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Sonntag, 21. August 2016

ru24 Wissen: Ernährung von A-Z

photo credit: Ripe washed tomatoes via photopin (license)

"Fleisch ist ein Stück Lebenskraft.
Ja. Fragt sich nur, für wen?"
Hagen Rether 

"Wer länger ohne Nahrung ist,
wird ganz von selber Nihilist."
Wilhelm Busch


Noch vor 75 Jahren aßen Leute einfach alles, notfalls auch "Nachbarshund an Löwenzahn". Die Winter hielten sich die Menschen mit Graupen und Steckrüben über Wasser, runtergespült wurde das mit Muckefuck -- wenn man das Glück hatte, welchen zu bekommen. Deutschland war eine Nation unfreiwilliger Veganer. Dann kam das Kriegsende, das Wirtschaftswunder und irgendwann: Wohlstand für alle. Wer jetzt auf Nahrung freiwillig verzichtete, "diätete", eine unschöne Phase im Leben eines Menschen, der etwas Medizinisches anhaftete und die hoffentlich bald vorüberging.
Zwei Generationen später war nahezu alles möglich:



Chemitarier
Als Chemitarier bezeichne ich Leute, die einfach unkritisch jedes Produkt der chemischen Industrie herunterschlingen, kleine Bömbchen aus Geschmacksverstärkern (Glutamate), Transfettsäuren, Zuckeraustauschstoffen und Farbstoffen. Gemeint sind hochfragwürdige Fertiggerichte "TV-Dinner" für die Mikrowelle, voll die chemische Keule, aber auch bizarres Zeug wie Bifi Roll, Carazza, Popcorn mit Bacon-Aroma, Bubble-Tea und Analogkäse. Dosenravioli gibt es wöchentlich, auch den hoch famosen Aldi-Texaseintopf. "Von Grund auf gekocht" wird ausschließlich mit Maggi-Fix und Knorr-Fix (Blogbeitrag). Hier wird auf dem Altar der Bequemlichkeit einfach das komplette Programm geopfert: Geschmack, Gesundheit, Lebenserwartung.

Flexitarier
Sie essen in der Regel kein Fleisch, sind aber so flexibel, nicht den Grillabend bei Freunden zu sprengen. Das Wort gibt es erst seit 1998, dass Menschen ihren Fleischkonsum bewusst herunterfahren, ist vernünftig. (Link)

Freeganer
Freeganismus ist eine politische Einstellung. Der Freeganer lebt schon aus Frack komplett kostenlos. Es wird soviel weggeworfen, warum für essen bezahlen? Es steht soviel leer, warum Miete bezahlen? Im Grunde hat er recht, der Freeganer, nur das mit der Ausgewogenheit des Speiseplans, das ist so eine Sache. Freeganismus wird in den USA auch als "dumpster diving" ("Mülltonnentauchen") bezeichnet.

Frutarier
Sie lehnen sich noch weiter aus dem Fenster als Veganer: Frutarier sind wie Veganer, nehmen aber auch von Pflanzen nur das, was abfällt, also was die Pflanze "freiwillig" abgibt. Eine Möhre fällt nicht ab. Deshalb stehen auch Möhren nicht auf dem Speiseplan. Weia.

Jo-Jo-Diätist
Der Jo-Jo-Diätist hangelt sich, seit er 12 Jahre alt ist, an Diätplänen entlang. Von Atkins über Fasten, hCG, Kalorien zählen bis Weight Watchers war bereits alles dabei, teilweise mehrfach. Sogar die Paleo-Diät (und das trotz des Aussterbens der großen Landsäugetiere vor 50.000 Jahren). In den letzten 15 Jahren nahm er in Summe 90 kg ab und dafür 95 kg wieder zu. Seine Ernährung richtet sich immer streng nach der zurzeit angesagten Fachliteratur. Summa summarum bringt das alles in etwa soviel, wie Wählen zu gehen, aber der Jo-Jo-Diätist bleibt am Ball -- er geht ja auch wieder wählen bei der nächsten Bundestagswahl.

Makrobiotiker
Gemäß der ursprünglichen, antiken Lehre soll die unraffinierte, natürlich belassene Nahrung zu 60% aus Getreide bestehen, gekochtes Gemüse, Hülsenfrüchte, Meeresalgen, viel Salz und möglichst wenig Flüssigkeit gibt es dazu. "Die makrobiotische Lehre widerspricht anerkannten wissenschaftlichen und medizinischen Kenntnissen (...) [, sie] kann zu gravierenden Mangelerscheinungen führen." (Link)
Merke: außer Mathematik und Philosophie hat die Antike nichts hervorgebracht, das es Wort für Wort zu befolgen gälte.

No-Brainer
Motto: "Wenn man Tiere nicht essen soll, warum sind sie dann aus Steak?"
Baconstreifen zur Riesenportion Rührei mit Speck, Wurst aufs Brot, mit Käse überbackenes Supermarkt-Schnitzel auf dem Teller, Frittiertes dazu, das Ganze mit sechs Feierabend-Bierchen heruntergespült, später Chio Chips vor der Glotze und darauf einen Dujardin -- gegen das Sodbrennen von der Plempe nehmen wir zwei Rennie. Der No-Brainer kennt sich aus, schließlich lässt er keinen Werbeblock aus. Massentierhaltung, Ekelfleisch und Cholesterin sind dem No-Brainer nur sehr vage Begrifflichkeiten. Seine Lebenserwartung liegt etwa 10 Jahre unter dem Durchschnitt, was schade ist, da man in dieser Zeit noch gut und gerne eine Tonne Qualzucht hätte verstoffwechseln können.

Omnivore mit (schlechtem) Gewissen
Wenn ich im Discounter die abgepackten Tierleichenteile in meinen Einkaufswagen lege, komme ich mir ein wenig vor wie Karen Duve in "Anständig essen", nämlich unanständig. Allerdings bedeutet "bio" heutzutage auch nicht automatisch, dass die Produktions- und Verkaufsbedingungen edel und fein sind (Link). Also wie ein Veganer von Pontius nach Pilatus rennen, um meine Fair-Trade Feel-Good Bio-Polinten zusammenzubekommen? Ich für meinen Teil würde für das Gute-Gewissen-Fleisch im Discounter gerne das Dreifache bezahlen, es soll ja nicht immer heißen, der Konsument wäre der Preistreiber und an allem Elend schuld.

Ovo-Lacto-Gedönsrat mit Allergien
Mit nichts hält man die Menschen in seinem Umfeld mehr auf Trab, als wenn man sich abweichende Essgewohnheiten und allerlei wohlfeile Allergien zulegt, die sich niemand merken kann. Ist Merle-Sophie nun wirklich eine Ovo-Lacto-Vegetarierin mit Steinfruchtallergie? Oder war es nur Ovo- oder nur Lacto-? Was sind nochmal Steinfrüchte? War da nicht auch noch was mit Mango, Mehlstaub und Mononatriumglutamat? Wer Merle-Sophie mit anderen Freunden zusammen einlädt, muss vorher den Speiseplan akribisch abklopfen, im Biosupermarkt einkaufen, kleine Zettelchen fürs Büffet schreiben und dann nur noch darauf warten, dass Merle-Sophie fünf Minuten vor dem Eintreffen der ersten Gäste den Termin via SMS wegen Schnupfens absagt.

Ovo-Vegetarier, Lacto-Vegetarier
Die meisten Vegetarier sind Ovo-Lacto-Vegetarier, sie essen auch Ei und Milchprodukte. Jetzt kommts: Ovo-Vegetarier nehmen keine Milchprodukte zu sich, Lacto-Vegetarier essen keine Eier -- is klar. Wer sich so einen Scheiß ausdenkt, der sollte mit nicht unter 100 Stockhieben bestraft werden.

Pescetarier
Pescetarier sind Vegetarier plus Fisch. Sie haben, was Gesundheit und Lebenserwartung angeht, echt die Nase vorn, wenn man diesem Artikel (Link) Glauben schenkt,

Rohköstler
Um den Verlust von Vitaminen und Mineralstoffen vorzubeugen, essen Rohköstler ausschließlich ungekochte Nahrung, die nicht zwangsläufig vegetarisch sein muss. Motto: Nichts essen, was über 40 oder 60°C erhitzt wurde, also: nichts Gekochtes, aber auch nichts Gebratenes, Gebackenes, Geröstetes, Frittiertes. Milch: keine, die ultrahocherhitzt wurde. Marmelade. Aus mehreren Gründen nö. Kaffe? Nei-hein. Brot? Nö. Schokolade? Schade. Kartoffeln? Die werden ja durch Kochen erst genießbar, also nope. Rohköstler sind in aller Regel untergewichtig und mangelernährt (Link).

Veganer
Veganer verzichten auf tierische Lebensmittel (Fleisch, Fisch, Milch, Eier und Honig) und Produkte (Leder, Daunen etc.). Zum Frühstück gibt's eine Ovomaltine, gesüßt mit Agavendicksaft. Veganer sein ist eher ein Job als eine Ernährungsweise. Nahrungsmittel bezieht man auf dem Wochenmarkt, auf dem Demeter-Hof, im Bio-Laden, im Bio-Supermarkt, im Reformhaus, in der Apotheke und im Internet. Gleichzeitig zu der Einstellung, keinem lebenden Tier zu schaden, kommt eine politische Komponente hinzu, die Konzerne ächtet und Unternehmen, deren Bosse den falschen Parteien nahe stehen. Auch umweltzerstörende Lebensmittelzusätze wie Palmöl gehen gar nicht. Das alles gleichzeitig zu konzertieren, damit bekommt man auch gut mal einen Tag herum -- meinen aufrichtigen Respekt dafür. Zum Kochen ist man dann zu müde. Am besten, man bestellt beim Griechen an der Ecke eine Doppelpommes mit Ketchup und hofft das Beste.
Veganer haben, was ein gutes Gewissen angeht, die Nase ganz weit vorne.

Vegetarier
Vegetarier essen kein Fleisch, meist aber schon Milch, Ei und Fisch (s. Pescetarier). Ich fuhr mit meiner damaligen Freundin Eva in Essen auf den Weihnachtsmarkt, wir parkten, sie sagte "Boah! Jetzt erstmal eine Bratwurst!" Meine Augen leuchteten sofort wie Christbaumkerzen. Leider hatte sie nur einen grausamen Scherz gemacht, denn sie war ja Vegetarierin. Zudem ernährte sie sich salzarm, sodass "Nahrungsaufnahme" und "Spaß", was meinen Gaumen anbetraf, keine Schnittmenge miteinander hatten. Als Ausgleich zu ihrer Lebensweise (stiller Protest gegen Massentierhaltung, ethische Motivation) halten sich viele Vegetarier klassische Carnivoren wie Katzen oder Hunde -- schizophren ist, was du draus machst.



Fazit
Hitler war Vegetarier. Mahatma Gandhi auch.
Über Charakter sagt die Essweise wohl nur wenig aus.
Wenn alle hungern, essen alle, was sie kriegen können. Erst mit dem Wohlstand kommt die Wahl, wie wir uns ernähren MÖCHTEN. Wo er sich zwischen No-Brainer und Frutarier ansiedelt, kann jeder selbst entscheiden, doch manche Ernährungsweise mutet eher wie eine Selbstgeisselung an, als wie etwas, das Spaß machen sollte.


Übersichtsgrafik DIE ZEIT: (Link)


Mittwoch, 11. Mai 2016

Wählt PIA!

photo credit: Hyderabad Blues 3 via photopin (license)

Liebe Leute, heute mal kein Beitrag von mir, sondern von meinem alten Kumpel Professor Yussuf Isidor Morgenthau von der Universität von Miscatonic:


"Liebe Rezipienten!
Viel ist in der letzten Zeit von der sogenannten "Islamisierung des Abendlandes" die Rede gewesen. Machen wir uns doch nichts vor! Die Christianisierung des Abendlandes ist mit dem Ende des letzten großen Krieges knirschend zum Stillstand gekommen und seitdem so massiv auf dem Rückzug wie die Pest oder die Kinderlähmung. Warum? Weil alle Probleme der Moderne von Christen verursacht worden sind. Ich wiederhole: Alle Probleme der Moderne sind von Christen verursacht worden!
Mittlerweile aber sind nahezu alle Bewohner Europas Ungläubige und Heidenkinder, mit Ausnahme der Polen und unserer greisen Anverwandten vielleicht. Die Christianisierung des Abendlandes ist also unbestritten Schnee von gestern. Was also wäre stattdessen so schlecht an einer Islamisierung des Abendlandes?
Hier kommt PIA -- die Partei zur Islamisierung des Abendlandes ins Spiel.

Bevor alle refexartig zu blöken beginnen, vor allem greise Kirchenfürsten und die sog. "Patrioten", hier einige wohldurchdachte schlagkräftige Argumente, was die Einführung der Scharia in Europa für die Europäer alle einen ungeheuren Mehrgewinn bringen würde:


Arbeitslosigkeit
Nimmt man schlagartig alle Frauen aus dem Erwerbsleben heraus, wird in Europa ein zweistelliger Millionenbetrag an Arbeitsplätzen frei, in Deutschland allein sage und schreibe 17,7 Millionen! Adé Arbeitslosigkeit, adé Jugendarbeitslosigkeit! Jetzt muss selbst der letzte Heckenpenner ran, um das riesige Loch im Arbeitsmarkt zu stopfen!
Der Hauptvorteil ist: Niemand hat mehr zickige Arbeitskolleginnen!
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Vollbeschäftigung dank PIA!!!

Frau zu Hause
Was die CSU mit ihrer Herdprämie zwar gewünscht, aber nicht hinbekommen hat, wird PIA im Handstreich gelingen: Endlich ist da wieder jemand in unseren Heimen, der Behaglichkeit und Häuslichkeit in Krankenhausmengen generiert. Erscheint der Ernährer des Abends mattgepaukt von des Tages Knechtungen in seinem trauten, nunmehr permanent autosterilen Heim, erwartet ihn bereits die Gattin mit seinen Hausschuhen, Feierabendbier und exotischen Speisen. Noch während der Gatte in die Kissen sinkt und sich seine diversen handgefertigten Kulinaria zu Munde führt, tanzt seine Suleika ihm den Tanz der sieben Schleier.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Begeisterung dank PIA!!!

Straßenverkehr
Im Jahr 2015 besaßen rund 73,5 Prozent der Frauen einen Führerschein. Wo Frauen nicht mehr Auto fahren, ist man ganz automatisch wieder Herr der Lage! Staus gehören der Vergangenheit an, es gibt Parkplätze ohne Ende, niemand muss jemals mehr hinter einen roten Kleinwagen mit 25 durch eine 30er-Zone juckeln! Hurra! 17,7 Millionen Kleinwagen, die Haushalte angeschafft hatten, damit Frauen damit zur ihrerm Halbtagsjob fahren können, um damit ausschließlich das Geld für den Unterhalt eben dieses Kleinwagens zu verdienen, können eingestampft werden.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Straßenverkehr at it's best dank PIA!!!

Diät
Burkha statt Low Carb, mehr muss nicht gesagt werden. 
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: pralle Lebensfreude dank PIA!!!

Mode
Burkha statt Manolo Blahnik. Das von der Damenwelt bisher emittierte ständige Geseihere über Farben, Riemchen, Schuhe verstummt, schafft Raum für eine erholsame, fast schon meditative Ruhe.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: Die Rückkehr zur Vernunft dank PIA!!!

Pflegemittel
Der durchschnittliche Deutsche gibt jährlich ca. 160,00 € für Körperpflege- und Kosmetikartikel aus. Dabei entfallen statistisch 13,50 € auf den Herren und 306,50 € auf die Dame. Dank Burkha feiern nun wieder Kernseife & Wurzelbürste ihr Comeback! Sinnlos-unübersichtliche Drogerien wie z.B. DM können ihr Angebot nun auf ca. 50 Artikel des täglichen Lebens eindampfen.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: hart entrümpelte Drogerien dank PIA!!!

körperliche Ertüchtigung
Sich fünf mal täglich im Gebet gen Mekka zu neigen ist die neue Rückenschule der Nation. Kieser Training geht pleite, die ohnehin arg kargen Fitnessbuden werden in Begegnungsstätten umgewandelt.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: gerade Rücken dank PIA!!!

Rechtssystem
Während Bankenzocker bei uns einfach weitermachten, als sei nichts geschehen, sieht die Scharia für die Koksnasen in Zockerbanken interessante Körperstrafen vor wie 10.000 Stockhiebe oder das hochgradig unfachgemäße Entfernen von Gliedmaßen ("IS-Style") zur besten Sendezeit.
Brandstifter werden verbrannt, Steineschmeißer gesteinigt, Gammelfleischanbieter mit ihren Produkten gefüttert wie Stopfgänse -- alles ist in Balance!
Ehebruch: Um mal ein Geheimnis des Orients zu offenbaren: Ehebruch ist es nur, wenn die Beiden nicht miteinander verheiratet waren. Solches läßt sich aber im wahrsten Sinne des Wortes im Handumdrehen arrangieren und noch schneller wieder lösen. Eine Steinigung ist also in den wenigsten Fällen notwendig.
Wo man sich umblickt von Island bis Portugal: eine Rückkehr des Rechts dank PIA!!!"


Samstag, 4. Februar 2012

Fragen an ru24: Gehirnwäsche

http://bit.ly/AendMa
Elke R. aus M. fragt wieder.
(diesmal sehr ausführlich) "Lieber Dr. Rundumschlag24, warum hadern Männer mit ihren Bäuchen, wobei die berechtigten Frauen in der Regel diesen haptisch sehr zu schätzen wissen? Ganz von Freunden abgesehen, die zur Begrüßung (oder heimlichen, buddhistischen Ritual) gern mal übers Wohlstandswimmerl streichen? Und warum hadern Frauen mit ihrem Busen, Bauch, Po, Schenkeln, wenn gross angelegte Studien ergaben, dass Männer zwar gerne Covergirls angucken aber im Bett lieber eine weiblich proportionierte Freundin haben? Wer steckt hinter dieser Gehirnwäsche, die uns anscheinend durch Werbung, Kunst und allgemeine Menschliche Abbildungen (meist manipuliert durch Bildbearbeitungsprogramme) manipuliert?"

ru24 antwortet: Liebe Elke,
das Nachfolgende habe ich jetzt mal "aus dem Bauch heraus" geschrieben, ich kann ja aus den Vollen schöpfen:
Wenn man sich in unseren Städten umsieht, stellt man fest: Die meisten Menschen entsprechen überhaupt nicht dem Schönheitsideal. Ich kann mich erinnern, in Remscheid mal eine halbe Stunde im Strom der Passanten nicht einen einzigen Menschen gesehen zu haben, der irgendeinem landläufigen Ideal auch nur nahe kam. Das kann aber auch an Remscheid gelegen haben...

Es scheint ein allgemeines Schönheitsideal zu geben, das alle Menschen teilen: gute Haut und ein symmetrisches Gesicht. Lepra und zwei verschieden hohe Augenhöhlen wie beim Glöckner von Notre Dame kommen also nirgendwo wirklich gut an. Darüber hinaus wird als Ideal in der Regel das angesehen, was die Meisten gerade nicht haben. Wenn der Großteil der Bevölkerung auf Äckern schuftet ist der blasse Adel das Ideal. Malochen die Leute in Fabriken sowie unter Tage während das Jetset Strand und Azzurro genießt, dann ist beim Pöbel eben Bräune angesagt. In Ländern mit großer Nahrungsmittelknappheit ist dick mehr als schick und in Nationen mit Nutella zu 1,99 an jeder Ecke, mag man es perverserweise gertenschlank. Asiatinnen lassen sich europäische Augen machen, Afrikanerinnen glätten sich die Haare und wir westlichen Deppen diäten auf Teufel komm raus und rennen ins Fitness-Studio.
Ideal ist das, was die Meisten nicht haben.

Die Ikonen dieser immer nur aktuellen Strömung sind die Models, hyperideale Lichtwesen (zumindest nach einigen Runden digitaler Bildbearbeitung). (Faustregel für den Herren: Models sind zum Kucken, Modelle zum Anfassen.) Diese filigranen Geschöpfe castet man ja ursprünglich schon aufgrund der Tatsache, dass sie einem gewollten Typus bereits ad hoc überentsprechen. Man möchte nämlich mit ihnen lügen. Für die Werbung, zum Zwecke der Gehirnwäsche. Es geht ja darum, etwas mit ihnen verkaufen. Und genau so wenig real wie die Rama-Familie oder Waschmittel, die ölige Lappen blendend weiß waschen, sind diese dürren Hippchen mit einem Body Mass Index (BMI) kleiner/gleich 18, denen man noch eine digitale Patina aus Bildbearbeitung aufgezogen hat, wie eine zweite Haut.

Ich kann mich an ein Biologie-Buch zum Thema "Verhalten" erinnern, da wurde Amselküken im Nest eine Muttersilhouette aus schwarzer Pappe vorgehalten. Die Küken sperrten die Schnäbel auf, wollten gefüttert werden. Dann hat man diese Attrappe übertrieben. Die Vöglein sperrten die Schnäbel weiter auf. Noch stärker übertrieben. Noch weiter aufgerissenen Schnäbel. Das ließ sich einen Weile weiterführen, bis es Über-Übertypisiert war, dann merkten auch die Küklein, dass da was nicht stimmte.
Die Küken, das sind wir. Und die Attrappe sind die Models.
Wer das verinnerlicht, dem kann Rettung zuteil werden.

Wer nämlich diesem Attrappen-Ideal zu unkritisch nacheifert (anfällig: Jugendliche), dem drohen Gefahren für Leib, Seele und Leben, also irgendwas zwischen Essstörung und Suizid. Man muss schon ein gerütteltes Maß an Reife besitzen, hier mit Bedacht drauf zu pfeifen. Charakterbildung kann helfen. Oder ein christliches Elternhaus.
OK, dann doch lieber Charakter.

Freitag, 7. Oktober 2011

Bürogeplänkel 25 - Kohlenhydrate-Diät

http://bit.ly/q5sJiy
Dienstag in der Mittagspause aß ich selbst zusammengerührten Joghurt mit Birne. Obenauf hatte ich Dinkel Crunchy Müsli gestreut. Während ich am PC ein paar Facebookeinträge kommentierte, näherte sich rechts von meinem Kopf ein Löffel. An dem Löffel hing eine komplette Kollegin nebst Bürostuhl.
"Darf ich?", fragte sie.
Ich bejahte huldvoll. Sie nahm einen Löffel, crunchte vor sich hin, nickte begeistert.
"Lecker!", sagte sie und nahm sich gleich noch einen Löffel. "Ich mache gerade eine Kohlenhydrate-Diät", ergänzte sie.
"Äh?" Ich war verwirrt. Zumal die Dinkel Crunchies eine ganz wunderbare Kohlenhydrate-Quelle darstellten. "Seit wann?", fragte ich.
"Seit gestern!", antwortete die Kollegin stolz.
"Du weißt schon, dass das hier Kohlenhydrate sind?", fragte ich.
Murrend, maulend und crunchend rollte die Kollegin auf ihrem Bürostuhl von dannen.
Mittwochs hörte ich die Kollegin den anderen Mitarbeiterinnen stolz berichten, sie habe Abends für sich und ihren Freund eine Pfanne Bratkartoffeln gemacht.
Ah ja...
Aber lecker!
Donnerstags verkündetet sie, dass sie sich bei dem bevorstehenden Ausflug der Bürodamen nach Cochem/Mosel keinesfalls "irgendwie zurückhalten" würde.
Hmm...
Heute rief sie aus der Küche: "Kommt schnell alle her, hier ist das Paradies!", sie war schlecht zu verstehen, denn ihr Mund war so voll mit Donuts und Sahnebällchen, die dort in Krankenhausmengen herumstanden, wie bestellt und nicht abgeholt.
So ganz bei kleinem glaube ich, dass diese "Kohlenhydrate-Diät" für mich genau das Richtige wäre! Sie klingt einfach großartig!

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