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Dienstag, 5. Juni 2018

ru24 Special: Portugal von A-Z (Teil 3 von 3)

Porto
Nepp
1) Nochmal: niemals ein Restaurant betreten, vor dem Hanseln stehen, die dazu auffordern.
2) In Lissabon und auch Porto gibt es Läden für Touristen, die ausschließlich eingedoste Sardinen mit poppigem Design zu je 7,50 € verkaufen. Da muss man schon mit dem Klammerbeutel gepudert sein, um hier seine Mitbringsel zu kaufen.
Und nein: Es gibt gar keine „Piermont-Sardinen“.

Ich nehm' den Nachtbus, Nachtbus, Nachtbus.
ÖPNV
Busse und Straßenbahnen sind das Mittel der Wahl zur Fortbewegung in der Stadt. 10 Minuten Verspätung sind nichts, worüber man sich hier aufregt. Auch bei einer Viertelstunde schauen die am Bushäuschen wartenden Einheimischen nicht einmal auf ihre Armbanduhr. Auf die ikonische Straßenbahn 28, die an einer bestimmten Haltestelle alle 8 Minuten halten sollte, kam mal in einer Dreiviertelstunde nur einmal und war so voll wie die Tokioter U-Bahn zur Rush Hour.
Busse und historische Straßenbahnen kacheln zentimetergenau durch enge Gassen und wenn irgendwo mal wieder einer lässig die Straße überquert oder ein Auto mit dem Warnblinker herumsteht, dann wird halt unaufgeregt gehupt bis der Vogel sein Gefährt wegsetzt. Businsassen haben einen dicken Nerv, regen sich wenn aber spektakulär im Kollektiv auf — wie Truthähne. Es klingt dann auch so. Pro: Der Nachtbus ist so voll, dass man gar nicht umkippen kann.
In Porto sollte man die Straßenbahn unbedingt bis zur Endstation fahren. Die Bahn wendet nicht, sondern fährt rückwärts wieder zurück. Zuvor wandert der Fahrer mit einem Einhängesitz und einer Kurbel in der Hand von ehemals vorne (jetzt hinten) zum neuen Vorne. Alle Sitzlehnen im Waggon werden zur Freude aller mit großem Hallo herumgeklappt, dann geht es wieder los in die Gegenrichtung.
Dickes Plus: Keine Musikanten in öffentlichen Verkehrsmitteln, das ist den Vögeln vermutlich nicht verlässlich genug.

Parks
In den Parks leben rabiate Tauben, rabiate Enten und zuweilen extrem rabiate Gänse. Der mit Abstand beste Park Lissabons ist der Jardim da Estrela direkt gegenüber der Basílica da Estrela. Im Teich gibts neben dem vorgenannten Federvieh sogar Wasserschildkröten! Yay! Im günstigen Café gibt‘s schattige Plätzchen am Teich, wechselnde Tagesgerichte und WLAN. Gegebenenfalls  klappt beim nächsten Besuch sogar die Toilette wieder. Gegebenenfalls.

Pastéis de Belem/Nata
Pastéis de Nata
Mönche, die ihre Schlüpper ausschließlich mit Eiweiß stärkten, hatten deswegen große Mengen Eigelb übrig und erfanden somit als Abfallprodukt eine süße Eiersahnecreme auf knusprigem Blätterteig, die berühmten Pastéis de Belém. Sie werden in der ganzen Stadt von Pastelarias (Bäckereien) als „Pastéis de Nata“ vertrieben und sind der Himmel auf Erden. Das Original-Rezept ist natürlich geheim... Da man mindestens ein Pastéis de Nata pro Tag essen sollte, bietet man in Portugal unglaublich günstige Kombis „Nata plus Espresso“ zu 1,00 € an. Yay!

Porto
„Pittoresk“ ist ja in der Regel nur ein Euphemismus für „verelendet“ und „heruntergekommen“. Porto aber ist so dermaßen schön und würdevoll gealtert, wie es Filmstars oft nicht tun. Bevor der ganze Laden rundumsaniert und durchgentrifiziert wird und die Häuser Plastikhaustüren und Kiesgärten bekommen, sollte man sich dieses Juwel in seiner gebrochenen, romantisch verwahrlosten Pracht dringend einmal ansehen, bevor es zu spät ist.

Sintra (Weltkulturerbe)
Eine einst sicher schöne Stadt, dermaßen vom Tourismus gezeichnet, als hätte eines Tages ein Wanderzirkus beschlossen, vor Ort zu bleiben, um dann auf Teufel komm‘ raus zu metastasieren. Hier haben wir die teuersten Kaffeeheißgetränke unserer Reise zu uns genommen: Einen etwas muffig schmeckenden Milchkaffe und einen wirklich grottenüblen Cappuccino. Ggf. war das der Denkzettel des Etablissements dafür, dass wir nicht feudal haben auffahren lassen.
Etwas fahl flohen wir diesen Ort.

Tauben
Tauben
Lissabon, deine Tauben scheissen nicht gerne im Dunkeln.

Telefon
Handy-Telefonate (oder das hier beliebte FaceTime) sind in Portugal buchstäblich endlos. Einmal begonnen, dauern sie IMMER bis zum Ende der Akkulaufzeit. Nur portugiesische Omas fassen sich kurz. Dabei brüllen sie mit der Stimme von Sophia Petrillo von den „Golden Girls“ ins Telefon und lachen wie Dämonen.

TV
Sobald der portugiesische Mann einen Fernseher mit Fußballspiel erblickt, erstarrt er wie ein Reh im Scheinwerferlicht und ist auch, wenn er mitten im Weg steht, nicht mehr ansprechbar.
True Story.



FAZIT
Selten war mir ein Urlaubsland auf Anhieb so sympathisch wie Portugal.
Wenn man am ersten Urlaubstag ein Lokal mit defekter Toilette besucht, kann man sicher sein, dass die Toilette auch am letzten Urlaubstag noch nicht funktioniert. Vieles wirkt unorganisiert, chaotisch und als Deutscher möchte man ständig etwas verbessern, und seien es die Abläufe aus Bestellen und Ausgabe ein einem Café -- was einem gleichzeitig die Augen öffnet, wie deutsch man eigentlich ist.
Wir werden wiederkommen, denn Portugal ist auf seine charmante Art wunderbar unperfekt.
Wer mehr darauf steht, dass jemand jeden Morgen mit einem Poliertuch das Dallmayer Prodomo-Schild am Café poliert, sollte nach Bayern fahren.

Samstag, 14. Mai 2016

ru24 History: Mein schönster ESC

photo credit: Imagination via photopin (license)
Mit im Fernsehen gezeigtem Sport kann man mich quälen. Es gibt kaum etwas Lähmenderes als eine Sportübertragung: Fußball, Formel 1, Wintersport. Einzig Golf und Curling finde ich sehr entspannend, aber das möchte wie immer niemand mit mir schauen.

Auch extrem quälend ist der jährlich stattfindende European [JUH-rOH--PI-ÖNN] Song Contest (ESC), der früher mal Grand Prix d'Eurovision de la chanson hieß -- die alte Nuschelmuschel läßt grüßen. Wird man im Freundeskreis zu solch einer Veranstaltung eingeladen, man möchte (und sollte) reflexartig den Abend anderweitig verplanen. Fremdschämen war mir noch nie ein Vergnügen, vielmehr leide ich ununterbrochen mit, wenn bizarre Pailetten-Olgas die singende Säge geben, derweil eine jedes Maß vermissen lassende Lightshow versucht, optisch über das Schlimmste hinwegzutäuschen.
Irgendwann nach gefühlten 67 Beiträgen (in den 80ern waren das mal 15, oder?) ist fast alles überstanden, das Gejaule ist erst einmal verstummt, der Rauch hat sich verzogen, das Blitzen und Blinken konnte auf ein Minimum heruntergedreht werden. Aber dann kommen die Jury-Ergebnisse auf die gepeinigten Ohren: Benelux mauschelt untereinander, die ehemaligen Ostblockstaaten mauscheln untereinander, Türkei gibt Griechenland Null Punkte, Griechenland gibt der Türkei Null Punkte, während uns Griechenland und der halbe Ostblock dizzt usw. (interaktive Grafik). Das das mit Musik nichts zu tun hat, das hatte ich schon mitbekommen, ich bin ja nicht taub. Aber dann noch so ein prä-pubertäres Herumgepunkte im Putin- und Erdogan-Style, das ist ein nicht zu unterschätzendes Zusatz-Ärgernis!
Deutschland bekommt entweder ungerechterweise kaum Punkte, ungerechtfertigterweise gar keine Punkte oder gewinnt total überraschend, dazwischen gibt es nichts. Zum Schluß wird die übermenschliche Geduld des Zuschauers damit bestraft, dass man den sog. Siegersong (u.U. Finnland mit "Lötköpötkö") noch einmal hören muss -- brrr!

Meinen schönsten Grand Prix habe ich um die Jahrtausendwende bei einem damaligen schwulen Freund verbracht. Der hatte um die 20 Leute geladen und denen Wochen zuvor Länderfähnchen zugelost. Zu diesem Land musste man dann etwas fürs Büffet beisteuern. Das sich dort aufbäumende internationale Büffet war echt die Wucht in Tüten und tröstete über vieles hinweg -- mein Tipp für den ESC 2017.


Sonntag, 29. Juni 2014

"Nothing to fear but fear itself" (Franklin D. Roosevelt)

flickr-Bildlink

Der Bürger an sich ist ja eigentlich schon schwindelig genug, fährt zur Arbeit von Pontius nach Pilatus, Abends von der Arbeit zum Pilates. Kochen, Kinder, Kneipe, Freunde, Facebook, zwischendurch im Job mehr leisten, mehr Sport treiben. Bio einkaufen, den Bälgern Nachhilfe geben, mit dem verflohten Flokati zum Tierarzt, dann Gassi und nach Hause. Bis die Blagen im Bett sind, ist es fast elf und die Hütte sieht aus wie Sau. Die meisten Menschen haben in diesem Augenblick nicht mehr die Muße, sich jetzt noch sechs Stunden lang durch die Bleiwüste einer Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu wälzen. Die überaus differenzierten Berichte zur Lage der Nation zu lesen und vor allem zu verinnerlichen. Stattdessen sitzen sie, mattgepaukt von des Tages Knechtungen, vor der Glotze und ziehen sich zu Bier & Chips Schrott rein, den ihnen eine zu stark geschminkte, sog. "Journalistin" (Muhaha!) vorsülzt. Hier wird nach erprobtem amerikanischen Vorbild die Angst des Bürgers gezeugt und geboren, ihm eingetrichtert, wenn er am wehrlosesten ist.
Klappt!


Es ist die Angst davor, von asylsuchenden Fremden überrannt zu werden, vor dem Islam allgemein, vor E10-Sprit, vor Killerbienen, vor neuen Allergenen, Jobverlust, Russland, multiresistenten Keimen in öffentlichen Verkehrsmitteln und Islamisten. Es ist die Sorge vor der zu erwartenden Winz-Rente (die uns alle zu Obdachlosen machen wird), NSA, Ärztepfusch, wieder Jobverlust (aber aus anderen Gründen), Gift im Trinkwasser, Inflation und Deflation und den Pollen neu eingeschleppter Pflanzen. Es wird Furcht in die Köpfe gesät vor Meteoriten, Chlorhühnchen, Aluminium im Deo, Genmais, Veränderungen allgemein, neuen Stromtrassen – die Liste ist endlos – gut für die, für die Angst ein Riesengeschäft ist.
Aber was wäre der Bürger denn ohne diffuse Ängste? Ohne diese Ängste würde er ja viel weniger konsumieren. Das geht ja gar nicht!

Siehe z.B. den GAU in dem japanischen AKW Fukushima: Ein paar Stunden nach der Meldung waren in den deutschen Apotheken die Jod-Tabletten ausverkauft (Blogbeitrag). Und E10 hat sich drei Jahre nach Einführung 2011 auch noch nicht so recht durchgesetzt (Blogbeitrag). Die ängstlichen Herrschaften tanken nach entsprechender Berichterstattung lieber weiterhin spei-teures Shell Super Plus Racing Mango Chutney (Blogbeitrag), infizieren sich aber im banken-finanzierten Auto immerhin nicht mit Bus-Killerkeimen. Gegen das Gift im Trinkwasser hilft es, Sprudelkisten zu schleppen, gegen den Rentenschock kann man schon jetzt so allerlei ansparen und gegen sich verteuernden Strom kann man sich Solarzellen aufs Dach pappen. Um das alles bezahlen zu können, kann man man ja (ebenso nach amerikanischem Vorbild) einen Vielzahl "günstiger" Kredite aufnehmen, das machen ja alle so. Die Sparkasse bietet mittlerweile an, alle Darlehen, die man hat, zu einem Einzigen zusammenzufassen - damit man noch klar kommt. Das nennt sich "Kreditoptimierung" und kostet natürlich extra.
"Alles was du hast, hat irgendwann dich", heißt es in Fight Club.
Es wurde selten wahrer gesprochen.

Der Angstbürger kann jetzt zu den horrenden monatlichen Zahlungen nicht auch noch Veränderungen im Wohnumfeld ertragen (Blogbeitrag). Er kann ja nicht mehr weg, das Haus muss er schließlich bis 2045 abbezahlen. Atomkraftwerke & Atommüll-Endlager in nächster Nachbarschaft gehen aus nahe liegenden Gründen nicht, aber Windkraftanlagen oder neue Stromtrassen zum Transport der Energien aus Windkraftanlagen gehen widersinnigerweise aber auch "irgendwie" nicht! Da bricht der Angstbürger nämlich aus seiner Angststarre aus und wird zum Wutbürger aka Mitmachbürger. Hey! Wenn man sich ja sonst nix mehr leisten kann: Protestieren geht immer! Und ständig ist ja was: Die Mächte der Finsternis wollen bauen, bauen, bauen: einen Golfplatz, Windkraftanlagen, einen Jugendknast, einen IKEA, eine Forensik, um nur die großen Nöte der Wuppertaler Bürger zu benennen. In Grimma konnten die Wutbürger immerhin schon erste Erfolge erzielen: Rechtzeitig vor dem Jahrhunderthochwasser konnte der Bau einer Hochwasserschutzmauer verhindert werden! Glückwunsch an Grimmas Wutbürger, sie sind komplett abgesoffen. Die Schuld tragen natürlich die Anderen (Focus-Artikel).

Drittes Jahrtausend - hey! - die Energiewende rollt an, die Offshore-Windparks könnten bald Energie in alle Teile der Republik liefern, doch ach! Erstmal muss eine neue Nord-Süd-Trasse für Strom her, die sog. „Suedlink“-Stromtrasse. Und plötzlich sind wieder tausende Bürger auf der Straße, wollen mit allen Mitteln verhindern, dass diese Stromleitung bei ihnen auch nur am Horizont entlang gebaut wird! Man hört ja so viel, man muss an die Zukunft der Kinder denken! (Na, wer hat da wohl zu viel ferngesehen und sich von übertrieben geschminkten Nachrichten-Medusen mit diffusen Ängsten aufladen lassen?)
„Mögliche gesundheitliche Auswirkungen bewegen die Menschen besonders“, greift Landrat Spieker Sorgen von Bürgerinnen und Bürgern auf. Daher plant der Landrat gemeinsam mit dem heimischen Bundestagsabgeordneten Christian Haase eine zentrale Informationsveranstaltung im Kreisgebiet, die gesundheitliche Fragestellungen zu der geplanten Gleichstromverbindung zum Thema hat. (Quelle)
"Mögliche (...) Auswirkungen (...) bewegen die Menschen": Genau. Keinen Plan von nix aber auf diffusen Verdacht hin mal Randale machen und ne Bürgerinitiative raushauen, so sind se, unsere Wutbürger!

Jetzt mal in echt: Direkt unter einer Hochstromtrasse wollte ich auch nicht leben. Aber, lieber Gott, man kann sich doch informieren. Das ist doch keine Alien-Technologie oder ein Geheimprojekt der US-Regierung! Dann recherchiert man mal in diesem Internet und findet ganz schnell heraus (Hände weg von Eso-Seiten, Indiz: Werbung für Orgon-Strahler), dass 200 m Abstand zu einer Hochspannungsleitung reichen (Quelle). Jetzt könnte man das mal einfach nicht glauben und nimmt forsch das Fünffache an, also 1.000 m. Auch gut! Aber das war's doch jetzt, oder? Herrgott, da muss man doch nicht extra an einem Mittwochabend zu einer "zentralen Informationsveranstaltung im Kreisgebiet" gehen. Es sei denn, sie bieten lecker Schnittchen und O-Saft an.

Fazit:
Leute, Leute, Leute! Wenn euch jemand Angst macht, dann doch nur, weil mit dieser Angst Milliarden umgesetzt werden. Ihr seid das Melkvieh der Nation, vergesst das nicht. Und sie tun alles, damit ihr die Milchquote übererfüllt. Aber ihr könnt euch schützen. Lasst einfach die Glotze aus. Ich sehe seit dem 12. September 2001 nicht mehr fern (schaue aber gerne noch Serien von DVD und von Festplatte). Fast dreizehn Jahre später habe ich meine Momente, an denen ich weder Angst vor "möglichen Auswirkungen" noch irgendeinen Konsumwunsch hege.
Yay!!!
Diesen paradiesischen Zustand werde ich nicht mehr hergeben.
(You have) "Nothing to fear but fear itself" (Franklin D. Roosevelt)

Und lasst endlich diesem lärmenden Bürgermitmachquatsch, das ist sowas von peinlich!

Hier ein paar Tipps und ein weiterführender Link zum fernsehfreien Leben (Blogbeitrag).


Sonntag, 5. Mai 2013

TW 4 - Das Erste

http://goo.gl/YRZ9T
'TW' (Tante Waltraud, 82) hat nu auch nen flachen Fernseher. Mein Bruder hat'n besorgt un aufgestellt, hoch löbliche Aktion, das. Aus Gründen, die nur de Tante kennt un nachvollziehen kann, sollte der Fernseher keinesfalls größer sein als sein buckliger Vorgänger. Also hat se jetzt wieder son Winz-Ding mit 18,5 Zoll Diagonale oder so.
Aus Gründen, die nur de Hersteller von dem Dingen kennt un nachvollziehen kann, fangen de Programme bei dem Gerät ab 100 an. Also 100 is et Erste, 101 is et Zweite un so. De Tante hatte bislang zur Eingabe der Programme de Zahlentasten verwendet. De Bruder erklärt et der T.W., dat se nu de Auf- un Ab-Tasten verwenden soll für de Programmwahl, also er erklärt ihr et 'Zappen', de Tante nickt.
Ne halbe Woche später ruft de Tante an, er müsste nu doch mal vorbeikommen.
De Bruder scheint auf, fragt wat is.
De Tante hatte
 nach drei Tagen keine Lust mehr, dat Erste zu kucken und wollte, dat er mal umschaltet.

Siehe auch: Blogbeitrag


Montag, 8. Oktober 2012

SONDERSENDUNG

goo.gl/Ee1dS 
Sobald (aus Sicht der Medien) etwas Weltbewegendes passiert, verschieben sich im Fernsehen alle nachfolgenden Sendungen oder entfallen. Denn dann heißt es: Sondersendung!

Nehmen wir als Beispiel den fiktiven Absturz mit Explosion einer Boeing 777 kurz nach dem Start vom Pariser Flughafen Roissy-Charles de Gaulle.

Diedeli-ditt-di-diditt!!!
SONDERSENDUNG!
Dödel-di-dii---daaa!!!

Das Problem: So kurz nach einem Unglück weiß nie-nie-niemand auch nur irgendetwas. Rettungskräfte, Polizei, Flughafen, Fluggesellschaft, Luftaufsicht, Hersteller des Flugzeugs - niemand findet auch nur seinen Arsch. Man watet in schwerer Montur durch die Trümmer, atmet durch fette Masken, spricht in fremden Zungen (besonders krass: französisch), aber für Fernsehmacher sind das doch nur Marginalien!

goo.gl/khgzh 
1) Der Nachrichtensprecher von ZDF/ARD berichtet zu den 19.00 Uhr/20.00 Uhr-Nachrichten mit Grabesstimme von dem Unglück, bei dem eine bislang unbekannte Anzahl an Menschen hoch wahrscheinlich ums Leben gekommen ist. Die Boeing 777 sei auf dem Weg nach Venezuela gewesen. Ob auch Deutsche an Bord waren, könne man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen. Alle nachfolgenden Sendungen der nächsten Stunden entfallen aufgrund der aktuellen, tragischen Ereignisse und werden durch Sondersendungen ersetzt.
2) Nach den Nachrichten schaltet man in ein Sondersendungs-Studio. Von hier aus berichten eine übermäßig geschminkte Blondine und ein dazu passender Ken mit Grabesstimme von dem Unglück, bei dem eine bislang unbekannte Anzahl an Menschen hoch wahrscheinlich ums Leben gekommen ist. Ob auch Deutsche an Bord waren, könne man zu diesem Zeitpunkt noch nicht sagen.
3) Man schaltet ins rasch improvisierte Pariser Studio zu Jacques Lemarchal, dem frischen Franzosen. Monsieur Lemarchal erklärt mit starkem Akzent, dass man über die Ursachen des Unglücks zu diesem frühen Zeitpunkt rein gar nichts wisse. Über die Anzahl der Todesopfer könne man ebenso noch nichts sagen. Ob auch Deutsche unter den Opfern seien, wisse man zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
4) Zu Lemarchals rechter Seite taucht, in schwere Ausrüstug gehüllt, ein rußverschmierter Herr auf, dieser wird als Lieutnant Renouard, Leiter der Rettungskräfte vorgestellt. Lemarchal murmelt etwas, der Lieutnant legt los. Im Strom seiner Äußerungen sind hoch-farbige Ausdrücke wie "putain de merde", "ordur", "personne idiote" überreichlich enthalten. Lemarchal übersetzt glattzüngig, dass man über die Ursachen des Unglücks zu diesem frühen Zeitpunkt rein gar nichts wisse. Über die Anzahl der Todesopfer wisse man auch noch nichts. Ob auch Deutsche unter den Opfern seien, könne man zu diesem Zeitpunkt wirklich noch nicht sagen.
5) Rasch schaltet man in ein arg spärliches Sonder-Sondersendungs-Studio, das nach "Chaos-Computer-Club, Keller, 1982" aussieht, wo ein merkwürdig frisierter Nerd ("Luftfahrtexperte" - zwinker, zwinker) namens Karl-Ullrich Siebenschläfer-Rasmussen erklärt, dass die Boeing 777 auch als Triple Seven bezeichnet wird und ein zweistrahliges Großraum-Langstreckenflugzeug  für 300 bis 550 Passagiere ist. Sie sei das größte zweistrahlige Verkehrsflugzeug der Welt. Mit Stand Juli 2012 seien 1.030 von 1.379 bestellten Flugzeugen dieses Typs ausgeliefert worden. Seit Einführung in den Liniendienst im Jahre 1995 habe es bis heute nur einen Totalverlust einer Boeing 777 gegeben, allerdings keinen mit Todesfolge. Usw. usf.
Der Kerl hört sich an, als lese er aus Wikipedia ab... (Quelle: Wikipedia)
6) Man schaltet zurück ins Sondersendungs-Studio von ARD/ZDF wo Barbie und Ken sich Kai-Uwe Sprenger, den Pressesprecher der Deutschen Luftaufsicht hinzugeholt haben. Herr Sprenger erklärt, dass man über die Ursachen des Unglücks zu diesem frühen Zeitpunkt rein gar nichts wisse. Über die Anzahl der Todesopfer sei ebenso wenig bekannt. Ob auch Deutsche unter den Opfern seien, könne man zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht sagen. Barbie und Ken nicken ernst bei jeder Äußerung und kleben an seinen Lippen, als hörten sie das alles zum ersten Mal.
7) bis 39) So geht das quasi weiter ad infinitum bis mindestens 23.20 Uhr. Zuschauer, die bislang noch nicht eingenickt sind von der großen, fast schon fraktal zu nennenden Selbstähnlichkeit aller Beiträge, erfahren nichts aber auch gar nichts Neues, sehen die immergleichen Bilder, hören das immergleiche Gestammel.
Das ist schon hart an der Desinformation.


goo.gl/o5Myr 
Drei Wochen später:
Auf einer Pressekonferenz in Paris erfährt die Welt endlich die relevanten Informationen:
  • Zwei Stunden vor Absturz der Maschine sei aus dem "Parc zoologique de Paris" der 13 kg schwere Krauskopfpelikan "Pepe" entflogen.
  • Das Triebwerk der Boeing 777 des Fluges 1234 nach Venezuela, ein Rolls-Royce Trent der 800er-Serie, hatte den sehr großen Vogel aufgesaugt, überhitzt und war explodiert.
  • Man spricht von einer "Verkettung unglücklicher Zufälle".
  • Den für das Tier zuständigen, natürlich drogensüchtigen Tierpfleger Bruno "Malade" Leroc (32) habe man bereits verhaftet, ihm droht minimum Verbannung auf eine Milzbrandinsel.
  • Ganz Frankreich trauert um Pepe, den Pelikan. Zwölf Schulen werden landesweit nach Pepe umbenannt, man sammelt Geld zur Errichtung eines Gedenkmonuments im Herzen von Paris.
  • Live hinzugeschaltet wird der Direktor Dumont der Schule "Lycée du pélican Pepe" aus Montpellier.
  • Der Sprecher des Triebwerksherstellers Rolls Royce beteuert, dass man die Ansaugvorrichtung der Turbinen der 800er-Serie pelikansicher nachbessern werde.
  • Unter den insgesamt 223 Opfern des Fluges waren auch 3 Deutsche, die aber in Deutschland niemand kannte oder vermisste, weil sie allesamt aus Bielefeld (Link) stammten.


Freitag, 17. Februar 2012

Fragen an ru24: Castingopfer

http://bit.ly/zeL4vW
D. PoP aus W. fragt: Sehr geehrter Professor Rundumschlag24, ich hab da auch mal eine Frage die mich schon länger beschäftigt. Woher kommt eigentlich die gnadenlose Selbstüberschätzung bei den gefühlten 99% der Castingshow-Teilnehmer/Bewerber?

ru24 antwortet: Als erstes war ich auf deiner Facebookseite, um den Anfangsbuchstaben deines Nachnamens in Erfahrung zu bringen. Dort stand dann: "Empört euch! We are the 99%" - ich musste doch sehr lachen! :)

In die Trickkiste gegriffen - Evangelium des Lukas, 18.11: "Der Pharisäer aber betete: Herr, ich danke dir, dass ich nicht so bin wie jene." (sinngemäß zitiert)
So ging das Fremdschämen Anno 80 n. Chr. Seinerzeit waren mit "jenen" noch diverse Halunken und Zöllner gemeint.
Heutzutage ist der "Pharisäer" der sich fremdschämende Fernsehzuschauer und "jene", das sind die Teilnehmer einer Fremdschämveranstaltung (DSDS, GNTM etc.) im TV. Da lässts sich's vor der Glotze wohlig gruseln, derweil der Großteil der wenig Telegenen sich selbst zu Casting-Opfern macht.

Jeder, der jemals mehr als drei Minuten über so eine Sendung (dito IBES, BB et al.) nachgedacht hat, weiß, dass es hier nur um Kohle geht, nämlich Werbeeinahmen und Zuschauer zu überteuerten Anrufen & SMS zu animieren ("Call-in TV"). Der Rest ist nur hohle Inszenierung, bei der der Gewinner der Staffel schon vor der ersten Sendung feststeht. Als Füllmaterial und Grusel-Staffage gibt es die Dummies, die sich öffentlich zu Idioten machen.
Ein trauriges Beispiel: hier.

"Gerade während der Pubertät seien Jugendliche 'besonders anfällig für Figuren, die eine Leitorientierung geben. Das ist einer der zentralen Gründe für den Erfolg dieser Sendungen.'" (Quelle)

Ich sag mal: Tsts!
Wir haben uns seinerzeit nie-nie-niemals selbst überschätzt, Vorzeigejugendliche und Prunk-Pubertierende, die wir waren! Bei "Jugend Forscht" konnten wir beeindrucken. Wir sammelten Heiligenbildchen in unseren Poesiealben und lernten die 16 Neujahrsansprachen von Helmut Kohl auswendig. Die Vorbilder unserer Jugend waren seinerzeit Mahatma Ghandi, Albert Schweitzer, Marie Curie und Theodor Heuss. Wir hörten klassische Musik.
Et gab ja nix!
Sowas hätte es früher nicht gegeben!


Übers Fremdschämen: (Link)
STERN über DSDS 2009: (Link)


Dienstag, 24. Januar 2012

Fragen an ru24: TV-Glotzer


http://bit.ly/wCBJ9o
Anne A. aus L. fragt: "Lieber Rundumschlag24, warum gibt es so viele Schwachsinnsformate im TV à la Dschungelcamp? Müssen wir davon ausgehen das es Millionen Schwachsinnige gibt, die uns umgeben? Und wie können wir diesen ausweichen? Hilft es zu rufen: 'Hiiiiilfeee, ich will diesen Schwachsinn nicht, holt mich hier raus?'"

ru24 antwortet: Liebe Anne,
Im November 2003 habe ich mal aus Jux "Richterin Barbara Salesch" gesehen. Es war so unvorstellbar schlecht, dass ich vor Fassungslosigkeit wie erstarrt dem grenzdebilen Treiben ausgeliefert war, bis ein brüllender Werbeblock mich aus der Katatonie gerissen hat. Auch wurde ich einst unschuldiges Opfer (als Besuch bei Leuten) einer Folge "Big Brother" (Staffel 4, 2003) und tatsächlich habe ich sogar aus dem gleichen Grund mal eine Sendung "DSDS" gesehen (2010). Ich leide noch immer an Spätfolgen wie nächtliches Hirnrasen und Anfälle von Wortfindungsstörungen kurz nach dem Aufwachen.
Das ist alles nicht so schön.

Gäbe es keine Scheiße, gäbe es auch keine Fliegen.
Die rein werbe-finanzierten Privaten würden ohne ihr Publikum ebenso wenig existieren. Was natürlich bedeutet: Ja, wir sind von Millionen von Schwachsinnigen umgeben. Aber das wären wir auch, wenn es diese Sender nie gegeben hätte. Nur so hocken unsere geistig inaktiven Mitbürger brav zu Hause, furzen in die durchgesessene Couch,
1) trinken zu viel Licher-Bier, die Perle der Natur,
2) knabbern Chio X-treme Chili-Chips und
3) funny-frisch Erdnuss Flippies Wasabi
und bekommen durch die Dauerberieselung von 22 Werbeblöcken pro Tag einen ziemlich guten Eindruck davon, was sie sonst noch alles zu konsumieren haben. Wenn man jetzt wie am Ende von "Die Klapperschlange II" den Stecker zöge, dann wälzten sich die plötzlich ihres bisherigen Lebensinhalts beraubten Massen randalierend durch unsere Straßen.
Das wäre noch viel unschöner.

Also: Getreu dem Microsoft-Motto "Help yourself" kannst du aber (wie ich Anno 2001) bei dir zu Hause den Stecker ziehen.
Lies ein gutes Buch (da liegen noch ein paar Ungelesene herum!), stricke eine Mütze. Koche Ente à l'orange. Lade Leute ein. Spielt Spiele! Führe Tagebuch. Schreibe eine Geschichte oder einen Roman. Blogge. Fotografiere rostige Objekte. Triff dich mit Leuten. Bastle einen 2 m hohes Modell des Eiffelturms aus Olivenkernen. Schau eine Yoga-DVD und staune. Gehe in ein Programmkino. Lerne chinesische Mondlaute spielen. Lerne Klingonisch.
Mache, wozu immer du Lust hast!

Linktipp: hier.


P.S.: Wer auch Fragen an ru24 hat, kann sie gerne in den Kommentaren stellen, ich werde sehen was ich machen kann, sie zu beantworten.


Montag, 12. Dezember 2011

Queen Mom 10 - TV

http://bit.ly/uW8uyn
Es ist 1987.
Ich komme in die Küche der von mir bewohnten elterlichen Wohnung. Queen Mom sitzt an ihrem Platz am Küchentisch und studiert eine Fernsehzeitung. Ich trinke ein Glas Milch und lümmele mich in der Ecke herum.
»Heute Abend kommt wieder Mi-Ami Wick«, sagt Queen Mom.
»Wt?«, frage ich. Ich bin 20 und habe gerade eine minimalistische Phase.
»Mi-Ami Wi-hi-ck«, betont meine Mutter überdeutlich.
»?«, frage ich, gehe herüber, schaue mit schief gelegtem Kopf in die vor ihr liegende Zeitung, gespannt, was heute Abend wohl angeblich laufen solle. Es ist Dienstag und auf dem Ersten kommt um 21.45 Uhr ›Miami Vice‹!
Ich platze fast vor Lachen.
Queen Mom ist not amused. Sie nimmt ihre Lesebrille, setzt sie auf.
»Ich hatte ja auch keine Brille auf«, sagt sie äußerst würdevoll.
Sicher, sicher.

Samstag, 10. September 2011

ru24 History 25: This is the end of the world as we know it (2001)

Das dritte Jahrtausend hatte angefangen und ich war noch nie in den USA gewesen. Somit beschlossen Freund Thomas und ich, mal eine Woche nach New York zu fliegen, zumal die gute, alte Deutsche Mark so gut wie lange nicht stand. Und in ein paar Monaten sollte der Euro eingeführt werden, wer konnte schon sagen, wie es dann werden würde. Die Urlaubsplanung schleppte sich zögerlich hin, dann gaben wir uns einen Ruck: Wir verabredeten uns bei mir zu Hause für die - Tadaaa!!! - endgültige Planung unserer New York-Reise.
Es war ein Dienstag.
Es war der 11.09.2001.
Ich hatte frei an diesem Tag und fuhr nach Wuppertal. In der Rathausgalerie gab es einen Plattenladen, ich grofelte angelegentlich durch die Auslagen. Der Tresenmann war überhaupt nicht bei der Sache, er starrte die ganze Zeit durch die Schaufenster auf einen im Einkaufszentrum installierten Fernseher, auf dem irgendein aus der Hüfte gefilmter SF-Film mit Hochhäusern lief - tsts. Ich hätte währenddessen den ganzen Laden ausräumen können.
Zuletzt kaufte ich eine CD und trollte mich.
Da ich abends Besuch bekam, fuhr ich auf dem Weg zur Wohnung noch einen Schlenker bei PENNY vorbei und kaufte etwas Bier und was zum Knabbern. An der Kassenschlange tappte mir jemand auf die Schulter, ich drehte mich um. Der Mann war mir völlig unbekannt.
"Haben Sie DAS gesehen?", fragte er mit bebender Stimme, er war irgendwie blass und fahrig.
Ich schaute aus den Panorama-Fenstern des Marktes hinaus auf die Kaiserstraße, aber da war nichts - wie immer.
Ich drehte mich wieder zu ihm um und grunzte fragend.
"Gehen Sie nach Hause und schalten Sie den Fernseher an! DAS IST WAHNSINN!!!", fabulierte er.
Ich nickte, beschloss aber, den Mann für nicht ganz zurechnungsfähig zu halten.
Dann fuhr ich heim, es war ca. 18.00 Uhr.
Jacke an, Tasche um und Sixpack in der Linken drückte ich einer Eingebung folgend auf die Fernseh-Fernbedienung.
Der SF-Film mit den Hochhäusern lief noch immer.
1) Flug AA 11 schlägt im Nordturm des WTC ein.
2) Flug UA 175 verschwindet im Südturm.
3) Gehe zu 1)
Und in meinem Kopf spielten REM unaufhörlich "This is the end of the world as we know it".
Als Thomas wie immer auf die Sekunde genau um 20.00 Uhr an der Tür schellte, hatte ich noch immer die Jacke an und die Tasche um, stand noch immer an der gleichen Stelle, die Fernbedienung in der Rechten. Das Bier stand auf dem Boden neben mir.
Wir tranken warmes Bier und starrten auf den Fernseher.
Die Bilder waren die Gleichen.
1) Flug AA 11 schlägt im Nordturm des WTC ein.
2) Flug UA 175 verschwindet im Südturm.
3) Gehe zu 1)
Keine Überraschung: Wir haben unsere NY-Reise an diesem Abend nicht geplant.
Tags drauf, am 12.09.2001, stöpselte ich mein Antennenkabel aus dem Fernseher und warf es weg. Kabel und GEZ habe ich gekündigt/abgemeldet.
Bis heute bin ich clean und ich habe seitdem nichts vermisst.

Im Dezember 2001 rief der damalige Bürgermeister New Yorks, Rudolph Giuliani, die Touristen der Welt auf: Wenn ihr etwas für die Stadt tun wollt, kommt uns besuchen!
Wir kamen.


P.S.: Die CD, die ich mir am 11.09.2001 in dem Laden mit dem unaufmerksamen Verkäufer geholt hatte, entdeckte ich Monate später, noch im Verkaufs-Tütchen steckend, bei den anderen CDs.
Sie war Mist.

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Montag, 7. Dezember 2009

ru24: Bildungsfernes Sehen

Die Tage lese ich quasi en passant so alles mögliche krause Zeug. Nicht das, was wirklich wo steht, sondern was mein Gehirn sich so ausdenkt.
Da saß ich letzten Freitag bei Fielmann und wartete auf meine Akkord-Optikerin, die irgendwo herumwuselte. Mein Blick wanderte durch den Laden und fiel zuletzt auf eine Werbung.
"Bildungsfernes Sehen", las ich.
Ich kicherte.
Na, die kommen ja auf Ideen, Brillen für's TV-Glotzen anzupreisen, dachte ich. So als Antithese zur Lesebrille: "Bildungsfernes Sehen für bildungsferne Schichten".
Ich fand das mal total spannend!
Und die Fielmänner, die trauen sich was!
Dann sah ich, dass da tatsächlich "Blendungsfreies Sehen" stand.
Ach so.
Schade.

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