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Sonntag, 14. Januar 2018

ru24 future: Fernsehserien, die zu meinem Alter passen (1976-2053)

photo credit: maxelmann via photopin (license)

1976 lief auf ARD die sechsteilige Minisierie "Das Haus der Krokodile" mit Thommi Ohrner in der Hauptrolle -- nerverzerfetzend spannend!
"Während seine Eltern im Urlaub sind, will der zwölfjährige Victor Laroche (...) das Geheimnis um den Tod eines Mädchens lüften, das 20 Jahre zuvor im gleichen Haus über ein Treppengeländer stürzte." (Link)
Mit 11 war ich sowas von die Zielgruppe -- bibber!

ZDF zeigte 1995 die Miniserie "Um die 30", leider nur 7 Folgen.
"Die einen kurz vor dem Anfang einer Ehe, die anderen kurz vor dem Ende. Beziehungskrisen, Kinderwünsche und unsichere Geschäfte sorgen für ein buntes Durcheinander in dieser (...) Komödie voller (...) Charakterfiguren." (Link)
Mit 28 war ich sowas von in der Zielgruppe!

"Der Lack ist ab" (2015 ff.) ist eine deutsche Serie mit Kai Wiesinger und Bettina Zimmermann und läuft mittlerweile in der vierten Staffel auf Amazon Prime.
Protagonist Tom ist knapp über 50, ständig stehen neue Herausforderungen ins Haus: Lesebrille ja oder nein?, Testament machen pro und contra, wie gehe ich damit um, dass mein pubertierendes Kind ohne mich kifft? (Link)
Mit meinen 50 bin ich ja voll in der Zielgruppe!



Welche Serien sind was für mich in kommenden Lebensjahrzehnten?
Ausblick auf kommende Serien-Sensationen, passend zu meinem Lebensalter:



67: "The Gap" (Serienstart September 2034)
Josh Borrows ist in Rente. Mit einem VR-Headset der vierten Generation streift er nun täglich länger und länger durch die Welten des Internets, findet Freunde, eliminiert Feinde und gelangt so zu Ruhm und Ehre. Währens seine diversen Spielerkörper (in der Virtualität) ständig athletischer werden und Features anhäufen, wird Josh's wirklicher Körper im sog. "Meatspace" auf einer Konturliege liegend, zunehmend zu einem Problem. Und plötzlich greift ein scheinbar übermächtiger Feind auf beiden Fronten gleichzeitig an (S1E8: "Jack in the Box")...
(Die Serie basiert auf den Filmen "eXistenZ" (1999) und "Ready Player One" (2018))

79: "Memento Detectives" (Serienstart: Mai 2046)
Carl M. Hayes war vor seinem Ruhestand vor 15 Jahren hochdekorierter Detective beim NYPD und übernahm seitdem in seiner Freizeit immer wieder Fälle für Freunde, Nachbarn oder sogar für sein altes Department, wenn dort Not am Mann war (S2E12: "Die Epidemie"). Als bei Carl Demenz diagnostiziert wird, hängt er sein Ermittler-Hobby an den Nagel. Doch als Terroristen sein altes Department mit Mann & Maus in die Luft jagen, beschließen Carl und seine ebenso wie er pensionierten und dementen Buddies Kruger und Estevez, den Täter zu ermitteln. Unterstützt werden sie nur von ihren untereinander weitestgehend inkompatiblen, kaum je upgedateten digitalen KI-Assistenten. Manchmal verheddern sich ihre Gehhilfen. Der Clou: Gemeinsam haben sie noch 33 Tabletten des experimentellen, nanitischen Medikaments "5hr|k3" (Shrike) aus Armeebeständen, welches die Folgen der Demenz für bis zu 12 Stunden vollständig aussetzen kann.
(Die Serie basiert auf den Filmen "Memento" (2000) und "Ohne Limit" (2011))

86: "Gone & Arrival" (Serienstart: Mai 2053)
Seit seiner Kindheit in den 70er Jahren des 20 Jahrhunderts wartet der SF-Fan und Buchautor Hiram Mills darauf, dass Außerirdische auf der Erde landen. Doch nichts passiert! Dann endlich, Hiram ist 85, erscheinen die Schiffe der Aliens am Himmel. Er ist wie elektrisiert, er isst nicht, trinkt nicht, findet keinen Schlaf -- er absorbiert förmlich jede Nachricht über das Ereignis. Erst eine Woche später begreift er, dass er längst tot ist und nur seine Seele oder was auch immer in der Realität verblieben ist (S1E6: "Eiswasser"). Während er weiterhin kontinuierlich mehr und mehr Wissen über die Aliens anhäuft, stellt er fest, dass er mit seinem Zustand nicht alleine ist (S1E8: "Mona") -- und dass die Aliens das wissen.
(Die Serie basiert auf den Filmen"The Sixth Sense" (1999) und "Arrival" (2016))


Montag, 8. August 2016

eigene Todesart voraussehen

photo credit: time bomb via photopin (license)


In der Akte-X-Folge "Der Hellseher" (S03E04) taucht als "Monster of the week" der Vertreter von Lebensversicherungen Clyde Bruckman auf, der die Todesart anderer Menschen voraussehen kann. Aber das scheint ja eher die Ausnahme zu sein...
Meine etwas verrückte Nenn-Tante Marianne fürchtete sich zeitlebens davor, "eines Tages einmal unterirdisch zu ertrinken", ein Running Gag auf den Parties der 80er meiner Eltern. Sie beendete ihr Dasein übrigens völlig unspektakulär. Machen wir uns nichts vor: Leute sind wirklich mies im "eigene Todesart vorausahnen", und wer hätte das gedacht: weltweit werden jährlich nur fünf (also 5,0) Leute von Haien gefressen (Link), dafür erstickten allein in Deutschland bei der Büroarbeit über 300 Angestellte im Jahr an Kugelschreiber-Teilen (Quelle) -- auf diese ihre Todesart wäre sicherlich noch am Morgen keiner der 300 gekommen, ich wusste bis gerade gar nicht, dass "Kugelschreiber-Clip-Verschluckung" eine anerkannte Todesursache ist.

Nun haben psychisch und/oder vom sog. "IS" beeinträchtigte Klein-Schwachmaten Anschläge in Deutschland verübt. Das Risiko, in Deutschland ein Opfer eines islamistischen Terroranschlages zu werden, ist nun also von "quasi Null" auf "verschwindend gering" angestiegen. KRAISCH!!! Doch die Deutschen, weiterhin Voll-Looser im eigene-Todesart-voraussehen, sorgen sich -- "man hört ja schließlich so viel". Kann man "in diesen Zeiten" überhaupt noch das Haus verlassen? Kann man sich noch zu einer Massenveranstaltung wie dem grenzdebilen Oktoberfest wagen? Die ARD erklärt die Welt (Youtube): Es sei wahrscheinlicher, an seinem Essen zu ersticken, als Opfer eines Terroranschlags zu werden, nach dem Motto: Wie unwahrscheinlich ist das denn, du Opfer?

Die seit dem Jahr 2000 Geborenen haben eine 50%-ige Wahrscheinlichkeit, über 100 Jahre alt zu werden. Da wird die Moderne für einige sehr wenige durchaus spannende Todesarten bereithalten, wie "nicht angeschnallt im Hyperloop" oder "Sauerstoffmangel auf dem Mars". Tatsächlich aber werden so gut wie alle heute lebenden Menschen in Deutschland an den statistisch für sie vorgesehen Todesursachen sterben -- und da fallen so ein paar IS-Spackofatzen absolut nicht ins Gewicht -- Nullinger.


Externer Link:
Mehr Amerikaner durch Kleinkinder erschossen, als durch Terror getötet: (Link)


Sonntag, 26. April 2015

ru History 54: Aufzucht und Pflege von Kindern im Bergischen Land (70er / 80er)

Originalfoto


Essen & Trinken

Kaum konnte ich zum Ende der Sechzigerjahre feste Nahrung zu mir nehmen, bekam ich Gemüse und Kartoffeln zu essen. Manchmal auch Kartoffeln mit Gemüse. Bereits mit drei brüllte ich wie aus der Spielzeugpistole geschossen: "SPINAT UND MÖHREN!!!", wenn mich jemand fragte, was ich zu Hause zu essen bekommen hatte. Die Antwort stimmte aber hoch wahrscheinlich nur zu 50%.
Großgezogen wurde ich mit Schnippelbohnen, Kohl, Möhren, Grünkohl, Wirsing, Rübstiel, Rüben, Sauerkraut und Zucchini -- allesamt mit Kartoffeln gestampft. Ausnahmsweise (aber auch nicht immer) ungestampft gab es Blumenkohl, Rosenkohl, Kohlrabi und Spinat. Zum Essen dazu gab es geräucherte Bratwurst, DAS Grundnahrungsmittel des Bergischen Landes.
Noch heute stehe ich Mahlzeiten, die ungleich "Eintopf" sind, eher skeptisch gegenüber.
Mein Bruder, der Anfang der Siebzigerjahre das Licht der Welt erblickte, war eher ein "Nudelkind". Er hat sehr gelitten.

Freizeit (indoor)
LEGO ging immer. Und LEGO.
Anders als heute war ausufernder Fernsehkonsum in den 70ern und 80ern noch nicht schädlich für Kinder: es zählte tatsächlich nur, dass die Erwachsenen die Kinder "vonne Füße" hatten. Weil es nur drei Programme ARD, ZDF, WDR gab, habe ich vorsichtshalber einfach ALLES geschaut: Augsburger Puppenkiste, Barbapapa, Black Beauty, Bonanza, Captain Future, Catweazle, Das Haus am Eaton Place, Die dreibeinigen Herrscher, Enterprise, Fünf Freunde, Hart aber herzlich, Lemmy und die Schmöker, Pan Tau, Rappelkiste, Rauchende Colts, Raumschiff Enterprise, Thimm Thaler, Trickfilmzeit mit Adelheid, Trio mit vier Fäusten, Die Strandpiraten, Wickie, die Wombels.
Die später angeschaffte Atari-Konsole 2600 (Bild) war eine harte Konkurrenz für das TV, allen voran Pac-Man, Space Invaders und Dig Dug -- hell yeah!

Freizeit (outdoor)
Anders als heute war es in den 70ern und 80ern keinesfalls lebensgefährlich für Kinder, in Wald, Feld & Stadt herumzustromern, es zählte tatsächlich nur, dass die Erwachsenen die Kinder "vonne Füße" hatten. Ausgestattet lediglich mit einer Tetanus-Schutzimpfung und einem Immunsystem zogen wir um die Häuser. Bandenbildung war möglich, ebenso Fußballturniere, Kreidespiele auf sporadisch befahrenen Straßen und das Herumwühlen in Altmetallcontainern. Auch Sandkasten und Garten boten sich an. Abends mit Einbruch der Dämmerung kehrte man dann heim, manchmal so dreckig, dass die Eltern in schallendes Gelächter ausbrachen, wenn sie unserer ansichtig wurden. Wir sahen wohl oft aus aus wie der von einer Staubwolke umgebene Pig Pen von den Peanuts.

Schule
Anders als heute war in den 70ern und 80ern ein Schulweg für Kinder keinesfalls schädlich.
Die Grundschule Stadt lag zuerst "umme Ecke", die Lindenbaumschule einen Kilometer entfernt, Realschule und Gymnasium waren zwei Kilometer weit weg. Die meisten Kinder, wie auch wir, gingen zu Fuß zur Schule, erst einmal, weil die Familien seinerzeit i.d.R. nur ein Auto hatten und de Vatter damit bei de Arbeit war -- und weil "gesunder Menschenverstand" damals noch keine Superkraft darstellte. (Blogbeitrag)
Wer in einer Kleinstadt wie Radevormwald zur Schule geht, realisiert vielleicht erst mit Erreichen der Volljährigkeit, dass ungefähr 60% aller Lehrer in die Provinz strafversetzte Vögel waren. Entsprechend farbig waren ihre Charaktere, Marotten und vor allem die Lehrmeinungen. (Blogbeiträge Grundschule: Link, Blogbeiträge Realschule: Link,)
Die Schule war spätestens um eins aus, dann trollten sich hunderte Schüler zu Fuß und mit dem Rad gen zu Hause, wo ebenso viele Eintöpfe bereits dampften. Nur wenige, dem industriellen Hochadel zugehörige, wurden mit dem Auto abgeholt.

Hausaufgaben
Anders als heute mussten Kinder in den 70ern und 80ern ihre Hausaufgaben zu Hause machen.
Eigentlich hatten wir immer welche auf. "Zu Hause" indes war nicht der ideale Ort, diese zu erledigen. Queen Mom, die ständig überlegte, welche Arbeiten und Aufgaben sie an Familienmitglieder outsourcen könnte, störte es auch nicht sonderlich, dass das Kind mit Schularbeiten beschäftigt war. Schließlich gab es immer etwas zu tun: Abwasch, Abtrocknen, Spülmaschine ausräumen, etwas zu Tante bringen oder von da abholen, Hof fegen usw. usf. Setzte man sich nach getaner Arbeit wieder an seine Arbeit, dann hatte man mit Glück eine halbe Stunde Zeit bis zur nächsten Aufgabe.
Wenn es gar zu viel wurde, packte ich meinen Kram und verzog mich mit meinen Schulsachen in die Stadtbücherei. Dort saß ich dann mit dem intensiven Gefühl, dass etwas arg schief lief.

Urlaub
Anders als heute war das Passivrauchen im Auto in den 70ern und 80ern für Kinder völlig unschädlich. Wenn wir also während sehr langer Autofahrten kotzen wie die Reiher, lag das gemäß unserer Mutter ausschließlich daran, dass wir während der Fahrt nicht nach vorne auf die Straße schauten. Derweil unser Vater also fuhr und dabei tapfer 60 Camel Filters in toxischen Qualm verwandelte, wachte Queen Mom, die selbst im Vakuum noch "Zug bekommen" hätte, währenddessen eifersüchtig darüber, dass nirgends ein Fenster auch nur einen Spalt weit geöffnet war. Manchmal hätten wir Kinder ja sogar gerne nach vorne gesehen, aber der Qualm im Wagen ließ das nicht immer zu.
Wenigstens mussten wir uns hinten bis in die 80er hinein nicht anschnallen.
Am Urlaubsort angekommen war all das schnell vergessen, wir wurden einmalig mit der sehr starken Sonnencreme (Lichtschutzfaktor 6) eingerieben, dann ging's mit dem Schüppchen zum Strand. Dort stauten wir dann tagelang Rinnsale auf, die Richtung Meer flossen, nichtsahnend, dass es sich hier um ungeklärte Hotelabwässer handelte, was auch schon mal zu Ganzkörperausschlag führen konnte.


Sonntag, 5. Mai 2013

TW 4 - Das Erste

http://goo.gl/YRZ9T
'TW' (Tante Waltraud, 82) hat nu auch nen flachen Fernseher. Mein Bruder hat'n besorgt un aufgestellt, hoch löbliche Aktion, das. Aus Gründen, die nur de Tante kennt un nachvollziehen kann, sollte der Fernseher keinesfalls größer sein als sein buckliger Vorgänger. Also hat se jetzt wieder son Winz-Ding mit 18,5 Zoll Diagonale oder so.
Aus Gründen, die nur de Hersteller von dem Dingen kennt un nachvollziehen kann, fangen de Programme bei dem Gerät ab 100 an. Also 100 is et Erste, 101 is et Zweite un so. De Tante hatte bislang zur Eingabe der Programme de Zahlentasten verwendet. De Bruder erklärt et der T.W., dat se nu de Auf- un Ab-Tasten verwenden soll für de Programmwahl, also er erklärt ihr et 'Zappen', de Tante nickt.
Ne halbe Woche später ruft de Tante an, er müsste nu doch mal vorbeikommen.
De Bruder scheint auf, fragt wat is.
De Tante hatte
 nach drei Tagen keine Lust mehr, dat Erste zu kucken und wollte, dat er mal umschaltet.

Siehe auch: Blogbeitrag


Montag, 8. Oktober 2012

SONDERSENDUNG

goo.gl/Ee1dS 
Sobald (aus Sicht der Medien) etwas Weltbewegendes passiert, verschieben sich im Fernsehen alle nachfolgenden Sendungen oder entfallen. Denn dann heißt es: Sondersendung!

Nehmen wir als Beispiel den fiktiven Absturz mit Explosion einer Boeing 777 kurz nach dem Start vom Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle.

Diedeli-ditt-di-diditt!!!
SONDERSENDUNG!
Dödel-di-dii---daaa!!!

Das Problem: So kurz nach einem Unglück weiß nie-nie-niemand auch nur irgendetwas. Rettungskräfte, Polizei, Flughafen, Fluggesellschaft, Luftaufsicht, Hersteller des Flugzeugs - niemand findet auch nur seinen Arsch. Man watet in schwerer Montur durch die Trümmer, atmet durch fette Masken, spricht in fremden Zungen (besonders krass: französisch), aber für Fernsehmacher sind das doch nur Marginalien!

goo.gl/khgzh 
1) Der Nachrichtensprecher von ZDF/ARD berichtet zu den 19.00 Uhr/20.00 Uhr-Nachrichten mit Grabesstimme von dem Unglück, bei dem eine bislang unbekannte Anzahl an Menschen hoch wahrscheinlich ums Leben gekommen ist. Die Boeing 777 sei auf dem Weg nach Venezuela gewesen. Ob auch Deutsche an Bord waren, könne man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Alle nachfolgenden Sendungen der nächsten Stunden entfallen aufgrund der aktuellen, tragischen Ereignisse und werden durch Sondersendungen ersetzt.
2) Nach den Nachrichten schaltet man in ein Sondersendungs-Studio. Von hier aus berichten eine übermäßig geschminkte Blondine und ein dazu passender Ken mit Grabesstimme von dem Unglück, bei dem eine bislang unbekannte Anzahl an Menschen hoch wahrscheinlich ums Leben gekommen ist. Ob auch Deutsche an Bord waren, könne man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.
3) Man schaltet ins rasch improvisierte Pariser Studio zu Jacques Lemarchal, dem frischen Franzosen. Monsieur Lemarchal erklärt mit starkem Akzent, dass man über die Ursachen des Unglücks zu diesem frühen Zeitpunkt rein gar nichts wisse. Über die Anzahl der Todesopfer könne man ebenso noch nichts sagen. Ob auch Deutsche unter den Opfern seien, wisse man zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
4) Zu Lemarchals rechter Seite taucht, in schwere Ausrüstug gehüllt, ein rußverschmierter Herr auf, dieser wird als Lieutnant Renouard, Leiter der Rettungskräfte vorgestellt. Lemarchal murmelt etwas, der Lieutnant legt los. Im Strom seiner Äußerungen sind hoch-farbige Ausdrücke wie "putain de merde", "ordur", "personne idiote" überreichlich enthalten. Lemarchal übersetzt glattzüngig, dass man über die Ursachen des Unglücks zu diesem frühen Zeitpunkt rein gar nichts wisse. Über die Anzahl der Todesopfer wisse man auch noch nichts. Ob auch Deutsche unter den Opfern seien, könne man zu diesem Zeitpunkt wirklich noch nicht sagen.
5) Rasch schaltet man in ein arg spärliches Sonder-Sondersendungs-Studio, das nach "Chaos-Computer-Club, Keller, 1982" aussieht, wo ein merkwürdig frisierter Nerd ("Luftfahrtexperte" - zwinker, zwinker) namens Karl-Ullrich Siebenschläfer-Rasmussen erklärt, dass die Boeing 777 auch als Triple Seven bezeichnet wird und ein zweistrahliges Großraum-Langstreckenflugzeug  für 300 bis 550 Passagiere ist. Sie sei das größte zweistrahlige Verkehrsflugzeug der Welt. Mit Stand Juli 2012 seien 1.030 von 1.379 bestellten Flugzeugen dieses Typs ausgeliefert worden. Seit Einführung in den Liniendienst im Jahre 1995 habe es bis heute nur einen Totalverlust einer Boeing 777 gegeben, allerdings keinen mit Todesfolge. Usw. usf.
Der Kerl hört sich an, als lese er aus Wikipedia ab... (Quelle: Wikipedia)
6) Man schaltet zurück ins Sondersendungs-Studio von ARD/ZDF wo Barbie und Ken sich Kai-Uwe Sprenger, den Pressesprecher der Deutschen Luftaufsicht hinzugeholt haben. Herr Sprenger erklärt, dass man über die Ursachen des Unglücks zu diesem frühen Zeitpunkt rein gar nichts wisse. Über die Anzahl der Todesopfer sei ebenso wenig bekannt. Ob auch Deutsche unter den Opfern seien, könne man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sagen. Barbie und Ken nicken ernst bei jeder Äußerung und kleben an seinen Lippen, als hörten sie das alles zum ersten Mal.
7) bis 39) So geht das quasi weiter ad infinitum bis mindestens 23.20 Uhr. Zuschauer, die bislang noch nicht eingenickt sind von der großen, fast schon fraktal zu nennenden Selbstähnlichkeit aller Beiträge, erfahren nichts aber auch gar nichts Neues, sehen die immergleichen Bilder, hören das immergleiche Gestammel.
Das ist schon hart an der Desinformation.


goo.gl/o5Myr 
Drei Wochen später:
Auf einer Pressekonferenz in Paris erfährt die Welt endlich die relevanten Informationen:
  • Zwei Stunden vor Absturz der Maschine sei aus dem "Parc zoologique de Paris" der 13 kg schwere Krauskopfpelikan "Pepe" entflogen.
  • Das Triebwerk der Boeing 777 des Fluges 1234 nach Venezuela, ein Rolls-Royce Trent der 800er-Serie, hatte den sehr großen Vogel aufgesaugt, überhitzt und war explodiert.
  • Man spricht von einer "Verkettung unglücklicher Zufälle".
  • Den für das Tier zuständigen, natürlich drogensüchtigen Tierpfleger Bruno "Malade" Leroc (32) habe man bereits verhaftet, ihm droht minimum Verbannung auf eine Milzbrandinsel.
  • Ganz Frankreich trauert um Pepe, den Pelikan. Zwölf Schulen werden landesweit nach Pepe umbenannt, man sammelt Geld zur Errichtung eines Gedenkmonuments im Herzen von Paris.
  • Live hinzugeschaltet wird der Direktor Dumont der Schule "Lycée du pélican Pepe" aus Montpellier.
  • Der Sprecher des Triebwerksherstellers Rolls Royce beteuert, dass man die Ansaugvorrichtung der Turbinen der 800er-Serie pelikansicher nachbessern werde.
  • Unter den insgesamt 223 Opfern des Fluges waren auch 3 Deutsche, die aber in Deutschland niemand kannte oder vermisste, weil sie allesamt aus Bielefeld (Link) stammten.


Montag, 30. Januar 2012

Fragen an ru24: Fliesenzuschnitt mit der Steinlaus

http://bit.ly/xgp50m (Abb. ähnlich)
Bernd J. aus S. fragt: "Kann man mit der Steinlaus Fliesen zuschneiden?"

ru24 antwortet: Im Prinzip ja.
Die possierliche Steinlaus (Petrophaga lorioti) ist ein scheuer Nager, der sich von Silicaten (Steinen) ernährt. "Gelegentlich [wird] auch ein Eisenträger nicht verschmäht." Dies wurde erstmalig im Jahre 1976 von Bernhard Grzimek alias Loriot in der Sendereihe "Ein Platz für Tiere" (ARD) einer interessierten Öffentlichkeit zugänglich gemacht.
"Das geschlechtsreife Männchen [hat] einen Tagesbedarf von etwa 28 Kilogramm Beton und Ziegelsteinen, das Weibchen [verzehrt] in der Schwangerschaft beinahe die doppelte Menge."
Während dieser unbändigen Stein-Schlemmerei kommt es fast unweigerlich auch einmal zum beim Handwerk hochbegehrten "Fliesenschnitt". Petrophaga lorioti indes sieht die Kachel als einen glasierten Imbiss an, quasi als eine tonmineralische Leckerei (vgl. Hallmackenreuther, Hoppenstedt et al.). Eine für das deutsche Handwerk zu nutzende, hochkorrekte Abkantung von keramischen Platten nach DIN kann zuweilen zwischen zwei Bissen des Nagetiers tatsächlich zufällig eintreten. Doch davon, den possierlichen Nager von weiteren Übergriffen gegen die just mustergültig abgekantete Verlegeware abzuhalten, sollte dringend abgeraten werden (vgl. Müller-Lüdenscheid, Dr. Klöbner et al.).
Somit ist ein Fliesenzuschnitt möglich, aber unbefriedigend.

Für Interessierte: hier und da.


P.S.: Wer auch Fragen an ru24 hat, kann sie gerne in den Kommentaren stellen, ich werde sehen was ich machen kann, sie zu beantworten.