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Mittwoch, 26. August 2015

zu24 history: DIE DEUTSCHE POST -- ein Abgesang (1972 bis heute)

Originalfoto

Mein Elternhaus lag schräg gegenüber vom Hauptpostamt Radevormwald. Erste Erinnerungen daran sind vielleicht von 1972. Hier gab es postgelbe Briefmarkenautomaten mit einer kurzen Metall-Kurbel, für Kinder durchaus interessant, daran herumzukurbeln. Vorne am Gebäude gab es eine postegelbe Telefonzelle mit einem grauen, superklotzigen, ultramassiven Wählscheiben-Münzfernsprecher darin. Das hier eingeworfene Geld konnte man im Gerät auf einer Rampe hinter Glas sehen, sobald eine Einheit abtelefoniert war, rutschten auch die Münzen entsprechend nach. Ein Faszinosum für Kinder! Im Vorraum des Gebäudes gab es links zwei weitere Telefonkabinen für Auslandstelefonate (incl. hoch-coolen ausländischen Telefonbüchern), rechts ging ein schlauchförmiger Raum mit hunderten von Postfächern ab. Im Hauptraum der Post gab es (damals noch) Schalter, dahinter so sorgfältig wie bedächtig arbeitende Schalterbeamte, die nie-nie-niemals aus der Ruhe zu bringen waren. Schon als Kind fiel mir auf, dass Postbeamte merkwürdig über-sorgfältig mit dem auszugebendem Postbank-Geld umgingen, gleichzeitig aber, als könne man sich daran infizieren, immer leicht angewidert dabei schauten. Vielleicht war das die viel zitierte "professionelle Distanz"? Wow! Aber an diesem wunderbaren dottergelben, waldgrünen und dunkelbraunen Ort konnte man Briefe, Pakete und Päckchen aufgeben und abholen, Geld ein- und auszahlen, Briefmarken sogar bögenweise kaufen, Sammlerzubehör erstehen, ins Ausland telefonieren oder angerufen werden. Es konnten Telegramme versandt und empfangen werden! Auch hochmoderne Faxsendungen schienen eines Tages im Bereich des Möglichen zu sein! Zudem war dies hier der Hort der bienenfleißig ausschwärmenden Postboten, die allesamt waren wie die Legende Walter Spahrbier!
1979 wurde in Deutschland auch noch offiziell der hochmoderne Faxdienst eingeführt! Yay!
Die Deutsche Post -- ein Disneyland der Möglichkeiten!

Nun, in den nächsten zehn Jahren bis zur ersten Postreform passierte nicht mehr viel, außer vielleicht, dass das ganze Ambiente hier etwas einstaubte, dort etwas abblätterte. 1993 wurde für das wiedervereinigte Deutschland die fünfstellige Postleitzahl eingeführt, Stichwort "Fünf ist Trümpf". Ein Jahr später wurden im Rahmen der zweiten Postreform die mittlerweile vereinzelten Bereiche der Post privatisiert. Es entstanden die Deutsche Telekom AG, die Deutsche Post AG und die Deutsche Postbank AG -- der Anfang vom Ende.

"Auf Rendite und globale Expansion orientierte börsennotierte Konzerne wie Deutsche Post und Deutsche Telekom sind nicht mehr an kleinen Dorfpostämtern, Briefkästen mit Sonntagsleerung oder Telefonzellen in Erzgebirge oder Eifel interessiert." (Quelle)

Deutsche Telekom AG

1996 machte Manfred Krug (Link) Werbung für die T-Aktie. Krug war knorke und irgendwie konnte mit der Telekom-Aktie ja auch nicht wirklich etwas schief laufen. Tatsächlich aber fiel die "Volksaktie" von einem Wert von über 100,00 EUR (2000) auf 8,41 EUR (2002). Manfred Krug distanzierte sich später deutlich von seinem Werbetreiben und entschuldigte sich beim Kleinaktionär dafür, dass er beim Verbrennen von dessen Ersparnissen geholfen hatte (Link).
Heute hat die Telekom drei Standbeine: 1) Rentner, die nicht ahnen, dass so etwas wie "Telefonanbieter wechseln" überhaupt möglich ist. 2) Kunden, die den Anbieter gerne wechseln würden, sich aber nicht trauen, weil sie zu Recht wochenlange Ausfälle, Reibereien & Wahnsinn fürchten. 3) Das dritte Standbein der Telekom sind Telefondrückerkolonnen, die Kunden am Telefon zu "günstigeren Tarifen" animieren, die sie aber immer grundsätzlich teurer zu stehen kommen als ihr augenblicklicher Tarif. Ich gutgläubiger Depp bin auch mal darauf reingefallen. Zwei mal. Unappetitlich wird es, wenn man z.B. meiner greisen, über 80-jährigen Tante für ihr Fahrradgeschäft, welches sie mit einem 30 Jahre alten Tastentelefon und einer 40 Jahre alten, mechanischen Schreibmaschine betreibt, zusätzlich zu ihrer vor Jahren bereits aufgeschwatzten 2 MBit-DSL-Leitung noch einen "IT-Sofort-Service" für ihre nicht existenten PCs & Router aufdrängt -- weil sie es nicht schnallt.
Das ist schäbig.

Deutsche Post AG
Mit dem neuen Millennium fing es an: immer weniger Briefkästen mit immer weiter verringerten Leerungszeiten. Gegen den Widerstand der Bevölkerung begann man, das Filialnetz einzudampfen und mit Partnerunternehmen wie McPaper, Supermärkten oder Bierbüdchen zusammenzuarbeiten. Wurden anfangs nur Postfilialen in der finstersten Provinz geschlossen und durch Postagenturen ersetzt, so war es ab 2010 dann klar: Die letzten 400 verbleibenden Postfilialen würden auch noch geschlossen werden.
Von den einst stolzen 58 Postfilialen alleine in Wuppertal existiert heute keine mehr. Für den Kunden ist das eine grausame Zumutung: Die gelbe Post in Wuppertal findet nämlich nun in "Kathi's Postshop" & Co. bei prekären bis nicht existenten Parkplatz-Situationen statt, das "Amt" wurde einfach reingequetscht in ein rappelvolles Büdchen mit Minimal-Belegschaft. Und wenns mal wieder länger dauert: die Snickers dazu kann man gleich am Tresen nebenan kaufen. Im Ruhrgebiet findet man die Post nun sicherlich auch in der einen oder anderen Trinkhalle oder als Beigeschäft auf einem Schrottplatz.
Auch dies: schäbig.

Deutsche Postbank AG
Ach ja: Die heiklen Geldgeschäfte kann man als Postbank-Kunde in diesem quasi-öffentlichen Ambiente gleich mit abwickeln, "Bitte halten Sie Abstand" bedeutet in "Kathi's Postshop", "Günni's Bierbude" und "Atze's Schrott-Spot" im Durchschnitt 13 cm. "Postbank: Schließlich ist es Ihr Geld".
Brrr!

Die Deutsche Post -- in 20 Jahren Privatisierung vom leicht angestaubten Disneyland zum lausigen Drückerkolonnen- und Trinkhallen-Beigeschäft. 


Nachsatz
Wenn meine "neoliberalen Freunde" (Spaß!) wieder einmal "mehr Privatisierung" fordern (wie zurzeit u.a. in Griechenland der Fall, Liste), dann sollte man ihnen recht hart dafür aufs Mündchen schlagen. Mehrfach. Kaum etwas zeigt das Scheitern der Privatisierung von Staatsbetrieben eindrucksvoller als die Deutsche Post.


Mittwoch, 13. März 2013

ru History 46 - Hotline bei -14°C (2000)

http://goo.gl/O5rJi
Beim "Job out of hell" habe ich seinerzeit dem Endkunden am Telefon so allerlei Software verkauft (Blogbeitrag). Es war u.a. eine ziemliche Menge Zeugs von Symantec, also Norton Antivirus, Norton Utilities, Internet Security, Uninstall, Winfax.
Symantec (Wikipedia) kauft seit 1990 Firmen mit gut funktionierender Software auf, um sich die Produkte einzuverleiben. Da wurden innovative, schlanke Produkte (wie etwa "Ghost" von Binary Research oder "Partition Magic" von PowerQuest) in etwas grotesk Aufgeblähtes, Gräßliches in symantecgelb transformiert und an liquide Rentner verkauft. PCs gingen in die Knie, es blieb kein Auge trocken!
Wo Software an den Endkunden verkauft wurde, da gab es auch eine Hotline für technische Probleme. Eine Hotline (Definition) ist ein "heißer Draht" des Kunden zum Hersteller. Um die Jahrtausendwende herum hatte die Symantec-"Hotline" ihren Sitz in Ratingen. Dieser "heiße Draht" war weder "hot" noch "warm", er war leider "nur zwei Grad wärmer als ein Speise-Eis". Es war nicht nur sehr "zeitintensiv", diese Hotline zu erreichen, oder "reine Glückssache", es war SCHLICHTWEG UNMÖGLICH, jemanden ans Telefon zu bekommen. Symantec hatte für die Telefonannahme ganze zwei (2) Studenten eingestellt (die auch nicht immer da waren - sie mussten ja auch mal studieren). Von der anbrandenden Flut der Anrufe waren die Jungs so dermaßen überfordert, dass sie tagelang einfach die Telefonhörer daneben legten und Käsekästchen spielten.
Neues Jahrtausend, neues Glück: Als der Software-Markt härter umkämpft wurde, Endkunden nicht mehr mechanisch alles und zu jedem Preis kauften, da lagerte Symantec die "Hotline" von Ratingen nach Rajastan aus.

Was aus den beiden Studenten geworden ist, ist unbekannt - bitte meldet euch!
Ob die indischen Hotline-Hanseln auch mal tagelang nicht ans Telefon gingen - man weiß et nich.


Samstag, 2. Juni 2012

Aktienkauf - man kann auch "Schwein haben"

bit.ly/MiK08h
1) Manfred Krug (Link) machte 1996 Werbung für die T-Aktie. Krug war knorke und irgendwie konnte mit der Telekom-Aktie ja auch nicht wirklich etwas schieflaufen. Aber ich war "eine Art Stundent" (Soziologie, Wuppertal) und größere finanzielle Transaktionen waren nicht drin. Pech gehabt!, dachte ich. Tatsächlich aber fiel die "Volksaktie" von über 100,00 EUR (2000) auf 8,41 EUR (2002). Manfred Krug distanzierte sich später deutlich von seinem Werbetreiben und entschuldigte sich beim Kleinaktionär dafür (Link).
Schwein gehabt!

2) Irgendwann in 1999 gab mein damaliger Arbeitskollege Dieter R. mir einen super Tipp: "Mann, du musst Aktien von China Telecom kaufen! Es gibt für Telekommunikation nur diesen Anbieter in China und die Chinesen wollen alle ein Handy haben! Ich habe jetzt für 1.000 Mack gekauft!" Ich war mal wieder pleite. Aber ich ging trotzdem zur Sparkasse, um für 1.000 Mack zu ordern. Plötzlicher Reichtum drohte! Der Sparkassen-Schlips schwallte mich 90 Minuten lang zu, wie verrückt es sei, überhaupt auf Telekommunikation zu setzen, geschweige denn in Asien, was für sich schon verrückt sei. Das Ganze war also quasi (verrückt)². Als er fertig geschwallt hatte, grofelten im Sparkassenfoyer schon die Putzfrauen herum, zum Aktienkauf war es zu spät. Zwei Tage später war "wat" mitm Wagen, also eh Schicht mit Aktienkauf. Pech gehabt!, dachte ich. Jahrelang bin ich davon ausgegangen, die Chance meines Lebens vertan zu haben - bis ich mal jemanden, der sich damit auskannte, nachsehen ließ. Die China Telecom-Aktie schoss in die Höhe wie ein Pfeil, um dann kurz drauf abzustürzen wie eine Kühl-Gefrierkombination aus 10.000 m Höhe. Die Aktie blieb ein Penny-Stock. Das Nachfolgeunternehmen heißt China Telecom Corporation Limited.
Schwein gehabt!
(Und: Danke Schlipsträger!)

3) In meiner damaligen Shadowrun-Rollenspielgruppe kam in 2000 so etwas wie eine Massenhysterie auf, als der Start der Infineon-Aktie bevorstand. Hey! Eine neue "Volksaktie"! Kraisch! Siemens-Tochter! Mikrochip-Produktion! Pentium und so!!! Alle in der Rollenspielgruppe wollten kaufen, für mindestens 1.000 Mack. Ich war mal wieder pleite, denn et war wie immer "wat" mitm Wagen. Pech gehabt!, dachte ich. Ich musste also mal wieder passen. Aber statt Infineon-Aktien zu kaufen, hätte man seine Kohle auch mit Wein, Weib und Gesang verjubeln können, am Ende hätte man da mehr von gehabt, nämlich Pfandflaschen. Der Kurs crashte von 70,20 EUR (2000) auf 0,94 EUR (2008). So etwas nennt sich "Penny-Stock" (Quelle).
Schwein gehabt!

Dann kam länger nichts.

4) Beim Börsengang von Facebook am 18. Mai 2012 dachte ich: hey! ... etc., etc. (Link).
Schwein gehabt!
Wie immer.


Auch nett: (Link)


Samstag, 14. Januar 2012

ru24 History 31: Job out of hell (1997-2000)

http://bit.ly/wzJmH0
Ende 1996 hatte ich begriffen, dass mein Studium (Wuppertal, "etliche Semester Soziologie") eine Sackgasse war, aus der ich raus mußte, idealerweise noch vor meinem 30. Geburtstag. Ich hatte mich auf allgemein klingende Jobanzeigen aus der Zeitung (ein damaliges, sog. "Printmedium") beworben und zuletzt landete ich Februar 1997 bei einem EDV-Buch-Versand in der Nähe meiner Heimatstadt.
Ingo, der mich einarbeitete, klärte mich schon am ersten Tag hinter vorgehaltener Hand auf: "Der Chef ist der Antichrist! Wirklich! In einem halben Jahr bin ich hier weg!"
Die Bezahlung war mies, es gab kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld und auch kein VL, Urlaub auf Zuruf und ein Betriebsklima wie in einem Gefangenenlager. Der Barclay-Zigaretten rauchende, wahnsinnige Imperator dieses Kleinunternehmens hatte einen Kettenhund mit dem euphemistischen Titel "kaufmännischer Leiter", gemeinsam knechteten sie die Belegschaft. Und wenn einmal gute Laune in der Bude war, rannte der Chef herum und schrie so lange Leute zusammen, bis der Idealzustand "Gefangenenlagerwieder hergestellt war. Die "kreative Frau", die für die Printwerbung etc. verantwortlich war und de facto oder gefühlt  auch zur Geschäftsleitung gehörte, hatte bereits so viele Menschen-Manipulations-Kurse in ihrem Leben besucht, dass man nie wusste, ob sie gerade freundlich zu einem war, oder einen gerade so richtig psychisch verarschte.
Kollegial gesehen schweißte das alles mal richtig zusammen. 


Das konnte nie und nimmer die wahre Realität sein! Ich begann Lotto zu spielen. Mit System. 10,00 DM die Woche. Ein Jahr lang. Am Ende hatte ich 520 DM weniger und immer noch einen Scheißjob.

Es war das Goldene Zeitalter der Computerisierung der Privathaushalte. Es war Prä-Krise. Die meisten Leute hatten noch Kohle und wollten sie ausgeben.
Wir berieten Kunden telefonisch und verkauften EDV-Bücher wie "Windows 98 für Dummies" und "AutoCAD 14 Bibel", Cheat-Bücher für FIFA-Soccer und Clipartsammlungen.
Und weil die Panik-Maschinerie der Medien funktionierte, verkauften wir telefonisch Norton Antivirus zu 99,00 DM und Updates auf höhere Versionen zu 49,00 DM, die jährlich erschienen. Aktuelle Virendefinitionen gab es als Jahresabo monatlich oder vierteljährlich auf CD-ROM.
Norton Internet Security 1.0 kam in 2000 auf und ging weg wie warme Semmeln. Ein Rentner rief mich an, er müsse unbedingt dieses Internet-Security-Paket haben, un-be-dingt!!! Ich stellte ein paar Fragen. Er hatte nicht einmal einen Internetzugang. Ich erklärte, dass er das nicht brauche. Er bestand darauf, zu groß war die Angst vor den Gefahren aus dem www.
Wir verkauften Norton Utilities. Vorne drauf prangte Peter Norton der immer starrsten Blicks und immer nur von vorne abgebildet wurde, damit man seine Riesenplautze nicht sehen konnte. Die Kunden verlangten statt nach "Utilities" oft nach "Ulties" oder "Ullies" (die Minimalisten), alternativ nach Utilitities (sprich: Ju-tei-lei-tei-teis - die Maximalisten). Mir wäre fast der Hörer aus der Hand gefallen.
Wir verkauften auch den Lotus Organizer 5.0 und die Lotus Smart Suite 9.5 an die Endkunden, ein arg bizarres Office-Paket.
Wir, die unter hohem Druck zusammengeschweißten Mitarbeiter bekamen all das Zeug for free, aber außer Norton Ghost benutzten wir nichts von alledem. Jeder, der schon einmal versucht hatte, eines dieser ressourcenfressenden Norton Produkte, die sich wie ein Krebs im System festgesetzt hatten, wieder von seinem Windows 95 oder 98-Rechner herunterzubekommen, wusste, dass es dazu nur eine Lösung gab: PC erschießen.

Wenn sich einer zu viel aus dem Telefon auswählte, um aufs Klo zu gehen, ging einen Sirene (redalert.wav), dann musste man eben ein anderes Mal austreten, Foxconn läßt grüßen.

Der Chef verstand sich nicht nur aufs Knechten. Alles, was Kohle brachte, wurde auch gemacht. Schwarzgeld, Steuer frisieren, Leute auf bis zu 4 Lohnsteuerkarten laufen lassen, Kundenadressen von seinen Schergen pflegen lassen und dann paketweise an Adresshändler verticken, oder schlicht im Keller einen Tröllö stundenlang damit zu beschäftigen, die Update-Aufkleber von den Packungen zu fönen und so den Gewinn pro Packung Software um 100% zu steigern - aus Update mach Vollversion.
Mussten Überstunden mal ausgezahlt werden, niemals in Form von Geld, sondern die Mitarbeiter konnten sich bei einem bestimmten Großhändler dafür Soft- oder Hardware bestellen. Der Chef gewann immer.
Und das waren nur die Sachen, die wir mitbekommen haben.
Ebenezer Scrooge hätte seinen Hut gezogen und ihm ein sparsames Lächeln gegönnt.

Nach 3 1/2 Jahren zog ich auf der Buch-Galeere* die Reißleine und war dann mal weg.
Ingo, der mich 1997 eingearbeitet hatte und nur noch ein halbes Jahr bleiben wollte wg. "Antichrist", war zumindest in 2010 noch immer da.

*) danke an Raimund!


Dienstag, 25. Oktober 2011

Bürogeplänkel 26 - Die Moderne, das Luder!

http://bit.ly/ocrEUW
Welche geruchlichen Brachialitäten habe ich nicht schon alles überstanden! Da war z.B. im Jahr 2000 die extrem besuchte CeBit-Toilette in Halle 2, Nähe Stand C36 (Symantec). Vor jedem Pissoir, vor jeder Kabine standen mindestens fünf Messebesucher Schlange, eine gewaltige, sich immerfort erneuernde Phalanx der Ausscheidung. Der daraus resultierende Pesthauch hätte mich fast gezwungen, statt meinen Darmtrakt meinen Mageninhalt zu entleeren. Ich floh diesen schrecklichen Ort mit tränenden Augen, würgend und vor allem unverrichteter Dinge.

Dergestalt abgehärtet fing ich in meiner aktuellen Firma an. Trotz einer heftigen Hire-Phase beider Unternehmen (2005), die in meinem Stockwerk die gleiche Toilette benutzen, erreichte der olfaktorische Level trotz zwischenzeitlicher Überbevölkerung niemals mehr als 0,32 CeBit und nach der darauffolgenden Fire-Phase (2007) niemals mehr als 0,2 CeBit.
Doch die Moderne, das Luder, wollte mehr, viel mehr!
Nach der Anbringung eines Handdesinfektionsgerätes gegen die böse, böse Vogelgrippe (oder welche Seuchen-Sau gegen Ende 2009 auch immer durchs Dorf getrieben wurde - Blogbeitrag) hatte es jetzt fast zwei Jahre lang keine technischen Schnickschnack-Neuerungen mehr gegeben.

Heute komme ich auf die Toilette, und mein erster Gedanke ist, dass dort eine preiswerte Prostituierte explodiert sein muss, zumindest dem Geruch nach. Aber es ist die Moderne, die mir so wuchtig und betäubend wie ein Süßkindscher Alptraum auf die Schleimhäute schlägt! Der Grund: "AirWick Freshmatic Compact" mit Geruchs-Sensor. Ein kleiner Automat, groß wie ein Tischlautsprecher, entscheidet jetzt selbsttätig, wann angeblich dicke Luft ist und hält dagegen, als gäb's kein Morgen! "Bratapfel und Zimt" soll das übrigens sein - Muahahaha! Im Grunde kann man schon froh sein, dass AirWick nicht versucht hat, "Kotze" nachzubilden.
Dieses Ding verteilt jetzt seinen irgendwie pinkfarben stinkenden, beißenden, vollsynthetischen Dritte-Welt-Nuttendiesel gnadenlos im ganzen Raum und auf den anwesenden Urinierenden.
Jetzt weiß ich, wie ich diesen brachialen Angriff auf meine Nase am besten beschreibe: Als würde Barbie verwesen.

Ich vergebe 0,7 CeBit.
Danke, Moderne!

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