Posts mit dem Label Altenheim werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Altenheim werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 7. Dezember 2017

Queen Mom 30 — Tempo-räre Erbmasse

photo credit: Hans-Michael Tappen Archiv C685 "Hell fließen die Tränerl", Karte (front), 1905 via photopin (license)

Meine Mutter Queen Mom lebte von 2013 an bis 2014 im Johanniter-Altenheim.
Wann immer mein Bruder, TW oder ich zu Besuch kamen, fragten wir, was wir ihr beim nächsten Mal mitbringen sollten. Die Antwort fiel nach kurzem Überlegen immer gleich aus: „Och, Tempo-Taschentücher!“
Die Jahreszeiten flogen nur so dahin. Wir Verwandten brachten fein Woche für Woche unsere Großgebinde Tempos mit. Das Johanniter-Altenheim bekam einen Anbau. Das Johanniter-Altenheim bekam einen weiteren Anbau. Meine Mutter verstarb. Mein Bruder und ich saßen mit der Heimleitung Frau Birte Schweineweich-Przybicky in ihrem Büro und besprachen die Auflösung des Zimmers meiner Mutter.
„Wir nehmen dann jetzt alles mit“, sagten wir.
„Haben Sie einen Tieflader dabei?“, fragte Frau Schweineweich-Przybicky humorlos.
Wir verstanden nicht. Frau Schweineweich-Przybicky stand wortlos auf, strich ihren Rock glatt und führte uns zum neuen „Lager-Anbau I“. Der 15 x 12 m umfassende Innenraum war bis zur Decke hoch mit Tempo-Taschentüchern gefüllt.
Wir Geschwister bekamen Augeninnendruck.
„Anbau II ist nur zu einem Drittel voll“, beruhigte sie uns.

Mein Bruder und ich beschlossen, unser Erbe geschwisterlich untereinander aufzuteilen.
In einer Nacht- und Nebelaktion, in der ein arg zweckentfremdeter Ziehharmonika-Linienbus namens „Sonderfahrt“ *zwinkerzwinker* und die Sieben Zwerge eine Rolle spielten, verschaffte ich mein Erbteil nach Wuppertal. Der Dachboden unseres Mietshauses, den ohnehin nie jemand verwendete, war plötzlich zu 100% wärmeisoliert, dito unser kompletter Keller. In unserer Wohnung gab es keine Schublade oder Ritze, die nicht von Tempotaschentüchern übergequollen wäre. Die Tempopackung in meiner Hemdtasche trug etwas auf.
„Wir brauchen nie wieder Taschentücher kaufen!“, freute ich mich.
„Och, Quatsch!“, sagte die beste Ehefrau von allen, „Sowas sagst du doch ständig, und dann hält es nicht mehr lange.“
Ich kicherte etwas irre vor mich hin.

Der Herbst kam. Die Blätter fielen und die Erkältungssaison war eröffnet.
„Hatschu!“, sagte die Gattin, nahm ein Tempo, schneuzte hinein und warf es weg.
„Gesundheit!“, sagte ich.
Es wurde März.
„Bringst du bitte Taschentücher vom Einkaufen mit?“, bat sie.
Mir wurde schwarz vor Augen.
Es war wohl dank meiner besseren Hälfte doch nur eine Tempo-räre Erbmasse gewesen.

Dienstag, 18. März 2014

Queen Mom 28 - Man wird et einfach nich gewahr!

Stethoskop by FotoDB.de
Stethoskop, a photo by FotoDB.de on Flickr.

De Mom war vom Altenheim aus überraschend innet Krankenhaus gekommen. Als wir se nu im SANA-Klinikum besuchten, wusste se auch nich so recht, warum se nu genau da war. Et war "irgendwat mitte Luft" = "Atemnot"). De Schwestern auffe Station wussten aber natürlich auch nix, die wissen schon ganz grundsätzlich nie auch nur irgendwat. Die könnten nichmal wat über de Todesursache vonnem Geköpften sagen: "Da müssenSe mitm Dokter sprechen!"
Undn Dokter is natürlich weit un breit nich auszumachen, der is gerade bei nem "Notfall".
Sicher, sicher.
So viele Notfälle gibbet gar nich!

Dann, alsbald, kam de SMS vonm Bruder, die ungewöhnlich wortreich verkündete: "Mom ist wieder im Altenheim. Alles Ok. LG."

Kurzum Mittwochs drauf besuch ich also de Mutter.
Ich sach: "Mutter, wat waret?"
"Ja, wat sollet denn gewesen sein?", fragt de Mutter, als würd ich nach der Ursache für en Himmelsereignis fragen.
"Na, hat de Azt im Krankenhaus denn wat gesacht?"
"Jo!", sacht se bockig.
"Na, n Grund, weswegen du nu im Krankenhaus wars?"
"Na, se haben mich doch mitm Krankenwagen abgeholt, da musset doch wohl auch wat gewesen sein!", sacht se.

Gottogott!
Man wird et einfach nich gewahr!


Samstag, 12. Oktober 2013

Queen Mom 27 - Beißer

http://goo.gl/GWMEzG
Als ich am Ende meines Besuchs meine Mutter im Altenheim verabschiedete, winkte mir aus der Ferne etwas hektisch Heike zu, eine der für sie zuständigen Altenpflegerinnen. Da Radevormwald ein Dorf ist, kannte ich Heike sehr gut "von früher". Ich ging rüber. Heike schaute mich an, nahm mich etwas zur Seite und fragte: "Hältst du mich für den Beißer?"
Hmm?
"Äh? Wie bei 007? Nee... ."
"Deine Mutter hat letztens beim ins-Bett-bringen behauptet, ich hätte ihr in den großen Zeh gebissen!"
Muahahaha!

Die Woche drauf fragte ich Muttern natürlich bei nächster sich bietender Gelegenheit: "Na, und, hat dir die böse Schwester mal wieder in den Zeh gebissen?"
Queen Mom war not amused. Sie faßte mich festesten Blickes ins Auge, drückte meine Hand und sagte sehr bestimmt: "Ja, hörma, wat sollet denn sons anders gewesen sein, als dat se mich innen Zeh gebissen hat?"
Tatsächlich.
Verrückt: So kann man sich in Menschen täuschen ...


Donnerstag, 19. September 2013

Queen Mom 26 - Kakao

http://goo.gl/XmrGbd
Mittwochs im Johanniter-Altenheim Radevormwald. Ich sitze bei de Mutter im großen Aufenthaltsraum. De anderen alten Damen un de drei Herren starren Löcher inne Luft, wer nich ganz bei Trost is, macht gluckernde Geräusche.
Ne Pflegekraft kommt rum.
"Naaa, Frau M., möchten Sie heute Abend zum Essen ein Glas Milch?", fragt sie sehr deutlich und recht laut.
"Ich möchte lieber nen Kakao!", sagt Queen Mom salbungsvoll.
"Kakao gibts doch nur freitags!", sagt Frau Weißkittel.
Nee, is klar: de Ommas 3.500 Öcken im Monat latzen lassen, aber Kakao gibt's nur freitags.
Jetzt schaltet sich Frau L. vom Nachbartisch ein.
"Ich will aber auch nen Kakao!!!"
"Aber ich sach et doch gerade zur Frau M.: Kakao gibt's nur freitags, Frau L.!", sagt die Pflegekraft, sich ihr zuwendend. "Und was möchten Sie heute Abend trinken?"
"KAKAO!!!"



Montag, 12. August 2013

TW 4 - QM und TW sind sich einig

http://goo.gl/h9cZth
De Mutter is ja nu schon ne Weile im Altenheim.
Sonntags fährt de Bruder mit de Tante Waltraud hin, Mittwochs nehm ich de Tante mit zu Besuch bei de Mutter.
Alles gut!
Nu will de Bruder mal in Urlaub fahren. De Tante wurde et alsbald gewahr! Du Drama: Wie kommt man denn jetz Sonntags zum "Lieschen" (wie se ihre royale Schwester Queen Mom nennt)?
Ein dämonischer Plan reifte in ihr...
Ich fahr also letzten Mittwoch mit de Tante zum Altenheim.
Wir kommen an, gehen rein, rollen de Mutter raus zur Birke, setzten uns auffe Bank.
"Hörmal, wenn der Frank jetzt in Urlaub ist, fährst du mich dann Sonntags zur Mutter?", fragte de Tante.
Well played, Tante...
"Tantchen! Dat sind hin und zurück über 50 km und eineinhalb Stunden nur reine Fahrtzeit für mich. Nimm doch bitte einfach en Taxi!"
De Tante verstummte. Mir war schon klar, dass ich mit der "Taxi-Nummer" nicht durchkommen würde.
Fünf Minuten später.
"Meinste nicht, dass du mich fahren kanns, am Sonntag?"
"Tantchen! Da heuerste einfach noch Tante Walburga un Tante Edith an, dann fahrt ihr zusammen mitm Taxi wie normale Leute, das sind dann Hin-Rück nur vier Euro pro Tante!"
"Ah-hmm?", machte TW geheimnisvoll, wie nur sie es kann.
Fünf Minuten später.
"Also, du meinst wirklich nich, daste mich fahren kanns, Henning?"
Gottogott! Lies es von meinen Lippen ab!
"Nei-hein! Ta-ha-xi!"
Jetzt schaltete sich QM ein, sie ergriff die Hände ihrer Schwester, blickte tief in ihre Augen.
"Traudel! Du bisst doch nich reich! Nimm bloß kein teures Taxi!"
De Tante nickte ergriffen.
De antiken Damen waren sich einig, wat "verrückte Ausgaben" anging.

Verdammt: Plötzlich war ich Dr. Mabuse in einer Parallel-Welt, in der "Lebenszeit" wertlos und "Spritgeld" ein exotisches Fremdwort waren. Gegen ein Taxi ist ein keine Widerworte gebender Sohn & Neffe natürlich einfach unschlagbar spottbillig.


Dienstag, 19. März 2013

TW 3 - Notfalltelefon

http://goo.gl/XfpRf
Ich sitze im Büro, das Handy schellt, 'TW' (Tante Waltraud) steht im Display.
Notfall!!! Et is wat mit de Mutter!, geht es mir durch den Kopf. Ich würge den soeben völlig irrelevant gewordenen Kunden am Büro-Festnetztelefon ab (Ausrede: "Strahlungsleck"), nehme etwas atemlos den Handyanruf entgegen.
"Ja, hallo, ich bin das!", sagt die Tante geheimnisvoll.
"Hallo Tantchen!", sag ich.
"Ja - hmmm - fährst du heute zur Mutter ins Altenheim?"
Hä?
"Äh, Montags? Eher nicht, Tantchen!"
"Ah, jaaa...?", sagt de Tante super-duper-geheimnisvoll.
Ich überlege.
"Is denn wat Besonderes?"
"Ja! Ich habe was für de Mutter, das möchtest du ihr bitte vorbeibringen."
*LUFTSCHUTZSIRENE* ES KANN SICH NUR UM KRIEGSWICHTIGE, WENN NICHT GAR KRIEGSENTSCHEIDENDE GÜTER HANDELN!!! *LUFTSCHUTZSIRENE*
Uff!
"Was haste denn für de Mutter?", frage ich vorsichtig.
"Ja - hmmm - das Apothekenheftchen und Erfrischungstücher."
Grundgütiger!


Siehe auch: Blogbeitrag


Freitag, 1. März 2013

TW 2 - Mit TW zu QM

http://goo.gl/IVqXq
De Queen Mom is im Altenheim. Da soll se so lange bleiben, bisse wieder auffe Füße kommt un - hoffentlich - wieder nach Hause kann.
So. Mittwoch. Ich fahr zu Besuch vonne Arbeit aus da hin, nehm de Tante Waltraud (TW) mit, die mit ihren 81 Jahren auch nicht mehr ganz so rastant gut zu Fuß is. Sons war se immer mit meinem Bruder Frank zum Altenheim hingefahren.
Während der Hinfahrt:
"Tantchen, ich fahr dann auffen Parkplatz vom Sana-Klinikum."
"Ja-hmm..., is gut."
...
"Äh, ich kann dich auch unten am Altenheim rauslassen, dat is dann nich so weit."
"Nee. Brauchste nich."
...
"Hmm, also dich unten rauszulassen wäre wirklich, wirklich kein Problem"
"Nee, nee!"
Ich fahr also zum Parkplatz, wir steigen aus, gehen ein Stück ummen immensen Rhododendron-Busch in Richtung Altenheim.
"Och, dat is ja doch ganz schön weit!", sacht de Tante, "De Frank läßt mich ja immer direkt unten am Altenheim raus."
Wat soll ich sagen?
Et is herrlich!


Mittwoch, 15. Juli 2009

www 4 - Am Ende des Regenbogens

Natürlich haben mir meine Eltern, als ich Kind war, erzählt, dass am Ende des Regenbogens ein Topf voller Gold versteckt ist. Schon damals hat mich interessiert: an beiden sichtbaren Enden? Ca. 37 Jahre später kam ich bei einem Mittagsspaziergang in Wermelskirchen an einem Auto mit der Webadresse zu einem Haus Regenbogen vorbei.
Als ich wieder am Arbeitsplatz saß, hatte ich dank meines fotografischen Gedächtnisses wesentliche Teile der www-Adresse wieder vergessen - auch Götter können straucheln. Also habe ich erst einmal gegoogelt und bin dabei auf so allerlei gestoßen, z.B. bei Wikipedia. Oder bei der Berliner Morgenpost, die schrieb recht knapp zu dem Thema:
"Washington – Ein Regenbogen auf der Kindergarten-Zeichnung einer Vierjährigen hat in den USA für Aufregung gesorgt. Der Regenbogen sei ein einschlägiges Symbol der Homosexuellen-Szene, klagten besorgte Eltern in Geneva im Bundesstaat New York laut Presseberichten. Der Kindergarten habe sich entschuldigt und umgehend die Zahl der Farben bei seinen Stiften limitiert."
Die Amis. Das ist so völlig bescheuert, dass es wahrscheinlich wahr ist.
Heilige Einfalt! Aber zurück zu der Adresse aus meinem Mittagsspaziergang. Mittlerweile hatte ich sie über die Suche nach "Regenbogen Wermelskirchen" wiederentdeckt.
Nun, was soll ich sagen?
Es ist ein Alters- und Pflegeheim. Nur der Name kommt mir mit diesem Wissen um das Gold, das am Fuß des Regenbogens vergraben sein soll, ein klitzekleines bisschen ironisch vor. Bei den Pflegesätzen ist nämlich die Frage, ob das Vermögen nur an einem oder an beiden Enden des Regenbogens zu finden ist, überflüssig geworden.
Natürlich an beiden, denn das letzte Hemd hat ja bekanntlich keine Taschen.

Bookmark and Share