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Dienstag, 8. November 2016

Rätselhaft

"Orange" aus dem Penny-Markt Radevormwald

In Penny-Märkten gibt es jetzt Orangen, auf denen ein "Orange"-Aufkleber prangt und auch Birnen, auf denen "Birne" steht. WTF? Wer ist die Zielgruppe? Sollen hier etwa neue Kundenschichten erschlossen werden? Sind es gerade jüngere Kunden, die hier angesprochen werden sollen, die dann als Beifang zum Energy-Drink auch mal eine "dieser Orangen" oder eine "dieser Birnen" mitnehmen? Oder werden die Kunden einfach immer dümmer? Oder vielleicht die Kassiererinnen?
Rätselhaft.


Freitag, 8. Juli 2016

Augenkrebs für alle!

photo credit: Meat Grinder zombie via photopin (license)

Diesen Mittwoch war ich wirklich nur "mal eben" im nachbarschaftlichen Wuppertaler Penny, Kieler Str. 38, es ging um etwas Obst und etwas Schnickschnack. Schnell reihte ich mich in die Kassenschlange ein und legte meine drei Polinten aufs Band.
Grundgütiger!
Die Irren hatten ihre Drohung mit Schockbildern, die 2/3 einer Zigarettenschachtel bedecken, wahr gemacht. Doch wenn man Tabaksdosen damit bedruckt, die dicker sind als eine Haushaltsrolle und die halbe Höhe davon haben, dann ergibt das verdammt viel Fläche, zudem die Riesendosen zu viert übereinander und auf 80 cm Breite über dem Kassenband nebeneinender stehen.
Meinen blutenden Augen bot sich dar:
  • Rachenfraß mit drei unfachmännisch plompierten Zahnstumpen (Innenaufnahme)
  • Raucherbein in Aspik mit hohem Krampfaderanteil
  • Raucherlunge im eigenen Saft
  • Kehlkopfkrebs an Geschwulsten
  • multiples Organ-Gedönse
Bei allen Fotos hatte man sehr viel Wert darauf gelegt, bloß keine Ästhetik aufkommen zu lassen, sondern das Ganze war im Stil von vom Inhaber selbst geschossenen, fetttriefenden Essensfotos vom "runtergerockten Griechen anne Ecke" aufgenommen, natürlich mit Blitz und auf Anschlag gedrehten Farben.

Jetzt mal in echt: Es ist nicht erst seit den 80ern bekannt, dass Schock-Bilder die Abzuschreckenden einen Scheiß abschrecken. Warum weiß man solches in der EU nicht? Dann doch bitte lieber jedes Jahr 0,50€ die Preise rauf, ihr Vögel, als Augenkrebs für alle!

Was mich daran wirklich stört: Ich rauche überhaupt nicht und werde mit diesem Shit echt hart belästigt. Ich erklärte der Kassiererin, dass man da wohl über dem Kassenband wohl noch eine blickdichte Wand aufziehen müsse, damit unschuldige Kunden (moi) und Kinder nicht verstört werden. Sie verstand nicht.
"Sie müssen ja nicht hinkucken!", sagte sie.
Is klar.
So funktionieren Leute ja auch.
Geht gar nicht.
Ich bleibe dran.

So eine Sauerei können die sich auch erst trauen, seit der Schmidt tot ist.


Samstag, 4. Juni 2016

Seuchenvögel

photo credit: Winter Viruses and How to Beat Them via photopin (license)
Wie jeden Mittwochabend schob ich mich letzte Woche durch den Radevormwalder Penny-Markt. Ich grofelte gerade vorne durch die Obstauslagen (man muss ja immer reichlich von dem Zeug für die Fruchtfliegen mit nach Hause nehmen), als ich das Gekläffe hörte.
Irritiert blickte ich mich um und sah eine junge Mutter, die in ihrem Einkaufswagen zwei hart verrotzte Gören in den Laden schob. Der etwa Fünfjährige stand im Wagen, der circa Dreijährige saß in dem Kinderklappsitz. Die beiden Virenschleudern husteten bellend wie die Seehunde und niesten wie die Sittiche, das natürlich alles, ohne je eine Hand vor den Mund zu halten. Durch ihre unterschiedliche Anbringungshöhe und das ständige, leuchtturmartige Schwenken ihrer rotzverklebten Köpfe, verteilten sie ihre Gaben fast schon überoptimal. Wenn das der Ausbruch einer tödlichen Seuche war, dann war das Ende der Welt sehr nah! Noch niemals zuvor hatte ich mir so sehnlich einen Chemturion-Anzug (Abb.) oder wenigstens das Outfit eines mittelalterlichen Pestarztes (Abb.) gewünscht!
Ich versuchte etwas linkisch immer mindestens 12 m strategischen Abstand zu halten, dabei schmiss ich etwas abgelenkt wahllos Lebensmittel in meinen Wagen. Mit der anderen Hand googlete ich die Nummer einer deutschen Seuchenschutzbehörde, aber natürlich fand ich in der Aufregung nur das amerikanische CDC & seinen europäischen Ableger ECDC. Das europäische Zentrum für Seuchekontrolle in Solna, Schweden hatte gerade das West-Nil-Fieber im Angebot, wenn ich es richtig interpretierte. Das half jetzt auch nicht weiter!
Zwischendurch sah ich aus der Ferne, wie die Mutter ihren beiden Seuchenvögeln aus einer Wasserflasche zu trinken gab, sie quasi nachlud -- vielen Dank dafür! Das sputumhaltige Kläffen und feuchte Rotzen verfolgte mich durch den ganzen Laden. Wenn die Mutter ihre Seehunde von der Leine gelassen hätte, dann wäre im Penny sicherlich eine Panik ausgebrochen.
Eine Ein-Mann-Panik.

Erst zu Hause, die Patienten Null waren bereits über alle Berge des Bergischen Landes, entdeckte ich das für die kleinen Schleudern in Deutschland zuständige Robert-Koch-Institut (RKI), gut versteckt auf der sechsten oder siebten Google-Trefferseite, aber da war es natürlich schon zu spät.

Mein linkes Auge juckt.
Habe ich heute leicht überhöhte Temperatur?
Von der Inkubationszeit her passt es.

Gottogott.


Freitag, 31. Oktober 2014

TW 7 - Der Brot-Zwischenfall


Letztens Mittwochs hatte T.W. (Tante Waltraud) nur en paar Kleinigkeiten einzukaufen. Danach "wollten" wir Tante Walburga im Krankenhaus besuchen. Gesagt, getan. Am Krankenhaus angekommen nahm de Tante ihren Beutel mit den Einkäufen mit und alsbald fanden wir uns im Krankenzimmer ein.
"Hallo!", sagte ich zu der elend darniederliegenden Tante Walburga.
"Ich muss mal eben!", verkündete T.W. un verschwand.
Die nächsten 20 Minuten vergingen wat zäh, während ich versuchte, mit der arg maladen Tante Konversation zu machen. T.W. blieb währenddessen verschollen wie seinerzeit der Polarforscher Scott Anno 1912.
"Wo isse?", fragte ich nach einer Weile ratlos innen Raum.
"Och, se verläuft sich ja neuerdings schon mal!", hellte sich die Leidensmiene der Besuchten auf, se kannte dat wohl schon. Kurz bevor ich einen Suchtrupp mit Hunden losschicken wollte, tauchte T.W. gottlob wieder auf.
"Ich hatte mich verlaufen", sagte se.
Das wäre jetzt eigentlich gemäß meiner Uhr der Augenblick gewesen, an dem ich gerne "Arrivederci, Claire" gesagt vulgo "die Biege gemacht" hätte, aber de Tante war ja quasi justament erst eingetroffen. Jubilate! Se wühlte in ihrer Einkaufstasche und förderte ihre traditionellen Gaben, de Gold-Weihrauch-und-Myrrhe-Pendants Vollmilch-Schogetten, Tempo-Taschentücher un de Apotheken-Rundschau zutage.
Nach einer Weile brachen wir auf, ich fuhr de Tante nach Hause, froh, dass ich an dem Tag auch noch irgendwann Heim kommen würde. Beim Aussteigen fuhr de T.W. de Schreck durch de Glieder!
"Gottogott! Ich hab de Einkäufe stehen lassen!"
"Tantchen, wat war denn noch drin inner Tasche?"
De Tante konsultierte ihren Einkaufszettel. Abzüglich der Gaben, die sie verschenkt hatte, handelte et sich bei "ihren Einkäufen" um ein (1) Brot zu 1,27 EUR.
"Würdest du mir de Einkäufe noch holen?", fragte se als Angehörige einer Generation, die urst spendabel mit der Lebenszeit ihrer jüngeren Anverwandten umging.
"Tante. Du hast noch Brot zu Hause. Am Sonntag fahrt ihr doch wieder hin zu de Walburga, dann holste dir dat Brot einfach ab, dat ist dann auch noch gut!"
Wat wiederwillig stimmte se zu.

Auf der Fahrt nach Hause kamen mir erste Zweifel: Würde de Tante weitere vier Tage ohne ihr Brot zu 1,27 EUR leben können, zumal sie laut Google Maps 220 m vom Penny-Markt entfernt wohnt? Konnte dat wohl gutgehn?
Kaum zu Hause angekommen, rief ich en Bruder an und erklärte ihm die Sache.
"Ich weiß", sagte er. De Tante hatte wahrhaftig schon bei ihm angerufen, ob er ihr nich "de Einkäufe" ausm Krankenhaus holen könnte, Neffe Henning hättet ja nich gemacht.
Herr im Hemd! Man glaubt et nich!
Tags drauf hat der Bruder auf dem Rückweg vonner Arbeit nen Umweg am Krankenhaus vorbei gemacht, dat verdext kriegswichtige Brot zu 1,27 EUR abgeholt un ihr vorbei gebracht, damit de arme Seele endlich Ruh hatte!
Wat en Theater!


Sonntag, 13. Oktober 2013

Albrecht Domina Gold

http://goo.gl/RJZExd 
Normalerweise habe ich als Kunde im Supermarkt genug Zeit, meine Waren aufs Band zu legen, und zwar in einer Reihenfolge, die sinnstiftend ist: die schweren Sachen nach vorne, die leichten, zerbrechlichen oder zerdrückbaren Dinge wie Eier, Obst, Salat nach hinten. Dann kann ich flott nach vorne gehen, um die kassierten Waren in den Einkaufswagen zu verstauen. Das klappt ganz hervorragend bei Penny, REWE und bei Schnarchnasen-Edeka sowieso - nirgends muss ich heutzutage länger an der Kasse stehen als dort, wo sie Lebensmittel lieben - Muahahaha!
Der Killer indes ist Aldi.
Bei Feinkost Albrecht haben sie einen dermaßen brachialen Durchsatz an der Kasse, dass ich schon meinen Plunder nicht mal vernünftig aufs Band gelegt bekomme - auch, wenn gar niemand hinter mir steht. Während ich hinten noch ächzend Lebensmittel aufs Kassenband werfe, wird vorne schon in Hochgeschwindigkeit kassiert - blip-blip-blip, Ware häuft sich, staut, bäumt sich regelrecht auf. Ich stürze herbei, um den vorderen Kassenbereich zu räumen, muss aber erst den Beutel entfalten oder die Kiste aufklappen, was die Situation arg verschärft - solches ist hier nicht vorgesehen. Der Käufer als Störfaktor in einem ansonsten perfekt optimierten System. Die seelenlose Kassiererin scannt nun bereits alle 0,75 Sekunden einen Artikel, schiebt, stapelt. Der Kunde (moi) gerät in Schweiß, versucht, die Melone nicht auf die Bio-Eier fallen zu lassen, zermalmt stattdessen die Romana-Salatherzen. Deckel springen von Joghurtbechern, die Kanten von Milchbeuteln rammen sich in Nektarinen. Kekse splittern in ihren Packungen. Ich packe und schnaufe, sehe meine Einkäufe im Einkaufswagen schon komplett vor die Hunde gehen. Die Kassiererin erhöht, ohne dass Notwendigkeit dazu bestünde, den Durchsatz noch einmal, scannt nun alle 0,6 Sekunden einen Artikel. Mir plumpst der Fleischsalat auf den Boden. Während ich mich bücke, um das Desaster zu begutachten, dreht die Kassiererin des Teufels nochmals auf, scannt jetzt pro Sekunde zwei Artikel - nicht, weil sie müsste, sondern weil sie es kann. Zu reinen Schemen verzerrte Waren flirren über den Scanner wosch-wosch-wosch, ich als Kunde verkomme derweil zum sklavischen Dienstleister einer blau bekittelten Domina an Kasse #3, die mich gerade Kraft ihrer Profession fertig macht.
Übergangslos mit dem letzten *blip* nennt die Scanner-Domina ihren Preis.
Ich räume und ächze, zücke dabei gleichzeitig auch noch die Karte, alles geht zu schnell, als dass ich noch folgen könnte oder gar darüber nachdenken, ob der genannte Preis auch nur annähernd OK ist. Schon habe ich EC-Karte und Bon in Händen, eine Grußformel verklingt, da wird schon der nächste Kunde brachial und überschnell abgewickelt. Der drängt in Panik, wie von Furien gehetzt, an den Platz, an dem ich noch beliebe mich aufzuhalten.
Die Hälfte der Nektarinen sind Matsche, dito die Salatherzen, die Kekse sind ein Gekrümel.
Den Rest des Schadens kann ich lahmer Depp ja zu Hause begutachten.
Ich ramme Bon und EC-Karte unordentlich ins Portemonnaie, versuche diesen unwirtlichsten aller Orte zu fliehen.
Vermutlich sollte ich nur noch zu Aldi gehen, wenn mein allzu übergroßes Ego mal wieder einen empfindlichen Dämpfer benötigt.
Albrecht Domina Gold.

P.S.: Wirklich megabrutal ist der ALDI Remscheid-Bergisch Born, Bornefelder Straße/Am Eichholz, ich habe es dreimal in Folge getestet: Die besorgen es dir mal so richtig!

Top-Tipp:
"Ich beschädige im Supermarkt inzwischen mit Absicht den Barcode an ein bis zwei Artikeln, damit ich an der Kasse Zeit zum Einpacken gewinne." @wawerka, Twitter
So könnte es klappen.


Samstag, 14. September 2013

'nine fourteen' im Netto Wuppertal-Elberfeld

http://goo.gl/KdnW4Y
Eigentlich bin ich an der Supermarkt-Schlange erst zweimal von aufgeregten Fremden angesprochen worden. Das erste Mal war am 11.09.2001. Der Mann vibrierte förmlich hinter mir herum, tappte mir dann auf die rechte Schulter. Noch während ich mich umdrehte, sprudelte er mich voll: "Gottogott, haben Sie heute schon ferngesehen? Gehen Sie sofort nach Hause und schauen Sie fern!!!"
Ich tat wie mir geheißen, der Rest ist Geschichte.
Das war 'nine eleven' im Penny Radevormwald (Blogbeitrag).

Heute war ich im Netto in Wuppertal. Ich hatte zwei Hokkaido-Kürbisse auf dem Band und Salzstangen. Der Typ hinter mir vibrierte förmlich. Dann platzte es aus ihm heraus: "Ey, heute ist David Hasselhoff bei Big Brother!!!", Freund Sonne hatte etliche Alkoholika für das Großereignis auf dem Band.
Ich überlegte kurz.
"Hä, ich dachte, der is tot?"
"Neee!!!", sagte der Mann vehement.
"Ach so, das war ja Patrick Swayze!", fiel es mir wieder ein.
"Ey, Mann, der is sowas von cool, der David Hasselhoff!"
"Top Typ!", sagte ich mit Daumen hoch und verließ den Laden.
Das war 'nine fourteen' im Netto Hochstr., Wuppertal-Elberfeld.


Sonntag, 22. Juli 2012

Queen Mom 18 - Dat Mädchen weiß et doch nich

bit.ly/M44ySi 
Mit de Mutter beim Penny.
Hinter de Kasse sitzt ne neue, ganz junge Kassiererin und tippelt de Artikel ein. De Mutter hat wieder Obst noch un nöcher eingekauft. De Kassenkraft hebt ne Pomelo auf.
»Wat ist dat?«, fragt se Queen Mom.
Mom schnaubt.
»Pomelo«, sach ich.
»Quatsch!«, sacht de Mutter, als hätte ich 'Feigenkaktus' gesacht.
De Kassierin guckt von mir zu ihr, dann blättert se inner Kassenliste.
»Grapefruit!«, sacht de Kassenkraft un tippt et prompt ein.
»Humbug!«, sacht de Mutter un zieht nen Flunsch. Dann kommt en Tütken mit Nektarinen.
»Und dat?«, fragt et Mädchen.
»Ja wie?«, entfährt et Queen Mom fassungslos.
»Pfirsich!«, sagt de Kassiererin zu sich selbs un gibt et auch ein.
De Mutter macht en glucksendes Geräusch.
»Wenn Haare dran sind, sind et Pfirsiche, sons sind et Nektarinen!«, sach ich.
De Kassenkraft guckt von mir zu Muttern, dann frimmelt se wieder mitter Kassenliste rum.
De Schlange hinter uns geht bis Meppen.
De Mutter stößt mich mim Ellenbogen an. Dann kommt aufm Band en Tütken mit Pfirsichen.
»Nektarinen!«, sagt de Kassiererin un tippt et ein.
De Mutter gurrt um Fassung ringend.
»Dat waren jetz abba Pfirsiche!«, sach ich.
»Nu bring dat Mädchen nich durcheinander!«, sacht de Mutter laut, dat et auch alle hören.
Sicher, sicher.
Is klar.
Un zu mir raunt se: »Is egal, et Obst kost hier eh alles dat selbe un dat Mädchen weiß et doch nich!«


Samstag, 11. Februar 2012

TW 1/Queen Mom 15 - Ernstfall

http://bit.ly/zx31Mr
Ich hab Spätdienst. Deshalb bin ich erst um 19.30 Uhr bei de Mutter, um unsere Einkäufe der Woche zu machen.
Queen Mom grofelt beim PENNY wieder 20 Minuten durch de Obst-Auslagen, um vier Bio-Äpfel und eine Avocado zu kaufen. Ich mache parallel meine eigenen Einkäufe.
Plötzlich kommt de Mutter (gemäß ihrer Möglichkeiten) hektisch angerannt, winkt.
"Wat ist?", frag ich.
"Oh Gott, de Waltraud!"
"Wie?"
"Ja, de Waltraud wollte bei mir vorbeikommen un ich hab ihr den Fernseher nich angemacht!"
Gottogott!
Vor meinem geistigen Ohr höre ich ein halbes Dutzend Luftschutzsirenen.
Wir hasten zur Kasse, zahlen, rasen heim.
De Mutter flutscht wie ne ganz Junge inne Wohnung.
Zu spät.
De Tante sitzt im fast dunklen Wohnzimmer, die Hände im Schoß, langweilt sich un prattet (= schmollt) vor sich hin.
De Mutter schaltet hektisch den Fernseher an, sucht schnell nen passenden Rosamunde-Pilcher-Sender.
De Tante sacht: "WÄWÄWÄ!!!"
Gottogott!
Ich verschwinde leise, verräume de Lebensmittel inner Küche. De Mutter kommt dazu, kuckt unglücklich.
"Warum schaltet se denn den Fernseher nich selbst an?", frage ich.
"Se weiß et doch nich, wie et geht!", flüstert de Mutter.


Donnerstag, 26. Januar 2012

Queen Mom 13 - Das Grabmal des unbekannten Soldaten (2004)

http://bit.ly/w7lcrj
Novembersamstag, de Tag vor Totensonntag, et hatte geschneit. Ich fahre zu Mom, mein Chauffeur- un Einkaufen-Gehen-Job.
»Wir müssen mal eben noch zum Blumenladen«, sacht se.
Ich mach en fragendes Gesicht.
»Für beim Papa auf'm Grab«, sacht se.
»Hm. Meinst du, dat der da wat von hat?«, frag ich zweifelnd. Meinen Atheismus un de Verneinung det ganzen Brimboriums hab ich ja von em.
Mutter zieht nen Flunsch.
»Die Leute fragen doch, ob wir wat hingelegt haben«, sacht se.
Sicher, sicher.
Wir fahren.
Am Blumenladen deutet se auf en riesiges Gesteck aus Tannenzweigen, Zapfen un Zeugs.
»Dat da sieht aus, als würd et lange halten«.
Mysterien. Ich nick. Queen Mom geht zahlen. Ich nehm derweil dat Dingen, pack et int Auto.
Mal eben zum Friedhof.
Keine Parkplätze vorne, aber et gibt ja nen Hintereingang. Ich parke.
»Ist de Wagen auch wirklich zu? Ich hab gelesen, de klauen hier wie de Raben!«
»Jip, ist zu«, attestiere ich.
Ich oberkellnere dat Gesteck in de Linken, de Mom hab ich am rechten Arm. De Friedhof ist reinweiß.
»Kuck mal, mein Gott, de Otto Schurichs!«, sacht se.
Da hier außer uns niemand is, vermute ich richtig, ein Grab.
»Wer war Otto Schurichs?«, frag ich.
»Der hat nach'm Krieg mit deim Papa Bäume gefällt un so«.
Ach, echt? De Vatter!
Wir zuckeln weiter.
»Jo, de olle Frau Celm!«
»Aha. de hat früher bei de Omma unten ein gewohnt, ne?«
»Jo. Mein Gott, ist dat schon lange her!«
Das Todesdatum ist von 1982, vor dem Geburtsdatum wächst ein Lebensbäumchen. Wir zuckeln weiter. Mein Oberkellner-Arm rumort. Hätte ich mal besser nachm Krieg wie de Vatter Bäume gefällt un so, statt immer nur am Schreibtisch zu hocken.
»Hier rein?«, frag ich.
»Nee.«
Weiter gehts.
»So! Ich glaub da hinten!«, sacht se wie immer ohne auf wat zu zeigen, »ich orientier mich immer an dem Dingen da... oder vielleicht an dem Dingen... ?«, wieder ohne auf wat zu zeigen.
Dat Gesteck wird langsam wat lästig.
»So!«, sacht se, »Wir müssen uns hier links halten!«
»Sieht irgendwie nich danach aus«, sach ich.
»Mein Gott!«, sacht de Mutter. »Von der Seite vom Friedhof her findse ja nix!«
»Vielleicht da hinten?«, frag ich. De Gesteckarm wird innen wat warm.
»Nee!«, sacht Mom nachdrücklich, »Aber haste dein Dingen dabei?«
Wie gewohnt gehe ich de Pfade vonne Möglichkeiten durch. Nach ein paar Sekunden fummel ich mein Handy aus de Tasche.
»Jo! Ruf mal eben de Waltraud an!«, sacht se, aber ich wähle schon de Nummer.
»Ja-haa?«, so meldet sich de Tante, de Schwester meiner Mutter immer.
»Hi, ich bin's«, sach ich. So melde ich mich immer.
»Ah, ja!«, sacht de Tante nach einigen Sekunden.
»Hörma', wir sind gerade auf em Friedhof un wollen en Gesteck auf Papas Grab legen, et hat aber geschneit un wir finden et nich!«, sach ich.
»Ah, hmm!«, sacht de Tante, dann nach einer Pause: »Ihr müsst links an dem Brunnen reingehen, dann auf de linken Seite«.
»Ja, un dann?«
»Ein oder zwei Gräber neben Habermann, ich hab auch schon en Gesteck draufgelegt«.
»Ja, danke Tantchen, finden wir ... tschö!«, sach ich un leg auf.
Ich laufe mit dem mittlerweile tonnenschweren Gesteck vor, de Mutter geht vorsichtig hinterher.
Langsam begreif ich, warum sich de Investition von nem Grabsteins vielleicht gelohnt hätte.
»Hier!«, ruf ich, an em Grab neben 'Habermann' stehend, Mom kommt hinzu.
»Is da denn dat Gesteck vonne Waltraud?«, fragt se.
Dat Grab is bucklig verschneit, ich grab an verschiedenen Stellen en Schnee weg, aber en Gesteck kommt nich zutage.
»Dat kann et ja auch gar nich sein – dat ist ja gar kein Familiengrab!«, sacht de Mom.
Puh! Ich jogge zum Nächsten, grab im Schnee.
»Hier is vielleicht wat Gesteckartiges«, ruf ich.
Se kommt hinzu, dat Gesicht drückt Zweifel aus.
Ich beschließ, dat dat Grab vor mir Papas Grab is.
'Fumm!' landet dat Gesteck auf ner halbwegs ebenen Stelle, mein Arm dankt et.
»So hier!«, sach ich.
»Biste sicher?«, fragt se.
»Nee«.
Wir stehen beide nebeneinander un starren auf dat Gesteck.
»Wir könnten dat Dingen auch alternativ auf dat 'Grabmal det unbekannten Soldaten' legen«, sach ich un kicher en bissken irr.
De Mutter kuckt wat missmutig.
»Der Papa hätt dat jetz aber auch lustig gefunden«, sach ich.
»Ich weiß«, sacht se un drückt meinen Arm, an dem se sich wieder untergehakt hat.
Wir gehen ganz langsam zum Auto, steigen ein.
»Können wir mal eben noch zum Penny?«, fragt se.
Sicher.


Freitag, 18. November 2011

Alles gut

http://bit.ly/tB7YG7
Sicherlich kennt das jeder: Man geht an einem Samstagnachmittag »zwischendurch nur mal eben zum Penny«. Man hat versehentlich einen Dreitagebart, trägt ein knittriges T-Shirt mit der Aufschrift »Aliens ate my brain«. Und vor allem hat man olivgrüne Crocs an den unbesockten Füßen, ist ja kein Staatsempfang. Zugegeben, ein etwas brachialer »casual wear«. Aber man ist ja mal wieder Single. Eigentlich will man »nur mal eben« Klopapier kaufen, da sagt eine Stimme hinter einem »Henning?« Nun ja, das ist dann der Olaf oder die Silke (mit denen man auf dem »Gymmi« oder auf der »Real« war). Man plauscht ein wenig im Sinne von »Wohnst du auch noch hier?« - »Äh. Ja, aber fast wäre ich mal weggezogen, nach Hückeswagen!«, dann geht man etwas steifbeinig auseinander, ein Riesengebinde Recycling-Toilettenpapier unter dem Arm. Beide sind in diesem Augenblick froh, dass sie sich im Gegensatz zu ihrem Gegenüber gut gehalten haben.
Was bei diesen Situationen bislang immer blieb, war das Gefühl, weit hinter seinen Teenagerplänen für das Leben als Erwachsener zurückgeblieben zu sein.
Tyler Durden alias Brad Pitt faßt das im Film Fight Club elegant zusammen:
»(...) Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen in dem Glauben das wir alle irgendwann mal Milionäre werden, Filmgötter, Rockstars. Werden wir aber nicht! Und das wird uns langsam klar. (...).«
Aber manchmal...
Gestern Abend war ich mit Queen Mom Einkäufe machen. Natürlich im Penny. Dort lief mir Peter über den Weg. Peter von »damals«. Wir hatten als Jugendliche etliche Hansa-Pils auf unser Wohl erbrochen.
Mea culpa! Ist länger her, so 1985.
Er stellte die gefürchtete Frage: »Un, wie isset?«
»Äh... Ich wohne jetzt in Wuppertal, bin mit meiner Freundin zusammengezogen - ist super, Job ist OK, alles ist gut." Ich war selbst überrascht, es war wirklich alles gut!
Peter konterte weise: »Ja, Mann, wir sind jetzt erwachsen. Irgendwann sollte auch mal alles gut sein!«
Ja, tatsächlich.
Meine Güte.
Und fast hätte ich es verpasst!


Samstag, 10. September 2011

ru24 History 25: This is the end of the world as we know it (2001)

Das dritte Jahrtausend hatte angefangen und ich war noch nie in den USA gewesen. Somit beschlossen Freund Thomas und ich, mal eine Woche nach New York zu fliegen, zumal die gute, alte Deutsche Mark so gut wie lange nicht stand. Und in ein paar Monaten sollte der Euro eingeführt werden, wer konnte schon sagen, wie es dann werden würde. Die Urlaubsplanung schleppte sich zögerlich hin, dann gaben wir uns einen Ruck: Wir verabredeten uns bei mir zu Hause für die - Tadaaa!!! - endgültige Planung unserer New York-Reise.
Es war ein Dienstag.
Es war der 11.09.2001.
Ich hatte frei an diesem Tag und fuhr nach Wuppertal. In der Rathausgalerie gab es einen Plattenladen, ich grofelte angelegentlich durch die Auslagen. Der Tresenmann war überhaupt nicht bei der Sache, er starrte die ganze Zeit durch die Schaufenster auf einen im Einkaufszentrum installierten Fernseher, auf dem irgendein aus der Hüfte gefilmter SF-Film mit Hochhäusern lief - tsts. Ich hätte währenddessen den ganzen Laden ausräumen können.
Zuletzt kaufte ich eine CD und trollte mich.
Da ich abends Besuch bekam, fuhr ich auf dem Weg zur Wohnung noch einen Schlenker bei PENNY vorbei und kaufte etwas Bier und was zum Knabbern. An der Kassenschlange tappte mir jemand auf die Schulter, ich drehte mich um. Der Mann war mir völlig unbekannt.
"Haben Sie DAS gesehen?", fragte er mit bebender Stimme, er war irgendwie blass und fahrig.
Ich schaute aus den Panorama-Fenstern des Marktes hinaus auf die Kaiserstraße, aber da war nichts - wie immer.
Ich drehte mich wieder zu ihm um und grunzte fragend.
"Gehen Sie nach Hause und schalten Sie den Fernseher an! DAS IST WAHNSINN!!!", fabulierte er.
Ich nickte, beschloss aber, den Mann für nicht ganz zurechnungsfähig zu halten.
Dann fuhr ich heim, es war ca. 18.00 Uhr.
Jacke an, Tasche um und Sixpack in der Linken drückte ich einer Eingebung folgend auf die Fernseh-Fernbedienung.
Der SF-Film mit den Hochhäusern lief noch immer.
1) Flug AA 11 schlägt im Nordturm des WTC ein.
2) Flug UA 175 verschwindet im Südturm.
3) Gehe zu 1)
Und in meinem Kopf spielten REM unaufhörlich "This is the end of the world as we know it".
Als Thomas wie immer auf die Sekunde genau um 20.00 Uhr an der Tür schellte, hatte ich noch immer die Jacke an und die Tasche um, stand noch immer an der gleichen Stelle, die Fernbedienung in der Rechten. Das Bier stand auf dem Boden neben mir.
Wir tranken warmes Bier und starrten auf den Fernseher.
Die Bilder waren die Gleichen.
1) Flug AA 11 schlägt im Nordturm des WTC ein.
2) Flug UA 175 verschwindet im Südturm.
3) Gehe zu 1)
Keine Überraschung: Wir haben unsere NY-Reise an diesem Abend nicht geplant.
Tags drauf, am 12.09.2001, stöpselte ich mein Antennenkabel aus dem Fernseher und warf es weg. Kabel und GEZ habe ich gekündigt/abgemeldet.
Bis heute bin ich clean und ich habe seitdem nichts vermisst.

Im Dezember 2001 rief der damalige Bürgermeister New Yorks, Rudolph Giuliani, die Touristen der Welt auf: Wenn ihr etwas für die Stadt tun wollt, kommt uns besuchen!
Wir kamen.


P.S.: Die CD, die ich mir am 11.09.2001 in dem Laden mit dem unaufmerksamen Verkäufer geholt hatte, entdeckte ich Monate später, noch im Verkaufs-Tütchen steckend, bei den anderen CDs.
Sie war Mist.

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Freitag, 3. Juni 2011

Bürogeplänkel 23 - Mädchenlebensmittel

Wenn ich im Büro Küchendienst mache, entdecke ich in den Schränken der Büroküche immer wieder Tupperdosen, die von der Größe her eher für Spermaproben als für Lebensmittel geeignet scheinen. Ich habe sowas gar nicht im Haus! Immerhin würden vielleicht 30 Erbsen darin Platz haben. Oder zwei Sardinen, jeweils halbkreisförmig angeordnet.
Naja, irgendwie passt das zu den Mädchenlebensmitteln, die im Büro-Kühlschrank ihr Winzlingsdasein fristen: Ein singulärer Kinderriegel (die Kleinen aus der Tafel) mit Zettelchen "Nicole" oder ein einzelner Oreo-Keks mit eigenem Post-It-Namensschildchen. Eine Scheiblette, die Folie per Edding mit Namenskonterfei versehen wurde. Eine benamste Literflasche Cola-Light mit 34 ml Restinhalt.
Das alles ist total possierlich!
Es ist gerade so, als schaue man in die Lagerräume eines Zwerghamsters.

An diese Mädchen-Parallelwelt der Mengenlehre haben sich wohl denn auch Müslihersteller angepasst. Denn Jungs essen ja nur Steaks ohne Beilage.
Natürlich.
Ein sehr schönes Beispiel ist z.B. vom PENNY die 375 g-Tüte "B!O Dinkel Crunchy Müsli" aus kontrolliert biologischem Anbau - "Mehr Geschmack, mehr Genuss". Die Ernährungsempfehlung verrät das ganze Elend:
"1 Portion (30 g + 125 ml fettarme Milch) = 186 kcal".
MUAHAHAHA!!!
Seit wann gibt es Lebensmittel denn wieder auf Bezugsschein?
Soll ich mir die 30 g nicht lieber mit einem McDonald's-Strohhalm in die Nase ziehen und mir den Schluck Milch einfach sparen?

Vielleicht sollte ich wirklich auf Steaks umsteigen.
Rumpsteak (300 g) mit einem Salat vom Buffet und einer Folienkartoffel - oh yeah!
Und die Winz-Portionen überlasse ich den Zwerghamstern und den Büromädchen.


Sonntag, 3. April 2011

Queen Mom 5 - World Watching

Et is Donnerstag, wir fahren einkaufen, Queen Mom (83) un ich.
Ich fahr Richtung PENNY.
»Und wie läuft et da bei den 'World Watchers' oder wie dat heißt?«, fragt se.
»Weight Watchers. Gut. Läuft«, antworte ich.
»Aha?«, kommt et zweifelnd, als hätt ich gerade erklärt, dat Schweine fliegen können.
»Ja, ich hab abgenommen, die ham sogar geklatscht«, erklär ich.
»Naja, man sieht ja nix... Dat ist da dann aber en sehr dankbares Publikum. Klatschen die für jedes Gramm?«, fragt Queen Mom.
»Unglaublich!«, murmele ich und bieg ab.

Et gibt Tage, da beneide ich andere Menschen um deren Mütter.


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Donnerstag, 22. April 2010

Lifestyle 35 - Hygienegefummel


Penny Markt
Originally uploaded by calaggie
Im PENNY, dem Supermarkt meines Vertrauens, werden auch Brot und Brötchen mit leidlicher Qualität aus Rohlingen aufgebacken. Die fünf bis sechs Brötchensorten landen in Drahtschütten, wo sie entnommen werden können. Doch wir leben in hygienischen Zeiten! NICHT händisch! Nein, zu diesem Behuf gab es an jeder Schütte ein Art Grillwürstchenzange. Ungummiert, versteht sich. Das war halt spannender! Für zehn Brötchen brauchte es schon mal zwei Minuten. Meistens fiel eines der Brötchen auf den Boden, machte in der glatten Zange den Houdini.
Vielen Kunden war das zu blöd, sie nahmen die Finger. Wenn sie von der bärbeißigen Marktleitung erwischt wurden, gabs richtig hinten drauf!
Gestern war ich da.
Neues Konzept.
Urst hygienisch!
Ich habe so gelacht!
Sechs Drahtschütten. Oben in jeder Schütte ist ein Schlitz wie in einem Panzerspähwagen. in dem Schlitz fest steckt in einer Führung eine Kelle, die man rechts-links und vor-zurück bewegen kann. Mittels der Kelle kann man nun jeweils ein (1) Brötchen eine Rampe hinaufschieben, auf der Rampe gibt es eine Öffnung mit zwei Klappen, darunter einen Ausgabe-Raum, in den maximal zwei Brötchen hinein passen. Hat man die Backlinge in den Ausgaberaum geschubst, muss man das Werkzeug wechseln: Grillwürstchenzange. Natürlich ungummiert. Hat sich ja bewährt. Buahaha! Jetzt kann man seine zwei Brötchen in die Tüte bugsieren, schon muss man wieder das Werkzeug wechseln für die nächsten zwei Brötchen, und so weiter.
Ich sah Wissenschaftler schon Plutonium unkomplizierter handlen!
Die nächste Steigerung wäre ein in einem Bleiglaskasten steckender Roboterarm, den man über zwei Joysticks fernsteuern muss, wie in einer Kernforschungsanlage.
Aber was tut man nicht alles für die Hygiene...

Ich habe größere Kontingente des gestrigen Abends damit verbracht, Unglückswürmer dabei zu beobachten, wie sie - Grobmotoriker wie sie waren - nach Backlingen fischten, Brötchen schubsten, mit Grillzangen hantierten und im Schneckentempo ihre Tüten füllten.
Wenn ich das nächste Mal zehn Brötchen haben möchte, backe ich mir die schneller selbst.

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Dienstag, 6. Oktober 2009

Lifestyle 14 - Für die lichten Momente des Lebens


Drink Sensibly
Originally uploaded by What What
Gestern Abend war ich mit Muttern im Penny einkaufen. Normalerweise, wenn's mal wieder länger dauert, empfiehlt die Werbung den Verzehr eines Snickers. Doch im Penny wäre das Mundraub. Deshalb scharwenzelte ich angelegentlich durch die Gänge, schaute hier und da, schnürte an der Zeitungsecke vorbei, mäanderte die Reihen entlang, ganz nach dem Zufallsprinzip. Derweil sammelten sich die ebenso zufällig zusammengesammelten Einkäufe auf meinen Armen, denn die ferne Mutter benutzte "unseren" Einkaufswagen gleichzeitig als Rollator. In der Spirituosenecke erblickte ich Erfreuliches. Dort entdeckte ich nämlich "St. Hubertus-Tropfen Kräuterlikör", 0.5 l, 35.0% Vol. zu 6,95 EUR. Der Burner war der Slogan:
Für die lichten Momente des Lebens
Wenn der durchschnittliche Bitbuerger, pardon, Mitbürger also mal aus seinem Dauer-Delir hochschrecken sollte, in diesen wenigen, lichten Augenblicken kann "St. Hubertus-Tropfen Kräuterlikör" sicherlich helfen.
Ein "nice to know".

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Sonntag, 20. September 2009

Heimat 3 - 513. Pflaumenkirmes

In meiner Heimatstadt Radevormwald im Bergischen Land findet dieses Wochenende die 513. Pflaumenkirmes statt. Ein guter Grund, die Innenstadt weiträumig zu umgehen, wenngleich es dort solche Retro-Leckereien wie den "Eis-Neger" gibt. Hierbei handelt es sich um ein Softeis, dass in Schokolade getaucht wird. Der Name des Produktes mag 1944 noch den sprachlichen Standards genügt haben, doch in Zeiten von "Political Correctness" erfreut diese Art von Hartleibigkeit, mit der dieses Produkt seinen Namen so überaus starrsinnig behält, mein Herz.
Das ist irgendwas wie bei diesem gallischen Dorf.
Apropos "sprachliche Standards".
Ich stand gestern beim Penny an der Kasse, vor mir ein Rentner, der gerade seinen Kram zusammenpackte. Beim Weggehen frage er die Kassierin: "Na, gehense gleich auch nache Kirmes?"
Mir ging das Herz auf! Heimat! Nirgendwo sonst würde man das so fragen!
Die Kassiererin gestand mir, dass sich bereits dutzende Kunden smalltalkenderweise danach erkundigt hatten.
"Viel Spaß denn auffe Kirmes!", wünschte ich ihr.

Nache, nachen, nachet - drei Beispiele:
"Kommse vonne oder gehse nu nache Birgit?"
"Nee, nu geh ich nachen Horst."
"Nachet Klärchen warste äwwer nu ewig nich gegangen!"

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