pioniere und Inspiration für die Genres Electropunk, Electronic Body Music und Techno." (Wikipedia)
Für das Album erhielten sie den Deutschen Schallplattenpreis.

1981 wusste von uns 13- bis 14-jährigen Blagen niemand so genau, was er mit den Textzeilen "Tanz den Mussolini, tanz den Adolf Hitler" anfangen sollte (war das nicht 'verboten'?). Und war "Der Räuber und der Prinz" nicht irgendwie 'schwul' (will meinen ein Lied über das 'Tabu Homosexualität')?
Gottogott! Aber die Mucke war natürlich grandios!

1981 auf der Realschule Radevormwald fand der Werken-, aber auch der Handarbeits-Unterricht im Untergeschoss statt. Die Jungen hatten Werken, die Mädchen Handarbeit und es handelte sich hierbei um homogene Gruppen - wie es sich gehörte. Die Räumlichkeiten für Werken und Handarbeit lagen im Kellergeschoss am Ende eines langen, schlauchförmigen Flures mit fast quadratischem Querschnitt und waren immer abgeschlossen, die Schüler mussten vor Unterrichtsbeginn im Flur warten. Wenn jemand das Licht ausschaltete, dann fiel nur noch ein indirekter Schein aus einem Treppenhaus ein und der Flur lag in einem stimulierenden Halbdunkel. Manchmal spielten die Jungs so etwas wie Squash mit Tennisbällen - weil es sich anbot und weil es so toll knallte. Die Akustik in dem Schlauch war auf jeden Fall 1A, alles hallte und machte dumpfe Echos.

1981 hatte mein Mitschüler Stefan "Kanne" Kanitz einen Mono-Kassettenrecorder, bei dem man mit einem Drehregler die Bandgeschwindigkeit stufenlos verändern konnte. Wow!

1981 kam all das zusammen: Während wir in diesem Akustik-Schlauch auf unsere Werken-Lehrerin warteten, packte Kanne seinen Kassettenrecorder aus und spielte gehörig laut DAFs "Der Räuber und der Prinz" (youtube). Das ohnehin schon leiernde Lied mit den blechernen Doings!" und "Dongs!" wurde mal schneller, mal langsamer, Echos kollerten durch den Gang und kamen wie Brandung zurückgerollt.
Eigenartigerweise ist das mit Abstand die intensivste Erinnerung, die ich an meine gesamte Schulzeit habe.


Mehr Realschule Radevormwald: Blogbeiträge.


Dienstag, 17. Dezember 2013

Nichtswürdige Winz-Gebäcklinge

Milchkaffee by manu&emma
Milchkaffee, a photo by manu&emma on Flickr.

Ich sage es mal klar und deutlich: 1984 bekam man bestenfalls mal einen Cappuchino als Alternative zu Kaffee. Wenn man den "Cappu" dann auch noch "auf dem Land" bestellte (z.B. in 5608 Radevormwald oder 5600 Wuppertal), dann bekam der unglückliche Besteller eine Tasse schwarzen Kaffee plus Sprühsahne plus 0,07 g Kakaostäubchen oben drauf. Ein widerliches, nichtswürdiges "Heißgetränk nach Art Cappuchino", das mir mehr als einmal die Schuhe ausgezogen hat! Das Beste daran war mit Sicherheit das Plätzchen, das die Bedienung natürlich "von Hand" auf die Untertasse gelegt hatte, ein "echtes" Danish Butter Cookie aus einer runden Blechdose von Aldi, Lidl & Co. Mein persönliches Highlight waren immer die Kringel oder Bretzelförmigen mit den Zuckerkristallen rundum.
Ich hatte mal eine Freundin, die ließ die Cookies unverständlicherweise aus sog. "hygienischen Gründen" immer liegen - Muahahaha!!! - gerne, ich esse auch zwei! Bald setzte sich aber leider wegen solcher hyperhygienischen Mäkelliesen deshalb der eingeschweißte Spekulatius durch, trotz der prozentualen Übermacht der Jahreszeiten Frühling bis Herbst - man bemühe sich einmal des Gedankens ob dieser Tatsache!
Die Jahreszeiten flogen nur so dahin, und Cafés und Bars schafften sich sündhaft teure Lattepressomaschinen an. Geräte mit Brühgruppen, die auf so wohlklingende Namen wie "Faema E61" hören (Link). Von nun an gab es sogar diverse Espressi (einfach, doppelt, Macchiato), Ristretti, italienischen Kaffee, Milchkaffee, Latte Macchiato und ECHTEN Cappuchino. Und natürlich weitere 45 coffeeinhaltige Nischenspezialitäten, die man gar nicht für möglich halten würde - bis hin zu Heißgetränken aus Kaffebohnen, die schon von einem katzenartigen Viech verdaut worden waren - vor dem Röstvorgang...
Eigentlich hätte jetzt für immer alles ganz wunderbar sein können - die Moderne war angebrochen!
Doch ach! Nun kamen irgendwelche sehr, sehr kranken Schnösel auf die Idee, Amarettinis an den Untertassenrand zu legen.
Amarettinis.
Brrr!
Hallo?
In der Giotto-Werbung von Anno Hassenichtgesehen heißt es: "Giotto: Kleiner dürfen sie wirklich nicht sein!" Eben! Und ein Amarettini ist nur halb so groß wie so eine schon per se völlig beknackte "Minigebäckkugel"!
Ein solches bösartiges Winz-Gebäcktteil zerstäubt beim Zerbeissen zu einer zementartigen Masse, die einen ganzen Backenzahn wirklich vollständig verstopft, so dass man minutenlang total autistisch mit der Zunge dran rumporkeln muss. Geschmacklich bekommt man währenddessen eine vage Vorstellung davon, wie sich degenerierte Schergen der chemischen Industrie "Marzipan" vorstellen. Meistens hat man nach diesem niederschmetternden Erlebnis dann auch noch zwei bis drei weitere dieser nichtswürdigen Winz-Gebäcklinge auf dem Tellerchen liegen - würg!
Danke!
Toll!
Fuck.
Von der Nichtswürdigkeit dieser fiesen Kackteile her würden sie indes wunderbar zu dem 1984er sog. "Cappuchino" passen...
Boah!
Mir wird schlecht.
Hallo?
Geht denn nicht wenigstens wieder ein singuläres "Danish Butter Cookie" wie in der guten, alten Zeit, mein Gott, ja, gerne auch "von Hand"!?
Büttö!!!


Samstag, 12. Oktober 2013

Queen Mom 27 - Beißer

http://goo.gl/GWMEzG
Als ich am Ende meines Besuchs meine Mutter im Altenheim verabschiedete, winkte mir aus der Ferne etwas hektisch Heike zu, eine der für sie zuständigen Altenpflegerinnen. Da Radevormwald ein Dorf ist, kannte ich Heike sehr gut "von früher". Ich ging rüber. Heike schaute mich an, nahm mich etwas zur Seite und fragte: "Hältst du mich für den Beißer?"
Hmm?
"Äh? Wie bei 007? Nee... ."
"Deine Mutter hat letztens beim ins-Bett-bringen behauptet, ich hätte ihr in den großen Zeh gebissen!"
Muahahaha!

Die Woche drauf fragte ich Muttern natürlich bei nächster sich bietender Gelegenheit: "Na, und, hat dir die böse Schwester mal wieder in den Zeh gebissen?"
Queen Mom war not amused. Sie faßte mich festesten Blickes ins Auge, drückte meine Hand und sagte sehr bestimmt: "Ja, hörma, wat sollet denn sons anders gewesen sein, als dat se mich innen Zeh gebissen hat?"
Tatsächlich.
Verrückt: So kann man sich in Menschen täuschen ...


Donnerstag, 19. September 2013

Queen Mom 26 - Kakao

http://goo.gl/XmrGbd
Mittwochs im Johanniter-Altenheim Radevormwald. Ich sitze bei de Mutter im großen Aufenthaltsraum. De anderen alten Damen un de drei Herren starren Löcher inne Luft, wer nich ganz bei Trost is, macht gluckernde Geräusche.
Ne Pflegekraft kommt rum.
"Naaa, Frau M., möchten Sie heute Abend zum Essen ein Glas Milch?", fragt sie sehr deutlich und recht laut.
"Ich möchte lieber nen Kakao!", sagt Queen Mom salbungsvoll.
"Kakao gibts doch nur freitags!", sagt Frau Weißkittel.
Nee, is klar: de Ommas 3.500 Öcken im Monat latzen lassen, aber Kakao gibt's nur freitags.
Jetzt schaltet sich Frau L. vom Nachbartisch ein.
"Ich will aber auch nen Kakao!!!"
"Aber ich sach et doch gerade zur Frau M.: Kakao gibt's nur freitags, Frau L.!", sagt die Pflegekraft, sich ihr zuwendend. "Und was möchten Sie heute Abend trinken?"
"KAKAO!!!"



Samstag, 14. September 2013

'nine fourteen' im Netto Wuppertal-Elberfeld

http://goo.gl/KdnW4Y
Eigentlich bin ich an der Supermarkt-Schlange erst zweimal von aufgeregten Fremden angesprochen worden. Das erste Mal war am 11.09.2001. Der Mann vibrierte förmlich hinter mir herum, tappte mir dann auf die rechte Schulter. Noch während ich mich umdrehte, sprudelte er mich voll: "Gottogott, haben Sie heute schon ferngesehen? Gehen Sie sofort nach Hause und schauen Sie fern!!!"
Ich tat wie mir geheißen, der Rest ist Geschichte.
Das war 'nine eleven' im Penny Radevormwald (Blogbeitrag).

Heute war ich im Netto in Wuppertal. Ich hatte zwei Hokkaido-Kürbisse auf dem Band und Salzstangen. Der Typ hinter mir vibrierte förmlich. Dann platzte es aus ihm heraus: "Ey, heute ist David Hasselhoff bei Big Brother!!!", Freund Sonne hatte etliche Alkoholika für das Großereignis auf dem Band.
Ich überlegte kurz.
"Hä, ich dachte, der is tot?"
"Neee!!!", sagte der Mann vehement.
"Ach so, das war ja Patrick Swayze!", fiel es mir wieder ein.
"Ey, Mann, der is sowas von cool, der David Hasselhoff!"
"Top Typ!", sagte ich mit Daumen hoch und verließ den Laden.
Das war 'nine fourteen' im Netto Hochstr., Wuppertal-Elberfeld.


Sonntag, 7. Juli 2013

Sonntagmorgen in Wuppertal

http://goo.gl/VHcHT
Sonntagmorgen in Wuppertal.
Et is herrlich, de Sonne scheint, Bombenwetter.
Um 9.00 Uhr verläßt der Jäger das Haus, um Brötchen zu jagen.
Das geht fix, easy hin, easy rein, easy wieder zurück! Rein in den Smart und los!
Nur schade, dass der bekackte Bäcker gar nicht auf hat an diesem Sonntag. Toll, sowas muss man sich als Bäcker erst mal leisten können.
Was für ein Penner!
Also zum Plan-B-Bäcker. Nach 100 m gerate ich an eine Straßensperre. Is klar. Tsts! Die Wuppertaler! Ich wende. Der gewiefte Jäger kennt ja auch die Schleichwege, also, ums Eck, Haken geschlagen, nochmal ums Eck und... Straßensperre. Wuppertal, Wuppertal! Gewendet, Haken geschlagen, ganz anderen Weg, Ampel, Ampel, übern Berg, hintenrum zurück, geparkt. 400 m zum Bäcker gelaufen, indes: Der Voll-Kack-Bäcker Myska muss Sonntags also auch nicht aufhaben, sicherlich aus Gründen. Mittlerweile dürfte die Liebste daheim auf den Jäger des Hauses fluchen und mit einem rasch erkaltenden Milchkaffee vor einem leeren Tellerchen seiner Rückkehr harren.
Der Jäger ruft zu Hause an: "Et gibbt nix, ich bin aber dran! In jedem Dreckskaff gibts 'nen Bäcker mit Sonntagsöffnung [ich denke dabei an meine Heimatstadt] nur hier nicht!", die Liebste seufzt, wie nur Liebste es tun.
Eine Passantin schleppt ein Blech Backwaren am telefonierenden Jäger vorbei, ihn durch ihre bloße Anwesenheit mit Hohn und Spott zu überziehen.
Der Jäger beendet harsch das Gespräch.
"Gibt es in Wuppertal IRGENDWO einen Bäcker, der Sonntags auf hat?", blafft der Jäger überraschend genervt der ihm unbekannten Frau hinterher. Dass die Worte "bekacktes Dreckskaff" und "Scheißbäcker" nicht drin vorkommen, ist das letzte Zugeständnis an gesellschaftliche Konventionen. Eigentlich wäre die Frau eine leichte Beute mit ihrem Blech, geht es dem Jäger durch den Kopf...
"Ist sich Oppél, dorrt rrechts!", sagt die Frau, zeigt nach links und geht weiter.
"Ah! Danke."
Das Smartphone weiß et aber auch nich. Vielleicht "Hoppel?" Da muss ich ausgerechnet jetzt Frau Migrationshintergrund fragen! Nach einer Weile kommt die Google-App drauf: "Meinten Sie 'Oebel'?" Sicher, sicher... Ich renne den halben Kilometer zum Auto, fahre um den Pudding herum (natürlich incl. Ampel, Straßensperre, Ampel und weitere Umwege) - da kommt mir in der Einbahnstraße ein Bus entgegen, der langsam hinter einer zu Fuß gehenden Frau her fährt. Die überaus verwegen heimblondierte Person im weißem Polohemd, 70er-Jahre Pilotenbrille und Cargo-Hosen winkt mich unfreundlich-hektisch zur Seite, ich halte sie erst mal für eine paramilitärische Parkraumbewirtschaftungs-Meduse. So eine ist ja wohl kaum weisungsbefugt, mich irgendwohin zu winken. Ich fahre trotzdem zur Seite, schon wegen dem Bus. Im rechten Außenspiegel sehe ich es dann: Auf der Rückseite des Shirts der Frau steht groß "Ordnungsamt" - na da steht's ja gut. Plötzlich wuselt es überall auf den Bürgersteigen von allerlei Jungvolk von THW, Polizei, Ordnungsamt incl. aller Warnwesten tragenden Schülerlotsen von ganz NRW, schlagartig ist es schwarz von Menschen. Nachdem Bus und Meduse fort sind, komme ich... TADAAA!!! ... an eine Straßensperre.
Hallo?
Fuck!
Wasn???
Ein Warnwesten-Brauseknilch winkt mich in die Winz-Gasse zur Rechten. Es reicht. Ich kurbele die Scheibe herunter.
"Ist das hier hier die scheiß Zombie-Apokalypse?", schreie ich.
"Schwebebahnlauf! Hier geht nichts mehr. Sie müssen umkehren!"
Grundgütiger!
'Schwebebahnlauf' - WTF???
Ich stelle den Smart irgendwie ab, laufe die 600 m zum Oebel, kaufe Brötchen, laufe zurück. In der Zwischenzeit hat man Wuppertal vollkommen abgedichtet. Hermetisch. Ich fahre los. Einbahnstraße, nur rechts abbiegen möglich, Einbahnstraße, ich stehe wieder an der gleichen Straßensperre wie eben. Brauseknilch winkt nach rechts. Habe ich was übersehen? Einbahnstraße, nur rechts abbiegen möglich, Einbahnstraße, ich stehe wieder an der Straßensperre. Brauseknilch winkt.
Hallo?
Fuck!
Wasn???
Es reicht schon wieder. Ich kurbele die Scheibe herunter. Frage das Warnwesten-Jüngelchen an der Winz-Gasse: "Wie zum Teufel soll ich denn aus der Nummer wieder rauskommen?"
"Oh, das weiß ich nicht, ich bin doch aus Düsseldorf!", sagt er.
Toll!!
Düsseldorf! Ja dann ist ja gut! Wenn er aus der scheiß Landeshauptstadt kommt, dann drehe ich doch glatt noch ein paar Dutzend Runden!
Aber irgendwann, nach vier weiteren Rundfahrten ummen Block, ist dann auch mal gut.
Help yourself. Klimaanlage nen Zacken höher gedreht. Ich fahre 50 m gegen eine Einbahnstraße, dann 400 m durch eine Fußgängerzone, dann 300 m über eine Busspur und voilá, da liegt es fast schon in Sichtweite, das gelobte Land, wo Milchkaffee und Squeeze-Flaschen-Sommerblüten-Honig fließen!
Wow.
Das waren jetzt mindestens 4 Punkte in Flensburg.
Die Liebste schließt mich in die Arme wie einen späten Kriegsheimkehrer, es lag wohl auch an ihrem Hunger.

"Fix, easy hin, easy rein, easy wieder zurück" hat an diesem Sonntagmorgen 75 Minuten gedauert.
Respekt, Wuppertal.


Freitag, 21. Juni 2013

Hohe Herren der öffentlichen Verwaltung schreiben Ihnen!

http://goo.gl/1H98m
Gestern hatte ich wieder Post im Briefkasten, Absender: "Rheinisch-Bergischer Kreis, Der Landrat".
Herr Wichtig persönlich kam also aufgrund seines Charakters nicht umhin, mich mit seiner Post zu bedenken! Und das ganz ohne Brieftaube und reitendem Boten!
Wann immer mir diese und ähnliche Gesellen das Privileg ihrer hochgestellten Aufmerksamkeit zuteil werden lassen, wird es teuer, z.B. stolze 25,00 EUR für erbärmliche 12 km/h zu schnell - weil sie es können. Gut, dass ich es in dem Augenblick, in dem ich geblitzt wurde, nicht wirklich eilig hatte! Sonst hätte sich Herr Hochwohlgeboren wohl zu Szepter und Reichsapfel direkt noch auf meine Kosten den passenden Nerz dazu leisten können!

Hier mal eine alphabetische Auflistung der Herren, die mich in den letzten Jahren mit Post beehrten:
Oberbergischer Kreis, Der Landrat
Oberbergischer Kreis, Der Oberkreisdirektor
Stadt Köln, Der Oberbürgermeister
Stadt Radevormwald, Der Bürgermeister
Stadt Radevormwald, Der Stadtdirektor
Stadt Wuppertal, Der Oberbürgermeister
Stadt Wuppertal, Der Oberstadtdirektor
Stadt Wuppertal, Der Polizeipräsident
Und warum sind es zu 100% Männer?
Wie wäre es mal mit einer Frauenquote, ihr Vögel?
Ich stelle mir vor, dass, wenn ich von einer Frau Landrätin Post bekäme, vielleicht würde die mich mit Partnerin und Freunden mal auf ihr idyllisch gelegenes, wildrosenumranktes Wasserschloss bei Waldbröl zu Kuchen und frisch gepresster Limonade einladen.


Montag, 6. Mai 2013

Think pink

http://goo.gl/xn4gq
Seinerzeit, also prä-Drittes-Jahrtausend, war ich ein oft gesehener Kunde in der einzigen Videothek meines Heimatortes Radevormwald. Ich kann mich erinnern, bereits schon mit 16 oder so (1983) in der Videothek gewesen zu sein, als die Systeme VHS, Video 2000 und Betamax noch koexisterten (rsp. miteinander um Vorherrschaft rangen) und man nicht unbedingt jeden Titel im passenden Format bekam ("Nee, 'Apokalypse Now' haben wir gerade nur auf Beta da!").
Ende der 90er Jahre hatte die Videothek schon bessere Tage gesehen und auch schon einige Locations verschlissen. So war sie vom Alten Markt zum Neumarkt umgezogen, um dann, etwas marginaler, in die Grabenstraße in das Gebäude zu ziehen, das vor Urzeiten den ersten Aldi der Stadt beherbergt hatte.
Nachdem ich die Neuheiten-Ecke hinreichend gewürdigt hatte (leider nix), steifte ich relativ rat- und ziellos umher, putzte mir währenddessen etwas zerstreut die Brille, was bei -8,0/-6,5 Dioptrien nur selten zu optimalen Ergebnissen führt. Plötzlich umgaben mich zu drei Seiten pinkscheckige Wände!
Hä?
Wie rätselhaft!
Ich setzte die Brille wieder auf und fand mich plötzlich in der Porno-Ecke wieder.
Tsts!


Dienstag, 5. Februar 2013

ru history 43 - Dorfpunk (1984)

http://goo.gl/KKD7k
In meiner Heimatstadt 5608 Radevormwald gab es eine sehr übersichtliche Anzahl an diversen Jugendkulturen. Den hintersten Platz im Ranking belegte wohl "Punk" mit einem (1) auf 25.000 Einwohner.
Dieser singuläre Punk hieß Rambow.
Rambow war mittelblond und hatte immer ausgeblichene rote und grüne Einfärbungen im Haar, manchmal hatte er es auch halbherzig aufgestachelt. Er trug eine mit Domestos fleckig gebleichte Jeans, Springerstiefel und eine schwarze Motorrad-Lederjacke, auf der er mit einem weißen Edding "DRECKICHISSA", "STINKENTUTA" und "IN JEDER PFANNE STECKT EIN KIND" geschrieben hatte.
Rambow, der keinen Vornamen hatte, lungerte quasi vollzeit mit Bierdose (Hansa-Pils) am Neumarkt herum. Er gehörte damals zum Stadtbild wie die vier Kirchtürme.
Eines Tages erschien er seitengescheitelt mit dunklem Jackett und wohlfeilen Schuhen und hinterließ scharenweise Jugendliche in Schockstarre!!!
"Rambow, wat is???", kam es aus vielen Mündern gleichzeitig.
"Ey, Alta, war bei Gericht, Mann! Hatte im Suff ne Mülltonne umgetreten, oder ne Oma - un darum ginget."
Ach so.


Freitag, 16. November 2012

Bergisch

http://goo.gl/PrjBp
In Wuppertal zu leben, ich sach mal, et is nicht dat Selbe wie in Radevormwald. Wann immer ich nach Rade komm, vor allem Donnerstags, um mit Queen Mom de Einkäufe zu machen -- wat soll ich sagen, ich häng den Ureinwohnern anne Lippen, et is mir wie Balsam!
Lippenbalsam sozusagen.
"Et geht meck dürch un dürch!", wie man hiererorts im letzten Jahrhundert zu sagen pflegte. Un: "Et schlött meck innen Lief!"

So kam ich nich umhin, vor em EDEKA et Gespräch mitzukriegen, bei dem et arg Bergisch (Link) zuging:
"Na, Günther, wie isset?"
"Gott, Herbert, wie sollet denn sein?"
"Na, du hatts doch Probleme mitm, na..., Dinges!"
"Ach, dat Gelumpe hamse mir doch als Meterware rausgeschnibbelt!"
"Och! Doll! Hass auch abgenommen! Un wat machen de Blagen?"
"Och de Große is am studieren, de Kleng macht ne Ausbildung bei de Ruckebiers Gerda."
"Jut! Aber eck mutt jetz noch wat beiholen für de Brigitte!"
"Gehse gleich nach et?"
"Jau!"
"Denn grüß et!"
"Bis denne!"


Mehr sowat: (Blogbeitrag)


Freitag, 5. Oktober 2012

Bis Meppen


Größere Kartenansicht
Es begab sich aber zu der Zeit, dass irgendwann in den 80ern ein Bus des Radevormwalder Handballvereins "TV Herbeck" zu einem Auswärtsspiel nach Meppen unterwegs war. Google Maps gibt diese Route mit "228 km, 2 Stunden und 22 Minuten" an.
Man fuhr wohl nun schon eine ganze Weile, als sich erster Unmut breit machte, es wurde den Handballern etwas lang und sicher auch -weilig.
"Wie lange is denn noch?", fragte da einer.
"Wie weit is denn noch", fragte ein Anderer.
"Bis Meppen", lautete die mit großer Eloquenz und nachgerade wuchtiger Weisheit vorgetragene Antwort.
Wer mag dieser Quasi-Zen-Meister gewesen sein, dessen Sentenz die Antwort auf jede der gestellten Fragen war? Leider verliert sich dies im Nebel der Geschichte. Neueste Forschungen weisen darauf hin, dass es sich hier keinesfalls um einen "Handballer" (Blogbeitrag), sondern um eine dem Sport fremde Aufsichtsperson oder einen mitreisenden Anthroplogen gehandelt haben muss.
"Bis Meppen" als universelle Antwort sowohl auf große Entfernungen als auch auf große Zeiträume erfreut sich in dieser, meiner Heimatstadt Radevormwald bis heute großer Beliebtheit.

Beispiele:
"Wie lange ist die Wurst noch haltbar?"
"Wie lange läuft diese sinnlose Sondersendung noch?"
"Wie lange sitzt Onkel Knastbruder Joey noch ein?"
und:
"Wie weit fliegen die beiden Voyager-Sonden noch?"
"Wie weit kann man von diesem Aussichtspunkt aus sehen?"
"Wie weit würdest du gehen?"

"Bis Meppen", das Lichtjahr des kleinen Mannes.


Mittwoch, 9. Mai 2012

Radevormwald, eine braune Brutstätte?

http://bit.ly/ICgvsf
42477 Radevormwald hat wieder Medienpräsenz - als braune Brutstätte (Link).
Radevormwald war schon wegen des bis dahin tragischten Eisenbahnunglücks der BRD in 1971 in den Medien (Link), wegen zahllosen Drogenrazzien und jetzt eben wegen Rechtsradikalen, die "die Gnade der späten Geburt" (Link) als persönliches Unglück erachten, Narren, die sie sind.

Die Stadt Radevormwald liegt inmitten der grünen Hügel des Bergischen Landes 20 km entfernt von Wuppertal, ebenso weit weg von Lüdenscheid (wo wirklich niemand hin will) und 10 km von Remscheid (das immer gruseliger wird).
Es ist eine ganz normale, langweilige Kleinstadt mit 22.526 Einwohnern, Tendenz sinkend.
Der Fernsehpfarrer Jürgen Fliege (Link) kommt aus Radevormwald. Der elektrische Currywurstschneider wurde hier erfunden (Blogbeitrag) - Respekt! Und die zweitälteste Jugendherberge der Welt steht hier.
So weit, so unspektakulär.
Ich habe bis letzten Sommer 44 Jahre am Stück dort gelebt und, ja, man konnte dort prima leben. Dort zu wohnen hatte den Vorteil, dass die Miete so dermaßen unanständig niedrig war, dass ich mich kaum traute zuzugeben, dass ich für die 50 m² Genossenschaftswohnung mit Gartenparzelle nur 165,00 EUR zahlte. Der Sonnenuntergang am Küchenfenster war Bombe! Ich parkte direkt vor dem Haus am Bürgersteig. Jahrelang schloss ich mein Auto nicht einmal ab, trotzdem kam nie etwas weg, was man von Wuppertal, meinem neuen Wohnort, nicht gerade sagen kann.
Ich bin dort auf die Realschule (Blogbeiträge) und das Gymnasium (Blogbeiträge) gegangen, dort waren Gewalt und Drogen nie wirklich ein Thema, letzteres eher bei den in die Provinz strafversetzten Lehrern des Theodor Heuss Gymnasiums.

Die Innenstadt von "Rade" hat mittlerweile viel Leerstand. Es gibt ein schönes Eiscafé am Neumarkt und ein tolles Kino. Einen Woolworth (sprich: Woll-wott). Und einen McDonald's. Die zwei bis drei Kneipen, die man hätte aufsuchen können, werden von schnöseligen, ortsansässigen Handwerksmeistern / Fabrikantensöhnen mit komplizierten Brillengestellen und riesigen Angeberautos belagert. Sie haben ihre Gattinnen dabei, die mal Beauty of the Class von 198x waren. Menschen, die gezwungen waren, ihre Freizeit in diesem eklen Umfeld zu verbringen, dauerten mich seit jeher, aber hey: Zum Wohnen war es toll.

Ausländerfeindlichkeit ist mir ein paar Mal untergekommen. Ein einziger (1) Skinhead war mir seit der Jugend namentlich bekannt, ich habe ihn seit 15 Jahren nicht mehr gesehen, vielleicht hat er sich für Führer, Volk und Vaterland zu Tode gesoffen. Auch kannte ich einen Gleichaltrigen, der mal einen Ausländer angegriffen hatte. "Was für ein Spinner!" war hier die einhellige Meinung aller, mit denen ich darüber gesprochen habe. Einmal habe ich durch ein Fenster in einer Wohnung eine Reichskriegsfahne hängen sehen. Und vor zwei Jahren habe ich an Straßenschildern und Bushaltestellen ein paar proNRW-Sticker mit durchgestrichenem Moscheen-Symbol abgeknibbelt.
Und ja: Es gibt/gab eine Internetseite www.radeisgeil.de, tatsächlich eine "Seite für Deutsche Patrioten", sprich: Eine Seite von IDIOTEN für IDIOTEN, was man aber schon weiß, ohne die Seite überhaupt aufrufen zu müssen.
Aber ehrlich: "braune Brutstätte" geht anders.

Mit ihrer Nazivergangenheit hat sich die Stadt seit jeher schwer getan.
Sieht man sich im Stadtnetz die Radevormwalder Stadtgeschichte an "Vom Ursprung bis heute - Damals: Ein historischer Rückblick" (Link), sieht selbst der geschichtliche Laie, dass das Dritte Reich an diesem wind- und wetterumtosten Weiler des Bergischen Landes offenbar absolut ereignislos vorübergezogen ist. Die wackeren Radevormwalder waren vermutlich alle im Widerstand, bis sie dann vom Ami aus heiterem Himmel beschossen worden sind...
Na klar.
 Am 09.12.2003 überflog ich die Überschriften im Radevormwalder Teil der "Bergischen Morgenpost" (BM). Eine verleitete mich ausnahmsweise dazu, weiterzulesen: "Mehrheit Bauausschuss - Straßen nicht nach NS-Gegnern". Ich zitiere:
"Mit den Stimmen von CDU, UWG und FDP (Gegenstimme SPD) wurde gestern im Bauausschuß beschlossen, die Namen der Straßen im Neubaugebiet Laaker Felder nicht nach Radevormwalder Gegnern des NS-Regimes zu benennen, sondern nach Getreidearten."
Das ganze Gerangel hier (ab Punkt 3 b) - es lohnt sich.
Am Text einer alternativen Gedenktafel (Link) wurde so lange herumgedoktert, bis sie endlich harmlos genug daherkam, vermutlich hätten sie am liebsten "... gehänselt" geschrieben. Die Namen der Widerstandskämpfer fehlen.
Vergangenheitsbewältigung at it's best...
Es muss in Radevormwald wohl noch eine ganze Menge Vergangenheit bewältigt werden. Ein paar tapfere Leute haben schon damit angefangen (Literatur).

Vielleicht sind die Nazi-Probleme der Gegenwart dem bisherigen, völlig unwürdigen Umgang mit der NS-Vergangenheit der Stadt geschuldet.
Idealerweise lässt man den Stadtrat bei einer zukünftigen Aufarbeitung komplett außen vor.



Mehr Radevormwald: (Blogbeiträge)


Montag, 30. April 2012

Heimat 19/History 37 - Hausbesuche (1976)

http://goo.gl/cWxU6 
Dr. Stavenhagen war ein HNO-Arzt nach dem Geschmack meiner Eltern: Er machte auch Hausbesuche.
Er war älter als Gott. Bei seinen Visiten parkte er grundsätzlich diagonal in der Einfahrt. Er war ein schrulliges, geschrumpftes Männlein, glatzköpfig, krumm, übersät mit Altersflecken. Die Augen waren ein trübes Hellblau auf dunklem Elfenbein, die Hände waren knotig. Es hieß, er trage von einer Kriegsverletzung eine Metallplatte im Kopf. Seine Stimme, die er wie eine Luftschutzsirene aus der Nase presste, mochte dies bestätigen.
Er führte einen schwarzen Arztkoffer mit sich, aus dem er ein Stethoskop und den Kopfspiegel fischte, allesamt rissige, mit Klebeband geflickte, angelaufene Artefakte aus vergangenen Tagen. Zumeist blieb es dabei, daß er mir mit einem eklig schmeckenden, hölzernen Spatel im Rachen herumfuhrwerkte, bis ich einen Brechreiz kaum noch unterdrücken konnte. Alternativ legte er mir die gichtige Hand auf die von Fieber heiße Brust, versetzte meinen Körper in Starre, um dann wieder zu verschwinden.
Wir Kinder sahen ihn oft, wir hatten uns auf Mittelohrentzündungen spezialisiert - ein "hausgemachtes" Problem in einer Familie, in der beide Eltern rauchten (mehr Info).

Einmal nasaldröhnte Dr. Stavenhagen mir gegenüber: »Spräch näch so dürch dü Nose!« (eine recht skurrile Situation, die zum Widerspruch einlud, aber er hatte ja Metall im Schädel...). Er überredete meine Eltern, dass meine Polypen entfernt werden müssten. So ging eines schönen Tages in 1978 Queen Mom mit dem elfjährigen ich zu seiner Praxis in der Ispingrader Str., Radevormwald. Die Sprechstundenhilfe war Frau Stavenhagen. Sie war nicht wesentlich jünger als der Gatte und trug als Insignien ihres Alters einen Haarknoten und ein grün-braun-gelb-geblümtes Sommerkleid. Sie saß an einem arg überquellenden Tisch.
Das angrenzende Wartezimmer war quadratisch, es wurde von einem einzigen Nordfenster mit Blick durch Tannen spartanisch belichtet. An der Wand stand ein verstimmtes Klavier. Die ausliegenden Zeitungen waren älter als ich.
Das Behandlungszimmer nebenan lag bis auf den Lichtschein einer 40 W-Schreibtischlampe im Dunkeln. Der Schreibtisch gab dem Wort »überhäuft« eine fantastische, völlig neue Dimension. Ich musste mich auf den Behandlungsstuhl setzen, der aussah wie ein elektrischer Stuhl ohne Elektrik. Der Doktor scharwenzelte unauffällig heran, während er meiner Mutter dies und das zutrötete und schlang angelegentlich einen Lederriemen um mein linkes Handgelenk und die Stuhllehne. Hallo? Kurz drauf war ebenso mein rechter Arm gefesselt. Lächelnd tropfte der Arzt eine Flüssigkeit auf ein Tuch und drückte mir das Ganze ins Gesicht - Äther!
Ich hatte eine sehr intensive, rein grafische, in Graustufen gehaltene Vision von langen, zweidimensionalen Pendeln mit unterschiedlich geformten Pendelmassen (Kreis, Quadrat, unregelmäßiges Vieleck). Sie »kämpften« pendelnd gegeneinander, das eine von rechts, das andere von links. Eines gewann immer wieder gegen alle Anderen, die Verlierer zerbrachen oder stoben davon.
Irgendwann kam ich wieder zu mir. Stavenhagen zeigte mir eine braune Bakelit-Nierenschale, in der blutiger Quabbel schwappte. Strahlend wies er auch auf den blutverschmierten Haken, mit dem er mir das Zeugs aus der Nase gerissen hatte.
Wir gingen, Mutter stützte mich. Im Wartezimmer saßen bleichesten Antlitzes diverse Patienten, sie starrten mich an wie eine Marienerscheinung.
Ich war arg heiser.
»Du hast die ganze Zeit über geschrien wie am Spieß!«, sagte Mom kurz drauf. Das erklärte die Blicke im Wartezimmer.
Ich hatte keinerlei Erinnerung an Schreie.

Hey: Warum sollte man seine Kinder einer zeitgemäßen, nicht-traumatisierenden Medizin aussetzen, wenn man hie und da auch Hausbesuche haben kann?


Mehr: (Blogbeitrag)