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Dienstag, 25. September 2012

Schutzheilige des weiblichen Schuhticks

"Wenn ich mit offenem Fenster schlafe, höre ich manchmal eine Frau vor Glück schreien und frage mich, wer ihr nachts um zwölf Schuhe liefert." @peterbreuer, Twitter
bit.ly/QStxWn 
Imelda Marcos, ehemalige First Lady der Philippinen und Gattin des philippinischen Ex-Diktators Ferdinand Marcos, gilt landläufig als die Schutzheilige des weiblichen Schuhticks. Als man sie und ihren Gatten hops nahm, fanden sich in den prunkvollen Gemächern der ehemaligen Machthaberin 3.000 Paar Damenschuhe (Quelle)...
Püh!
Das sind doch Peanuts! Popsängerin Mariah Carey (Blogbeitrag) soll tatsächlich 10.000 Paar Schuhe besitzen.
Sicher, sicher.
Et Mariah muss ja sowas von urst-ultra-abnorm überglücklich sein, 27 Jahre lang jeden Tag ein anderes Paar Schuhe tragen zu können (vor allem wenn sie über 25 Jahre davon mehr und mehr aus der Mode kommendes Schuhwerk auftragen muss)...
Schwachsinnige.

So richtig können da meine Kolleginnen nicht mithalten.
Aber sie sind allzeit bemüht.
Wann immer eine auf neuen Schlappen in die Räumlichkeiten geschwebt kommt, gibts grundsätzlich ein großes Hallo! (Man scannt sich also als Dame unentwegt untereinander.) "Oooh!", "Hach, die sind aber toll!", "Zeig mal!", "Hanä, die Riemchen sind aber raffiniert!", "Die Farbe passt ja genau zur Handtasche und zu deinem Gürtel", dann kommen sie angerannt und halten ihre winzigen Füßchen aneinander. Dieses Gewese muss für die Neuschuhbesitzerin ein innerer Reichsparteitag sein...
Und dann spielen sie neuerdings auch noch die Zalando-Werbung nach: "Schrei vor Glück" (hier). Unser Postmann hat schon so dieses Zucken am rechten Auge...
"Männer stehen meist fassungslos vor dem Schuhtick der Frauen - reichen ihnen doch oft - von Sportschuhen abgesehen - ein Paar braune und ein Paar schwarze." (Quelle)
Jep.
Genau.
Schon bei dem Wort "Trendschuh" wird mir ganz blümerant (Blogbeitrag).
Nun, Zalando steht wegen seiner Arbeitsbedingungen am Pranger (Quelle). Und wer schon mal den eigenen Slavery-Footprint (hier) hat berechnen lassen, kommt vielleicht mit kleiner gleich 25 Paar Lederschuhen mal über die eine oder andere Saison.
Weniger ist mehr.


Samstag, 22. September 2012

Bürogeplänkel 38 - Bürokollegen-Ritter-Sport-Typologie

bit.ly/ckFry3
Soziologen haben herausgefunden: Die Sortenvielfalt von Ritter-Sport-Schokolade ist exakt deckungsgleich mit der Sortenvielfalt der Kollegen, die einen täglich umgibt. Und wer will hier an Zufall glauben?

Alpenmlich: Kann mit bajuwarischem Dialekt und Charme punkten.
Dunkle Voll-Nuss: Argh. Geht mal wirklich jedem voll auf die Nüsse. Aber man gewöhnt sich mit den Jahren fast dran.
Edel-Vollmilch: Alles immer nur vom Feinsten!
Erdbeer Joghurt: Hat nur für die Arbeit vorübergehend das rosafarbene Prinzessin-Lillifee-Glitzer-Diadem abgelegt.
Halbbitter: Verhärmt aufgrund langjähriger, zerrüttender Probleme.
Keks + Nuss: Geht einem zuweilen auf beides gleichzeitig, ist aber eher harmlos.
Knusperflakes: Crosse Flocke...
Knusperkeks: Nicht der oder die Hellste, aber knusprig, ist halt was fürs Auge.
Napolitaner Waffel: Hält es meist nicht lange im Unternehmen, bringt aber molto italienischen Charme mit. Hat u. U. einen an selbiger.
Noisette (Nüsschen): Youngster, aber Everybodies Darling.
Olympia: Sportivste(r) Mitarbeiter(in) ever. Nimmt die Hantelbank mit zum Marathon. Chapeau.
Rum Trauben Nuss: Nüsschen mit klitzekleinem Alkoholproblem. Aber merkt ja keiner – Stößchen!
Trauben Nuss: Wohl eher "taube Nuss", aber wenn man laut und deutlich spricht, geht es.
Voll Nuss: Brünette, Trivial-Pursuit-Opfer. Ist im Wechsel mit Weisse Voll-Nuss schwanger.
Weiss + Crisp: becirct, knackig wie er/sie ist, das andere Geschlecht.
Weisse Voll-Nuss: Blondine, nicht das hellste Licht am Christbaum. Ist im Wechsel mit Voll-Nuss schwanger.

Unterm Strich: Jede Menge Nüsschen, die einem manchmal auf den Knusperkeks gehen.
Aber missen möchte man sie irgendwie auch nicht, die Süßen.


Mehr ru24-Typologien: (Link)


Sonntag, 16. September 2012

Bürogeplänkel 37 - Activmen: Niemand muss ertrinken

bit.ly/Nw7OFK
Die in meiner Firma arbeitenden Damen (in ihrer Gesamtheit "Antjes" genannt) absolvierten mindestens einmal jährlich erfolgreich eine Tour (zweitägige Planwagenfahrt, 12-stündiges Schuh-Shopping, etliche Likörchen durcheinander, Hihi!, Filmriss). Da wollten die Herren der Schöpfung natürlich nicht hinten anstehen und schufen die "Activmen". Konsequent falsch geschrieben sollten sich unter diesem Banner die Herren des Unternehmens versammeln, um eine Riesenmenge Spaß zu haben!
Und was hatten wir für einen Spaß - z.B. "Kanufahren auf der Sieg". Noch heute schrecke ich manchmal aus Träumen hoch, einen gurgelnden Schrei auf den Lippen...

Die Sieg.
Wir waren vorbereitet. Jeder hatte einen gut verknoteten und somit wasserdichten Müllsack mit Wechselwäsche dabei. In einem sehr ruhigen Knick der Sieg, der mehr etwas von einem Teich als von einem Flüsschen hatte, konnten wir erste Erfahrungen mit dem Kanu-Paddeln machen. Es klappte so mittel. Wir lernten, wie man ein Kanu lenkt (der hinten sitzende steckt das Paddel hinter sich ins Wasser und drückt es in die eine oder andere Richtung). Ich konnte nur 'links'. Wir lernten, dass man die unruhigen Stelle im Wasser immer da zu passieren hat, wo die meiste Gischt ist. Röngdöng, Probezeit vorbei, wir fahren los!
Äh...
Die Jungs sprangen in die Kanus, ich gelangte zu dem, in dem bereits Raimund und Schleuti saßen. Mein Platz war plötzlich hinten - der des Lenkers.
"Ich kann nur links!", sagte ich.
"Haha, geht schon!", freuten sich die Jungs.
Wir fuhren los. Alles klappte ganz vorzüglich, bis wir an die erste unruhige Stelle kamen, so ca. 400 m weiter.
"Henning, re-hechts!!!", brüllten die beiden.
"Spacken, ich kann nur li-hinks!", schrie ich zurück.
Das Kanu legte sich quer zur Strömung und kenterte. Raimund blieb vorsichtshalber mit dem Fuß im Kanu hängen, Schleuti lag auf ihm, das die Strömung einfangende Kanu drückte beide noch zusätzlich unter Wasser, das hier etwa hüft-tief war. Raimunds schaffte es mit größter Mühe, seinen Kopf über Wasser zu halten. Nach einer Weile sagte er den Satz. Artikuliert. Sachlich. Für alle verständlich. Denn es ist nicht die Sache des Stoikers, in x-beliebigen Situationen auch nur ansatzweise Contenance und Besonnenheit vermissen zu lassen. So auch hier:
"Wenn der Schleuti jetzt mal von mir runter geht, dann muss auch niemand ertrinken."
Wie aus dem Lehrbuch!!!
"Für den Stoiker als Individuum gilt es, seinen Platz in [der] Ordnung [der Dinge] zu erkennen und auszufüllen, indem er durch die Einübung emotionaler Selbstbeherrschung sein Los zu akzeptieren lernt und mit Hilfe von Gelassenheit und Seelenruhe zur Weisheit strebt." (Wikipedia)
Chapeau!
Am Ende saßen wir tropfnass im Kanu und fuhren weiter. Etwa weitere 400 m später rasteten die "Activmen" in einem Knick. Wir hatten ja schließlich insgesamt schon das 0,8-fache eines Kilometers zurückgelegt! Ein nicht kanufahrender Kollege (Dieter) hatte freundlicherweise Bierbänke aufgebaut, es gab K-Salat und Würste - hey! Schleuti hatte sich die nassen Sachen ausgezogen und die Trockenen aus seinem Müllsack angezogen, nicht die weiseste Entscheidung, wie sich beim sofortigen Kentern bei der Weiterfahrt zeigen sollte.
Und so ging der Spaß immer weiter.
Paddel, paddel, paddel.
"Rechts!", "Re-hechts!!!"
"Spacken!"
*kenter*
usw., usf.
Irgendwann wechselten wir gnädigerweise die Boote, ich saß plötzlich vorne bei Felix in einem Zweierkanu, wenigstens ging jetzt auch 'rechts'.
Paddel, paddel, paddel.
Paddel, paddel, paddel.
Ächz.
Paddel, paddel, paddel.
Paddel, paddel, paddel.
Argl.
Paddel, paddel, paddel.
Paddel, paddel, paddel.
So langsam hatte ich dann auch mal genug gepaddelt.
"Felix, wie lange ist denn noch?", fragte ich mit brennenden Armen nach hinten zum Steuermann.
"Och, so das erste Fünftel haben wir!", freute sich Felix.
Paddel, paddel, paddel.
Paddel, paddel, paddel.
*kotz*
Am rechten Flussufer kam ein Ausflugsrestaurant in Sicht. Alle Plätze direkt an der Sieg waren vollständig besetzt.
"Felix, wir fahren jetzt mal rechts ran!"
Ich stieg aus, klemmte mir meinen Müllsack unter den Arm.
"Viel Spaß noch, ich trink mir hier nen Cappu, wenn ihr fertig habt, könnt ihr mich ja abholen."
Felix paddelte wie ein Duracell-Häschen von dannen.
Ich, der ich tropfnass den Fluten entstieg, wurde von den die Außengastronomie weidlich nutzenden Herrschaften angestarrt.
"Tach!", sagte ich in die Runde und ging auf die Toilette, um mich umziehen.

Ich kann mich erinnern, irgendwann in der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts während einer Pest-Epidemie mehr Spaß gehabt zu haben, als bei dieser Paddelei auf der Sieg.


Mittwoch, 4. Juli 2012

CERN entdeckt neues Teilchen

bit.ly/cu0PcB
Im Kernforschungszentrum CERN ist der Jubel groß: Man hat nach langem Häckes ein neues Teilchen entdeckt. Vielleicht ist es das langgesuchte Higgs-Boson!
Jippi!
Vor Ort sah das so aus: Im großen Hörsaal des CERN dozierte Joe Incandela, der Sprecher eines Higgs-Teilchen-Suchteams, langatmig über "vorläufige Messergebnisse", Messgenauigkeiten und das "Ausschließen möglicher Fehler" (für den Fall, dass mal wieder ein Kabel irgendwo nicht richtig eingesteckt war, siehe "überlichtschnelle Neutrinos", Link). Die anwesenden Forscher-Koryphäen, unter ihnen der 83-jährige Higgs himself (Link), machten einen gespannten und aufmerksamen Eindruck, in Wirklichkeit hatten sie sich Augen auf die Nerd-Brillen gemalt und dösten. Dann aber ließ Incandela die Bombe platzen:
"Wir haben ein neues Teilchen mit einer Masse von 125,3 +/- 0,6 Gigaelektronenvolt entdeckt, und zwar mit einer Sicherheit von 4,9 Sigma."
Als der Dozent dann auch noch in seine Jackettjacke griff und das Teilchen herausholte, kam richtig Stimmung in die Bude. Das vorläufig "Higgs-Boson" genannte Ding sieht aus wie ein kleiner, etwas knautschiger Wutball, ist farblich irgendwo zwischen "Lachs" und "Flamingo" einzuordnen und riecht leicht nach Babypuder. Incandela gab das Teilchen herum, jeder durfte es mal anfassen.
Danach sah es etwas speckig und mitgenommen aus.
"Und wascht euch alle die Hände, ihr Vögel!", brüllte Incandela fröhlich in die Menge. Viele der Anwesenden rochen an ihren Fingern.
Man darf gespannt sein.


Mehr dazu: (Link), (Podcast)


Montag, 2. Juli 2012

Bürogeplänkel 35 - Jura HAL 9000

bit.ly/KW3b6n
Nachdem unser alter, hochdekorierter Jura Kaffee-Vollautomat (Blogbeitag) die Grätsche gemacht hat - spektakulär mit einer kleinen Verpuffung wie ein minimalistischer Dschihadist - bekamen wir ein neues Gerät.
Jura HAL 9000.
Das ist STATE OF THE ART! Nicht nur, dass er Bluetooth und ein grafikfähiges Farb-Display hat, sondern er hat auch auch ein großes, rotes, allessehendes Auge (wie sein großer Bruder aus "2001 - Odyssee im Weltraum", Link).
Die erste Begegnung war bereits beeindruckend.
"Guten morgen, Dave", sagte der Kaffee-Vollautomat mit angenehm synthetischer Stimme, als ich mich annäherte.
"Äh, ich heiße Henning", sagte ich.
"Ah, sehr gut, Henning! Was kann ich für dich tun? Du siehst müde aus."
"Es ist Montag... Kaffee?", fragte ich eingeschüchtert.
"Es tut mir Leid, Henning, aber das kann ich nicht tun. Du benötigst etwas mit mehr Kick. Ich mache dir stattdessen einen Ristretto Doppio", sagte HAL 9000 und legte los.
"Ristretto?"
"Ristretto ist ein Espresso mit verringerter Wassermenge, Doppio heißt 'doppelt'", erklärte die Maschine, während das Filtrat dampfend in meine Tasse einlief.
"Äh, ... danke."
"Dein Kaffee-Heißgetränk ist nun fertig. Ich hoffe, es belebt dich angemessen."
"Danke..."
"Ich arbeite gerne mit Menschen, Henning."
"Ich auch."
Ich ging mit dem hochschwarzen Getränk zu meinem Arbeitsplatz zurück. Da war sie schon, die Facebook-Freundschaftsanfrage von "HAL 9000".
Wow.
Ich werde sie wohl kaum ausschlagen können.
Das Ding hat mich in der Hand.


Mittwoch, 27. Juni 2012

Bürogeplänkel 33 - Herrentoiletten-Typologie I

bit.ly/KD8BhZ
Der Schüchterne
Er betritt die Toilette, sieht, dass eine der Kabinen bereits besetzt ist und verschwindet wieder unverrichteter Dinge. Der Schüchterne würde gerne inmitten der Ödnis der Atacama-Wüste seine Notdurft verrichten, notfalls geht es aber auch in einer menschenleeren "Bedürfnisanstalt".

Silent Bob
Man hat gar nicht den Eindruck, dass die Kabine neben einem überhaupt besetzt ist. Ist sie aber. Silent Bob geriert sich derweil als Untoter: Er atmet nicht einmal, geschweige denn, dass man von ihm einschlägige Geräusche hört. Silent Bob wartet, dass du fertig wist, damit er loslegen kann. Er sitzt das aus. Notfalls wartet er den ganzen Tag.

Der SMSer/Twitterer
Vom Nebenklo hört man nichts außer Tastaturgedaddel. Vielleicht schreibt der Nebenmann via Handy einen Tweet über die Geräusche, die du machst, vielleicht schreibt er mit seiner Freundin eine romantische SMS, vielleicht schreibt er seiner Freundin eine romantische SMS über die Geräusche, die du machst.

Der Über-Performer
Der Über-Performer in der Kabine neben einem klingt, als werfe jemand ein Dutzend schwerer Stiefel in einen Mini-Pool und spiele dabei auf einer Tuba die Titelmelodie von "Der weiße Hai". Respekt! Rauchen, Feuer und offenes Licht sind jetzt lebensbedrohlich. Atmen auch.


Mehr ru24-Typologien: Link
Noch viel mehr Toilette: Link


Dienstag, 26. Juni 2012

Formel E

bit.ly/Qc8Y7w 
Sie fahren im Kreis. Ihre Fahrer nennt man "Piloten". Ihre Motoren heißen "Triebwerke". Die machen 18.000 bis 19.000 Umdrehungen die Minute, haben 10 Zylinder, um die 3 Liter Hubraum und jubeln 60 bis 80 Liter Sprit mit 102 Oktan auf 100 km durch. Hinzu kommen noch dutzende Liter Motor- und Getriebeöl. Der ganze Kraftstoff wird fast komplett in CO2 und Brüll-Lärm umgewandelt. Vom Lautstärkepegel kann ein Formel-1-Feld einen Düsenjäger im Tiefflug überstimmen - unvorstellbar! Die "Anreise" der Fahrzeuge & Teams zum fernen Rennzirkus ist in der verheerenden "Öko-Bilanz" (Muahaha!) noch gar nicht mit enthalten.
Wichtig für das F1-"Flair" sind Abgase und Lärm, aber auch Heerscharen von Duttengreteln (
Link), die zu den Rennteams gehören (sicher, sicher; zwinker, zwinker), Magnumflaschen Champagner, Treppchen und verschwitze Zwergpiloten, die den Schampus von da oben verejakulieren, pardon, verspritzen.
Irgendwie ist das alles sowas von brutal 80er Jahre!

Wenn jetzt ein paar Liegeradfahrer und Öko-Schlunzen ihr obligatorisches "WARUM???" fragen, werden über kurz oder lang Himpelchen oder Pimpelchen superschlau darauf antworten: "Die betreiben quasi Forschung für die Automobilindustrie, damit unsere Autos immer besser werden."
Hey! Das wiederum finde ich ja total dufte!
Dann kann man ja jetzt den ganzen Schwachmaten-Zirkus von einer Saison auf die andere auf Elektro umstellen!
Formel E.
Wie cool.
Wie leise!
Und der europäischen Automobilindustrie würde es was bringen. Sie hat es nämlich ganz arg bitter nötig. Ein Berliner Unternehmer importiert nämlich gerade sparsame Elektrobusse aus China (lesenswert: Link), während deutsche Autohersteller immer noch daran herumtüfteln, wie um alles in der Welt sie ihre aus der F1 gewonnenen Erkenntnisse auf spritsparende Kleinwagenserien anwenden sollen.
Facepalm.


Mehr dazu: Link, die lähmendsten Sportarten der Welt: Blogbeitrag


Samstag, 2. Juni 2012

Aktienkauf - man kann auch "Schwein haben"

bit.ly/MiK08h
1) Manfred Krug (Link) machte 1996 Werbung für die T-Aktie. Krug war knorke und irgendwie konnte mit der Telekom-Aktie ja auch nicht wirklich etwas schieflaufen. Aber ich war "eine Art Stundent" (Soziologie, Wuppertal) und größere finanzielle Transaktionen waren nicht drin. Pech gehabt!, dachte ich. Tatsächlich aber fiel die "Volksaktie" von über 100,00 EUR (2000) auf 8,41 EUR (2002). Manfred Krug distanzierte sich später deutlich von seinem Werbetreiben und entschuldigte sich beim Kleinaktionär dafür (Link).
Schwein gehabt!

2) Irgendwann in 1999 gab mein damaliger Arbeitskollege Dieter R. mir einen super Tipp: "Mann, du musst Aktien von China Telecom kaufen! Es gibt für Telekommunikation nur diesen Anbieter in China und die Chinesen wollen alle ein Handy haben! Ich habe jetzt für 1.000 Mack gekauft!" Ich war mal wieder pleite. Aber ich ging trotzdem zur Sparkasse, um für 1.000 Mack zu ordern. Plötzlicher Reichtum drohte! Der Sparkassen-Schlips schwallte mich 90 Minuten lang zu, wie verrückt es sei, überhaupt auf Telekommunikation zu setzen, geschweige denn in Asien, was für sich schon verrückt sei. Das Ganze war also quasi (verrückt)². Als er fertig geschwallt hatte, grofelten im Sparkassenfoyer schon die Putzfrauen herum, zum Aktienkauf war es zu spät. Zwei Tage später war "wat" mitm Wagen, also eh Schicht mit Aktienkauf. Pech gehabt!, dachte ich. Jahrelang bin ich davon ausgegangen, die Chance meines Lebens vertan zu haben - bis ich mal jemanden, der sich damit auskannte, nachsehen ließ. Die China Telecom-Aktie schoss in die Höhe wie ein Pfeil, um dann kurz drauf abzustürzen wie eine Kühl-Gefrierkombination aus 10.000 m Höhe. Die Aktie blieb ein Penny-Stock. Das Nachfolgeunternehmen heißt China Telecom Corporation Limited.
Schwein gehabt!
(Und: Danke Schlipsträger!)

3) In meiner damaligen Shadowrun-Rollenspielgruppe kam in 2000 so etwas wie eine Massenhysterie auf, als der Start der Infineon-Aktie bevorstand. Hey! Eine neue "Volksaktie"! Kraisch! Siemens-Tochter! Mikrochip-Produktion! Pentium und so!!! Alle in der Rollenspielgruppe wollten kaufen, für mindestens 1.000 Mack. Ich war mal wieder pleite, denn et war wie immer "wat" mitm Wagen. Pech gehabt!, dachte ich. Ich musste also mal wieder passen. Aber statt Infineon-Aktien zu kaufen, hätte man seine Kohle auch mit Wein, Weib und Gesang verjubeln können, am Ende hätte man da mehr von gehabt, nämlich Pfandflaschen. Der Kurs crashte von 70,20 EUR (2000) auf 0,94 EUR (2008). So etwas nennt sich "Penny-Stock" (Quelle).
Schwein gehabt!

Dann kam länger nichts.

4) Beim Börsengang von Facebook am 18. Mai 2012 dachte ich: hey! ... etc., etc. (Link).
Schwein gehabt!
Wie immer.


Auch nett: (Link)


Mittwoch, 30. Mai 2012

Grillen

bit.ly/JA1ET0
Deutschland hat Sommer. Da der Sommer binnen 14 Sonnentagen für 2012 komplett abgefackelt sein könnte, ist große Eile geboten: Grillt ihr Narren, grillt!
Dann aber bitte auch wie die Profis!

Vorbereitung:
Leute einladen.
Die Soßen, die man seit der letzten oder vorletzem Grillsaison im Kühlschrank rumfliegen hat, sind sicher noch gut. Protipp: Vor erneuter Benutzung die daumendicke Trocknungsschicht mit den haarigen Punkten einfach unterschütteln!
Gemäß Tante Herthas "geheimen 12-Minuten-Nudelsalat-Rezept" von 1952 würfelt man einen ganzen Ring Schweine-Fleischwurst, gibt 300 g gekochte Nudeln, eine Dose Erbsen (vorher abgießen) und eine Handvoll geschnippelter Essiggürkskes in eine Schüssel und gebe ein großes Glas No-Name-Vollfett-Mayonnaise dazu. Rühren. Fettich.
Im PIMPI-Markt gibbet Fabrik-Ciabatta, Würstkes und Fleisch (aka Massentierhaltungs-Ekelfleisch in Paprika-Tunke).
Grillkohle kann man sich prima an der Tanke besorgen. Sie sollte ausschließlich aus kinderkopfgroßen Stücken Holzkohle und Kohlestaub bestehen. Nur so wird es richtig!
Grillen:
Dann warte man ab, bis die Gäste vor lauter Hunger nicht mehr wissen, wo sie ihr Bier hingestellt haben. Es gibt erste Angriffe gegen Brot, Salat, Soßen. Dann erst sollte man den Grill überhaupt aufbauen. Das Teil reichlich mit Kohle bestücken, anschließend aus großer Höhe gleichmäßig mit einem hochtoxischen, für den Vietnamkrieg entwickelten Brandbeschleuniger begießen und anzünden. FWOSCH!!! Tief durchatmen... Hach! Da kommt "Apocalypse Now"-Stimmung auf: "Ich liebe den Geruch von Napalm am Morgen. […] Riecht nach – Sieg."
Eine halbe Stunde später: Sobald die Kohle etwa zur Hälfte weiß ist - unwürdiges Pusten bis zu Ohnmacht und hektisches Gefächel mit einer Dreckschüppe gehören einfach dazu - können de Würstkes drauf. Da einige der entkräfteten Gäste bereits wimmern, ist jetzt Eile geboten! Den Grillrost so voll wie möglich mit de Würstkes packen (siehe Bild oben). Bier trinken. Sobald es verkohlt riecht, bitte wenden, diesmal aufpassen. Bei Würstchen gilt: verkohlte Seite nach unten auf den Teller. Schon können sich die Gäste die ersten heißen Prachtstücke reinziehen - und sie fallen dankbar und wie die Heuschrecken darüber her (daher kommt überhaupt der Begriff "Grillen"). Die zweite Grill-Fuhre wird komplett mit Fleisch gefahren. Als Ideal gilt: Außen leicht verkohlt aber innen noch sämig-salmonellig-roh - hier zeigt der Grillmeister sein ganzes Können!
Die Gäste veranstalten auf ihren Tellern ein Massaker aus Barbecue- und Knoblauchsauce, Tante Herthas Nudelsalat, Kräuterbutter, Brot und Fleischresten.
Irgendwann lehnen sich alle entspannt zurück und porkeln angelegentlich in den Zähnen - es ist vollbracht!
Jeder hat sich 400 g halbrohes Ekelfleisch reingezogen, eine Flasche Grillsauce vom vorletzten Jahr, Industriebrot aus einer Skandalfabrik, knapp ein Viertelglas Mayo und einige Bierchen - alles, was ein Körper braucht!
Was jetzt im Magen blubbert und in den Eingeweiden rumort, ist der aussichtslose Kampf Magensäure vs. Salmonellen vs. alte Sauce.
Aber: Et is herrlich! De Sonne knallt, et Bier auch un man sitzt mit de Freunde zusammen - hach!
Übrigens hätte der Grill genau JETZT die perfekte Temperatur.


Freitag, 4. Mai 2012

Der Chor der Verdammten

http://bit.ly/JPOtcE
Draußen wird wieder Rasen gemäht. Männer sitzen auf benzinbetriebenen Rasentraktoren, tragen Hörschutz und kriechen über die Rasenflächen des Industriegebietes. Der Heimgärtner an sich hat dieses Jahr schon mehrmals gemäht. Ganz privat. Und wenn man 'es' 'ordentlich' machen will, mäht man die gesamte Fläche gleich ein paar Mal hintereinander, mindestens einmal kreuz, einmal quer, man kennt das ja aus dem Stadion - sicher, sicher.
Zwischendurch wird Moos bekämpft, vertikutiert, Löwenzahn gekillt, ein Maulwurfshügel mit einem Fluch belegt und die Rasenkanten werden neu gestochen, aber so dermaßen akkurat, dass man auch Anno 1933 damit hätte einen Kleingarten-Preis gewinnen können. Zwischendurch wird zu OBI gefahren und der dortige Giftschrank geplündert.

Von jetzt an gibt es kein Wochenende mehr, an dem der Chor der Verdammten (Rasenmäher, Rasenkantenschneider) zwischen 9:00 und 19:00 Uhr je verstummt, es sei denn, es regnet Blut, Frösche oder beides.

Dabei ist die einzige "Nutzung" dieser Grasflächen mittlerweile zu 95% das Rasenmähen.
Es wird keine Wäsche mehr gebleicht. Kinder spielen FIFA 11 auf ihrer ps2 - drinnen, im Schneidersitz, statt draußen herumzubolzen (Blogbeitrag). Und da wir hierzulande auch keine sich anschleichenden Großraubkatzen fürchten müssen, hat sich das ganze Gedöns und Getöse um den permanent gestutzten Rasen eigentlich endgültig erledigt.
Und so richtig Bock aufs Rasenmähen hat ja auch keiner.

Ich habe mal recherchiert. Einfach zu finden war das jetzt nicht. Aber es gibt tatsächlich trittfeste Alternativen zum Rasen, DIE NICHT GEMÄHT WERDEN MÜSSEN. Ich meine jetzt nicht Kies, Beton oder grünes Altglas, sondern z.B. den blauen Kriechwacholder (Link), der kriechende Zitronenthymian (sehr trittfest) oder die englische rsp. römische Rasenkamille.
Oder, hey, total überexotisch - wie wäre es mit Wildwiesen?

Meine Güte. Was würde der Deutsche nur mit all den Riesenmengen gewonnener Freizeit anfangen?
Vermutlich würde er ad hoc irgend etwas finden, bei dem fossile Brennstoffe in Lärm, Gestank, Geschwindigkeit und Gefahr umgewandelt werden - denn du bist Deutschland!

Dann macht mal lieber weiter euren Rasen, ihr Vögel.