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Dienstag, 16. Februar 2016

Neulich, in der Nähe des Katzenklos

Archivbild
Am Samstagabend stand ich zähneputzenderweise vor dem Waschbecken im Bad und bereitete das Zubettgehen vor. Unser Kater Oskar (fünf Monate alt), der ja die ganze kommende Nacht Zeit gehabt hätte, mal kräftig und mit allem Nachdruck aufs Katzenklo zu gehen, beschloss stattdessen auf den letzten Drücker, dass das in geselliger Runde viel mehr Spaß macht und setzte sein Vorhaben spontan um.
Ich spülte mir gerade den Mund aus, als mich der Pesthauch wie ein Mike-Tyson-Faustschlag traf. Der Angriff auf meinen Geruchsinn war dermaßen allumfassend und überbrachial, dass sich in einer Art neuralem Kaskadenversagen auch mein Blickfeld stark verengte und ich gleichzeitig meines Gehörs verlustig wurde. Meiner Sinne beraubt, taumelte ich grunzend nach hinten, klammerte mich ans Waschbecken, hielt die Luft an wie ein Ertrinkender.
Dies war wahrhaftig eine Szene, die einen Vergleich mit Patrick Süskinds "Das Parfum" nicht scheuen musste! Mein erster unbewusster Impuls war, das liebe, süße Kätzchen zu retten, aber das Vieh hatte sich natürlich schon bei allererster Gelegenheit verpisst.
Leider schaffte ich es nicht ohne zu atmen bis zur Tür, ich zog mir das Giftgas direkt in die Lungen.

Später lag ich noch lange wach und lauschte mit rasselnden Atemwegen und tränenden Augen auf das ferne Klirren sich von den Wänden ablösender Badezimmerfliesen.


Dienstag, 12. Februar 2013

ru history 44 - WG mit Ludger (1991 ff.)

http://goo.gl/74qvy
Nachdem es in meinem Elternhaus noch ungemütlicher geworden war, zog ich 1991 kurzentschlossen bei Kumpel Ludger (Name geändert) ein. Hier gab es zwar nur ein Durchgangszimmer für mich, aber da konnte ich aufgrund langjähriger Erfahrung mit umgehen.
Jetzt bewohnte ich eine WG mit Ludger!
Ludger hatte schon immer hier gewohnt, es war sein Elternhaus, das er nach dem Ableben seiner Eltern übernommen hatte, incl. dem Pudel namens Pascha (Name nicht geändert). Pascha war der Hund alter Leute gewesen. Wenn er winselte, um mal zu »müssen«, öffnete man ihm die Haustür und der Hund kackte dann ganz unbefangen auf den Hof. Manchmal streifte er noch auf dem Grundstück herum bis zum Zaun, um in den Wald zu schnuppern. Manchmal kackte er in mein Zimmer.
»Barfuß« blieb bis zuletzt spannend.

Ludger hatte Kellerräume satt. Einmal die Woche trug er das Altglas von unter der Küchenspüle in den hintersten Kellerraum und stellte das Leergut in Reih und Glied an die Wand. Die Wochen flogen nur so dahin. Nach einer Weile war Kellerraum 1 mit einer geschlossenen Glasdecke versehen, dann wurde Kellerraum 2 ausgebaut. Irgendwann kam Ludger hoch und sagte zu mir den gefürchtetsten aller Sätze: »Wir müssen Altglas wegbringen!«
Bewaffnet mit allen Plastiktüten, derer wir habhaft werden konnten (und das waren einige), machten wir uns daran, säckeweise Glas mit verschiedenfarben schimmelnden Inhalten einzusammeln (Nutella schimmelt eher grau, Nusspli eher grünlich). Die beiden Autos wurden bis zum Stehkragen damit vollgestopft (mein Kadett D schaffte mit umgeklappter Rückbank eine Riesenmenge). Mit beiden Autos zweimal fahren - fettich!
Dann fing alles wieder von vorne an.

Im Keller des Hauses hätte man WK II-Luftschutzbunkerfilme drehen können. Das lag zum Einen am vor sich hinrottenden Gewölbe-Ambiente, zum Anderen daran, dass völlig authentische Lebensmittelkonserven dort herumstanden. Zum Beispiel gab es Einmachgläser voller mittlerweile durch Ausbleichen kaum noch zu identifizierenden Obstleichen à la »Stachelbeere« und »Sauerkirsche«. Spektakulär war eine Sammlung weiß angelaufener Zinkblechkonserven und vor sich hinrostender unverzinkter Konservendosen. Die Konserven waren aus einer Zeit, als es noch nicht üblich gewesen war, ein Mindesthaltbarkeitsdatum aufzudrucken. Der Höhepunkt der Ausstellung war eine kleine Dose Mandarinenstücke, die in einer schwarz-glänzenden Pfütze Fäulnis stand. Das Etikettenpapier war rundum schwarz angelaufen und der Ausdruck nur noch durch die Unterschiede von matter zu glänzender Oberfläche auszumachen. Vorne, mittig durch die Dose, wuchs ein knubbeliger graugrüner Pilz durchs Blech nach außen.

Eines Tages fand ein lustiges Kaffeetrinken mit den halben Freundeskreis statt. Hoch die Kaffeetassen! Irgendwann ging die Kaffe-Milch zur Neige und Kumpel Frank sagte: »Ich weiß, wo die im Keller steht!«, sprang auf und verschwand. Im Handumdrehen tauchte er wieder auf, eine Konservendose »Bärenmarke« in Vorhalte. Das Etikett wirkte seltsam antiquiert, das Blech war angelaufen. Alle blickten zweifelnd, außer Frank, der bereits nach einem Dosenlocher suchte. Eins, zwei waren die Löcher gestanzt. Frank drehte die Dose um und drückte - nichts! Er drückte fester. Noch fester. Endlich kamen graue, griesige Würste aus den Löchern. Als er den Druck minderte, wurden die Würste wie Rotz wieder in die Dose zurückgesaugt incl. eines hoch authentischen Geräuschs. Alle starrten mit ekelgeweiteten Augen, nur nicht Frank, der seine Bemühungen verstärkte. Zuletzt bekam er genügend von der grauen Masse in die Tasse, verrührte das Ganze und nippte zur Fassungslosigkeit aller tatsächlich an seinem völlig verseuchten Heißgetränk. Der Kaffe schmeckte »grau«. Bei dem Schluck ließ er es bewenden. Er hatte noch Stunden später stumpfe Zähne davon.
Merke: Ist »Bärenmarke« in Frakturschrift geschrieben, ist das Verfallsdatum überschritten.

Ludger war ein großer ambulanter Esser*. Er hatte das ambulante Essen quasi auf eine ganz neue Ebene befördert. Lässig stand er an der Anrichte, einen offenen Tetra-Pak O-Saft in die Achselhöhle geklemmt, in der einen Hand eine Scheibe Aldi-Graubrot, in der anderen Hand eine Packung Fleischsalat zum Dippen. Hier wurde im wahrsten Sinne »aus dem Stand« - ein komplettes Mahl bereitet und verschlungen, ohne dass man solchen Killefitt wie Teller, Besteck oder gar Servietten benötigt hätte. Finger ablecken, O-Saft-Tüte angesutscht und halbvoll in den Kühlschrank stellen und dort vergessen - das war ambulantes Essen at its best!
*) Gegenteil: "stationäres Essen", z.B. regulär an einem Tisch

Wenn so ein geöffneter und angesutschter 1,5 l-O-Saft mal eine zweistellige Anzahl an Kalenderwochen im Kühlschrank vor sich hin gerottet hatte, war die Entsorgung desselben nichts für Lappen. Normalerweise würde man den Inhalt des Beutels in die Spüle oder ins Klo kippen. Normalerweise. Schon, wenn man den Beutel kippte, konnte man spüren, wie sich ein faustgroßer, kompakter Strunk Fäulnis im Inneren verlagerte und - tschwomp! - den Ausguss am Tetra-Pak verstopfte. Ja, auch, wenn man sehr fest drückte. Dies war immer ein Kandidat für komplett-in-die-große-Tonne!

Eines Tages betrachtete Ludger versonnen seine Wohn-Küche. Er entdeckte einen flammend orangeroten elektrischen Hähnchengrill, ein Relikt aus den 80ern. In einem Anfall von Häuslichkeit beschloss er, das Ding einfach mal zu benutzen. Erstmalig in seinem Leben kaufte er bei ALDI ein tiefgefrorenes Hähnchen. Doch wohin mit dem gefrorenen Geflügel? Ludger, nicht dumm, steckte das Getier zum Auftauen direkt in den ausgeschalteten Mini-Grill, denn so war es nirgends im Weg!
Ein genialer Plan! Begeistert wandte Ludger sich anderen Dingen zu.
Es wurde April.
Die Quelle des grauenerregenden Verwesungsgeruchs in der Küche war nicht leicht auszumachen. Zuletzt fand man das wirklich, wirklich sehr aufgetaute Hähnchen im besagten Elektrogerät. Dummerweise öffnet Ludger die Luke. Es blieb kein Auge trocken. Das Hähnchen hatte übrigens bereits wieder dichten Flaum. Es hörte auf den Namen Haarald. Ludger schmiss entgegen sonst so strenger Mülltrennungsregeln Haarald mitsamt seinem Minigrill-Sarkophag auf den Müll.


Es kam, wie es kommen musste: Sigrun (Name geändert) trat in Ludgers Leben. Sigrun war arg reinlich und urst häuslich. Sie war eine spektakuläre Bäckerin und Köchin, als Hobby sammelte sie Kochbücher. Ihre Küche war stets sauberer als ein Reinraum bei der Mikrochipherstellung. Wir haben das heimlich überprüft. Mehrfach. Und selbst in der Woche deckte sie morgens vor der Arbeit den Tisch mit Sets, die mit den diversen »Servietten der Saison« wohlfeil harmonierten.
Das Ambulante war Sigruns Sache nicht. Selbst im für den Ottonormal-Looser üblichen hochnot-ambulanten Camping-Ambiente konnte sie keineswegs auf die einfachen Freuden von Kaffeevollautomat, Mikrowelle, Satellitenantenne, Sets und Servietten verzichten.
Als sie Ludger eines Tages in ihrer Küche beim ambulanten Essen erwischte, bekam sie einen Nervenzusammenbruch und musste zwei Wochen lang hochdosierte Psychopharmaka einnehmen. Ludger legte daraufhin diese Methode der Nahrungsaufnahme aus Sicherheitsgründen gänzlich ab.
Na, da passte ja alles ganz wunderbar zusammen!
Ludger zog zu Sigrun, die Wohnung wurde verkauft, unsere WG-Zeit war zu Ende.


Freitag, 23. November 2012

Strömt herbei, ihr Völkerscharen - es hackt!

http://goo.gl/F1dHx
Zwischen Januar 1992 und März 1996 habe ich als studentische Hilfskraft bei der Barmag AG gearbeitet. Die Abteilung EL-KH umfasste etwa 60 Mitarbeiter, von denen ständig jemand Geburtstag hatte. Und weil et kurz nach'm Kriech war un alle wieder richtich wat auffe Rippen brauchten, gab et immer fett Mettbütterkes!
Es wurde also vom Geburtstagskind ein in dieser Abteilung tradiertes wie standardisiertes Festessen ausgerichtet: Brötchen mit Schweinemett!
Das Besprechungszimmer wurde mit Beschlag belegt. Teller, Messer, Salz und Pfeffer wurden herbeigeschafft. Kiloweise Butter stand halbpfundweise auf Tellerchen herum, riesige Mengen Zwiebelringe verströmten einen impertinenten Geruch, den auch geschlossene Türen nicht aufzuhalten vermochten. Er zog durch die Räumlichkeiten, sodass sich noch erwartungsfroh die Nüstern des in der hintersten Ecke Arbeiteten weiteten. Der Riesenberg Hack wurde monumental im Besprechungszimmer auf dem großen Konferenztisch aufgebahrt - ein Ayers Rock aus gemahlenen Schweinekadavern!
Dann war alles aufgebaut.
Es hab einen kurzen Augenblick der Stille und des Innehaltens, ganz so, als ging es hier wirklich um eine feierliche Totenwache. Doch dann stürzten die Mitarbeiter wie Heuschrecken aus allen Winkeln herbei, allesamt alles andere als ausgemergelt oder gar hohlwangig, dafür aber ausgestattet mit Ellenbogen und dem unbedingten Willen zum Mett! Ich wurde Augenzeuge, wie gierigsten Blickes babykopfgroße Mettklumpen auf Brötchenhälften verpresst wurden, Zwiebelringe wurden daraufgehäuft, die Pfeffermühle arbeitete unentwegt, es malmte und schmatzte.
Die Atmosphäre wurde dichter.
Mehr und mehr Kollegen drängten in den Raum, in der Hitze der Leiber lief die Butter dunkelgelb an, das Mett schwitzte, wurde an den Rändern braun. Die Luft, aufgeheizt, zum Schneiden dick, war ein Brodem vielfältigster Ausdünstungen, das die Scheiben beschlagen ließ.
Manche der Kollegen fraßen sich schwitzend in Rage, dem Blutrausch eines Frettchens nicht unähnlich. Erst, als das Gebirge aus Mett bis zum letzten Krumen abgetragen war, da trollten sich die Völkerscharen wieder, in den Zähnen porkelnd, um lange, fahle Fasern hervorzuziehen.
Zurück blieb ein Konferenzraum, dessen Boden eine geschlossene Brötchenkrümeldecke aufwies - und der Geruch.
Das weitestgehend ignorierte Geburtstagskind holte den Staubsauger aus der Putzmittelecke und begann aufzuräumen.

Wann immer ich heute in eine Mettbrötchen-Situation gerate, dann heißt mich die Erinnerung ein Käsebrötchen essen.


Montag, 16. April 2012

Die lähmendsten Sportarten der Welt

http://bit.ly/J1b84m
Skispringen. Die Fernseh-Übertragung des Neujahrs-Skispringens aus Garmisch-Partenkirchen ist mit Abstand das lähmendste Sportereignis der Welt. Es geht FWUSCHHHHH-Zfit!-Wooooosch ... PADATZ! Und das mit den fünf immer gleichen Kameraeinstellungen gefühlte 500 Mal hintereinander. Alle sehen gleich aus und springen irgendwie gleich weit. Seit 1987 ist man deswegen dazu übergegangen, 500 Mal den gleichen Sprung (Nykänen) vom 01.01.1987 zu zeigen. Der Gewinner wird durch Los bestimmt und ist immer ein Zwerg mit 220 Werbelogos auf dem hautengen, dreifarbigen Leibchen.

Riesenslalom. Ist wie Skispringen ohne richtig abzuheben. Statt FWUSCHHHHH-Zfit!-Wooooosch ... PADATZ! macht es FWUSCH-FWUSCH-FWUSCH-Döng (Fahne)-FWUSCH-FWUSCH-FWUSCH! Ansonsten, siehe Skispringen.

Formel Eins. Wird zu recht auch als "Rennzirkus" bezeichnet. F1 ist die Königin, wenn es darum geht, fossile Brennstoffe in Lärm, Gestank und CO2 umzuwandeln. Hochgerüstete, brüll-laute Gefährte fahren so lange im Kreis, bis alle taub sind oder etwas explodiert. Alle sind in etwa gleich umweltschädlich. Der Gewinner wird deswegen durch Los bestimmt und ist immer ein Clown mit 220 Werbelogos auf dem hautengen, zweifarbigen Leibchen. F1 ist in etwa so zeitgemäß wie die Ausrottung einer Tierart oder das Abholzen der Regenwälder.

Fussball. Ist nur interessant, wenn Papa, als man Kind war, vor der Glotze Bier getrunken und rumgebrüllt hat. Das prägt. Deshalb trägt man noch heute rote, blaue, gelbe oder grüne Schals. Vereins-Simulation: Wenn man aus einem Rommé-Spiel die 110 Karten auf zehn elfer-Häufchen aufteilt, dann aber ständig Karten zwischen den Häufchen austauscht, "für" welches Häufchen bist du jetzt? Antwort: Schaaalke! Facepalm. Mit gesundem Menschenverstand ist das nicht erklärbar. Die Gewinner und der Verlierer dürfen nach dem Spiel atemloses, prägrammatikalisches Gestammel in vorgehaltene Mikros sabbeln und dabei ihre Werbelogos zeigen.

Handball ist Fußball nur mit anderen Mitteln.

Baseball. Inspiriert durch ein Riesenschachspiel mit Menschen statt Figuren, haben die Wissenschaftler des amerikanischen Kernforschungszentrums "Los Alamos" 1942 eine "Protonen-Kollision bei sieben Tera-Elektronenvolt in einem Teilring-System" nachgestellt. Das Regelwerk orientiert sich an den Zuständen in einem Quark-Gluon-Plasma. Eine der wichtigsten Regeln lautet: "Nicht auf das Proton spucken!" (Link)
Außer Kernforschern versteht niemand dieses "Spiel". Dem Publikum gefällt es, denn schließlich gibt es Hot-Dogs, Bier, lecker Cheerleader und man ist an der frischen Luft.


Samstag, 10. März 2012

Bürogeplänkel 30 - Blauer Korallenzauber

http://bit.ly/xcBuau
Wie bereits geschrieben (Blogbeitrag) malträtiert man die Geruchsrezeptoren der Toilettenbesucher unseres Büros seit Neuestem professionell mit einem vollautomatischen AirWick Freshmatic Compact, so called "Lufterfrischer" (Muahaha!)...
"Bratapfel und Zimt" gabs zur Weihnachtszeit für beide Toiletten. Nachdem sich der infernalische Inhalt nun endlich erschöpft hatte, drosch zum gefühlten Frühlingsanfang die neueste geruchliche Perversion auf mich ein: "Blauer Korallenzauber".
Hey! Merkt da noch einer was?
Wie riechen denn blaue Korallen?
Na, ganz bestimmt nicht so! Clownfische würden in Schwärmen Suizid begehen, wenn blaue Korallen so röchen!
Es hat eher was davon, als hätte man aus Barbies hellblauen Bauchnabelflusen ein Einhorn gebastelt, das nun im breiten Strahl sozialistisches Billig-Rasierwasser pisst.
OK...
Ich bin rüber zu den Mädels auf die Toilette. Die werden zurzeit mit pinkfarbenem "Magnolie und Kirschblüte" bedieselt.
Der Unterschied: das Einhorn ist pink.

Die Jungs blau, die Mädchen rosa: Und ist es nicht Wahnsinn, so hat es doch Methode!

Ich glaube, ich muss mal ein ernstes Wörtchen mit unserer allzu kreativen Reinigungskraft sprechen, die für die Bestückung der Teile zuständig ist.


Dienstag, 25. Oktober 2011

Bürogeplänkel 26 - Die Moderne, das Luder!

http://bit.ly/ocrEUW
Welche geruchlichen Brachialitäten habe ich nicht schon alles überstanden! Da war z.B. im Jahr 2000 die extrem besuchte CeBit-Toilette in Halle 2, Nähe Stand C36 (Symantec). Vor jedem Pissoir, vor jeder Kabine standen mindestens fünf Messebesucher Schlange, eine gewaltige, sich immerfort erneuernde Phalanx der Ausscheidung. Der daraus resultierende Pesthauch hätte mich fast gezwungen, statt meinen Darmtrakt meinen Mageninhalt zu entleeren. Ich floh diesen schrecklichen Ort mit tränenden Augen, würgend und vor allem unverrichteter Dinge.

Dergestalt abgehärtet fing ich in meiner aktuellen Firma an. Trotz einer heftigen Hire-Phase beider Unternehmen (2005), die in meinem Stockwerk die gleiche Toilette benutzen, erreichte der olfaktorische Level trotz zwischenzeitlicher Überbevölkerung niemals mehr als 0,32 CeBit und nach der darauffolgenden Fire-Phase (2007) niemals mehr als 0,2 CeBit.
Doch die Moderne, das Luder, wollte mehr, viel mehr!
Nach der Anbringung eines Handdesinfektionsgerätes gegen die böse, böse Vogelgrippe (oder welche Seuchen-Sau gegen Ende 2009 auch immer durchs Dorf getrieben wurde - Blogbeitrag) hatte es jetzt fast zwei Jahre lang keine technischen Schnickschnack-Neuerungen mehr gegeben.

Heute komme ich auf die Toilette, und mein erster Gedanke ist, dass dort eine preiswerte Prostituierte explodiert sein muss, zumindest dem Geruch nach. Aber es ist die Moderne, die mir so wuchtig und betäubend wie ein Süßkindscher Alptraum auf die Schleimhäute schlägt! Der Grund: "AirWick Freshmatic Compact" mit Geruchs-Sensor. Ein kleiner Automat, groß wie ein Tischlautsprecher, entscheidet jetzt selbsttätig, wann angeblich dicke Luft ist und hält dagegen, als gäb's kein Morgen! "Bratapfel und Zimt" soll das übrigens sein - Muahahaha! Im Grunde kann man schon froh sein, dass AirWick nicht versucht hat, "Kotze" nachzubilden.
Dieses Ding verteilt jetzt seinen irgendwie pinkfarben stinkenden, beißenden, vollsynthetischen Dritte-Welt-Nuttendiesel gnadenlos im ganzen Raum und auf den anwesenden Urinierenden.
Jetzt weiß ich, wie ich diesen brachialen Angriff auf meine Nase am besten beschreibe: Als würde Barbie verwesen.

Ich vergebe 0,7 CeBit.
Danke, Moderne!

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