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Freitag, 31. März 2017

Lärmbelästigung durch Vorgesetzten

photo credit: Dis da fi we (was Hickatee) Goodbye Belize Tour - Sarteneja - Wildtracks; Education and Reaserch - 40 via photopin (license)

Ein Bekannter klagte mir sein Leid: Wer mit seinem Chef in der Firma auch nur eine Stunde im gleichen Raum verbinge, verlöre den Verstand!
Das liege daran, dass er so laut trinke, schlürfe, gurgele!
Das liege daran, dass er so laut esse, malme, schmatze!
Das liege daran, dass er so laut atme, schnaube, grunze!

Aber der Herr Vorgesetzte ist auch mal nicht anwesend. Dann versuchen die von den permanenten Schallemissionen gepeinigten Kollegen ihren kargen Büroalltag damit aufzupeppen, indem sie voll chefmäßig ihren Kaffe mit 110 db(A) schlürfen [Industriestaubsauger aus 1 m Entfernung]. Auch versuchten sie, einen Keks mit 108 db/A zu zermalmen wie ein Boss [Presslufthammer aus 1 m Entfernung] oder ein Bonbon über signifikante Zeiträume mit 70 db(A) zu lutschen [Industriepumpe aus 1 m Entfernung].
Das macht irrsinnig viel Spaß, doch ihre Bemühungen sind allzeit nur ein schwacher Abklatsch gegen DAS ORIGINAL.

Zur Entlastung seiner Untergebenen geht der Chef in seiner Mittagspause gerne in einem Nebenraum ein Nickerchen machen. Schade nur, dass dann das Kabuff dann niemand betreten kann, aus Angst, ihn trotz der Schnarchgeräusche von 111 db(A) [laufende Kettensäge aus 1 m Entfernung] zu wecken.

Natürlich übertreiben alle ein bisschen, denn es geht bei Geräuschen immer um die gefühlte Lautstärke. Trotzdem bestehen alle Büroinsassen darauf, dass ein Brüllaffe den Job ihres Chefs in jeder Hinsicht besser machen könnte -- aber vor allem leiser.


Ich empfehle: Link


Donnerstag, 24. Juli 2014

All tomorrow's parties (1992)

photo credit: lietz.photography via photopin cc

Zwischen Januar 1992 und März 1996 habe ich als studentische Hilfskraft bei der Barmag AG gearbeitet. Einer meiner ersten Jobs dort fand in der Normabteilung statt. Es war eine kleine Abteilung mit einer Bürokraft (Frau V.), drei identischen, seitengescheitelten Norm-Klonen und einem in Ehren ergrauten Chef, Herrn Faust. Hier war noch nie etwas weggekommen! Die Norm-Klone saßen mit ausdruckslosen Gesichtern an ihren (damals computerlosen) Schreibtischen, hie und da standen sie auf, um sich auf der Toilette die Scheitel mit dem Lineal nachzuziehen. Morgens sagten sie "Guten morgen!", Mittags "Mahlzeit" und Abends "Schönen Feierabend!" (Freitags: "Schönes Wochenende").
Was ich in dieser Abteilung gemacht habe, habe ich tatsächlich vollständig vergessen, es war irgendwas unsagbar Langweiliges und ich war doch noch so jung!
Im Gedächtnis geblieben ist mir der Chef, Herr Faust. Er war der einzige in der Abteilung, der immer richtig gut drauf war. Seine Rente stand kurz bevor (ein bis drei Jahre in der Zukunft), der dienstälteste Dipl.-Ing.-Norm-Klon würde ihn wohl eines Tages als Chef der Normabteilung beerben. Aber bis dahin machte Herr F. hart Party! Er hatte einen Tischkalender, in dem alle Geburtstage, Jubiläen, Verabschiedungen eingetragen waren, die ein so großes Unternehmen von 6.000 Mitarbeitern beging. Die Abteilung, in der solches stattfand war ihn dabei piepegal, auch, ob er der feiernden Person jemals begegnet war, Hauptsache es gab Mettbütterchen und Sekt!
Morgens um 9.00 Uhr schlug er also seinen Kalender auf, der Finger wanderte zu Party des Tages No. 1, dann sprang er sehr dynamisch auf und verabschiedete sich mit den Worten: "Ich bin mal kurz weg!" Die Norm-Klone warfen ihm gallige Blicke hinterher und rollten wild mit den Augen. Nach ein bis zwei Stunden tauchte der Chef wieder auf - gut geplauzt und heftig angeschickert. Oft schlief er bis zur Mittagspause einfach am Schreibtisch seinen Rausch aus, dann ging er mit einem markigen - "Mahlzeit!" - in die Kantine Essen fassen. Nachmittags gab es dann den zweiten Mett-und-Sekt-Termin. Gegen 15.00 Uhr war er zurück: Schwankender Gang, unsteter Blick, krasses Kichern! Noch ein kleines Nickerchen, und schon war der Arbeitstag herum ...

Ich war sehr beeindruckt!
Ich beugte mein Knie!
So einen chefmäßigen Job wollte ich später auch mal machen!


Mehr "Barmag AG": Blogbeiträge


Samstag, 14. Januar 2012

ru24 History 31: Job out of hell (1997-2000)

http://bit.ly/wzJmH0
Ende 1996 hatte ich begriffen, dass mein Studium (Wuppertal, "etliche Semester Soziologie") eine Sackgasse war, aus der ich raus mußte, idealerweise noch vor meinem 30. Geburtstag. Ich hatte mich auf allgemein klingende Jobanzeigen aus der Zeitung (ein damaliges, sog. "Printmedium") beworben und zuletzt landete ich Februar 1997 bei einem EDV-Buch-Versand in der Nähe meiner Heimatstadt.
Ingo, der mich einarbeitete, klärte mich schon am ersten Tag hinter vorgehaltener Hand auf: "Der Chef ist der Antichrist! Wirklich! In einem halben Jahr bin ich hier weg!"
Die Bezahlung war mies, es gab kein Urlaubs- und Weihnachtsgeld und auch kein VL, Urlaub auf Zuruf und ein Betriebsklima wie in einem Gefangenenlager. Der Barclay-Zigaretten rauchende, wahnsinnige Imperator dieses Kleinunternehmens hatte einen Kettenhund mit dem euphemistischen Titel "kaufmännischer Leiter", gemeinsam knechteten sie die Belegschaft. Und wenn einmal gute Laune in der Bude war, rannte der Chef herum und schrie so lange Leute zusammen, bis der Idealzustand "Gefangenenlagerwieder hergestellt war. Die "kreative Frau", die für die Printwerbung etc. verantwortlich war und de facto oder gefühlt  auch zur Geschäftsleitung gehörte, hatte bereits so viele Menschen-Manipulations-Kurse in ihrem Leben besucht, dass man nie wusste, ob sie gerade freundlich zu einem war, oder einen gerade so richtig psychisch verarschte.
Kollegial gesehen schweißte das alles mal richtig zusammen. 


Das konnte nie und nimmer die wahre Realität sein! Ich begann Lotto zu spielen. Mit System. 10,00 DM die Woche. Ein Jahr lang. Am Ende hatte ich 520 DM weniger und immer noch einen Scheißjob.

Es war das Goldene Zeitalter der Computerisierung der Privathaushalte. Es war Prä-Krise. Die meisten Leute hatten noch Kohle und wollten sie ausgeben.
Wir berieten Kunden telefonisch und verkauften EDV-Bücher wie "Windows 98 für Dummies" und "AutoCAD 14 Bibel", Cheat-Bücher für FIFA-Soccer und Clipartsammlungen.
Und weil die Panik-Maschinerie der Medien funktionierte, verkauften wir telefonisch Norton Antivirus zu 99,00 DM und Updates auf höhere Versionen zu 49,00 DM, die jährlich erschienen. Aktuelle Virendefinitionen gab es als Jahresabo monatlich oder vierteljährlich auf CD-ROM.
Norton Internet Security 1.0 kam in 2000 auf und ging weg wie warme Semmeln. Ein Rentner rief mich an, er müsse unbedingt dieses Internet-Security-Paket haben, un-be-dingt!!! Ich stellte ein paar Fragen. Er hatte nicht einmal einen Internetzugang. Ich erklärte, dass er das nicht brauche. Er bestand darauf, zu groß war die Angst vor den Gefahren aus dem www.
Wir verkauften Norton Utilities. Vorne drauf prangte Peter Norton der immer starrsten Blicks und immer nur von vorne abgebildet wurde, damit man seine Riesenplautze nicht sehen konnte. Die Kunden verlangten statt nach "Utilities" oft nach "Ulties" oder "Ullies" (die Minimalisten), alternativ nach Utilitities (sprich: Ju-tei-lei-tei-teis - die Maximalisten). Mir wäre fast der Hörer aus der Hand gefallen.
Wir verkauften auch den Lotus Organizer 5.0 und die Lotus Smart Suite 9.5 an die Endkunden, ein arg bizarres Office-Paket.
Wir, die unter hohem Druck zusammengeschweißten Mitarbeiter bekamen all das Zeug for free, aber außer Norton Ghost benutzten wir nichts von alledem. Jeder, der schon einmal versucht hatte, eines dieser ressourcenfressenden Norton Produkte, die sich wie ein Krebs im System festgesetzt hatten, wieder von seinem Windows 95 oder 98-Rechner herunterzubekommen, wusste, dass es dazu nur eine Lösung gab: PC erschießen.

Wenn sich einer zu viel aus dem Telefon auswählte, um aufs Klo zu gehen, ging einen Sirene (redalert.wav), dann musste man eben ein anderes Mal austreten, Foxconn läßt grüßen.

Der Chef verstand sich nicht nur aufs Knechten. Alles, was Kohle brachte, wurde auch gemacht. Schwarzgeld, Steuer frisieren, Leute auf bis zu 4 Lohnsteuerkarten laufen lassen, Kundenadressen von seinen Schergen pflegen lassen und dann paketweise an Adresshändler verticken, oder schlicht im Keller einen Tröllö stundenlang damit zu beschäftigen, die Update-Aufkleber von den Packungen zu fönen und so den Gewinn pro Packung Software um 100% zu steigern - aus Update mach Vollversion.
Mussten Überstunden mal ausgezahlt werden, niemals in Form von Geld, sondern die Mitarbeiter konnten sich bei einem bestimmten Großhändler dafür Soft- oder Hardware bestellen. Der Chef gewann immer.
Und das waren nur die Sachen, die wir mitbekommen haben.
Ebenezer Scrooge hätte seinen Hut gezogen und ihm ein sparsames Lächeln gegönnt.

Nach 3 1/2 Jahren zog ich auf der Buch-Galeere* die Reißleine und war dann mal weg.
Ingo, der mich 1997 eingearbeitet hatte und nur noch ein halbes Jahr bleiben wollte wg. "Antichrist", war zumindest in 2010 noch immer da.

*) danke an Raimund!


Donnerstag, 8. April 2010

ru24 Mysterium 6/Bürogeplänkel 20: erklärtes Wunder

Wann immer ich im letzten dreiviertel Jahr zur Toilette gegangen bin, lag die Chance, am Pissoir mit einem bestimmten Herrn der Nachbarfirma zusammenzutreffen, bei ca. 70%.
Aus Überraschung wurde Verwunderung.
Aus Verwunderung wurde Verwirrung!
Wir war das nur möglich?
Anfangs sagte ich noch jovial: "Ah, so trifft man sich bei den profansten Tätigkeiten!" oder "Hoho! Weltmeisterschaft im Synchronpinkeln!", aber nach einer Weile gingen mir die Sprüche aus, da staunte ich nur noch.

So traf ich den Herrn [Name der Redaktion bekannt] monatelang zwei Mal täglich, er am ganz linken Pissoir, ich am ganz rechten Pissoir, wir lächelten uns etwas verhalten zu - ein Mysterium!
Ich behielt dieses kleine Wunder für mich.
Bis ...

Letzten Dienstag traf ich bei dieser profanen der profansten Tätigkeiten meinen Chef, er am ganz linken Pissoir, ich am ganz rechten Pissoir.
Wir grüßten einander, so verhalten, wie man das als Mann nur am Pissoir tut.
"Ach, sonst treffe ich hier immer einen Mitarbeiter der Nachbarfirma!", sagte ich.
Chef schmunzelte.
"Sie meinen sicherlich Herrn [Name der Redaktion bekannt]?", fragte er.
Tausend heulende Höllenhunde...
Ich war wie vom Donner gerührt!
Wie konnte er das nur wissen!?
"Ja, genau!", japste ich.
"Den treffe ich hier auch nahezu immer", sagte er nur.
...
Herr [Name der Redaktion bekannt] hat also lediglich den ultimativen Prototyp der Primanerblase!

Merke: Ein erklärtes Wunder ist profan.

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Freitag, 8. Januar 2010

Bürogeplänkel 14 - Unternehmerisches Risiko

Wie bereits in einem älteren Post erwähnt, hat der Schwager eines Bekannten in einem anderen europäischen Land einen Cousin 2. Grades. Dieser wiederum arbeitet in einem Unternehmen. Und die sogenannte Finanzkrise machte auch vor diesem Betrieb nicht Halt. Es war vor ziemlich genau einem Jahr, da hatte der Hauptauftraggeber dieses Unternehmens wiederum von seinem Hauptauftraggeber den Geldhahn etwas zugedreht bekommen. Das gab es nun nach unten weiter, kapitalistische Gepflogenheit eben. Statt tatenlos Entlassungen entgegenzusehen, schnürte ein Großteil der Belegschaft der betroffenen Firma den Gürtel enger, verzichtete befristet auf Gehalt.
Es war ein berauschender Akt der Solidarität!
Zwei Tage später fuhr der Chef des Unternehmens mit einem brandneuen, sehr großen BMW auf den Hof.
Die solidarischen Mitarbeiter standen an den Fenstern, sie hielten sich noch immer solidarisch an den Händchen. Mit hervortretenden Äuglein glotzten sie auf den darunterliegenden Parkplatz, drückten sich die Näschen an den Scheiben platt und machten dabei Gesichtchen, als würden sie an Essigschwämmchen lutschen. Himpelchen und Pimpelchen weinten sogar, fühlten sich total dolle betrogen.

Tatsächlich ist es so: Wenn der Unternehmer auch in Zeiten der Krise nicht so recht weiß, wohin noch mit der ganzen Kohle und das vielleicht etwas unbedarft zu Schau stellt, dann handelt es sich hierbei um das sogenannte »unternehmerische Risiko«.
Ach so.

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Freitag, 11. Dezember 2009

ru24: Mysterium 2 - Vollständige Unsichtbarkeit

In der großartigen wie herrlich albernen Superheldenkomödie "Mystery Men" (Link) mit Ben Stiller aus dem Jahre 1999 gibt es einen Superhelden mit der Spezialfähigkeit "Unsichtbarkeit" - aber nur, wenn keiner guckt...
Mächtig mysteriös!
So um diese Zeit herum sprach mein derzeitiger Chef mich an ("Haben Sie mal einen Augenblick?"). Er überreichte mir wortlos eine aufgeschlagene Computerzeitung.
Mittig auf der Seite, im Format 13x18 cm Hochformat vielleicht, prangte eingebettet von irgendeinem kleinteiligen Text das Bild eines ... nur spärlich bekleideten, hinreichend kurvigen Modells.
"Was fällt Ihnen auf?", fragte er.
"Ah. Lecker ...?", versuchte ich es, blickte in Augen von der Farbe bleierner Sargdeckel. Auf ihnen schienen Eisblumen zu entstehen. Trotzdem blinzelte er nicht.
"Eh", ich starrte die Dame an. Winzige Schweißtröpchen entstanden auf meiner Stirn. Bislang hatte der Mann noch immer nicht geblinzelt. Das mit dem Blick hatte der Kerl doch geübt! Verdammt!
"Ja. Überaus geschmeidig! Schöne Haut!", machte ich einen weiteren Anlauf, verbesserte meine Lage indes nicht. Mehr Schweiß bildete sich auf meiner Stirn. Das Binnenklima innerhalb meiner Kleidung wechselte von "arid" zu "semihumid".
Sein Blickstrahl spießte mich auf, ich war der Käfer in der Sammlung eines viktorianischen Gelehrten!
Mein Körperklima ging zu "vollhumid" über.
"Gawwwr?", kam es von mir, ein quakendes Räuspern. Ich löste meine Augen nicht mehr von der Zeitungsseite. Was wollte er nur? Verdammt! Die abgebildete Dame lächelte äußerst verführerisch.
Zeit vertickte wie Melasse.
Endlich blinzelte er und erlöste mich damit. Wortlos zeigte er mit dem Finger auf ein wenig Text links neben dem Bild. Dort materialisierte sich - bislang für mein Auge absolut unsichtbar - eine Annonce des Unternehmens, für das ich zurzeit arbeitete.
"War rausgeschmissenes Geld", murmelte mein Chef.
Ach so!

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