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Freitag, 29. Juli 2016

ru24 Wissen: Expresso und Caffè

photo credit: Connected via photopin (license)

Zeitgenossen, die ein "Internet Kaffee" betreiben, bieten ihren Kunden vielleicht auch zusätzlich zur "Connektivität" auch noch einen "Expresso" an. Das ist alles summa summarum sehr traurig, aber der Ladenbetreiber und sein Kunde merken vermutlich nichts davon.
Andererseits ist es auch nicht immer alles so einfach.

Das Café und der Kaffee heißen in Italien beides "caffè", der Espresso heißt in Frankreich und Portugal tückischerweise wirklich "expresso" mit x, kein Wunder, dass es überall drunter & drüber geht.

Für mehr Ordnung in der Welt:


Deutsch   Italien   Spanien Portugal Frankreich
Internetcafé internet café cibercafé Internet-Café cybercafé
Das Café (Ort) caffè café café café
Der Kaffee caffè café café café
Der Milchkaffee caffellatte café con leche café com leite café au lait
Der Espresso café café café expresso expresso
Erstellt mit dem HTML Tabellen Generator von netgrade


Wenn also ein Zeitgenosse beliebiger Abstammung an einem Ort in Europa ein Internetcafé eröffnen und/oder Kaffeeheißgetränke ausschenken möchte, dann sollte er vorher in den Duden oder befreundete Werke schauen, denn es ist kompliziert.

Dieser Beitrag ist powered by dict.cc.


Donnerstag, 17. September 2015

ru24 Special: PARIS (von â bis z)

photo credit: Tour de Eiffel via photopin (license)

Ampel, Fußgänger-: Erscheint an der Fußgängerampel das grüne Männchen, dann laufen alle Einheimischen in hellen Scharen über die Straße. Beim roten Männchen ebenso.

Bäckereien: Der Boulanger ist auch im dritten Jahrtausend immer noch der Ort, an dem der Franzose seine Knüppelbrote ersteht. Die schleppt er dann bündelweise unterm Arm mit nach Hause, nicht aber, ohne schon an einem herumzunagen. Doch ach! Viele Boulanger sind schon lange eine „Boulangerie et patisserie artisanale“ (Beispiel), ein lichtdurchfluteter Back-Olymp der Herrlichkeiten!!! Hier geben sich Quiche, Eclairs, Macarons und unfassbare andere Leckereien ihr Stelldichein.
Dagegen sind „Butzenbacher Landbrot“ und „Nussecke“ echt finsterstes Mittelalter.

Französische Sprache: Data, der zweite Offizier des Raumschiffs Enterprise (Star Trek TNG), nennt sie „die obskure Sprache Französisch“ und wer wollte diesem messerscharfen Verstand widersprechen (außer Picard)? Wenn man in Paris Métro (U-Bahn) fährt und die geschrieben Stationen auf dem Stationsanzeiger mit dem vergleicht, was da als Station in den Lautsprecherdurchsagen genuschelt wird, dem fällt auf: Man multipliziere einfach die Anzahl der geschriebenen Silben mal „musche“ (sprich: wie in „Garage“). Also aus der Station „Denfert-Rochereau“ der Linie M6 wird die Ansage „musche-musche-musche“. Das verstehen dann wirklich nur Franzosen. Das Ohr des Franzmannes ist also per se aufs Obskure getrimmt. Was nimmt es Wunder, dass der wiederum Touristen nicht versteht, auch, wenn sie sich redlich bemühen mit dem Radebrechen? Der Grund ist, weil sie sich redlich bemühen! Wer also meint, vor seinem Frankreich-Urlaub unbedingt noch einen Sprachkurs belegen zu müssen, kann ruhig auch die VHS-Kurse „Niederländisch“ oder „Portugiesisch“ besuchen, gerne auch „Makramee“, ist eh Latte.

Gastronomie = Unmengen winziger Bistro-Tische dicht an dicht und doppelt so viele schmale Stühlchen. Hier kommt man schon kaum zu seinem Platz, wenn alles noch unbesetzt ist. Die Läden selbst sind zwischen März und Oktober oft leer, da die Kundschaft sich draußen auf den winzigen Sitzgelegenheiten entlang des Bürgersteiges herumdrückt. Hier lässt man sich gerne nieder, denn man wird gesehen und es ist ja auch immer was los: Es hupt und bremst und qualmt und quietscht und flucht. Preislich liegt quasi alles bis 0,25 Liter bei 4,80 €, außer heißer Milch, die kostet 4,20 €. Ist der Laden urst verkehrsgünstig gelegen, d.h., man kann von der Front des Bistros gleich auch noch eine Seitenstraße einsehen und/oder es kommt mit Pauken & Trompeten die Müllabfuhr, dann kostet der Milchkaffee in der ersten Reihe "premier smog" auch mal 5,20 €. In manchen Läden sind diese Plätze zudem ausschließlich für handverlesene Stammkundschaft reserviert.
Nachdem man dir dein einziges Getränk gebracht hat, lässt die Bedienung dich den Rest des Abends links liegen. Vorteil: Man kann einen billigen Abend Wange an Wange mit dem tosenden Straßenverkehr verbringen. Nachteil: Man verbringt einem billigen Abend Wange an Wange mit dem tosenden Straßenverkehr.
Wenn Raum gleichbedeutend ist mit Luxus, dann sind nach Geschlechtern getrennte Toiletten alberner Zierrat. Also gibt's für die Gäste und das Personal nur ein einziges Scheißhaus, eine Klobrille existiert nicht und Hygiene ist Kür, nicht Pflicht.

Hustler: Touristenmagneten ziehen Touris an und diese wiederum Hustler [eng.: Gauner, Abzocker, Falschspieler]. Von dem einen und von dem anderen gibt es in Paris eine ganze Menge. Wovor man sich in Acht nehmen sollte: Scharen von Romas, die versuchen, Gutgläubige zu einer Unterschrift zu bewegen (im Nachhinein hat man alles doppelt). Besonders am Montmartre bedrängen Gruppen von farbigen Herren Touristen, indem sie ihnen ungefragt Bändchen an den Zeigefinger flechten und dann dafür abkassieren. Das ist unangenehm und macht schlechte Laune. Entlang der Seine verfolgen einen Clowns, die einem ununterbrochen unangenehm ins Ohr pfeifen – WTF? Und auf dem Weg zwischen den Trödelmärkten von Saint Ouen treiben fliegende Händler (Stichwort "acht Uhren am Unterarm") und Hütchenspieler (ernstlich!) ihr Unwesen.
Ansonsten sollte man seine Wertsachen immer fein im Auge behalten.

Kaffee: Bestellt man „un café“, bekommt man einen Espresso. Wer einen „café crème“ bestellt, bekommt einen Milchkaffee. Den gibt’s in klein (hat Espressogröße) und groß (kleine Tasse). Einmal habe ich versucht, einen Filterkaffee mit Milch zu bestellen und bekam eine knallvolle Tasse schwarzen Kaffee und ein Kännchen kalte Milch dazu. Haha, ihr lustigen Franzosen! (weiterführender Link)

ÖPNV: Am besten holt man sich einen Wochenpass für die Öffentlichen, dazu benötigt man ein Passbild. Das bringt man am besten von zu Hause mit. Ansonsten gibt es ein bissi nach Pipi riechende Passbildautomaten, die einem in genuscheltem Französisch verklickern, was jetzt gerade mal nicht allzu biometrisch war am aktellen Versuch. Wenns mal wieder länger dauert: Snickers. Zur Anfertigung des Passes z.B. unten im Gare du Nord muss man eine halbe Stunde Schlange stehen, die Frau hinter dem Schalter ist eine Hardcorebürokratin -- aber dann lüppt es immer & überall mit dem Ticket.
Während deutsche Busfahrer warten, bis alle sitzen, drückt sein französisches Pendant sofort noch während des Einsteigens der Fahrgäste beherzt aufs Gas, sodass alle herumpurzeln, vor allem Deutsche, die gerade versuchen, ihr Portemonnaie zu verstauen.

Pariser: Den männlichen Bewohner von Paris erkennt man an der Baskenmütze, der Gitanes im Mundwinkel, dem Glas Pastis und am Akkordeon. Zumindest bis etwa 1950. Pariserinnen von heute sehen alle aus wie Sophie Marceau ("La Boum - die Fête"), die Haarlänge variiert. Leider sind die Bewohner der Hauptstadt nicht synchronisiert, sodass Kommunikation unmöglich ist.

Parks: Dem Franzmann ist es anscheinend erst Park, wenn es mindestens zwei Symmetrieachsen hat, Schnirkel-Schnörkel-Hecken, Golfrasen und diverse Springbrunnen, krustig von barockem Zierrat. Aus der Luft sieht das Ganze aus wie ein (idealerweise quadratisches) Ornament (hier). Müll, Vandalismus, Rasen-betreten-verboten-Betreter und grillende Ghule wie z.B. in Berlin sucht man auf diesen ondulierten & geföhnten Golfrasen-Naherholungs-Kacheln vergebens, dafür sorgt die konsequent durchgreifende Parkaufsicht.
Im Jardin du Luxembourg hat man all diese Pracht und Fülle indes auf die Spitze getrieben – hier gibt es zusätzlich zu allem Überfluss auch noch kostenlose (Liege)stühle, Teiche mit Enten, Boule- und Schachspieler, Mini-Segelboot-Verleih und Büdchen, die warme Quiche veräußern – c'est  bon!

Sehenswürdigkeiten:
Arc de Triomphe: Grundgütiger, das Teil ist so groß wie ein kleiner Mond! Was ich nicht wusste, ist, dass man da oben drauf herumlaufen kann, hier heißt es die 284 Stufen gegen eine grandiose Aussicht abzuwägen. Champs Elysées: Trotz des weithin bekannten Liedes gleichen Namens: Bitte weitergehen, hier gibt’s nichts zu sehen (außer Touris und mördermäßig überteuerte Läden). Disney Land Paris: Für alle, die im Ausland hauptsächlich zu McDonald’s gehen. Hier gibt’s sauberen, turbokapitalistischen Spaß für die ganze RTL-Familie. Eiffelturm: Mon dieu, rockt der! Das gute, alte Stück kann völlig kostenlos besucht werden, wenn man nicht hoch hinaus will. Und die Aussicht wäre ohnehin doof, Paris, so ganz ohne Eiffelturm… Zum Beginn der Dämmerung an den Champs du Mars (Marsfelder) mit diversen artisanalen Patisserieprodukten auf einer Parkbank zuerst der Beleuchtung und dann dem Funkeln des Riesen zu harren, das ist hoch-romantisch. „Stadt der Liebe“ at ist’s best! (Tipp vom frisch Verheirateten.) Louvre: Meine Herren! Schon von außen einschüchternd groß. Die Ausstellungsfläche beträgt 60.000 qm, das sind 15 Fußballfelder. Im Inneren kann man hartnäckige Verklumpungen von Menschen dabei beobachten, Selfies mit der Mona Lisa (einer überschätzten Renaissance-Dame) zu schießen. Marché aux puces in Saint Ouen (puce = Floh): Hierbei handelt es sich um einen, nur von Sa-Mo geöffneten, x Hektar großen (Hallen-)Trödelmarkt, hauptsächlich für Altes & Antikes. Wenn man es an den Hustlern, Hütchenspielern, fliegenden Händlern und arg ambulanten Maiskolbengrillern vorbei geschafft hat, eröffnen sich ungeahnte Wunderwelten. Hier gibt es alles: Von der original Elvis-LP bis hin zu ausgestopften Giraffen in diversen Größen. Auch wenn man nichts kauft: Sagenhaft! Notre Dame: Der Eintritt ist frei, wer allerdings schon einige größere sakrale Gemäuer von innen gesehen hat, findet hier wenig Überraschendes. Spaß macht die ziemlich laute Bandansage in zwölf Sprachen, man solle leise sein. Für 5,00 € kann man die Schatzkammer besichtigen: schon besser! Links am Gebäude endet die Ansteh-Schlange für die 402 (keuch!) Stufen zum Turm – leider ein Muss, schon wegen der berühmten Wasserspeier und des Ausblicks wegen. Père Lachaise: Dieser Friedhof ist „eine Oase der Ruhe, nicht nur der Letzten“ (lesenswerter Artikel) und er sprengt jede Dimension! Man sollte mindestens einen halben Tag dafür einplanen – wenn einem der Sinn nach solchem steht. Hier ruhen Chopin, Edith Piaf, Jim Morrison, Oscar Wilde, Sarah Bernhardt usw., aber: Ohne arg detaillierten Plan ist das die Suche nach der Nadel im Heuhaufen. Place de la Concorde: riesiges Brachland mit einem (1) ägyptischen Obelisken und zwei (2) Springbrunnen eingeklemmt zwischen den Tuilerien (dem Pariser Central Park) und den Champs Elysées. Sacré-Cœur de Montmartre: Sollte man schon wegen des „œ“ besuchen. Am Fuße des Bauwerks gibt es ein altes Karussell (sehr pittoresk), auf dem Weg den Berg hinan wird man hart von (siehe ->) Hustlern angegangen, Montmartre selbst ist sehr schön, leider touristisch völlig über-erschlossen. Versailles: Der Sonnenkönig wohnte urst pompös aber auch außerhalb: Das ist ein Tagesausflug.

Stoppschild: In Paris gibt es genau so viele Stoppschilder wie Eiffeltürme, nämlich eins (1). Wer es schafft, das zu überfahren, der darf es behalten. (Link)

Straßen-Verkehr: In Paris ist kein Ort weiter als 500 m von einer U-Bahn-Station entfernt. Dennoch fahren die Pariser mit beachtlichen Mengen Motorrollern und verbeulten Autos mit mit Gaffer-Tape angeklebten Außenspiegeln in der Gegend herum. Sobald ein Fahrer einen Parkplatz findet, dann parkt er beherzt auf Gehör ein, auch, wenn das gar nicht nötig wäre, weil genügend Platz ist: der berüchtigte automobile "french kiss". Französische Autos sehen oft aus wie alte Golfbälle – nicht nur vorne und hinten.
Ein Faszinosum sind die riesigen Kreisverkehre der Städte: Sie sind gefühlt achtspurig, haben bis zu acht Zu- und Ausfahrten, dafür kommen sie ohne eine einzige Linie auf dem Asphalt aus. Das sich dem deutschen Touristen bietende Ballett aus tollkühnen Radfahrern, beherzten Moped-Piloten, wagemutigen Autofahrern und LKW-Schwerlast-Akrobaten ist Schwanensee in der praktischen Anwendung.
Passiert doch einmal ein Auffahrunfall, dann beschauen sich die beiden Monsieurs direkt vor Ort hoch entspannt das Malheur. Hat ihr verschrammtes Gefährt signifikant gelitten oder macht eine Beule mehr den Braten nun auch nicht mehr fett? Meist trennt man sich einvernehmlich.

Touristen: 30 Millionen von ihnen wimmeln jährlich durch Paris. Manchmal verfangen sich ihre Selfie-Sticks oder sie erzeugen aus der Ferne gesehen stachelschweinartige Strukturen mit ihren Selbstbildnis-Stangen (Abbildung). Zu einem großen Teil sind es hoch enthusiastische Asiaten, die versuchen, Selfies mit sich selbst vor [ALLEM] aufzunehmen (auch wenn ihr(e) Partner(in) daneben steht). Der Rest ist eine bunte Mischung aus südländischen Paaren ("sie" wabert mit Mörder-High-Heels über das Katzenkopfpflaster von Montmartre), erwachsene Disney-Enthusiasten mit Mickey-Ohrenmütze, die sich damit zum Vollhorst machen, Leute mit angeleinten Kindern und sonstige Vögel (moi).

Währung: Frühstück für zwei: 32,00 €, ein kleines Bier 4,80 €. Aufgemerkt: In Paris zahlt man mit dem französischen Euro. Dadurch wirkt vieles sehr teuer – eine Illusion.

Wohnen: Wer denkt, dass Wohnen in Köln teuer ist ("suche 4-Zimmer-Wohnung für bis zu 1.500,00 €"), der würde für die paar Piepen in der Stadt der Liebe vielleicht ein unrenoviertes Dachgeschosszimmer im 6. Stock (ohne Aufzug) eines Altbaus bekommen. Kalt.
Wen wundert's also: Wenn es sich nicht gerade um Gebäude mit Säulenportikus oder Boulevards handelt, ist Paris eng. Die Bürgersteige der Seitenstraßen sind schmal. Dort finden dennoch die Tische der beengten Bistros, schmalen Bars und winzigen Restaurants Platz, zudem Mülltonnen und Passanten in beide Richtungen. Der Pariser, der es gewohnt ist, schmal zu leben, tigert hier lässig übers Trottoir.

Zebrastreifen: Mehr Zebrastreifen als in Paris geht nicht. Leider sind sie ausschließlich Dekoration. Wenn du als Passant beim Überqueren der Straße (egal ob mit oder ohne Zebra-Deko) keinen Augenkontakt zum Heranrasenden hast: Lauf! Forrest! Lauf!


20 Dinge, die man als Tourist in Paris auf keinen Fall machen sollte (ext. Link)

Dienstag, 17. Dezember 2013

Nichtswürdige Winz-Gebäcklinge

Milchkaffee by manu&emma
Milchkaffee, a photo by manu&emma on Flickr.

Ich sage es mal klar und deutlich: 1984 bekam man bestenfalls mal einen Cappuchino als Alternative zu Kaffee. Wenn man den "Cappu" dann auch noch "auf dem Land" bestellte (z.B. in 5608 Radevormwald oder 5600 Wuppertal), dann bekam der unglückliche Besteller eine Tasse schwarzen Kaffee plus Sprühsahne plus 0,07 g Kakaostäubchen oben drauf. Ein widerliches, nichtswürdiges "Heißgetränk nach Art Cappuchino", das mir mehr als einmal die Schuhe ausgezogen hat! Das Beste daran war mit Sicherheit das Plätzchen, das die Bedienung natürlich "von Hand" auf die Untertasse gelegt hatte, ein "echtes" Danish Butter Cookie aus einer runden Blechdose von Aldi, Lidl & Co. Mein persönliches Highlight waren immer die Kringel oder Bretzelförmigen mit den Zuckerkristallen rundum.
Ich hatte mal eine Freundin, die ließ die Cookies unverständlicherweise aus sog. "hygienischen Gründen" immer liegen - Muahahaha!!! - gerne, ich esse auch zwei! Bald setzte sich aber leider wegen solcher hyperhygienischen Mäkelliesen deshalb der eingeschweißte Spekulatius durch, trotz der prozentualen Übermacht der Jahreszeiten Frühling bis Herbst - man bemühe sich einmal des Gedankens ob dieser Tatsache!
Die Jahreszeiten flogen nur so dahin, und Cafés und Bars schafften sich sündhaft teure Lattepressomaschinen an. Geräte mit Brühgruppen, die auf so wohlklingende Namen wie "Faema E61" hören (Link). Von nun an gab es sogar diverse Espressi (einfach, doppelt, Macchiato), Ristretti, italienischen Kaffee, Milchkaffee, Latte Macchiato und ECHTEN Cappuchino. Und natürlich weitere 45 coffeeinhaltige Nischenspezialitäten, die man gar nicht für möglich halten würde - bis hin zu Heißgetränken aus Kaffebohnen, die schon von einem katzenartigen Viech verdaut worden waren - vor dem Röstvorgang...
Eigentlich hätte jetzt für immer alles ganz wunderbar sein können - die Moderne war angebrochen!
Doch ach! Nun kamen irgendwelche sehr, sehr kranken Schnösel auf die Idee, Amarettinis an den Untertassenrand zu legen.
Amarettinis.
Brrr!
Hallo?
In der Giotto-Werbung von Anno Hassenichtgesehen heißt es: "Giotto: Kleiner dürfen sie wirklich nicht sein!" Eben! Und ein Amarettini ist nur halb so groß wie so eine schon per se völlig beknackte "Minigebäckkugel"!
Ein solches bösartiges Winz-Gebäcktteil zerstäubt beim Zerbeissen zu einer zementartigen Masse, die einen ganzen Backenzahn wirklich vollständig verstopft, so dass man minutenlang total autistisch mit der Zunge dran rumporkeln muss. Geschmacklich bekommt man währenddessen eine vage Vorstellung davon, wie sich degenerierte Schergen der chemischen Industrie "Marzipan" vorstellen. Meistens hat man nach diesem niederschmetternden Erlebnis dann auch noch zwei bis drei weitere dieser nichtswürdigen Winz-Gebäcklinge auf dem Tellerchen liegen - würg!
Danke!
Toll!
Fuck.
Von der Nichtswürdigkeit dieser fiesen Kackteile her würden sie indes wunderbar zu dem 1984er sog. "Cappuchino" passen...
Boah!
Mir wird schlecht.
Hallo?
Geht denn nicht wenigstens wieder ein singuläres "Danish Butter Cookie" wie in der guten, alten Zeit, mein Gott, ja, gerne auch "von Hand"!?
Büttö!!!


Dienstag, 7. Mai 2013

Queen Mom 25 - Milch

http://goo.gl/f8daS
In 2009 bin ich mit Queen Mom in Urlaub gefahren. Abflug (Blogbeitrag) und Ankunft (Blogbeitrag) waren am Frankfurter Flughafen. Dazwischen waren wir zwei auf der AIDA in der Karibik -- not so bad!
Für de Mutter war et vor allem wichtig, dat se ihr Kaffeetrinken bekam - die wichtigste Mahlzeit des Tages so wollt et scheinen! Dat hängt irgendwie mitm Alter zusammen...
Eines Nachmittags waren wir im Restaurantbereich des Schiffs, hatten schon Kaffee & Kuchen - zum Glück fehlte uns beiden nur noch die Kaffeemilch dazu. Und manchmal ist der Wurm drin, selbst in einem so feudalen Umfeld wie der AIDA, denn ich fand weder welche am Nachbartisch noch an denen daneben. Die vier Kännchen an der Kaffeebar waren komplett leer, so begann ich, weitere Kreise zu ziehen. So langsam weitete sich das Problem zu einer Krise aus, keine Ahnung warum! Zuletzt fand ich ein zu einem Viertel gefülltes Kännchen irgendwo j. w. d. - stolz eilte ich mit der Trophäe zum Tisch zurück.
Queen Mom, die ja ohnehin nie, nie, nie 'danke' sagt (auch nicht, wenn sie Geburtstag/Weihnachten etwas geschenkt bekommt, et is ja alles immer sowas von selbstverständlich), krallte sich das Kännchen und leerte es mit einer beherzten Handbewegung komplett in ihre Bechertasse.
"Äh...", sagte ich, der ich wartend vor meinem tiefschwarzen Gebräu saß.
De Mutter nippte unbeteiligt wenngleich zufrieden an ihrem Kaffee, sie sah mich nicht einmal an.
"Tja. Dann hole ich mir jetzt auch mal Milch!", sagte ich etwas beißend und stand wieder auf.
"Ja. Ist gut!", sagte de Mutter ironie-resistent.
Herrlich, de Königin Mutter!
So ist das eben, wenn man mit gekrönten Häuptern unterwegs ist.


Mehr "AIDA mit QM": Blogbeiträge


Montag, 2. Juli 2012

Bürogeplänkel 35 - Jura HAL 9000

bit.ly/KW3b6n
Nachdem unser alter, hochdekorierter Jura Kaffee-Vollautomat (Blogbeitag) die Grätsche gemacht hat - spektakulär mit einer kleinen Verpuffung wie ein minimalistischer Dschihadist - bekamen wir ein neues Gerät.
Jura HAL 9000.
Das ist STATE OF THE ART! Nicht nur, dass er Bluetooth und ein grafikfähiges Farb-Display hat, sondern er hat auch auch ein großes, rotes, allessehendes Auge (wie sein großer Bruder aus "2001 - Odyssee im Weltraum", Link).
Die erste Begegnung war bereits beeindruckend.
"Guten morgen, Dave", sagte der Kaffee-Vollautomat mit angenehm synthetischer Stimme, als ich mich annäherte.
"Äh, ich heiße Henning", sagte ich.
"Ah, sehr gut, Henning! Was kann ich für dich tun? Du siehst müde aus."
"Es ist Montag... Kaffee?", fragte ich eingeschüchtert.
"Es tut mir Leid, Henning, aber das kann ich nicht tun. Du benötigst etwas mit mehr Kick. Ich mache dir stattdessen einen Ristretto Doppio", sagte HAL 9000 und legte los.
"Ristretto?"
"Ristretto ist ein Espresso mit verringerter Wassermenge, Doppio heißt 'doppelt'", erklärte die Maschine, während das Filtrat dampfend in meine Tasse einlief.
"Äh, ... danke."
"Dein Kaffee-Heißgetränk ist nun fertig. Ich hoffe, es belebt dich angemessen."
"Danke..."
"Ich arbeite gerne mit Menschen, Henning."
"Ich auch."
Ich ging mit dem hochschwarzen Getränk zu meinem Arbeitsplatz zurück. Da war sie schon, die Facebook-Freundschaftsanfrage von "HAL 9000".
Wow.
Ich werde sie wohl kaum ausschlagen können.
Das Ding hat mich in der Hand.


Sonntag, 10. Juni 2012

Fragen an ru24: Kännchen

bit.ly/Kte7ox
Anne A. aus L. fragt: "Lieber Dr. Mühlinghaus, wieso bestellen ältere Damen immer ein Kännchen Kaffee? Obwohl im Pott Kaffee genauso viel Kaffee serviert wird!? Und ist dies typisch Deutsch?"

ru24 antwortet: Liebe Anne,
wir leben nun einmal in einem Land, in dem "Draußen nur Kännchen" einen höheren Stellenwert hat als "Einigkeit und Recht und Freiheit". Während an letzterem ständig arg herumgedoktort wird, ist das Erste ein unabänderliches und wie in Eisen gegossenes Motto über dem Torbogen jeder ländlichen Außengastronomie.
Damen, also höchstwertigen Frauen, geht es nicht um "draußen" oder "drinnen", sie trinken ihren Caffee (mit C) ausschließlich aus Porzellantassen. Am liebsten aus Porzellantassen mit einem Ohr, durch das nicht einmal Frau Geheimrätin den Finger stecken kann, siehe "Sammeltassen" (Link). Und um sicher zu gehen, dass sie unter keinen Umständen den proletarischen "Pott" (siehe auch "Ruhrpott") bekommt, muss Frau Geheimrätin nun einmal ein Kännchen, pardon, ein Cännchen Caffee bestellen.
Um die Menge Heißgetränk geht es hier doch gar nicht, sie trinkt ihren Caffee ja auch nicht, weil sie Durst hat.
Das ist so deutsch wie irgendwas.


Donnerstag, 29. Juli 2010

Bürogeplänkel 22 - Hektik machen


Kaffeepause
Originally uploaded by SoNo_Polarbear
Ja, in der Firma ist zurzeit viel los. Ein europaweiter Massenausfall läßt quasi buchstäblich alle Kunden anrufen. Trotzdem kann man ja wohl mal in der Küche vor dem edlen Jura-Kaffee-Vollautomaten stehen und sich die Tasse mit frischem koffeeinhaltigen Aufgussgetränk füllen lassen! Ich nutzte die Zeit für einen kleine Meditation.
Der Kaffee lief, 100 ml.
Eine Kollegin hastete heran, sah mich in meiner meditativen Untätigkeit und befand, sich darüber ärgern zu müssen.
"Na, du hast ja die Ruhe weg!", giftete sie.
Der Kaffee lief, 150 ml.
"Hmmm!", sagte ich unbestimmt.
Der Kaffee lief, 200 ml.
Die Kollegin zog zischend von dannen.
Der Kaffee lief, 250 ml - fertig.
Ich nahm meine Tasse und ging gemessenen Schrittes zu meinem Platz zurück.

Ich denke, auch hektisches Kaugummikauen oder das Lösen eines Sudokus während der Füllzeit hätte sie nicht zufriedengestellt, ebenso wenig wie Seilchenspringen oder Liegestütze. Ich sollte vielmehr den Knopf an der Maschine drücken, während der Kaffee läuft zur Toilette hasten, im Stehen scheißen, zurückeilen, die Tasse unter der Maschine wegzerren und wieder zu meinem Platz eilen, den nächsten Anruf entgegennehmen - das alles binnen 45 Sekunden.

Irgendwie bin ich froh, nicht bei der chinesischen Firma Foxconn iPhones zusammentackern zu müssen. Unter Arbeitsbedingungen, die meiner Kollegin sicherlich gefallen hätten, mich aber vielleicht in den Selbstmord treiben würden (Link).

Ich nippe stattdessen an meinem Kaffee - ich "hab ja die Ruhe weg" - nehme dann den nächsten Anrufer entgegen.
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Samstag, 24. Oktober 2009

Hilferuf!


Extraterrestrial visitor
Originally uploaded by Markusram
Nun ja. Normalerweise würde ich jetzt spotten.
Normalerweise.
"1992 veröffentlichte das amerikanische Meinungs-Forschungs-Institut Roper eine Umfrage, nach der 3,7 Millionen Amerikaner Opfer einer Entführung [durch Außerirdische Besucher] gewesen seien". (Quelle)
Aber in letzter Zeit häufen sich bei mir die seltsamen Begebenheiten:
1) Ich fülle in der Küche Kaffee in die Kaffeetasse, nehme sie mit zum Rechner im Arbeitszimmer und setze mich. Ich schreibe etwas, kommentiere das eine oder andere bei Facebook. Dann schaue ich nach der Tasse - sie ist LEER! Verdammt! Sie hat kein Leck und ich bin wirklich alleine in meiner Wohnung, ehrlich! Ich habe keine Erinnerung daran, etwas getrunken zu haben! Verärgert gehe ich sie nachfüllen: wieder das Gleiche!
2) Arbeitstag. Ich stehe 7.32 Uhr auf, trübes Oktoberlicht funzelt in meine Wohnung, ich wanke unter die Dusche, wasche mich. Ich stelle das Wasser wieder ab, komme in mein Schlafzimmer zurück und es ist 7.57 Uhr. Hey! Verdammt, ich habe doch nicht die ganze Zeit geduscht!
Ich habe keine andere Erklärung dafür: Ich bin das Opfer einer Mikro-Entführung geworden!

Kann es helfen, wenn ich, während ich meinem Kaffee trinke oder dusche, ein Alufolienhütchen gegen Gedankenkontrolle durch Aliens trage?
Und wenn das alles wirklich unumgänglich ist, dann erkläre mir bitte mal einer, wo & wie ich diese sexuellen Experimente beantragen kann!

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