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Freitag, 30. November 2012

Queen Mom 20 - neuer Personalausweis II

http://goo.gl/mlmvE
[Was vorher geschah: Blogbeitrag.]

Mutter (84) un ich fahren wieder zum Einwohnermeldeamt.
Ich hab de neuen, noch biometrischeren Passbilder für se dabei.
De Verwaltungsfachangestellte prüft de Bilder, die ich aufgenommen un beim DM hab ausdrucken lassen. Nach ner Weile schüttelt se unzufrieden mitm Kopf.
"Kuckense! Dat is hier nich symmetrisch, die Stirn is nur knapp innerhalb des schraffierten Feldes und dat Bild is en bisken wat zu klein! Da müssense zum Fotografen gehen."
"Un ich sach noch...", sach ich.
De Mutter fängt et Moppern an, ich bugsier se raus.
"Wir fahren zum 'Foto Krauskopf'", sach ich.
"Hanä! Doch nich im Schneegestöber!"
Ich bekuck mir dat "Gestöber".
"Mutter, hier ne Flocke, da ne Flocke un da noch ne Flocke, dat is wohl kaum n 'Gestöber'!"
Queen Mom: *mopper*
Ich fahr se zum Fotografen, halt direkt davor aufm Bürgersteig, se macht zwei Schritte, da isse im Laden, ich kuck nachm Parkplatz, finde nach ner Weile einen, eil zum Fotografen, da isse Mutter schon fettich, thront aufm Besuchersessel, ich sach: "Ich hol n Wagen" un geh den Wagen holen, fahr vor, de Mutter macht zwei Schritte un is wieder drin im Smart. Wir fahren zum Einwohnermeldeamt. Kommen dran.
De Verwaltungsfachangestellte prüft de allerbiometrischten Passbilder, die aufgenommen wurden. Nach ner Weile ruft se nen Kollegen. Der Fachangestellte prüft de Symmetrie direkt anne Mutter, kommt aber nach einem langen Blick nich so recht zu nem Schluss.
"Naja...", sacht er vage.
Queen Mom un asymmetrisch - ich behalt mir rechtliche Schritte vor!
Doch dann is et Passbild doch noch OK - Hurra!
"Ihr alter Ausweis is seit über zwei Jahren abgelaufen", sacht de Frau vom Amt, "Dat kostet 35,00 EUR Strafe!", sachte se.
De Mutter sackt zusammen, klammert sich mit plötzlich kraftlos gewordener Hand anne Tischkante. En asthmatisches Keuchen erklingt, dann spricht se, immer wieder geschüttelt von unkontrollierten Hustenkrämpfen.
"Ich konnt doch nich kommen, ich war auch im Krankenhaus [Blogbeitrag], mir war et doch nich gut!", wimmert se, dabei machte se en elendiges Gesicht dat einem Angst un Bange würde, wenn man dat als langjähriger Sohn nich schon kennen tät.
De Verwaltungsfachangestellte is wohl durchaus beeindruckt, doch se lächelt gequält.
"Et geht doch nich anders!"
Queen Mom is not amused, aber dafür sofort wieder genesen, schlagartig quasi.
Nach ner Weile is alles geregelt, wir gehen.
"Na, dat ging doch!", sacht de Mutter.
Sicher, sicher.


Mittwoch, 10. März 2010

Heimat 14/History 6 - allerchristlichst (1971 & 72)


Poor Teddy-pola02
Originally uploaded by [ henning ]
Der meinem Elternhaus am nächsten liegende Kindergarten war der Katholische Kindergarten St. Marien in der Blumenstraße. Ich war seinerzeit zwar nicht katholisch, dafür meine Mutter praktisch denkend, sie meldete mich dort an.
Et war 1971, et gab ja nix anderes.
Vor allem aber gab es Gebete, Gesang, Vorlesungen aus der Kinderbibel, das komplette Indoktrinationsprogramm, für das man so genannte Sekten so verachtet, als so genannter Christ.
Gefügig gemacht wurden wir mit bösen Blicken, Drohungen, Strafen. Die Strafen für Fünfjährige waren perfide und lähmend: Erbsen-Bohnen-Linsen-Sortieren zum Beispiel. Man bekam eine große Schüssel voller Hülsenfrüchte und musste diese nach Sorten trennen. Wenn man fertig war, wurde vor den Augen des kleinen Zwangsarbeiters alles wieder durcheinander gerührt. In der Ecke stehen war auch eine "beliebte" Strafe, die RAF-Sympathisanten nannten das zu der Zeit "Isolationsfolter" und bezogen sich auf Stuttgart-Stammheim. Besonders unbeliebt war das "Bibellesen": Man bekam eine reine Text-Bibel in die Hand gedrückt und musste eine längere Zeit darin "lesen", mit 5 ein echtes Problem.

Irgendwann kam unserer Gruppenleiterin auf die großartige Idee, uns Kinder "den Heiland am Kreuz" malen zu lassen. Der Vorstellungshorizont von Fünfjährigen zum Thema römischer Folterinstrumente war ein klitzekleines bissi begrenzt. Ich malte also ein Männlein am Gerüst, Punkt, Punkt die Augen und fetter Bogen SMILE!!! den Mund - fertig!
Dann habe ich auch noch Ärger dafür bekommen.

Wenigstens geschlagen wurden wir damals nicht, das war ja kein katholisches Internat.

Heute bin ich froh.
Ich bin damals so überaus wirkungsvoll resistent gemacht worden, so dass ich als Erwachsener niemals in die Verlegenheit gekommen bin, mich irgendeinem Glauben zuzuwenden.

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