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Dienstag, 17. Dezember 2013

Nichtswürdige Winz-Gebäcklinge

Milchkaffee by manu&emma
Milchkaffee, a photo by manu&emma on Flickr.

Ich sage es mal klar und deutlich: 1984 bekam man bestenfalls mal einen Cappuchino als Alternative zu Kaffee. Wenn man den "Cappu" dann auch noch "auf dem Land" bestellte (z.B. in 5608 Radevormwald oder 5600 Wuppertal), dann bekam der unglückliche Besteller eine Tasse schwarzen Kaffee plus Sprühsahne plus 0,07 g Kakaostäubchen oben drauf. Ein widerliches, nichtswürdiges "Heißgetränk nach Art Cappuchino", das mir mehr als einmal die Schuhe ausgezogen hat! Das Beste daran war mit Sicherheit das Plätzchen, das die Bedienung natürlich "von Hand" auf die Untertasse gelegt hatte, ein "echtes" Danish Butter Cookie aus einer runden Blechdose von Aldi, Lidl & Co. Mein persönliches Highlight waren immer die Kringel oder Bretzelförmigen mit den Zuckerkristallen rundum.
Ich hatte mal eine Freundin, die ließ die Cookies unverständlicherweise aus sog. "hygienischen Gründen" immer liegen - Muahahaha!!! - gerne, ich esse auch zwei! Bald setzte sich aber leider wegen solcher hyperhygienischen Mäkelliesen deshalb der eingeschweißte Spekulatius durch, trotz der prozentualen Übermacht der Jahreszeiten Frühling bis Herbst - man bemühe sich einmal des Gedankens ob dieser Tatsache!
Die Jahreszeiten flogen nur so dahin, und Cafés und Bars schafften sich sündhaft teure Lattepressomaschinen an. Geräte mit Brühgruppen, die auf so wohlklingende Namen wie "Faema E61" hören (Link). Von nun an gab es sogar diverse Espressi (einfach, doppelt, Macchiato), Ristretti, italienischen Kaffee, Milchkaffee, Latte Macchiato und ECHTEN Cappuchino. Und natürlich weitere 45 coffeeinhaltige Nischenspezialitäten, die man gar nicht für möglich halten würde - bis hin zu Heißgetränken aus Kaffebohnen, die schon von einem katzenartigen Viech verdaut worden waren - vor dem Röstvorgang...
Eigentlich hätte jetzt für immer alles ganz wunderbar sein können - die Moderne war angebrochen!
Doch ach! Nun kamen irgendwelche sehr, sehr kranken Schnösel auf die Idee, Amarettinis an den Untertassenrand zu legen.
Amarettinis.
Brrr!
Hallo?
In der Giotto-Werbung von Anno Hassenichtgesehen heißt es: "Giotto: Kleiner dürfen sie wirklich nicht sein!" Eben! Und ein Amarettini ist nur halb so groß wie so eine schon per se völlig beknackte "Minigebäckkugel"!
Ein solches bösartiges Winz-Gebäcktteil zerstäubt beim Zerbeissen zu einer zementartigen Masse, die einen ganzen Backenzahn wirklich vollständig verstopft, so dass man minutenlang total autistisch mit der Zunge dran rumporkeln muss. Geschmacklich bekommt man währenddessen eine vage Vorstellung davon, wie sich degenerierte Schergen der chemischen Industrie "Marzipan" vorstellen. Meistens hat man nach diesem niederschmetternden Erlebnis dann auch noch zwei bis drei weitere dieser nichtswürdigen Winz-Gebäcklinge auf dem Tellerchen liegen - würg!
Danke!
Toll!
Fuck.
Von der Nichtswürdigkeit dieser fiesen Kackteile her würden sie indes wunderbar zu dem 1984er sog. "Cappuchino" passen...
Boah!
Mir wird schlecht.
Hallo?
Geht denn nicht wenigstens wieder ein singuläres "Danish Butter Cookie" wie in der guten, alten Zeit, mein Gott, ja, gerne auch "von Hand"!?
Büttö!!!


Dienstag, 26. November 2013

Prominenz


Victoria and David Beckham
Originally uploaded by friskytuna
Früher, da war der Begriff "Prominenter" noch positiv belegt. Sogar, noch während ich Kind oder Teenager war. Ich rede jetzt von einem Zeitraum, der sich von 1970 bis in die 80er erstreckte. Es handelte sich bei diesen Prominenten um Lichtgestalten: begabt, gebildet, eloquent, kosmopolitisch oder wenigstens schön.
Wohl niemand hätte es abgelehnt, Anno 1982 Hans-Joachim „Kuli“ Kulenkampff oder Joachim „Blacky“ Fuchsberger zum Onkel zu haben. Hach, das wäre doch dufte gewesen!
Und wie übersichtlich ging es zu in den 80ern!

Seitdem hatten wir eine kräftige Hyperinflation der Berühmten, dem Privatfernsehen sei dank. Die Zahlen eskalierten von gefühlten 500 nach gefühlten 6.000. Wer heute mal mit Dieter Bohlen, Boris Becker oder Oliver Pocher koitiert hat, gilt sofort nach der Erst-Besamung als "IT-Girl", sicher, sicher. Wer auf PRO7 mal eine Kochsendung hatte, ist stante pede Starkoch, klar.
Was diese sogenannten "Promis" in der Regel allerdings von denen vergangener Tage unterscheidet, ist, dass sie weder begabt, gebildet, eloquent, kosmopolitisch oder wenigstens schön sind.
STOP MAKING STUPID PEOPLE FAMOUS (Link) ist ein Aufruf, den sich Medien mal hinter die Ohren schreiben sollten.

Eine gute Freundin von mir (A. S.) ging sogar so weit, zu behaupten, dass der Begriff "prominent" längst vollständig negativ belegt sei.
Ich fürchte, mir fällt gerade kein Gegenbeweis zu dieser These ein.


Dienstag, 16. Juli 2013

Ein Leben in vollen Zügen

Kleiner Leitfaden zum Bahnfahren mit der DB, Bahnticket und Sitzplatzreservierung liegen vor

Frage 1:
An welchem Bahnsteig hält mein Zug?
Antwort: Das prüfe man am Bahnhof an dem großen Abfahrts-Poster. An der Stelle, die einen interessiert, hat ein Minderbemittelter mit einem 18 mm breiten Edding „FRZ“ (kurz für „Furz“) oder „DBL“ (für „debil“) draufgekrakelt.

Frage 2: Das Poster fehlt, ist unleserlich oder ich kann es nicht finden. Kann man am Bahnhof jemanden fragen?
Antwort: Besser nicht.

Frage 3: Es liegt an der Aufregung. Kann man am Bahnhof mal müssen?
Antwort: Man kann, sollte aber nicht.

Frage 4: Wo am Bahnsteig hält mein Waggon?
Antwort: Am Bahnsteig gibt’s ein Infoposter, den sogenannten Wagenstandsanzeiger. Man stelle sich mit seinem Koffer am zum Wagen passenden Buchstaben A bis F auf dem Bahnsteig parat und harre der Dinge die da kommen.

Frage 5: Worüber klärt mich die völlig unverständliche, mit Sprachfehler und Dialekt vorgetragene Durchsage auf?
Antwort: Darüber, dass die Lautsprecherboxen mit Taubenscheiße verklebt sind.

Frage 6: Klappt wenigstens das mit dem Wagenstandsanzeiger?
Antwort: Nein. Der Waggon, den man besteigen möchte, hält aber keine 200 m vom Wartenden entfernt. Dann wuchte man sein Gepäck zu den Menschentrauben: Da knubbeln sich bereits die Reisenden, die keine Ahnung von der Existenz solcher Exotika wie Wagenstandsanzeigern hatten und somit natürlich näher an dem betreffenden Wagen stehen, als die, die zu schlau waren.

Frage 7: Steige ich mit Sitzplatz Nummer X auf der rechten oder linken Seite des Waggons ein?
Antwort: Egal. Wie man sich auch entscheidet: Auf der anderen Seite einzusteigen wäre weitaus günstiger gewesen. Man quetsche sich also einmal komplett durch die gesamte Länge eines vollen Wagens, in dem Menschen ihre Koffer, Kinder, Partner und Hunde verstauen oder darauf warten, dass ihr Vordermann seine Koffer, Kinder, Partner und Hunde denn dereinst einmal verstauen möge. Man hat somit viel Zeit, der Blick irrt zur Nummerierung der Sitzplätze: doch ach!

Frage 8: Wo the fuck ist überhaupt mein reservierter Sitzplatz?
Antwort: Keine Ahnung. Die Nummerierung der Sitzplätze im Inneren eines ICE ist so erratisch, dass man es kaum für möglich hält! (Link)

Frage 9: Die machen das doch mit Absicht, oder?
Antwort: Es sieht ein wenig danach aus.

Frage 10: Erwische ich meinen Anschlusszug?
Antwort: Auf keinen Fall.

Frage 11: Wie lange müssen die Leute warten, die mich am Bahnhof abholen wollen?
Antwort: 10 Minuten länger, als sie gute Laune haben.


Fazit: Es ist wie mit der großen Portion Köttbullar bei IKEA. Man hat Bock drauf, aber wenn man einen Teller davon auf hat, denkt man, man könnte nie wieder einen essen.
Bis zum nächsten mal.


Dienstag, 9. Juli 2013

Brötchen aus altem Getreide (2009)


Bäckerei am Abend
Originally uploaded by Libär
Letztens war ich in einer Bäckerei. Das zumindest ist der Euphemismus ("Schönfärbewort") für den Laden, der eigentlich nur ein "Industrie-Rohling-Aufback-Shop" ist, der sich noch zu allem Überfluss im OBI-Markt Wermelskirchen eingezeckt hat.
Dort gab es nicht einmal Kürbiskernbrötchen, man stelle sich das einmal vor!
Stattdessen werden irgendwelche Frauen angelernt, Industrie-Rohlinge, die aussehen wie blasse Maden, in einen Ofen zu stecken und aufzubacken, bis es piepst. Ganz große Sache! Das kann man mit Knack & Back auch zu einem Viertel des Preises zu Hause haben. Leider bin ich schreckhaft und fürchte mich immer zuckenden Auges und bebender Wange vor dem Moment, an dem das Verpackungs-Rohr mit den Brötchen aufpoppt. Eines Tage bekomme ich noch mal einen Herzriss vom Knacken & Backen.
Sei's drum: so genannte "Bäckereien", in denen es nicht einmal Kürbiskernbrötchen gibt, sollten es quick & dirty mit einer Abrissbirne zu tun bekommen. Eröffnen sollte dort – auferstanden aus Ruinen – eine richtige, altmodische Bäckerei. Ein lichtdurchfluteter Ort, wo mit echtem Mehl (!) gebacken wird und wo es auch Kürbiskernbrötchen gibt, am liebsten mit im Boden eingebackenen Sonnenblumenkernen. Und einen richtigen Bäcker soll es dort geben, mit einer schwarzweiß karierten Hose, weißem T-Shirt und einer weißen Mütze, dessen Händedruck mit Leichtigkeit Mittelhandknochen zermalmt. Auch darf eine liebliche, rothaarige Bäckerstochter dort ein wenig kokett herumscharwenzeln und ggf. an einem Lutscher lutschen, wenn ihr der Sinn danach steht.
Jetzt war ich aber schon einmal in dieser zum Shop degenerierten Bäckerei, ich wippte ein wenig auf den Fersen und blies angesichts des REIN AUF VOLUMENS getrimmten Angebots fragend die Wangen auf. Hier gab es titanische Muzen und elefantöse Puddingbretzeln, gigantische Krapfen und megalomanische Berliner mit Zuckerguss in Leuchtfarben. Die blonde Aufbäckerin aber war gottlob freundlich und hilfsbereit, sie kannte mein Problem sicher schon. Sie empfahl mir als Alternative zu den Kürbiskernbrötchen ein Dinkelbrötchen mit dem Zusatz: "Dinkel, das ist eine alte Getreideart". Hört, hört. Das ist ja fast wie bei Spinat, das ist eine alte Gemüseart! Oder wie bei Apfel, das ist eine alte Obstart! Ich nahm zwei dieser kissenartig aufgeblähten, dunkelbraunen Brötchen mit Körnern aus altem Getreide oben drauf – ein schrecklicher Fehler. In der Firma angekommen nahm ich den Binford-Trennschleifer zur Hand, trennte die Backlinge angetan mit Splitterschutzweste und Schutzbrille auf, strich dann Butter und Marmelade darauf. Die Brötchenhälften schnitten mir beim Reinbeißen in die Mundwinkel, die auf dem Brötchen festgebackenen Körner gaben mir während des Kauens ein Gefühl, als würde ich auf einer Handvoll Lego herummalmen. Nur irgendwie härter. Ich aß die Teile auf, man muss schließlich an hungernde Waisenkinder in aller Welt denken, bevor man solche sog. Nahrungsmittel ihrer tatsächlichen Verwendung zuführt: Türen damit abschleifen.
Vier Tage später waren meine Mundwinkel noch nicht verheilt, Fremde sprachen mich auf der Straße darauf an.
Kollege Raimund berichtete mir, auch ihm sei Ähnliches schon vor Jahren beim Zivildienst widerfahren, sein ganz privates "Nahtoderlebnis mit einem Körnerbrötchen".
Das alles ist nicht so schön.

Aufgepasst ihr Abrissbirnen: Es gibt viel zu tun – packen wir's an!


Mittwoch, 19. Juni 2013

Dienstleister der Götter (2010)


shopping; mall;
Originally uploaded by jostel
Das zumindest behauptet Wikipedia:
"Das Centro [in Oberhausen] ist mit 70.000 m² Verkaufsfläche eines der zwölf größten Einkaufs- und Freizeitzentren in Deutschland. Über 200 Einzelhandelsgeschäfte verteilen sich auf zwei Ebenen des Einkaufszentrums."
Nun, irgendwann ergab es sich, dass ich mit Freunden auch mal dorthin gefahren bin.
Naja. Von wegen "200 Einzelhandelsgeschäfte"! Im Grunde war es so, dass man ein und denselben Jeansladen mit Copy & Paste etwa 70-mal in das Zentrum hineinkopiert hatte, inklusive 70 identischer Teenie-Verkäuferinnen und den immer gleichen Levi's-Jeans.
Nur Trotteln würde das nicht auffallen!
Allein schon wegen der 70 geklonten Verkäuferinnen!
Blieben also knapp 131 Läden, immer noch eine ganze Menge.

Aus einem der nicht identischen Jeansläden bombte laute Musik, der Laden hatte eine riesige Verkaufsfläche, ein DJ an zwei Turntables legte auf, im Hintergrund tanzten ein paar Mädels. Staunend betrat ich diesen lärmenden Love-Parade-Schuppen. Die Musik war schon mächtig laut! Allerdings sah ich in der Ferne tatsächlich einen Ständer mit vielversprechenden Herren-Oberhemden und scharwenzelte zu ihm herüber. Die Bässe ließen den Boden beben. Leider waren die Hemden aus der Nähe völlig indiskutabel. Ich stand ein wenig ratlos herum. Aus der Traube der Tänzerinnen löste sich eine zarte Gestalt und tanzte genau auf mich zu. Das Mädchen war so überaus topmodisch gekleidet! Sie bewegte sich im perfekten Einklang zum Bomben der Bässe, ich beobachtete ehrfürchtig dieses anmutige Wesen in seinem natürlichen Lebensraum!
Dann war sie bei mir - die Bedienung.
"Ey, wat willse?", schrie sie mir ins Ohr, "Ich glaub' nämlich nich', dasse hier nochmal angesprochen wirs'!"
Ich brüllte etwas minder Originelles zurück und trollte mich.
Doch eines wusste ich plötzlich ganz intensiv und voll der spontanen, scheuen Ehrfurcht: Hier, an diesem allerprofansten Ort, in einem überdimensionierten Einkaufszentrum, war ich den Dienstleistern der Götter begegnet!


Montag, 26. Juli 2010

Lifestyle 38 - Es kann jeden treffen


ghostwoman
Originally uploaded by Picturesimon
Queen Mom (82) hatte wieder etwas ausgeschnitten, was sie mir bei meinem Besuch wohlmeinend in die Hand drückte.
"Hier, da kannste abnehmen, so in diesem Internet", sagte sie.
"Oh toll!", sagte ich und nahm den Wisch an mich. Irgendwie war es eine ausgerissene Seite aus dem Apothekenblättchen. Eine leicht moppige junge Frau strahlte darauf von Ohr zu Ohr bei der bloßen Vorstellung, so "über das Internet kostenlos die Pfunde purzeln zu lassen" - auf www.zu-fett-fürs-balett.de oder so.
Naja. Immerhin war es kostenlos.
Doch noch war ich nicht so weit.
Mein Geburtstag beraumte sich an. Ich räumte auf wie ein Irrer, die Wohnung in einen unrealistischen, zumindest optisch pseudosterilen Zustand zu versetzen.
Der Wisch lag noch immer auf dem Schreibtisch.
"Naja, muss ja nicht jeder sehen", dachte ich und faltete das Blatt andersherum.
Der Geburtstag kam, Menschen wuselten herum, betatschten alles und verschwanden wieder.
Tage später saß ich an meinem Schreibtisch, da fiel mein Blick auf eine Anzeige in Riesenlettern: "Stuhlinkontinenz kann jeden treffen!" und darunter "Als es mich traf, habe ich mich geschämt wie ein kleines Kind".
Hä???
Es war die Rückseite des Diät-Blättchens.
Niemand traut sich nun, mich darauf anzusprechen.
Tolle Wurst.
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Donnerstag, 22. Juli 2010

Queen Mom 3 - Johanniter-Hotel


hospital meal
Originally uploaded by Rooney.
Queen Mom (82) war wegen Atemnot ins Krankenhaus eingeliefert worden.
Mein Bruder und ich wechseln uns mit den Besuchen ab.
Jedesmal bevor ich sie besuche, bekomme ich noch einen Anruf meines Bruders, was ich Muttern wohl noch von zu Hause mitbringen soll (neben "Körperseife" und "Leibwäsche"): eine Hartkäsereibe (die mit dem roten Griff), ein Vogelhäuschen (das Geschindelte, nicht das Gelbe), eine spätassyrische Bodenvase (die mit den geflügelten Löwen), die Altölwanne (türkis, die mit dem "abben" Griff).
Mittlerweile sollte sie fast alles da haben. Den kompletten Haushalt. Ein wenig fürchte ich den Tag ihres "Auszuges" aus dem Krankenhaus, da brauche ich mindestens einen Miettransporter. Und vielleicht sechs Helfer mit Sicherheitsschuhen und Latzhosen. In ihrem Spind auf dem Krankenzimmer geht es mittlerweile zu wie in Mary Poppins' Tasche. Nicht nur der ausgestopfte Tukan stört ein wenig.

Wenn ich sie besuche, klopfe ich an der Krankenhauszimmertür, meine Mitbringsel auf dem Arm.
Knock, knock.
Grabesstille dringt mir aus dem Inneren entgeben.
Knock! Knock!
Nichts.
BOOM!! BOOM!!!
Nix.
Ich öffne die Tür. Die Bettnachbarin meiner Mutter, eine ebenso alte Dame, sitzt direkt an der Tür auf der Bettkante und schaut mich an.
"Hallo!", sage ich.
"Ach so!", sagt sie.
Keine Ahnung, warum sie nie "Herein" sagt, sie hört eigentlich ganz gut.
Muttern ist auf der Toilette, ich warte.
Sie erscheint, wir begrüßen uns, ich überreiche ihr die Mitbringsel.
Muttern legt sich mit ihrem gebügelten Nachthemd auf ihrem Krankenhausbett in Position. Die Rückenlehne ist hochgestellt wie bei einer Récamière. Mineralwasser, Glas, Zeitschriften liegen parat.
"Haben die Ärzte was gesagt?", frage ich.
"Oh ja!", freut sie sich.
"Äh, und was?"
"Da waren fünf Ärzte, und einer von denen hat geredet wie ein Wasserfall!", begeistert sie sich.
"Ja, und was hat er so gesagt?", frage ich.
"Ja, so Fachwörter!"
Ach so...
"Aber heute morgen war ein Mädchen da, das hat mir die Füße gewaschen!"
"Toll!"
Mutter legt sich zurück, entspannt und irgendwie urlaubs-erholt, sie trinkt einen Schluck Mineralwasser und schaut aus dem Fenster. Sie genießt das Leben der Schönen und Reichen im Johanniter-Hotel.
Es sei ihr gegönnt.
"Ach, der Frank soll mir beim nächsten Mal, wenn er vorbeikommt, die Entenlockpfeife mitbringen!"
Geht klar.


Sonntag, 2. Mai 2010

Lifestyle 34 - du Yuppie, ich nix!


Porsche Panamera
Originally uploaded by Alexander Vollmer
Mitte der 90er war ich hochsommers in einer Kneipe in Wuppertal auf der Hochstraße. Es war eine jener Sommernächte, an denen es auch Mitternacht noch 22°C hatte. Ich stand mit einer Menge Leute auf dem Bürgersteig in der Nähe der offen stehenden Kneipentür und trank ein Pils, denn drinnen war es unerträglich heiß. Auf der wenig befahrenen Straße näherte sich rasch ein schreckliches Geräusch, das einem Ju 87 Sturzkampfbomber zum Verwechseln ähnelte. Wie sich herausstellte war es aber ein schwarzer Porsche mit Düsseldorfer Kennzeichen, der schlingernd und bremsenquietschend am rechten Bordstein vor der Kneipe zum Stehen kam. Heraus sprang ein Yuppie mit Blazer. Der hechtete ohne auch nur einen Augenblick inne zu halten in die Kneipe, drängte sich an den Tresen und verlangte ein Alt. Lässig warf er aus dem Handgelenk einen Fünfmarkschein hin, grunzte ein "Stimmt so" und hastete mit seinen 0,2 l Alt ("Kaltgetränk nach Art Bier") wieder nach draußen.
Alle dort starrten ihn an.
Der Yuppie leerte das Glas in einem Zug, warf das Glas, ohne vorher nachzusehen, hinter sich an die Hauswand, wo es zerschellte. Währenddessen sprang er schon in seinen Porsche und verschwand mit einem ultimativ lautstarken RÖÖÖÖHRRR!!!
Ich wusste in diesem Augenblick ganz intensiv: Wenn das Yuppie war, dann ich nix!!!
Heute hat der Vogel in meiner Erinnerung die Visage von Dieter Bohlen, was es noch ein wenig ekliger macht, das Ganze.

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Mittwoch, 24. März 2010

Lifestyle 33 - Murmel abfräsen lassen zu 6,50

"Dienstag ist Herrentag" bei meinem Frisör. Ein Herrenhaarschnitt ohne Häckes kostet bei meiner Frisörin aus diesem Grund 6,50 EUR incl. MwSt.
Irgendwann beschloss ich, statt des radikalen Standards "Murmel abfräsen" mal was ganz Anderes, Neues zu versuchen - ich ließ die Haare über die normale Schmerzgrenze hinaus wachsen und ging dann zum Dienstleister meines Vertrauens, um mir eine richtige Frisur verpassen zu lassen. Meine Frisörin lobte mein Ansinnen über den grünen Klee, schnippelte angelegentlich und zuweilen recht minimalistisch hier und da herum, gab mir noch Styling-Tipps und kassierte mich mit einem Lächeln ab ... 12,50 EUR - aha! Soso.
Aber ich hatte eine echte Frisur!
Am nächsten Morgen blickte ich von Aufstehen direkt in den Badezimmerspiegel: Ich sah aus wie Götz Alsmann - allerdings mit 3 Scheiteln (Bild). Nach dem Frottieren nach dem Duschen sah ich aus wie Urban Priol (Bild). Dann fing das Gefrimmel mit Gel und Bürste und dieser ganze Mist an, in zwei Dritteln aller Fälle sah ich aus wie ein ergrauter, indischer Seifenopernstar!
Aaah!
In heiligem Zorn habe ich mir die Murmel wieder abfräsen lassen zu 6,50 und gut ist.

Jetzt kann ich nach dem Frottieren das Haus verlassen, ohne noch einmal in den Spiegel zu schauen.
Jippi!

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Donnerstag, 25. Februar 2010

Lifestyle 32 - Was hätte der alte Knigge getan?

Ein ehemaliger Kollege war in meiner Firma zu besuch. Mit Reiner habe ich mich immer prima verstanden. Ich sah ihn aus der Ferne, ich winkte, dann schellte aber mein Telefon und dann war wieder was Anderes. Irgendwann musste ich auf die Toilette. Da stand er am Pissoir, beendete just sein Tun dort - er schloss sich die Hose.
"Hey!", sagte ich.
"Hey", kam es von ihm.
Normalerweise hätten wir uns freundlich die Hände geschüttelt, doch...
Etwas hilflos blickten wir an uns hinab, auf unsere Hände.
"Nee, lass mal!", griente ich.
Wir lachten.
Was hätte nur der alte Knigge in dieser Situation getan?

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Dienstag, 16. Februar 2010

Lifestyle 31 - Gemüse-Golem

Seit McDonald's im April 2005 den "Gemüse Mac" aus dem Programm genommen hat, gab es als Alternative nur den McChicken.
War Spaß.
Nach dem Farb-Rebranding der Corporate Identity auf grün hat sich der dämonische Ronald McDonald nun überlegt, dass es allen Anstrengungen zum Trotz weltweit noch immer Milliarden Vegetarier gibt - die meisten allerdings, weil sie sich Fleisch nicht leisten können. Daraufhin haben sich die total urst grünen McDonald'sons gedacht: Na gut! Fünf Jahre sind genug! Und haben wieder was für Vegetarier ins Programm genommen: den zu 100 % vegetarischen Veggieburger zu 1,10 EUR!
Tadaaa!
Man sehe und staune: Bitte Link klicken.
*hüstel*
Da waren in der Werbeagentur wirkliche Kenner der Materie am Werk: Ein vor dem Esser erschöpft zusammenbrechender Gemüse-Golem - buahaha!
Das Gemüsetier wird der Zielgruppe mal so richtig Appetit machen!
Man hätte noch große, traurige Augen dranmachen sollen.
Ich höre Himpelchen und Pimpelchen schon mit heiseren Stimmchen skandieren "Rettet den Gemüse-Golem! Esst kein Gemüsetier!"
Lasst's euch schmecken!

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Montag, 15. Februar 2010

Lifestyle 30 - Rosenmontag blaugefroren


Da macht auch die "Globale Erwärmung" keine Ausnahme: In Deutschland haben immer nahezu alle Feste, Feiertage und Events bei erbärmlichen Wetter stattzufinden.
Da wird auch zu Karneval leider keine Ausnahme gemacht.
Aber: In der Weltmetropole des Karnevals, Rio de ..., äh, Köln ist es immerhin fünf Grad wärmer als z.B. in den nicht fernen Hügeln des Bergischen Landes. Mein Arbeitskollege Jens ist der Meinung, dass das wärmere Klima Kölns an den vielen Schwulen dort liege, Abwärme quasi - was zumindest eine hinreichend witzige Theorie ist - aber man sollte da vielleicht doch eher an das "Mikroklima der Großstadt" denken.
Dennoch: fünf Grad mehr reichen diesen Winter wirklich nicht! Die Jecken frieren sich die närrischen Hintern ab! Da hilft weder hopsen noch schunkeln, weder Kölsch kippen, noch Mädsche bütze, weder schreckliche Karnevalsschlager singen, noch "Kamelle vor die Kopp" bekommen - all das hilft nur ganz, ganz kurzzeitig!

Der ru24-Tipp: Blaugefrorene Na'vi (aus Avatar) sehen zwar in ihren Lendenschurzen sowas von absolut authentisch aus, landen aber so schnell in der Notaufnahme, als hätte man ihnen den Stecker rausgezogen. Dann sollte man doch vielleicht lieber als irgendwas Anderes gehen - mit hautfarbener Angora-Unterwäsche aus dem Sanitätshaus unter dem Kostüm.

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Sonntag, 7. Februar 2010

Lifestyle 28 - Frau & Frisur


Perm Color
Originally uploaded by Jeremy Brooks
Das ru24-Forschungslabor konnte nach Jahren der Forschung folgende Frisurtypen bei Frauen abschließend isolieren:

Typ 1)
die "unglaublich unaufwendige Frisur" zeigt stolz, dass es wichtigeres gibt im Leben als lange Hornfäden aus Keratin, die aus der Murmel quellen wie Seegras.
Aufwand: XS, Kosten: XS

Typ 2) "unkomplizierte Frisur": Die Haare sind halblang und haben die natürliche Farbe. Wenn sie länger werden, werden sie wieder abgeschnitten.
Aufwand: S, Kosten: S

Typ 3) "DIY-Langhaar": Die Haare wachsen. Die Frisurinhaberin geht nicht mehr zum Friseur. Stattdessen färbt sie selbst und flicht und dreht täglich ihr Haar zu Zöpfen und Hörnchen, die sich um den Kopf winden wie bei einem Medusenhaupt.
Aufwand: XS, Kosten: XS

Typ 4) "permanentes Provisorium": die Haare werden wachsen gelassen. Zwischendurch werden die Spitzen geschnitten, damit man heulen kann, JETZT seien sie wieder viel zu kurz! Denn: Jeder Zentimeter zählt! Die Frisur ist jahrelang in einem Stadium des Werdens, des Übergangs, eine permanente Quelle des Unzufriedenseins. Sobald die Haare ihre Bestimmungslänge erreicht haben, werden sie wieder radikal abgeschnitten, weil "es nicht aussah". Es beginnt von vorn.
Aufwand: L, Kosten: M

Typ 5) die Haare sehen immer nur "nach Art Frisur" aus, die auf einem knittrigen Foto mit einem Schnappschuss von 1992 abgebildet ist, leider bekommt's die Friseuse seit 18 Jahren trotz aller Anstrengungen nicht mehr hin, sie hat aber schon woanders andere Farben bestellt.
Aufwand: M, Kosten: M

Typ 6) Die Frisurinhaberin ist eine moderne "Farah Fawcett": Ihre Haare sind so überaus kunstvoll gefärbt und dauergewellt, dass ein Coiffeur quasi alle 8 Wochen für mindestens 90 EUR Hand anlegen muss, um den Staus Quo zu erhalten.
Aufwand: XL, Kosten: XL

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Samstag, 30. Januar 2010

Lifestyle 27 - Go-Go-Gadget


Get Smart super agent 86
Originally uploaded by rivier50
In der amerikanischen Comedy-Serie "Get Smart" (dt. "Mini-Max"), produziert von 1965 bis 1970, hatte Maxwell Smart alias Agent 86, der für den Geheimdienst CONTROL arbeitete, bereits als Handy-Vorläufer ein total praktisches Schuhtelefon.
In dem Komödie "Zoolander" spielt Ben Stiller das bekannteste männliche Model der Welt. Der Bösewicht in dem Film, Modezar Mugatu, gilt dort als Erfinder der Klaviaturkrawatte. Ich kann mich tatsächlich erinnern, in den 80ern mal jemanden mit so einer Krawatte gesehen zu haben, es war damals schon eine Lachnummer. Vor allem bei sogenannten Alleinunterhaltern mit Hammond-Orgel, lange, bevor sie "retro" waren.
Comedy-Serie - Komödie - Lachnummer.
Nun, der menschliche Erfindungsgeist ist dennoch weiterhin ungebrochen.
Bei der auf der gerade ausgelaufenen "PASSAGEN – Interior Design Week" in Köln wurde sie vom Designbüro Nieuwe Heren vorgestellt, die Tastaturhose (hier ansehen). Also eine Hose mit aufgeklebter Tastatur im Schritt - aha! - Gesäßtaschenmaus und Knielautsprechern.
Ein Gadget.
Für Leute so mal ganz ohne Möbel?
Oder wenn man sich wie be "Into the Wild" (Link) in die Natur verkrümeln will, aber trotzdem seinen Blog weiterschreiben möchte?
Hmmm?
Ein beherzter Kommentator schrieb in dem designboom-Blog frei übersetzt zu der Hammer-Innovation: "Dann kann man sich an den Eiern spielen und behaupten, man schreibe!"
Ach so.

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Samstag, 19. Dezember 2009

Lifestyle 26 - Weihnachtlich brennet die Netzhaut

Nun gut. Jede Zeit hat ihre schrecklichen Verfehlungen. Früher waren es Popper. Doch jetzt verkaufen irgendwelche Baumärkte schon seit fast einer Dekade an die 80cm bis 1,20m große Weihnachtsmann-Püppchen mit nuttig aussehendem Polyesterhaar, Bart und Acrylmäntelchen. Und was angeboten wird, egal wie grottenhäßlich oder grenzdebil, wird ja bekanntlich auch gekauft, da ist der vielgepriesene Konsument nicht wählerisch. Ich stelle mir nur immer vor, was die Sklavenarbeiter in den Sweat Shops der Dritten Welt von uns denken müssen, die diesen grauenvollen Tand für die Erste Welt herstellen.
Familienväter klettern, dem Unbill der Höhe trotzend, auf Dächer und bringen diese peinlichen, gnomischen Weihnachtsmann-Atrappen an, egal wie scheiße es aussieht! Und wenn man dann schon mal oben ist, kann man gleich auch noch Lichterketten antackern, die wie UFO-Landebahnen aussehen, allerfestlichst die Habitate zu ergrellen. Parallel dazu simulieren mit der Dezenz eines Gehirnschlages hektisch blinkende elektronische Sterne in den Glitter-Flitterfenstern das zartromantische, winterliche Glitzerspiel von Mondlicht, das sich in Eiszapfen bricht. Denn das soll es darstellen, das Blinken und Blitzen - absolut unvorstellbar, nicht wahr?
"Weihnachtlich glänzet der Wald,
Freuet Euch, Christkind kommt bald",
singt es da.
"Wald? Glanz? Ich seh' nix! Aber ich glaub', ich krieg' von dem Geblinke hier einen epileptischen Anfall!"

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Sonntag, 29. November 2009

Lifestyle 25 - Alles vollgelafert


Johann Lafer
Originally uploaded by PERFETTO Wiesbaden
Johann Lafer.
Ich zitiere aus Wikipedia "... das Unternehmen expandierte seitdem. Zum Restaurant „Le Val d’Or“ wurden die rustikale Turmstube und das gediegene Stromburg Hotel eröffnet. Im nahe gelegenen Guldental richtete er in den Räumen des ehemaligen „Le Val d’Or“ seine Kochschule mit dem Namen „Table d’Or“ ein. Im gleichen Gebäude befindet sich sein Fernseh- und Fotostudio. Zum Wintersemester 2009/10 erhielt Lafer einen Lehrauftrag der Hochschule Fulda und ist Dozent im Fachbereich Oecotrophologie."
Boah.
Der Kerl ist ein verdammtes Imperium!
Fernsehköche von Anno Dazumal wie Max "Ich habe da schon mal was vorbereitet" Inzinger (Link) werden da echt blass vor Neid. Lafer ist eine Marke. Wenn er mal 15 kg abnimmt, schreibt er ein Buch darüber ("Lafer nimmt ab") und lafert es mit seinem Doc zusammen voll.
Auf www.johannlaferonlineshop.de kann man vom Lafer-Lafer-Blechpüppchen(!) über Lafer-Käppis, -Schürzen, -Topflappen, vom Lafer Kalahari-Salz "grob" ("mindestens 280 Millionen Jahre altes Gourmetsalz"), einem Quizspiel "Welt der guten Küche" und Johann Lafer "Gourmet Filterkaffee" quasi alles bekommen, was der mit Tupperware für 5.000 EUR vollgeballerten Küche des 3. Jahrtausends bislang noch so alles abgegangen ist.
Boah!
Ein Freund meinte letztens zum Thema "Lafer": "Schon wieder ein Österreicher, der bei uns Karriere macht".
Der hat nur Spaß gemacht!

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Freitag, 27. November 2009

Lifestyle 24 - *plunsch!* vs. *tadaaa!*


historische Toilette
Originally uploaded by jphintze
Es ist nun schon eine ganze Weile her, dass ich nicht mehr in meinem Elternhaus lebe. So an die 20 Jahre. Und weil die Moderne (fast) überall außerhalb meines Elternhauses Einzug gehalten hatte, waren (fast) alle Toiletten, die ich seitdem benutzt habe, Tiefspüler
Der Unterschied zwischen Tiefspülern und Flachspülern ist *plunsch!* zu *tadaaa!*, um es umsichtig verklausuliert auszudrücken.
Am Mittwoch war ich mit meiner 80-jährigen Mutter turnusmäßig Einkäufe machen und nach dem Verräumen der Lebensmittel bei ihr überkam mich ein unaufhaltsamer Drang. Ich suchte die Toilette auf, nichtsahnend, was mich erwarten würde. Nach vollbrachtem Werk stand ich auf und drehte mich um, und - TADAAA!!! Zwanzig Jahre tiefspülen hatten mich gänzlich entfremdet von ... Ausscheidungen!
Aaah!
Die mir unter die Nase gehaltene, plötzliche Gegenüberstellung war... traumatisch! Es kostete mich alle Überwindung, nicht mit schlohweißem Haar gen Horizont zu entfliehen!

Das *Plunsch!* ist dem *Tadaaa!* ganz eindeutig vorzuziehen.

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Dienstag, 17. November 2009

Lifestyle 23 - Der Teufel ist ja bekanntlich ein Eichhörnchen


Clock
Originally uploaded by Erik mit k
Wecker. Meist zuckt man schon zusammen, wenn man dieses Geräusch nur hört. Egal, ob es ein Schnarren, Klingeln oder Piepsen ist. Aber mit dem Aufstehen hatte ich nie Probleme, bis...
Meine frühere Freundin B. stellte sich gerne den Wecker auf 5.00 Uhr, drehte ihn dann nach dem Wecken zu dieser erbärmlichen Zeit zwei Stunden weiter, um mit dem seligen Gefühl wieder einzuschlafen, noch nicht aufstehen zu müssen. Und ich arme Wurst lag daneben, starrte mit kreisrunden Augen aus dem Fenster und beobachtete den Morgen beim Grauen.
Zurzeit lebe ich allein. Eines Tages kaufte ich bei IKEA einen neuen Wecker. Der hatte mindestens drei Knöpfe mehr als nötig und eher aus Versehen entdeckte ich, dass er eine Schlummertaste = Nachweckfunktion hatte.
Sind ja nur fünf Minuten!
Der Teufel, der bekanntlich ein Eichhörnchen ist, hatte bereits seinen Fuß in der Tür. So entdeckte ich das vermaledeite Nachwecken für mich.
Einmal ist keinmal, sprach das Mäuschen.
Auf einem Bein kann man nicht stehen.
Und dreimal Null ist Null.

Theoretisch bin ich so weit, dass ich diesen Wecker jetzt eine Viertelstunde früher stellen müsste, als einen Wecker GANZ OHNE NACHWECKFUNKTION.
Bizarr!
Heute morgen dann der Höhepunkt des ganzen unseligen Mists! Arbeitsbeginn 10.15 Uhr. Eigentlich wollte ich noch was vom Morgen haben, also Wecken um 8.00 Uhr, leider begann das Nachwecken.
Erst eins, dann zwei, ..., dann fünf, dann sechs ...
Ich schlief wie ein Baby!
Um ein Haar wäre ich zu spät zum Spätdienst gekommen, weil der Wecker beschlossen hatte, dass nach 6x Schlummern wirklich mal gut sein muss! Er ließ mich einfach schlafen!
Der Penner!

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Samstag, 31. Oktober 2009

Lifestyle 22 - Ein schrecklicher Irrtum der Moderne


2007-11-01 Dignity
Originally uploaded by [ henning ]
1979. Herbst in einem tibetischen Kloster. Perfekte Laubblätter trudeln durch die kalte Bergluft. Ein geschorener Novize harkt mit gleichförmigen Bewegungen das Laub auf. In der Ferne, im Hintergrund, sprengt Chuck Norris einen Berggipfel.
Alles ist perfekt!

Das tibetische Kloster des kleinen Mannes: der Friedhof. Entspannender Ort, Hort der Ruhe und Gelassenheit, Skulpturenpark und meditativer Wandelpfad in einem.
In meinem Urlaub hatte ich den großartigen, goldenen Herbsttag abgepasst, um auf dem Kölner Melaten-Friedhof (Map) Fotos von Skulpturen zu machen.
Ich fand sofort den Friedhof, ich fand auf der Stelle einen Parkplatz. Mächtig mysteriös! Beim Betreten des Friedhofs durch ein Seitenportal fiel mir auf, dass Eichhörnchen, Amsel und Meise Hörschutz trugen.
Das alles hätte mich schon stutzig machen müssen!
Dann traf mich das Lärmen von mindestens sieben, strategisch über den Friedhof verteilten, benzinbetriebenen Laubbläsern wie eine biblische Plage!
Was früher schnell und effizient schrapp-schrapp-schrapp mit Laub-Rechen gemeistert wurde, erledigt man heute mit dem Ungetüm namens Laubbläser: Schallemmissionen im Bereich zwischen 106 und 115 dbA = Lärm der Gattung "Babygeschrei bis Presslufthammer" (Quelle) und die Abgase von mindestens zwei Trabants P601 sollen darüber hinweg täuschen, dass so ein Ding in etwa so effizient ist wie die Marx Brothers beim Regieren eines Landes.
Die Friedhofsgärtner, früher Laubrecher, jetzt Laubbläser, angetan mit Blaumann und Hörschutz, bliesen indes unbeeindruckt das Laub ein wenig erratisch vor sich her, lärmten und stanken.
Lärm, der Tote auferwecken könnte! (Danke an Matthi für das sprachliche Bild!)
Der Friedhofsbesuch war in etwa so entspannend wie eine Wurzelbehandlung.

2009. Herbst in einem tibetischen Kloster. Perfekte Laubblätter trudeln durch die kalte Bergluft. Ein geschorener Novize bläst unter markerschütterndem Getöse mit einem benzinbetriebenen Laubbläser das Laub mit gleichförmigen Bewegungen von hier nach da und wieder zurück.
Meditiert wird hier nur noch, während Sprit nachgefüllt wird.


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Donnerstag, 22. Oktober 2009

Lifestyle 21 - Kosmopoliten im Grunch-Fieber


Making Guacamole
Originally uploaded by blmurch
Im Spätsommer des Jahres war ich zu einem „Grunch“ eingeladen. Das ist - wie ich in Erfahrung bringen konnte - die Zusammenziehung aus Grillen und Brunch, natürlich. Auch möglich wäre ja theoretisch ein Racstück (Raclette zum Frühstück), Dicknick (Dinner als Picknick) oder Frühdue (man kann es sich sicher schon denken).
Kaum in der Wohnung des gastgebenden Pärchens angekommen, irrte mein Blick über die zum Verzehr ausgestellten Nahrungsmittel. Brr!
Was waschechte Kosmopoliten im 3. Jahrtausend so alles anbieten: Allerlei Avocadopasten (u.a. Guacamole), Bulgursalat (sieht aus wie verdurstete Graupensuppe), some kind of Petersiliengeshredder (ich hoffe, daß es Petersilie war), diverses Eingelegtes, gesprenkeltes Brot, undefinierbare rote Pampe. "Das Wort „Guacamole“ stammt von dem Nahuatl-Wort „ahuacamolli“, was so viel wie „Avocadosauce“ bedeutet." (Link)
"Gibt es hier nichts Völkisches?", fragte ich mit meiner Führerstimme.
Die Gastgeberin signalisierte einer mir Unbekannten: "Der Onkel macht bloß Spaß".
Na ja. So richtig nicht.
Als wäre ich mit meinem Panzerspähwagen vorgefahren und hätte, eine Reitgerte unter den Arm geklemmt, schneidig "Karrrtoffelsalat mit Würrrstchen, aberrr zack-zack!" bestellt! Kartoffelsalat wirkt möglicherweise zwar altbacken, aber gegen Speisen, die vielleicht in Papua Neuguinea während Mannbarkeitsritualen durch die Nase gelöffelt werden, ist er eine Erleichterung. Auch wenn Essiggürkchen drin sind. Durchaus.
Vielleicht bin ich ja gegen vietnamesischem Senfgras-Salat mit Koalabruststreifen und Lamakäse mit Kumquat-Dressing allergisch.
Die Zusammenstellung auf meinem Teller sah zuletzt aus wie die Hobby-Malpalette eines Hals-Nasen-Ohren-Arztes, der sich farblich von seinem Job inspirieren läßt. Ein fahler Fleck in grüngrau. Ein Fleck in freundlichem rostrot, einer in kräftigem steingrau, drei oder vier Oliven gefüllt mit – ja was zum Teufel eigentlich? (vom Geschmack her faule Perlzwiebeln, ich hatte Abends um 10 noch Aufstoßen davon), ein Stück Brot mit bunten Einsprengseln, vielleicht kleinen Käfern, ein Häuflein grüner Schnipsel. Türkisches Sigara Börek habe ich ja noch erkannt, Allah sein Dank. Ich war ganz erleichtert!
Dergleichen ambitionierte Gäste brachten später selbstgebackene Muffins mit, die in der Tradition der exotischen Polywürzung keinen Wunsch offen ließen (Kardamom mit Ingwer plus ein Geheimgewürz von dem indischen Kumpel von Peter von Frosta).
Was the fuck ist gegen Marmorkuchen einzuwenden!?
Wieder daheim habe ich erst einmal eine Schinkenstulle gegessen um meinem Körper zu signalisieren: alles wird wieder gut.
Fast hätte er mir geglaubt.

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