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Freitag, 19. Januar 2018

Vatter 6 - Familienpfiff

photo credit: Sumarie Slabber GREY Go-away-bird via photopin (license)

Früher wurde mehr gepfiffen, das finden zumindest fast 60% aller Befragten einer Studie.
Bei uns zu Hause gab's einen Familienpfiff.
Wann immer de Vatter z.B. von der Arbeit heimkam -- die Klinke noch in der Hand --, dann pfiff er in die Wohnung hinein, als Erkennungszeichen, dass er wieder zurück war. Es war ein dreitönender Pfiff ohne Pause zwischen den Tönen -- Hüü-o-Hitt. Mit der Zeit gewöhnten sich alle vier Familienmitglieder das bei ihrer Heimkehr an, allerdings konnte meine Mom nicht wirklich pfeifen, sie war ja nicht Ilse Werner. Wenn man also nichts hörte, dann war es Mom, die nach Hause kam. Die Vögel, die wir im Laufe der Jahre gehabt haben, lernten als erstes, unseren Familienpfiff nachzupfeifen.
Doch eines Tages in den frühen 2000ern war es damit vorbei: Seit de Vatter nicht mehr unter uns weilte, hatte es sich irgendwie ausgepfiffen.


Donnerstag, 13. Juni 2013

Untermononatriumglutamatisiert

http://goo.gl/wEn3Y
Jahrelang hatte ich versucht, Mononatriumglutamat (MNG) im Essen zu meiden, denn wirklich gesund konnte das nicht sein, wenn viele Leute davon Schweißausbrüche bekommen und extreme Ruhelosigkeit dito Schlaflosigkeit vermelden. Vorbei waren also die wunderbar sorglosen 80er, in der jedes Essen in Mutters Küche quasi aus dem Handgelenk seine Portion "Maggi" oder "Fondor" bekam, was ziemlich genau "MNG mit Rieselhilfe" ist (also E 621 mit E 538).

Doch jetzt war spätestens ab 2010 die Moderne angebrochen! Ich verzichtete restlos auf alle Produkte aus den Häusern Maggi und Knorr und suchte mir in den Supermärkten der Umgebung 'nen Wolf nach MNG-freier Gemüse-Brühe - eine nahezu unlösbare Queste im Dritten Jahrtausend! Einzig beim Asiaten machte ich eine Ausnahme, denn da gibt es ja nix Anderes, die packen ja sogar noch Glutamat in den Nachtisch, die Vögel! Deshalb nennt man die körperlichen Symptome, die vom MNG herrühren, auch "Chinarestaurant-Syndrom" (Quelle).

Und eines Tages das: Mich überfiel plötzlich und unerwartet ein massiver Jieper nach "Ei mit Maggi"... Ja, ich gestehe: So hatte ich hart gekochtes Ei bereits seit meiner Kindheit immer gegessen! Ich kannt et doch gar nich anders! Et wurde auch nich mehr besser mitm Jieper, bis ich nach Tagen dem Suchtdruck endlich nachgab un en Ei mit reichlich Maggi verdrückte. Un wat soll ich sagen? Et war herrlich! Et war nämlich, als hätt der Himmel die Erde still geküsst! Ein Joseph-von-Eichendorff-Moment (Link)!
Un de Mutter hätte gesagt: "Dat war ne Schmecke!"
Fakt ist: Ich war völlig untermononatriumglutamatisiert.


Mittwoch, 13. März 2013

ru History 46 - Hotline bei -14°C (2000)

http://goo.gl/O5rJi
Beim "Job out of hell" habe ich seinerzeit dem Endkunden am Telefon so allerlei Software verkauft (Blogbeitrag). Es war u.a. eine ziemliche Menge Zeugs von Symantec, also Norton Antivirus, Norton Utilities, Internet Security, Uninstall, Winfax.
Symantec (Wikipedia) kauft seit 1990 Firmen mit gut funktionierender Software auf, um sich die Produkte einzuverleiben. Da wurden innovative, schlanke Produkte (wie etwa "Ghost" von Binary Research oder "Partition Magic" von PowerQuest) in etwas grotesk Aufgeblähtes, Gräßliches in symantecgelb transformiert und an liquide Rentner verkauft. PCs gingen in die Knie, es blieb kein Auge trocken!
Wo Software an den Endkunden verkauft wurde, da gab es auch eine Hotline für technische Probleme. Eine Hotline (Definition) ist ein "heißer Draht" des Kunden zum Hersteller. Um die Jahrtausendwende herum hatte die Symantec-"Hotline" ihren Sitz in Ratingen. Dieser "heiße Draht" war weder "hot" noch "warm", er war leider "nur zwei Grad wärmer als ein Speise-Eis". Es war nicht nur sehr "zeitintensiv", diese Hotline zu erreichen, oder "reine Glückssache", es war SCHLICHTWEG UNMÖGLICH, jemanden ans Telefon zu bekommen. Symantec hatte für die Telefonannahme ganze zwei (2) Studenten eingestellt (die auch nicht immer da waren - sie mussten ja auch mal studieren). Von der anbrandenden Flut der Anrufe waren die Jungs so dermaßen überfordert, dass sie tagelang einfach die Telefonhörer daneben legten und Käsekästchen spielten.
Neues Jahrtausend, neues Glück: Als der Software-Markt härter umkämpft wurde, Endkunden nicht mehr mechanisch alles und zu jedem Preis kauften, da lagerte Symantec die "Hotline" von Ratingen nach Rajastan aus.

Was aus den beiden Studenten geworden ist, ist unbekannt - bitte meldet euch!
Ob die indischen Hotline-Hanseln auch mal tagelang nicht ans Telefon gingen - man weiß et nich.