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Dienstag, 8. November 2016

Rätselhaft

"Orange" aus dem Penny-Markt Radevormwald

In Penny-Märkten gibt es jetzt Orangen, auf denen ein "Orange"-Aufkleber prangt und auch Birnen, auf denen "Birne" steht. WTF? Wer ist die Zielgruppe? Sollen hier etwa neue Kundenschichten erschlossen werden? Sind es gerade jüngere Kunden, die hier angesprochen werden sollen, die dann als Beifang zum Energy-Drink auch mal eine "dieser Orangen" oder eine "dieser Birnen" mitnehmen? Oder werden die Kunden einfach immer dümmer? Oder vielleicht die Kassiererinnen?
Rätselhaft.


Montag, 25. Mai 2015

Baumarkt

photo credit: shades via photopin (license)

Zwingen mich die Umstände, einen Baumarkt zu betreten, dann habe ich auch gleich schon "son Hals". Ja, es ist etwas Persönliches.
"Ein Baumarkt ist in der Regel ein großflächiger Supermarkt, der sich auf Materialien für Heimwerker spezialisiert hat. Bekam man früher beispielsweise Werkzeuge und Nägel ausschließlich beim Eisenwarenhändler, Farben und Tapeten im Farbenfachgeschäft, Holz beim Holzhändler und Baustoffe im Baustoffhandel, so kann man heute in einem Baumarkt fast alles an einem Ort bekommen." (Wikipedia)
Genau das ist nämlich das Problem.
Wenn de Vatter früher ein Dösken Spax-Schrauben und ein paar Eisenbeschläge brauchte, dann ist er zu "Bodo Schilkowski" in der Stadt gegangen. Der hatte da einen Eisenwarenladen. Da hat er sich an den Tresen gestellt und Bodo, angetan mit einem grauen Kittel hat ihn bedient. Ein Schwätzchen war auch noch drin. Es wurden nur Waren verkauft, die auch etwas taugten. Manchmal musste Bodo noch in den Keller gehen, aber der hatte immer alles vorrätig. Es war auch nicht gerade billig, aber die Qualität stimmte und nach fünf Minuten hatte de Vatter seinen Kram zusammen und ist wieder gegangen.
Wenn de Vatter früher renovieren wollte, dann ist er zu "Ewald Hombrecher" in der Nachbarschaft gegangen und hat Wandfarbe gekauft, Abtönfarbe und auch noch die Tapetenrollen dazu. Ewald hat ihm gesagt, wie viel er von was braucht und der hatte per se auch nur Farben und Tapeten im Haus, die auch etwas taugten. Et war auch nicht billig zu nennen, das Ganze, aber nach kaum zehn Minuten hatte de Vatter alles und trollte sich.
Wenn de Vatter was mit Elektrik machen wollte un mit dem antiken Krempel, den er im Keller herumfliegen hatte, nicht mehr weiterkam, dann ist er zu "Hartmut Biesenbach" in der Stadt gegangen. Der hatte da ein Elektrogeschäft. Da hat er sich an den Tresen gestellt und Hartmut hat ihn dann bedient. Der bürgte noch für die Qualität seiner Ware. Preiswert war anders, aber nach fünf Minuten hatte de Vatter alles zusammen und ist wieder abgezogen.

Was bietet stattdessen die Moderne?
Bigger is better. Der neueste Baumarkt in Wuppertal hat 18.100 m², das sind scheiß 1,81 Hektar! In Läden groß wie 2,53 Fußballfelder rennt man sich nun also die Hacken wund. Die Abteilungs-Tresen sind in aller Regel verwaist, oder, falls irrtümlich "bemannt", von Kunden belagert wie mittelalterliche Burgen. Trifft man irgendwo "unterwegs im Markt" glücklicherweise einen Mitarbeiter an, ist der mit 75%iger Wahrscheinlichkeit von einer ganz anderen Abteilung und kennt sich keinesfalls aus, mit 25%iger Wahrscheinlichkeit ist er nur irgendein Konsument im zufällig gerade zum Baumarkt farblich passenden Polohemd. Man sucht sich seinen Krempel also wohl oder übel selbst zusammen, Es bleiben jede Menge Fragen offen. Schade dass man keine Snickers dabei hat, weil es mal wieder etwas länger dauert. Vieles, was man findet -- wenn man es denn findet -- wirkt wie in großer Eile aus minderwertigen Materialien in asiatischen Sweatshops zusammengekloppt, es sei denn, es steht "Made in Germany" drauf, dann ist es aus Rumänien. Der 15%-Coupon aus der Zeitung, den man dabei hat, gilt nur für Malerei-Zubehör, nicht für Malerfarben. Am liebsten würde man ja jetzt alles stehen lassen -- wenn man den Scheiß nicht brauchen würde. Man bezahlt einen überraschend hohen Betrag und flieht.
Zu Hause stellt man dann spätestens beim dritten Überstreichen der Wand fest, das Alpinaweiß zwar die bestbeworbene aber bei weitem nicht die Farbe mit der besten Qualität ist -- eigentlich logisch, wenn man drüber nachdenkt.

Was ich stattdessen großartig fände:
Ein Back-to-the-roots-Fachmarktzentrum, das nicht nur so heißt, sondern wo Bodo (im grauen Kittel), Ewald und Hartmut immer hinter ihren jeweiligen Tresen stehen, ihre Kunden richtig beraten, bedienen und mit ihrem guten Namen für die Qualität der Waren stehen. Dann darf's gerne auch mal etwas mehr kosten und ich verzichte auch total freiwillig auf für Erwachsene ohnehin völlig unwürdige Sammelpunkte, Payback- und Rabatt-Coupon-Schnullewupp & -Schnickes wie bei OBI & Co.


Samstag, 14. September 2013

'nine fourteen' im Netto Wuppertal-Elberfeld

http://goo.gl/KdnW4Y
Eigentlich bin ich an der Supermarkt-Schlange erst zweimal von aufgeregten Fremden angesprochen worden. Das erste Mal war am 11.09.2001. Der Mann vibrierte förmlich hinter mir herum, tappte mir dann auf die rechte Schulter. Noch während ich mich umdrehte, sprudelte er mich voll: "Gottogott, haben Sie heute schon ferngesehen? Gehen Sie sofort nach Hause und schauen Sie fern!!!"
Ich tat wie mir geheißen, der Rest ist Geschichte.
Das war 'nine eleven' im Penny Radevormwald (Blogbeitrag).

Heute war ich im Netto in Wuppertal. Ich hatte zwei Hokkaido-Kürbisse auf dem Band und Salzstangen. Der Typ hinter mir vibrierte förmlich. Dann platzte es aus ihm heraus: "Ey, heute ist David Hasselhoff bei Big Brother!!!", Freund Sonne hatte etliche Alkoholika für das Großereignis auf dem Band.
Ich überlegte kurz.
"Hä, ich dachte, der is tot?"
"Neee!!!", sagte der Mann vehement.
"Ach so, das war ja Patrick Swayze!", fiel es mir wieder ein.
"Ey, Mann, der is sowas von cool, der David Hasselhoff!"
"Top Typ!", sagte ich mit Daumen hoch und verließ den Laden.
Das war 'nine fourteen' im Netto Hochstr., Wuppertal-Elberfeld.


Freitag, 24. Mai 2013

Gnocchi

goo.gl/1og4N
Früher gab es bekanntlich ja nix. Und noch davor gab es mal überhaupt gar nix! Vor der Entdeckung Amerikas gab es in Europa nicht mal Ananas, Avocados, Tomaten, Mais, Chili, Kartoffeln und Kürbisse.
Also, wichtig für alle Zeitreisenden: Keine "Pommes Schranke" oder Mikrowellen-Popcorn vor 1492! Kriegt das in die Birne!
Vermutlich gab es damals auch keine Smacks, Bananen, Erdnussflips und Hubba-Bubba - mein Gott! Vor 1492 müssen die Leute an Steinen gelutscht haben!

Dass es "kaum etwas gab" dauerte tatsächlich bis in die frühen 90er des 20. Jahrhunderts, aber dann ging plötzlich alles ganz schnell: Plötzlich gab es beim Discounter Flusskrebssalat im Kühlregal, mehrere Sorten Balsamico-Essig, Erdnussbutter in glatt und stückig, Parmesan am Stück, Kiwis und Mangos. Feinkostgeschäfte (wie "Feinkost Sackermann" auf der Alleestr. in Remscheid) schlossen in Scharen - sie wurden nicht länger benötigt.
Mit dieser absoluten Gewissheit im Rücken ging ich die Tage zum "Feinkost Albrecht" aka "ALDI", um meine Einkäufe zu verrichten. Auf der Einkaufsliste standen auch Gnocchi.
Exkurs: Die Aussprache dieser Teigware aus Kartoffeln ist in etwa "Niocki" und keinesfalls "Gnotschi" oder "Gnocki".
Ich renne mir im Wuppertaler Aldi also die Hacken wund, schaue bei Nudeln, durchforste das Kühlregal, keine Gnocchi weit & breit. Ich wieder zum Regal, wieder an die Kühltheke - nix. Natürlich auch keine aldiblaue Elfe in Sicht, ich wieder hin und her, voll der Schlauch, frage zuletzt an der Kasse, weil niemand aufzutreiben ist.
"Entschuldigung, wo sind denn die Gnocchi?"
"HÄ? WAT?", fragte die Kassiererin eloquent, unterbricht ihr Scannen.
"Gnocchi", wiederhole ich.
"Hä? Wat soll dat denn sein?", fragt se. De Leute inne Schlange kucken, als hätte ich "Fickööön" gesagt.
Gottogott!
"Na, so Miniklöße aus Kartoffeln...", sag ich.
"Neee!", sagt die Kassiererin und zieht weiter im Sekundentakt Artikel über den Scanner.
Ich gehe etwas ratlos zurück, da rennt mich fast eine Aldifrau um.
"Haben Sie Gnocchi?"
"HÄ???"
Soso...

Na, dann ist ja gut, dass ich nicht nach echten Exotika wie Annone oder Kopi Luwag gefragt habe, man wird ja auf dem Lande sehr leicht für pervers gehalten.


Samstag, 13. Oktober 2012

Okapi

goo.gl/8C4b3
"Darling, welchen Pullover soll ich nehmen?", fragte die Liebste im Klamottenladen.
Wir standen vor einem Regal, ich hatte die Wahl zwischen einem weißen Pullover mit braunen Querstreifen und einem braunen Pullover mit weißen Querstreifen.
"Nimm den", sagte ich, auf den Letztgenannten weisend.
"Aha. ... Warum?", fragte sie, unerklärlich mißtrauisch gegen mich geworden.
"Naja, so braun mit weißen Querstreifen, das kenne ich, so sieht ein Okapi-Hintern aus", sagte ich wahrheitsgemäß.
...
Sie hat dann natürlich den Anderen genommen - tsts!


Sonntag, 22. Juli 2012

Queen Mom 18 - Dat Mädchen weiß et doch nich

bit.ly/M44ySi 
Mit de Mutter beim Penny.
Hinter de Kasse sitzt ne neue, ganz junge Kassiererin und tippelt de Artikel ein. De Mutter hat wieder Obst noch un nöcher eingekauft. De Kassenkraft hebt ne Pomelo auf.
»Wat ist dat?«, fragt se Queen Mom.
Mom schnaubt.
»Pomelo«, sach ich.
»Quatsch!«, sacht de Mutter, als hätte ich 'Feigenkaktus' gesacht.
De Kassierin guckt von mir zu ihr, dann blättert se inner Kassenliste.
»Grapefruit!«, sacht de Kassenkraft un tippt et prompt ein.
»Humbug!«, sacht de Mutter un zieht nen Flunsch. Dann kommt en Tütken mit Nektarinen.
»Und dat?«, fragt et Mädchen.
»Ja wie?«, entfährt et Queen Mom fassungslos.
»Pfirsich!«, sagt de Kassiererin zu sich selbs un gibt et auch ein.
De Mutter macht en glucksendes Geräusch.
»Wenn Haare dran sind, sind et Pfirsiche, sons sind et Nektarinen!«, sach ich.
De Kassenkraft guckt von mir zu Muttern, dann frimmelt se wieder mitter Kassenliste rum.
De Schlange hinter uns geht bis Meppen.
De Mutter stößt mich mim Ellenbogen an. Dann kommt aufm Band en Tütken mit Pfirsichen.
»Nektarinen!«, sagt de Kassiererin un tippt et ein.
De Mutter gurrt um Fassung ringend.
»Dat waren jetz abba Pfirsiche!«, sach ich.
»Nu bring dat Mädchen nich durcheinander!«, sacht de Mutter laut, dat et auch alle hören.
Sicher, sicher.
Is klar.
Un zu mir raunt se: »Is egal, et Obst kost hier eh alles dat selbe un dat Mädchen weiß et doch nich!«


Sonntag, 3. Juni 2012

WTF? (Mädchenlebensmittel reloaded)

bit.ly/KUxqbj
Im Supermarktregal finden sich immer mehr Produkte, die "hauchdünn", "hauchfein" oder "hauchzart" geschnitten sind.
Zum Beispiel "Bergkäse Käsescheiben hauchdünn" in der praktischen, wiederverschließbaren 150 g Packung mit je 15 Käsescheiben - natürlich zum Preis von 300g Käse. Oder Gutfrieds aromatische, hauchfeine Putenbrust "Nouvelle" in der 80 g-Packung (Link).
Hä?
WTF?
10 g pro Käsescheibe? 80 g Putenbrust pro Packung? Sind das medizinische Proben? Was bringen einem 22 Atomlagen Wurst auf dem Brot oder 17 Atomlagen Käse?
Der Küchenchef Hein Klapperbein (Link) empfiehlt als Hauptgang eine halbe Scheibe Knäckebrot, opulent belegt mit einer spinnenwebfeinen Scheibe Bergkäse und der Ahnung von einer Scheibe Putenbrust, neckisch dekoriert mit 17 Schnittlauchringen von je 1,22 mm Länge.
Bon appétit!
Vermutlich handelt es sich hier wieder einmal um sogenannte "Mädchenlebensmittel" (Blogbeitrag)...
Demnächst kann man vielleicht auch schon Fruchtaufstriche mit der Pump-Sprühflasche urst "hauchzart" auftragen? Als ideal gelten sicher so um die acht Atomlagen. Ich bin sicher, die Lebensmittelindustrie arbeitet daran.
Facepalm.


Mittwoch, 29. Februar 2012

Wanderdüne? Autsch!!!

http://bit.ly/xVLYwV
Ich renn wie Harry durch den Supermarkt auf der Suche nach Artischockenherzen. Ich hatte das Konservenregal zweimal abgeschritten und auch die überteuerte Delikatessenecke, die fast hauptsächlich aus KATTUS-Produkten bestand, alles Fehlanzeige.
Natürlich war weit und breit auch keine Einzelhandelsfachverkäuferin auszumachen, natürlich.
Ich meine - hey! - Artischockenherzen, da hat die Natur sowas wie gaumenweichen Fensterkitt in unappetitlicher Farbe hervorgebracht, aber ich brauchte sie für ein Rezept, wo sie aus unerfindlichen Gründen ausdrücklich gefordert wurden. Na gut...
Ich gehe also zur Kasse, da sitzen ja Einzelhandelsfachverkäuferinnen herum.
"Hallo, ich bin auf der Suche nach Artischockenherzen!", sprach ich Kasse 5 an.
"Moment, ich ruf Ihnen den Azubi!", sagte die Kassiererin und flüsterte in ein Schwanenhalsmikrofon.
Ich harrte der Dinge die da kommen sollten.
Nach einer Weile näherte sich aus Höhe der Fleischtheke ein bekittelter Jüngling in der Geschwindigkeit einer nicht allzu schnellen Wanderdüne.
Ich besah mir das eine Weile.
"Meine Güte!", sagte ich zu der Kassiererin, "Der hat ja echt nen Zahn drauf!"
Bissi "Azubi-Bashing"... (hihi!)
Kasse 5 sah zu mir hoch.
"Der ist gehbehindert", sagte sie trocken.
Autsch!
*xtreme bodenversinking*
Ich wieder mit meiner großen Klappe.


Samstag, 11. Februar 2012

TW 1/Queen Mom 15 - Ernstfall

http://bit.ly/zx31Mr
Ich hab Spätdienst. Deshalb bin ich erst um 19.30 Uhr bei de Mutter, um unsere Einkäufe der Woche zu machen.
Queen Mom grofelt beim PENNY wieder 20 Minuten durch de Obst-Auslagen, um vier Bio-Äpfel und eine Avocado zu kaufen. Ich mache parallel meine eigenen Einkäufe.
Plötzlich kommt de Mutter (gemäß ihrer Möglichkeiten) hektisch angerannt, winkt.
"Wat ist?", frag ich.
"Oh Gott, de Waltraud!"
"Wie?"
"Ja, de Waltraud wollte bei mir vorbeikommen un ich hab ihr den Fernseher nich angemacht!"
Gottogott!
Vor meinem geistigen Ohr höre ich ein halbes Dutzend Luftschutzsirenen.
Wir hasten zur Kasse, zahlen, rasen heim.
De Mutter flutscht wie ne ganz Junge inne Wohnung.
Zu spät.
De Tante sitzt im fast dunklen Wohnzimmer, die Hände im Schoß, langweilt sich un prattet (= schmollt) vor sich hin.
De Mutter schaltet hektisch den Fernseher an, sucht schnell nen passenden Rosamunde-Pilcher-Sender.
De Tante sacht: "WÄWÄWÄ!!!"
Gottogott!
Ich verschwinde leise, verräume de Lebensmittel inner Küche. De Mutter kommt dazu, kuckt unglücklich.
"Warum schaltet se denn den Fernseher nich selbst an?", frage ich.
"Se weiß et doch nich, wie et geht!", flüstert de Mutter.


Sonntag, 29. Januar 2012

Kiwi-Verschwörung

http://bit.ly/xsz31g
Was weiß man schon groß über Kiwis?
Das sind so Eier mit Haaren dran, werden auch als "chinesische Stachelbeere" bezeichnet und sind das Wappentier Neuseelands. Wenn man sich einen Dreck um Kommas schert, besteht die Kiwi zu drei vierteln aus Vitamin C.
Respekt!
Mit diesem geballten Wissen spazierte ich in einen Supermarkt um ein Dutzend (für die jungen Leser: 12) käuflich zu erwerben. Ich schaufelte die Teile in einen Plastikbeutel, bis mein Blick am Preisschild hängenblieb: "Kiwi, Chile, 0,99 EUR".
Grundgütiger! Für nen Cent mehr bekommt man ja nen ganzen Einkaufswagen!
Ich spurtete zu der in den Auslagen herumgrofelnden Einzelhandelsfachverkäuferin.
"Kiwi - Stück fürn Euro?", fasste ich mein Entsetzen elegant zusammen.
"Wir machen die Preise nich! Dat geben die oben vonne Zentrale vor!", sprudelte es reflexartig und wie geübt aus der Einzelhandelsfachverkäuferin heraus.
Aber was wäre ich für ein Blogger, hätte ich mich jetzt geschlagen gegeben!
Wieder zu Hause recherchierte ich kurz, rief dann "oben" bei der PIMPI Handels-GmbH an.
"Guten Tag, ich bin Kunde und möchte wissen, warum die Kiwis in ihrem PIMPI-Markt Wuppertal 0,99 EUR kosten!", fragte ich mit lauter und fester Stimme.
"Wir machen die Preise nich! Dat geben uns die Zwischenhändler vor!", meckerte Frau Swantje Krummrhein-Paziwicky von der PIMPI Handels-GmbH.
"Danke!"
Zwischenhändler war die Schnullewupp Zwischenhandels-KG.
"Hallo, ich möchte wissen, warum die Kiwis im PIMPI-Markt Wuppertal 0,99 EUR kosten!"
"Wir machen die Preise nich! Dat geben uns die Zwischen-Zwischenhändler vor!", nölte Frau Birte-Helene Schweineweich-Przykowsky von der Schnullewupp Zwischenhandels-KG.
Das ging dann noch den ganzen Tag so.
Die letzte Instanz, der weltweite Aufkäufer für Früchte und Beeren, die freundliche Nestlé-Tochter FRUIXXON verwies als Schuldige auf die chilenischen Erntehelfer.
"¿Por qué los kiwis coste 0,99 euros en mercado PIMPI?", fragte ich mit meinem besten Schulspanisch. Ich stolperte nur ein wenig über das kopfstehende Fragezeichen.
"No tenemos teléfono! Nosotros recibimos un salario por hora de 0,15 euros."
Ach so!
Die chilenischen Erntehelfer haben gar kein Telefon, weil sie nur 0,15 EUR in der Stunde verdienen!

Die Weltpreise für Kiwis werden demnach vermutlich von den Illuminaten per Los bestimmt.
Habe Dan Brown einen Tipp gegeben.


Freitag, 18. November 2011

Alles gut

http://bit.ly/tB7YG7
Sicherlich kennt das jeder: Man geht an einem Samstagnachmittag »zwischendurch nur mal eben zum Penny«. Man hat versehentlich einen Dreitagebart, trägt ein knittriges T-Shirt mit der Aufschrift »Aliens ate my brain«. Und vor allem hat man olivgrüne Crocs an den unbesockten Füßen, ist ja kein Staatsempfang. Zugegeben, ein etwas brachialer »casual wear«. Aber man ist ja mal wieder Single. Eigentlich will man »nur mal eben« Klopapier kaufen, da sagt eine Stimme hinter einem »Henning?« Nun ja, das ist dann der Olaf oder die Silke (mit denen man auf dem »Gymmi« oder auf der »Real« war). Man plauscht ein wenig im Sinne von »Wohnst du auch noch hier?« - »Äh. Ja, aber fast wäre ich mal weggezogen, nach Hückeswagen!«, dann geht man etwas steifbeinig auseinander, ein Riesengebinde Recycling-Toilettenpapier unter dem Arm. Beide sind in diesem Augenblick froh, dass sie sich im Gegensatz zu ihrem Gegenüber gut gehalten haben.
Was bei diesen Situationen bislang immer blieb, war das Gefühl, weit hinter seinen Teenagerplänen für das Leben als Erwachsener zurückgeblieben zu sein.
Tyler Durden alias Brad Pitt faßt das im Film Fight Club elegant zusammen:
»(...) Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen in dem Glauben das wir alle irgendwann mal Milionäre werden, Filmgötter, Rockstars. Werden wir aber nicht! Und das wird uns langsam klar. (...).«
Aber manchmal...
Gestern Abend war ich mit Queen Mom Einkäufe machen. Natürlich im Penny. Dort lief mir Peter über den Weg. Peter von »damals«. Wir hatten als Jugendliche etliche Hansa-Pils auf unser Wohl erbrochen.
Mea culpa! Ist länger her, so 1985.
Er stellte die gefürchtete Frage: »Un, wie isset?«
»Äh... Ich wohne jetzt in Wuppertal, bin mit meiner Freundin zusammengezogen - ist super, Job ist OK, alles ist gut." Ich war selbst überrascht, es war wirklich alles gut!
Peter konterte weise: »Ja, Mann, wir sind jetzt erwachsen. Irgendwann sollte auch mal alles gut sein!«
Ja, tatsächlich.
Meine Güte.
Und fast hätte ich es verpasst!


Sonntag, 26. Juni 2011

Queen Mom 6 - halb zwei

Freitag rief ich de Mutter (84) an, wegen de wöchentlichen Einkäufe mit ihr, die ausnahmsweise mal am Samstag stattfinden sollten.
"Ich muss Samstag bis eins arbeiten. Ich bin dann um halb zwei bei dir."
"Ja, is gut!", sacht de Mutter.
Wir beenden dat Gespräch.
Et Telefon schellt, de Mutter is dran.
"Hörma, sach nochmal, wann du komms. Et war eben so laut hier", sacht se.
OK...
"Also ich komm um halb zwei, also um 13.30 Uhr", sach ich langsam und mit Bedacht.
"Ich habbet aufgeschrieben", sacht de Mutter.
Gut!

Samstag.
Ich hab Feierabend, fahr zu de Mutter, komm pünktlich um halb zwei an.
"Wat wills du denn schon hier?", fracht se. Se hatte sich grade wat hingelegt.
"Wie?"
"Ja, du hatts doch ne ganz andere Zeit gesacht", behauptet se.
"Nee, nee!"
"Doch, ich hattet in dem Augenblick, wo du dat gesacht hattest, aufn Zettel geschrieben!"
"Ach? Und wo is de Zettel nu?", frage ich.
Mutter sucht nachm Zettel.
"De Zettel is wech!", ruft se.
Sherlock Sohn schaut angelegentlich auf den kleinen Stoß Altpapier. Da liegt ein Abreißblockzettelchen, säuberlich mittig beschriftet mit einer einzigen, singulären Information: "1/2 zwei"
"Hier steht et: halb zwei!", ruf ich der im Wohnzimmer suchenden Mutter zu.
Mutter: "Nee, dat is nich der Zettel!"
"Wie...?"
So richtich fassungslos kann mich nur meine Mutter machen.
"Nee, nee!", sacht se und sucht in ihrem Notizblock, bis sie einen Zettel findet, auf dem von - wissen die Götter wann - "1/2 sieben" steht.
"Dat isser!", behauptet se steif un fest.
"Et ist doch wunderbar, dat du dich gar nich irren kanns!", sach ich hintergründig.
Queen Mom ignoriert huldvoll den ironischen Beiklang.
"Du has dich vertan - dat kann doch passieren!", sacht se versöhnlich - un meint dat völlig ernst.

Dank jahrzehntelanger Meditation nehm ich et mit der Gelassenheit von ner Hindu-Kuh. Freundlicherweise fährt se trotzdem mit mir Einkäufe machen.
Da hab ich sowat von Schwein gehabt!

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Sonntag, 3. April 2011

Queen Mom 5 - World Watching

Et is Donnerstag, wir fahren einkaufen, Queen Mom (83) un ich.
Ich fahr Richtung PENNY.
»Und wie läuft et da bei den 'World Watchers' oder wie dat heißt?«, fragt se.
»Weight Watchers. Gut. Läuft«, antworte ich.
»Aha?«, kommt et zweifelnd, als hätt ich gerade erklärt, dat Schweine fliegen können.
»Ja, ich hab abgenommen, die ham sogar geklatscht«, erklär ich.
»Naja, man sieht ja nix... Dat ist da dann aber en sehr dankbares Publikum. Klatschen die für jedes Gramm?«, fragt Queen Mom.
»Unglaublich!«, murmele ich und bieg ab.

Et gibt Tage, da beneide ich andere Menschen um deren Mütter.


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Donnerstag, 22. April 2010

Lifestyle 35 - Hygienegefummel


Penny Markt
Originally uploaded by calaggie
Im PENNY, dem Supermarkt meines Vertrauens, werden auch Brot und Brötchen mit leidlicher Qualität aus Rohlingen aufgebacken. Die fünf bis sechs Brötchensorten landen in Drahtschütten, wo sie entnommen werden können. Doch wir leben in hygienischen Zeiten! NICHT händisch! Nein, zu diesem Behuf gab es an jeder Schütte ein Art Grillwürstchenzange. Ungummiert, versteht sich. Das war halt spannender! Für zehn Brötchen brauchte es schon mal zwei Minuten. Meistens fiel eines der Brötchen auf den Boden, machte in der glatten Zange den Houdini.
Vielen Kunden war das zu blöd, sie nahmen die Finger. Wenn sie von der bärbeißigen Marktleitung erwischt wurden, gabs richtig hinten drauf!
Gestern war ich da.
Neues Konzept.
Urst hygienisch!
Ich habe so gelacht!
Sechs Drahtschütten. Oben in jeder Schütte ist ein Schlitz wie in einem Panzerspähwagen. in dem Schlitz fest steckt in einer Führung eine Kelle, die man rechts-links und vor-zurück bewegen kann. Mittels der Kelle kann man nun jeweils ein (1) Brötchen eine Rampe hinaufschieben, auf der Rampe gibt es eine Öffnung mit zwei Klappen, darunter einen Ausgabe-Raum, in den maximal zwei Brötchen hinein passen. Hat man die Backlinge in den Ausgaberaum geschubst, muss man das Werkzeug wechseln: Grillwürstchenzange. Natürlich ungummiert. Hat sich ja bewährt. Buahaha! Jetzt kann man seine zwei Brötchen in die Tüte bugsieren, schon muss man wieder das Werkzeug wechseln für die nächsten zwei Brötchen, und so weiter.
Ich sah Wissenschaftler schon Plutonium unkomplizierter handlen!
Die nächste Steigerung wäre ein in einem Bleiglaskasten steckender Roboterarm, den man über zwei Joysticks fernsteuern muss, wie in einer Kernforschungsanlage.
Aber was tut man nicht alles für die Hygiene...

Ich habe größere Kontingente des gestrigen Abends damit verbracht, Unglückswürmer dabei zu beobachten, wie sie - Grobmotoriker wie sie waren - nach Backlingen fischten, Brötchen schubsten, mit Grillzangen hantierten und im Schneckentempo ihre Tüten füllten.
Wenn ich das nächste Mal zehn Brötchen haben möchte, backe ich mir die schneller selbst.

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Donnerstag, 31. Dezember 2009

Familie 8 - Jagd im dritten Jahrtausend 2


Pfännchen
Originally uploaded by p.v

Zwei Tage vor Silvester. Eine arbeitende Kollegin hatte ihren Gatten, der nicht zur Arbeit gehen musste, geschickt, Raclette-Fleisch zu besorgen.
Was kann schon dabei herumkommen, wenn die Sammlerin den Mammutjäger schickt, Fleisch ZU SAMMELN? Merke: den genauen Vorstellungen der Sammlerin kann der Mammutjäger nie und nimmer gerecht werden, dieses Unterfangen ist von vorneherein zum Scheitern verurteilt, denn Gatten nehmen es nicht zu genau. Würde die Sammlerin diesen, ihren Job selbst machen, dann würde sie erst einmal zwischen diversen Anbietern und diversen Angeboten von Raclette-Fleisch abwägen, dann noch einmal zurückgehen, vielleicht sogar en passant eine Kostprobe von ausgelegtem Estragon-Wurzelbrot mit Elen-Antilopenschmalz nehmen oder wenigstens daran riechen (wegen der Keime in der Öffentlichkeit). Sie würde sich betreffs der Fleischsorten mit einer Freundin und der Fachverkäuferin mindestens fünf geschlagene Minuten beraten, egal, ob die Schlange hinter ihr bis Meppen geht. Es würden Dinge bedacht und gegeneinander abgewogen, auf die ein Mann niemals käme, deshalb fehlt das hier. Irgendwann würde sie sich drei bis fünf gängige Fleischsorten in flache, minutensteakartige Stücke schneiden lassen, ist ja "für beim Raclette oben drauf".
Der Mammutjäger indes macht es folgendermaßen:
Zum Real.
Speer rein.
Nach Hause.
Fertig!
Die Kollegin bekam dann den erwarteten Anruf.
"Ich habe Fondue-Fleisch besorgt, das war im Angebot!", erklärte der Gatte stolz.
"Wie jetzt?", fragte die Kollegin mit einem eindeutig fassungslosen Timbre in der Stimme.
"Super, oder?", fragte ihr Mann breitspurig, er begriff noch immer nicht, dass er wirklich ganz, ganz grobe Scheiße gebaut hatte.
Es entspann sich ein längerer, unerquicklicher Dialog, an dessen Ende das Fondue-Fleisch eingefroren wurde und die Sammlerin würde höchstselbst nach ihrer Arbeit fahren, Raclette-Fleisch kaufen.
Hätte ich gleich sagen können, dass das in dieser Konstellation von Anfang an zum Scheitern verurteilt war.

Aber jetzt mal in echt: Fondue- oder Raclette-Fleisch - total egal!
Gulasch geht auch.
Oder? ;)

Siehe auch "Jagd im dritten Jahrtausend 1" (Blogbeitrag).

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Dienstag, 6. Oktober 2009

Lifestyle 14 - Für die lichten Momente des Lebens


Drink Sensibly
Originally uploaded by What What
Gestern Abend war ich mit Muttern im Penny einkaufen. Normalerweise, wenn's mal wieder länger dauert, empfiehlt die Werbung den Verzehr eines Snickers. Doch im Penny wäre das Mundraub. Deshalb scharwenzelte ich angelegentlich durch die Gänge, schaute hier und da, schnürte an der Zeitungsecke vorbei, mäanderte die Reihen entlang, ganz nach dem Zufallsprinzip. Derweil sammelten sich die ebenso zufällig zusammengesammelten Einkäufe auf meinen Armen, denn die ferne Mutter benutzte "unseren" Einkaufswagen gleichzeitig als Rollator. In der Spirituosenecke erblickte ich Erfreuliches. Dort entdeckte ich nämlich "St. Hubertus-Tropfen Kräuterlikör", 0.5 l, 35.0% Vol. zu 6,95 EUR. Der Burner war der Slogan:
Für die lichten Momente des Lebens
Wenn der durchschnittliche Bitbuerger, pardon, Mitbürger also mal aus seinem Dauer-Delir hochschrecken sollte, in diesen wenigen, lichten Augenblicken kann "St. Hubertus-Tropfen Kräuterlikör" sicherlich helfen.
Ein "nice to know".

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Sonntag, 20. September 2009

Heimat 3 - 513. Pflaumenkirmes

In meiner Heimatstadt Radevormwald im Bergischen Land findet dieses Wochenende die 513. Pflaumenkirmes statt. Ein guter Grund, die Innenstadt weiträumig zu umgehen, wenngleich es dort solche Retro-Leckereien wie den "Eis-Neger" gibt. Hierbei handelt es sich um ein Softeis, dass in Schokolade getaucht wird. Der Name des Produktes mag 1944 noch den sprachlichen Standards genügt haben, doch in Zeiten von "Political Correctness" erfreut diese Art von Hartleibigkeit, mit der dieses Produkt seinen Namen so überaus starrsinnig behält, mein Herz.
Das ist irgendwas wie bei diesem gallischen Dorf.
Apropos "sprachliche Standards".
Ich stand gestern beim Penny an der Kasse, vor mir ein Rentner, der gerade seinen Kram zusammenpackte. Beim Weggehen frage er die Kassierin: "Na, gehense gleich auch nache Kirmes?"
Mir ging das Herz auf! Heimat! Nirgendwo sonst würde man das so fragen!
Die Kassiererin gestand mir, dass sich bereits dutzende Kunden smalltalkenderweise danach erkundigt hatten.
"Viel Spaß denn auffe Kirmes!", wünschte ich ihr.

Nache, nachen, nachet - drei Beispiele:
"Kommse vonne oder gehse nu nache Birgit?"
"Nee, nu geh ich nachen Horst."
"Nachet Klärchen warste äwwer nu ewig nich gegangen!"

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Dienstag, 18. August 2009

Familie 7 - Jagd im dritten Jahrtausend 1

Was hat er nicht alles überstanden, der einstige Mammutjäger! Von der Steinzeit bis zu den Eisenstürmen des WK II war es ein langer Weg, all das hat er überlebt. Er hat seine Gene weitergetragen, von Generation zu Generation.
Und nun das!
Degradiert zum Chauffeur und Einkaufswagenschubser sieht man den einst so stolzen Jäger und Ernährer seiner Sippe mit starrem Blick und angewiderter Miene einen Drahtkorb auf Rädern durch eine neonbeleuchtete Ödnis fahren, immer dem Weibchen, der Sammlerin hinterher. Die Jagd ist dem einstigen Jäger lange schon entrissen worden. Seine Hände verkrampfen sich an der Querstange des Wagens, unbewusst ahnt er: Nur Feiglinge tragen ihren Speer horizontal vor sich!
Die Sammlerin hingegen ist in ihrem Element, in einem Zeitalter, da auch Hirsch, Wildschwein und Strauß sammelbar geworden sind - man muss sie nur aus den Regalen und Truhen pflücken. Der einstige Waidmann, verweichlicht und unbewaffnet, spürt eine ohnmächtige Wut in sich, kann sich indes nicht artikulieren. Seine Gefährtin allerdings, Spezialistin auf diesem Gebiet, artikuliert in einer Tour, fragt, ob er lieber Tee- oder Leberwurst haben möchte, wie ihm eigentlich der Rotschimmelkäse geschmeckt hat und ob der Senf nun eigentlich alle ist oder was denn gestern Abend mit Thorsten am Telefon gewesen sei, er habe so komisch geklungen. Zwischendurch trifft die Sammlerin ehemalige Nachbarinnen, Schulkameradinnen und Freundinnen, mit denen sie angeregt plauscht, derweil die Lebenszeit des Mammutjägers unwiderruflich verrinnt, seine Kiefer sind verkrampft, alle Antworten ein Maulen.
Viele der ehemaligen Jäger bleiben direkt im Auto sitzen, rauchen, ihr Blick geht in eine undeutbare Ferne.
Ich habe mich immer gefragt, was die da machen.
Ich glaube, im Geiste umschließen ihre Hände ihre Waffe, mit angehaltenem Atem kauern sie im dichten Unterholz, der Wind steht günstig, dem prachtvollen Hirsch zuckt das Fell, dennoch macht das Tier noch weitere Schritte auf die ihm gestellte Falle zu, dann ...
*Klopf, klopf*
"Machst du bitte den Kofferraum auf? Wir müssen gleich auch noch zum Aldi wegen der Brechbohnen."


Siehe auch "Jagd im dritten Jahrtausend 2" (Blogbeitrag).



Mittwoch, 24. Juni 2009

Automobiles 3/Familie 1 - Alles eine Sache der Aufteilung


Goin Places
Originally uploaded by fensterbme
"Three are family" hieß es in einem Lied irgendwann in den 90ern.
Quasi umgehend verwirklicht sich der frischgebackene Vater einen Traum: den Kombi, vielleicht einen anthrazitfarbenen, fünftürigen VW Passat Variant. Die Mutter, die zumeist Elternzeit nimmt, bleibt daheim. Und weil sie auch mobil sein muss, gibt's für sie einen kleinen Dreitürer, vielleicht einen feuerwehrroten Opel Corsa.
Alles gut.
Und dann beginnt das richtige Leben. Paps fährt seine 12,6 km zur Arbeit, stellt den Passat auf den Firmenparkplatz. Dort hat der Wagen satte 8,5 Stunden Zeit, tickend abzukühlen, dann fährt Papa wieder heim. Es sei denn, er kloppt Überstunden, was zurzeit aus einer Reihe von Gründen keine üble Alternative ist. Mama fährt vormittags einkaufen, zuerst zum ALDI, dann zum LIDL, dann zum DM, jedesmal der gleiche Akt: Sie packt das Trageschalen-Baby Alice, öffnet ihren Corsa, klappt den Beifahrersitz um, befestigt ächzend und fummelnd die Schale mit dem Gurt auf dem Rücksitz, klappt den Sitz wieder zurück, schließt die Tür, geht ums Auto herum, stapelt die Waren in den Winz-Kofferraum - was nicht mehr passt, stopft sie sonst wohin, sie bringt den Einkaufswagen weg, steigt ins Auto und fährt zur nächsten Location. Irgendwann stapeln sich die Einkäufe auf jeder freien Fläche nebst Boden.
16 Monate später kommt der kleine Ben auf die Welt. Bald muss Mama Alice in die Kita fahren, Ben gurrt daneben in der Trageschale. Das Anschnallen beider Kinder dauert für die Geübte kaum fünf Minuten in gebückter Haltung. Wird die Kita bestreikt, sind die Einkäufe noch etwas schwieriger, weil Mama muss wegen der vergrößerten Familie mehr einkaufen, hat aber durch den zusätzlichen Kindersitz noch weniger Platz im Auto als zuvor. An manchen Tagen sieht sie schon nur vom Wagen Be- und Entladen total abgekämpft aus.
Wie viel einfacher hätte Mama es, wenn sie den Kombi haben könnte, der sowieso nur rumsteht und Papa den Corsa nehmen würde!
Leider geht das natürlich nicht.
Mama hatte es schon versucht. Aber der Papa hat Angst, dass die Kollegen in der Firma ihn dann für eine Weichflöte halten. Nicht dass er das zugeben würde, nein, aber die Mama kennt ihren Pappenheimer mittlerweile ganz gut. Und dann ist da auch noch das Negativbeispiel Cordula und Axel. Die hatten es nämlich eigentlich "vernünftig" gemacht mit der Aufteilung der Wagen. Leider ist der Axel nach weniger als einem halben Jahr impotent geworden, hat sein Haar verloren, der schäbige Rest des Haars verfilzte und sein Blick wurde stumpf. Wenig später roch Axel scharf nach Ammoniak.
So lange, bis das Männchen wieder mit dem Kombi in die Firma fahren durfte.

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