Posts mit dem Label 1971 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label 1971 werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Freitag, 27. Februar 2015

ru History 53: Fahrmischer & Bagger (1970/1971)



Fahrmischer
Im Sommer 1970 befand ich mich oszillierend im Besitz eines großen, maus- bis mittelgrauen Spielzeug-Fahrmischers (das sind LKW-Betonmischer). Das mit dem "Oszillieren" kam daher, dass, wann immer ich in die Hosen gepupt/gepullert hatte, musste ich das Teil wieder an meine Mutter (Queen Mom) abgeben. Sie stellte es dann hoch oben auf den Küchenschrank - gut zu sehen, aber für Zwerge unerreichbar. Blieb ich dann trocken, bekam ich das Teil wieder zurück. Mit der Zeit hatte sich das ganz gut eingependelt: Wenn ich mal wieder die Hosen voll hatte, drückte ich meiner Mutter einfach den LKW in die Hand - da wussten wir dann beide, woran wir waren.
Im Grunde ist es ein Wunder, dass ich nicht heute noch beim Anblick eines Fahrmischers Verstopfung bekomme.

Bagger
Eines Tages nahmen meine Elten mich zu Besuch zu "Leuten" mit. Die hatten auch Kinder. Dort gab es einen feuerwehrroten Spielzeug-Bagger. Es war nicht irgendein roter Bagger. Für mich war es in diesem Augenblick "Excalibur unter den Baggern"! Mit klebrigen Griffeln klammerte ich mich an diesem von den Göttern gesandten Kleinod fest. Wann immer jemand versuchte, mich von dem Spielzeug zu lösen, stieß ich das Geheul von 1.000 Höllenhunden aus. Ich pfiff sowas von auf Argumente und so einen Quatsch wie "gehört dir gar nicht" etc! Die Anwesenden standen ratlos um mich herum, zumal meine Eltern auch gerne mal wieder nach Hause gefahren wären. Am Ende einigte man sich, dass ich den Bagger "leihen" dürfe. Zu Hause war ich erst von Excalibur zu trennen, als ich fest eingeschlafen war. De Vatter nahm den Bagger an sich, stieg ins Auto und brachte ihn den Leuten zurück.


Mittwoch, 10. März 2010

Heimat 14/History 6 - allerchristlichst (1971 & 72)


Poor Teddy-pola02
Originally uploaded by [ henning ]
Der meinem Elternhaus am nächsten liegende Kindergarten war der Katholische Kindergarten St. Marien in der Blumenstraße. Ich war seinerzeit zwar nicht katholisch, dafür meine Mutter praktisch denkend, sie meldete mich dort an.
Et war 1971, et gab ja nix anderes.
Vor allem aber gab es Gebete, Gesang, Vorlesungen aus der Kinderbibel, das komplette Indoktrinationsprogramm, für das man so genannte Sekten so verachtet, als so genannter Christ.
Gefügig gemacht wurden wir mit bösen Blicken, Drohungen, Strafen. Die Strafen für Fünfjährige waren perfide und lähmend: Erbsen-Bohnen-Linsen-Sortieren zum Beispiel. Man bekam eine große Schüssel voller Hülsenfrüchte und musste diese nach Sorten trennen. Wenn man fertig war, wurde vor den Augen des kleinen Zwangsarbeiters alles wieder durcheinander gerührt. In der Ecke stehen war auch eine "beliebte" Strafe, die RAF-Sympathisanten nannten das zu der Zeit "Isolationsfolter" und bezogen sich auf Stuttgart-Stammheim. Besonders unbeliebt war das "Bibellesen": Man bekam eine reine Text-Bibel in die Hand gedrückt und musste eine längere Zeit darin "lesen", mit 5 ein echtes Problem.

Irgendwann kam unserer Gruppenleiterin auf die großartige Idee, uns Kinder "den Heiland am Kreuz" malen zu lassen. Der Vorstellungshorizont von Fünfjährigen zum Thema römischer Folterinstrumente war ein klitzekleines bissi begrenzt. Ich malte also ein Männlein am Gerüst, Punkt, Punkt die Augen und fetter Bogen SMILE!!! den Mund - fertig!
Dann habe ich auch noch Ärger dafür bekommen.

Wenigstens geschlagen wurden wir damals nicht, das war ja kein katholisches Internat.

Heute bin ich froh.
Ich bin damals so überaus wirkungsvoll resistent gemacht worden, so dass ich als Erwachsener niemals in die Verlegenheit gekommen bin, mich irgendeinem Glauben zuzuwenden.

Bookmark and Share

Dienstag, 22. Dezember 2009

ru24: History 5 - Nikolaus Anno 1971

Am 06. Dezember 1971 (ich war 4 3/4 Jahre alt) informierten mich meine Eltern, dass am Abend der Nikolaus zu uns komme. Ich war aufgeregt. Nikoläuse hatte ich schon viele gesehen. Als Figuren. Als Püppchen. Als Schokoweihnachtsmänner. Alle hatten gemein, dass sie mir vom Boden aus etwa bis zum Knie gingen. Die Sache mit dem "Weihnachtsmann am Abend" schien also hinreichend ungefährlich.
Es wurde dunkel. Irgendwann wurden Kerzen angesteckt. Die roten Kerzen knisterten und tropften. Ich bekam etwas Feierliches angezogen. Gleich würde der Weihnachtsmann kommen!
Ich fragte meine Eltern etwas 100x, wann es denn soweit sei.
Dann endlich schellte es an der Haustür!
Ich sprang auf, wie von der Tarantel gestochen.
Rannte zur Haustür.
Riss die Tür auf.
Um den winzigen Weihnachts-Gnom einzulassen.
Ich blickte nach ganz, ganz unten.
Riesige schwarze Stiefel!
Mein Blick wanderte nach oben.
Riesiger Mantel!
Riesiger Bart!
Riesige Nase!
Riesige Mütze!
Aaah!
Geistesgegenwärtig knallte ich dem Penner die Tür vor der Nase zu.

Meine Eltern waren dann verrückt genug, ihn einzulassen.
Das war dann noch ganz schön gruselig.

Bookmark and Share