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Freitag, 22. Mai 2015

ru History: SoftRAM (1995)

photo credit: scenes from the 5x86 PC build via photopin (license)

Für alle, die 2014 und 2015 über hohe Hardwarepreise im PC-Bereich klagen (Bericht).

1992 habe ich bei Atelco in Wuppertal meinen ersten PC gekauft: Es war ein 468-DX33 mit 4 MB RAM und einer 80 MB großen Festplatte (Blogbeitrag). Jahrelang habe ich mit dem Teil herumgezaubert und die Festplatte war nicht einmal halb voll... :D
Wegen irgendwelcher bizarrer Details der Windows 3.11-Speicherverwaltung war nur ein Teil des mit 4 MB ohnehin nicht gerade opulenten Arbeitsspeichers verwendbar. Dazu kam, dass einmal verwendeter Arbeitsspeicher auch nicht einfach so wieder "freigegeben" wurde, auch wenn man die Anwendung beendete. Bei mir lief später permanent eine kleines Tool namens "Memmaker", welches nur den einen Job hatte: unbenutzten Speicherplatz wieder freigeben.
Wollte man etwas Anspruchsvolleres spielen als "Minesweeper", musste man für viele Spiele (wie für das großartige "Day of the Tentacle" oder den Knaller "Sam & Max hit the Road") eine Bootdiskette erstellen, den Rechner mit im Laufwerk steckender Diskette neu booten, die dann mit speziellen Einstellungen in der autoexec.bat den Speicherplatz anders freigab.
Irgendwann in 1995 war das alles nicht mehr schön.
Mehr Arbeitsspeicher musste her!
Doch ach! Ein Erdbeben hatte in Japan einfach ein paar Chip-Fabriken platt gemacht, die Preise stiegen unaufhörlich, ein einziges (also 1) MB RAM Arbeitsspeicher kostete zu der Zeit satte 100 DM, eine vernünftige Aufrüstung hätte somit 400 DM gekostet.
Heul!
Da kam die Firma Syncronys Softcorp mit ihrem Programm SoftRAM (ab Windows 3.0) gerade richtig! Das Programm versprach, alle kritischen Speichersituationen auf einmal zu beheben und den Arbeitsspeicher in Echtzeit zu komprimieren, sodass aus 4 MB sofort 8 MB wurden!
Shut up and take my money!
Der Aktienkurs des heilsbringenden Unternehmens schoss durch die Decke wie ein Senkrechtstarter, vertausendfachte sich binnen kürzester Zeit. Dann der Absturz: All die auf der Packung aufgedruckten Versprechen waren komplett gelogen, die Anwendung ein Placebo ohne jede Wirkung (Artikel c't 12/95), die Syncronys-Aktie zerbröselte zu einen Penny-Stock.

Alles Gute kommt zu dem, der warten kann: Irgendwann gingen die Preise für RAM dann auch mal wieder runter.


Samstag, 5. Januar 2013

@work 20 - "Reboot tut gut", Teil 1077

http://goo.gl/xj2jr 
Telefon schellt, Kunde dran.
Kunde: "Meine Windows-Startleiste is fott"
Ich: "Ah, sicher. Haben Sie Ihren Rechner schon neu gestartet?"
Kunde: "Jawoll!"
Ich: "Hmm. Ich wähle mich mal auf bei Ihnen."
*aufwähl* *rumsuch*
Ich: "Hmm... Naja, ich findse jetzt auch nicht!"
Kunde (mit Grabesstimme): "Das ist schlecht!"
Ich: "Naja, ich frag mal Kollegen, bleibense bitte dran."
*rumlauf* *kollegenausquetsch* *rumrätsel*
Ich: "Da bin ich wieder. Also: Wenn die Startleiste nach Neustart des Rechners verschwunden bleibt, dann haben wir keine Optionen. Ich denke wir müssen Ihren Rechner neu bespielen."
Kunde (mit Grabesstimme): "Das ist schlecht!"
*überleg*
Ich: "Ah: Wann hatten Sie Ihren Rechner denn genau 'neu gestartet'?"
Kunde: "Na, die Tage noch..."
*facepalm*

Persönliche Notiz: Nur noch 22 Jahre bis zur Rente.


Freitag, 28. Dezember 2012

@work 18 - voll das Geheimversteck

http://goo.gl/85jj0
Telefon schellt, Kunde dran*.
"Ja, hallo, ich wollte einen Ordner auf meinem Desktop verstecken... ."
"Aha?"
"Also bin ich in die Eigenschaften gegangen und hab 'versteckt' angeklickt... ."
"Hmm?"
"Na - und jetzt ist der Ordner verschwunden!"
"Nein! Grundgütiger!!!"

*facepalm*

Für alle Windows-Nutzer zum Nachspielen: Rechtsklick auf dem Desktop (da, wo kein Icon ist), auf Neu/Ordner gehen, Enter drücken. Rechtsklick auf den neuen Ordner, Eigenschaften. Im Reiter "Allgemein" Haken setzen bei "Versteckt" und OK klicken.
It's magic...



(* mein Dank an S. Seeliger und M. Wendker)



Samstag, 21. April 2012

ru24 History 35 - Daten-Archäologie

http://bit.ly/JhwdIN 
Im Oktober 1991 hatte ich mit dem Studium an der BUGH Wuppertal angefangen. Im Frühjahr 1992 war es so weit: Ich hatte genug Geld zusammen, um mir meinen ersten PC zu kaufen. Es war ein 468-DX33 mit 4 MB RAM und einer 80 MB Festplatte (Atelco, Wuppertal). Das Gehäuse wog etwa 20 kg und war genau so hoch wie mein Schreibtisch, das Mauspad habe ich dann einfach drauf gelegt. Dazu gab es einen 14" Röhrenmonitor. Gezahlt habe ich damals ziemlich genau 3.000,00 DM.
Windows 3.1 gabs auf sieben 3,5"-Installationsdisketten dazu und zuvor war DOS 5.0 (auf drei 3,5"-Installationsdisketten) zu installieren. Dateinamen waren damals maximal acht (8) Zeichen lang *kicher*. Ich fing an, mich einzulesen. Nach etlichen Try and Error-Episoden optimierte ich angstfrei die Treiberreihenfolge in der AUTOEXEC.BAT.
Meine 3,5"-Disketten (Doom I, The Incredible Machine I, Castle Wolfenstein I, zahllosen Schriftarten und Windows Hintergrundbilder im seinerzeit den Winz-Monitor ausfüllenden Format 640x480 etc.) verwahrte ich sauber beschriftet und mit unterschiedlich farbigen Labels beklebt in einer Box. Die Datenträger hatte ich mit "VGA-Copy/386" (von Thomas Mönkemeier, Link) auf 1,72 MB statt auf 1,44 MB formatiert und die Daten waren mit dem Archivierungsprogramm "ARJ" (von Thomas Jung, Link) über mehrere Datenträger gepackt (sog. "multi-volume archives"). So konnte man leicht die eine oder andere Diskette sparen. Für die schreckliche Befehlszeilen-Syntax von ARJ hatte ich mir Batch-Dateien geschrieben.
Ich glaube, ich war ein kleiner Nerd, damals.
Gut, dass ich an derart verwurstete Daten nicht mehr ran muss, ich wüsste heute gar nicht, wo ich anfangen sollte...

Auf zeit.de wurde jetzt berichtet, dass der Quellcode von "Prince of Persia I" auf wundersame Weise und mit viel fachmännischer Hilfe gerettet werden konnte (Link). (Über) 20 Jahre alte Daten zu retten, zählt also heutzutage schon zur "Daten-Archäologie".
Respekt!
Mal sehen, wie es in 20 Jahren mit den E-Books von heute aussieht...

Da fällt mir ein: Meine Sinclair ZX Spectrum Datasetten, die ich mit meinem ITT Mono-Kassettenrecorder aufgenommen hatte, habe ich auch noch... :)
Und irgendwo fliegen ein paar Kilometer selbst gedrehte Super8-Filme herum, es wird ja immer obskurer!
Schnell, ruft einen "Daten-Paläontologen"!


Donnerstag, 12. April 2012

@work 11 - technischer Fortschritt

http://bit.ly/HzkkwA
Was hat es seit 1992 nicht alles für technische Fortschritte gegeben!
Aus einem Festplattenvolumen von 120 MB ist 1 T geworden - Faktor 8.738 (Info).
Aus 4 MB RAM Arbeitsspeicher sind 4 GB RAM Arbeitsspeicher geworden - Faktor 1.000.
Aus einem Prozessortakt von 100 MHz sind 2.20 GHz geworden - Faktor 22.
Aus Windows 3.1 (mit DOS 5.5) wurde Windows 7 - Faktor 2,26 (Spaß).
Hurra!

Doch die Probleme von damals sind so aktuell wie nie: Es druckt nicht. Oder der Drucker verarbeitet die Jobs extrem langsam. Die Geschwindigkeit des Rechners kommt einer Arbeitsverweigerung gleich. Lotus Notes ist erst recht urst ultra langsam. Das Plakatdruckprogramm ist so lahm, dass Getipptes erst Sekunden später auf dem Bildschirm erscheint. Datensicherungen sichern keine Daten. Dokumente verschwinden, Datenbanken rauchen ab, Rechner, Monitore und Drucker "in echt". Es schmort.

1992 bis 2012: Es war ein langer Weg, aber wir sind ihn gegangen. 
Abgesehen von dekorativem Schnickes ist eigentlich alles wie immer.
Die zivilisierte Menschheit doktert seit 20 Jahren an den Symptomen herum und hofft, dass mit der nächsten Hardware und der nächsten Software alles besser wird.

Ich gehe felsenfest davon aus, dass in 20 Jahren der PC und Windows rückblickend als lächerlichste Irrtümer der Moderne angesehen werden.
Und wenn nicht, dann sind wir in 2032 schlimmstenfalls exakt genau so im Arsch wie heute.

Persönliche Notiz: Nur noch 22 Jahre bis zur Rente.


Mehr dazu: (Blogbeitrag)


Freitag, 12. Februar 2010

ru24: Fassungslos machende Moderne

Gestern bin ich nach Wuppertal-Elberfeld gefahren. Auf der Bahnhofstraße stand ich an der Ampelanlage zur Überquerung der Bundesallee/B7 und wartete auf grün. Hoch über den Köpfen der Autofahrer hat man an einem vielstöckigem Gebäude eine Art elektronische Plakatwand angebracht. Wenn nicht gerade die ganze Nacht eine Windows-Fehlermeldung von den Tücken der Moderne zeugt, flimmert dort in einer Tour Werbung, die an der Ampel wartenden Autofahrer zu becircen.
Auch mein Blick ruckte nach oben, ein alter, urzeitlicher Reflex des Primatenmännchens, sobald es eines flimmernden Fernsehers ansichtig wird.
Die Plakatwand flackerte kurz einschlägig vor sich hin, dann erschien eine Art Comicbild von einem Baum auf einer grünen Wiese. Dazu ein Text: "Was ist weiß und versteckt sich hinter einem Baum?"
Hä?
Die Ampel war noch immer rot, ich würde es also erfahren, was sich dort verbarg.
Nach einer rhetorischen Pause ging es weiter: Hinter dem Baumstamm schaute eine peinlich berührt grinsende weiße Flasche mit rosigen Wangen hervor. Text: "Eine schüchterne Milchflasche!"
Die Ampel sprang um auf grün.
Fassungslos begriff ich: Da hatte mir eine bescheuerte elektronische Plakatwand gerade einen schlechten Anti-Witz erzählt!

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Montag, 23. November 2009

Bürogeplänkel 11/@work 1 - Reboot tut gut


Gormley1
Originally uploaded by not_Aaron
Bei der Arbeit, technische Hotline. Mein Telefon schellt. Am Apparat ist Herr Himpelchen.
"Lotus Notes funktioniert nicht. Internet auch nicht!", sagte Herr Himpelchen mit einer Stimme, als sei ein naher Verwandter soeben verschieden.
"Aha!", sagte ich, "Drücken Sie mal bitte START."
"Wie 'Start'?"
"Das Windows-START, unten links?"
"Habe ich nicht!"
"Ich meine den grünen Windows-Start-Button, der unten links in der untersten Zeile auf ihrem Bildschirm sein müßte", versuchte ich verzweifelt.
"Habe ich nicht!!!", bellte Herr Himpelchen.
"???", sagte ich.
"Und nun?", fragte der Herr enerviert.
"Ich benötige noch die Inventarnummer Ihres Rechners."
"Wo steht die?"
"Haben Sie ein Laptop?"
"Ja."
"Die Nummer steht unten drunter."
"Kann ich nicht sehen, das Laptop ist in der Docking-Station"
"Aha. ... Ich nehme Ihren Fall auf, leite ihn an die entsprechenden Netze-Mitarbeiter weiter und jemand, der Ihnen helfen kann, wird Sie dann gleich anrufen."
"Wann wird das sein?", grollte Herr Himpelchen.
"Noch heute vormittag."
"Das ist völlig induskutabel!!! Ich kann überhaupt nicht arbeiten!"
"Ich mache es eilig!", log ich.
Herr Himpelchen murmelte etwas unfreundlich-Unverständliches und legte auf.
Fraglich ist, ob jemand, der den Windows-Start-Button nicht kennt, überhaupt je in der Lage war, zu arbeiten.

Der Kollege, der Herrn Himpelchen eine halbe Stunde später zurückgerufen hatte, saß um Jahre gealtert an seinem Platz und hatte sich gegen die innere Kälte einen Kamillentee gemacht. Nach langen, fruchtlosen Versuchen, zusammen mit Herrn H. den START-Button zu finden, hatte er quick & dirty (Strom ab & Akku raus) das Laptop neu starten lassen, danach lief wieder alles.
Reboot tut gut.

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Sonntag, 8. November 2009

Kaputtrepariert

Die X-Men-Fähigkeit meines Kumpels B. ist, Computern das Leben schwer zu machen. Er hat eine Art negatives Feld für jede Technologie, die höherwertiger ist als der Vergaser seiner Güllepumpe. Dieses Feld, nennen wir es K.O.-Feld, sorgte z.B. dafür, dass WLAN in seiner Wohnung absolut nicht möglich ist. Keiner der herbeigerufenen selbsternannten Spezialisten, echten Netzwerkern oder Schamanen war dazu in der Lage, den Rechner kabellos ins Internet zu bringen. Mulder und Scully vom FBI zogen einen Flunsch ziehend wieder ab.
Jetzt liegen Cat5-Kabel in seiner Wohnung, sie verlaufen diagonal unter den Teppichen.
Sein Rechner, die arme Sau, siecht von dem Tag seiner Erstinstallation vor sich hin, benötigt von Tag zu Tag mehr Zeit zum Hochfahren. Als mitfühlende Vogonenseele habe ich Idiot mich erbarmt und eine "1-Klick-Wartung" bei ihm installiert, um, abgesehen vom User, zumindest das zweit-, drittgrößte etc. Problem anzugehen. Das Programm fand etwa 400 Fehler, die es behob.
Alle glücklich!
Dachte ich.
Mit dem Gefühl, etwas Gutes getan zu haben, fuhr ich heim.
Mein Telefon schellte bereits, als ich meine Wohnungstür aufschloss.
"Office funktioniert nicht mehr", kam seine Stimme aus dem Telefon. Hätte er mir gesagt, er wäre unheilbar krank, hätte das fröhlicher geklungen.
Wie sich nach endlosem Häckes herausstellte, hatte er vor drei Jahren mit seinem gekauften Rechner zusammen eine 60 Tage-Testversion von Office Professional bekommen, diese hatte aufgrund ungeklärter Fehlerursache bis zum heutigen Tag klaglos ihren Dienst getan.
Meine "Reparatur" hatte das zerstört.
Und ich war schuld!
Klar.
Mittlerweile hat er eine "Home & Student 2007-Version" (die ich kaufen und auch installieren durfte).
Es ist wie immer: Keine gute Tat bleibt ungestraft.

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