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Sonntag, 5. Mai 2019

Große ru24-Verlosung zur Primark Eröffnung in Wuppertal!



"Ich kaufe einfach lieber teure Markenklamotten als bei
Primark, weil ich mich moralisch überlegen fühle, wenn ich
höhere Gewinnmargen für die gleiche Kinderarbeit zahle."
@akira86, Twitter


AUF 4.500 m² VERKAUFSFLÄCHE BIETET DER PRIMARK WUPPERTAL AB SOFORT AUF ZWEI STOCKWERKEN SEINE WAREN AN:
  • Parterre: "BANGLADESH"
  • 1. Stock: "VIETNAM, INDIEN & NEPAL"


GROSSE ru24-VERLOSUNG


JEDE 100. KUNDIN DES WUPPERTALER PRIMARK KANN BEI EINEM UMSATZ AB 10,00 EUR (z.B. 2 Jeans) IM ERÖFFNUNGSMONAT EINEN EINJÄHRIGEN AUFENTHALT IM EXOTISCHEN BANGLADESH GEWINNEN!!! 
(Es gelten die fortlaufenden, durch 100 teilbaren Kassenbon-Nummern xx-00100 bis xx-02000, der Rechtsweg ist ausgeschlossen)
WIR FREUEN UNS AUF UNSERE MAXIMAL 20 GEWINNERINNEN!!!

  • DU BIST EINE GEWINNERIN?
  • 02.10.2019: Fliege ab Düsseldorf bequem 2. Klasse nach Bangladesh!
  • Erlebe bereits bei der Ankunft am Flughafen in Dhaka den prekären Charme der Rückständigkeit!
  • Unser freundlicher Shuttle-Service fährt dich und die 19 weiteren Gewinnerinnen mit einem liebevoll wieder und wieder behelfsmäßig restaurierten Bus zu eurer zukünftigen Wirkungsstätte! Auf einer alten Kiste sitzend könnt ihr durch mit Klebeband geflickte, fettige Fenster dem bunten Treiben auf den Straßen zusehen! Fahrräder, Mofas, Rikschas, Lastkarren und alte Busse erzeugen einen unbeschreiblichen Tumult! Die Feinstaubbelastung ist schon jetzt nicht von schlechten Eltern, dagegen ist Gelsenkirchen ein Luftkurort! Präge dir alles ein, denn in den nächsten 365 Tagen wirst du nur 52 halbe Tage frei haben!
  • Jetzt heißt es nähen, bis es brennt! Man erwartet von dir, nach einer kurzen Anlernphase, einen Arbeitsschritt an 250 T-Shirts pro Stunde zu nähen (z.B. das Annähen eines Ärmels), das sind 14,4 Sekunden pro Teil. Klingt unglaublich? Na, du wirst dich wundern! Toilettengänge während der Arbeitszeit sind von nun an Sozialromantik aus Science Fiction-Filmen.
  • Schluss mit dem leidigen Individualismus! Werde eine von 3,5 Millionen Ausgebeuteten in einer von über 7.000 Fabriken! Du arbeitest von 8.00 Uhr bis 22.00 Uhr und verdienst damit 5.100 Taka pro Monat (ca. 50,00 €) (Link).
  • Warum bei der Ausbeutung deiner Arbeitskraft Schluss machen? Erlebe vielleicht erstmalig in deinem Leben das archaische Gefühl des Ausgeliefertseins! Schläge und sexuelle Übergriffe können hier jede treffen, senke zu deinem eigenen Schutz den Blick, den Kopf, sei einfach bienenfleißig!
  • Warst du früher schon einmal einsam? Ob im siebten Stockwerk der Textilfabrik mit seinen 300 Frauen, mit 50 Frauen im Waschraum, zu 70 in der über-rustikalen Unterkunft, wo Frauen, Mädchen und Kinder schon fast übereinander schlafen, auf dem archaischen Donnerbalken ohne Sichtschutz oder auf der Straße: Begriffe wie "Einsamkeit", "Alleinesein", "Einzelgängerisch" sind hier so grotesk deplatziert wie "Arbeitsschutz", "Luxus", "Individualität" oder "sexuelle Selbstbestimmung".
  • Amöbenruhr? Scharlach? Skorbut? Erlerne am eigenen Leib faszinierende Krankheiten, die in unserer modernen Welt längst als "Folklore aus Urgroßmutters Zeiten" gelten. Natürlich werden dir Krankheitstage großzügig vom Lohn abgezogen! Und sei bitte vorsichtig: Krüppel füttert hier keiner durch.
  • An deinem freien halben Tag pro Woche (der jederzeit je nach Auftragslage -- oder auch mal einfach so, ohne Angabe von Gründen -- entzogen werden kann) kannst du die Schönheiten der Stadt besichtigen. Miete dir für einen halben Tagslohn (80 Taka) eine Rikscha und fahre raus aus dem Industrieslum, mitten hinein ins dampfende Herz der Metropole! Beobachte am Fluss, wie Kinder für das Zementwerk Steine klopfen! Oder vielleicht läßt du dir für einen viertel Monatslohn in einem nach Verwesung stinkenden Hinterhof den vereiterten Backenzahn ziehen, der dich seit Wochen nicht schlafen läßt.

Wie schnell doch so ein Jahr vergeht! Wenn du nach deinem PRIMARK-Erlebnisjahr wieder in Deutschland ankommst, werden deine Familie und Freunde aus dem Staunen nicht mehr herauskommen! Du sprichst fließend Bengali, kannst ein komplettes T-Shirt in 1 Minute nähen und in unter 1,2 Sekunden falten. Zeige allen stolz deine 23 cm lange Blinddarmnarbe, die noch immer nässt!

Stehe in Zukunft mit einem Protestplakat vor dem PRIMARK und versuche hohle, kleine Turbokapitalismus-Bitches davon abzuhalten, für einen Appel & ein Ei minderwertige Klamotten zu kaufen, die in Sklavenarbeit enstanden sind.


Weiterführende Links: krass, heftig, unglaublich.


Samstag, 25. Juli 2015

Wir sind TEPCO

photo credit: Berlin Bundestag (unsharp) via photopin (license)

Die beliebte Firma TEPCO, das japanische Energieversorgungsunternehmen, welches für die Fukuchima-Katastrophe verantwortlich zeichnet, hat letzte Woche verkündet, dass die Atomenergie für Japan noch immer die kostengünstigste Art der Energiegewinnung ist. Und hey! Die Rechnung geht sogar auf, wenn man die Entsorgung des strahlenden Mülls und etwaige, ein bissi lästige Mega-Katastrophen und deren Beseitigung völlig außen vor lässt (und somit die wahren Kosten nicht internalisiert).
Respekt: Die Jungs von TEPCO haben echt Samurai-Eier!


Wie ist es denn bei uns?

Kleidung: Da wird die usbekische Baumwolle unter grässlichen Bedingungen angebaut, bewässert mit Grundwasser, dessen Spiegel sinkt und sinkt, derweil die Anbauflächen verzalzen, ganze Landschaften verkarsten. Zur Ernte knechtet die usbekische Regierung notfalls auch Studenten als Zwangsarbeiter. Die Baumwolle schafft es nach Pakistan, wird von Kindern gefärbt, von Kindern gesponnen, gewebt, in wackligen Sweat-Shops in 16-Stunden-Schichten, in denen man nichtmal pissen gehen darf, zu Kleidung verarbeitet, den weiten Weg zu uns gekarrt um dann in solchen Arschloch-Läden wie PRIMARK als T-Shirt zu 3,00 EUR zu verenden. Auch hier geht die Rechnung nur auf, wenn man die Arschloch-Kosten nicht internalisiert: Wenn man hier Beträge für landschaftenweite Umweltzerstörung, Sklaverei in gleich mehreren Staaten und den CO2-Ausstoß in das Shirt mit einbeziehen würde, dann könnte man es vielleicht gerade für unter 40,00 EUR bekommen. Aber so wirft die kleine PRIMARK-Bitch es vielleicht nach dem ersten Tragen weg -- warum waschen? War ja speibillig!
Und nie, nie, niemals würden meine hochwerten Kolleginnen Kleidung tragen, die bereits ein anderer Mensch zuvor getragen hat.

Fortbewegung: Noch heute gilt es in Deutschland als angesehenes Hobby, fossile Rohstoffe in Lärm, Gestank und CO2 zu verwandeln, was in etwa so zeitgemäß ist, wie Walfang, Elefantenjagd, Rauchen auf der Säuglingsstation oder Formel 1. Die Leute fahren noch im dritten Jahrtausend ernstlich mit ihren Hobby-Traktoren(!), Autos und Motorrädern (Blogbeitrag) "einfach so" in der Gegend herum, fahren SUV, amerikanische Dodge RAM, Hummer (am besten gelb lackiert mit Protzo-Klotzo-Alufelgen -- Muahaha!) oder basteln sich Sportauspuffanlagen unter ihre Karren, als wäre der scheiß Lärm, den ihre Ruhestörung auf Rädern damit emittiert, etwas Wunderbares und Wünschenswertes. Auch hier: Arschlochkosten bitte dringend internalisieren! 

Lebensmittel: Wir kaufen Wein aus Kalifornien, Chile und Australien, Birnen aus Argentinien und Knoblauch aus China -- weil es bei Penny im Angebot ist, wir essen jeden Tag Fleisch vom Discounter und wissen im Grunde alle, wie die Haltungsbedingungen für die armen Schweine (und Hühner und Puten und Rinder) sind, nur die Videos dazu können wir nicht ertragen. In Indonesien wird der Regenwald gerodet, um ihn mit Palmölplantagen in riesige, landschaftsweite Monokulturen zu verwandeln (lesenswert: Spiegel), in denen nichts mehr lebt, damit die Lebensmittelindustrie der Erste-Welt-Länder das Palmöl überall reinpanschen kann, weil es preiswerter ist als Rapsöl -- wieder nur, wenn man die Arschlochkosten nicht internalisiert.

Wo ist ein Staat, der endlich mal die Arschlochkosten mit Straf-Steuern und Straf-Zöllen für uns internalisiert?, denn wir alle zusammen benehmen uns wie dumme Kinder im Süßigkeitenladen.
Wir sind Deutschland.
Wir sind TEPCO.
Ich auch.


Lesetipps:
Leo Hickman - Fast nackt
Sarah Schill - Anständig leben


Mach mit:
http://slaveryfootprint.org/


Montag, 16. Februar 2015

fimschige Teile

photo credit: Alessi Kitchen Timer via photopin (license)

Endlich, die Moderne!
Alles scheint möglich -- außer Fusionsenergie und Weltfrieden!
Doch ach! Während Smartphones immer brachialere Leistungsdaten bekommen, verliert das goldene Zeitalter der Mechanik täglich an Boden!
  • Ich koche gerne, aber Zwiebeln hacken ist nicht gerade ein Hobby von mir. Also dachte ich alte 80, ich kaufe mir einfach einen Zick-Zick-Zyliss Hacker - für irgendwas musste der ganze Werbefernsehenkonsum in den 80ern doch gut gewesen sein! Doch die Rezensenten des Zick-Zick-Zyliss Hackers auf Amazon lehrten mich eines Besseren. Das Teil wird jetzt nicht mehr von famosen Eidgenossen in einer Schweizer Präzisions-Manufaktur hergestellt, sondern im Asia-Sweatshop zusammengekloppt und hält jetzt keine 30 Jahre mehr, sondern nur noch 30 Tage.
  • Wer noch einen Aufzieh-Küchenwecker sein Eigen nennt, kennt die Problematik. Ist das Teil vor 1985 hergestellt worden, ist ja alles gut. Die Mechanik im Inneren (aka "Zahnräder") ist komplett aus Metall und somit im Grunde unzerstörbar. In 2015 kann solches leider niemand mehr herstellen, scheinbar nicht mal mehr der ansonsten so robuste Russ. Auch wenn die Außenhülle Wertarbeit und Unnachgiebigkeit verspricht, so ist das Innere der Küchenweckers qualitativ mittlerweile weit unterhalb eines "Yps-Gimmicks" anzusiedeln.
  • De Oppa hatte Anno 1982 eine Pillendose "Mo-So, Morgens/Mittags/Abends/Nachts", mit der hätte man auch mal einen Nagel in die Wand schlagen können, wenn einem der Sinn danach gestanden hätte. Bestellt man heute so ein Teil "in diesem Internet", so bricht dat fimschige Kläppchen vom Donnerstag spätestens inner zweiten Woche ab, auch ganz ohne Arthrose inne Finger.
  • Den Eierpieker (ja, ich pieke Eier vor dem Kochen und möchte das nicht diskutieren), den die Liebste anschleppte, war nicht einmal mehr aus Plastik: Hier handelte es sich um ein unbeschreiblich disfunktionales, unwertes Plastik-Imitat.
Wo gibt's noch Qualität? Leider nur noch auf Trödelmärkten. Da kann man dann die ganzen guten Sachen noch kaufen: Zwiebelzerkleinerer, die nochmal 30 Jahre funktionieren, der unzerstörbare Küchenwecker vonne Omma un de Pillendose vonnem Oppa (mit ein paar Kratzern dran vom Nägel einschlagen).
Wichtig ist hier das Alter: Es sollte immer Vorkriegsware ein, wobei es relativ egal ist, auf welchen Krieg man sich hier zwischen 1985 und 1960 bezieht.



P.S.: Das gleiche Schicksal ereilten die einst so urst robusten Klappkisten für Einkäufe, da geht auch nur noch Vorkriegsware (Golfkrieg II).



Freitag, 2. März 2012

www 17 - Datenschutz

http://bit.ly/w6laya
Es gibt allerlei schützenswerte Daten in meinem Leben:
Mein Geburtsdatum: Tipp: Wenn man zu recht den Alptraum Identitätsdiebstahl fürchet, sollte man sein Geburtsdatum nicht an jeder Ecke posten (wie bei Facebook usw.). Lesenwert: (Link).
Meine Bankverbindung: Tipp: Tatsächlich reicht die aus, um auch ohne Geheimzahl ganz leicht Geld von meinem Konto zu zocken (Link).
Meine EC-Geheimzahl: jaja
Meine Kreditkartennummer: Da brauchen wir nicht drüber reden, oder?
Meine Adresse: Die braucht auch nicht jeder zu haben, es sei denn, man steht auf Stalker, die nachts am Briefkastenschlitz schnüffeln.
Meine Handynummer: nö. Das Teil nervt schon so genug.
Krankenkassendaten, Sozialversicherungsnummer usw. behalte ich auch für mich, klar.

Ja: In allen vorgenannten Fällen möchte ich gerne Datenschutz beantragen!

Aber hey!
Was für ein Skandal, wenn das Smartphone Bewegungsprofile von mir speichert! Mal ehrlich: Wen interessierts? Es sei denn, man gehört zur al-Qaida Schwäbisch Gmünd (Link).
Was für ein Skandal, wenn die Kleidung, die ich mir kaufe, frisch ab Werk noch RFID-Tags enthält, die man mit entsprechenden Scannern (wenn man denn nur einen hätte) auslesen könnte. Damit könnte man dann, wenn einem der Sinn danach stünde, Teenager-Passantinnen scannen und ermitteln, dass ihre Klamotten von H&M und in Bangladesh in einem Sweat-Shop von 13-jährigen Mädchen zusammengekloppt worden sind - voll die totale Super-Duper-Überraschung!
Was für ein Skandal, wenn die Bundesregierung eine Volkszählung machen will, um herauszufinden, wen sie da eigentlich regiert! Sofort schreien alle: VOLKSZÄHLUNGS-BOYKOTT!!! (Und gründen stante pede eine Facebook-Gruppe "Volkszählungsboykott sofort!" - Muahahaha!) Danach beschweren sich alle, dass die Bundesregierung wieder mal voll am Bürger vorbei regiert. Merkt da einer noch was?
Was für ein Skandal, wenn die allmächtigen Internet-Werkzeuge, die ich Tag für Tag benutze, meine Daten speichern und damit die Hilfestellung, die sie mir leisten, kontinuierlich verbessern! Unerhört! Google ist so eine schlimme Datenkrake!!! Wenn dagegen Amazon uns Tipps gibt, welche Bücher uns auch interessieren könnten, dann ist das aber voll OK.
Was für ein Skandal, dass Facebook meine persönlichen Daten vertickt und sogar das Recht an meinen hochgeladenen Bildern innehält! Die werden die Fotos, die ich 2005 von den verschneiten Brombeerbüschen gemacht habe, für 6,6 Mio. US$ ans Museum of Modern Art, NYC verhökern und ich gehe mal wieder leer aus!
Na klar...

Also ehrlich, Leute, wenn ihr paranoid seid, dann lasst das doch einfach alles!
Alternativ kann Nachdenken helfen. Auch, über die Rolle der Medien. Die haben euch nämlich mal wieder aufgehetzt. Davon leben sie.

Alternativen:
Handy: Weder iPhone noch Android-betriebene Systeme bieten 100%-ige Sicherheit. Also holt den alten NOKIA-Knochen von 1996 wieder raus (Nokia 1610, Link).
Soziales Netzwerk: geht zu Diaspora (Link). Da ist zwar keiner, aber eure Daten sind sowas von sicher.
Suchmaschine: Benutzt doch eine Metasuchmaschine, die eure Daten erst gar nicht speichert, ihr nervösen Vögel (Link).
Datensicherheit: Wie wärs mit verschlüsseln? (Link)
AV & Firewall: Hier gibts die Testsieger (PC) kostenlos: (Link) und (Link).
Gedankenkontrolle: bastelt euch lustige Hütchen aus Alufolie, das macht auch sicher vor Sozialkontakten (Link).