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Sonntag, 4. März 2018

Rauchen

photo credit: VAPES.COM Guy Vaping on E-Cig Vape Mod (b&w) via photopin (license)

Mein Opa Karl war vom Sternzeichen her eine Dampfmaschine. Im Krieg hatte er, als es gar nichts Rauchbares mehr gab, Blutreinigungstee geraucht. Nach dem Krieg glomm eigentlich bis zu seinem seligen Ende 1969 ständig etwas an ihm: Pfeife, Zigarette, Zigarre. Als meine Eltern ihm in den 50ern stolz ihr erstes Auto, einen Borgward Lloyd präsentierten, hatte es nach der Aktion ein Brandloch mitten in der Rückbank. Auch lebten sie in ständiger Sorge, er würde ein Brandloch in seinen Enkel (moi) machen.

De Vater paffte sich auch ordentlich was weg, zu seinen besten Zeiten an die 60 Camel "ohne" oder alternativ im Spanienurlaub auch lokales Kraut wie "Celtas" oder "UN-X-2"(sprich "U-En-Ekis-Dos"), Hauptsache, es qualmte. Wenn ich Anfang der 70er als Kind auf Vatters Schoß saß, umgab ihn eine sehr würzige Melange aus Tabac Original-Rasierwasser (sic!) und dem Geruch nach gerauchten Zigaretten.

"Ey, haste mal 'ne Aktive?", fragte Tini manchmal in der Raucherecke vom "Gymmi" in die Runde, wenn sie keinen Bock oder zu kalte Finger hatte, sich eine zu drehen. 21 Kippen (von mir bevorzugt rote West) kosteten damals 4,00 DM, da war das also kein Thema. Die einen rauchten Marlboro, die anderen Camel, als GroKo hätten diese beiden Marken bereits 70% im Sack gehabt. Die Leute mit den Wildlederjacken drehten DRUM oder Samson, wenige krasse Leute verinhalierten Schwarzer Krauser, ob die noch am Leben sind, ist anzuzweifeln.

1998 habe ich aufgehört zu rauchen, habe mal wieder angefangen und auch wieder aufgehört. Mittlerweile haben es die meisten Menschen, die früher geraucht haben, aufgegeben -- außer meine Frau und alle meine Freunde, was für ein überaus hartleibiges Völkchen! Dabei kommt mir Zigaretten rauchen mittlerweile so unsagbar 80er Jahre vor. Und was bin ich froh, dass in Kneipen und Restaurants nicht mehr geraucht werden darf!

Neues Jahrtausend, neues Glück, moderne Inhalierende rauchen nun Vaporizer.
Doch "Vapen" (ja, so nennen sie es) ist nichts, was die Herren (und wenigen Damen) aus'm Lameng machen. Neben Software-Updates läßt sich auch die Hardware der Geräte pimpen und die Liquids kann man selbst mischen. Aus diesem Grund flutet ein ständiger Strom von Zubehör via DHL, UPS, DPD unsere Firma: literweise Propylenglykol als Trägerflüssigkeit, neue Liquids (in bizarren Geschmacksrichtungen), bessere Akkus, Profi-Ladegeräte, Heizwendeln und allerlei Gedöns. So basteln die Herren ständig an ihren Geräten herum wie Revolverhelden des Wilden Westens an ihren Colts -- und jeder hat nach Herrenart seine eigene Philosophie dazu.
Im Raucherzimmer sieht es jetzt hinter der Glasscheibe aus wie bei "The Fog -- Nebel des Grauens" (1978), da alle Wolken ausstoßen wie Paff der Zauberdrache. Die Gerüche, die dort herausdringen sind vielfältig, werden aber aber von mir überhaupt nicht mit Rauchen assoziiert: Gummibärchen, Käsekuchen und Erdbeer-Vanille. Wenn mein Kollege Jakob vom Rauchen zurückkommt, umgibt ihn eine krasse Yogurette-Wolke. Dabei habe ich mir immer vorgestellt, dass Ulricke Jokiel aus Mainz, das Endneunziger Werbemaskottchen der Yogurette-Schokolade, so am Schlüpper riecht, wie jetzt der komplette Kollege.
Würde ich heute "Karamell-Brownie" oder "Snickers" rauchen? O_o


Donnerstag, 16. November 2017

ru24 Special: KÖLN VON A-Z, Teil (2): "Düsseldorf" bis "Heilige Drei Könige"


Köln und Düsseldorf sind wie Villarriba und Villabajo.
Schon seit dem 11. Jahrhundert gibt es Häckes zwischen den beiden Städten Köln und Düsseldorf. Als Düsseldorf dann im 19. Jahrhundert "von den protestantischen →Preußen zur Hauptstadt der Rheinprovinz gemacht wurde und eben nicht das viel größere und bedeutendere [katholische] Köln" (Quelle), waren die Kölner vergrätzt. "Diese Schmach wiederholte sich noch einmal, als die Engländer nach dem Zweiten Weltkrieg Düsseldorf zur Landeshauptstadt von Nordrhein-Westfalen erklärten." (s. a.a.O.)
Der Sage nach gibt es heute schon aus Frack in der ganzen Stadt Köln kein Verkehrsschild, das auf die Existenz der Nachbarstadt überhaupt hinweist. Eigentlich macht das auch nichts, denn niemand in Köln würde sich mit Alt löschen, wenn er brennen würde, das gute, alte "Alaaf gegen Helau" eben, siehe Carolin Kebekus auf youtube.
Die Rache Kölns: Man hat dramatisch bessere Laune als die hochnäsigen Haute-Couture-Nachbarn. Während also in Köln (Villarriba) noch hart gefeiert wird, beschließt man in Düsseldorf (Villabajo) schon Landesgesetze -- sind doch alles Spießer!


Farina

Erste Parfümfabrik der Welt.
Der Italiener Giovanni Maria Farina zog bei seinem bereits in Köln ansässigen Bruder ein und nannte sich von nun an Johann Maria Farina. Im Jahre 1709, bereits 90 Jahre vor "→4711", gründete er in Köln die erste Parfümfabrik der Welt. Damit begann die weltweite Verbreitung des von ihm entwickelten Aqua mirabilis (alkoholbasiertem Duftwasser), welches er zu Ehren von Köln "Eau de Cologne" nannte. Das Wässerchen schlug hohe Wellen und wurde ein riesiger Verkaufsschlager.
EdC diente "neben der Körperpflege zum Parfümieren von Wäsche [ebenso] als „Raumspray“ und Badezusatz, und wurde nicht selten auch getrunken" (vgl. hier). Nicht nur das Bürgertum, sondern auch die Prominenz der damaligen Zeit wie Napoleon und Goethe gehörten zu den begeisterten Kunden.
Es wird bis heute unverändert hergestellt, vertrieben.


FC

Effzeh.
"Am Freitag, den 13. Februar 1948 fusionierten die Spielvereinigung Sülz 07 und der Kölner Ballspiel-Club (KBC) 1901 zum 1. Fußball-Club 01/07 e. V." (Quelle)
1950 überreichte die Zirkusdirektorin Carola Williams bei einer Karnevalssitzung dem FC einen jungen Geißbock mit dem Zusatz, dass es dem Verein noch an einem Glücksbringer fehle. Das Tier wurde nach dem Spielertrainer Hans "Hennes" Weisweiler "Hennes" getauft. (vgl. Wiki) Das Böckchen spricht man lokal übrigens "Böckschn" aus. Mehr dazu: Postillion
1951 und 1961 nahm der 1. FC Köln das Gründungsjahr des KBC zum Anlass, 50. und 60. Geburtstag zu feiern. Dann entsann man sich auf 1948 als eigentliches Gründungsdatum und nahm dieses wiederum zum Anlass, 1998 und 2008 abermals 50. und 60. Geburtstag zu feiern -- Hey! Party geht immer!
Der "Effzeh" krepelt in letzter Zeit (Stand Ende 2017) um den hinterletzten Tabellenplatz herum ("Letzter FC Köln") und war auch zuletzt in der Saison 1977/78 Deutscher Meister, aber what shalls. Dann feiern wir halt 2018 fett den 70. Geburtstag!


Ford-Werke

Größter Arbeitgeber Kölns.
1925 kann →Adenauer die Ford-Werke in Köln ansiedeln. Henry Ford himself reist 1930 für die Grundsteinlegung an. Heute sind die Ford-Werke mit mehr als 18.000 Mitarbeitern Kölns größter Arbeitgeber. In Köln-Niehl ist nicht nur die Europazentrale von Ford, hier wird auch der Fiesta gefertigt (vgl. hier).
Das waren noch Zeiten, als der "Kölsche Manta" Ford Capri hieß.


Franzmann ante portas

Franzosenzeit.
Napoleon annektierte 1801 die linksrheinischen Gebiete Deutschlands, die zuvor durch das revolutionäre Frankreich erobert worden waren. Es begann die Franzosenzeit. Tatsächlich war Köln in der Vergangenheit völlig heruntergewirtschaftet worden und nur durch das →Stapelrecht von 1259 (das war 542 Jahre her!!!) kam noch etwas Geld herein. Modernen Schnickes wie Industrialisierung etc. begegnete man mit gewohntem "Wat soll dä Quatsch?" (→Grundgesetz, Rheinisches). Nun also plötzlich erschien in Form der Französischen Herrschaft überraschend die Moderne in der Stadt. Und auf einmal gab es quasi alles: "Gleichberechtigung der Protestanten, Wohnrecht für Juden, Einführung von Hausnummern, Organisation von Straßenbeleuchtung und Müllabfuhr, Niederschrift der Gesetze und eine Säkularisation des Kirchenbesitzes als Grundlage für die Industrialisierung." (vgl. Quelle)
Hey! Wann immer dem Kölner völlig unverdient Gutes einfach so in den Schoß fällt, dann kommt er extrem gut klar damit. Kaiser Napoleon wurde 1804 und 1811 bei seinen Besuchen der Stadt begeistert empfangen.
Aber leider geht alles Gute auch einmal zu Ende. 1815 marschierten die Preußen in Köln ein.


Geschichte arg zusammengedampft

Von der Ubier-Siedlung zur Millionenstadt.
Die lokalen Barbaren machen den Römern in Germanien arg viel Scherereien, nur der Stamm der →Ubier bietet sich dem Imperium Romanum als Fremdenführer an, weswegen sie „nicht allzu gut gelitten“ sind unter Germanen, sodass man sie in das Gebiet des heutigen Kölns in die Oppidum Ubiorum umsiedeln muss. Diese Siedlung wird mit der Gründung der "Colonia Claudia Ara Agrippinensium", die man praktischerweise mit "CCAA" oder schlicht "Colonia" abkürzte, im Jahr 50 n. Chr. zur Stadt erhoben. Um etwa 80 n. Chr. erhält die Stadt mit der Eifelwasserleitung einen der längsten römischen Aquädukte überhaupt.
Im Frühmittelalter wird Köln Residenzstadt und nach ca. 800 ist der (Erz)bischof von Köln eine der bedeutendsten Personen im Reich. 882 kommt eine Wikinger-Raubhorde auf drei Schiffen den →Rhein heruntergefahren und brandschatzt die Stadt, nachdem man den geforderten Tribut in Silber nicht aufbringen kann. Daraufhin verstärkt man die Mauern der Stadt, was von da an optimal gegen Wikinger hilft. Im Hochmittelalter ist Köln mit etwa 40.000 Einwohnern größte Stadt des deutschsprachigen Raums und bekommt 1180 die damals längste Stadtmauer überhaupt (7,5 km). 1259 erhält Köln das Stapelrecht, welches den Kölner Bürgern ein Vorkaufsrecht aller auf dem →Rhein transportierten Waren sichert und so sehr zum Wohlstand der Stadt beiträgt.
1794 ziehen französische Truppen in die Stadt ein, sie wird kampflos übergeben. In der Stadt lebende Juden und Protestanten werden der übrigen Bevölkerung gleichgestellt. Der die Stadt besuchende Kaiser Napoleon wird 1804 und 1811 begeistert empfangen.
1815 wird, als Ergebnis des Wiener Kongresses, das Rheinland mit der Stadt Köln Teil des Königreichs →Preußen. Auf Drängen der preußischen Verwaltung gründet sich das Festkomitee Kölner →Karneval als ein "das Fest ordnendes Komitee". Der erste kontrollierte Kölner Rosenmontagszug findet 1823 statt. 1841 stößt der König von →Preußen die Fertigstellung des Kölner →Doms an. Von 1855 bis 1859 wird die Dombrücke errichtet, die erste feste Rheinbrücke seit der Römerzeit. 1880: Der →Dom wird wirklich fertiggestellt.
1925 kann →Adenauer die →Ford-Werke in Köln ansiedeln.
1933 ff. Die bekloppten Nazis haben wie immer nichts Positives beigesteuert.
1940-1945 Zerstörung von 90% der Stadt durch Flächenbombardement der Alliierten, der →Dom wird schwer beschädigt, die gezählte Bevölkerung sinkt auf knapp über 100.000 Einwohner.
1964 Der 1. →FC Köln wird erster Deutscher Meister in der Geschichte der Fußball-Bundesliga.
1969 Ferigstellung der →Schmitz-Säule.
1975 wird Köln neben West-Berlin, Hamburg und München zur vierten Millionenstadt Deutschlands.
(Mehr: lesenswerte Serie auf RP online hier)


Grundgesetz, Rheinisches

Von wegen "philosophischer Ansatz".
Der gebürtige Südtiroler und Bonner Bürger Konrad Beikircher verfasste im Jahre 2001 das Buch "Et kütt wie‘t kütt – Das Rheinische Grundgesetz" (Kiepenheuer & Witsch, Link). Hier greift Beikircher fünf rheinische Lebensweisheiten auf, die der Rheinländer (und vor allem der Kölner) zum "philosophischen Ansatz" hochstilisiert, das aber in tatsächlich lediglich die eigene Unfähigkeit kaschieren soll:
  • Artikel 1: Et es wie’t es
  • Artikel 2: Et kütt wie’t kütt
  • Artikel 3: Et hätt noch immer jot jejange
  • Artikel 4: Wat fott es es fott
  • Artikel 4a: Kenne mr nit, bruche mr nit, fott domet!
  • Artikel 5: Wat soll dä Quatsch?
  • Artikel 5a: Wer weiß, wofür et jot es (Quelle)


Heilige Drei Könige

Gehypte Gebeine.
Im Grunde sieht man sie vor sich, die Silhouetten vor einem Nachthimmel: Drei auf Kamelen reitende Könige aus dem Morgenland mit ihren Geschenken dem Stern folgend. Im neuen Testament (und auch nur bei Matthäus) wird lediglich von Magiern gesprochen, die freundlich mit "Weisen aus dem Morgenland" übersetzt wurden, ihre Anzahl und ihre Namen wurden gar nicht genannt. Im dritten Jahrhundert begann eine umfangreiche Legendenbildung und bereits ein paar hundert Jahre später bekamen die mittlerweile zu Königen avancierten Grenzwissenschaftler die Namen Caspar, Melchior und Balthasar aufs Haupt gedrückt. Von nun an wurden sie von der Katholischen Kirche als Heilige verehrt. Doch auch erdachte Könige legen sich mal zur letzten Ruhe. "Der Überlieferung zufolge soll die hl. Helena, die Mutter Kaiser Konstantins, um das Jahr 326 von Konstantinopel nach Palästina gereist sein, dort die →Reliquien aufgefunden und an sich genommen haben." (Wiki)
Na, das klingt ja schon ein bissi nach Schmu...
Die Gebeine (wessen auch immer) landeten in Mailand. Es wird 1162. Kaiser Barbarossa drückte sie dem Kölner Erzbischof Rainald von Dassel als Dank für seine Schützenhilfe gegen die rebellischen Mailänder in die behandschuhte Hand -- als Kriegsbeute. Der ritt klappernd mit dem Sack voll Knochen zurück nach Kölle, hatte dabei aber genug Zeit, sich zu überlegen, was er mit diesem tollen Sack voll Gaben (kicher!) anfangen sollte. Der lange Ritt und die reichlich vorhandene frische Luft brachten ihn auf die richtige Fährte: Noch unterwegs in die Heimat begann er, eine groß angelegte PR-Kampagne zu lancieren, wodurch die bis dahin in der Christenheit unbekannten Knochen viral gingen. Köln und sein (alter) Dom wurden dadurch zu einem der bedeutendsten Pilgerorte Europas. Seit Ende des 12. Jahrhunderts liegen die gehypten Gebeine im berühmten, goldenen Dreikönigsschrein (Wiki).
Siehe auch →Stadtwappen. Mehr dazu hier.


Stay tuned: Teil 3 erscheint am 21.11.


Donnerstag, 16. Juni 2016

35.000 Jahre Musik

photo credit: Bob Moog fan art via photopin (license)
Schon früh kam ein haariger Zeitgenosse auf die Idee, mit einem Stock auf einen Tierschädel zu schlagen. Der Pock-Pock-Pock-Rhythmus kam gut an beim ersten Publikum, er lag ihm im Blut wie der Herzschlag der Mutter, in der sie neun Monate lang herangereift waren. Einer blies auf einen Röhrenknochen und ein Weiterer ratschte mit einem menschlichen Unterkiefer auf einer großen Nuss herum. Hier und da machte jemand Tier-Laute nach. Die erste Pop-Band.
Im Hintergrund tauschte jemand vergorenen Fruchtsaft gegen Muscheln.

Mit der Zeit wurden die Instrumente raffinierter: Tierhäute wurden aufgespannt, der Rhythmus machte nun nicht mehr Pock, sondern Bumm. Der getrocknete Darm eines katzenartigen Tiers an einen trockenen Ast als Resonanzkörper gespannt gibt Summ-Summ-Summ den Bass. In den Röhrenknochen eines Schwans werden Löcher gebohrt, eine frühe Flöte. Dazu singt der Schamane die Schöpfungsgeschichte.

In den ganzen letzten 35.000 Jahren wurde zwar wieder und wieder an den Details gefeilt, aber im Grunde blieb alles beim Pock-Pock und Summ-Summ und Klim-Klim: Holz, Tierhaut, Katzendarm und Haar vom Pferdeschweif für den Geigenbogen, etwas Metall hier und da. Ob man nun in einen Röhrenknochen bläst oder eine Piccolo-Flöte aus Metall zu Munde führt, das Prinzip ist das Gleiche. Nur die "Piccolöchen" in der Pause sind Welten entfernt von mit Spucke vergorenem Birnensaft.

Als dann 1964 der erste Synthesizer auf der Bildfläche erschien, war das für die Musik genau so ein Schock wie die Technik der Fotografie für die (ab)bildende Kunst: Robert Moog präsentierte den ersten spiel- und konfigurierbaren modularen Synthesizer. Das von Walter Carlos komplett auf diesem Gerät eingespielte Album Switched-On Bach (1968) wurde zum „meistverkauften Album klassischer Musik“ dieser Zeit. (Bitte den vorhergehenden Satz noch einmal sorgfältig lesen.)
Im Grunde ist damit alles gesagt.

35.000 Jahre alte Methoden der Klangerzeugung sind nun obsolet.

Wer noch heute, im dritten Jahrtausend, auf Tierhäuten herumdrischt oder gefühlvoll an Katzendarm zupft, Schädel aneinender schlägt, manisch mit Kalebassen rasselt und in Röhrenknochen tutet, dieser Mitmensch steht sowas von dramatisch auf verlorenem Posten. Die Erzeugung manuell-analoger Musik ist nur noch überkommenes Brauchtum, ein trotziges "Kunststückchen machen", ein Ringelreihen & Hopsasa von ewiggestrigen Hinterbliebenenverbänden in Anbetracht der Möglichkeiten der Synthese von Geräuschen in der Moderne.
Gleiches gilt für die, die diese Musik dann hören.

Wer mich hier für allzu radikal hält, der darf mir gerne seine Kritik von einem Post-Archaeopterix auf Tontafeln zukommen lassen.


Mittwoch, 20. Mai 2015

Der Preis des Erfolges

photo credit: coconut ice cream via photopin (license)

Mit der Liebsten schalenderte ich die Stargarder Straße entlang, Prenzlauer Berg, Berlin. Das Wetter war fein und gleich würde auf der rechten Seite eine Eisdiele kommen, wir schauten uns an: Nein, kein Eis für uns!
Grundgütiger!
Wir waren ja so dermaßen vernünftig!
150 Schritte später gab's auf der linken Straßenseite eine Menschenschlange wie zu DDR-Zeiten. Wir staunten, kamen näher.
Nun, hier hatte wohl ernstlich DER EISLADEN DER GÖTTER, ach was, die scheiß EISPATISSERIE DER GÖTTER aufgemacht! Der Laden hieß Hokey Pokey. Schickes Interieur, prächtiges Corporate Design, hinterm Tresen in einheitlicher Kledage drei wirklich ansehnliche Maiden mit den Haarfarben Brünett, Blond und Rot (mit Sicherheit kein Zufall). Dann die Eissorten! Ich will es so sagen: Ein Etablissement, welches neben "Salted Peanut Caramel" auch "Walnuss Brownie", "Mohnmarzipan", "Rhabarber Creme fraiche" und "französische Schokolade", führt, lässt keine Wünsche für den modernen Gaumen des Dritten Jahrtausends offen!
Die Preise waren allerdings respektabel.
Total überraschenderweise beschlossen wir, entgegen unserer gegenseitigen Versicherung von vor gerade eben 3,5 Minuten, nun doch ein Eis zu essen -- und zwar eins zu 1,60 EUR pro Bällchen.
*räusper*
Was soll ich sagen? Göttlich!
Während ich mein Salted Peanut Caramel-Hörnchen schleckte, hatte ich eine Hand frei und googlete den Laden (Link).Tatsächlich ist das Hokey Pokey dermaßen erfolgreich, dass wegen der permanenten Menschenschlange vor dem Laden schon das Ordnungsamt aktiv wurde. Der Besitzer wusste sich nicht anders zu helfen, als den Eispreis pro Bällchen um 60 Cent anzuheben, nur, um des Andrangs irgendwie Herr zu werden.
Wow! Wir hatten den Preis des Erfolges gezahlt! :D

(Eine gute Freundin sagte, diese Art von "Hypes um Nix" wäre genau der Grund, warum sie Berlin nicht so dolle fände, aber ich mag Berlin genau wegen dieses bekloppten 24/7-"Schnullewupp goes viral"-Gedöns.)


Donnerstag, 14. Mai 2015

schützenswertes Brauchtum

Photo Credit: Bild (Link), by Kasallek (Link) on flickr
Für das unbewaffnete Auge mag die bäuerlich-ländliche Sitte, wonach sich männliche Mitbürger, die das Privileg "Erziehungsberechtigter" genießen, am sogenannten "Vatertag" bis zur Gesichtslähmung besaufen, dabei mit Gleichgesinnten einen Bollerwagen voller Alkoholika hinter sich herziehen und die Straßen akustisch mit archaischem Gegröle und optisch mit ihren bepissten Camp-David-Klamotten verunstalten, dabei in Vorgärten kotzen wie die Reiher, wie ein grotesker Anachronismus erscheinen.
Tatsächlich handelt es sich hier aber um hochgradig schützenswertes Brauchtum.
Denn: Wie viele Bräuche und Sitten wurden bereits auf dem Altar der Moderne und des Kapitalismus geopfert? Vatertagsumzüge, das sind vielleicht bemerkenswert rustikal-provinzielle Ärgernisse, aber wenigstens handelt es sich hier um seit vielen Generationen tradierte, gesellschaftliche Werte, vergleichbar vielleicht mit Jungsesell(inn)enabschieden oder der Steinigung zur Ahndung von "Unzucht" (Fremdgehen) z.B. im Irak.
Weiter so!


Montag, 16. Februar 2015

fimschige Teile

photo credit: Alessi Kitchen Timer via photopin (license)

Endlich, die Moderne!
Alles scheint möglich -- außer Fusionsenergie und Weltfrieden!
Doch ach! Während Smartphones immer brachialere Leistungsdaten bekommen, verliert das goldene Zeitalter der Mechanik täglich an Boden!
  • Ich koche gerne, aber Zwiebeln hacken ist nicht gerade ein Hobby von mir. Also dachte ich alte 80, ich kaufe mir einfach einen Zick-Zick-Zyliss Hacker - für irgendwas musste der ganze Werbefernsehenkonsum in den 80ern doch gut gewesen sein! Doch die Rezensenten des Zick-Zick-Zyliss Hackers auf Amazon lehrten mich eines Besseren. Das Teil wird jetzt nicht mehr von famosen Eidgenossen in einer Schweizer Präzisions-Manufaktur hergestellt, sondern im Asia-Sweatshop zusammengekloppt und hält jetzt keine 30 Jahre mehr, sondern nur noch 30 Tage.
  • Wer noch einen Aufzieh-Küchenwecker sein Eigen nennt, kennt die Problematik. Ist das Teil vor 1985 hergestellt worden, ist ja alles gut. Die Mechanik im Inneren (aka "Zahnräder") ist komplett aus Metall und somit im Grunde unzerstörbar. In 2015 kann solches leider niemand mehr herstellen, scheinbar nicht mal mehr der ansonsten so robuste Russ. Auch wenn die Außenhülle Wertarbeit und Unnachgiebigkeit verspricht, so ist das Innere der Küchenweckers qualitativ mittlerweile weit unterhalb eines "Yps-Gimmicks" anzusiedeln.
  • De Oppa hatte Anno 1982 eine Pillendose "Mo-So, Morgens/Mittags/Abends/Nachts", mit der hätte man auch mal einen Nagel in die Wand schlagen können, wenn einem der Sinn danach gestanden hätte. Bestellt man heute so ein Teil "in diesem Internet", so bricht dat fimschige Kläppchen vom Donnerstag spätestens inner zweiten Woche ab, auch ganz ohne Arthrose inne Finger.
  • Den Eierpieker (ja, ich pieke Eier vor dem Kochen und möchte das nicht diskutieren), den die Liebste anschleppte, war nicht einmal mehr aus Plastik: Hier handelte es sich um ein unbeschreiblich disfunktionales, unwertes Plastik-Imitat.
Wo gibt's noch Qualität? Leider nur noch auf Trödelmärkten. Da kann man dann die ganzen guten Sachen noch kaufen: Zwiebelzerkleinerer, die nochmal 30 Jahre funktionieren, der unzerstörbare Küchenwecker vonne Omma un de Pillendose vonnem Oppa (mit ein paar Kratzern dran vom Nägel einschlagen).
Wichtig ist hier das Alter: Es sollte immer Vorkriegsware ein, wobei es relativ egal ist, auf welchen Krieg man sich hier zwischen 1985 und 1960 bezieht.



P.S.: Das gleiche Schicksal ereilten die einst so urst robusten Klappkisten für Einkäufe, da geht auch nur noch Vorkriegsware (Golfkrieg II).



Samstag, 10. Mai 2014

radikaler DIY-Tipp: Rezept für Spaghetti Bolognese



Das dritte Jahrtausend, die Moderne ist im vollen Gange. Doch immer noch keimt in den Personen meines Umfeldes hie und da der Wunsch auf, Allerweltslebensmittel wie Nudeln oder Pizzateig selbst herzustellen.
Warum?
WARUUUM???
Ich musste schon Menschen, die den ganzen Tag damit zugebracht hatten, so etwas Profanes wie Spaghetti aus Hartweizengrieß selbst herzustellen, darüber aufklären, dass ihre DIY-Sättigungsbeilage ganz genau so schmeckt wie das im PIMPI-Markt gekaufte Pendant. Das führte sukzessive zu Schnuten und Flunschen, meist auch länger. Aber warum bringen mich Menschen auch in diese Lage? Soll ich etwa lügen?
Aktuell plant die Liebste, Pizzateig selbst herzustellen ...


radikaler DIY-Tipp – Rezept für Spaghetti Bolognese:

18 Monate vor der Einladung der Gäste: Kuh mit neugeborenem Rind kaufen und regelmäßig füttern/tränken, Stall ausmisten, Fliegenfänger aufhängen, Vorgang monatelang wiederholen. Nach 1/2 Jahr: 16 Liter Milch abzweigen, diese teilentrahmen.
1 Jahr vorher: Teilentrahmte Milch mit dem Enzym Lab versetzen und nach dem Erwärmen auf 34°C das Käsegranulat mit Tüchern aus der Masse fischen und in bereitgestellte Formen geben. Laibe 22 Tage in gesättigter Salzlake lagern, dann (mindestens) zwölf Monate einkellern. Zwischendurch die Laibe drehen, reinigen.
11 Monate vorher: Ende September Weizen in einem tiefgründigen Boden aussäen, auf eine Saatdichte von 400 bis 500 Körnern pro Quadratmeter achten. Standorte mit Niederschlagsmengen bis maximal 500 Millimeter sind geeignet. Dem für die Landwirtschaft zuständigen Aztekengott Xipe Totec ein paar Sklaven opfern. Die Ernte findet dann im Hochsommer des auf die Aussaat folgenden Jahres statt. Korn dreschen. Körner trocknen, im Mörser zerstoßen. Mehl mit Ei, etwas Wasser und Himalaya-Salz vermischen. Masse so lange durchkneten, bis ein glatter, formbarer Teig entsteht. Teig zu einer Kugel formen, mit einem Tuch bedeckt 30 Minuten ruhen lassen. Die Teigkugel mit der Nudelmaschine ausrollen, die Walzenstärke von Mal zu Mal verringern. Mit dem Vorsatz an der Nudelmaschine den wirklich dünnen Teig dann in schmale Nudeln schneiden.
9 Monate vorher: Februar: Tomatensamen in einem kleinen Gewächshaus auskeimen lassen. Juni: die Tomatenschösslinge können jetzt ins Freie gesetzt werden, diverse Pflegearbeiten. Juli: Pflanzen an Stützstangen befestigen, beschneiden. August: düngen! September: Boden um die Tomatenpflanzen mit Vlies abdecken. Oktober: Ernte.
6 Monate vorher: Steckzwiebeln im April pflanzen. Unkraut immer wieder gründlich entfernen. Regelmäßiges Wässern ist bei Trockenheit erforderlich. Die Ernte erfolgt, wenn das Laub der Zwiebeln zu etwa 2/3 gelb verfärbt und umgefallen ist.
3 Monate vorher: Basilikum und Oregano aussäen, regelmäßig gießen, morgens um 5.00 Uhr Schnecken ablesen, Vorgang wiederholen. Oregano auf der Fensterbank trocknen.
1 Woche vorher: Gäste einladen. Exoten und Sonderlinge wie Vegetarier und Gluten-Allergiker sind dringend auszusparen.

Der große Tag: Überschüssige Teile am Rind entfernen, Rest mahlen und kalt stellen. Enthusiasten können noch Talg-Kerzen aus Rindertalg ziehen – für die romantische Note.
Rinderhack und grob gehackte Zwiebeln in der Pfanne anbraten, gewürfelte Tomaten und Himalaya-Salz hinzugeben und vor sich hinköcheln lassen. Getrockneten Oregano mörsern und einstreuen. Nudeln in Himalaya-Salzwasser kochen und abschütten. Gästen Leitungswasser ausschenken (Rotwein wäre nun wirklich zu aufwendig gewesen), Nudeln auf die Teller geben, Soße hinzu. Parmesan frisch vom Stück darüber reiben. Teller mit Basilikumblättern dekorieren.
Bon appetit!

Nach Verabschiedung der Gäste wimmernd zusammenbrechen.
Nudeln wieder im Supermarkt kaufen.


Dienstag, 29. April 2014

Antike vs. Real Life



Neulich im ALDI standen, einer Phalanx nicht unähnlich, zwei unterdurchschnittlich charismatische Damen mitsamt ihren Einkaufswagen mitten im Weg herum und lasen sich mit monotonen Stimmen gegenseitig ihre Einkaufszettel vor. Ein klassischer Fall von "WTF?"

Doch statt irgend etwas dagegen zu unternehmen, kann man ja auch einfach einen Blogbeitrag verfassen - ein Hoch auf die Moderne!

Aber: Wie wäre man in der Antike mit dererlei Schrecknissen verfahren?

  • Ein Herakles hätte einen Fluss umgeleitet und dessen klare Fluten in die neonbeleuchtete, höhlenartige Ödnis gelenkt, den Handelsort einem Augiasstall gleich von dem schröcklichen Hindernis zu reinigen.
  • Göttervater Zeus hätte einen Donnerkeil zwischen die Medusen getrieben, sie in alle Winde zu zerstreuen, auf dass sie wie von Furien gehetzt gen Horizont flöhen
  • Ein Danaer hätte den Damen Gutscheine für "1 Woche Spa und Wellness im Hotel Prokrustes" überreicht und die in helle Aufregung versetzten so zum sofortigen Aufbruch bewegt.
  • Ein Odysseus hätte sich ob der tödliche Belanglosigkeiten emittierten Damen Wachspropfen in die Ohren gestopft und sich an einen Einkaufswagen gekettet von seinen Getreuen weiträumig an Scylla und Charybdis vorbeilavieren lassen.
  • Charon, der finstere Fährmann, der die Toten über den Totenfluss Styx setzte, damit sie in das Totenreich (Hades) gelangen konnten, hätte den Einkaufswagen der Damen die Pfandmünzen entrissen und die Schwafelnden kurzerhand  für diesen Obolus gen Unterwelt verschifft.
  • Ein Prometheus hätte, unter dem Vorwand, der Menschheit das Feuer zu bringen, die Damen mit einer Fackel elegant in Brand gesteckt.
  • Ein Pyrrhus hätte die salbadernden Damen mit Heeresmacht aus dem ALDI vertrieben, um dann später festzustellen, dass sie nun auf dem Parkplatz labernd seinen Streitwagen blockieren und er deswegen nicht rechtzeitig zum Triumphzug kommt.



Donnerstag, 13. Juni 2013

Untermononatriumglutamatisiert

http://goo.gl/wEn3Y
Jahrelang hatte ich versucht, Mononatriumglutamat (MNG) im Essen zu meiden, denn wirklich gesund konnte das nicht sein, wenn viele Leute davon Schweißausbrüche bekommen und extreme Ruhelosigkeit dito Schlaflosigkeit vermelden. Vorbei waren also die wunderbar sorglosen 80er, in der jedes Essen in Mutters Küche quasi aus dem Handgelenk seine Portion "Maggi" oder "Fondor" bekam, was ziemlich genau "MNG mit Rieselhilfe" ist (also E 621 mit E 538).

Doch jetzt war spätestens ab 2010 die Moderne angebrochen! Ich verzichtete restlos auf alle Produkte aus den Häusern Maggi und Knorr und suchte mir in den Supermärkten der Umgebung 'nen Wolf nach MNG-freier Gemüse-Brühe - eine nahezu unlösbare Queste im Dritten Jahrtausend! Einzig beim Asiaten machte ich eine Ausnahme, denn da gibt es ja nix Anderes, die packen ja sogar noch Glutamat in den Nachtisch, die Vögel! Deshalb nennt man die körperlichen Symptome, die vom MNG herrühren, auch "Chinarestaurant-Syndrom" (Quelle).

Und eines Tages das: Mich überfiel plötzlich und unerwartet ein massiver Jieper nach "Ei mit Maggi"... Ja, ich gestehe: So hatte ich hart gekochtes Ei bereits seit meiner Kindheit immer gegessen! Ich kannt et doch gar nich anders! Et wurde auch nich mehr besser mitm Jieper, bis ich nach Tagen dem Suchtdruck endlich nachgab un en Ei mit reichlich Maggi verdrückte. Un wat soll ich sagen? Et war herrlich! Et war nämlich, als hätt der Himmel die Erde still geküsst! Ein Joseph-von-Eichendorff-Moment (Link)!
Un de Mutter hätte gesagt: "Dat war ne Schmecke!"
Fakt ist: Ich war völlig untermononatriumglutamatisiert.


Montag, 20. Mai 2013

ru24 Wissen 21 - Radium

http://goo.gl/wZNm6
Als Marie Curie zusammen mit ihrem Mann Pierre am 21. Dezember 1898 das radioaktive Element Radium (Link) entdeckt, steht für viele Zeitgenossen fest, dass etwas, was von sich aus leuchtet, eine heilende, sogar heilsbringende Wirkung auf den Organismus wenn nicht die ganze Menschheit haben müsse. Der den Curies die Grundstoffe liefernde Chemiker Friedrich Giesel forscht in eine ganz ähnliche Richtung: Unter anderem macht er von seinem neunjährigen Sohn zu Testzwecken zahllose Röntgenaufnahmen, bis der Kopf des Knaben völlig kahl ist. Der Junge verstirbt zum Leidwesen des Vaters sehr früh (Quelle).
Radium wird Anfang des 20 Jahrhunderts quasi als Universalmittel vielen Produkten (siehe eingebettetes Bild) und Medikamenten als Allheilmittel beigesetzt. Es zieht wenig überraschend in die Schulmedizin ein. Man trägt kleine Glasbehälter mit Radium als Kette um den Hals. Die Mädchen ("Radium Girls"), die die selbstleuchtenden Uhrenzifferblätter bemalen, spitzen ihre Radiumpinsel mit den Lippen an, mit schrecklichen Folgen für ihre Gesundheit. Anfang des 20. Jahrhunderts werden Radiumbäder Mode, Kurorte (wie Bad Kreuznach) werben damit, das stärkste Radiumbad Deutschlands zu besitzen.
"1928 wurde mit Radium versetztes Wasser namens Radithor in kleinen Flaschen zum Trinken verkauft. Spätestens (aber) mit dem Tod des Stahlmagnaten Eben Byers (Link) im Jahre 1932, der von 1928 bis 1930 täglich zwei Flaschen Radithor zu sich nahm, stand unumstritten fest, dass Radium schwerste Gesundheitsschäden hervorrufen kann." (Quelle)
1984 wurde das Notizbuch Marie Curies für 136.000 DM versteigert. Wegen der starken Strahlung war ein Zivilschutzbeamter bei der Auktion anwesend. Das Bändchen gilt wegen seiner Verstrahlung noch heute als unlesbar. (Quelle)

Aus heutiger Sicht ist das alles völlig unglaublich.
Was aber wird wohl von unseren heutigen technischen Errungenschaften übrig bleiben, wenn man in 25, 50 oder 100 Jahren zurückblickt? Top-Kandidaten sind möglicherweise:
- Supermutanten-Nutzpflanzen (weiterlesen)
- Elektrosmog allgemein (weiterlesen)
- Mikrowellenessen (weiterlesen)
- Handystrahlung (weiterlesen)
- Teflonpfannen (weiterlesen)
- CT/MRT (weiterlesen)
- Süßstoff (weiterlesen)

Wem noch mehr einfällt, der möge es bitte (mit Link) als Kommentar posten - danke!


Donnerstag, 27. September 2012

Bürogeplänkel 39 - Hygiene: The next big thing im Büro

bit.ly/Pru2Gv
05. Nov. 2009: Installation eines Hand-Desinfektors im Gang (Blogbeitrag)
25. Okt. 2011: Aufstellen eines elektronischen "Raumluftverbesserers" auf den Toiletten (Blogbeitrag)
01. Okt. 2012: Installation eines Toilettendeckel-Desinfektions-Spenders in jeder Toiletten-Kabine
Hurra!
Wenn man an all die Keime denkt, die heutzutage in deutschen Schul-Schwämmen, Spül-Lappen und Kühlschränken leben, ist eine regelmäßige Desinfektion des trockenen und deshalb nahezu keimfreien Toilettendeckels ja das alles entscheidende A und O persönlicher Hygiene. Mehr dazu: Link.
But what's the next big thing???

Ein Ausblick auf kommende Sensationen:
01. Apr. 2013: Installation von berührungslosen Infrarot-Seifenspendern und berührungslosen Handtrockengebläsen statt der unhygienischen Drück-Spender und Endloshandtücher
22. Dez. 2015: Installation einer Personenvereinzelungsanlage im Eingangsbereich. Die das Gebäude betretenden Einzelpersonen werden zwangsweise mit desinfizierenden Aerosolen besprüht: "Die Kaltvernebelung stellt überall dort, wo sogenannte 'Basis-Hygienemaßnahmen' an Ihre Grenzen stoßen, eine gemäß Experten sinnvolle Dekontaminationsmtehode dar." (Quelle)
02. Aug. 2017: Während der sterilisierenden Vereinzelung findet zusätzlich eine der Massentierhaltung des Großraumbüros angemessene Zwangsimpfung aller Mitarbeiter statt. Sie sollten "innerhalb von 30 Tagen bis zu 8 verschiedene Antibiotika bekommen, wie es etwa in der niedersächsischen Hähnchenmast üblich ist." (Quelle)
Einige weniger robuste Kolleginnen und Kollegen segnen das Zeitliche, aber Opfer müssen gebracht werden. Der Krankenstand der überlebenden Mitarbeiter ist so niedrig wie seit 1934 nicht mehr.
02. Feb. 2022: Hygiéia, der griechische Göttin der Gesundheit und Namenspatin der Hygiene steigt vom Olymp herab und beginnt wahllos, mittels ihres Blickstrahls ganze Landstriche zu sterilisieren.
Drei Wochen später sind Keime wirklich kein Thema mehr.
Weltweit.
Leute aber auch nicht.


Samstag, 28. Juli 2012

@work 13 - Unwetterwarnung

bit.ly/O7VXd8 
Unwetterwarnung na und?
Wir arbeiten doch drinnen!
Als dann Freitag Nachmittag der Blitz mehr oder weniger direkt im Büro einschlug, saßen wir im Dunkeln.
Hihi!, dachte ich noch, bevor ich auf die Toilette musste. Da siehste nämlich mal gar nix!
Und dann sitzte da rum an deinem Arbeitsplatz, rien ne vas plus. Du kannst ja nichtmal auf Facebook schreiben, dass du im Büro sitzt und nichts mehr geht. Ja, OK, das war das erste Mal in meinem Leben, dass ein Smartphone nicht völlig abwegig gewesen wäre.
Kollegen, auch von der Nachbarfirma, rannten mit Taschenlampen herum und checkten Sicherungskästen und auf Notstrom laufende Server.
Für die Untätigen verrann Zeit urst langsam und vor allem ungemessen, et ging ja nix.
"Boah, is dat langweilich - hasse nich mal en Rätselheft für Omi?" (Kerkeling)
Und je länger man da ohne PC, Licht, Telefon, Kaffeemaschine und Mikrowelle herumsaß, um so langweiliger wurde das.
Boah!
"Leg dich doch was hin", schlug die Kollegin vor.
Hanä!
Schlagartig war uns die Moderne komplett abhanden gekommen.
Meine Körperbehaarung nahm von Minute zu Minute zu, ich wurde zusehends flauschiger!
Würde man den Heftklammerer auch als Faustkeil nutzen können?
Ich überlegte, aus Aktenordnern ein kleines Lagerfeuer zu improvisieren und begann, externe Festplatten aneinander zu schlagen. Es schlug zwar Funken, aber vielleicht war das Papier feucht...
Eine kleine Herde Mammuts weidete im Regen auf der Wiese, da gabs wenigstens was zu sehen.
Boah!
Plötzlich flatterte ein Brief-Archaeopteryx herein. Sein buntes Gefieder war regennass, er fauchte garstig und zeigte spitze Zähne. Der anwesende Administrator, bereits in Felle gehüllt und behaart wie Harry Rowohlt (Link) griff sich das am kralligen Lauf der Bestie befestigte Briefchen. Es war eine Nachricht vom Chef, wir könnten nach Hause gehen.
Puh!
Mit soeben noch aufrechtem Gang schaffte ich es zum Wagen und verschwand auf Nimmerwiedersehen im Unwetter.


Donnerstag, 12. April 2012

@work 11 - technischer Fortschritt

http://bit.ly/HzkkwA
Was hat es seit 1992 nicht alles für technische Fortschritte gegeben!
Aus einem Festplattenvolumen von 120 MB ist 1 T geworden - Faktor 8.738 (Info).
Aus 4 MB RAM Arbeitsspeicher sind 4 GB RAM Arbeitsspeicher geworden - Faktor 1.000.
Aus einem Prozessortakt von 100 MHz sind 2.20 GHz geworden - Faktor 22.
Aus Windows 3.1 (mit DOS 5.5) wurde Windows 7 - Faktor 2,26 (Spaß).
Hurra!

Doch die Probleme von damals sind so aktuell wie nie: Es druckt nicht. Oder der Drucker verarbeitet die Jobs extrem langsam. Die Geschwindigkeit des Rechners kommt einer Arbeitsverweigerung gleich. Lotus Notes ist erst recht urst ultra langsam. Das Plakatdruckprogramm ist so lahm, dass Getipptes erst Sekunden später auf dem Bildschirm erscheint. Datensicherungen sichern keine Daten. Dokumente verschwinden, Datenbanken rauchen ab, Rechner, Monitore und Drucker "in echt". Es schmort.

1992 bis 2012: Es war ein langer Weg, aber wir sind ihn gegangen. 
Abgesehen von dekorativem Schnickes ist eigentlich alles wie immer.
Die zivilisierte Menschheit doktert seit 20 Jahren an den Symptomen herum und hofft, dass mit der nächsten Hardware und der nächsten Software alles besser wird.

Ich gehe felsenfest davon aus, dass in 20 Jahren der PC und Windows rückblickend als lächerlichste Irrtümer der Moderne angesehen werden.
Und wenn nicht, dann sind wir in 2032 schlimmstenfalls exakt genau so im Arsch wie heute.

Persönliche Notiz: Nur noch 22 Jahre bis zur Rente.


Mehr dazu: (Blogbeitrag)


Samstag, 7. April 2012

Bubble-Tea

http://bit.ly/I9GYir
Eines der Highlights meiner Kindheit in den 80ern war der Slush-Puppie-Stand auf dem Marktplatz in Radevormwald. In einen Becher gestoßenes Eis gab es einen schrillbunten Sirup dazu, das Ganze wurde durch einen dicken Strohhalm genuckelt. Danach war die Zunge blau, rot, grün, gelb. Ich nahm immer das Grüne.
Ha! SO fühlte sich die Moderne an!
Seltsamerweise weiß ich nicht mehr, wonach das Zeug eigentlich geschmeckt hat. Ich denke, es ging ohnehin vordergründig um die Farbe, nicht um den Geschmack. Ich tippe aber mal auf "Waldmeister", eine Geschmacksrichtung, die, wenn man sie denn wieder populär machen wollte, als "evil master of the woods" verkaufen müsste.
Den Slush-Puppie-Stand im Rader Stadtzentrum gibt es schon ewig nicht mehr.

Dafür eröffnen jetzt allerorten Bubble-Tea-Läden.
Bubble-Tea ist ein Milchshake mit Tee und Alginat-Kugeln, die man durch dicke Strohhalme nuckelt.
In Berlin kann man keine 15 Schritte mehr machen, ohne an einem solchen Laden vorbei zu kommen (Link). Jetzt haben die Bubble-Tea-Läden sogar bis in die bergische Provinz nach Wuppertal hinein metastasiert und somit meine Aufmerksamkeitsschwelle überschritten.
Also gut!
De Omma hatte damals immer eine sumpfdotterblumengelbe Packung Sidroga "Blasen- und Nierentee" herumstehen. Das aufgebrühte Teegetränk schmeckte irgendwo zwischen "Irx!" und "Argh!", aber es ging so gerade noch herunter. Ein trendiges Modegetränk wäre das nimmer geworden, selbst nicht auf Englisch ("evil bladder- and kindney-tea").
Aber mit Ommas Blasentee hat der Bubble-Tea wohl wenig bis kaum etwas zu tun...

In Wuppertal-Elberfeld gibts am Neumarkt jetzt gleich zweimal die Möglichkeit, Bubble-Tea zu genießen. Ein Bubble-Tea-Marktstand und ein Bubble-Tea-Laden - keine 100 Meter voneinander entfernt - ringen um Bubble-Kundschaft. Das muss echt unheimlich rocken!
Abgesehen davon, dass die Plempe nichts enthält, was ein Körper braucht (Link), er pro Liter bis zu 2.000 kcal enthält (Link), man neben den Farb- und Geschmacksstoffen noch weitere, unerfreulichere Chemikalien darin finden kann (Link) und die Kügelchen von Kleinkindern eingeatmet werden können (Link), scheint der Tee TOTAL GESUND zu sein (Herstellerseite) - surprise!
Muahaha!
Ja dann!
Kopfüber in die Moderne: Ich werde mir mal einen reinziehen.
Einen Grünen.


Mehr lesen: (hier)


Mittwoch, 28. März 2012

www 18 - QR-Mania

http://bit.ly/41asjt 
Der QR-Code wurde 1994 von einem Tocherunternehmen von Toyota erfunden, für die Lagerhaltung.
Dann kamen die Smartphones. Along comes a Werbeblöddoofarsch und: Röng-Döng!!!
Mittlerweile gibt es QR-Codes aus Oreo-Keksen (Link), M&Ms (Link), LEGO (Link), Sand (Link) und ganze Läden, die aus nichts anderem als QR-Codes bestehen (Link).
Die Dinger werden auf Kühe (Link) gepappt, auf Kondome (Link), Schals (Link), Schmuck (Link), Weizenfelder und Hotels (Link) - hurra!
Hach!
Was für eine Marketing-Masche!
Das muss doch einfach die Moderne sein! Dann pappen wir die Dinger einfach überall drauf!
Aber dann ist da die Sache mit den "QR-Codes für Doofe": Man sieht so ein Ding, kramt sein Smartphone hervor, wischt es an, gibt den Freischaltcode ein, sucht die Barcode-Lese-Anwendung (wenn man sich schon eine "App" heruntergeladen hat), startet die Anwendung, dann heißt es zielen, warten, zielen, warten und Brrring! Schon nach 35,6 Sekunden hat man das Ding im Kasten und wird quasi umgehend auf die Seite mnml.com verlinkt. Doof nur, dass man diese opulente Adresse händisch binnen 8 Sekunden hätte eingeben können. Und dann ist die Webseite, die man aufruft, nicht einmal fürs Smartphone optimiert...
Oder die Dinger sind winzig, lächerlich unzugänglich oder bedecken gleich ganze Häuserfassaden, sodass man vier Stationen mit der Straßenbahn fahren muss, um sie theoretisch ganz drauf zu kriegen. Leider stehen dann jede Menge andere Häuser (ohne QR-Code) davor.

Und dann ist da noch was, denn Himpelchen und Pimpelchen weinen.
"Wäwäwäwäwä!!!", sagen sie.
Oh weh! Sie haben nämlich überhaupt kein Smartphone!
Was? Kein Smartphone? Im dritten Jahrtausend? Aber das ist doch absurd!
Äh, da fällt mir ein: Ich habe auch für mich völlig überraschenderweise ebenso keins...

Menno: Wenn ich also auf einer Webseite landen möchte, die mir was verkaufen will, dann muss ich tatsächlich noch Bannerwerbung im Internet anklicken. Oder von Hand w-w-w-.-a-m-a-z-o-n-.-d-e eintippen.
Wie brutal altmodisch bin ich denn?


15 QR-Code Fails: (hier klicken) oder mit dem Smartphone hier herumscannen:

QR Code


Montag, 12. März 2012

Ausblick auf kommende Sensationen

http://bit.ly/xHJqSt 
Früher, da war im Raucherzimmer immer Bombenstimmung! Die Kollegen trudelten ein, steckten sich eine an und fluchten gründlich. Irgendwann fing eine oder einer an zu kichern und dann jagte eine Zote die Andere. Nach spätestens einer dreiviertel Zigarette war man so weit wieder aufgebaut, dass man dem Rest des Arbeitstages mutig ins Auge blicken konnte.
Heute kam ich ins Raucherzimmer, dort stand ein Kollege mit seinem Smartphone und wischte schweigend darauf herum. Er blickte nicht einmal auf, er erkannte mich wohl an den Schuhen. Nach zwei Minuten kam der nächste Kollege herein, hatte sein Smartphone bereits in Vorhalte. Ich blickte vom Einen zum Anderen. Niemand sprach. Ihr Körperhaltung war irgendwie bucklig, wie sie so in ihre Geräte starrten. Sie waren wohl mit ihren sozialen Netzwerken beschäftigt. Oder vielleicht kommunizierten sie ja miteinander.
*irrkicher*
Hey: Da geht noch was!
Daten-Brillen sind der nächste technische Evolutionsschritt! Google bringt bald eine heraus, die auf Android läuft (Link). Dann stehen alle so in der Gegend herum wie die Pet Shop Boys, die auf den Bus warten, können sich aber fürs Zwischenmenschliche, Private auch mal ganz prima via Facebook anstubsten.
Ick freue mir.
Danke, Moderne!


Donnerstag, 8. März 2012

Back to the past

http://bit.ly/xpEG2F
Hurra!
Drittes Jahrtausend und so!
Zu früh gefreut, Buddy...

Eines der Hauptmerkmale der Moderne scheint es zu sein, das einem die Antike oder wenigstens das Mittelalter auf Schritt und Tritt begegnen...

Manchmal rufen Kunden an: "Mein Drucker druckt nur Hieroglyphen!"
Soso...
Ich frage dann immer: "Als Monumentalschrift oder eher demotische Hieroglyphen?", dann ist erstmal Ruhe im Karton.

Heute morgen habe ich mich per Fernwartung auf einen Rechner gewählt und der Ansprechpartner und ich starrten minutenlag wie gebannt auf die Sanduhr eines nur sehr mäßig rund laufenden Kundenrechners.
"Ja, hier läuft immer stundenlang die Eieruhr!", freute sich der Kunde, der sich daran schon gewöhnt hatte.
Kunden sagen ja immer "Eieruhr".

Es ist schon bezeichnend, dass die Moderne mit ihren PCs das mittelalterliche Stundenglas erst so richtig populär gemacht hat. Der Sammelbegriff für die PC-Sanduhr und vergleichbare Symbolik lautet übrigens "Fortschrittsanzeige".
*kicher*
Ein Schelm, der Böses dabei denkt.


Donnerstag, 22. Dezember 2011

ru24 History 30 - Konfirmation (1981)

http://bit.ly/sTDzr0 
Ich war noch nie freiwillig in einem Gottesdienst.
Naja, Hans und Franz haben geheiratet in den letzten 20 Jahren, da bin ich dann quasi gezwungenermaßen hin. Die Predigten waren allesamt identisch, Stichwort: "Die Liebe ist dies, die Liebe ist das ... etc., etc." (Korinther 13, 4-8a usw.). "Wenn ich keine Liebe habe, so bin ich ein tönendes Erz geworden oder eine schallende Zimbel."
Sicher, sicher.

Und diverse Konfirmationen habe ich auch über mich ergehen lassen, erst die eigene, dann die von diversen Cousins meiner damaligen Freundin. Am schlimmsten war eine Konfirmation in Thüringen in einer extrem schummrig beleuchteten Kirche, ich glaube in Suhl. Der Pastor sprach des Dialekts halber für mich in fremden Zungen, es war dunkel, deswegen bin ich dann dauernd eingenickt, was allen außer mir sehr peinlich war...

Dann das Singen in Kirchen: Da prallen dann Lieder mit Texten und Melodien, die so zeitgemäß daherkommen wie die spanische Inquisition, auf meine wundervolle Ork-Singstimme: "Roo-Lro-Lroo-Lro---Loooroo!"

Selbst konfirmiert worden bin ich 1981 in Radevormwald bei Pastor Motte, der seine Predigten komplett mit der linken Hand in der Hosentasche bestritt. Motte bestand nicht einmal drauf, dass die Konfirmanden jeden Sonntag zum Gottesdienst gingen und so habe ich mir das natürlich komplett geklemmt. Selbst mit 14 hat man ja sonntags besseres zu tun. Eine Woche vor der Veranstaltung fuhren Queen Mom und mein 14-jähriges ich nach Remscheid. Mutter zwang mir einen braunen Cordanzug auf und das Thema war quasi sofort durch, vermutlich war er im Angebot. Widerstand war zwecklos. Argumentieren verschwendete Atemluft. Mutter ließ immer schon so gut mit sich reden wie die Borg des Star-Trek-Universums.
Am Tag der Konfirmation wusste ich nicht einmal, in welche der vier Kirchen meiner Heimatstadt ich gehen sollte. Meine Mutter wurde fast ohnmächtig, als sie mich dabei abfing, wie ich gerade Verwandte anrufen wollte, um zu fragen, in welcher Location das Event denn stattfinden solle.
Alle Konfirmanden trugen schwarze oder dunkelblaue Anzüge oder Kleider, nur ein einzelner Narr hatte einen braunen Cordanzug an. Helau! Das Konfirmationsfoto sollte ich echt mal nachreichen - Muahahaha!!!
Nach dem Einsacken der Kohle durch die damals noch überreichlich vorhandene Verwandtschaft (pro Umschlag ein 100 DM-Schein) war das Thema Kirche für mich dann völlig abgehakt (siehe auch: Link).
Der Höhepunkt des Fests: In der Gastwirtschaft, wo sich die einschlägigen Verwandten auf Kosten meiner Eltern zulaufen ließen, stand ein Pong-Automat (Link)! Hell yeah! Das rettete mir echt den Tag!

Jetzt wohne ich mit meiner Freundin in Wuppertal direkt an einem Friedhof, an dessen Ende, surprise, die "Friedhofskirche" steht, ein monumentaler Sakralbau (Link). Die haben quasi ständig Anlass, die Glocken zu läuten - vermutlich, weil sie es können. Aber dank der Moderne kann man jetzt wenigstens nachsehen, warum zur Hölle sie läuten: Online-Predigtplan (Link).
Wie cool!
Danke Moderne!


Mehr zum Thema: (Blogbeitrag), (Blogbeitag) und auf den Punkt gebracht: (Blogbeitrag).


Sonntag, 30. Oktober 2011

Die Zahnpasta kann nix

http://bit.ly/v9bkia
Ob ich denn Zahnpasta mitbringen könne vom Einkaufen?
Klar. Sicher, sicher.
Ich kaufte also nichtsahnend Colgate Total, kam damit heim und erfuhr: Naja, die kann ja nix!
Also, als Kind wollte ich immer Signal-Zahnpasta haben, die war rotweiss gestreift und ich fand es toll, dass etwas aus einer Tube gestreift sein konnte - das Mysterium der gestreifen Paste (Link)!  Hach, in den 70ern war die Welt noch irgendwie unschuldig! Naja, aber außer "Streifen" konnte die mal echt nix!
In den 80ern benutzte ich einfach die Zahnpastas, die meine Eltern heimbrachten (Rent-a-dent  o.ä.) -  bei 5,00 DM Taschengeld die Woche reichte es nur für ein Yps und ein paar Extras.
In den 90ern wollte ich nichts Anderes haben als die blaue TheraMed, die war schließlich Zahncreme und Mundwasser in einem - toll! In den 2000ern galt es noch als Innovation, quasi kostenlos auf dem Weltmarkt zu beziehendes Backnatron in die Paste hineinzupacken, es BAKING SODA zu nennen, die Tube um 20% zu verkleinern und den Preis zu verdoppeln. Aber das ist jetzt wohl nicht der letzte Stand. OK, ich habe seit einer Dekade nicht ferngesehen - oh mein Gott, was habe ich nur alles an Werbungen verpasst!? Es ist wohl wie bei den Spülmaschinen-Tabs: Ich habe noch den Clip von den zwei Schichten im Kopf, vorne hellblau, hinten dunkelblau und in der Mitte eine Rote Kugel. Muahaha! Das muss noch zu Kaisers Zeiten gewesen sein! Das aktuelle "Somat 10" hat - wie der Name schon sagt - sage und schreibe zehn "Funktionen". Klar, dass da gerade auch von Zahnpastas mehr erwartet wird als "Zahncreme und Mundwasser in einem". Selbst Zoo-Kängurus bekommen da ja heutzutage schon Zahnpastas, die mehr können als das: Link.
Ich werde also beim nächsten Einkauf Ausschau halten nach müssen nach "COLGATE ULTRA SHOKK 3D WHITE ANTI-HANGOVER OXI ACTION SPARKLING PASSION FRUIT" oder vergleichbarem zu 7,00 EUR die 80ml-Tube.
*seufz*
Mea Culpa.
Danke Moderne.


P.S.: Meine Prohpylaxe-Frau beim Zahnarzt hat mich vor Jahren auf Meridol eingeschworen. Von "GABA GmbH, Spezialist für orale Prävention". Das klingt jetzt etwas freudlos und prüde, die meinen das aber nicht so.

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Dienstag, 25. Oktober 2011

Bürogeplänkel 26 - Die Moderne, das Luder!

http://bit.ly/ocrEUW
Welche geruchlichen Brachialitäten habe ich nicht schon alles überstanden! Da war z.B. im Jahr 2000 die extrem besuchte CeBit-Toilette in Halle 2, Nähe Stand C36 (Symantec). Vor jedem Pissoir, vor jeder Kabine standen mindestens fünf Messebesucher Schlange, eine gewaltige, sich immerfort erneuernde Phalanx der Ausscheidung. Der daraus resultierende Pesthauch hätte mich fast gezwungen, statt meinen Darmtrakt meinen Mageninhalt zu entleeren. Ich floh diesen schrecklichen Ort mit tränenden Augen, würgend und vor allem unverrichteter Dinge.

Dergestalt abgehärtet fing ich in meiner aktuellen Firma an. Trotz einer heftigen Hire-Phase beider Unternehmen (2005), die in meinem Stockwerk die gleiche Toilette benutzen, erreichte der olfaktorische Level trotz zwischenzeitlicher Überbevölkerung niemals mehr als 0,32 CeBit und nach der darauffolgenden Fire-Phase (2007) niemals mehr als 0,2 CeBit.
Doch die Moderne, das Luder, wollte mehr, viel mehr!
Nach der Anbringung eines Handdesinfektionsgerätes gegen die böse, böse Vogelgrippe (oder welche Seuchen-Sau gegen Ende 2009 auch immer durchs Dorf getrieben wurde - Blogbeitrag) hatte es jetzt fast zwei Jahre lang keine technischen Schnickschnack-Neuerungen mehr gegeben.

Heute komme ich auf die Toilette, und mein erster Gedanke ist, dass dort eine preiswerte Prostituierte explodiert sein muss, zumindest dem Geruch nach. Aber es ist die Moderne, die mir so wuchtig und betäubend wie ein Süßkindscher Alptraum auf die Schleimhäute schlägt! Der Grund: "AirWick Freshmatic Compact" mit Geruchs-Sensor. Ein kleiner Automat, groß wie ein Tischlautsprecher, entscheidet jetzt selbsttätig, wann angeblich dicke Luft ist und hält dagegen, als gäb's kein Morgen! "Bratapfel und Zimt" soll das übrigens sein - Muahahaha! Im Grunde kann man schon froh sein, dass AirWick nicht versucht hat, "Kotze" nachzubilden.
Dieses Ding verteilt jetzt seinen irgendwie pinkfarben stinkenden, beißenden, vollsynthetischen Dritte-Welt-Nuttendiesel gnadenlos im ganzen Raum und auf den anwesenden Urinierenden.
Jetzt weiß ich, wie ich diesen brachialen Angriff auf meine Nase am besten beschreibe: Als würde Barbie verwesen.

Ich vergebe 0,7 CeBit.
Danke, Moderne!

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