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Mittwoch, 29. Juli 2015

Heißgetränkeautomaten

photo credit: Choose wisely via photopin (license)

Im Wort "Heißgetränkeautomaten" steckt ganz hinten das Wort "tomaten", was kein Zufall ist.

Mein erster Heißgetränkeautomat begegnete mir im Foyer der Turnhalle des Gymnasiums in Radevormwald, vielleicht 1981. Für Kinder war dieser schwarz-braune, flächig mit Holzimitat beklebte Klotz in der Größe eines Kleiderschrankes in der Regel nur Deko, denn für uns rangierten eisgekühlte Cola, Fanta, Lift, Sprite und Mezzo Mix haushoch vor allem anderen -- es sei denn, es war Winter. Dann stapften wir mit unseren Moon-Boots in das grausam überheizte Foyer, um uns Kakao -- und nur Kakao zu ziehen. Man warf sein 50-Pfennig-Stück in den Geldschlitz, drückte die KAKAO-Taste, schon brummte und summte das Gerät, wackelte auch ein wenig, ein ockerfarbener, geriffelter Becher plumpste in den Ausgebeschacht, dann Summ-Summ-Summ ergossen sich die diversen Komponenten des Kakaos (Heißwasser mit Milchpulver, Heißwasser mit Kakao und das Ganze retour). Zuletzt: das fertige Getränk. Traditionell umklammerte man die heißen Becher und blies hinein, sodass die Metallrandbrillen dick beschlugen. Aber: Wenn man jetzt Pech gehabt hatte, dann hatte sich der (zu allem Überfluss nur marginal sympathische) Hallenwart fünf Minuten zuvor eine Tomatensuppe gezogen -- und so schwammen jetzt etwa 30 grellorange Fettaugen auf dem Kakao.

Deshalb steckt im Wort "Heißgetränkeautomaten" ganz hinten das Wort "tomaten".


Dienstag, 1. September 2009

Wintermäntel im August


Ice Cream
Originally uploaded by hartp
Am letzten Dienstag, so um den 25. August herum, lief ich durch die Innenstadt, ließ mir die Sonne ins Antlitz scheinen, genoss das Sommerwetter und dachte an ein Walnuss-Eis. Als ich bei der Filiale von Ernsting's Family vorbeikam, bekam ich schon beim Anblick der Auslagen Schweißtropfen: Daunenjacken und Steppmäntel, allesamt mit struppigen, räudig aussehenden Synthetik-Fellkrägen. Das ist nicht nur antizyklisch, was das Wetter angeht, das ist pervers! Wer kauft denn Wintermäntel im August bei 30°C im Schatten? Die sich in den Modegeschäften neben Moon-Boots und Ohrenwärmen zwei Monate lang langweilenden Einzelhandelsfachverkäufer stellen sich die Frage vielleicht auch. Jahrein, jahraus.
In den Supermärkten rundum ziehen seit Tagen Dominosteine, Nougathäppchen & Spekulatius ein. Verdammt, das wurde auch langsam Zeit! Dort stehen die Leckereien dann und harren stoisch schwitzend und ihre Aggregatzustände wechselnd wie Leute ihre Unterwäsche der fernen Weihnacht. Sollten sie nicht vorher verschlungen werden und tatsächlich ihrer gedachten Anwendung zugeführt werden, nämlich als Leckerei fürs Fest, dann haben sie bereits über ein Dritteljahr auf dem Buckel - hmmm, lecker! Was viele nicht wissen: Es wird nämlich in der Regel nicht nachproduziert.
In einer Zeit, in der Hans & Franz auf Pump leben - also bereits die Kohle der kommenden Monate ausgeben - können sie für das gepumpte Geld auch getrost die Waren der kommenden Monate kaufen.
Hart aber fair.
Irgendwie ist das doch eine elegante Strafe.

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