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Samstag, 15. Oktober 2022

Things we lost (in the fire) — Teil 2: Opa Heinrichs Reiseköfferchen

Bildquelle: Emanuela Picone, Unsplash
Abbildung ähnlich, Quelle: Emanuela Picone, Unsplash

Mein Großvater mütterlicherseits wurde im Jahre 1900 geboren und stammte ursprünglich vom Niederrhein, aus Budberg. Als junger Mann reiste er manchmal geschäftlich in die Niederlande. Außer diesem schütteren Satz weiß ich nichts über seine oder die Art der Geschäfte. Er wird etwas mit Landwirtschaft zu tun gehabt haben.

Da für Opa Heinrich dann eine Übernachtung im Ausland anstand, hatte er einen kleinen, braunen Lederkoffer dabei. Dieser enthielt frische Unterwäsche, ein weißes Oberhemd, Dose mit Handseife, Zahnbürste und Zahncreme und ein Rasierset bestehend aus Messer, Pinsel und Rasierseife. Der Koffer selbst hatte eine Größe von knapp über 30 cm x 20 cm x 10 cm und war somit signifikant kleiner als das feuerwehrrote Köfferchen mit schwarzem Rand, welches ich als Kind mit in den Kindergarten genommen habe, wenn wir Spielzeug mitbringen durften.

Manchmal, wenn ich für eine oder zwei Übernachtungen gepackt habe und meinen Hohlblocksteingroßen Kosmetikbeutel zu den drölfzig anderen Dingen stopfte, die ich mitnahm, dachte ich an Opa Heinrichs Reiseköfferchen. De Omma würd jetzt sagen: „Et war ne andere Zeit.“

Der Koffer stand als Deko bei uns im Wohnzimmer, man sah ihm seine mehr als hundert Jahre nicht an, das Leder hatte einen feinen Glanz, war überhaupt nicht abgewetzt, nur die verchromten Schließen waren von der Zeit etwas angelaufen. Innen war er mit beigefarbenem Stoff ausgeschlagen.

Nun ist er fort.


Inhaltsverzeichnis der gesamten Serie


Sonntag, 12. Februar 2012

Queen Mom 16 - klappt doch

http://bit.ly/wfXXnB
2009 bin ich mit Queen Mom in Urlaub gefahren.
Abflug (Blogbeitrag) und Ankunft waren am Frankfurter Flughafen.
Schon bei Antritt vonner Rückreise sagte se: "Ich kannet nicht! Nich den ganzen Weg übern Flughafen bis zur Bahn. Ich schaff et einfach nich!"
Verstehe ich ja. Die gefühlten 2,7 Gebäudekilometer des Flughafens FFM sind für ne 80-jährige kein Pappenstiel.
"Setzte dich einfach aufn Koffer-Trolley, ich roll dich", sach ich.
De Mutter kuckt zweifelnd.
Ich fand de Idee ja nich so übel.
Wir steigen ausm Flieger, gehen durche Passkontrolle, ich hol de Koffer am Band, bepack den Trolley, de Mutter ziert sich.
"Näää!"
Wir gehen langsam nen Stück, stehen da zwei Flughafen-Hostessen mit Rollstühlen un warten.
Die Mutter wird hektisch, zeigt mitm Finger.
"DA!!!"
"Mutter, die stehen da doch nich aus Jux! Die sind doch bestellt!"
Queen Mom geht hin, lässt sich in nen Rollstuhl plumpsen.
De Hostessen rascheln hektisch mitn Papieren.
"Hatten Sie reserviert?", fragt eine.
"Ja! Natürlich!", sagt de Mutter würdevoll.
De Flughafenboden tut sich auf und verschlingt mich mitsamt dem Koffer-Dingen. Vor meinem geistigen Auge sehe ich Leute ohne Beine durch den Flughafen robben, weil ihr bestellter Rollstuhl nicht da war.
De Damen rascheln wieder mitn Papieren, et stellt sich schnell, raus, dat de Mutter mal gar nich reserviert hatte. Dann sprechen se int Walkie-Talkie un fünf Minuten später taucht ne flammeneue Hostess mit Rolli auf, diesmal mit Reserviert-Schild, auf dem mit Edding "Queen Mom" geschrieben steht. Dann geht alles ganz schnell. Se führt uns nämlich über Sicherheitskarten-Schleichwege durch et Gebäude und zehn Minuten später stehen wir am Bahnsteig.
Ich bedanke mich wortreich für diese sicher nich selbstverständliche Serviceleistung.
Als de Hostess mitm Rollstuhl wieder weg is, sacht de Mutter: "Na, dat hat doch ganz prima geklappt!"


Mehr "AIDA mit QM": Blogbeiträge