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Sonntag, 4. Februar 2018

Zum Tod von Ingvar Kamprad: Alter Schwede & der Tempel der zerlegten Glückseligkeit

photo credit: 2 dogs 06/11/04 14:51:35 SHANGHAI via photopin (license)

Ingvar Feodor Kamprad wurde 1926 im schwedischen Älmhult geboren, und ist dieser Tage mit 91 Jahren in Småland verstorben. Er war einer der reichsten Männer der Welt, trockener Alkoholiker und ein Meister der Steuervermeidung. Aber vielleicht wird man auch nicht Milliardär, wenn man ganz artig seine Steuern bezahlt wie jeder andere Depp.

1943 gründete Kamprad mit zarten 17 Jahren das Unternehmen IKEA. Die folgenden Jahre tüftelte der Jungunternehmer daran herum, auf wen man die schlimmste Arbeit der Möbelindustrie, nämlich das Zusammenkloppen der Einzelteile zu fertigen Möbeln, auslagern könnte. Niemand wollte diese undankbare und schweißtreibende Aufgabe übernehmen – es war ein Dilemma! Vier Jahre Hirnschmalz später gelang es Kamprad 1947 erstmalig, einen Endkunden, Herrn Erik Brantgaard (52), dazu zu bringen, sein neues Sideboard fluchend und wie ein Schwein schwitzend selbst zusammenzuschustern. Hey! Man hatte den Dummen fürs Zusammenbauen gefunden! Zuerst einmal duzte Ingvar Kamprad den Herrn Brantgaard ab sofort, was den nicht wenig irritierte, doch der Stolz über das selbst zusammengebaute Möbel überwog. Das Winz-Unternehmen IKEA begann nach diesem erfolgreichen Test auf der Stelle seinen kometenhaften Aufstieg.
Später kamen Designer wie Tord Björklund mit ins Boot, die auf die Idee kamen, sehr dicke Bretter an die Wand zu dübeln, damit man Firlefanz, Schnickschnack und – dem Trend folgend – das Zweitbuch darauf abstellen konnte. Kamprad, nicht doof, verkaufte den Kunden zum sehr dicken Brett ab sofort auch gleich noch den Schnickschnack und den Firlefanz dazu.

Doch weder Ingvar Kamprad, Tord Björklund und schon gar nicht Erik Brantgaard hätten sich das Gewimmel vorstellen können, welches sich an vielen Samstagen in und um IKEAs abspielt. Wenn man erst auf dem Parkplatz des Möbelhauses ankommt, wenn die kleinen Parkplatzwächter-Wichtel bereits getrocknete Tränenspuren auf ihren roten Wangen haben, dann kann man mit Gewissheit sagen: Ihr seid zu spät! Vielleicht bekommt man noch nach einigem hektischen Gegurke und zehn Minuten Stop & Go einen Parkplatz ganz hinten. Dann lässt man sich vom Strom der Menschen in den Tempel der zerlegten Glückseligkeit treiben. Alles ist schwarz vor Menschen, Kinder wimmeln, wenn sie nicht winseln. Die labyrinthischen Wege kanalisieren die Shoppenden wie Vieh, das langsam voran strebt. Arme greifen im trägen Getümmel rechts und links mechanisch nach Tand und Schnickes, der in riesigen, gelben Umhängesäcken verschwindet. In Sesseln und auf Liegen der Möbelausstellung lungern allerorts Ermattete herum, die nicht mehr aufstehen wollen oder können.

Am Restaurant angekommen, fällt die Wahl nicht schwer. Köttbullar mit Rahmsoße und Pommes sind jetzt das ideale Pflaster für die waidwunde Seele. Nach dem Schlange stehen an Essensausgabe und Kasse kann man nun seine nicht mehr ganz warmen Schweinebällchen in einer der hinteren Ecken des Restaurants hinunterschlingen. Die Cola ist zwar "Refill", aber wer würde jetzt 100 m Luftlinie durch dieses Getümmel auf sich nehmen, sein Glas neu zu füllen? Und weiter geht’s: Wir sind ja nicht zum scheiß Spaß hier!

In der sogenannten „Markthalle“ bewaffnen sich alle mit Einkaufswagen, weil niemand mehr Lust hat, weiterhin wie Flüchtlinge einen (gelben) Sack mit sich herumzuschleppen und sich die Körperhaltung ein für alle Mal zu versauen. Schon drei Meter weiter kommt es zum ersten Einkaufswagen-Stau, an den man sich schnell gewöhnen sollte, denn die nächsten 1,2 Gebäudekilometer legt man ausschließlich mittels Stop & Go zurück. So hat man indes genug Zeit, sich mehr Firlefanz und Schnickschnack zu greifen, als einem lieb ist.
Kaum eine Stunde später ist man sogar durch die Kasse, zahlt überraschenderweise einen dreistelligen Betrag für brachial parfümierte Kerzen in Gläsern und allerlei Gegenstände, an die man keine Erinnerung mehr hat, dass man sie je in den Einkaufswagen gelegt hat.
„Ist das überhaupt unser Wagen?“, fragt jetzt jemand.
Bevor man zu viel darüber nachdenkt, kann man sich jetzt noch direkt hinter den Kassen nach bester IKEA/Kamprad-Tradition ein Hotdog aus synthetischen Zutaten selbst zusammenbauen und es selbstverständlich lauwarm herunterschlingen.

Achtung: Wenn man die Kofferraumklappe noch geschlossen bekommt, dann hat man es nicht richtig gemacht. Zur Strafe muss man dann am nächsten Samstag wieder hin.

Wer nun denkt, er hätte das Schlimmste hinter sich, darf erstmal auf der A1 im Stau stehen, muss dann zu Hause noch Möbelpakete schleppen, deren Inhalt zusammensetzen und dabei wie ein Schwein schwitzen, wie seinerzeit der Herr Erik Brantgaard vor unglaublichen 70 Jahren.

Es ist wie mit der großen Portion Köttbullar. Man hat Bock drauf, aber wenn man einen Teller davon auf hat, denkt man, man könnte nie wieder einen essen.
Bis zum nächsten Mal.


Irgendwo in einem schwedischen IKEA gab es nun eine Durchsage: „Ein alter Schwede möchte aus dem Småland abgeholt werden“.
Well done, Mr. Kamprad.


Sonntag, 29. Januar 2017

Von Datenschutzgespacke bis "Schere im Kopf" (1982-2017)

photo credit: David Blackwell. The David Party via photopin (license)
1982

Schon bei meinen ersten Ferienjobs ab 1982 fand ich das Verhalten der fest angestellten Kollegen vor Ort hochgradig spack: Wenn sie am Monatsende ihre Lohntüte an den Rändern aufgerissen hatten, dann spähten sie hinein (Abbildung), als stünden dort Raketen-Abschusscodes, die nicht in feindliche Hände fallen dürfen und nicht schlicht ihr zu niedriges Monatsgehalt. Was sollte das? Indem jeder sein Gehalt wie ein scheiß Staatsgeheimnis behandelte, konnte der grausame Produktionsmittelinhaber jedem seiner Schergen zahlen was er wollte und für die Geheimhaltung sorgten die kleinen Spacken auch noch selbst! Sie selbst hielten ein per se ungerechtes System dadurch aufrecht! Was war nur aus der vielbesungenen Solidarität unter Arbeitern geworden? Es ist übrigens 35 Jahre später unter Angestellten der gleiche, völlig unwürdige Quatsch.
Datenschutzgespacke.

1987

Bei der letzten in der alten Bundesrepublik durchgeführten Volkszählung von 1987 (Wiki) kam es -- wie sollte es anders sein -- zu wilden Boykottaufrufen und großem Widerstand gegen den "Big Brother" Bundesrepublik. In Wuppertal gibt es noch heute "VOLKSZÄHLUNGSBOYKOTT"-Graffitis in einigen der etwas runtergerockten und > 30 Jahre nicht gestrichenen Nebenstraßen des Elberfelder Ölbergs. Natürlich möchte der Bundesbürger 24/7 von seiner Regierung supertoll regiert werden, aber leider darf der Staat keinesfalls wissen, was und wen genau er da eigentlich regiert, damit alle weiterhin über die "Bürgerferne" der Politik meckern können.
Absolutes Datenschutzgespacke.

ca. 2000

Seit ich google, lasse ich mir auch offiziell von Google über die Schulter schauen. Die können mir nur immer besser helfen, wenn ich ihnen dabei helfe, dass sie immer besser werden. "Ja, aber...", schnappen jetzt reflexartig Himpelchen und Pimpelchen, die immer alles kostenlos haben wollen ohne jemals etwas dafür zu geben. So funktioniert die Welt aber nicht. Ich finde zum Beispiel Internetwerbung ziemlich dämlich, die mal so gar nicht zu mir passt, also für Singlebörsen und Gartenzubehör, Karten für Sportereignisse und Alufelgen.
Wenn ich in "meinem" Google nach "Marines" suche, dann möchte ich sofort die Webseite des famosen Lokals finden (Wiesenstraße 2, 42105 Wuppertal) und nicht Informationen über das United States Marine Corps und dessen Angehörige erhalten. "Mein" Google weiß das. Natürlich mache ich mich dadurch durchsichtig, aber das ist der Preis, den ich bewusst dafür bezahle.

ca. 2005

Zum ersten Mal in meinem Leben sehe ich bei einem Bekannten einen Laptop mit abgeklebter Kamera. "Paranoid ist, was du draus machst", dachte ich damals (naiv wie ich war).

2010

Seit der Trilogie um Lisbeth Salander (ab 2010 in deutschen Kinos) weiß ich, dass in Schweden dieses Datenschutz-Ding eher mal nicht so richtig existiert: Die Schweden setzen auf Transparenz. Wer also wissen will, was sein Nachbar verdient oder wen es interessiert, wem der Volvo mit dem amtl. Kennzeichen KRM-552 gehört, schaut einfach im Internet nach (Artikel). Schweden? Die sind doch cool drauf, da am Polarkreis! Hey! Datenschutz, das ist doch nur was für Lappen!

2012

"RFID-Etiketten in der Kleidung bringen Datenschützer auf den Plan" (Artikel), offenbar gab es 2012 gerade nichts Wichtigeres für Datenschützer, als RFID-Tags aus Jacken von Passanten auszulesen. "Bewegungsprofile könnten erstellt werden", *kicher*, is klar. Da die Dinger aus bis zu 10 m Entfernung ausgelesen werden können, braucht es für eine Stadt wie Wuppertal also lediglich 17 Millionen Messstellen, damit man einen einzelnen Spacko in seiner Designer-Joppe verfolgen kann, Muahahaha!!!, ihr Lappen. Absolutes Datenschutzgespacke.

2013

Die Künsterlin Heather Dewey-Hagborg sammelt Kaugummis und Zigarrettenkippen von der Straße und Haare in öffentlichern Verkehrsmitteln und analysiert die Funde genetisch, läßt in 3D-Druckern die Gesichter der Erbgut-Träger entstehen (Artikel), krass: Webseite der Künstlerin (hier).
"Eine Zeit der "genetischen Überwachung" bahne sich an, sagt die Informations-Künstlerin, die sich in anderen Projekten bereits mit Gesichts- und Spracherkennung befasst hat. " (a.a.O.)
Irgendwann sind wir alle längst in GATTACA (Link) angekommen, ohne es gemerkt zu haben.

"Ed Snowden" und Wikileaks: auch DAS war in 2013, aber da haben alle nur noch total abgestumpft drauf reagiert, ganz so, als könne man da eh nichts dran ändern, wie auch am Artensterben und dem Klimawandel.
Wenn so etwas in den 80ern herausgekommen wäre, da hätten auf den Straßen ein paar Barrikaden gebrannt.

2014

Identitätsklau per Kamera: Fingerabdrücke von Politikern zu kopieren, ist kein Problem. Ein Foto der Hand genügt, wie zwei Sicherheitsforscher demonstrierten (Artikel). Somit wird die Merkel-Raute auf Fotos zum Sicherheitsfeature, das Ackermann-Victory (hier) oder ein schlichtes "thumbs up" auf Fotos (hier) zum Datenleck -- also ist Vorsicht geboten in Zukunft. Zumindest könnten Diebe das geklaute iPhone entsperren und sämtliche weitere Fingerabdruck-Sicherheitssperren überwinden, z.B. am Laptop, notfalls mit einem Kunstdaumen aus dem 3D-Drucker. Unwahrscheinlich aber technisch möglich.
Schon ein bissi Datenschutzgespacke.

2016

Aktuell klebt selbst "Mr. Facebook" Mark Zuckerberg die Front-Kamera seines Notebooks ab -- wie ein Boss (Artikel), Ed Snowden sei Dank. Die Piraten-Augenbinde für Notebooks gibt es mittlerweile als Standardzubehör zu kaufen, aber vermutlich landet man als Käufer in einer Watchlist von Menschen, die glauben, noch etwas zu verbergen zu haben.
Letztens schaute ich in der Wohnung von meinem Schreibtisch aus gedankenverloren auf das Dach gegenüber, wo sich silbern im Wind Lamellenschornsteine drehten. Ich googelte die Teile (Schornstein, chrom, dreht), fand damit heraus wie die Dinger überhaupt heißen, dass sie durch ihre Bauweise den "Zug im Rohr" erhöhen -- aha! ach so! -- und gut war. Dachte ich. Seitdem verfolgen mich die Teile von Webseite zu Webseite. Nein, ich möchte den Zug im Rohr nicht erhöhen!
Aber genau aus diesem Grund habe ich keinen Dildo als Weihnachtswichtelgeschenk für die Firmenweihnachtsfeier bestellt (was sicherlich sofort eine Bombenstimmung ausgelöst hätte). Meine Zurückhaltung rührt daher, auf dass ich nicht monatelang beim Surfen von vage rosafarbenen Kunst-Phalli belagert werden möchte.
Hier fängt es an, das mit der "Schere im Kopf".

2017

Letztens habe ich "schmutzige Bombe" gegooglet, nur um mal zu sehen, was genau dahintersteckt. Mist, ich war zu impulsiv: Sicherlich bin ich jetzt für den Rest meines Lebens auf mehreren Geheimdienst-Watchlists (UK, USA, Israel), der BND wird es verpennt haben.
Ich fände es auch interessant, mal nachzusehen, wie man eigentlich selbst Sprengstoff herstellt, nicht, weil ich welchen produzieren möchte, ganz bestimmt nicht, lediglich weil mich Dinge interessieren. Und hey: wie kommt man eigentlich an Rizin? Wo kann man sich den TOR-Browser (für das Darknet) herunterladen und gibt es im Darknet überhaupt eine Suchmaschine, z.B. GRRRGLE?
Ich schaue nicht nach, einfach, um mich nicht verdächtig zu machen.
Wie vielen, "die nichts zu verbergen haben" (O-Ton) geht es genauso?
Hurra, die Selbstzensur ist auch schon da!
Das sind wir: Freie Bürger mit Schere im Kopf.


LINKS
Absolut sehenswerter Film: "Snowden" (2016), Trailer
Das Zeitalter der Videoüberwachung beginnt erst. Link
Artikel über Posts, die Facebooknutzer nie veröffentlichen, die Facebook aber trotzdem liest. Link
Psychologie: Ständige Überwachung führt zu Selbstzensur. Link


Dienstag, 30. Oktober 2012

ru24 Wissen 20: Surströmming

goo.gl/KRpPN
Surströmming ist schwedisch für "saurer Strömling". Man nehme Ostseehering (Strömling), lege ihn wochenlang in Salzlake, wo er gärt, dann dose man ihn einen Monat vor dem großen Tag ein, wobei er in der Konserve fröhlich weitergärt, sodass sie sich kugelförmig aufbläht. Wegen der naheliegenden Detonationsgefahr sind die Dosen auf Flügen der Airt France und British Airways Tabu, völlig unnachvollziehbar für den Schweden an sich...

Am großen Tag:
1) Die Dose ist dringend im Freien zu öffnen, damit die Gase sich verflüchtigen können. Entweichen die bestialisch nach fauligen Fäkalien stinkenden Gase des Surströmmings innerhalb von Räumlichkeiten, werden diese dadurch temporär unbewohnbar.
2) Die Dose ist zusätzlich dringend unter Wasser zu öffnen
Praktisch: Man kann den hoffentlich noch rosigen Fisch direkt abwaschen. Ist er grau, sollte selbst der Alte Schwede die Finger davon lassen, sofern er noch etwas älter werden möchte. Grauen Surströmming kann man vermutlich nur noch trocknen und rauchen.
3) Der Fisch muss drinnen gegessen werden, weil die Faulgase Fliegen anlocken.
Dann flott rein mit der Leckerei in die IKEA-Vorzeigewohnung, es sei denn, man möchte eindringliche Szenen aus "Der Herr der Fliegen" nachstellen.
"Die traditionelle Art, Surströmming zu essen, ist ein sogenanntes Klappbrot. Man streicht Butter auf dünnes Fladenbrot, hartes oder weiches, je nach Geschmack, legt den gesäuberten Surströmming zusammen mit Mandelkartoffeln und gehackten Zwiebeln darauf, klappt das Ganze zusammen und isst es aus der Hand." (Quelle: s.u.)
Übrigens: die "wahren Enthusiasten" lieben nicht nur den "Duft" des Fisches, sie essen als Steigerung die über ein Jahr länger fermentierten Konserven vom vorletzten Fang.

Ich könnte mir vorstellen, dass mein Freund Bernd (Blogbeitrag) sich nach dieser Lektüre schon das Lätzchen umbindet. :)


Lecker, lecker: Youtube-Video.
Mehr zu Surströmming: Link, Link, Link
Für die ganz Harten: Surströmming bei Amazon bestellen
Mehr Schweden: Blogbeitrag, Blogbeitrag


Freitag, 14. September 2012

Naturkonstanten

bit.ly/Nsp4LV
Ich war wohl acht oder neun als ich eines meiner ersten "Walt Disneys Lustige Taschenbücher" (kurz LTB) bekam, z.B. LTB-Ausgabe #9 "Micky ist der Größte". Die Bände hütete ich wie meinen Augapfel.
Da ich als Kind äußerst dringend Erfinder werden wollte, war mein großes Vorbild natürlich Daniel Düsentrieb (Link) nebst Helferlein (Link). Phantomias (Link) mit seinen Sprungfederstiefeln fand ich auch arg knorke!
Bei den LTBs war früher nur jede zweite Doppelseite in Farbe, auf der anderen Hälfte der Seiten waren die Zeichnungen schlicht uncolorierte Outlines.
Wenn man aufwächst, mit Micky Maus und Kater Karlo, Daniel Düsentrieb, den Panzerknackern, Dagobert Duck, Donald Duck, Tick, Trick und Track und ihrem Fähnlein Fieselschweif, dann werden sie irgendwann zu Naturkonstanten.
Natürlich fällt einem irgendwann an einem Sonntag im April, vielleicht im zarten Alter von 23 auf, dass "Daniel Düsentrieb" im amerikanischen Original sicher irgendwie anders heißt. Ebenso wie Dr. med. Leonard Horatio McCoy, der erste medizinische Offizier der USS Enterprise NCC-1701, der mit Spitznamen tatsächlich "Bones" und nicht "Pille" hieß.

Tatsächlich ist es VIEL, VIEL KRASSER.
Sagen wir so: Donald und Daisy Duck heißen in dem Land, das nur 5% der Weltbevölkerung stellt, aber dafür 25% der Welt-Öl-Reserven verballert (und dabei ganz tapfer glaubt, das Weltklima werde von Gott gemacht), Donald and Daisy Duck.
So far, so good.

Aber jetzt kommt's:
Kater Karlo = Black Pete,
Gustav Gans = Gladstone Gander,
Daniel Düsentrieb = Gyro Gearloose,
Panzerknacker = Beagle Boys,
Dagobert Duck = Scrooge McDuck,
Tick, Trick und Track = Huey, Dewey and Louie und
Fähnlein Fieselschweif = The Junior Woodchucks!!!
(die ganze Liste: hier)
Krass!!!
Soviel zum Thema "Naturkonstanten"...

Da passt es doch ganz gut, dass Batman in Schweden "Läderlappen" heißt.
Muahahahaha!
Ob Pippi Langstrumpf nun in Wirklichkeit "Urinella Långsockor" heißt, habe ich mich jetzt nicht getraut nachzusehen.


Dienstag, 3. November 2009

ru24 Wissen 8: Schwedenrätsel


P3201116
Originally uploaded by Kommissar Zufall
Hinter schwedischen Gardinen aus Schwedenstahl hockt der Schwede an sich, löst Schwedenrätsel und heckt sonst noch so einiges aus.
Die Bezeichnungen "schwedische Gardinen" und "Schwedenrätsel" kommen dem Schweden ebenso spanisch vor, wie den Spaniern die "Spanische Fliege", dem Franzmann "französisch" oder "Pariser". Der Franzmann nannte dereinst den Kakerlak "Deutsche Schabe", der Deutsche nannte sie zu Kaisers Zeiten "Französische Schabe". In den letztgenannten Fällen schiebt der eine dem anderen zu, was peinlich oder verrufen ist. Durchgesetzt hat sich für die Küchenschabe dummerweise die lateinische Bezeichnung "Blatella Germanica". Und schwupps hängt's auf ewig am schäbigen Germanen. In einem hysterisch hygienischen Land sicher ein Griff ins blauwässrige, autosterile Klo. Aber mit Unsterilitäten haben die Schweden ohnehin keine Probleme. Midsommar wird ein bißchen gehopst, dann ist's den Rest des Jahres eh wieder kälter als 7°C.
"Der war noch nie in Schweden", werden jetzt die Kenner sagen.
Stimmt. Aber einige mäkeln ja immer.
"Kommt der jetzt mal zum Thema?"
Jaja!
Die Österreicher haben in ihrer Sprache (eine Art deutsch) beispielsweise die "Schwedenbombe". Diese wird hierzulande mittlerweile politisch korrekt als "Schokoschaumkuss" bezeichnet (formerly known as "Mohrenkopf" bzw. "Negerkuss"). Außerdem gibt's bei den Schweizern noch den "schwedischen Kuss". Das indes ist nichts zum Essen. Jemanden einen "schwedischen Kuss geben" meint, wenn einer seinen Kopf gegen das Haupt seines Nächsten drischt.
Wie immer lustig, die Bergbewohner!
Der Schwede wiederum kennt Deutschland in erster Linie für seine tabulosen Brutalo-Hardcore-Pornos (wirklich, ich habe das nicht getürkt). Hierzulande ahnt man nichts davon, kennt - natürlich nur namentlich (ey, ich schwör'!) - die Schwedenpornos.
Aber das ist ja wie bei der Schabe und dem Franzmann!
Zumindest an das schwedische IKEA-Wording hatte man sich hierzulande schon gewöhnt (Blogbeitrag), außer vielleicht an den babypopofarbenen Sessel "Kimme" zu 19,00 € (Bild). Aber den hat man vernünftigerweise schon wieder aus dem Programm genommen, denn das ging ja gar nicht.
Darauf einen Schwedentrunk!
Pardon!
Um ehrlich zu sein, lieber einen Schwedenbitter.


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Montag, 22. Juni 2009

Lifestyle 1 - Grölle biste mållen?

Bei IKEA haben alle Sachen so hübsche Namen! Hier gibt es Klangvolles wie Mertöl, Klosp oder Herpse. Die Namensgebung gibt vielen Rätsel auf, 69,71% der Befragten einer von mir eigens gefälschten Studie vermuteten gar, es handle sich um schwedische Wörter, die verwendet werden, wenn Designer Tord Björklund seine neue Vase Vaniga nennt oder den großen Küchenrollenständer Pensi. Hahaha. Mitnichten. Der Herr Björklund war zwar der Erste, der auf die Idee kam, ein Brett an die Wand zu dübeln und Bücher mit Titeln wie "Grölle biste mållen?" draufzustellen, aber trotzdem soll jetzt sein Geheimnis gelüftet werden!
Man nehme ein beliebiges deutsches Wort, tausche einfach zwei Buchstaben gegeneinander aus und schaffe so einen Begriff umweht vom Flair des Elchs, umsummt von extrem blutrünstigen Mückenschwärmen und umduftet von ganzen neun Köttbullar [sprich: Chött...] mit einem Klecks Preiselbeeren und Petersilienkartoffeln für gerade mal 4,50 EUR. Als Alternative gibt es da sogar Pommes dazu (allerdings ohne Petersilie, wer hätte auch je von Forelle Müllerin mit Petersilienpommes gehört). Beispiele: der Köndel Sockensammler - man nehme einen Knödel und tausche das n mit dem ö. Oh, eisiger Hauch vom Bottnischem Meerbusen! Der beliebte Aken Rattanstuhl - man nehme die schmückende Akne und tausche die Buchstaben (wenn man Wangen und Stirn nur lange genug auf das Geflecht preßt, kann man die Namensgeberin auch dufte simulieren). Ah, da mag man an Selma Lagerlöfs "Nils Holgersson" denken. Körte Toilettenpapierhalter - hier hat der schwedische Köter hergehalten, nun gar im Kampf gegen den Kot. Das ist Design in Vollendung. Welch atmosphärische Dichte, fast schmeckt man es auf der Zunge. Super, der Herr Björklund. Wenn der auch mal nicht weiter weiß, gibt es noch einen Trick: man nimmt ein passendes Fremdwort und ersetze einen hinteren Vokal durch ein ö. Die Exekutör Hundleine, der Leprö Flickenteppich oder der Menstruatör Badezimmer-Treteimer seien hier beredte Zeugen. Doch wie ernst IKEA seine Namen sind, zeigt sich daran, daß es im Katalog keine Möglichkeit gibt, per Inhaltsverzeichnis nach ihnen zu suchen. Kecka bzw. Fäköl ist das.
Ich freue mich auf jeden Fall schon drauf, wenn ich wieder eine Durchsage im Stil höre: "Der Kleine Cosmo möchte ziemlich dringend von seinen Eltern aus dem Småland abgeholt werden!"
Möchte, wohlgemerkt, sehr artig, trotz des mörderischen Gebrülls, das er veranstaltet.

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