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Sonntag, 13. Oktober 2013

Albrecht Domina Gold

http://goo.gl/RJZExd 
Normalerweise habe ich als Kunde im Supermarkt genug Zeit, meine Waren aufs Band zu legen, und zwar in einer Reihenfolge, die sinnstiftend ist: die schweren Sachen nach vorne, die leichten, zerbrechlichen oder zerdrückbaren Dinge wie Eier, Obst, Salat nach hinten. Dann kann ich flott nach vorne gehen, um die kassierten Waren in den Einkaufswagen zu verstauen. Das klappt ganz hervorragend bei Penny, REWE und bei Schnarchnasen-Edeka sowieso - nirgends muss ich heutzutage länger an der Kasse stehen als dort, wo sie Lebensmittel lieben - Muahahaha!
Der Killer indes ist Aldi.
Bei Feinkost Albrecht haben sie einen dermaßen brachialen Durchsatz an der Kasse, dass ich schon meinen Plunder nicht mal vernünftig aufs Band gelegt bekomme - auch, wenn gar niemand hinter mir steht. Während ich hinten noch ächzend Lebensmittel aufs Kassenband werfe, wird vorne schon in Hochgeschwindigkeit kassiert - blip-blip-blip, Ware häuft sich, staut, bäumt sich regelrecht auf. Ich stürze herbei, um den vorderen Kassenbereich zu räumen, muss aber erst den Beutel entfalten oder die Kiste aufklappen, was die Situation arg verschärft - solches ist hier nicht vorgesehen. Der Käufer als Störfaktor in einem ansonsten perfekt optimierten System. Die seelenlose Kassiererin scannt nun bereits alle 0,75 Sekunden einen Artikel, schiebt, stapelt. Der Kunde (moi) gerät in Schweiß, versucht, die Melone nicht auf die Bio-Eier fallen zu lassen, zermalmt stattdessen die Romana-Salatherzen. Deckel springen von Joghurtbechern, die Kanten von Milchbeuteln rammen sich in Nektarinen. Kekse splittern in ihren Packungen. Ich packe und schnaufe, sehe meine Einkäufe im Einkaufswagen schon komplett vor die Hunde gehen. Die Kassiererin erhöht, ohne dass Notwendigkeit dazu bestünde, den Durchsatz noch einmal, scannt nun alle 0,6 Sekunden einen Artikel. Mir plumpst der Fleischsalat auf den Boden. Während ich mich bücke, um das Desaster zu begutachten, dreht die Kassiererin des Teufels nochmals auf, scannt jetzt pro Sekunde zwei Artikel - nicht, weil sie müsste, sondern weil sie es kann. Zu reinen Schemen verzerrte Waren flirren über den Scanner wosch-wosch-wosch, ich als Kunde verkomme derweil zum sklavischen Dienstleister einer blau bekittelten Domina an Kasse #3, die mich gerade Kraft ihrer Profession fertig macht.
Übergangslos mit dem letzten *blip* nennt die Scanner-Domina ihren Preis.
Ich räume und ächze, zücke dabei gleichzeitig auch noch die Karte, alles geht zu schnell, als dass ich noch folgen könnte oder gar darüber nachdenken, ob der genannte Preis auch nur annähernd OK ist. Schon habe ich EC-Karte und Bon in Händen, eine Grußformel verklingt, da wird schon der nächste Kunde brachial und überschnell abgewickelt. Der drängt in Panik, wie von Furien gehetzt, an den Platz, an dem ich noch beliebe mich aufzuhalten.
Die Hälfte der Nektarinen sind Matsche, dito die Salatherzen, die Kekse sind ein Gekrümel.
Den Rest des Schadens kann ich lahmer Depp ja zu Hause begutachten.
Ich ramme Bon und EC-Karte unordentlich ins Portemonnaie, versuche diesen unwirtlichsten aller Orte zu fliehen.
Vermutlich sollte ich nur noch zu Aldi gehen, wenn mein allzu übergroßes Ego mal wieder einen empfindlichen Dämpfer benötigt.
Albrecht Domina Gold.

P.S.: Wirklich megabrutal ist der ALDI Remscheid-Bergisch Born, Bornefelder Straße/Am Eichholz, ich habe es dreimal in Folge getestet: Die besorgen es dir mal so richtig!

Top-Tipp:
"Ich beschädige im Supermarkt inzwischen mit Absicht den Barcode an ein bis zwei Artikeln, damit ich an der Kasse Zeit zum Einpacken gewinne." @wawerka, Twitter
So könnte es klappen.


Freitag, 24. Mai 2013

Gnocchi

goo.gl/1og4N
Früher gab es bekanntlich ja nix. Und noch davor gab es mal überhaupt gar nix! Vor der Entdeckung Amerikas gab es in Europa nicht mal Ananas, Avocados, Tomaten, Mais, Chili, Kartoffeln und Kürbisse.
Also, wichtig für alle Zeitreisenden: Keine "Pommes Schranke" oder Mikrowellen-Popcorn vor 1492! Kriegt das in die Birne!
Vermutlich gab es damals auch keine Smacks, Bananen, Erdnussflips und Hubba-Bubba - mein Gott! Vor 1492 müssen die Leute an Steinen gelutscht haben!

Dass es "kaum etwas gab" dauerte tatsächlich bis in die frühen 90er des 20. Jahrhunderts, aber dann ging plötzlich alles ganz schnell: Plötzlich gab es beim Discounter Flusskrebssalat im Kühlregal, mehrere Sorten Balsamico-Essig, Erdnussbutter in glatt und stückig, Parmesan am Stück, Kiwis und Mangos. Feinkostgeschäfte (wie "Feinkost Sackermann" auf der Alleestr. in Remscheid) schlossen in Scharen - sie wurden nicht länger benötigt.
Mit dieser absoluten Gewissheit im Rücken ging ich die Tage zum "Feinkost Albrecht" aka "ALDI", um meine Einkäufe zu verrichten. Auf der Einkaufsliste standen auch Gnocchi.
Exkurs: Die Aussprache dieser Teigware aus Kartoffeln ist in etwa "Niocki" und keinesfalls "Gnotschi" oder "Gnocki".
Ich renne mir im Wuppertaler Aldi also die Hacken wund, schaue bei Nudeln, durchforste das Kühlregal, keine Gnocchi weit & breit. Ich wieder zum Regal, wieder an die Kühltheke - nix. Natürlich auch keine aldiblaue Elfe in Sicht, ich wieder hin und her, voll der Schlauch, frage zuletzt an der Kasse, weil niemand aufzutreiben ist.
"Entschuldigung, wo sind denn die Gnocchi?"
"HÄ? WAT?", fragte die Kassiererin eloquent, unterbricht ihr Scannen.
"Gnocchi", wiederhole ich.
"Hä? Wat soll dat denn sein?", fragt se. De Leute inne Schlange kucken, als hätte ich "Fickööön" gesagt.
Gottogott!
"Na, so Miniklöße aus Kartoffeln...", sag ich.
"Neee!", sagt die Kassiererin und zieht weiter im Sekundentakt Artikel über den Scanner.
Ich gehe etwas ratlos zurück, da rennt mich fast eine Aldifrau um.
"Haben Sie Gnocchi?"
"HÄ???"
Soso...

Na, dann ist ja gut, dass ich nicht nach echten Exotika wie Annone oder Kopi Luwag gefragt habe, man wird ja auf dem Lande sehr leicht für pervers gehalten.


Mittwoch, 29. Februar 2012

Wanderdüne? Autsch!!!

http://bit.ly/xVLYwV
Ich renn wie Harry durch den Supermarkt auf der Suche nach Artischockenherzen. Ich hatte das Konservenregal zweimal abgeschritten und auch die überteuerte Delikatessenecke, die fast hauptsächlich aus KATTUS-Produkten bestand, alles Fehlanzeige.
Natürlich war weit und breit auch keine Einzelhandelsfachverkäuferin auszumachen, natürlich.
Ich meine - hey! - Artischockenherzen, da hat die Natur sowas wie gaumenweichen Fensterkitt in unappetitlicher Farbe hervorgebracht, aber ich brauchte sie für ein Rezept, wo sie aus unerfindlichen Gründen ausdrücklich gefordert wurden. Na gut...
Ich gehe also zur Kasse, da sitzen ja Einzelhandelsfachverkäuferinnen herum.
"Hallo, ich bin auf der Suche nach Artischockenherzen!", sprach ich Kasse 5 an.
"Moment, ich ruf Ihnen den Azubi!", sagte die Kassiererin und flüsterte in ein Schwanenhalsmikrofon.
Ich harrte der Dinge die da kommen sollten.
Nach einer Weile näherte sich aus Höhe der Fleischtheke ein bekittelter Jüngling in der Geschwindigkeit einer nicht allzu schnellen Wanderdüne.
Ich besah mir das eine Weile.
"Meine Güte!", sagte ich zu der Kassiererin, "Der hat ja echt nen Zahn drauf!"
Bissi "Azubi-Bashing"... (hihi!)
Kasse 5 sah zu mir hoch.
"Der ist gehbehindert", sagte sie trocken.
Autsch!
*xtreme bodenversinking*
Ich wieder mit meiner großen Klappe.