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Donnerstag, 3. August 2017

Bürogeplänkel 63 -- Nickerchen machen im Chill-out Area

photo credit: tarboxje Sweetness - Tal  napping via photopin (license)
Im Unternehmen meines Vertrauens mache ich Mittags ganz gerne mal ein Nickerchen.
Das so called "Chill-Out-Area" der Firma ist bequem, aber auch sehr verkehrsgünstig gelegen, es ist ein -- nur mit einem Vorhang abgetrenntes -- Durchgangszimmer zur Pausenküche und zu einem anderen Büro.
Sobald man es sich dort gemütlich gemacht hat, startet ein absurdes Beckett-Theaterstück.

DAS BÜRO AM ENDE DES GANGES
Besetzt mit lediglich 5,5 Personen, ist dieser Hort der Arbeit, was Störungen aller Art angeht leicht als Fliegengewicht zu unterschätzen. Aber mit dieser über-agilen Mannschaft könnte man eine komplette Filmkulisse besiedeln! Quasi minütlich bis hin zum Zehnsekundentakt ploppt einer oder eine aus dem Büro, öffnet KRIK! und schließt PA-KLIK! die Glastür und verschwindet gemessenen Schrittes entweder in der Pausenküche KRIK! PA-KLIK! oder im angrenzenden Flur (Tür: PLAK!). Natürlich kommen sie von diesen Orten auch wieder zurück. Die aus dem Flur Rückkehrenden machen nicht selten Zwischenstation in der Pausenküche. PLAK! KRIK! PA-KLIK! KRIK! PA-KLIK! ... KRIK! PA-KLIK! KRIK! PA-KLIK! Man kann die Tür zum Büro aber auch offen stehen lassen und sich in der schönen Disziplin der Distanzkommunikation üben.

DIE PAUSENKÜCHE
Hier stehen Mikrowelle und ein zu Gruppensitzungen einladender Tisch. Die Mikrowelle läßt sich mit recht wenigen Tastendrücken BLIP-BLIPBLIP-BLIP-BLIP-BLIPBLIP-BLIP-BLIPBLIPBLIP!! programmieren, damit sie irgendwas für 180 Sekunden erwärmt, das dann IT-IT-IT! fertig ist. Am Tisch sammeln sich zu bestimmten Zeiten illustre Runden juveniler Pausierender, die angeregte Diskussionen über Kim Kardashians Bandwurm "Ali Baba-Bob" führen: mömömö-HAHA-mömö-HAHAHA ... mömömömömömö... HAHAHA!!!

DER TOILETTEN-FLUR
Die einzigen beiden Toiletten dieses Stockwerks befinden sich nur 80 cm Luftlinie hinter der allzeit nur angelehnten Tür zum Pausenraum. Nicht nur wegen des Kollegen der Nachbarfirma mit dem Tarnnamen "Käpt'n Strull", sondern auch wegen der geschätzten 80 Personen, die hier im 45-Sekunden-Takt auf die Toilette gehen, ist es ein Drehkreuz. Die Türen zu den Toiletten sind i.d.R. auch nur angelehnt und die automatischen Türschließer rammen sie nach Öffnung wieder in ihre alte Position zurück. BÄNG!!! macht es eigentlich andauernd - BÄNG!!!
Auch ist es lustig, wenn man Kollegen vor der Toilette trifft, um den neuesten Tratsch über Kim Kardashians Bandwurm "Ali Baba-Bob" aus dem Raucherzimmer zu verbreiten. MÖMÖMÖMÖ... HAHAHA!!!

MITINSASSEN IM CHILL-OUT AREA
Gerade jüngere Kollegen definieren "Chill-Out Area" völlig anders als ich. Sie zeigen sich gegenseitig Videos von Kim Kardashians Bandwurm "Ali Baba-Bob" auf ihren Handys HAHAHA!!! und unterhalten sich "minimal lauter" (in Überzimmerlautstärke), da sie gerade mit Kopfhörern Cannibal Corpse oder "Die besten Exzenterpressen der Industriegeschichte" hören. Auch schlagen juvenile Kollegen gerne mit verbundenen Augen nach einer eselförmigen, von der Decke hängenden Piñata, feuern sich dabei gegenseitig an, während andere Kollegen (moi) nur wenige cm entfernt davon versuchen, auf der Couch ein Nickerchen zu machen.



KOLLEGIN S.
Jeder hat schon Geschichten davon gehört, dass es Menschen gibt, die bei fast jeder Situation schlafen können, selbst in Schützengräben unter Artilleriebeschuss während der Russ vorrückt. Dieses Gen hat meine Kollegin S.: Sie legt sich selbst im sogenannten "Chill-out Area" einfach hin und macht ein Nickerchen. Einfach so. Trotz BÄNG!!! KRIK! PA-KLIK! BLIP-BLIPBLIP BÄNG!!! MÖMÖMÖMÖ... HAHAHA!!! IT-IT-IT!
Da kann ich nur neidisch werden.


Freitag, 31. März 2017

Lärmbelästigung durch Vorgesetzten

photo credit: Dis da fi we (was Hickatee) Goodbye Belize Tour - Sarteneja - Wildtracks; Education and Reaserch - 40 via photopin (license)

Ein Bekannter klagte mir sein Leid: Wer mit seinem Chef in der Firma auch nur eine Stunde im gleichen Raum verbinge, verlöre den Verstand!
Das liege daran, dass er so laut trinke, schlürfe, gurgele!
Das liege daran, dass er so laut esse, malme, schmatze!
Das liege daran, dass er so laut atme, schnaube, grunze!

Aber der Herr Vorgesetzte ist auch mal nicht anwesend. Dann versuchen die von den permanenten Schallemissionen gepeinigten Kollegen ihren kargen Büroalltag damit aufzupeppen, indem sie voll chefmäßig ihren Kaffe mit 110 db(A) schlürfen [Industriestaubsauger aus 1 m Entfernung]. Auch versuchten sie, einen Keks mit 108 db/A zu zermalmen wie ein Boss [Presslufthammer aus 1 m Entfernung] oder ein Bonbon über signifikante Zeiträume mit 70 db(A) zu lutschen [Industriepumpe aus 1 m Entfernung].
Das macht irrsinnig viel Spaß, doch ihre Bemühungen sind allzeit nur ein schwacher Abklatsch gegen DAS ORIGINAL.

Zur Entlastung seiner Untergebenen geht der Chef in seiner Mittagspause gerne in einem Nebenraum ein Nickerchen machen. Schade nur, dass dann das Kabuff dann niemand betreten kann, aus Angst, ihn trotz der Schnarchgeräusche von 111 db(A) [laufende Kettensäge aus 1 m Entfernung] zu wecken.

Natürlich übertreiben alle ein bisschen, denn es geht bei Geräuschen immer um die gefühlte Lautstärke. Trotzdem bestehen alle Büroinsassen darauf, dass ein Brüllaffe den Job ihres Chefs in jeder Hinsicht besser machen könnte -- aber vor allem leiser.


Ich empfehle: Link


Dienstag, 20. Dezember 2016

Büro-Mäuse

photo credit: VeRoNiK@ GR Ying Yang via photopin (license)

Man kennt das: Ein Kunde ruft an, sagt gerade seinen Namen und schon klickt die neben einem sitzende Kollegin die Maus doppelt KLICK!-KLICK! und man versteht wieder kein Wort.
"Äh, wie ist bitte Ihr Name?, meine Kollegin hat gerade ihre Maus geklickt!"
Der Kunde wiederholt etwas, leider schiebt nun die Kollegin von schräg gegenüber ihre Maus übers Pad, so dass einem Sehen und Hören vergeht: SCREETCH!
Ich lasse das Namensfeld leer.
"Was kann ich für Sie tun?", frage ich so entnervt wie mutlos.
"Ja, ich habe hier ein Problem mit dem KLICK!-KLICK!-KLICK!, ...wegen man kein SCREETCH!, ...aus und deswegen möchte ich KLICK!-SCREETCH!, ...weiteren um-KLICK-KLICK!-KLICK!, ...stehen Sie?"
Jetzt hat zu allem Überfluss auch noch die Kollegin von gegenüber mitgeklickt.
"Ich, äh, ja. Von wo rufen Sie an?"
"SCREETCH!-KLICK!-KLICK!!"
"Ja, habe ich notiert, ich lasse Sie zurückrufen!", lüge ich und lege auf. Erfasst habe ich nichts. Es war ja auch nichts zu verstehen.
Die Kollegin zwei Plätze neben mir lacht vermutlich ohrenbetäubend, ich kann es leider nicht hören, weil gerade alle mit ihren Mäusen zugange sind, manche sogar mit dem Scrollrad BRAAAT-BRAAAT-BRAT-BRAAAAAAT! und damit eine Geräuschkulisse erzeugen wie in einer Gesenkschmiede.

 + + +   W E R B E U N T E R B R E C H U N G   + + +
Freunde: Endlich! Logitech hat nun mit seinem Modell M330 Silent Plus eine Maus auf den Markt gebracht, die nicht mehr markerschütternd klickt und quietscht -- diese Innovation wird den Büroalltag total umkrempeln.


Dienstag, 26. Juni 2012

Formel E

bit.ly/Qc8Y7w 
Sie fahren im Kreis. Ihre Fahrer nennt man "Piloten". Ihre Motoren heißen "Triebwerke". Die machen 18.000 bis 19.000 Umdrehungen die Minute, haben 10 Zylinder, um die 3 Liter Hubraum und jubeln 60 bis 80 Liter Sprit mit 102 Oktan auf 100 km durch. Hinzu kommen noch dutzende Liter Motor- und Getriebeöl. Der ganze Kraftstoff wird fast komplett in CO2 und Brüll-Lärm umgewandelt. Vom Lautstärkepegel kann ein Formel-1-Feld einen Düsenjäger im Tiefflug überstimmen - unvorstellbar! Die "Anreise" der Fahrzeuge & Teams zum fernen Rennzirkus ist in der verheerenden "Öko-Bilanz" (Muahaha!) noch gar nicht mit enthalten.
Wichtig für das F1-"Flair" sind Abgase und Lärm, aber auch Heerscharen von Duttengreteln (
Link), die zu den Rennteams gehören (sicher, sicher; zwinker, zwinker), Magnumflaschen Champagner, Treppchen und verschwitze Zwergpiloten, die den Schampus von da oben verejakulieren, pardon, verspritzen.
Irgendwie ist das alles sowas von brutal 80er Jahre!

Wenn jetzt ein paar Liegeradfahrer und Öko-Schlunzen ihr obligatorisches "WARUM???" fragen, werden über kurz oder lang Himpelchen oder Pimpelchen superschlau darauf antworten: "Die betreiben quasi Forschung für die Automobilindustrie, damit unsere Autos immer besser werden."
Hey! Das wiederum finde ich ja total dufte!
Dann kann man ja jetzt den ganzen Schwachmaten-Zirkus von einer Saison auf die andere auf Elektro umstellen!
Formel E.
Wie cool.
Wie leise!
Und der europäischen Automobilindustrie würde es was bringen. Sie hat es nämlich ganz arg bitter nötig. Ein Berliner Unternehmer importiert nämlich gerade sparsame Elektrobusse aus China (lesenswert: Link), während deutsche Autohersteller immer noch daran herumtüfteln, wie um alles in der Welt sie ihre aus der F1 gewonnenen Erkenntnisse auf spritsparende Kleinwagenserien anwenden sollen.
Facepalm.


Mehr dazu: Link, die lähmendsten Sportarten der Welt: Blogbeitrag


Montag, 16. April 2012

Die lähmendsten Sportarten der Welt

http://bit.ly/J1b84m
Skispringen. Die Fernseh-Übertragung des Neujahrs-Skispringens aus Garmisch-Partenkirchen ist mit Abstand das lähmendste Sportereignis der Welt. Es geht FWUSCHHHHH-Zfit!-Wooooosch ... PADATZ! Und das mit den fünf immer gleichen Kameraeinstellungen gefühlte 500 Mal hintereinander. Alle sehen gleich aus und springen irgendwie gleich weit. Seit 1987 ist man deswegen dazu übergegangen, 500 Mal den gleichen Sprung (Nykänen) vom 01.01.1987 zu zeigen. Der Gewinner wird durch Los bestimmt und ist immer ein Zwerg mit 220 Werbelogos auf dem hautengen, dreifarbigen Leibchen.

Riesenslalom. Ist wie Skispringen ohne richtig abzuheben. Statt FWUSCHHHHH-Zfit!-Wooooosch ... PADATZ! macht es FWUSCH-FWUSCH-FWUSCH-Döng (Fahne)-FWUSCH-FWUSCH-FWUSCH! Ansonsten, siehe Skispringen.

Formel Eins. Wird zu recht auch als "Rennzirkus" bezeichnet. F1 ist die Königin, wenn es darum geht, fossile Brennstoffe in Lärm, Gestank und CO2 umzuwandeln. Hochgerüstete, brüll-laute Gefährte fahren so lange im Kreis, bis alle taub sind oder etwas explodiert. Alle sind in etwa gleich umweltschädlich. Der Gewinner wird deswegen durch Los bestimmt und ist immer ein Clown mit 220 Werbelogos auf dem hautengen, zweifarbigen Leibchen. F1 ist in etwa so zeitgemäß wie die Ausrottung einer Tierart oder das Abholzen der Regenwälder.

Fussball. Ist nur interessant, wenn Papa, als man Kind war, vor der Glotze Bier getrunken und rumgebrüllt hat. Das prägt. Deshalb trägt man noch heute rote, blaue, gelbe oder grüne Schals. Vereins-Simulation: Wenn man aus einem Rommé-Spiel die 110 Karten auf zehn elfer-Häufchen aufteilt, dann aber ständig Karten zwischen den Häufchen austauscht, "für" welches Häufchen bist du jetzt? Antwort: Schaaalke! Facepalm. Mit gesundem Menschenverstand ist das nicht erklärbar. Die Gewinner und der Verlierer dürfen nach dem Spiel atemloses, prägrammatikalisches Gestammel in vorgehaltene Mikros sabbeln und dabei ihre Werbelogos zeigen.

Handball ist Fußball nur mit anderen Mitteln.

Baseball. Inspiriert durch ein Riesenschachspiel mit Menschen statt Figuren, haben die Wissenschaftler des amerikanischen Kernforschungszentrums "Los Alamos" 1942 eine "Protonen-Kollision bei sieben Tera-Elektronenvolt in einem Teilring-System" nachgestellt. Das Regelwerk orientiert sich an den Zuständen in einem Quark-Gluon-Plasma. Eine der wichtigsten Regeln lautet: "Nicht auf das Proton spucken!" (Link)
Außer Kernforschern versteht niemand dieses "Spiel". Dem Publikum gefällt es, denn schließlich gibt es Hot-Dogs, Bier, lecker Cheerleader und man ist an der frischen Luft.


Samstag, 31. Oktober 2009

Lifestyle 22 - Ein schrecklicher Irrtum der Moderne


2007-11-01 Dignity
Originally uploaded by [ henning ]
1979. Herbst in einem tibetischen Kloster. Perfekte Laubblätter trudeln durch die kalte Bergluft. Ein geschorener Novize harkt mit gleichförmigen Bewegungen das Laub auf. In der Ferne, im Hintergrund, sprengt Chuck Norris einen Berggipfel.
Alles ist perfekt!

Das tibetische Kloster des kleinen Mannes: der Friedhof. Entspannender Ort, Hort der Ruhe und Gelassenheit, Skulpturenpark und meditativer Wandelpfad in einem.
In meinem Urlaub hatte ich den großartigen, goldenen Herbsttag abgepasst, um auf dem Kölner Melaten-Friedhof (Map) Fotos von Skulpturen zu machen.
Ich fand sofort den Friedhof, ich fand auf der Stelle einen Parkplatz. Mächtig mysteriös! Beim Betreten des Friedhofs durch ein Seitenportal fiel mir auf, dass Eichhörnchen, Amsel und Meise Hörschutz trugen.
Das alles hätte mich schon stutzig machen müssen!
Dann traf mich das Lärmen von mindestens sieben, strategisch über den Friedhof verteilten, benzinbetriebenen Laubbläsern wie eine biblische Plage!
Was früher schnell und effizient schrapp-schrapp-schrapp mit Laub-Rechen gemeistert wurde, erledigt man heute mit dem Ungetüm namens Laubbläser: Schallemmissionen im Bereich zwischen 106 und 115 dbA = Lärm der Gattung "Babygeschrei bis Presslufthammer" (Quelle) und die Abgase von mindestens zwei Trabants P601 sollen darüber hinweg täuschen, dass so ein Ding in etwa so effizient ist wie die Marx Brothers beim Regieren eines Landes.
Die Friedhofsgärtner, früher Laubrecher, jetzt Laubbläser, angetan mit Blaumann und Hörschutz, bliesen indes unbeeindruckt das Laub ein wenig erratisch vor sich her, lärmten und stanken.
Lärm, der Tote auferwecken könnte! (Danke an Matthi für das sprachliche Bild!)
Der Friedhofsbesuch war in etwa so entspannend wie eine Wurzelbehandlung.

2009. Herbst in einem tibetischen Kloster. Perfekte Laubblätter trudeln durch die kalte Bergluft. Ein geschorener Novize bläst unter markerschütterndem Getöse mit einem benzinbetriebenen Laubbläser das Laub mit gleichförmigen Bewegungen von hier nach da und wieder zurück.
Meditiert wird hier nur noch, während Sprit nachgefüllt wird.


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