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Dienstag, 29. Mai 2018

ru24 Special: Portugal von A-Z (Teil 2 von 3)

Anrückende Pflanzen
Fisch
Stockfisch („bacalao“ oder „bacalhau“) ist eine große Sache in Portugal. Der zuvor an Stöcken getrocknete (deshalb der Name) Trockenfisch (Kabeljau oder eine Barschart) wird in aktenkoffergroßen, hellgrauen Stücken gehandelt, die in Schaufenstern herumliegen wie Hohlblocksteine in einem Baumarkt. Um ihn wieder zu einem Lebensmittel zu machen, muss bis zu 36 Stunden lang gewässert werden. Die eigentliche Heimat des Stockfischs „ist aber Skandinavien, besonders Norwegen. Von dort sowie aus Island und den Faröer-Inseln stammen die größten Importe an Stockfisch bis heute.“ (Quelle)
In Portugal wird Fisch generell immer und überall mit Gräten serviert, bei von Geburt an grätenlosen Fischen werden aus Frack noch welche reingeschossen – hier zeigt eine alte Seefahrernation allen Landdeppen stolz den Mittelfinger.

Frühstück
Das Zauberwort lautet „Pastelaria“. Die hiesigen Bäckereien haben ein riesiges Angebot von süß bis herzhaft, zu dem Plunderteilchen einen Milchkaffee = Galão (sprich Galaoh[ng], siehe „Diphthong“) und ein frisch gepresster O-Saft — zu zweit ist man mit unter 10,00 € dabei.

Calçada Portuguesa
Gehsteige
Die kompletten Bürgersteige in den Städten Portugals sind das berühmte "Calçada Portuguesa" (Link), ein Mosaikpflaster aus zweifarbigem Kalkstein. Das ist etwas uneben, hat Löcher, aber es sieht schön aus. So lange es trocken ist, kommt man bei flachem Schuhwerk ganz gut voran. Wenn es regnet, dann ist die ganze Angelegenheit so fitschig wie, nun ja, nur nasses Kalksteinpflaster sein kann.

Geschichte
Die Geschichte Portugals kann man stark zusammengedampft so schildern: In einer Winz-Nation wird ein neuer, wendigerer Schiffstyp erfunden, damit entdeckt man die halbe Welt, wird zum Giganten, verliert alles, gewinnt alles, verliert alles. Wann immer Gold und Geld da waren, wurde geradezu grotesk verschwenderisch damit umgegangen, die Gebäude ganzer Prachtstraßen vergoldet. Dann war wieder Schmalhans Küchenmeister angesagt. Rücklagen sind doch nur für Lappen!
Seit 1976 ist Portugal eine Demokratie.
Schöner Artikel: Quelle.

Ginjinha
Der berühmte Kirschlikör „Ginjinha“ wird überall in der Stadt feilgeboten, gerne auch von alten Frauen mit Kopftuch an Tischen. Nach einer halben Flasche kann man ihn sogar korrekt aussprechen. Er schmeckt wie Mon Cherie von innen und die dekorative Flasche eignet sich als Mitbringsel.

Inkognito
Spätestens, wenn man in Portugal eine Adresse sucht, z.B. die des Airbnb-Gastgebers, dann stellt man fest: Menno, es gibt gar keine Namen auf den Klingelschildern! Die Häuser haben zwar Klingeln, aber die sind beschriftet mit Erdgeschoss rechts/links, Erster Stock rechts/links usw. Steht man dann unten im Treppenhausflur, dann wiederholt sich das Ganze auf den Briefkästen – kein Name, nirgendwo. Dito an allen Wohnungstüren im ganzen Haus. Wenn man also nicht weiß, wo genau im Haus Berta Maria Correia de Almeida de Melo Cabral wohnt, kann man ihr einen Brief nur im Treppenhausflur auf die Inkognito-Briefkästen stellen und das Beste hoffen.
Und das kommt so: Bis 1974 hatte Portugal unter Regierungschef Salazar eine faschistoide Diktatur. Diese hatte eine sehr „umtriebige“ Geheimpolizei namens PIDE (Polícia Internacional e de Defesa do Estado). Um dieser das Leben so schwer wie möglich zu machen, entfernten die Portugiesen ihre Namensschilder von den Häusern und Türen – bis heute.
Das ist auch der Grund, warum sich Portugiesen am Handy oder Telefon niemals mit Namen, sondern mit einer landesspezifischen Entsprechung von „Pronto?“ melden. Seinen Namen wird der Angerufene schon aus Frack nicht nennen, da sind sie verschlossen wie die Austern.

Kinder
Für portugiesische Kinder gilt: Nachts ist genauso wie Tag nur ohne Licht. Deshalb wuseln um Mitternacht auf dem stockdunklen Kinderspielplatz noch ein Dutzend Blagen herum und hängen von den Gerüsten wie die Fledermäuse.
True Story.

Mehr ist mehr
Kirchen
Die Kirchen Lissabons sind im Inneren in der Regel hart vergoldete, überverzierte, mit Putten brutal überdekorierte Pracht-Grotten, ein Zuviel des Guten in jeder denkbaren Hinsicht, immer nach dem Motto: MEHR IST MEHR. Kann man, muss man nicht. Einzig positiv hervor stach die Basílica da Estrela, die im Inneren für portugiesische Verhältnisse geradezu geschmackvoll daherkommt. Gegenüber dann im Jardim da Estrela einen Galão trinken gehen – Tipp!

Lissabon
„In den letzten 30 Jahren hat Lissabon alle zehn Jahre rund 100.000 Einwohner verloren, von 800.000 damals auf rund 500.000 heute.“ (Quelle)
Die Infrastruktur ist wohl sehr schlecht bezügl. Kinderbetreuung, Schulen und Krankenhäusern.
Die Armen können sich zudem die hohen Quadratmeterpreise in der Stadt nicht leisten, die Reichen wohnen schick auswärts in Cascais und Estoril. Das erzeugt Leerstand, ganze Straßenzüge sind vermauert, die Türen mit Ketten verhangen. 400.000 pendeln täglich in die Stadt und wieder heraus.
Wie es kommt, dass sich trotz der gravierenden Leerstände sich das Mietniveau so hoch hält, ist mir leider nicht bekannt.

Moppen
Moppen
Lernen von Portugal: Hier wird ein Bahnsteig gemoppt. Da könnte sich die DB mal eine dicke Scheibe von abschneiden.

Namen
Nachnamen haben die Portugiesen bis zu vier, in der Regel aber nur zwei: Einen Nachnamen vom Vater und einen von der Mutter, wobei der erste Nachname des Vaters an erster Stelle steht. (Quelle)
Bei den maximal zwei Vornamen sind Portugiesen sehr konservativ, in Portugal gibt es keine Kanyes, Leroys, Skyes und Zoes. Hier ist alles ganz oldschool Manuel, Pablo, Maria und Fatima. Spanische Vornamen sind schon mal von Gesetzeswegen überhaupt nicht erlaubt. True story. (Quelle)
Aufgrund der überwiegenden Unfähigkeit der deutschen Bevölkerung, ihrer Brut menschliche Vornamen zu geben, hätte sich der Gesetzgeber von Portugal beizeiten mal eine Scheibe abschneiden können, nu isses zu spät, Chantal.

Weiter zu Teil 3

Donnerstag, 17. September 2015

ru24 Special: PARIS (von â bis z)

photo credit: Tour de Eiffel via photopin (license)

Ampel, Fußgänger-: Erscheint an der Fußgängerampel das grüne Männchen, dann laufen alle Einheimischen in hellen Scharen über die Straße. Beim roten Männchen ebenso.

Bäckereien: Der Boulanger ist auch im dritten Jahrtausend immer noch der Ort, an dem der Franzose seine Knüppelbrote ersteht. Die schleppt er dann bündelweise unterm Arm mit nach Hause, nicht aber, ohne schon an einem herumzunagen. Doch ach! Viele Boulanger sind schon lange eine „Boulangerie et patisserie artisanale“ (Beispiel), ein lichtdurchfluteter Back-Olymp der Herrlichkeiten!!! Hier geben sich Quiche, Eclairs, Macarons und unfassbare andere Leckereien ihr Stelldichein.
Dagegen sind „Butzenbacher Landbrot“ und „Nussecke“ echt finsterstes Mittelalter.

Französische Sprache: Data, der zweite Offizier des Raumschiffs Enterprise (Star Trek TNG), nennt sie „die obskure Sprache Französisch“ und wer wollte diesem messerscharfen Verstand widersprechen (außer Picard)? Wenn man in Paris Métro (U-Bahn) fährt und die geschrieben Stationen auf dem Stationsanzeiger mit dem vergleicht, was da als Station in den Lautsprecherdurchsagen genuschelt wird, dem fällt auf: Man multipliziere einfach die Anzahl der geschriebenen Silben mal „musche“ (sprich: wie in „Garage“). Also aus der Station „Denfert-Rochereau“ der Linie M6 wird die Ansage „musche-musche-musche“. Das verstehen dann wirklich nur Franzosen. Das Ohr des Franzmannes ist also per se aufs Obskure getrimmt. Was nimmt es Wunder, dass der wiederum Touristen nicht versteht, auch, wenn sie sich redlich bemühen mit dem Radebrechen? Der Grund ist, weil sie sich redlich bemühen! Wer also meint, vor seinem Frankreich-Urlaub unbedingt noch einen Sprachkurs belegen zu müssen, kann ruhig auch die VHS-Kurse „Niederländisch“ oder „Portugiesisch“ besuchen, gerne auch „Makramee“, ist eh Latte.

Gastronomie = Unmengen winziger Bistro-Tische dicht an dicht und doppelt so viele schmale Stühlchen. Hier kommt man schon kaum zu seinem Platz, wenn alles noch unbesetzt ist. Die Läden selbst sind zwischen März und Oktober oft leer, da die Kundschaft sich draußen auf den winzigen Sitzgelegenheiten entlang des Bürgersteiges herumdrückt. Hier lässt man sich gerne nieder, denn man wird gesehen und es ist ja auch immer was los: Es hupt und bremst und qualmt und quietscht und flucht. Preislich liegt quasi alles bis 0,25 Liter bei 4,80 €, außer heißer Milch, die kostet 4,20 €. Ist der Laden urst verkehrsgünstig gelegen, d.h., man kann von der Front des Bistros gleich auch noch eine Seitenstraße einsehen und/oder es kommt mit Pauken & Trompeten die Müllabfuhr, dann kostet der Milchkaffee in der ersten Reihe "premier smog" auch mal 5,20 €. In manchen Läden sind diese Plätze zudem ausschließlich für handverlesene Stammkundschaft reserviert.
Nachdem man dir dein einziges Getränk gebracht hat, lässt die Bedienung dich den Rest des Abends links liegen. Vorteil: Man kann einen billigen Abend Wange an Wange mit dem tosenden Straßenverkehr verbringen. Nachteil: Man verbringt einem billigen Abend Wange an Wange mit dem tosenden Straßenverkehr.
Wenn Raum gleichbedeutend ist mit Luxus, dann sind nach Geschlechtern getrennte Toiletten alberner Zierrat. Also gibt's für die Gäste und das Personal nur ein einziges Scheißhaus, eine Klobrille existiert nicht und Hygiene ist Kür, nicht Pflicht.

Hustler: Touristenmagneten ziehen Touris an und diese wiederum Hustler [eng.: Gauner, Abzocker, Falschspieler]. Von dem einen und von dem anderen gibt es in Paris eine ganze Menge. Wovor man sich in Acht nehmen sollte: Scharen von Romas, die versuchen, Gutgläubige zu einer Unterschrift zu bewegen (im Nachhinein hat man alles doppelt). Besonders am Montmartre bedrängen Gruppen von farbigen Herren Touristen, indem sie ihnen ungefragt Bändchen an den Zeigefinger flechten und dann dafür abkassieren. Das ist unangenehm und macht schlechte Laune. Entlang der Seine verfolgen einen Clowns, die einem ununterbrochen unangenehm ins Ohr pfeifen – WTF? Und auf dem Weg zwischen den Trödelmärkten von Saint Ouen treiben fliegende Händler (Stichwort "acht Uhren am Unterarm") und Hütchenspieler (ernstlich!) ihr Unwesen.
Ansonsten sollte man seine Wertsachen immer fein im Auge behalten.

Kaffee: Bestellt man „un café“, bekommt man einen Espresso. Wer einen „café crème“ bestellt, bekommt einen Milchkaffee. Den gibt’s in klein (hat Espressogröße) und groß (kleine Tasse). Einmal habe ich versucht, einen Filterkaffee mit Milch zu bestellen und bekam eine knallvolle Tasse schwarzen Kaffee und ein Kännchen kalte Milch dazu. Haha, ihr lustigen Franzosen! (weiterführender Link)

ÖPNV: Am besten holt man sich einen Wochenpass für die Öffentlichen, dazu benötigt man ein Passbild. Das bringt man am besten von zu Hause mit. Ansonsten gibt es ein bissi nach Pipi riechende Passbildautomaten, die einem in genuscheltem Französisch verklickern, was jetzt gerade mal nicht allzu biometrisch war am aktellen Versuch. Wenns mal wieder länger dauert: Snickers. Zur Anfertigung des Passes z.B. unten im Gare du Nord muss man eine halbe Stunde Schlange stehen, die Frau hinter dem Schalter ist eine Hardcorebürokratin -- aber dann lüppt es immer & überall mit dem Ticket.
Während deutsche Busfahrer warten, bis alle sitzen, drückt sein französisches Pendant sofort noch während des Einsteigens der Fahrgäste beherzt aufs Gas, sodass alle herumpurzeln, vor allem Deutsche, die gerade versuchen, ihr Portemonnaie zu verstauen.

Pariser: Den männlichen Bewohner von Paris erkennt man an der Baskenmütze, der Gitanes im Mundwinkel, dem Glas Pastis und am Akkordeon. Zumindest bis etwa 1950. Pariserinnen von heute sehen alle aus wie Sophie Marceau ("La Boum - die Fête"), die Haarlänge variiert. Leider sind die Bewohner der Hauptstadt nicht synchronisiert, sodass Kommunikation unmöglich ist.

Parks: Dem Franzmann ist es anscheinend erst Park, wenn es mindestens zwei Symmetrieachsen hat, Schnirkel-Schnörkel-Hecken, Golfrasen und diverse Springbrunnen, krustig von barockem Zierrat. Aus der Luft sieht das Ganze aus wie ein (idealerweise quadratisches) Ornament (hier). Müll, Vandalismus, Rasen-betreten-verboten-Betreter und grillende Ghule wie z.B. in Berlin sucht man auf diesen ondulierten & geföhnten Golfrasen-Naherholungs-Kacheln vergebens, dafür sorgt die konsequent durchgreifende Parkaufsicht.
Im Jardin du Luxembourg hat man all diese Pracht und Fülle indes auf die Spitze getrieben – hier gibt es zusätzlich zu allem Überfluss auch noch kostenlose (Liege)stühle, Teiche mit Enten, Boule- und Schachspieler, Mini-Segelboot-Verleih und Büdchen, die warme Quiche veräußern – c'est  bon!

Sehenswürdigkeiten:
Arc de Triomphe: Grundgütiger, das Teil ist so groß wie ein kleiner Mond! Was ich nicht wusste, ist, dass man da oben drauf herumlaufen kann, hier heißt es die 284 Stufen gegen eine grandiose Aussicht abzuwägen. Champs Elysées: Trotz des weithin bekannten Liedes gleichen Namens: Bitte weitergehen, hier gibt’s nichts zu sehen (außer Touris und mördermäßig überteuerte Läden). Disney Land Paris: Für alle, die im Ausland hauptsächlich zu McDonald’s gehen. Hier gibt’s sauberen, turbokapitalistischen Spaß für die ganze RTL-Familie. Eiffelturm: Mon dieu, rockt der! Das gute, alte Stück kann völlig kostenlos besucht werden, wenn man nicht hoch hinaus will. Und die Aussicht wäre ohnehin doof, Paris, so ganz ohne Eiffelturm… Zum Beginn der Dämmerung an den Champs du Mars (Marsfelder) mit diversen artisanalen Patisserieprodukten auf einer Parkbank zuerst der Beleuchtung und dann dem Funkeln des Riesen zu harren, das ist hoch-romantisch. „Stadt der Liebe“ at ist’s best! (Tipp vom frisch Verheirateten.) Louvre: Meine Herren! Schon von außen einschüchternd groß. Die Ausstellungsfläche beträgt 60.000 qm, das sind 15 Fußballfelder. Im Inneren kann man hartnäckige Verklumpungen von Menschen dabei beobachten, Selfies mit der Mona Lisa (einer überschätzten Renaissance-Dame) zu schießen. Marché aux puces in Saint Ouen (puce = Floh): Hierbei handelt es sich um einen, nur von Sa-Mo geöffneten, x Hektar großen (Hallen-)Trödelmarkt, hauptsächlich für Altes & Antikes. Wenn man es an den Hustlern, Hütchenspielern, fliegenden Händlern und arg ambulanten Maiskolbengrillern vorbei geschafft hat, eröffnen sich ungeahnte Wunderwelten. Hier gibt es alles: Von der original Elvis-LP bis hin zu ausgestopften Giraffen in diversen Größen. Auch wenn man nichts kauft: Sagenhaft! Notre Dame: Der Eintritt ist frei, wer allerdings schon einige größere sakrale Gemäuer von innen gesehen hat, findet hier wenig Überraschendes. Spaß macht die ziemlich laute Bandansage in zwölf Sprachen, man solle leise sein. Für 5,00 € kann man die Schatzkammer besichtigen: schon besser! Links am Gebäude endet die Ansteh-Schlange für die 402 (keuch!) Stufen zum Turm – leider ein Muss, schon wegen der berühmten Wasserspeier und des Ausblicks wegen. Père Lachaise: Dieser Friedhof ist „eine Oase der Ruhe, nicht nur der Letzten“ (lesenswerter Artikel) und er sprengt jede Dimension! Man sollte mindestens einen halben Tag dafür einplanen – wenn einem der Sinn nach solchem steht. Hier ruhen Chopin, Edith Piaf, Jim Morrison, Oscar Wilde, Sarah Bernhardt usw., aber: Ohne arg detaillierten Plan ist das die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Place de la Concorde: riesiges Brachland mit einem (1) ägyptischen Obelisken und zwei (2) Springbrunnen eingeklemmt zwischen den Tuilerien (dem Pariser Central Park) und den Champs Elysées. Sacré-Cœur de Montmartre: Sollte man schon wegen des „œ“ besuchen. Am Fuße des Bauwerks gibt es ein altes Karussell (sehr pittoresk), auf dem Weg den Berg hinan wird man hart von (siehe ->) Hustlern angegangen, Montmartre selbst ist sehr schön, leider touristisch völlig über-erschlossen. Versailles: Der Sonnenkönig wohnte urst pompös aber auch außerhalb: Das ist ein Tagesausflug.

Stoppschild: In Paris gibt es genau so viele Stoppschilder wie Eiffeltürme, nämlich eins (1). Wer es schafft, das zu überfahren, der darf es behalten. (Link)

Straßen-Verkehr: In Paris ist kein Ort weiter als 500 m von einer U-Bahn-Station entfernt. Dennoch fahren die Pariser mit beachtlichen Mengen Motorrollern und verbeulten Autos mit mit Gaffer-Tape angeklebten Außenspiegeln in der Gegend herum. Sobald ein Fahrer einen Parkplatz findet, dann parkt er beherzt auf Gehör ein, auch, wenn das gar nicht nötig wäre, weil genügend Platz ist: der berüchtigte automobile "french kiss". Französische Autos sehen oft aus wie alte Golfbälle – nicht nur vorne und hinten.
Ein Faszinosum sind die riesigen Kreisverkehre der Städte: Sie sind gefühlt achtspurig, haben bis zu acht Zu- und Ausfahrten, dafür kommen sie ohne eine einzige Linie auf dem Asphalt aus. Das sich dem deutschen Touristen bietende Ballett aus tollkühnen Radfahrern, beherzten Moped-Piloten, wagemutigen Autofahrern und LKW-Schwerlast-Akrobaten ist Schwanensee in der praktischen Anwendung.
Passiert doch einmal ein Auffahrunfall, dann beschauen sich die beiden Monsieurs direkt vor Ort hoch entspannt das Malheur. Hat ihr verschrammtes Gefährt signifikant gelitten oder macht eine Beule mehr den Braten nun auch nicht mehr fett? Meist trennt man sich einvernehmlich.

Touristen: 30 Millionen von ihnen wimmeln jährlich durch Paris. Manchmal verfangen sich ihre Selfie-Sticks oder sie erzeugen aus der Ferne gesehen stachelschweinartige Strukturen mit ihren Selbstbildnis-Stangen (Abbildung). Zu einem großen Teil sind es hoch enthusiastische Asiaten, die versuchen, Selfies mit sich selbst vor [ALLEM] aufzunehmen (auch wenn ihr(e) Partner(in) daneben steht). Der Rest ist eine bunte Mischung aus südländischen Paaren ("sie" wabert mit Mörder-High-Heels über das Katzenkopfpflaster von Montmartre), erwachsene Disney-Enthusiasten mit Mickey-Ohrenmütze, die sich damit zum Vollhorst machen, Leute mit angeleinten Kindern und sonstige Vögel (moi).

Währung: Frühstück für zwei: 32,00 €, ein kleines Bier 4,80 €. Aufgemerkt: In Paris zahlt man mit dem französischen Euro. Dadurch wirkt vieles sehr teuer – eine Illusion.

Wohnen: Wer denkt, dass Wohnen in Köln teuer ist ("suche 4-Zimmer-Wohnung für bis zu 1.500,00 €"), der würde für die paar Piepen in der Stadt der Liebe vielleicht ein unrenoviertes Dachgeschosszimmer im 6. Stock (ohne Aufzug) eines Altbaus bekommen. Kalt.
Wen wundert's also: Wenn es sich nicht gerade um Gebäude mit Säulenportikus oder Boulevards handelt, ist Paris eng. Die Bürgersteige der Seitenstraßen sind schmal. Dort finden dennoch die Tische der beengten Bistros, schmalen Bars und winzigen Restaurants Platz, zudem Mülltonnen und Passanten in beide Richtungen. Der Pariser, der es gewohnt ist, schmal zu leben, tigert hier lässig übers Trottoir.

Zebrastreifen: Mehr Zebrastreifen als in Paris geht nicht. Leider sind sie ausschließlich Dekoration. Wenn du als Passant beim Überqueren der Straße (egal ob mit oder ohne Zebra-Deko) keinen Augenkontakt zum Heranrasenden hast: Lauf! Forrest! Lauf!


20 Dinge, die man als Tourist in Paris auf keinen Fall machen sollte (ext. Link)

Freitag, 14. Dezember 2012

Bonner Bombe hatte terroristischen Hintergrund

http://goo.gl/0vYeJ 
Ich beginne mit drei aufpeitschenden Zitaten:
»Mit dem Niedergang des römischen Reiches ging der Niedergang Bonns in der Spätantike und im frühen Mittelalter einher.« (Quelle)
»1949 wurde Bonn überraschend zur vorläufigen Hauptstadt gewählt, 1991 beschloss die Regierung zum Entsetzen der Bonner den Umzug nach Berlin.« (Quelle)
»'Bonn ist halb so groß wie der Zentralfriedhof von Chicago, aber doppelt so tot', lästerte der amerikanische Schriftsteller John le Carré über die [damals] neue deutsche Hauptstadt« (Quelle) - und da war Bonn noch die Kapitale und Regierungssitz der Bundesrepublik Deutschland.
Der Regierungsumzug nach Berlin war in 1991 - das ist übrigens schon was länger her.
Seitdem sank der ohnehin schon arg niedrig stehende Stern Bonns weiterhin kontinuierlich. Viele der jüngeren Bundesbürger (Jahrgang 1985 ff.) wissen gar nicht, dass Bonn überhaupt existiert. Wolfenbüttel - ja. Hückeswagen - ja. Aber "Bonn"? Was soll das denn sein? Vielleicht sollte die BRAVO in ihren nächsten 20 Ausgaben mal einen Bonn-Starschnitt im Maßstab 1:1 beilegen.
Oder: Kennt jemand berühme Bonner?
Nun ja... Da wäre zum Einen der weithin unbekannte und verlachte Barockdichter Johann Möchtegott Klöbel (Blogbeitrag). Auch hörte man vom Dadaisten Theoderich W. Weizenkeim. Und von... nada.
Himmel! Bei meinem Anruf bei der "Auskunftsstelle der Bundesbahndirektion West" war die auskunftgebende Person Frau Penelope Zierfisch-Trester überrascht, dass die Stadt Bonn überhaupt ans Schienennetz angeschlossen sei, geschweige denn, dass sie über so etwas wie einen "Hauptbahnhof" verfüge. Meine weiteren Ermittlungen verliefen im Sande.

Jetzt mal in echt: Welche Birne eines minderbemittelten radikal-islamistischen Vollpfosten-Terrornetzwerkes sucht sich als Ziel für einen Bombenanschlag den Bonner Hauptbahnhof aus? (Artikel)
Das ist irgendwie schon ein bisschen traurig.

Ich habe hier mal ein paar sich zum Abriss lohnende Objekte aufgelistet (bitte vorher räumen lassen, danke): LINK. Und da, wo die herkommen, gibt's noch viel mehr, z.B. LINK.


Mittwoch, 16. Juni 2010

Lifestyle 36 - Duschen in Berlin

"Menschen, die man generell als genussfähig einstufen kann, verrichten ihre tägliche Körperreinigung nicht gerne wie in einem Gefangenenlager."
Diesen aufpeitschenden ersten Satz möchte ich einfach so mal so stehen lassen.

Es begab sich, dass in den 90ern ein Freund von Wuppertal nach Berlin zog.
Ich half ihm beim Umzug.
Als alles Mobiliar im 4. (gefühlten 6.) Stock endlich parat stand, und ich aus meinem Matratzenkoma erwacht war, "gönnte" ich mir eine Dusche.
Naja, "gönnte" war in dem Fall etwas arg opulent angelegt.
Es gab keine Duschkabine, keinen Duschvorhang.
In einer Wohnung, die gerade bezogen wird, ist das sicherlich verständlich...
Würdelos kauerte ich mich in die Wanne. Was irgendwie ausgesehen haben muss, als verneigte ich mich gen Mekka und würde gleichzeitig versuchen, mich vor Granatsplittern zu schützen. Ich fuhr mit dem Brausekopf mal hier hin, mal dort hin. Da, wo das warme Wasser gerade nicht war, bemächtigte sich meiner eine allumfassende Gänsehaut. In diversen entwürdigenden Posen schäumte ich mich ein, spülte mich ab, fluchte, fror.
"Weichei" werden jetzt viele zischen, die bereits mindestens 25 Jahre in einem russischen Gulag gedarbt haben.
Währenddessen verwandelte sich das Bad in ein Feuchtbiotop, in dem Schilf und Amphibien gediehen wären, wenn man sie nur gelassen hätte. Mein rechter Fuß patschte beim Aussteigen aus der Wanne bereits in Froschlaich. Der Badezimmer-Mülleimer dümpelte auf den Fluten, trieb leise in Richtung Tür, wo die Wassermassen sich unter dem Türspalt brausend in den Flur ergossen.
Wohl dem, der eine Haftpflichtversicherung sein Eigen nennt...
Ich war froh, dem zu fliehen!
Wieder zu Hause duschte ich ausgiebig in meiner neuzeitlichen Duschkabine und genoss das futuristische Leben der Schönen und Reichen des auslaufenden 20. Jahrhunderts!
Ein Jahr später besuchte ich meinen Freund.
Die Wohnung war... wohnlich!
Doch ach!
Von einer Duschkabine, von einem Duschvorhang war nirgends eine Spur! Ich ärgerte mich, gleich vier Tage Berlin gebucht zu haben. Und seitdem mehren sich die Hinweise, dass Berliner so etwas wie Duschkabinen und Duschvorhänge überhaupt gar nicht kennen! Weil sie lieber unwürdig kauern und frieren!
Etliche Hauptstadtbesucher zogen mich seither weinend ins Vertrauen, klagten über ähnliche Zustände in Berlin. Vorsintflutliche Zustände, die ganz automatisch zu nachsintflutlichen Badezimmern führen!!
"Et is doch en Elend inne Welt!", sacht de Mutter immer.
In den Slums von Bombay vielleicht, aber in der Hauptstadt Deutschlands?
Vielleicht sollten wir alle wieder wie nach dem Krieg "Notopfer Berlin"-Briefmarken auf unsere E-Mails kleben, bis alle dort in der Nachkriegsmoderne des dritten Jahrtausends angekommen sind.

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P.S.: Meine Lieblingsberlinerin hat als ehemalige Ost-Kanadierin natürlich Duschvorhang. Was bin ich doch für ein Glückspilz! :)