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Mittwoch, 16. Juli 2014

Mein Freund Rolf (1991 bis 1999)

photo credit: Tobias Lindman via photopin cc

Freunde sind ein rares Gut! Wer einen Freund sein Eigen nennen darf, der halte an ihm fest!


[wahre Geschichte, alle Namen sind geändert]
1991 studierte ich für zwei Semester Wirtschaftswissenschaften an der Uni Wuppertal. Fast bei meiner ersten Raucherpause dort lernte ich Rolf kennen. Er war sechs oder sieben Jahre älter als ich (knapp über 30) und war ein ziemlicher Vogel. Vermutlich deswegen waren wir uns auf der Stelle sympathisch und freundeten uns an. Ich lernte im Laufe der Zeit auch seine Wuppertaler Freundin Karla kennen, eine Lehramtsstudentin.

Nach einiger Zeit hatte Rolf keine Lust mehr zum Studieren. Ihn zog es in seine alte Wahlheimat Berlin zurück, zumal seine Beziehung zu Karla kränkelte. Er wollte in Berlin mit seinem alten Freund Hans zusammenziehen, einem der ganz großen Womanizer des auslaufenden Jahrtausends. Ich half bei dem Umzug und mit einem picke-packe-vollen 2,8-Tonner, der 75 km/h Spitze fuhr, erreichten wir Berlin bei Sonnenaufgang.

Ostberlins Fassaden waren braun, grau oder braungrau, die unebenen Bürgersteige voller Hundescheiße, die Treppenhäuser seit dem Krieg (dem von 1914-18) nicht mehr renoviert worden. Wir schleppten Rolfs Polinten in den fünften Stock (was bei normaler Stockwerkhöhe mindestens der siebte Stock gewesen wäre). Dann tauchte ausgeschlafen, adrett gekleidet und gut gelaunt der Womanizer mit seinem Hab und Gut auf. Er hatte sich reichlich Hilfe kommen lassen: Birte, Selena, Maria, Xandra und die Alex. Die schweren Sachen mussten also wieder »die Jungs« schleppen. Nachdem alles oben war, muss ich kurz tot gewesen sein. Als ich nach einer Adrenalinspritze mitten ins Herz wieder zu Bewusstsein kam, gingen wir einen Döner essen. Der 2,8-Tonner machte auf dem Rückweg leer nun ganze 85 km/h Spitzengeschwindigkeit! Yay! Es war wie ein Rausch!

Von nun an telefonierten wir in loser Folge und ich besuchte Rolf jährlich in Berlin.
Die Freundschaft zwischen Rolf und Hans war mittlerweile zerbrochen, weil Rolf Hans’ brasilianischer Freundin »Nachhilfe« gegeben hatte. Ich konnte mir das schon vorstellen, wie das gelaufen war mit der »Nachhilfe«. Bei unseren Telefonaten erfuhr ich, dass auch andere Freundschaften Rolfs »aus Gründen« in die Brüche gegangen waren. Ich dachte mir meinen Teil.
Irgendwann sagte er während eines dieser Gespräche zu mir: »Henning, du bist mein bester Freund!« Ich fand das ziemlich unheimlich, wir sahen uns doch nur einmal im Jahr! Aber vermutlich war ich der »last man standing« – der Einzige, der übrig geblieben war.

Rolf, der in Berlin zwischen kurzen Phasen regulärer Beschäftigung sein Dasein als Lebenskünstler und Sozialbetrüger fristete, lernte seine Freundin Michaela kennen. Sie war Krankenschwester im nahen Urban-Klinikum, sie zogen zusammen. Michaela war eine freundliche, fröhliche und im Gegensatz zu ihrem Freund wunderbar bodenständige Person. Sie machte es immer zu einer Freude, in Berlin zu Besuch zu sein.
Die beiden wohnten in Bezirk Kreuzberg, Hobrechtstraße, die vom Hermannplatz abging. Am Hermannplatz trieb sich arg viel »Volk« (aka »trunkener Pöbel« & »multipel Abhängige«) herum. Am Kottbusser Damm »Kotti« gab es etliche türkische Gemüseläden, hie und da ein orientalisches Brautmodengeschäft und altdeutsche Butzenglas-Kneipen. In den Nebenstraßen und der Umgebung reihte sich Bar an Szenelokal, wie die heute noch hoch famose »Ankerklause«.

Einmal rief er mich an, nun sei es aber an der Zeit, dass ich ihn besuchte! Ich fragte: »Wie lange denn?«, er: »Total egal, Hauptsache du kommst!« Mit ihm musste ich ja nichts abklären, er war ja eh in keinem Arbeitsverhältnis. Also suchte ich mir ein Reisebüro und buchte für 300,00 DM eine Zugfahrt zweiter Klasse Hin/Rück nach Berlin. Dann, wieder zu Hause, rief ich ihn an: »Mission completed!« - »Wann genau kommst du?«, fragte er aufgeregt. Ich teilte ihm die Eckdaten der Woche mit, die ich gedachte nach Berlin zu reisen. Stille breitete sich aus. »Waaas? Eine ganze Woche? Bist du irre? Das geht doch nicht! In der kleinen Wohnung?«, schlug es mir entgegen. Ich war perplex. Das Gespräch wurde noch ungemütlich. Die Tickets ließ ich verfallen, umbuchen ging nicht, deshalb waren sie »so günstig« gewesen.
Soviel zu dem Thema.

Ein Jahr drauf rief er mich an, nun sei es aber wirklich ganz arg dringend an der Zeit, dass ich ihn mal wieder besuchen käme! Ich war zurückhaltend und vorsichtig geworden und fragte: »Wie lange denn GENAU?« - »Hey! Pfeif drauf! Hauptsache du kommst!« Ich suchte ein Reisebüro auf und buchte eine Zugfahrt, natürlich keine ganze Woche. Telefonisch teilte ich ihm mit, an welchen fünf (5) Tagen ich gedachte, nach Berlin zu reisen. Das, was jetzt kam, kannte ich schon. »Waaas? Fünf Tage? Das geht nicht!« Das Gespräch wurde noch reichlich ungemütlich. Ich gab ihm Tiernamen und legte auf. Die Tickets verfielen wie die vorherigen. Ich verbrachte einen deprimierenden Urlaub zu Hause, während draußen der September-Monsun das Bergische Land in eine Schlammwüste verwandelte.

Eine Weile hört ich nichts von Freund Sonne. Dann, eines Tages, schellte das Telefon und Rolfs Freundin Michaela war an der Strippe, was per se ungewöhnlich war. Das nachfolgende Gespräch dauerte etwa zwei Stunden.
Das war passiert:
Rolf hatte vom Amt eine Umschulung zum Serveradmin (oder Vergleichbares) bezahlt bekommen und musste nun brav einige Zeit in diesem Job arbeiten. Nach fast 20 Monaten (!) hatte er aber keinen Bock mehr, jeden Tag früh aufzustehen. Zudem hatte sein Chef ihn fast zehn Monate lang nicht bezahlt. Vor Gericht bekam er Recht, nun hatte er auf einmal einen Batzen Geld, den das Amt aber anrechnen würde, wenn er sich jetzt arbeitslos meldete. So verfiel er auf einen genialen Plan: Er würde die Kohle chefmäßig verjubeln!
Rolf begann, im Internet zu recherchieren. Irgendwie landete er dabei auf Foren, in denen sich junge Frauen aus Zweite- und Dritte-Welt-Ländern für »Herren« interessierten. Hey! Junge Frauen fand er auch toll! Dort traf er erstmals virtuell auf Jacqi. Sie war ein junges, lebenslustiges Ding aus einem Dorf irgendwo in Mittelamerika. Rolf, dessen Hormone seinen Realitätssinn zuweilen umnebelten, verabredete sich mit ihr in eben diesem mittelamerikanischen Land und buchte sich Flugtickets.
Seiner Partnerin, mit der er seit Jahren zusammenlebte, sagte er nur: »Ich mache Urlaub!«
Michaela wunderte sich nur, ahnte aber nichts.

Rolf nahm alles Geld, was er hatte und ließ es in Landeswährung wechseln. Er flog über den Atlantik, kam an einem palmenumstandenen Flughafen an. Er fuhr mit einer rumpelnden Eisenbahn so weit es ging. Dort nahm er ein fragwürdiges Taxi. Jacqui erwartete ihn in ihrem Dorf.
Sie muss ihm gut gefallen haben, denn schon am nächsten Tag ging Rolf zum örtlichen Schneider und ließ Maß nehmen. Zwei Tage später hielt er bei Jacquis Vater in einem Maßanzug aus feinstem Zwirn  – auf Knien um die Hand seiner Tochter an. Der Alte war hocherfreut, seinen Augenstern an einen europäischen Multimillionär zu geben und willigte ein. In Villariba wurden große Hochzeitsvorbereitungen anberaumt, von denen man in Villabajo nur träumen konnte (Youtube). Das Paar wurde mit großem Ritus vermählt, es wurde drei Tage lang gefeiert. Rolf haute die Kohle raus wie ein betrunkener Seemann. Bald stellte er fest, dass er mehr Geld benötigen würde, wenn er noch ein Flugticket für seine Braut würde zahlen müssen. Vom Postamt aus rief er seine Tante in Bochholt an und schilderte ihr die Situation. Die fragte, ob er noch alle Latten am Zaun habe und legte auf. Dann rief Tantchen umgehend Rolfs Partnerin in Berlin an. Die arme, treue Michaela, die sich bis zu diesem Augenblick in einer intakten Beziehung wähnte, fiel aus allen Wolken!
Noch an diesem Abend begann sie, ihr Hab und Gut von seinem zu trennen. Schon zum Ende der nächsten Woche zog sie in eine andere Wohnung, verschwand auf Nimmerwiedersehen.

Rolf hat die Kohle für Jacquis Ticket noch zusammenbekommen. An einem sehr kalten, sehr grauen Novembertag sind die Frischvermählten durch Schneematsch und angefrorene Hundescheiße gestapft, um in einer geplündert aussehenden, ungeheizten Wohnung in Berlin-Kreuzberg anzukommen. Die 45 Pflanzen waren zum größten Teil verdorrt. Im Briefkasten stauten sich Werbeflyer und Rechnungen, die Monatsmiete stand aus.
Vermutlich hat Freund Sonne schon am kommenden Tag Stütze beantragt.

So wird sich die lebenslustige Jacqui ihr Leben mit dem deutlich älteren europäischen Multimillionär nicht vorgestellt haben.


Einige Wochen später rief Rolf mich an, ich müsse ihn mal dringend wieder besuchen.
Ich erklärte ihm, dass Michaela mich bereits ins Bild gesetzt habe und dass es zu einem Besuch meinerseits wirklich keine Veranlassung mehr gebe. Ich wünschte ihm ein schönes Leben und legte auf.


Freunde sind ein rares Gut! Wer einen Freund sein Eigen nennen darf, der halte an ihm fest!*
*) Ausnahme: Der Freund hat heftig einen an der Klatsche.


Samstag, 13. Oktober 2012

Okapi

goo.gl/8C4b3
"Darling, welchen Pullover soll ich nehmen?", fragte die Liebste im Klamottenladen.
Wir standen vor einem Regal, ich hatte die Wahl zwischen einem weißen Pullover mit braunen Querstreifen und einem braunen Pullover mit weißen Querstreifen.
"Nimm den", sagte ich, auf den Letztgenannten weisend.
"Aha. ... Warum?", fragte sie, unerklärlich mißtrauisch gegen mich geworden.
"Naja, so braun mit weißen Querstreifen, das kenne ich, so sieht ein Okapi-Hintern aus", sagte ich wahrheitsgemäß.
...
Sie hat dann natürlich den Anderen genommen - tsts!


Mittwoch, 18. Juli 2012

Mütze

bit.ly/Oav0pF 
Berlin. Wir rannten uns die Hacken wund, Sightseeing und Freunde treffen und so.
An der Schönhauser Allee, nördlich des Senefelderplatzes im Ortsteil Prenzlauer Berg lag der/die/das/ein LAPIDARIUM - so stand es fett dran.
Also die machen da also "irgendwie in Steinen".
Sah aus wie ein Friedhof.
War wohl ein Friedhof.
Also rein, kucken.
Freundin ging vor, ich hinterher.
Anmerkung: Es war keinerlei, wie auch immer geartete Warn-Beschilderung etc. zu sehen!
"MÜTZE AUF!!!", schnauzte mich beim Reingehen die dort herumstehende Frau Bullterrier an.
"Arghl!", schaffte ich gerade noch aufgrund der freundlichen Anrede.
Ich erhaschte einen Blick auf ein Körbchen mit schwarzen, jüdischen Mützchen. Zog rasch so meine Schlüsse. Jüdische Mützchen = Jüdischer Friedhof = mützchenpflichtig (wg. "Religion und so"). Ich griff mir also eine solche Hinterkopfbedeckung (die Kippa heißt) und setzte sie auf. Ich habe ja schließlich kein Problem mit anderen Kulturen, andere Kulturen aber offenbar mit mir.
Etwas unschlüssig, ob ich jetzt meiner Freundin auch ein Mützchen mitbringen sollte, fragte ich die freundliche Frau Bullterrier.
"NEIN, NUR FÜR MÄNNER!!!", brüllte sie.
Sicher, sicher.
Ach so, na klar.
Dankeschön.
Hauptsache, man steht als Voll-Troll da!

Und: Hallo? Nur für Männer?
Chauvi-Verein!


Google Maps: (Link)

Dienstag, 6. Dezember 2011

Mädchensorgen

http://bit.ly/sbjiwz
Es gibt aufsehenerregende physikalische und biologische Vorgänge, die sich ausschließlich in Haushalten mit weiblichen Haushaltsvorstand ereignen.
 
1) Sofortverstopfung (instantane Obstruktion)
Ich hatte mal eine Freundin, bei der hätte sich der Abfluss quasi instantan verstopft, wenn man nur ein einziges Mal brockiges Spülwasser abgelassen hätte, ohne dieses erbärmliche Zusatz-Gitterdings aus dem 1,00-Euro-Laden zu benutzen. Einmal ließ ich das Teil in der Wohnung der Freundin beim Spülwasserablassen weg, weil – hey! – Wasser läuft um so vieles besser ab, wenn man das Ding einfach neben die Spüle legt! Aber klar – sofort war Deutschland in Not!
*Kreisch!!!* »Du verstopfst den Abfluss!!!«
»Nein. Du verstopft den Abfluss mit dem Kackteil, ich habe ihn nur befreit«, hätte ich gerne gesagt. Aber nassforsch kann man kreischenden Damen ja schon mal gar nicht kommen, wenn man noch was vom Wochenende haben möchte.
»Ich zahle dir die Klempnerrechnung«, sagte ich ruhig. Es folgte ein unerquicklicher Dialog, der hier nicht wiedergegeben werden soll. In Teilen ging es um eine notariell beglaubigte Klempnerrechnungs-Blanko-Übernahme-Bestätigung.
Gottogott!
Max Goldt würde das jetzt als "Mädchensorge" bezeichnen.
Ich finde, es geht nichts darüber, dass wenn das Spülwasser mal wieder ganz besonders stückig ist, beim Ablaufen lassen den Finger im Abfluss zu rotieren, bis das Gebrocke durch die sechs Löcher ist. :)

2) Sofortschimmel (instantaner Fungus)
Männer legen gerne schon einmal feuchte Kleidungsstücke in die Waschmaschine, schalten diese aber erst später an. Doch dabei unterschätzen sie die größte Gefahr für feuchte Wäschestücke: Instantanen Fungus, der natürliche Feind des weiblichen Haushaltsvorstands. Und Gott behüte, man läßt eine fertig gelaufene Waschmaschine über Nacht unaufgehangen stehen! Was dann passieren würde, dagegen sind die Vorhersagen zum Ende des Maya-Kalenders nur ein Scherz!
Sicher, sicher.
Männer trocknen Wäsche ohnehin grundsätzlich "falsch". Am Standwäschetrockner hängen sie ihre Kledage nur über einen Draht! So kommt man nämlich prima mit einem Standwäschetrockner aus. Aber das ist natürlich großer Mist! Aus Sicht der Frau muss man Kleidung zum Trocknen immer über zwei Drähte gleichzeitig hängen. Damit trocknet Wäsche ca. 17 % schneller. Dieses Verfahren verballert aber auf jeden Fall immer 176 % der Kapazität eines Standwäschetrockners. Dort nicht mehr aufhängbare Kledage muss dann auch noch über Stühlen und Heizkörpern in der ganzen Wohnung ausgebreitet werden. Hauptsache, es sieht aus wie in einem Flüchtlingslager.
Aber was tut man nicht alles, damit es nicht schimmelt und Wäsche schon am übernächsten Tag um 14:30 Uhr trocken ist (wenn man noch im Büro ist) und nicht erst um 18.00 Uhr (wenn man nach Hause kommt).

Freitag, 18. November 2011

Alles gut

http://bit.ly/tB7YG7
Sicherlich kennt das jeder: Man geht an einem Samstagnachmittag »zwischendurch nur mal eben zum Penny«. Man hat versehentlich einen Dreitagebart, trägt ein knittriges T-Shirt mit der Aufschrift »Aliens ate my brain«. Und vor allem hat man olivgrüne Crocs an den unbesockten Füßen, ist ja kein Staatsempfang. Zugegeben, ein etwas brachialer »casual wear«. Aber man ist ja mal wieder Single. Eigentlich will man »nur mal eben« Klopapier kaufen, da sagt eine Stimme hinter einem »Henning?« Nun ja, das ist dann der Olaf oder die Silke (mit denen man auf dem »Gymmi« oder auf der »Real« war). Man plauscht ein wenig im Sinne von »Wohnst du auch noch hier?« - »Äh. Ja, aber fast wäre ich mal weggezogen, nach Hückeswagen!«, dann geht man etwas steifbeinig auseinander, ein Riesengebinde Recycling-Toilettenpapier unter dem Arm. Beide sind in diesem Augenblick froh, dass sie sich im Gegensatz zu ihrem Gegenüber gut gehalten haben.
Was bei diesen Situationen bislang immer blieb, war das Gefühl, weit hinter seinen Teenagerplänen für das Leben als Erwachsener zurückgeblieben zu sein.
Tyler Durden alias Brad Pitt faßt das im Film Fight Club elegant zusammen:
»(...) Wir wurden durch das Fernsehen aufgezogen in dem Glauben das wir alle irgendwann mal Milionäre werden, Filmgötter, Rockstars. Werden wir aber nicht! Und das wird uns langsam klar. (...).«
Aber manchmal...
Gestern Abend war ich mit Queen Mom Einkäufe machen. Natürlich im Penny. Dort lief mir Peter über den Weg. Peter von »damals«. Wir hatten als Jugendliche etliche Hansa-Pils auf unser Wohl erbrochen.
Mea culpa! Ist länger her, so 1985.
Er stellte die gefürchtete Frage: »Un, wie isset?«
»Äh... Ich wohne jetzt in Wuppertal, bin mit meiner Freundin zusammengezogen - ist super, Job ist OK, alles ist gut." Ich war selbst überrascht, es war wirklich alles gut!
Peter konterte weise: »Ja, Mann, wir sind jetzt erwachsen. Irgendwann sollte auch mal alles gut sein!«
Ja, tatsächlich.
Meine Güte.
Und fast hätte ich es verpasst!


Montag, 26. September 2011

Umzug

"Ich kann hier niemals ausziehen!", sagte ich damals zu einer Freundin. Gemeint war meine Wohnung in 42477 Radevormwald, 50 m² mit Garten, Parkplatz vorm Haus für 190,00 EUR, die ich schon seit 10 Jahren bewohnte.
Ich meine hey!
Bei der Miete!?
Die Freundin schaute damals etwas sparsam. Nun, sie war meine damalige Freundin.
Aber, wie de Omma schon immer sagte: "Die Zeiten ändern sich und wir ändern uns mit ihnen". Nun, sie sagte es auf französisch, was sich anhörte wie "Musche-musche-musche-awek-ö". Also, wie sich quasi alles auf französisch anhört, aber ich wusste ja, was sie meinte.
Die Zeiten haben mich dann irgendwann auch mal erwischt und spülten mich an neue Gestade, vulgo: ich zog der Liebe halber nach Wuppertal.

Zwischenspiel: Auf einer Garten-Party in Oberhausen. Meine Freundin und ich erzählen einer uns Unbekannten, dass wir gerade nach Wuppertal gezogen seien. Sie: "Seid ihr geistesgestört?"
So viel dazu.

Ein Umzug könnte ein Riesenspaß sein, wenn das Aussortieren, Kisten besorgen, Einpacken, Renovieren, Herumschleppen, Auspacken, Anschließen, Aufbauen und Kisten sowie Müll entsorgen nicht wäre. Ich hatte schon auf vielen Umzügen geholfen und da das ganze Spektrum der Möglichkeiten erlebt, von einer völlig ungepackten Wohnung, Motto: "Ach, Kistenpacken, das geht doch schnell! Kommt rein!" bis hin zur totalen Organisation nebst Empfangsgirl im Flur mit Klemmbrett, Motto: "Karton 68 gehört laut Liste hinten links ins Schlafzimmer, da weist dich dann jemand ein!"
Doch es ist immer eine ganz eigene Sache, wenn man selber umzieht...

Hier ein paar auf die harte Tour erarbeitete Tipps:

0) Bevor ihr irgendwo hinzieht, fragt VORHER die Nachbarn, wie es da im Winter ist.
[Wir beide sind jetzt SEHR gespannt auf den Winter, nachdem uns diverse Nachbarn über die Zentralheizung im Hause und den nicht stattfindenden Winterdienst in unserer steilen, schmalen Straße aufgeklärt haben]
1) Leute, kommt aus den Puschen und packt euren Kram selbst, bevor es andere für euch tun.
[So fand ich dann im Arbeitszimmer drei Wochen nach dem Umzug eine Kiste, aus der Wolken von Fruchtfliegen aufstiegen. Sie enthielt neben Bürokrimskrams originellerweise eine Obstschale mit in Verflüssigung befindlichen Birnen, eine Art Phantasialand der Drosophila.]
2) Beschriftet eure Kartons auf beiden Schmalseiten UND dem Deckel.
[a) kistenschleppenden Freunden ist es eh scheissegal, was du auf die Kartons geschrieben hast. Und: 2. Stock: (scheissegal)², 3. Stock: (scheissegal)³ etc. b) Beschriftungen von einseitig gekennzeichneten Kisten werden von den rekrutierten Hilfskräften grundsätzlich zur Wandseite gestellt. Mein Besteck ist noch immer Missing in Action. Gewöhne mich langsam ans Fingerfood.]
2b) Schreibt auf die Kisten nicht nur K, D, B, WZ, SZ, AZ.
[Wenn plötzlich und unerwartet die TAN-Liste benötigt wird, sind trotzdem noch 8 Kisten "AZ" zu durchsuchen. Ich hatte Glück im Unglück und musste nur eine komplette Raumecke freiräumen.]
2c) Bitte nehmt einen wasserfesten Stift!
Kaum hatten die Helfer alle Kisten zum Einladen in die Autos an die Straße gestellt, öffnete der Himmel des Bergischen Landes seine Schleusen für einen kurzen aber heftigen Schauer. Aus der Umzugskistenbeschriftung "Akten, Wii, Deko" wurde im Handumdrehen "$% ,,&/ /²²". Wenn etwas schief gehen kann, geht es schief.
3) Demontiert eure Möbel selbst, bevor es andere für euch tun.
[Tütet eure Schrauben und Möbelverbindungsteile ein, nebst Zettel, für was das zum Teufel eigentlich ist. Klebt euch diese Tüten an den Körper wie Sprengstoffgürtel. Bis alles aufgebaut ist. Glaubt mir, es ist sinnvoll, auch wenn es juckt. Alternativ kann man natürlich auch 3x zu IKEA fahren und die lieben Leute am IKEA-Kundenservice-Schalter besser kennenlernen. Klaus und Irene sind übrigens dufte!]
4) Macht euch einen Ordner mit allen wichtigen Papieren.
[Wie hieß nochmal der Auto-Versicherer? Granata? Hungaria? Weiß die Fröhn-Versicherung gegen Arbeitsscheu eigentlich schon die neue Adresse? Und die scheiß TAN-Liste fürs Überweisen der Miete, siehe 2b)... Just do it.]
5) Wo entsorge ich was?
[Ein Umzug enthüllt erbarmungslos, wieviel grausam unnützes Zeugs du eigentlich hast. Und wenn man zusammenzieht, hat man den ganzen Scheiß auch noch mindestens doppelt! Entsorgung tut not. Intime Kenntnisse über Entsorgungskalender, Standorte von Altglas-, Papier- sowie Altkleidercontainern, Diakoniestationen (zur Abgabe von sonstigem Plunder), Sondermüll-Sammelstellen und Müllverbrennungsanlagen sind idealerweise VOR dem Umzug zu erwerben.]
Dann passiert lange nichts.
6) Die Telekom schaltet DSL frei.
[Der Telekom-Fritze erscheint einige lange Wochen nach dem Umzug irgendwann zwischen 8.00 Uhr und 14.00 Uhr, steckt seinen Schraubvenzieher in die Telefondose und geht wieder. Dann stehst du da mit deinen Kabeln und Geräten. Das Geschlöngels ist unbeschreiblich! NTBA, Splitter, Fritz-Box, AB, ISDN-Telefon, Netzteile und Kabelage - Technik kann so viel Spaß machen, wenn sie auf Anhieb funktioniert! Schaut vor dem Umzug ins Internet und druckt euch was aus. Die Seite kommt in den Ordner, siehe 4).]

OK, Leutz, jetzt kann nur noch alles Andere schiefgehen!

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