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Montag, 18. November 2013

Vatter 5 - Experimentieren mit Katz

http://goo.gl/Hkjs5x
Katz, die vollzeit in meinem Elternhaus wohnte, war zweimal im Jahr rollig. Dann wurde sie flach wie eine Flunder und versuchte mit wüstem Miauen, Kater anzulocken. Vor allem stellte das Gequärke so allerlei mit der Nacht-Ruhe an. De Eltern besorgten deshalb beim Tierarzt ein Medikament, welches Katz beim ersten Brunftschrei zu verabreichen war.
Da man Katzen nicht einfach eine Pille in den Schlund werfen kann, außer, man hat den "10. Dan in Gefahrensuchen", kaufte de Vatter beim Metzger Rindergehacktes. Oder, wie er zu sagen pflegte: "gemahlene Kuh". Zu Hause angekommen drückte er eine Pille aus der Blisterpackung, zerdrückte sie mit einer Kuchengabel in einer Untertasse, wärmte das Fleisch einige Sekunden in der Mikrowelle an - Adel verpflichtet -, verrührte das Ganze und stellte es der Katze hin. Die verschlang alles im Erstschlag - Nacht-Ruhe gesichert.
Mit der Zeit begriff Katz, dass sie nur nach dem umständlichen Prozedere überhaupt in den Genuss ihrer Leibspeise kam und hörte auf, dem Vatter während der Zubereitung maunzend, murrend und gurrend um die Beine zu streichen. Stattdessen blieb sie einfach so lange unsichtbar außerhalb der Küche, bis der Vatter die Untertasse auf den Küchenboden stellte. Exakt eben diesen Augenblick wählte Katz dann, um beiläufig, wie total zufällig aufzutauchen und sich über das Hack herzumachen.
De Vatter mutmaßte, dat de Katte nach Gehör de Arbeitsschritte mitverfolgte, um sich dann erst nach Fertigstellung des Mampfes zeitnah zu zeigen. Deshalb beschloss er, et Katz zu überlisten  --  ein Kampf der Titanen!!!

Sein Versuchsaufbau beinhaltete:
Besteckschublade (mit der Kuchengabel)
Geschirrschrank (mit Untertasse)
Kühlschrank (mit Gehacktes in Alufolie)
Küchenschrank (mit Tablettenblister)

Versuch #1:
Hack aus dem Kühlschrank nehmen, kurz in der Mikrowelle 'nuken', warten, Gabel holen, Tablette zerdrücken, warten, Tellerchen holen, alles schnell verrühren, bis 10 zählen, Teller hinstellen
Resultat: Katze erscheint auf die Sekunde, völlig entspannt aus dem Nichts und mampft das Hack weg.
...
Versuch #4:
Teller und Gabel stehen bereits seit dem Morgen parat. Früher Nachmittag: Hack gewärmt, bereits zerdrückte Tablette untergerührt und Tellerchen mit fließender Bewegung auf den Boden gestellt.
Resultat: Katze erscheint pünktlich wie lässig aus dem Nichts und verschlingt's.
...
Versuch #15:
Tablette liegt bereits zerstoßen auf dem Tellerchen vor (das am Vortag aus dem Schrank geholt wurde), Gehacktes in Folie wird in der Hosentasche aufgewärmt, Auspackgeräusch der Alufolie mit künstlichem Reiz-Husten überdeckt, der Mischvorgang auf dem Tellerchen leise mit dem Stiel eines gebrauchten Kaffeelöffels von der Spüle. Finale: De Vatter geht rückwärts auf Socken, um et Tellerchen auf den Boden zu stellen.
Resultat: Punktlandung: Katze erscheint relaxt aus dem Nichts und zieht sich's rein.

Endergebnis: Vatter (0), Katz (15)

De Vatter belegte de Katz mit Tiernamen und gab et Versuchen auf.
Dat Vieh war ihm einfach über.


Freitag, 23. November 2012

Strömt herbei, ihr Völkerscharen - es hackt!

http://goo.gl/F1dHx
Zwischen Januar 1992 und März 1996 habe ich als studentische Hilfskraft bei der Barmag AG gearbeitet. Die Abteilung EL-KH umfasste etwa 60 Mitarbeiter, von denen ständig jemand Geburtstag hatte. Und weil et kurz nach'm Kriech war un alle wieder richtich wat auffe Rippen brauchten, gab et immer fett Mettbütterkes!
Es wurde also vom Geburtstagskind ein in dieser Abteilung tradiertes wie standardisiertes Festessen ausgerichtet: Brötchen mit Schweinemett!
Das Besprechungszimmer wurde mit Beschlag belegt. Teller, Messer, Salz und Pfeffer wurden herbeigeschafft. Kiloweise Butter stand halbpfundweise auf Tellerchen herum, riesige Mengen Zwiebelringe verströmten einen impertinenten Geruch, den auch geschlossene Türen nicht aufzuhalten vermochten. Er zog durch die Räumlichkeiten, sodass sich noch erwartungsfroh die Nüstern des in der hintersten Ecke Arbeiteten weiteten. Der Riesenberg Hack wurde monumental im Besprechungszimmer auf dem großen Konferenztisch aufgebahrt - ein Ayers Rock aus gemahlenen Schweinekadavern!
Dann war alles aufgebaut.
Es hab einen kurzen Augenblick der Stille und des Innehaltens, ganz so, als ging es hier wirklich um eine feierliche Totenwache. Doch dann stürzten die Mitarbeiter wie Heuschrecken aus allen Winkeln herbei, allesamt alles andere als ausgemergelt oder gar hohlwangig, dafür aber ausgestattet mit Ellenbogen und dem unbedingten Willen zum Mett! Ich wurde Augenzeuge, wie gierigsten Blickes babykopfgroße Mettklumpen auf Brötchenhälften verpresst wurden, Zwiebelringe wurden daraufgehäuft, die Pfeffermühle arbeitete unentwegt, es malmte und schmatzte.
Die Atmosphäre wurde dichter.
Mehr und mehr Kollegen drängten in den Raum, in der Hitze der Leiber lief die Butter dunkelgelb an, das Mett schwitzte, wurde an den Rändern braun. Die Luft, aufgeheizt, zum Schneiden dick, war ein Brodem vielfältigster Ausdünstungen, das die Scheiben beschlagen ließ.
Manche der Kollegen fraßen sich schwitzend in Rage, dem Blutrausch eines Frettchens nicht unähnlich. Erst, als das Gebirge aus Mett bis zum letzten Krumen abgetragen war, da trollten sich die Völkerscharen wieder, in den Zähnen porkelnd, um lange, fahle Fasern hervorzuziehen.
Zurück blieb ein Konferenzraum, dessen Boden eine geschlossene Brötchenkrümeldecke aufwies - und der Geruch.
Das weitestgehend ignorierte Geburtstagskind holte den Staubsauger aus der Putzmittelecke und begann aufzuräumen.

Wann immer ich heute in eine Mettbrötchen-Situation gerate, dann heißt mich die Erinnerung ein Käsebrötchen essen.