Posts mit dem Label Pizza werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Pizza werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Dienstag, 21. April 2015

ru24 history 54: Bella Italia (1992)

photo credit: via photopin (license)

1992 war ich mit Freunden am Gardasee, von da aus haben wir einen Zwei-Tage-Ausflug nach Florenz gemacht.
Florenz beeindruckt mit Autofahrern, die dermaßen viel mediterranes Flair versprühen, dass ich den Wagen abstellte und mich weigerte, auch nur einen Meter weiter zu fahren. Als Fußgänger lernt man in Florenz auf die harte Tour, dass ein Zebrastreifen nichts weiter ist, als eine Abfolge weißer Rechtecke auf der Straße. Am Rand des Zebrastreifens stehend, ist Augenkontakt zu nahenden Fahrern in Deutschland immer ein Mittel der nonverbalen Kommunikation, ein Signal. Dem florentiner Automobilisten signalisiert es lediglich, dass du, der Fußgänger, ihn gesehen hast -- er kann somit beruhigt Gas geben. Wir stehen eine Weile ratlos herum, bis wir es begreifen: Wirst du auf dem Zebrastreifen überfahren, bist du im Recht. Die logische Konsequenz ist: Man überquert die Teile einfach ohne rechts und links zu schauen in einer Art Suicide-Style, alle Fahrer hupen sowieso ununterbrochen -- und schon ist man drüben.

So viel Aufregung macht hungrig: Bella Italia, das Mutterland der Pizza! Im Biergarten einer kleinen Kaschemme finden wir uns unter Bäumen ein, um original! italienische! Pizza! zu essen, die Krönung des Tages! Hurra! Zikaden zirpen, leichter Wind geht, Lichterketten illuminieren die Nacht -- es ist wie im scheiß Märchen! Wir bestellen Pizza und bekommen, nun ja, ... hmmm ... "etwas". Es sind vage nieren- oder auch Bodenseeförmige Teigstücke mit verbranntem Rand. Auf einige Stellen ist freundlicherweise auch Tomatensauce aufgekleckert, hie und da hat sich etwas Gemüse oder auch mal ein Fleck Schinken verirrt. Die Dicke des Teiges variiert von hauchdünn und verbrannt blasig bis wulstig teigig. Das arme Ding splittert in alle Richtungen auseinander, als man mit der Gabel hineinsticht. Aber wir waren jung und hungrig und haben ganz dolle tapfer aufgegessen.
Um meinen Kollegen Raimund völlig aus dem Zusammenhang zu zitieren: "Das können sie also auch nicht."

Wer eine vernünftige Pizza essen will, sollte gegebenenfalls in Deutschland eine bei Hallo Pizza bestellen.


Dienstag, 14. Januar 2014

Restaurantkritik 6: Vapiano Wuppertal


photo credit: ifranz via photopin cc
"Der Name Vapiano leitet sich aus dem italienischen Sprichwort: »Chi va piano va sano e va lontano« ab. Das heißt auf Deutsch: Wer alles im Leben locker und gelassen angeht, lebt gesünder und länger." (Vapiano über Vapiano)
In Wuppertal hat Ende 2013 ein Vapiano eröffnet. Es handelt sich um "ein deutsches Unternehmen der Systemgastronomie, das italienische Speisen nach dem Fast-Casual-Prinzip anbietet" (Wikipedia).
"Fast Casual", das ist ist quasi "Fast Food, aber mit Wohlfühl-Socken".
Sicher, sicher.
Menschenmassen pilgerten von nun an zu diesem Ort, Parkplätze wurden umkämpft, es wurde um Warteschlangenplätze vor dem Eingang gestritten, es kam zu Oberarm-Konflikten zwischen Body-Buildungsbürgern.
Im Januar 2014 beschlossen auch wir, mal zu viert dort hinzugehen.
Am Eingang bekommt jeder von einem Mädchen eine Chipkarte, auf die der gesamte Verzehr aufgebucht wird. Das Ambiente ist modern und aufgeräumt (wenn man sich das Heuschrecken-Gäste-Gewusel wegdenkt). Dann ist man mitten drin im Gewusel der Massen. Falls man einen Sitzplatz findet, kann man sich dann für Pizza oder Pasta oder Salat an verschiedenen Schlangen des Tresens der "Showküche" getrennt für Pizza, Pasta, Salat anstellen. Alkoholische Getränke wie Bier, aber auch Nachtisch gibt es an einem Bar-Tresen, sodass man öfter mal Schlange stehen muss, bis man alles zusammen hat. Wer Pizza bestellt, bekommt einen handygroßen Funkmelder mit, der blinkt und vibriert, sobald die Pizza abholbereit ist.
Die Arbeit hinter dem Tresen der "Showküche" hat etwas von einer Vorhölle, es wirkt wie "McDonald's-Tresenkräfte im x2-Bildsuchlaufmodus". (Ich denke, dass verbrauchte, ausgebrannte Mitarbeiter aus dem Vapiano ausgeworfen werden wie rauchende, leer geschossene Hülsen aus einer Schrotflinte. Das Firmenmotto muss für die hier Angestellten ein ziemlicher Hohn sein.)
Nachdem alle Gäste nun hinreichend lange Schlange gestanden haben, nach Möglichkeit jeder in mehreren, parallelen Schlangen, trudeln die vier Restaurantbesucher nach und nach am gemeinsamen Sitzplatz ein, ihr Kantinen-Tablett aus Blech in Vorhalte.
Frage: Isst man, wenn es noch warm ist, aber die Anderen noch nicht da sind? Oder essen alle erst, wenn der Letzte ankommt? In diesem Fall wäre das Essen des ersten am Tisch Eintreffenden insgesamt nur noch zwei Grad wärmer als ein Speiseeis.
Als wir die Lokalität verließen, stellte ich verblüfft fest, dass ich mittels dieses ganzen vollkommen aberwitzigen Aufwandes (auf beiden Seiten) eine Pizza (3-), ein Bier (OK) und einen Nachtisch (4+) zu mir genommen hatte. Die Endsumme für die letztendlich bestenfalls arg durchschnittlichen Gerichte war OK.

Fazit:
Das ist wohl eher was für die Mittagspause. Abends, wenn es "schön/romantisch/feierlich etc." sein soll, geht man doch lieber zu einem "richtigen Italiener", da bekommen auch alle ihr Essen (fast) gleichzeitig und das Ambiente ist gemütlich bis familiär. Und da kann man im Gegensatz zum Vapiano auch reservieren.
Zusätzlich zu dem ganzen Geraffel stellen die Vögel dort auch noch ihre Pasta selbst her und züchten ihre eigenen Kräuter, als hätten sie nicht schon genug zu tun. Irgendwie wirkt der Laden auf mich wie eine gastronomische Rube-Goldberg-Maschine (Wikipedia), welche
"... mit Absicht eine bestimmte Aufgabe auf zahlreichen unnötigen Umwegen und in komplizierten Einzelschritten auf umständliche Art und Weise ausführt." (a.a.O.)

Mehr Restaurantkritik: Blogbeiträge
Tipp: Die bizarren Leserkommentare zur Eröffnung des Vapiano: Link