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Montag, 25. Mai 2015

Baumarkt

photo credit: shades via photopin (license)

Zwingen mich die Umstände, einen Baumarkt zu betreten, dann habe ich auch gleich schon "son Hals". Ja, es ist etwas Persönliches.
"Ein Baumarkt ist in der Regel ein großflächiger Supermarkt, der sich auf Materialien für Heimwerker spezialisiert hat. Bekam man früher beispielsweise Werkzeuge und Nägel ausschließlich beim Eisenwarenhändler, Farben und Tapeten im Farbenfachgeschäft, Holz beim Holzhändler und Baustoffe im Baustoffhandel, so kann man heute in einem Baumarkt fast alles an einem Ort bekommen." (Wikipedia)
Genau das ist nämlich das Problem.
Wenn de Vatter früher ein Dösken Spax-Schrauben und ein paar Eisenbeschläge brauchte, dann ist er zu "Bodo Schilkowski" in der Stadt gegangen. Der hatte da einen Eisenwarenladen. Da hat er sich an den Tresen gestellt und Bodo, angetan mit einem grauen Kittel hat ihn bedient. Ein Schwätzchen war auch noch drin. Es wurden nur Waren verkauft, die auch etwas taugten. Manchmal musste Bodo noch in den Keller gehen, aber der hatte immer alles vorrätig. Es war auch nicht gerade billig, aber die Qualität stimmte und nach fünf Minuten hatte de Vatter seinen Kram zusammen und ist wieder gegangen.
Wenn de Vatter früher renovieren wollte, dann ist er zu "Ewald Hombrecher" in der Nachbarschaft gegangen und hat Wandfarbe gekauft, Abtönfarbe und auch noch die Tapetenrollen dazu. Ewald hat ihm gesagt, wie viel er von was braucht und der hatte per se auch nur Farben und Tapeten im Haus, die auch etwas taugten. Et war auch nicht billig zu nennen, das Ganze, aber nach kaum zehn Minuten hatte de Vatter alles und trollte sich.
Wenn de Vatter was mit Elektrik machen wollte un mit dem antiken Krempel, den er im Keller herumfliegen hatte, nicht mehr weiterkam, dann ist er zu "Hartmut Biesenbach" in der Stadt gegangen. Der hatte da ein Elektrogeschäft. Da hat er sich an den Tresen gestellt und Hartmut hat ihn dann bedient. Der bürgte noch für die Qualität seiner Ware. Preiswert war anders, aber nach fünf Minuten hatte de Vatter alles zusammen und ist wieder abgezogen.

Was bietet stattdessen die Moderne?
Bigger is better. Der neueste Baumarkt in Wuppertal hat 18.100 m², das sind scheiß 1,81 Hektar! In Läden groß wie 2,53 Fußballfelder rennt man sich nun also die Hacken wund. Die Abteilungs-Tresen sind in aller Regel verwaist, oder, falls irrtümlich "bemannt", von Kunden belagert wie mittelalterliche Burgen. Trifft man irgendwo "unterwegs im Markt" glücklicherweise einen Mitarbeiter an, ist der mit 75%iger Wahrscheinlichkeit von einer ganz anderen Abteilung und kennt sich keinesfalls aus, mit 25%iger Wahrscheinlichkeit ist er nur irgendein Konsument im zufällig gerade zum Baumarkt farblich passenden Polohemd. Man sucht sich seinen Krempel also wohl oder übel selbst zusammen, Es bleiben jede Menge Fragen offen. Schade dass man keine Snickers dabei hat, weil es mal wieder etwas länger dauert. Vieles, was man findet -- wenn man es denn findet -- wirkt wie in großer Eile aus minderwertigen Materialien in asiatischen Sweatshops zusammengekloppt, es sei denn, es steht "Made in Germany" drauf, dann ist es aus Rumänien. Der 15%-Coupon aus der Zeitung, den man dabei hat, gilt nur für Malerei-Zubehör, nicht für Malerfarben. Am liebsten würde man ja jetzt alles stehen lassen -- wenn man den Scheiß nicht brauchen würde. Man bezahlt einen überraschend hohen Betrag und flieht.
Zu Hause stellt man dann spätestens beim dritten Überstreichen der Wand fest, das Alpinaweiß zwar die bestbeworbene aber bei weitem nicht die Farbe mit der besten Qualität ist -- eigentlich logisch, wenn man drüber nachdenkt.

Was ich stattdessen großartig fände:
Ein Back-to-the-roots-Fachmarktzentrum, das nicht nur so heißt, sondern wo Bodo (im grauen Kittel), Ewald und Hartmut immer hinter ihren jeweiligen Tresen stehen, ihre Kunden richtig beraten, bedienen und mit ihrem guten Namen für die Qualität der Waren stehen. Dann darf's gerne auch mal etwas mehr kosten und ich verzichte auch total freiwillig auf für Erwachsene ohnehin völlig unwürdige Sammelpunkte, Payback- und Rabatt-Coupon-Schnullewupp & -Schnickes wie bei OBI & Co.


Mittwoch, 20. Mai 2015

Der Preis des Erfolges

photo credit: coconut ice cream via photopin (license)

Mit der Liebsten schalenderte ich die Stargarder Straße entlang, Prenzlauer Berg, Berlin. Das Wetter war fein und gleich würde auf der rechten Seite eine Eisdiele kommen, wir schauten uns an: Nein, kein Eis für uns!
Grundgütiger!
Wir waren ja so dermaßen vernünftig!
150 Schritte später gab's auf der linken Straßenseite eine Menschenschlange wie zu DDR-Zeiten. Wir staunten, kamen näher.
Nun, hier hatte wohl ernstlich DER EISLADEN DER GÖTTER, ach was, die scheiß EISPATISSERIE DER GÖTTER aufgemacht! Der Laden hieß Hokey Pokey. Schickes Interieur, prächtiges Corporate Design, hinterm Tresen in einheitlicher Kledage drei wirklich ansehnliche Maiden mit den Haarfarben Brünett, Blond und Rot (mit Sicherheit kein Zufall). Dann die Eissorten! Ich will es so sagen: Ein Etablissement, welches neben "Salted Peanut Caramel" auch "Walnuss Brownie", "Mohnmarzipan", "Rhabarber Creme fraiche" und "französische Schokolade", führt, lässt keine Wünsche für den modernen Gaumen des Dritten Jahrtausends offen!
Die Preise waren allerdings respektabel.
Total überraschenderweise beschlossen wir, entgegen unserer gegenseitigen Versicherung von vor gerade eben 3,5 Minuten, nun doch ein Eis zu essen -- und zwar eins zu 1,60 EUR pro Bällchen.
*räusper*
Was soll ich sagen? Göttlich!
Während ich mein Salted Peanut Caramel-Hörnchen schleckte, hatte ich eine Hand frei und googlete den Laden (Link).Tatsächlich ist das Hokey Pokey dermaßen erfolgreich, dass wegen der permanenten Menschenschlange vor dem Laden schon das Ordnungsamt aktiv wurde. Der Besitzer wusste sich nicht anders zu helfen, als den Eispreis pro Bällchen um 60 Cent anzuheben, nur, um des Andrangs irgendwie Herr zu werden.
Wow! Wir hatten den Preis des Erfolges gezahlt! :D

(Eine gute Freundin sagte, diese Art von "Hypes um Nix" wäre genau der Grund, warum sie Berlin nicht so dolle fände, aber ich mag Berlin genau wegen dieses bekloppten 24/7-"Schnullewupp goes viral"-Gedöns.)


Montag, 12. Januar 2015

Daten-Scampi

photo credit: 20120227-NodeXL-Twitter-bigdata network graph via photopin (license)

Google ist die weltgrößte Datenkrake. Sagen immer alle. Oder war das Facebook? Oder Payback (oder so)? Hmmm. Auf jeden Fall lesen "sie" mit Big Data in mir wie ein Buch! "Die" wissen doch schon zwei Minuten vor mir, wann ich zum Klo muss!
Voll bad die NSA-Schergen!

Doch wie schlimm ist es wirklich?

Ein praktisches Beispiel:
(1) Ich habe mir vor acht Wochen im Internet ein Hemd & einen Kapuzenpulli bei der Fa. HAPPYSIZE bestellt (die haben Klamotten für Fatties).
(2) Gestern Abend habe ich geschaut, ob POLAROID schon die "Socialmatic 14MP Wi-Fi Digitalkamera" rausgebracht hat und was die so kostet.

Ergebnis:
Heute also bekomme ich Internet-Werbung für den HAPPYSIZE Kapuzenpulli (den ich schon habe) eingeblendet. Und - voll die Überraschung - Werbung für die POLAROID Socialmatic. Als Drittes kriege ich Reklame der PARSHIP Partneragentur angezeigt - mutig, wenn man bedenkt, dass ich in weniger als fünf Monaten heiraten werde.

Leute, Leute, Leute!
Für ein Datengekrakel in dieser Qualität hätte man keinen Schnullewupp-Teraflop-Rechner mit 2.000 Terabyte Arbeitsspeicher gebraucht. Das hätte jeder Minderbemittelte mit einem DIN-A7-Abreißblöckchen genau so gut, wenn nicht besser hinbekommen können.

Also bleibt cool: Die Datenkrake ist in Wirklichkeit ein Daten-Scampi.


Sonntag, 29. Januar 2012

Kiwi-Verschwörung

http://bit.ly/xsz31g
Was weiß man schon groß über Kiwis?
Das sind so Eier mit Haaren dran, werden auch als "chinesische Stachelbeere" bezeichnet und sind das Wappentier Neuseelands. Wenn man sich einen Dreck um Kommas schert, besteht die Kiwi zu drei vierteln aus Vitamin C.
Respekt!
Mit diesem geballten Wissen spazierte ich in einen Supermarkt um ein Dutzend (für die jungen Leser: 12) käuflich zu erwerben. Ich schaufelte die Teile in einen Plastikbeutel, bis mein Blick am Preisschild hängenblieb: "Kiwi, Chile, 0,99 EUR".
Grundgütiger! Für nen Cent mehr bekommt man ja nen ganzen Einkaufswagen!
Ich spurtete zu der in den Auslagen herumgrofelnden Einzelhandelsfachverkäuferin.
"Kiwi - Stück fürn Euro?", fasste ich mein Entsetzen elegant zusammen.
"Wir machen die Preise nich! Dat geben die oben vonne Zentrale vor!", sprudelte es reflexartig und wie geübt aus der Einzelhandelsfachverkäuferin heraus.
Aber was wäre ich für ein Blogger, hätte ich mich jetzt geschlagen gegeben!
Wieder zu Hause recherchierte ich kurz, rief dann "oben" bei der PIMPI Handels-GmbH an.
"Guten Tag, ich bin Kunde und möchte wissen, warum die Kiwis in ihrem PIMPI-Markt Wuppertal 0,99 EUR kosten!", fragte ich mit lauter und fester Stimme.
"Wir machen die Preise nich! Dat geben uns die Zwischenhändler vor!", meckerte Frau Swantje Krummrhein-Paziwicky von der PIMPI Handels-GmbH.
"Danke!"
Zwischenhändler war die Schnullewupp Zwischenhandels-KG.
"Hallo, ich möchte wissen, warum die Kiwis im PIMPI-Markt Wuppertal 0,99 EUR kosten!"
"Wir machen die Preise nich! Dat geben uns die Zwischen-Zwischenhändler vor!", nölte Frau Birte-Helene Schweineweich-Przykowsky von der Schnullewupp Zwischenhandels-KG.
Das ging dann noch den ganzen Tag so.
Die letzte Instanz, der weltweite Aufkäufer für Früchte und Beeren, die freundliche Nestlé-Tochter FRUIXXON verwies als Schuldige auf die chilenischen Erntehelfer.
"¿Por qué los kiwis coste 0,99 euros en mercado PIMPI?", fragte ich mit meinem besten Schulspanisch. Ich stolperte nur ein wenig über das kopfstehende Fragezeichen.
"No tenemos teléfono! Nosotros recibimos un salario por hora de 0,15 euros."
Ach so!
Die chilenischen Erntehelfer haben gar kein Telefon, weil sie nur 0,15 EUR in der Stunde verdienen!

Die Weltpreise für Kiwis werden demnach vermutlich von den Illuminaten per Los bestimmt.
Habe Dan Brown einen Tipp gegeben.